STATT – Ein neuer Stern am Teleskoptreffenhimmel


Warme Sommernächte, die langsam wieder länger werden, Neumond... da wird es langsam Zeit endlich mal wieder sein Fernrohr auf den Himmel zu richten und die Schönheit des Sternhimmels zu genießen. Oder besser noch: Das gleich damit verknüpfen, eins von den Teleskoptreffen besuchen, die am letzten Wochenende stattfanden oder an diesem noch stattfinden werden. Stefan Oldenburg hatte da ja schon das Sankt Andreasberger Teleskoptreffen, kurz STATT anempfohlen. Auch ich hatte mich schon vor einer ganzen Weile für das neue Treffen im Harz entschieden, hatte mich doch Veranstalter Utz Schmidtko vom Verein Sternwarte St. Andreasberg e.V. eingeladen, dort einen Vortrag für Kinder zu halten.


Der Blick auf die Lichtverschmutzungskarte zeigt: Der Harz gehört neben der Mecklenburgischen Seenplatte in Deutschland zu den dunkelsten Fleckchen überhaupt. Die nächste größere Stadt ist Göttingen, ca. 40 km südwestlich. Viele der Bergrücken in dem zum Teil als Nationalpark ausgewiesenen Gegend erreichen Höhen zwischen 600 und 1000 Metern, mit dem 1141 Meter hohen Brocken als berühmtestem und höchstem Gipfel. Ein idealer Standort also nicht nur für ein Teleskoptreffen, sondern eigentlich auch für eine Sternwarte.

Eine eben solche auf der Jordanshöhe in 725 Metern Höhe oberhalb des Städtchens Sankt Andreasberg zu realisieren, hat sich der Verein Sternwarte St. Andreasberg zu Ziel gemacht. Und mit ihrem Konzept die zukünftige Sternwarte und mit ihr den Schutz des dunklen Nachthimmels in die naturnahen Freizeitangebote der Umgebung zu integrieren, haben die engagierten Mitglieder bei Anwohnern und Lokalpolitik in der Bergstadt viele Befürworter gefunden. Einzig ein großzügiger Sponsor fehlt noch, damit aus der Vision Wirklichkeit werden kann.

Vor einem guten Jahr stellte der Verein eine erste "Spechtelnacht" auf die Beine, bei der sich der Sternhimmel mit der Sommermilchstraße und ihren Deep Sky Objekten Amateurastronomen und Besuchern aus der Umgebung von seiner besten Seite zeigte. In diesem Jahr durfte es dann eine Nummer größer werden. Für das  Teleskoptreffen vom 6. bis zum 8. August 2010 warben die Sankt Andreasberger selbstbewußt mit Beobachtungsbedingungen, die denen in Namibia Konkurrenz machen könnten.

Der Beobachtungsplatz des Sankt Andreasberger Teleskoptreffens in knapp 720 Metern Höhe. Auf der gegenüberliegenden Jordanshöhe soll die Sternwarte entstehen.

Derartige Aussichten scheinen nicht nur mich angelockt zu haben. Nach gut vier Stunden Anreise gemeinsam mit einem guten Freund sieht man am Beobachtungsplatz angekommen viele von anderen Teleskoptreffen bekannte Gesichter. Sofort fällt einem der altbekannte 30-Zöller von Raffael Benner ins Auge - obwohl Raffael selbst am kommenden Wochenende in seiner schleswig-holsteinischen Heimat Veranstalter eines Teleskoptreffens ist, ist er hier. Aber auch andere Dobson-Bauer aus ganz Deutschland - vom hohen Norden bis nach Südbayern - sind gekommen. In großer Zahl vertreten sind die Mitglieder des Hannoveraner Astrostammtischs, in deren Nachbarschaft wir es uns gemütlich machen.

Das Wetter war allerdings eher ungemütlich. Schon auf den letzten Kilometern der Fahrt zeigten sich die Täler des Harz von tiefliegenden Wolkenfetzen durchzogen. Oben auf dem Sattel oberhalb von Sankt Andreasberg wehte außerdem ein recht eisiger Wind. Das änderte sich auch zum Einbruch der Dunkelheit hin leider nicht, so daß mein 16-Zoll-Dobson erstmal im Kofferraum bleiben mußte. Spät in der Nacht ist es dann aufgerissen, aber da schlief ich wie die meisten Teilnehmer schon tief und fest.

Am Samstagmorgen dagegen präsentierte sich das Urlaubs- und Wanderparadies Harz von seiner besten Seite, und mit ihm die Sonne. Diverse H-alpha-Teleskope, vom PST bis zum Lille-System am 5-Zoll-Refraktor, zeigten uns und den zahlreichen Besuchern aus dem Ort dunkle Filamente auf der Sonnenscheibe und große Protuberanzen am Sonnenrand. Sogar für die Weißlichtbeobachter hatten sich drei Fleckengruppen herausgeputzt.

Mondkrater zum Anfassen

Bevor am Nachmittag das Vortragsprogramm losgeht, ist noch genug Zeit für Fachsimpeleien mit den knapp 50  anwesendenden Teleskopbesitzern, die größtenteils Dobsons der 8-Zoll-Klasse mitgebracht haben. Aber auch größere Geräte, teils auf schweren GoTo-Montierungen oder den einen oder anderen Selbstbau gibt es zu bewundern. Ein weiteres Highlight ist ein maßstabsgetreuer Abguß des Mondsüdpols aus Beton. Für die Gußform hatte Michael Koch seine computergesteuerte CNC-Fräse mit den hochpräzisen Daten der letzten Mondmissionen gefüttert.

Im Akkord ging es am Nachmittag durch das hochkarätig besetzte Vortragsprogramm. Auch hier war der Schwerpunkt auf die Lichtverschmutzungsproblematik gesetzt. Andreas Hänel von der VdS-Fachgruppe Dark Sky zeigt den Sankt Andreasbergern das große Ziel auf: Ein "Dark Sky Park", also ein wenn möglich von der UNESCO als Welterbe ausgezeichnetes Nachthimmelschutzgebiet soll der Nationalpark Harz werden. Scienceblogger Christian Reinboth stellt seinen Vortrag über die Auswirkungen der Lichtverschmutzung online zur Verfügung.

Die Venus am Westhorizont

Viele Tagesgäste fanden sich unter den Zuschauern, so auch bei meiner Reise durch das Sonnensystem für Kinder. Gegen Abend schaute dann sogar die Presse vorbei, gerade als sich die Venus am Dämmerungshimmel hübsch zwischen den eingefärbten Wolkenschleiern positionierte. Die Wetteraussichten für die Nacht waren zwiespältig. Auf dem Satellitenbild baute sich schmaler Wolkenstreifen bedrohlich auf, die Frage war einzig und allein, wann er da sein würde. Dennoch, die Teleskope wurden bereitgemacht und durften sich nach Einbruch der Dunkelheit im Band der Milchstraße austoben, so auch mein 16-Zöller.

Die Bedingungen waren nicht perfekt, aber dennoch gut. Nur am Horizont störten ein paar Dunstschleier. In der Ferne sah man in Richtung Westen schwache Lichtglocken schimmern, wohl das nahe Osterode und in der Ferne Göttingen. Sankt Andreasberg selbst bemerkt man kaum. Der Beobachtungsplatz bot eine nahezu perfekte Rundumsicht. Gegen Mitternacht allerdings war es dann allerdings vorbei mit dem klaren Himmel, die Wolkenfront war da. Später in der Nacht kam sogar noch ein kleiner Regenschauer. Am Sonntag ging es dann bei strahlendem Sonnenschein wieder heimwärts.

Mein Teleskop in der Abendsonne

Wenn sich das STATT als Teleskoptreffen etabliert - und davon gehe ich mal aus - dürften sich auch die Bewohner der doch recht strukturschwachen Region um Sankt Andreasberg über ein weiteres Veranstaltungshighlight freuen. Der Tourismus in diesem Teil des Harzes scheint in den vergangenen Jahren ziemlich gelitten zu haben, viele Häuser in dem kleinen Ort stehen leer. Das Gelände bietet aber auf jeden Fall Platz für ein viel größeres Teleskoptreffen mit entsprechender Infrastruktur, und das auch unter Berücksichtigung der Vorschriften für den Landschafts- und Naturschutz. Das STATT ist auf dem besten Wege, den großen Treffen Konkurrenz zu machen.

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