Crisis? What crisis?

7. März 2016 von Klaus Beck in Allgemein

Die Staffette der Gastblogger geht weiter! Nachdem die kommunikativen und technischen Möglichkeiten der sozialen Medien für die Wissenschaftskommunikation hier bereits diskutiert wurden, wechseln wir die Perspektive und denken über die ökonomische Seite der Wissenschaftskommunikation mit alten und neuen Medien nach. Die Grundlage ist wiederum eine Expertise für ACATECH, die zusammen mit Leyla Dogruel entstanden ist.

Hier möchten wir gerne einige zentrale Thesen daraus zur Diskussion stellen.

Die erste Frage, die wir uns gestellt haben, war, was es eigentlich mit der Krise des Wissenschaftsjournalismus auf sich hat. Bei nährer Betrachtung zeigt sich:

Die Gleichung Medienkrise = Krise des Qualitätsjournalismus = Krise des Wissenschaftsjournalismus geht nicht auf. Eine medienökonomisch verursachte Krise des Wissenschaftsjournalismus ist nur für die Tagespresse und die Wissensmagazine zu konstatieren, während insbesondere dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber auch der Wochenpresse hinreichende Ressourcen für den Wissenschaftsjournalismus zur Verfügung stehen!

 


8 Kommentare zu “Crisis? What crisis?”

  1. Markus Pössel Antworten | Permalink

    Mal eine allgemeine Frage: Wäre es nicht sinnvoller gewesen, erst Rückmeldung wie hier über SciLogs zu bekommen und dann erst eine Expertise für ACATECH zu machen? Teil der Neuerungen dank Internet ist ja nun einmal, dass diese Art von Feedback-einholen viel einfacher geworden ist. Man muss die neuen Möglichkeiten nur nutzen.

    • Klaus Beck Antworten | Permalink

      Klar, man kann auch erst bloggen und dann gutachten. Aber auf der Grundlage eines Forschungsstandes, den wir erstmal zusammentragen wollten, begründete Hypothesen zu diskutieren (eben Feed-Back), scheint mir effizienter als "einfach mal so" eine Diskussion anzufangen.

      • Markus Pössel Antworten | Permalink

        Ich finde es auch sinnvoll, erst den Forschungsstand zusammenzutragen und dann darauf aufbauend konkrete Hypothesen zu diskutieren.

        Aber ist das Gutachten an ACATECH denn jetzt schon abgeliefert oder nicht?

        "Forschungsstand - öffentliches Feedback - eigentliches Gutachten" scheint mir sinnvoller als "Forschungsstand - Gutachten abgeben - im Nachhinein ohne Auswirkungen auf das Gutachten diskutieren".

        Aber vielleicht habe ich da auch einfach falsch verstanden, wie die Reihenfolge gedacht ist und was da schon bei ACATECH eingereicht wurde und was nicht.

        • Klaus Beck Antworten | Permalink

          Die Expertise ist "abgeliefert", aber damit ist der Prozess eben noch nicht beendet. Es folgt noch ein Workshop und womöglich gibt es weitere Runden. Aber das liegt nicht in meiner Hand.

  2. Manfred Ronzheimer Antworten | Permalink

    Ich bin irritiert. Wenn der Forscher herausgefunden hat, dass es dem Print-Wissenschaftsjournalismus schlecht geht, und dem öffentlich-rechtlichen WJ keineswegs, dann hat er einige Entwicklungen nicht wahrgenommen. Etwa der WPK-Protest im vorigen Jahr gegen die Kürzungen beim WDR. Hier mehr: http://keine-nische.de/

    • Klaus Beck Antworten | Permalink

      Bei genauer Lektüre der These lässt sich die Irritation beseitigen: Wir schreiben über eine medienökonomisch verursachte Krise - und die sehen wir bei über 8 Mrd. Euro Rundfunkbeiträgen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht. Dass es Managementmängel oder auch Qualitätsmängel im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt, würden wir nicht bestreiten, haben aber keine Qualitäts-Studie gemacht.

  3. Manfred Ronzheimer Antworten | Permalink

    Die Antwort von Herrn Beck ("keine Qualitätsstudie") verstehe ich nicht. Mit seinem Satz "Die Gleichung Medienkrise = Krise des Qualitätsjournalismus = Krise des Wissenschaftsjournalismus geht nicht auf" erweckt er doch genau den Eindruck, er habe sich mit Qualitätsjournalismus befasst. Jetzt sagt er: April, April.

    • Klaus Beck Antworten | Permalink

      Unsere Thesen beziehen sich auf die medienökonomische Seite: Gibt es ökonomische Gründe für mögliche(!) und vielerorts diskutierte Qualitätsveränderungen zum Negativen? Da war unsere Antwort: Ja, aber nicht "in den Medien" pauschal, sondern in bestimmten Presse-Segmenten. Oder die Frage: Bieten selbstvermittelte PR oder Social Media funktionale Äqulivalente für einen potentiell kritischen Journalismus. Die Antwort war ein klares Nein - Ihr Beispiel bestätigte das ja.
      Eine inhaltsanalytische Qualitätsstudie, noch dazu mit Vorher-Nachher-Vergleich, wie wir sie z.B. in Bezug auf Wirtschaftsberichterstattung andernorts durchgeführt haben und gerade für Lokaljournalismus beginnen, haben wir für den Wissenschaftsjournalismus nicht durchgeführt. Dafür hätten weder Zeit noch Budget gereicht, aber das war auch nicht die Fragestellung der Akademien.

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