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Nominalismus, Onomatopoietika und das Abbruchgewerbe

2. Januar 2012 von Helmut Wicht

"Nomen atque omen", schreibt Plautus, "Name und Vorzeichen", und behauptet damit eine zauberische Beziehung zwischen Ding und Begriff, dem Namen und seinem Träger. Name ist Schicksal. Einen Namen nennend, kann man ein Ding, eine Person beschwören. Magisches Denken. Im Mittelalter sagten dann die 'Realisten': "Unversalia sunt realia ante rem". Alle Wirklichkeit sei in den Allgemeinbegriffen, die Einzeldinge seien nur ein Abklatsch davon. Eine zauberische Pointe: Jene Herren, die sich 'Realisten' nannten, weil sie - unverbesserliche Platoniker - eben an die... weiter

 

Adventskalendertürchen

22. Dezember 2011 von Helmut Wicht

Adventskalendertürchenblogs sind en vogue. Ich mach' mit! Ich bin aber sparsam. Ich mach' nur zwei Türchen - dafür gleichzeitig - auf. Aber ganz besondere Türen: Was es dahinter gibt, findet man hier. Fröhliche Weihnachten!   ... weiter

 

Bilder einer Ausstellung

30. November 2011 von Helmut Wicht

Mussorgskys Original würde jetzt natürlich passen. Aber noch angemessener, finde ich, ist die kratzige, rockige Version von Emerson, Lake and Palmer. Wir - Bettina Wurche, Michael Gudo und ich - haben im Senckenberg-Museum in Frankfurt/Main eine Ausstellung eingerichtet. Ich hatte Spass, die anderen zwei auch, aber doch auch einigen Stress. Denn Bettina und Michael leben von sowas, sind Profis, kriegen das als Auftragsarbeiten bezahlt. Für mich war's ein Dienstauftrag - Kooperation zwischen Uni und Museum, das ist immer gut. Also... weiter

 

Der Tod und die Fakultät

27. November 2011 von Helmut Wicht

Das ist der Geheimrat Prof. Dr. Ludwig Edinger (1855-1918). Er ist sehr berühmt. Die Medizinstudenten kennen ihn vom "Edinger-Westphal"-Kern - das ist eine Gruppe von motorischen Nervenzellen an der Wurzel des dritten Hirnnerven, deren Aktivierung die Pupille des Auges auf "eng" stellt. Die Biologen kennen ihn, weil er die Gehirne des ganzen Wirbeltierreiches vergleichend-anatomisch abgeklappert hat. Und manch einer hier in Frankfurt (ich vor allem) kennt und liebt ihn, weil es ganz wunderbare skurril-morbide Schnurren davon zu erzählen gibt, wie... weiter

 

Sprachverschraubung (Kleist)

22. November 2011 von Helmut Wicht

Es gibt - das wird Ihnen jeder Mechanikus bestätigen - nur fünf Arten von Schrauben: zu lange, zu kurze, zu dicke, zu dünne und solche mit unpassendem Gewinde. Wenn man lange im Geschäft ist und sich fleissig Schraubenvorräte zulegt, ändert das an der Situation nur wenig. Man hat nun stets etwas zu lange, ein wenig zu kurze, ein bischen zu dicke, eine Kleinigkeit zu dünne und mit einem beinahe passenden Gewinde versehene Schrauben zur Hand. In der Welt des Geistes... weiter

 

(Un)verwundbare Anatomie oder: (In)vulnerabilitas selectiva

11. November 2011 von Helmut Wicht

Präparierkurs. Die Anatomie des Hirnes ist dran und man ist schon mittendrin. Der Dozent hat das Hirn in der Hand, weist mit der Pinzette zwischen die Hirnschenkel und sagt: "Die Corpora mammillaria sind selektiv vulnerabel gegenüber dem äthyltoxischen Insult." Man muss diesen Satz ansatzlos sagen, muss ihn wie einen Speer in die schutzlosen, verwundbaren Hirne der vor lauter Fachterminologie ohnehin schon birnenweichen Studentenschaft jagen, man muss sich an dem Entsetzen weiden, das sich in den Gesichtern spiegelt, wenn sie versuchen,... weiter

 

Ulle kommt

1. November 2011 von Helmut Wicht

Ich bitte, mir zu vergeben. Das folgende ist einfach nur eine Liebesgeschichte, mit nur ein ganz klein wenig Anatomie der Haut (in einer Fussnote versteckt). Die Geschichte heisst: "Ulle kommt!" Das stand im "Betreff" eines emails, das ich vor ein paar Wochen von einer mir ganz unbekannten Frauke M. erhielt. Normalerweise drück' ich sowas ungelesen in den Müll. Aber das ..."Ulle"...Ulrike D.? Meine erste Liebe? Ja. Ulrike D. kommt. Das Mädchen, das ich, als Knabe, zuerst liebte. Jeder kennt das:... weiter

 

Im Inneren mancher Köpfe (Farbenlehre)

17. Oktober 2011 von Helmut Wicht

Das ist ein negroider Schädel  aus Afrika.  Er ist prognath (die Schneidezähne stehen recht weit vor), die Nasenöffnung ist so breit wie hoch, das Nasenbein ist flach, der Nasenstachel (unten an der Nasenhöhle) ist nicht sehr ausgeprägt, die Augenhöhlen sind deutlich viereckig, der Hirnkasten ist dolichocephal, deutlich länger als breit. Quelle der Schädelbilder Das ist ein Schädel aus Asien. Er ist nicht so prognath, das Gesicht ist flach. Der Nasenstachel ist deutlich, die Nasenöffnung viel höher als weit.  Die Öffnungen... weiter

 

Extensa vs. cogitans

5. Oktober 2011 von Helmut Wicht

Quizfrage: Welcher der beiden Schädel ist der von Descartes? René Descartes. Der mit dem "cogito, ergo sum", der mit dem Rationalismus und dem Dualismus der Substanzen, der mit der "res extensa" und der "res cogitans", der Gründervater der neuzeitlichen abendländischen Philosophie. Na? Welcher ist's? A oder B? A, natürlich. Der andere ist barbarisch, papuanisch. Ein primitiver Fetisch, eine magische Marotte, albernster Animismus, archaischer Ahnenkult. Das, was von Descartes' und vieler anderer Leute Köpfe übrig ist, kann man momentan in Mannheim,... weiter

 

Intelligent Design

29. September 2011 von Helmut Wicht

Da unternimmt es doch tatsächlich ein alternder Anatom, ein Manuskript einzureichen, das die Fahnen der Evolutionslehre im Getümmel der Gefechte mit den Kreationisten hochhält. Sehr löblich. Weil er es bei einem anatomischen Journal einreicht, dessen Herausgeber weiss, dass ich meinerseits mal Evolutionsbiologe war, bevor ich als Anatom alterte, krieg' ich das Manuskript zu Begutachtung. Die Argumentationslinie des Autors ist mir wohlvertraut. Ich verwende sie seit Jahrzehnten in meiner Lehre selbst und mit Wonne: Die Anatomie des Menschen (und im übrigen... weiter