Buntbarscheltern schauen ihren Au-pair-Fischen auf die Finger

24. Januar 2013 von Mathilde Bessert-Nettelbeck in Allgemein

Photo M.Z.

Photo:M.Z. Neolamprologus pulcher putzt am Blumentopf befestigte Eier

Wenn es um den Nachwuchs geht, kann man sich auch mal helfen lassen. Eltern geben zwar nicht gerne ihr liebes Kleines aus der Hand. Wenn man so aber ein bisschen mehr Zeit zur eigenen Subsistenz hat, wird man sich wahrscheinlich darauf einlassen können. Die Brutpflege ist eine heikle Sache, nicht nur bei uns Menschen. Buntbarsche aus dem Tanganjika See sind schon lang dafür bekannt, dass sie dieses riskante Verhalten, an den Tag legen - Sie lassen sich von kleineren, jüngeren Fischen bei der Aufzucht helfen. Bis zu 20 Tiere der Art Neolamprologus pulcher können sich so in dem Afrikanischen See um eine Brut kümmern. Eier putzen, die Bruthöhle reinigen und verteidigen wird den jüngeren Fischen zugetraut. Die Eltern haben so mehr Zeit für die anderen wichtigen Aufgaben eines Fischlebens: fressen, Räuber abwehren oder auch einfach ein bisschen entspannen.

Doch was springt dabei für die Babysitter raus? Besonders, wie konnte ein solcher Instinkt sich evolutionär entwickeln? Dazu muss es irgendeinen Vorteil für die Helfer haben, der die eigene Fortpflanzung oder die Überlebenschancen verbessert. Markus Zöttl der Universität Bern fand heraus: die Barschsitter zahlen so ihre Miete. Im Tanganjika See sind die Räuber vielfältig und ein gutes Versteck ist Gold wert. Oder in diesem Fall eine Hilfsleistung.

Um heraus zu finden wie sich in der Evolution ein bestimmtes Verhalten entwickelt hat, denken die Forscher ökonomisch. Kosten und Nutzen des Verhaltens werden gegeneinander ab gewägt. Beim Sozialverhalten sind zwei oder mehr Spieler zu berücksichtigen. Wenn man einen Nutzen findet und dies experimentell beweisen kann, kommt man in der Klärung der Evolution des Sozialverhaltens einen Schritt voran. Die Rechnung geht auf, wenn das Verhalten irgendwie die Verbreitung der Gene, also die Fortpflanzung erhöht.

Diese Art von Hilfsleistung der Buntbarsch-Au-pairs ist auf dem ersten Blick ein Verlustgeschäft für die Helfer: Die Eltern können mehr Jungen hochziehen, da ihnen geholfen wird, wobei das Risiko ist, dass die Jungen gefressen werden oder die Helfer auf der faulen Haut sitzen. Die Helfer haben das Risiko, dass sie selbst gar nicht zur Fortpflanzung kommen weil sie ihre ganze Energie auf die Pflegebabys verwenden. Einen direkten Nutzen für ihre Nachkommen gibt es erst einmal nicht.

Markus Zöttl der TauchforscherEin Verhalten wird oft als altruistisch bezeichnet, wenn die Kosten den Nutzen übersteigen. Zur Erklärung der Vorteile eines solchen Verhaltens, wird oft Hamiltons-Gesetz herangezogen. Dieses auch kin selektion theory genannte Erklärungsmodell  bringt einen neuen Faktor in die Rechnung: Verwandtschaft. Lange wurde vermutet, dass es bei den Fischen die Verwandten sind, die helfen, da sie einen Teil der Gene der Pflegebabys teilen und so indirekt ihre eigene Fortpflanzung voran bringen, wenn sie diese aufziehen. So erklärt man sich auch wie unfruchtbare Arbeiterbienen in der Evolution entstehen konnten.

Doch es sind nicht nur die Verwandten, die bei den Fischen helfen! Und eine andere direkterer Mechanismus steht auch zur Debatte: Pay- to- stay. Die Hilfe ist eine Dienstleistung der Fische, die mit einer anderen Dienstleistung, oder einem Gut entlohnt wird. Beim Menschen wird der Babysitter ja auch bezahlt, und zwar mit Geld. Manchmal aber auch, wie bei den Fischen, mit Kost und Logis. Um herauszufinden was für eine Rolle Verwandtschaft und Bezahlung in den Gruppen spielen hat Markus Zöttl die Gruppenzusammenstellung manipuliert. Er konnte zeigen, dass fremde Sitter mehr helfen als die Verwandten!  Er schloss daraus, dass von Verwandten faules Verhalten eher toleriert wird, da sie ja auch einen Teil der Gene des Brutpaares teilen und so ihr Vertrauen verdienen. Die Fremden wiederum müssen zeigen was sie können um im Versteck zu verweilen!

Photo: Markus Zöttl am Tanganijika See

In einem weiteren Experiment konnte Zöttl zeigen, dass die Untermieter außerdem schlechtes Verhalten, wie Eier verputzen, durch mehr Anstrengung kompensieren müssen wenn sie nicht rausfliegen wollen. Mit Verwandten sind die Eltern viel toleranter. Die Fische vertrauen der Familie, doch die sind faulere Babysitter.

http://www.nature.com/ncomms/journal/v4/n1/abs/ncomms2344.html

 

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Wenn es um den Nachwuchs geht, kann man sich auch mal helfen lassen. Eltern geben zwar nicht gerne ihr liebes Kleines aus der Hand, doch wenn man so ein bisschen mehr Zeit zur eigenen Subsistenz hat, wird man sich wohl darauf einlassen können. Die Brutpflege ist eine heikle Sache, nicht nur bei uns Menschen. Buntbarsche aus dem Tanganjika sind schon lang dafür bekannt, dass sie dieses riskante Verhalten, an den Tag legen- Sie lassen sich von kleineren, jüngeren Fischen bei der Aufzucht helfen. Bis zu 20 Tiere der Art Neolamprologus pulcher können sich so in dem Afrikanischen See um eine Brut kümmern. Eier putzen, die Bruthöhle reinigen und verteidigen wird den jüngeren Fischen zugetraut. Die Eltern haben so mehr Zeit für die anderen wichtigen Aufgaben eines Fischlebens: fressen, Räuber abwehren oder auch einfach ein bisschen entspannen.

Doch was springt dabei für die Babysitter raus? Besonderes, wie konnte ein solcher Instinkt sich evolutionär entwickeln? Dazu muss es irgendeinen Vorteil für die Helfer haben, der die eigene Fortpflanzung oder die Überlebenschancen verbessert. Markus Zöttl der Universität Bern fand heraus: die Barschsitter zahlen so ihre Miete. Im Tanganjika See sind die Räuber vielfältig und ein gutes Versteck ist Gold wert. Oder in diesem Fall eine Hilfsleistung.

Um heraus zu finden wie sich in der Evolution ein bestimmtes Verhalten entwickelt hat, denken die Forscher ökonomisch. Kosten und Nutzen des Verhaltens werden gegeneinander ab gewägt. Beim Sozialverhalten sind zwei oder mehr Spieler zu berücksichtigen. Wenn man einen Nutzen findet und dies experimentell beweisen kann, kommt man in der Klärung der Evolution des Sozialverhaltens einen Schritt voran. Die Rechnung geht auf, wenn das Verhalten irgendwie die Verbreitung der Gene, also die Fortpflanzung erhöht.

 Diese Art von Hilfsleistung der Buntbarsch-Au-pairs ist auf dem ersten Blick ein Verlustgeschäft für die Helfer: Die Eltern können mehr Jungen hochziehen, da ihnen geholfen wird, wobei das Risiko ist, dass die Jungen gefressen werden oder die Helfer auf der faulen Haut sitzen. Die Helfer haben das Risiko, dass sie selbst gar nicht zur Fortpflanzung kommen weil sie ihre ganze Energie auf die Pflegebabys verwenden. Einen direkten Nutzen für ihre Nachkommen gibt es erst einmal nicht.

Ein Verhalten wird oft als altruistisch bezeichnet, wenn die Kosten den Nutzen übersteigen. Zur Erklärung der Vorteile eines solchen Verhaltens, wird oft Hamiltons-Gesetz herangezogen. Dieses auch kin selektion theory genannte Erklärungsmodell  bringt einen neuen Faktor in die Rechnung: Verwandtschaft. Lange wurde vermutet, dass es bei den Fischen die Verwandten sind, die helfen, da sie einen Teil der Gene der Pflegebabys teilen und so indirekt ihre eigene Fortpflanzung voran bringen, wenn sie diese aufziehen. So erklärt man sich auch wie unfruchtbare Arbeiterbienen in der Evolution entstehen konnten.

Doch es sind nicht nur die Verwandten die bei den Fischen helfen! Und eine andere direkterer Mechanismus steht auch zur Debatte: Pay- to- stay. Die Hilfe ist eine Dienstleistung der Fische, die mit einer anderen Dienstleistung, oder einem Gut vergütet wird. Beim Menschen wird der Babysitter ja auch bezahlt, und zwar mit Geld. Manchmal aber auch, wie bei den Fischen, mit Kost und Logis. Um herauszufinden was für eine Rolle Verwandtschaft und Bezahlung in den Gruppen spielen hat Markus Zöttl die Gruppenzusammenstellung manipuliert. Er konnte zeigen, dass fremde Sitter mehr helfen als die Verwandten!  Er schloss daraus, dass von Verwandten faules Verhalten eher toleriert wird, da sie ja auch einen Teil der Gene des Brutpaares teilen und so ihr Vertrauen verdienen. Die Fremden wiederum müssen zeigen was sie können um im Versteck zu verweilen!

In einem weiteren Experiment konnte Zöttl zeigen, dass die Untermieter außerdem schlechtes Verhalten, wie Eier verputzen, durch mehr Anstrengung kompensieren müssen wenn sie nicht rausfliegen wollen. Mit Verwandten sind die Eltern viel toleranter. Die Fische vertrauen der Familie, doch die sind faulere Babysitter.

 

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