Biosenf http://www.scilogs.de/biosenf Würziges aus den Biowissenschaften Tue, 28 Jul 2015 18:30:58 +0000 de-DE hourly 1 Irgendwie faszinierend…http://www.scilogs.de/biosenf/irgendwie-faszinierend/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=irgendwie-faszinierend http://www.scilogs.de/biosenf/irgendwie-faszinierend/#comments Fri, 24 Jul 2015 09:43:23 +0000 http://www.scilogs.de/biosenf/?p=159 ... weiter]]> Ich habe einen kleinen beruflichen Schwenk eingeschlagen und bin nun in einer eher ungewöhlichen Ecke der Neurowissenschaften gelandet: Am Schnittpunkt zwischen Kunst und Wissenschaft im Dialog zu Neurotechnologie und Ethik. Und zwar hier https://www.norms-human-nature.uni-freiburg.de/projekte/discourse

Ich stehe erst am Anfang, zu verstehen, wie Kunst Forscher inspirieren kann und wie Forschung in der Kunst aufgenommen wird, aber es ist ein Thema, das mich schon immer fasziniert hat. Es begann damit, dass die meisten meiner Mitstudenten in Biologie doch nicht dröge Insekten/Pflanzen/Bakterien Zähler waren, sondern viele nach der Schule, wie ich auch, den Zwiespalt verspürt hatten: Kunst oder Naturwissenschaften?

Nach längerem hirnen über die Frage, warum dieser kreative Haufen gerade im Biologiestudium gelandet ist, war meine Hypothese, die sich schwer testen lässt, dass eine gewisse Sensiblität für die Schönheit von Regelmäßigkeiten (in der Natur oder in der Kunst) meine Kommilitonen prägte.

An dieser Stelle möchte ich nun versuchen, ein Paar Beispiele für Schnittstellen zu sammeln. Als eine Art Forschungsprozess. Es wird auf diesem Blog also in Zukunft mehr Kunst und Forschung geben und künstlerisch Forschung und Forscherkunst.

Wenn ihr dazu Anregungen habt, selber forschender Künstler oder kunstschaffender Forscher seid, nur her mit den Links und Ideen! Generell werde ich mich in die Neuroecke verziehen, da das mein Thema in unserer Arbeitsgruppe ist, aber auch weitere Beispiele sind willkommen.

Ich fang mal:

Hier ist eine Comic, auf Französisch, das sehr schön die Problematik des Split-Brain zeigt: Gibt so etwas eigentlich auch auf Deutsch?

http://lavventura.blog.lemonde.fr/2015/07/13/le-cerveau-ennemi/

Pierre Pouget, Forscher am CNRS im ICM-Krankenhaus der Salpêtrière in Paris, beschreibt einen Fall, in dem eine Frau Teile ihrer Handlungen nicht mehr kontrolliert, weil rechte und linke Gehirnhälfte nicht mehr richtig kommunizieren können. Daher knöpft sie ihr Kleidung mit der einen Hand auf und die andere Hand knöpft sie gleich darauf wieder zu. Es geht um "das Gehirn als Feind", eine gruselige Vorstellung, die für die Betroffenen sehr schmerzhaft ist und anscheind wenige Behandlungsmöglichkeiten hat.

Danke an die Zeichnerin Fiamma und Pierre Pouget für diese tolle Zusammenarbeit. Kennt ihr vergleichbare Projekte in Deutschland?

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“Soft-Skills” in Buntbarschfamilienhttp://www.scilogs.de/biosenf/soft-skills-in-buntbarschfamilien/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=soft-skills-in-buntbarschfamilien http://www.scilogs.de/biosenf/soft-skills-in-buntbarschfamilien/#comments Wed, 06 May 2015 11:01:31 +0000 http://www.scilogs.de/biosenf/?p=151 ... weiter]]>
By CBS Television (eBay item photo front photo back) [Public domain], via Wikimedia Commons,

By CBS Television (eBay item photo front photo back) [Public domain], via Wikimedia Commons,

Noch ein Projekt an dem ich das Glück hatte beteiligt zu sein: Stefan Fischer und Barbara Taborsky (und ich auch ein bisschen) zeigen, wie das sozial Verhalten von Buntbarschen, die bei der Aufzucht der Jungen zusammenarbeiten, von ihrem frühen sozialen Umfeld abhängt.

Ich habe das mal zusammengefasst und in ein Bild gepackt, um die nötige popkulturelle Referenz herzustellen.

Für alle, die es nicht erkennen, es handelt sich um die Munsters und Full House, zwei TV-Serien, bei denen es um Familie geht. Die Munsters sind eine eher kleine Familie und wenn sie Buntbarsche aus dem Tanganjika See wären, könnte die Größe ihrer Familie eine Erklärung für ihr schräges, sozialunangepasstes Verhalten sein. Die Buntbarsche, die bei Full House mitspielen, wiederum, sind totale Profis im Sozialverhalten und deswegen sind sie alle so Super-Vorzeige-90er-Buntbarsche, besonders die Olson-Zwillinge. Das heißt aber nicht, das die Munsters-Barsche unangepasst sind. Da sie eher unter Monstern bleiben, brauchen sie gar nicht mit der ganzen Nachbarschaft klarkommen, es ist also nicht schlimm, wenn sie es nicht lernen. Die "Soft-Skills", die sie erlernen, sind an ihr wahrscheiliches zukünftiges Sozialleben angepasst. Bei unseren Buntbarschen fanden wir außerdem, dass die Gehirne des erwachsenen Fischnachwuchses der „Munsters“ und der „Tanners“ zwar ins Gesamt gleich groß waren, sich aber in der Größe bestimmter Areale unterscheiden. Vorsicht: der Vergleich mit Menschenfamilien dient nur der Verständlichkeit. Es ist nicht klar, ob sich das auf Menschen übertragen lässt.

Und hier sind mehr Details zur Studie: Für Tiere, die in Gruppen leben, sind Fähigkeiten, die soziale Interaktionen, Agressionen und Hierachien regulieren, überlebenswichtig. Diese Fähigkeiten müssen aber erlernt werden. Wie sie sich entwickeln und wie stark sie ausgeprägt werden, hängt auch davon ab, was Individuen während ihrer Jugend erleben. Dazu gehören insbesondere soziale Früherfahrungen, wie die Zusammensetzung und Größe einer Gruppe in der soziale Tiere aufwachsen. Zu diesen sozialen Lebewesen gehört der Mensch, aber auch einige Fische, wie der Buntbarsch Neolamprologus pulcher, der ein regelrechtes Familienleben pflegt. Stefan Fischer, Barbara Taborsky der Abteilung für Verhaltensökologie der Universität Bern sowie Alex Kotrschal und ich fanden, dass die Familiengröße dieser Fische die Entwicklung ihrer sozialen Fähigkeiten beeinflusst. Barsche aus großen Familien reagieren angepasster und deeskalierend in sozialen Interaktionen. „Sie können so vermeiden ausgestoßen oder verletzt zu werden - das ist in Gruppen ein großer Vorteil“, erklärt Stefan, der zurzeit in Cambridge an der Arbeitsgruppe von Tim Clutton-Brock forscht. „Mit weniger Familienmitgliedern entwickelten die Tiere weniger von dem, was wir soziale Fähigkeiten nennen“. Die Studie war Teil von Stefans Doktorarbeit. Ich half ihm die Versuche durchzuführen (vor etwa drei Jahren), die gefühlte eine Million Beobachtungsstunden beinhalteten. Zusätzlich konnten wir zeigen, dass diese Verhaltensunterschiede von Grössenänderungen in zentralen Gehirnarealen begleitet werden, ohne dass sich die gesamte Gehirngröße verändert. So waren die Areale Hypothalamus und Cerebellum grösser in Großgruppen- als in Kleinfamilientieren; das sogenannte optische Tektum und die dorsale Medulla wiederum kleiner.

Wir haben Buntbarsche mit drei und mit bis zu 15 erwachsenen Familienmitgliedern großgezogen. Diese sozialen Umgebungen entsprachen Familiengrößen, wie sie bei diesen Tieren aus dem Tanganjika See natürlich zu finden sind. Als die Buntbarsche ausgewachsen waren, hat Stefan getestet, wie die Tiere mit anderen Fischen interagieren und im Anschluss haben wir dank der Hilfe von Alex Kotrschal, damals in Uppsala, jetzt in Stockholm, verschiedene Gehirnareale vermessen.

Die hier untersuchte Buntbarsch-Art ist ein kooperativer Brüter. Ein dominantes Brutpaar wird bei der Aufzucht der Larven und Jungfischen von erwachsenen Verwandten und nicht-Verwandten Gruppenmitgliedern unterstützt. Die Fische sind ein Modellorganismus um die Effekte der sozialen Früherfahrung auf das spätere Verhalten zu untersuchen. Ihre hochsoziale Lebensweise benötigt ein komplexes soziales Zusammenspiel: Gruppenmitglieder müssen angemessen auf Aggression von dominanten Tieren und Unterwürfigkeit von jüngeren Gruppenmitglieder reagieren. Nur so entsteht eine stabile Gruppe mit wenig Aggression und lebensgefährlichen Kämpfen.

Neolamprologus pulcher (Prinzessin vom Tanganjikasee) im Tanganjikasee, Zambia, Afrika. (Bild: Dario Josi, IEE, Universität Bern)

Wir fanden, dass die Gesamtgrösse des Gehirns in Individuen aus großen Gruppen nicht zunahm. Dies wiederspricht der so genannten „social brain hypothesis“, die besagt, dass Tiere in großen Gruppen größere Gehirne besitzen, um mit den höheren kognitiven Herausforderungen zurechtzukommen. Diese Erkenntnisse stammen jedoch aus Vergleichen zwischen Primatenarten. In der Entwicklung einzelner Individuen spielt es vielleicht keine Rolle. Wir fanden Hinweise darauf, dass bestimmte Gehirnareale sich je nach sozialer Früherfahrung unterschiedlich entwickeln: Die relative Größe war unterschiedlich. Wir wissen nicht ob sich diese Ergebnisse auf Primaten übertragen lassen, vielleicht unterscheidet sich die Entwicklung der Wirbeltiere doch zu stark.

Die Ergebnisse erklären Barbara Taborsky und Stefan auch mit Hilfe genereller Prinzipien der Evolution von Sozialverhalten und Ökologie: Die Studie weißt auf einen Mechanismus hin, den man ‚environmental matching’ nennt. Demnach besitzen Tiere Mechanismen, um sich früh in der Entwicklung an die Umgebung anzupassen, weil es wahrscheinlich ist, dass sie, ausgewachsen, unter ähnlichen Umweltbedingungen überleben und sich fortpflanzen müssen.

Der Druck, hohe soziale Fähigkeiten zu besitzen, steigt mit der Anzahl der Interaktionspartner und demnach mit der Gruppengröße. Fische die erwachsen vielen Interaktionen ausgesetzt sind, profitieren daher von sozialen Fähigkeiten mehr als Individuen mit wenig sozialen Interaktionen wie zum Beispiel in kleinen Gruppen. Wir vermuten, dass die Familiengröße, in der Tiere aufwachsen, sie auf die Art von Umgebung vorbereitet, in der sie wahrscheinlich als Erwachsener überleben müssen. Für Tiere, die in kleinen Gruppen aufwachsen und somit nicht so gute soziale Fähigkeiten aufweisen, sind diese auch vielleicht nicht so wichtig, da sie auch im Erwachsenenalter in kleinen Gruppen überleben müssen.

Hier ist das Paper:

http://www.jstor.org/stable/10.1086/681636

http://www.kommunikation.unibe.ch/content/medien/medienmitteilungen/news/2015/buntbarsche_sozialverhalten/index_ger.html

Stefan Fischer, Mathilde Bessert-Nettelbeck, Alexander Kotrschal & Barbara Taborsky: Rearing group size determines social competence and brain structure in a cooperatively breeding cichlid. The American Naturalist, 2015, DOI: 10.1086/681636

Zum Weiterlesen empfehle ich:

http://behav.zoology.unibe.ch/sysuif/uploads/files/esh/pdf_online/Taborsky_Oliveira_TREE2012_mitCover.pdf

http://behav.zoology.unibe.ch/sysuif/uploads/files/esh/pdf_online/Kotrschal/Kotrschal_PLoS2010.pdf

http://behav.zoology.unibe.ch/sysuif/uploads/files/esh/pdf_online/taborskyb/Taborsky_ProcB2013.pdf

http://behav.zoology.unibe.ch/sysuif/uploads/files/esh/pdf_online/taborskyb/Fischer_ProcB2014.pdf

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Zip zip tete zink tethttp://www.scilogs.de/biosenf/zip-zip-tete-zink-tet/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=zip-zip-tete-zink-tet http://www.scilogs.de/biosenf/zip-zip-tete-zink-tet/#comments Fri, 05 Dec 2014 10:56:07 +0000 http://www.scilogs.de/biosenf/?p=144 ... weiter]]> So beschreibt der Fotoband „Was fliegt denn da?“ den Gesang der Rohrammer Emberiza schoeniclus. Ich bewundere Menschen, die an solchen Beschreibungen Vögel erkennen können. Ich kann das nicht, obwohl ich mich schon näher mit dem Gesang der Rohrammer befasst habe.

Musurgia universalis, sive, Ars magna consoni et dissoni in X libros digesta Ars magna consoni et dissoni,  Kircher, Athanasius, 1602-1680. St Andrews copy at r17f ML3805.K5M8 with engraved portrait of Archduke Leopold Wilhelm of Austria bound before added engraved title page.http://library.st-andrews.ac.uk/record=b1997645~S1 Gefunden auf: http://standrewsrarebooks.wordpress.com/2013/04/09/52-weeks-of-inspiring-illustrations-week-42-athanasius-kirchers-beautiful-musurgia-universalis-1650/

Athanasius Kircher versuchte den Vogelgesang der Nachitgall mit Noten zu beschreiben. Credit: http://library.st-andrews.ac.uk/record=b1997645~S1 Musurgia universalis, sive, Ars magna consoni et dissoni in X libros digesta
Ars magna consoni et dissoni, Kircher, Athanasius, 1602-1680. St Andrews copy at r17f ML3805.K5M8 with engraved portrait of Archduke Leopold Wilhelm of Austria bound before added engraved title page.http://library.st-andrews.ac.uk/record=b1997645~S1
Gefunden auf: http://standrewsrarebooks.wordpress.com/2013/04/09/52-weeks-of-inspiring-illustrations-week-42-athanasius-kirchers-beautiful-musurgia-universalis-1650/

2010 hatte ich das Glück bei der Verhaltensbiologie-Gruppe an der Freien Universität in Berlin mitzuarbeiten und mehr über den Gesang dieses kleinen Feuchtgebiet-Vogels zu erfahren. Ich bekam die Möglichkeit diesen Vogel -(und Fledermaus) Liebhaberhaufen kennenzulernen, was letztendlich in einer Publikation mündete. In der Arbeitsgruppe von Juniorprofessorin Silke Kipper arbeitet ich besonders mit Conny Bartsch und Silke Voigt-Heucke zusammen. Sie brachten mir viel über Vogelgesang bei und über die traditionsreiche Forschung darüber. Nicht nur die hartgesottenen Birder (siehe der Spielfilm „ein Jahr vogelfrei“), immer auf der Suche nach dem nächsten Sichtungskick, interessieren sich für Vogelgesang. Zuerst war es wohl das Gefühl für Musik, das im Menschen das Interesse für den Gesang von Amsel, Nachtigall oder Meise weckte. In Indien, Griechenland und im alten Rom hielt man schon seit der Antike Singvögel wie Myna oder Nachtigall in Vogelkäfigen und Volieren.

Aristoteles, der alte Alleskönner, hat den Gesang genutzt um Vögel in „Gene“ (γένη), Arten, zu ordnen. Er erkannte: diese Arten lassen sich nach Gesängen unterscheiden. Aber er beschrieb auch schon die Laute und unterschied sie nach Eigenschaften wie Tonhöhe, Modulation, Variation.

“The nightingale, when the hills are taking on verdure, sings continually for fifteen days and fifteen nights; afterwards it sings, but not continuously. As summer advances it has a different song, not so varied as before, nor so deep, nor so intricately modulated, but simple”

Aus Περὶ τὰ Ζῷα Ἱστορίαι "Inquiries on Animals"; (lat. Historia Animālium "History of Animals"). Aristoteles, geschrieben 350 V. Chr. , ins Englische übersetzt von D'Arcy Wentworth Thompson, 1910: http://classics.mit.edu/Aristotle/history_anim.html

Der Philosoph benutze als erster den Gesang als einen der Merkmale, um Ordnung in die Vogelwelt zu bringen. Diese Idee griffen viele weitere Forscher und Gelehrte auf.

Einer der ersten Versuche die Tonfolgen zu beschreiben, die Vögel charakterisieren, war 1650 das Buch von Athanasius Kirchers Musurgia Universalis – Kircher war ein deutscher Universalgelehrter, der in Rom lebte und unteranderem den Gesang der Nachtigall als Musiknoten niederschreib.

Alfred Newton wiederum, ein Mitbegründer der Ornithological Society wandte als erster Darwins Evolutionstheorie, die er als „vera causa [true cause]“ bezeichnete, auf die Vogelkunde an. Er ging in der Analyse des artspezifischen Gesangs einen Schritt weiter und fragte sich, ob Vögel derselben Art in unterschiedlichen Ländern im Dialekt singen. 1896 schlug er sehr vorsichtig vor:

"A curious question, which has as yet attracted but little attention, is whether the notes of the same species of Bird are in all countries alike. From my own observation I am inclined to think that they are not, and there exist “dialects”, so to speak, of the song”

Newton (1893–1896), Dictionary of Birds. Reprinted in one volume (1088 pages) Black, London, 1896.

Heute weiß man, dass Gesänge einer Art geographische Variationen zeigen. Die Nachtigall in Berlin singt anders als die Nachtigall in Basel, so wie die Menschen auch andere Dialekte sprechen. Es gibt also innerartliche Variation des Artcharakters „Gesangs“, wie Newton richtig erkannte.

Vogelgesangsforscher beantworten, wie alle Verhaltensforscher Nicolaas Tinbergens vier Warum-Fragen zu ihrem Forschungsobjekt: Wie hat sich Gesang evolutionär und physiologisch entwickelt? Und was ist, evolutionär und physiologisch, die Funktion der Eigenschaft „Gesang“? Tinbergen stellte seine Klassifizierung 1963 auf - in der Blütezeit der Ethologie.

Aber schon zuvor stellten die Vogelforscher diese Fragen. Schließlich beschreibt Aristoteles schon vier Arten von Kausalitäten (causa materialis: die Materialursache, causa formalis: die Formursache, causa efficiens: die Wirkursache, causa finalis: die Zweckursache), die sich mit Tinbergens Fragen vergleichen lassen. Im 19. und 20. Jahrhundert erkundeten Forscher, wie Gesang im Syrinx, dem Organ, das nur die Singvögel, die Passeriformes, besitzen, entsteht. Die frühen Ornithologen wollten auch wissen, wie der Gesang sich entwickelt: Ist er Angeboren oder erlernt? Das ist eine Frage, die sich in so vielen Bereichen der Biologie mit der Zeit und der Entdeckung von Epigenetik (http://www.theguardian.com/science/2014/sep/07/epigenetics-heredity-diabetes-obesity-increased-cancer-risk) in ein „Jein“ entwickelte: Die Mönchsgrasmücke wird mit einem Großteil ihrer Gesangsfähigkeiten geboren, die Nachtigall lernt jedes Jahr Strophen dazu.

In diesem Video erklärt Constance Scharff wie die Entwicklung und des Erlernens des Gesangs am Beispiel des Zebrafinken erforscht wurde und wird. Sie leitet den Lehrstuhl Verhaltensbiologie an der FU Berlin, zu dem auch Silke Kipper gehört.

http://dasgehirn.info/aktuell/hirnschau/wie-voegel-das-singen-lernen-5291/

Vogelforscher stellten auch die Frage der Funktion von Gesang: Sie wandten die Evolutionstheorie an und stellten fest, Gesang scheint sowohl in der Paarung, als auch in der Verteidigung der Territorien von männlichen Vögeln eine große Rolle zu spielen. Ornithologen am Anfang des 20. Jahrhundert wie Charles Witchell und später Howard Saunders bedienten sich Darwins Theorie der natürlichen aber auch der sexuellen Selektion und versuchten so zu erklären, wie der Gesang in der Evolution aufkam: Eine gängige Hypothese ist, dass aus einfachen Rufen im Laufe der Co-Evolution von territorialem Verhalten ein Gesang entstand. All das ist immer noch „work in progress“.

Der erste Schritt um die Warum-Fragen zu beantworten, bleibt jedoch die Fähigkeit Verhalten genau beschreiben zu können. Gesang genau zu analysieren, ist nicht trivial. Lautmalerei, wie in „Was fliegt denn da?“ ist eine Möglichkeit. Es wurde auch versucht, die Gesänge mit Noten zu beschreiben (siehe oben). Im Bestreben nach Objektivität und Messfähigkeit waren diese Methoden jedoch nicht genau. Viele Forscher gaben zu bedenken, dass die musikalische Notation den Vogelgesang auf menschliche Wahrnehmung reduziere.

Erst die Erfindung der Tonaufnahmen ermöglichte es die physikalischen Eigenschaften der Tonfolgen zu bestimmen, die Vögel von sich geben. Es war der Film der den Durchbruch brachte. Eine Filmgesellschaft sprach 1935 Ornithologen der Cornell University an, ob sie ihnen nicht helfen könnten, Vögel im Freien aufzunehmen. Die Tonaufnahmen entstanden auf einer Filmrolle als Tonträger. Etwa gleichzeitig erfand Fritz Pfleumer in Deutschland das Magnetophon. Nun war zwar der Gesang im Labor abrufbar, doch, wie es Brand 1937 formulierte, löscht es nicht den Durst nach Objektivität:

“We hear what we are listening for and what we expect to hear “(Brand, 1937)

Brand gelang es unter dem Mikroskop auf seinen entwickelten Filmrollen die Veränderung des Tons mit der Zeit sichtbar zu machen.

Das Phänomen Gesang konnte nun genauer beschrieben werden. Tonhöhe, Rhythmus, Modulationen waren katalogisierbar und mit Herz, Dezibel, und Millisekunde zu beschreiben. Es entstand das Herzstück der Bioakustik: Das Spektrogramm: ein Audiosignal wird als sich nach der Zeit ändernde Frequenzkurve dargestellt. Die Amplitude bildet eine dritte Dimension, farbkodiert oder in Graustufen. Der Amerikaner Areta Saunders schlug schon 1915 diese Darstellungsform für Gesang vor. Es finden sich heute zahlreiche Internetseiten, in dem alle Rufe und Gesänge von Vogelarten aufgezeichnet sind. Sogar Apps.

Doch die individuellen Eigenschaften von Gesängen zu studieren, ist immer noch eine Herausforderung. In unserem Rohrammer-Projekt haben wir die individuellen Unterschiede im Gesang gemessen. Die Aufnahmen kamen aus dem Unteren Odertal. Wir gingen in der Objektivierung noch einen Schritt weiter: Wir ließen die Gesänge computergestützt analysieren. Denn das Auge ist nur ein Sinnesorgan, dass Muster erkennt und bewertet - auch beim Auswerten der Spektrogramme: Die Arbeitsgruppe von Silke Kipper analysiert hauptsächlich Nachtigall-Gesänge. Sie besitzen einen Katalog von Spektrogrammen, die bestimmte Gesangskomponenten, die immer wieder bei unterschiedlichen Nachtigallen auftauchen, benennen. Sie können auf diese Weise bestimmen, wer wie von wem gelernt hat. Nun kann man einen neu-aufgenommen Gesang mit dem Auge als einer dieser Katalog-Strophen identifizieren oder man kann ein Mustererkennungsprogramm verwenden. Es nutzt Kriterien, die eine voreingestellte Abweichung von dem Muster erlauben. Die Strophe wird als Strophe A erkannt, weil zum Beispiel die Tonhöhenveränderung mit der Zeit um weniger als 2 % vom Muster abweicht. So lassen sich die Ergebnisse besser nachvollziehen und wiederholen. Der Effekt „Mensch“ wird reduziert. Für unsere Rohrammern erstellten wir einen neuen Katalog von Gesangskomponenten namens Silben, aus denen sich das Lied zusammensetzt. Mehre Töne bilden Silben und diese bilden mehrmals weiderholt eine Strophe. Wiederum diese wird immer wieder gesungen und variiert. Eine Rohrammer singt zum Beispiel AAA BBB SSSS AAA BBB DDD AAA BBB DDD AAA BBB DDD AAA BBB FFF. Wir haben nun verglichen, ob und wie diese Silben von den 11 Vögeln, die wir auswerten konnten, geteilt beziehungsweise nur von einem Vogel allein gesungen werden. Es scheint die erste Silbe ist meist einzigartig und entspricht so etwas wie dem Namen des Vogels:

FredFredFred BBB DDD singt die Rohrammer Fred zum Beispiel. Je weiter hinten in der Strophe desto eher tauschen die Ammern die Silben aus. Diese Silben verwenden die Nachbarvögel zum Teil auch.

Ein kleines feines Ergebnis und ein Anlass, um mich tiefer mit der Geschichte der Bioakustik zu beschäftigen. Mit denselben technischen und theoretischen Ansätzen werden auch die Laute von Fledermäusen, Walen, Affen, Mäusen und Grillen analysiert. Silke Voigt-Heucke zum Beispiel erforscht den Paarungsgesang der Abendsegler- der größten einheimischen Fledermaus.

(http://www.fu-berlin.de/campusleben/forschen/2011/110913_fledermaeuse/index.html)

Hier gehts zur Arbeitsgruppe Verhaltensbiologie an der FU:

http://www.bcp.fu-berlin.de/biologie/arbeitsgruppen/neurobiologie_verhalten/verhaltensbiologie/index.html

Quellen:

Baker, M. C. (2001). Bird Song Research : The Past 100 Years, 14, 3–50.

Bessert-Nettelbeck, M., Kipper, S., Bartsch, C., & Voigt-Heucke, S. L. (2014). Similar, yet different: Male Reed Buntings (Emberiza schoeniclus) show high individual differences in song composition, rates of syllable sharing and use. Journal of Ornithology, 155, 689–700. doi:10.1007/s10336-014-1052-x http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10336-014-1052-x

Catchpole, C. K., & Slatera, P. J. B. (2008). Bird Song: Biological Themes and Variations. Animal Behaviour (p. 335). doi:10.1017/CBO9780511754791

Searcy, W. A. & S. Nowicki. 2009. Sexual selection and the evolution of animal signals. In: Larry R. Squire (Ed.) Encyclopedia of Neuroscience, vol. 8, pp. 769-776, Academic Press: Oxford.

Searcy, W.A. & S. Nowicki. 2000. Male-male competition and female choice in the evolution of vocal signaling. In: Y. Espmark, T. Amundsen & G. Rosenqvist (Eds.) Animal Signals: Signalling and Signal Design in Animal Communication, pp. 301-315. Tapir Academic Press: Trondheim.

The Oxford Handbook of Sound Studieswww.oxfordhandbooks.com/view/10.1093/oxfordhb/9780195388947.001.0001/oxfordhb-9780195388947

http://www.kosmos.de/produktdetail-1-1/Was_fliegt_denn_da_Der_Fotoband-841/

http://classics.mit.edu/Aristotle/history_anim.html

 

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Old School Infografik 2: Darwin im Zeitstrahlhttp://www.scilogs.de/biosenf/old-school-infografik2-darwin-zeitstrahl/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=old-school-infografik2-darwin-zeitstrahl http://www.scilogs.de/biosenf/old-school-infografik2-darwin-zeitstrahl/#comments Sun, 19 Oct 2014 14:32:49 +0000 http://www.scilogs.de/biosenf/?p=134 ... weiter]]> Ein zweites Fundstück aus meinen Uni-Lernaufschrieben ist eine Zeitleiste zu Darwins Leben. In rot sind die wichtigsten akademischen Stationen und Publikationen gekennzeichnet. Es entstand wie die letzte Grafik, während ich auf eine Diplomprüfung in Bioethik lernte.

Natürlich ist es die „Copley Medaille“, von der hier die Rede ist, und das Buch heißt auch „The Descent of Man“, aber die Grafik war nur eine Lernskizze und deswegen ist sie nicht frei von Fehlern. Ich finde sie trotzdem interressant und ihr vielleicht auch.

Eine der spannendesten Fragen um Darwins Leben ist auch, wie ich finde, an was für eine Krankheit er wohl litt. Dazu gibt es einen ganzen Wikipedia-Artikel: http://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Darwin%27s_health

Plausibel klingt für mich, dass er eine Angststörung hatte, Hypochonder war und tatsächlich auch die Chagaskrankheit eine Rolle spielte. Das soll nicht heißen das er nicht gelitten hat, im Gegenteil: Es zeigt wieviel Leid eine solche Störung bei den Betroffennen bedeutet.

IMG_1227 copieCredit: Mathilde Bessert-Nettelbeck

Auch hier ist die Quelle der Informationen für diese Grafik hauptsächlich Eve-Marie Engels: Charles Darwin. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54763-8.

Falls ihr euch über diese komischen Zeichen zum Beispiel in "Variation" wundert: °_ ist eine in französischen Schulen verwendete Abkürzung für Endungen mit "tion". Das französische Bildungssystem brachte mir Notizhilfen bei, damit man als Schüler besser den ständigen Frontalunterricht mitschreiben konnte. An der Uni erwiesen sich diese Abkürzungen als sehr nützlich.

Hier ist eine Zeitleiste des Natural History Museums in London zum Nachlesen:
www.nhm.ac.uk/resources-rx/files/darwin-timeline-23584.pdf

 

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Old School Infografikhttp://www.scilogs.de/biosenf/old-school-infografik/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=old-school-infografik http://www.scilogs.de/biosenf/old-school-infografik/#comments Fri, 03 Oct 2014 18:24:45 +0000 http://www.scilogs.de/biosenf/?p=126 ... weiter]]> Ich hätte nicht gedacht, dass es mir einmal Spaß machen würde, meine alten Lernaufschriebe aus dem Studium durchzublättern. Als ich wegen eines Umzugs den Drang zum Aussortieren verspürte – mehr als 6 Umzugskisten und ich komme mir vor wie ein „Horder“ – fand ich meine Notizen zur „Entstehung der Arten“ von Darwin wieder, die ich für meine Bioethik Prüfung zusammengekritzelt hatte. Ich habe das Buch tatsächlich gelesen. Streckenweise war es hart, aber irgendwie kam es mir wie Schummeln vor, wenn man als Biologiestudentin, die sich mit Evolution beschäftigt, dieses Werk auslässt.

Was mich bei der Forschung um Darwins Leben immer verwirrte, waren die Beziehungen, die er zu anderen Wissenschaftlern hatte, daher wer ihn in seiner Theorie auf welche Weise beeinflusste. In der Grafik unten hatte ich dann die Daten zum lernen zusammengefasst. Das Wort „Infografik“ kannte ich damals noch gar nicht. Was schlummert denn so in euren Schul- oder Uniheften?

 

IMG_1079

Credit: Mathilde Bessert-Nettelbeck

Wenn ich mich richtig erinnere, waren die orangen Pfeile persönliche Verbindungen, die Blauen welche Apekte der Forschung Darwin prägten, die Grünen welche Bereiche der Theorie von den jeweiligen Forschern beeinflusst wurden und dunkelblau waren die Pfeile zu Personen, die wiederum von Darwin beeinflusst wurden. Die Infos hatte ich aus Büchern zur Darwins Leben ( von Eve-Marie Engels zum Beispiel) und von Wikipedia bestimmt auch.

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Meine Big five 2013http://www.scilogs.de/biosenf/meine-big-five-2013/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=meine-big-five-2013 http://www.scilogs.de/biosenf/meine-big-five-2013/#comments Tue, 31 Dec 2013 13:47:41 +0000 http://www.scilogs.de/biosenf/?p=107 ©le buveur d'encre, (marion argonat)

©le buveur d'encre, (marion argonat)

Bei meinen fünf Lieblingsentdeckungen aus der Tierwelt 2013 habe ich ausnahmsweise auf Fische verzichtet (fast):

Es war ein besonders gutes Jahr für die Regenwaldforschung.

Im Sommer entdeckte ein Forscher in Peru eine mysteriöse Struktur an einem Baum im Dschungel. Die Suche nach einem Urheber habe ich verstorified (wollte ich auch mal ausprobieren).
http://storify.com/thildebiosenf/what-s-this-mysterious-silk-thingy

Eine bisher unbekannte Tapirart wurde in Brasilien gesichtet und beschrieben. Tapirus kabomani ist klein und unterscheidet sich besonders durch seine Schädelform von seinen anderen Tapirkollegen.
http://blogs.scientificamerican.com/tetrapod-zoology/2013/12/17/new-living-species-of-tapir/

Es gab in 2013 noch mehr Säugetierentdeckungen und wie süüüüüüß dieser kleine Bär ist: das Olinguito. Naja, die Gattung kannte man schon und die Art unterscheidet sich nur genetisch vom normalen Makibär. Aber was soll’s, wenn es jedes Katzenbaby um Längen an Knuffigkeit überragt, kann man daraus auch mal eine Schlagzeile machen.

Das Olinguito: ein kleiner Makibär aus Brasilien_By Mark Gurney [CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Auch sehr knuffig, auch aus Brasilien, aber nicht zum Knuddeln ist Coendou baturitensis, ein neu-beschriebenes kletterndes Stachelschwein.

http://newswatch.nationalgeographic.com/2013/12/10/new-discovery-porcupine-species-identified-in-brazil/

Coendou prehensilis, ein naher Verwandter von C. baturitensis von Cliff [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Und noch ein Tier-Mysterium in 2013: Der australische Nachtsittich, der lange in freier Wildbahn als verschollen galt, taucht wieder auf und wirft Fragen zur Rolle von Geheimniskrämereien im Artenschutz auf.

http://theconversation.com/found-worlds-most-mysterious-bird-but-why-all-the-secrecy-18000

 

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Backstein und Benzin in Potsdamhttp://www.scilogs.de/biosenf/backstein-und-benzin-in-potsdam/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=backstein-und-benzin-in-potsdam http://www.scilogs.de/biosenf/backstein-und-benzin-in-potsdam/#comments Mon, 11 Nov 2013 20:22:55 +0000 http://www.scilogs.de/biosenf/?p=97 ... weiter]]> An der Summerschool „Just politics?“ der Gesellschaft für die neuen englischsprachigen Literaturen (ASNEL/GNEL) im September in Potsdam versuchte ich mich im Workshop leiten: Mein erstes Mal und das auch noch in einem fremden Fach. Die Organisatoren freuten sich über die Biologin (interdisziplinär und so) und ich darüber, eine ganze andere Art der Naturerforschung kennen zu lernen: die Natur in der Kunst.

NASA -  Nigerdelta

NASA - Nigerdelta

Es ging um Gerechtigkeit in allen Kunstformen. Ecocrticism und postcoloniale Theorien angewandt auf Literatur, Film, Foto und alle anderen Kulturprodukten. „Eco“ sagt einem etwas: hier spielt Ökologie eine Rolle. Aber was hat es mit dem „Criticism“ auf sich? Eco-Kritiker analysieren Kunst und beurteilen die Ästhetik von Natur und Ökologie. Ziel ist es, ökologische Fragen nach Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft aufzudecken und Lösungsansätze zu entwickeln. Wie der Mensch Natur begreift und in der Kunst verarbeitet, kann seinen Umgang mit der Umwelt erklären. Umweltzerstörung, Artensterben und Klimawandel spiegeln die Probleme dieses Umgangs wieder.

 

Es ist ein sehr weites, für mich als Neuling sehr unübersichtliches Feld. In Verbindung mit Postkolonialismus Theorien erweitert sich die Analyse: das Bild, das wir uns von Natur machen ist auch geschichtlich geprägt. Machtverhältnisse, die aus der Kolonialzeit nachwirken, spielen mit bei der Darstellung von Tieren und Wildnis in so genannten postkolonialen Texten. Die Aufdeckung dieser Verhältnisse in der Naturdarstellung zeigen Ungerechtigkeiten in der Verteilung von Gütern, der Nutzung der Natur und dessen Schutz auf.

 

Prägend war für mich der Diskurs um den Umgang mir Erdöl in der sogenannten Petrofiction. Wie ist Öl dargestellt? In Fotografien, Texten, Filmen tauchen Pipelines, Ölförderung, Tankstellen aber auch Ölverschmutzung und Tankerunfälle auf. Greame MacDonald, der Warwick University ging in seinem Vortrag noch weiter, Öl ist für ihn nicht nur dort wo Benzin fließt und die Pipeline steht: jeder Gegenstand der im Zusammenhang mit Öl steht, der Energie braucht, der aus Plastik besteht, ist Teil unseres Verhältnis zu dem Rohstoff. Und somit ist alles Petrofiction, denn Öl ist allgegenwärtig.

 

Seine Analyse von Fotografien, die Pipelines abbilden, zeigt wirksam, wie in unterschiedlichen Ländern und Kulturen Pipelines und Öl eine andere Stellung einnehmen. In Nigeria, einem Land mit bedeutenden Ölfeldern im Nigerdelta ist die Pipeline Gefahr und Alltag – Ein Foto zeigt Kinder die Pipelines überqueren und das mitten in einem Dorf. In den USA wiederum ist die Pipeline versteckt und unzugänglich oder sie taucht in Bildern auf, die weite Wildnis zeigen. Auch die Gefahr von Umweltverschmutzung und Explosionen ist somit weit entfernt.

 

Bilder aus den USA

http://i1.tribune.com.pk/wp-content/uploads/2012/02/330674-IranpakgaspipelinePHOTOFILE-1328159767-964-640x480.jpg

 

Bilder aus Nigeria:

http://www.oyibosonline.com/images/nigerianPipelines.jpg

http://filipspagnoli.files.wordpress.com/2008/07/pipeline-explosion-nigeria.jpg

 

Das Nigerdelta war weiterhin Thema bei der Summerschool: Der Autor Helon Habila war auch zu Gast und stellte sein Buch „Oil on Water“ vor. Bisher hatte ich noch nie davon gehört, wie die Ölförderung die Region im Mündungsgebiet des Nigers am Golf von Guinea verwüstet hat: Jedes Jahr fließt dort die Menge an Erdöl ins Delta, die bei dem Unfall des Tankers Deepwater Horizon in den Golf von Mexico gelangte, berichtet der Autor. Im Buch beschriebt er, wie die Umweltverschmutzung das Leben der Menschen im Delta zerstört: Ihre Gesundheit, ihre Lebensgrundlage und den Frieden in der Region. Die Bewohner des Deltas leben zum großen Teil vom Fischfang – die Verschmutzung der Gewässer macht den Fisch ungenießbar und zwingt die Menschen ihre Dörfer zu verlassen. Alternativ greifen viele zum schwarzen Gold. Die Pipelines anzuzapfen ist lukrativ und sehr gefährlich. Die meisten Öllecks entstehen laut Amnesty International aber durch schlechte Wartung: das Metall der Pipelines korrodiert und das Öl verteilt sich im Boden und im Wasser.

 

In den 1990 Jahren kam es zu den ersten Konflikten in der Region: militante Umweltaktivisten sabotierten Pipelines und forderten Entschädigung. Seit dem ist die Region umkämpft: Die Militanten fingen an Angestellte der Ölgesellschaften zu entführen. Das Militär griff ein. Eine solche Entführung beschreibt Hablia in seinem Roman. Die Grenzen der Kriminalität verschwimmen, es herrscht eine Wild-West-Stimmung. Das Delta wirkt wie ein rechtsfreies No-man’s-land vor dem der Mensch nur noch flüchten kann. Die Gewässer des Deltas erscheinen in seinem Buch bedrohlich, zerstört, giftig. Die Regierung versuchte 2009 in den Konflikt einzugreifen: eine Amnestie sollte es richten – 2009 werden die Militanten gebeten die Waffen niederzulegen, gegen eine Entschädigung - die bei vielen nicht ankam. So gehen die Auseinandersetzungen weiter.

 

Im Januar kam es in den Niederlanden zu einem Gerichtsurteil, bei dem Shell Nigeria ein Landwirt aus dem Delta entschädigen muss. Das ist ein erster Schritt.

Wer sich, wie ich mit dem Thema noch nie beschäftigt hat, sollte das Buch lesen. Die Geschichte ist zwar ein bisschen verwirrend und sehr düster aber spannend.

 

Hier ein Video über einen Bericht von Amnesty international von 2011 http://www.youtube.com/watch?v=SOXW-dbTfok

 

So nahm ich ein neues Buch und viele Denkanstöße von Potsdam mit nach Haus. Mein Fazit: Es ist gar nicht so leicht, sich in eine andere Art des Erkenntnisgewinns, als ich es aus der Biologie kenne, hineinzudenken. Aber es ist eine schöne Herausforderungen.

 

 

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Popnaturhttp://www.scilogs.de/biosenf/popnatur/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=popnatur http://www.scilogs.de/biosenf/popnatur/#comments Thu, 13 Jun 2013 14:36:54 +0000 http://www.scilogs.de/biosenf/popnatur/ ... weiter]]>

Encounter with highly abnormal shark-like fish! Ten meters in length! Irregular markings! I tagged it dorsally with a homing dart! Esteban was eaten!

Steve Zissou in Die Tiefseetaucher von 2004

Ein bisschen kleiner und nicht so blutrünstig aber real ist der Jaguar Catshark . Der mysteriöse Jaguar Hai aus dem Kult-Film Die Tiefseetaucher hat nun einen realen Namensvetter: Als der Meeresbiologe und Taxonom Douglas J. Long eine neue Katzenhaieart, die er vor den Galapagos Inseln entdeckte, beschreibt, ehrt er den Unterwasserkameramann Al Giddings in dem er es Bythaelurus giddingsi nennt.

Credit: California Academy of Sciences. jaguar catshark

Der echte Jaguarhai lebt auch in der Tiefsee: Bythaelurus giddingsi wurde vor den Galapagos Inseln entdeckt. Credit: California Academy of Sciences.

Für eine Haihandbuch soll er dem Tier aber noch einen Trivialnamen geben und da er, wie man auf seiner Google Scholar Seite sieht großer Team Zissou-Fan ist, wird der Jaguarkatzenhai ins Leben gerufen. So wird aus Fiktion Wirklichkeit und Popkultur mischt sich in die naturalistische Beschreibung der Welt. Ist das ein Trend?

Die Populärkultur prägt schon lange das Bild des Wissenschaftlers in der Gesellschaft: Denn so wie die Nerds von Big Bang Theorie ist wohl nicht jeder Physiker. Und: nicht alle Meeresforscher tragen rote Mützen und rauchen Pfeife wie die Besatzung der Belafonte. Aber durch so popularisierte Bilder gewinnt die Wissenschaft an Zugänglichkeit und Unterhaltungswert für die Öffentlichkeit.

Aber wie stark beeinflusst Kunst und Kultur wiederum die naturwissenschaftliche Erforschung unserer Umwelt?

Wird eine neue Spezies, wie der Katzenhai, entdeckt wird sie zunächst beschrieben und dann benannt. Traditionell werden Arten von ihren Entdeckern benannt - nach unverwechselbaren Eigenschaften, aber gerne auch nach dem Entdecker selbst: Einmal ein Tier nach sich benennen zu dürfen ist wohl der Egotraum jedes Biologen. So findet man in den Annalen der Tiernamen so manchen humboldti oder wallacei.

Dabei muss man zwischen den Trivialnamen und den wissenschaftlichen Namen unterscheiden: In einer wissenschaftlichen Publikation wird dargestellt, warum sich die entdeckte Art so stark von anderen Arten unterscheidet, dass sie als neu gelten darf und hier wird auch der Name veröffentlicht. Der wissenschaftliche Name folgt einer schon von Carl von Linné eingeführten binomialen Nomenklatur. Eine Spezies bekommt zwei Namen: der Gattungsname (Homo) und der Artname (sapiens). Das eine dient der Einordnung, das andere der Unterscheidung -  eigentlich wie bei vielen Menschennamen auch. Charles ist eine besondere „Art“ der Familie Darwin.

Der Gattungsname ist meist schon bekannt, außer eine ganz neue Gattung wird beschrieben. Der Artname bezieht sich im besten Falle auf eine Eigenart der Spezies oder wenn die Art nicht eigenartig genug ist um ein giganteum verpasst zu bekommen, dann eben auf irgendetwas, auf eine Person zum Beispiel.

Nomenklaturregeln unterscheiden sich je nach der Organismengruppe und jeder hat sein Regelwerk. In der Zoologie ist der International_Code_of_Zoological_Nomenclature. weit verbreitet.

Es ist Mode geworden, dass nicht nur Wissenschaftler in Form einer neuen Art geehrt werden - auch alle möglichen Promis bekommen ihren Moment taxonomischen Ruhmes.

Lady Gaga, Barack Obama und Jonny Depp sind unter den neuesten Namensgebern. Gaga bekam sogar eine ganze Gattung mit ihrem Namen. Die mittelamerikanische Farngattung Gaga hat ganze 2 Arten: Gaga monstraparva and Gaga germanotta. Die Gründe für diese Widmungen sind verschieden: Lady Gaga sei eine Inspiration gewesen, Obama ein großer Forschungsförderer und Depp, naja, das Tier sieht halt aus wie Edward mit den Scherenhänden.

Analogien scheinen oft eine Rolle bei der Namensgebung zu spielen. Auch bei den Trivialnamen. Der Trivialname ist der verbreitete Name einer Art wie zum Beispiel Gänseblümchen. Meist werden diese Namen nicht vergeben sondern sie bestanden schon lange bevor es zur wissenschaftlichen Benennung kam. Manchmal ist der wissenschaftliche Name auch nur der Trivialname auf Latein: mein Lieblingsbeispiel ist das Hirtentäschelkraut, Capsella bursa-pastoris (lat. die kleine Tasche des Hirten).

Trivialnamen für neuentdeckte Arten zu vergeben, ist wichtig, wenn man möchte, dass die Existenz dieser Art von mehr als einer Handvoll Taxonomienerds wahrgenommen wird. Über des Verhältnis des Clownfischs zu seiner Lederanemone lässt sich besser sprechen und schreiben, als über die Symbiose von Amphiprion percula und Heteractis crispa.

Auch für die Vergabe neuer Trivialnamen gibt es Regeln. Sie unterscheiden sich je nach Sprache und Organismengruppe.

Viele mythologische Kreaturen inspirierten Trivialnamen echter Tierarten: Die Hydra ist klein besitzt aber nachwachsende Tentakeln, wie die Köpfe der Bestie, die Herkules besiegen konnte. Die Harpyie, ein Greifvogel mit grausamen Krallen, bewacht zwar nicht das Höllentor sondern die Baumwipfel des südamerikanischen Regenwaldes, fürchten würde ich sie trotzdem. Viele Drachen bevölkern unsere Erde, ohne Feuer zu speien.

So wird Legende Realität und die Mythenmonster gezähmt.

Eine Weiterentwicklung ist die Kryptozoologie, die versucht wissenschaftlich zu untermauern, was so an Tieren in unserer Fantasiewelt herumgeistert: geht es bei den Legenden der Meerjungfrau um die Seekuhe der tropischen Meere? Woher kommt die Legende das Monsters von Lochness wirklich? Sind Fabelwesen wie Einhörner, Drachen und Zentauren der Märchen und Mythen, nur Hirngespinste oder vielleicht Hinweise auf ausgestorbenen oder unentdeckte Arten? Auch das Auffinden als ausgestorben geltender Arten wie dem Dodo oder dem Beutelwolf sind Forschungsbereiche des Kryptobiologen. Ein Großteil dieser Forschung wird wohl eher ethnologisch als biologisch sein, doch werden so neue Legenden geschaffen. So mancher tasmanische Hobby-Abenteurer träumt davon, einmal einen Beutelwolf entdecken zu können.

Immer öfter werden Organismen auch nach fiktive Figuren aus Film und Fernsehen benannt, vielleicht weil sie heute mehr Assoziationen hervorrufen als z.B. ein Minotaurus. Die Popkultur wird Namensgeber.Filme sind eine beliebte Quelle der Inspiration: Der Jaguarkatzenhai ist nur einer von vielen Beispielen. Auch Figuren aus Star Wars werden Real: Yoda heißt seit 2012 eine antarktische Eichelwurmgattung – wegen der Ohren.Der Killerbraut aus Kill Bill Beatrix Kiddo widmet ein Biologe die 2013 neu entdeckte parasitäre Wespenart Cystomastacoides kiddo (der fehlt wohl noch ein Trivialname) wegen ihrer tödlichen Neigung, Raupen von innen heraus zu verspeisen.Bei allen drei Beispielen ist die Ähnlichkeit zum Namensgeber eher gering. Der Faszination der Autoren für diese Figuren ihrer Kultur und Jugend ist es zu verdanken, dass die wissenschaftliche Namenswelt vielfältiger und bunter wird.

Doch der Einzug der Popkultur in die Naturwissenschaften birgt die Gefahr, dass Fiktion und Wirklichkeit sich vermischen, und dass die Glaubwürdigkeit und fundierte naturalistisch-empirische Grundlagen der Naturwissenschaften in Frage gestellt werden oder sogar missbraucht werden. Das zeigt ein Film über Meerjungfrauen, eine komputeranimierte „Dokumentation“, die mit einer verfälschten wissenschaftlichen Argumentation die Existenz von Meerjungfrauen zu beweisen versucht. Verunsicherte Zuschauer fragten in den USA bei der Regierung nach, ob es denn nun wirklich Beweise für die Existenz dieser Mischwesen gäbe. So wie kurz zuvor bei einem Zombie – „Mokumentary„ musste die US-Regierung eine offizielle Stellungname zum Thema publizieren um die Gemüter zu beruhigen.

Ein Storify von David Schiffman zum Thema.

Wäre das in Deutschland auch so geschehen? Der Sender Animal Planet macht sich dadurch nicht beliebt. Schädigt ein solcher Film dem Ansehen der Wissenschaft? Bei so offensichtlicher Realitätsferne wäre es einem Zuschauer mit wissenschaftlicher Grundbildung durchaus zuzutrauen, die Aussagen des Filmes zu hinterfragen. Der Film schwächt einerseits das Bild der wissenschaftlichen Argumentation, es birgt aber die Chance, dass der Zuschauer es hinterfragt und so die Logik der wissenschaftlichen Argumentation besser versteht. Durch eigenes Nachdenken erkennen zu müssen, ob eine Forschung nun fundiert ist oder nicht ist eine hervorragenden Bildungsübung. Diese Herausforderung wird dem Kulturkonsumenten immer öfter gestellt und ich finde es erfrischend, wie es einen aus dem Informationsverspeisen herausreißt.

Im Museum stand ich schon zweimal vor der Aufgabe erkennen zu müssen was Echt und was Quatsch ist. Eine Ausstellung in Kopenhagen im Dänischen Nationalmuseum zeigt prähistorische Exponate: manche waren echt, manche frei erfunden. Eine Meerjungfrau gab es auch und ich konnte die Verwunderung eines Mädchens über das ausgestellte Skelett miterleben. Sie verstand schnell, dass etwas nicht stimmt und gemeinsam mit ihrem Papa wurde die Fälschung schnell entlarvt. Etwas ähnliches erlebte ich, als ich im Mai über das Projekt Aerofloral II auf dem Mont des Musées in Brüssel stolperte. Ein fiktives von Pflanzenkraft betriebenes Flugobjekt bei dem in Overalls gekleidete „Forscher“ den Besuchern erklären wie Pflanzen durch Tai-Chi Übungen oder erotischer Literatur zum wachsen animiert werden. „ Das Aerofloral fliegt mit Hilfe der sogenannten Phytovoltaik“, erklärte die Dame im braunen Fliegeroverall. Den Jungen neben mir ließ das kalt „Genau, und ich bin die Königin von England“.

Wie versteht man die wissenschaftliche Methodik besser, als durch ein Gegenbeispiel! Und die paar Leute die darauf hereinfallen, lernen ihre Lektion. Ich glaube nicht, dass es schadet, wenn Forschung greifbarer wird und Popularität geht manchmal auf Kosten der Seriosität. Aber ist das schlimm? Bei der Benennung von Arten sicher nicht. Der Guardian geht noch einen Schritt weiter: per Web war es 2010, 2011 und 2012 möglich bei der Benennung von zehn seltenen Arten mitzuhelfen. Der schönste Trivialname wurde sogar prämiert.

Ich freu mich jedenfalls schon darauf, wenn das Marsupilami, der Blob oder Koopa Troopas in der Tierwelt auftauchen.

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Oma Maja und der Frühlingszirkushttp://www.scilogs.de/biosenf/oma-maja-und-der-fr-hlingszirkus/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=oma-maja-und-der-fr-hlingszirkus http://www.scilogs.de/biosenf/oma-maja-und-der-fr-hlingszirkus/#comments Tue, 23 Apr 2013 15:38:47 +0000 http://www.scilogs.de/biosenf/oma-maja-und-der-fr-hlingszirkus/ ... weiter]]> alt

Foto: Christopher Bang

Endlich fängt es an: das Surren und Brummen, dass uns im Sommer dann viele Früchte bescheren wird. Die Bienen sind wieder da! Schön für uns, für die Pflanzen aber die Arbeiterbienen sehen dabei schnell alt aus wie eine norwegische Forschergruppe zeigen konnte. Während im Winter die Bienen kaum altern, nimmt sobald die Brut im Frühling zu pflegen ist, die Lernfähigkeit rapide ab.

Im Winter leben die Bienen der Arbeiterkaste mehrere Monate, im Sommer nur wenige Wochen. Dabei durchlaufen sie verschieden Stufen der Aufgabenteilung im Bienennest: Erst putzen sie, dann fliegen sie aus um Nektar zu sammeln und nach maximal zwei Monaten ist der Spass dann auch schon vorbei. Sinkt die Außentemperatur im Herbst aber auf unter 10 Grad, wird nicht mehr ausgeflogen: alle Arbeiterbienen sammeln sich dicht um die Königin in einem “Kluster” um sich warm zuhalten. Dabei werden im Laufe des Winters die Honigreserven aufgebraucht. Manche Arbeiterbiene schmeißt auch zwischendurch die Flugmuskulatur an, um als lebende Heizung den anderen Wärme zuzuführen. Diese Winter-Arbeiterinnen überleben aber bis zu sieben Monate.

Ob sie nun nur länger überleben oder ob sie wirklich langsamer altern, hat die Gruppe um David Münch untersucht. Das Altern, oder in diesem Kontext Seneszenz, ist der fortschreitende Verlust der Funktionen des Körpers im Laufe des Lebens, die zu einer erhöhten Todeswahrscheinlichkeit führen je älter ein Organismus wird.

Das heißt man kann alt werden ohne zu altern, wie die Winter-Bienen: Denn Sie leben nicht nur länger, die Forscher um David Münch zeigen, sie behalten ihre volle Lernfähigkeit bei. An drei verschiedenen Zeitpunkten im Laufe des Winters mussten die Bienen lernen, einen Geruch mit Zuckerwasser zu assoziieren. Wie schnell sie lernen, unterschied sich kein bisschen im Laufe des Winters. Die Forscher trainierten die Bienen in dem sie ihnen erst ein Geruch zeigten und kurz darauf Zuckerwasser gaben. In den darauffolgenden Versuchen durften die Bienen schnuppern (das machen sie mit den Antennen) und wer in Vorfreude schon den Saugrüssel streckte, hatte gelernt dass es gleich Leckerchen gibt. Um heraus zu finden ob die Bienen wirklich junggeblieben sind, wurden die Winterbienen zusätzlich mit im Labor aufgezogenen Winterveteranen und jungen Sommerbienen verglichen. Tatsächlich ist die Lernfähigkeit der Bienen mit dem der von neun Tage alten Sommerbienen zu vergleichen! Die älteren Sommerbienen, die aus der Winterkolonie in den Laborsommer überführt wurden und dort schon mit Nahrungssuche beschäftigt waren, zeigten eine viel langsamere Lernkurve. Irgendwas lässt sie ganz schnell Alt aussehen...

Daniel Münch trickst nun ein bisschen um zu erfahren, was der Auslöser für diese Alterung ist. Also ab ins Labor mit der Winterkolonie: Im simulierten Sommer fangen die Bienen schnell an Nachkommen zu zeugen und aufzuziehen. Das verhinderte Münch, in dem er die Königin wegsperrte. Vergleicht man die Arbeiterbienen der “kastrierten” mit den sich fröhlich fortpflanzenden Kolonien ist klar: Frühling macht alt. Bei den ehemaligen Winterbienen in der die Königin Eier legen kann, leidet die Lernfähigkeit erheblich. Die “kastrierten” Kolonien zeigten nach 70 Tagen immer noch kein Nachlassen der Lernfähigkeiten.

Ist es also das Erlebte, das die Bienen altern lässt, viel mehr als die Zeit, die vergeht? Um den Mechanismen hinter der Alterung auf den Grund zu gehen, schauten sich die norwegischen Forscher zusätzlich an, wie viel sich des fiesen kleinen Pigments Lipofuscin, dass mit Alterung und besonders Neurodegeneration assoziiert wird, im Gehirn der Bienen ansammelt. Es entsteht durch den Abbau von Fetten und Fettorganellen in der Zelle.

Erstaunlich war hier, dass es sich wiederum mit der Zeit akkumuliert: je älter die Bienenhirne, desto mehr Lipofuscin. Das erlebte war unwichtig. Nur in den Hypopharyngalen Drüsen in denen Larvenfutter produziert wird, konnten sie viel mehr Lipofuscin in den Nektar sammelnden älteren Arbeiterbienen, als in den Winter-Arbeiterinnen finden. Die Drüsen waren auch ganz schrumpellig. Aber ist das überraschend? Die Arbeiterinnen haben im simulierten Sommer schon Larven aufgezogen und fleißig gefüttert. Zellen vermehrten sich und starben. Und: produzierten ganz viel Lipofuscin.

Die Studie zeigt, die Jugend rieselt nicht davon wie in einer Sanduhr. Die Erlebnisse lassen uns altern. Was genau löste es bei denen Bienen aus? Die Pflege der Larven? Oder doch wie Münch es andeutet, der physisch anstrengende Flug zu den Blüten? Die Co-Autorin des Papers Gro Amdam, Professorin an der University of Norway und an der Arizona Staat University, publizierte schon im Juli 2012 ein erstaunliches Paper, in dem sie zeigen konnte das die Lernfähigkeit der Arbeiterbienen die älter, und somit mit der Nahrungssuche beauftragt sind zurückkehrt, wenn man sie durch Herausnehmen der Pflegebienen ins Nest zurück holt. Im Gegenteil zum Ausfliegen, scheint das Pflegen und die sozialen Interaktion mit den anderen Bienen einen Jungbrunnen für das Bienenhirn zu sein. Schon seit 1982 ist bekannt, dass wenn Bienen früher anfangen auszufliegen, sie auch schneller sterben. Das kommt nicht nur daher, dass sie eher mal gefressen werden. Der Flug an sich scheint das Altern zu beschleunigen. Die hohe Sauerstoffverbrauch und die Muskelaktivität stellt die Zellen unter Stress und lässt das Bienenhirn schnell altern. Aber ist das nur ein Nebenprodukt des Fliegens oder könnte es vielleicht sogar evolutionär entstanden sein, das unterschiedliche Arbeiterkasten unterschiedlich altern? Könnte es eine Funktion für die Fortpflanzung und das Überleben der Bienen haben?

Den Bienen steht jedenfalls viel oxidativer Stress bevor: Bei dem langen Winter muss jetzt aufgeholt werden und wir freuen uns alle schon auf leckere Kirschen, Pfirsiche, Äpfel, und natürlich Honig. Danke fürs Altern liebe Bienen.

 

Munch, D., Kreibich, C. D. and Amdam, G. V. (2013). Aging and its modulation in a long-lived worker caste of the honey bee. J. Exp. Biol. 216, 1638-1649.
http://jeb.biologists.org/content/216/9/1638.abstract 

Neukirch, A. (1982). Dependence of the life span of the honeybee (Apis mellifica) upon flight performance and energy consumption. J. Comp. Physiol. 146, 35-40.

 

 

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Flossendramahttp://www.scilogs.de/biosenf/flossendrama/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=flossendrama http://www.scilogs.de/biosenf/flossendrama/#comments Mon, 25 Mar 2013 07:58:31 +0000 http://www.scilogs.de/biosenf/flossendrama/ ... weiter]]>  

Shark Finning

Vor 10 Tagen in Bangkok war es ganz aufregend für Hailiebhaber: schaffen es fünf weitere Haiarten in den Appendix II des CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora oder auch Washington Convention)?  Als es endlich so weit war ging ein großes Jubeln durch die Netzwelt. Verfolgen  kann man es hier:  storify.com/WhySharksMatter/shark-conservation-at-cites-cop16.

Heringshaie, 3 Hammerhai Arten und  Weißspitzen-Hochseehaie dürfen nur noch unter strengen Auflagen gehandelt werden.

Aber was bedeutet das für den Hai? Der Hai hat ein Problem und das sind seine 8 Flossen. Besonders die Brust und die Rückenflossen sind einer der teuersten Luxusnahrungsmittel der Welt. 400 Dollar für ein Kilo getrocknete Flosse.

Haifischflossensuppe ist ein traditionelles chinesisches Gericht, das zu besonderen Anlässen serviert wird. Nicht nur in China sondern in großen Teilen Süd-Ost-Asiens ist das Süppchen ein Muss auf jeder Hochzeit. Und sie wird immer beliebter denn die Flossen sollen auch allerlei super tolle Eigenschaften haben, leider dafür aber null Nährwert. Sie bestehen nämlich nur aus Knorpel. Das gibt der Suppe auch ihren gelatinösen Aspekt, der Knorpel bindet die Soße. Die Knorpelstrahlen oder Nadeln sind das eigentlich Leckere und Qualitätsmerkmal einer guten Flosse.

Die kostbaren Flossen werden den Haien zum Verhängnis. Sie sind die größten Jäger in der Meeresnahrungskette und K-Selektiert, daher sie leben lange, wachsen langsam, bekommen wenig Junge und erreichen eine beträchtliche Köpergröße. Man kann sie sich als Tiger der Meere vorstellen. Es sind außerdem nur die größten, also fortpflanzungsfähigen Tiere,  deren Flossen in Frage kommen. Dafür aber alles an Arten was das Meer so her gibt. Nur größer als 1 Meter  50 müssen sie sein. Da das Fleisch der Haie oft nichts einbringt weil es nicht schmeckt und man so ein Paar Fangquoten umgehen kann werden Haie, von ihren Flossen befreit,  wieder ins Meer geschmissen. Teilweise werden die Flossen von den noch lebenden Haien abgetrennt. Die Haie sinken verstümmelt in die Tiefe und ersticken oder werden gefressen. Tierethisch sehr fraglich.

Aber bedroht es auch den Erhalt der Haiarten? Dreimal dürft ihr raten: Die Hochseehaiarten werden ja eh schon durch Beifang in der Thunfisch-Industrie dezimiert, gezieltes Fangen ist für eine Haipopulation auf Grund ihrer Biologie fatal. Beispiele kennt man aus Europa.  Flossen sind bei uns nicht so beliebt aber das Fleisch des Heringshais war noch in den 1970er Jahren zum Beispiel in Italien eine Delikatesse. Der Hype hielt nicht lange an, die Fangzahlen nahmen rapide ab. „Boom and Bust“ Fischerei nennt man das. „Busted“ sind die Haie. Heringshai ist selten geworden, besonders im Nord-Atlantik.

Den anderen großen Haiarten geht es jetzt an den Kragen: besonders beliebt sind Blauhai, Schwarzhai,  Hammerhaie aber auch Geigenrochen. Auch Weißspitzen-Hochseehaie gehören zu den Leckerbissen. Seit Jahren versuchen Aktivisten diese Arten zu schützen. Dazu kann man den Fang oder den Handel einschränken. CITES reguliert den Handel, den Fang kontrollieren die Staaten. In der EU ist das „Finning“, also das Abtrennen der Flossen auf hoher See, schon seit 2003 verboten. 2012 wurde dann auch endlich das letzte Schlupfloch gestopft, das es Fischern weiterhin ermöglichte, Flossen und Körper der Haie auf See getrennt zu lagern: wer kann da noch die Flossen und Kadaver zu ordnen? So gingen viele vielleicht auch geschützte Haiarten flossenlos und lebendig über Bord. Gefischte Haie müssen seit November intakt, mit Flossen in den Hafen kommen.

So viel kommt aber in der EU gar nicht in die Suppe.  Die meisten Flossen werden nach Asien exportiert - Und hier greift das CITES. Bisher waren 4 Haiarten (Bogenstirn-Hammerhai, weißer Hai und Riesenhai sowie die Sägehaie, und der Heringshai) im Appendix des Abkommens, eine Liste der Tierarten deren Handel überwacht werden soll. Die Arten sind sehr unterschiedlich geschützt, je nachdem , ob sie in Appendix I, II oder III sind. In Appendix I kommen die Arten, die wir fast schon ausgerottet haben, II wenn die Bedrohung schon groß ist, in III sind Arten bei denen es jetzt schon brenzlig wird, die aber vielleicht nur in bestimmten Populationen vor dem Aussterben stehen. Import, Export, Re-Export regulieren, dazu haben sich die Mitgliedsstaaten des CITES geeinigt. Das heißt nicht verbieten, Ausnahmen gibt es immer - Je nach Appendix mehr oder weniger. Für den Handel mit Flossen ist dieses Abkommen wichtig. Deswegen freuen sich alle so, außer China und Japan, anscheinend. Sie wollten die Entscheidung, die Haiarten aufzunehmen, anfechten. Wie überraschend.

National Fischereiregulierungen und international Handelsabkommen wie CITES müssen beide greifen um Haiarten zu schützen. Dazu kommen noch die RFMOs (Regional Fisheries Management Organisation), Internationale Abkommen, die größerer Fischindustrien wie zum Beispiel des Thunfischs im Atlantik( International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas (ICCAT)) in den Mitgliedstaaten und in internationalen Gewässern regeln. Sie sind wichtig um den Beifang zu verringern, aber auch das „Finning“ in internationalen Gewässern. Nur wenige regulieren leider den Haifang.

Alles super komplex. CITES reicht jedenfalls nicht um Haie vor dem verschwinden zu schützen. Viele andere Maßnahmen sind notwendig, alle haben Ausnahmen. So einige traditionelle Gerichte sind tierethisch nicht so prickelnd, als Französin kommt mir die Gänsestopfleber in den Sinn, aber im Fall der Haie gibt es gute Argumente gegen den Verzehr der Suppe: Zum Schutz der Tiere aber auch der Arten. Und wenn es nach nichts schmeckt und nicht einmal nahrhaft ist, warum eigentlich der ganze Stress?

www.cites.org

www.fao.org/docrep/005/x3690e/x3690e00.htm#Contents

www.fao.org/fishery/topic/16380/en

Übrigens, man munkelt, Haie sind die neuen Wale.

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Vor 10 Tagen in Bangkok war es ganz aufregend für Hailiebhaber: schaffen es fünf weitere Haiarten in den Appendix II des CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora oder auch Washington Convention)?  Als es endlich so weit war ging ein großes Jubeln durch die Netzwelt. Verfolgen  kann man es hier:  storify.com/WhySharksMatter/shark-conservation-at-cites-cop16.

 Heringshai, 3 Hammerhai Arten und  Weißspitzen-Hochseehaie dürfen nur noch unter strengen Auflagen gehandelt werden.

Aber was bedeutet das für den Hai? Der Hai hat ein Problem und das sind seine 8 Flossen. Besonders die Brust und die Rückenflossen sind einer der Teuersten Luxusnahrungsmittel der Welt. 400 Dollar für ein Kilo getrocknete Flosse.

Haifischflossensuppe ist ein traditionelles chinesisches Gericht, das zu besonderen Anlässen serviert wird. Nicht nur in China sondern in großen Teilen Süd-Ost-Asiens ist das Süppchen ein Muss auf jeder Hochzeit. Und sie wird immer beliebter denn die Flossen sollen auch allerlei super tolle Eigenschaften haben, leider dafür aber null Nährwert. Sie bestehen nämlich nur aus Knorpel. Das gibt der Suppe auch ihren gelatinösen Aspekt, der Knorpel bindet die Soße. Die Knorpelstrahlen oder Nadeln sind das eigentlich Leckere und Qualitätsmerkmal einer guten Flosse.

Die kostbaren Flossen werden den Haien zum Verhängnis. Sie sind die größten Jäger in der Meeresnahrungskette und K-Selektiert, daher sie leben lange, wachsen langsam, bekommen wenig Junge und erreichen eine beträchtliche Köpergröße. Man kann sie sich als Tiger der Meere vorstellen. Es sind außerdem nur die größten, also fortpflanzungsfähigen Tiere,  deren Flossen in Frage kommen. Dafür aber alles an Arten was das Meer so her gibt. Nur größer als 1 Meter  50 müssen sie sein. Da das Fleisch der Haie oft nichts einbringt weil es nicht schmeckt und man so ein Paar Fangquoten umgehen kann werden Haie, von ihren Flossen befreit,  wieder ins Meer geschmissen. Teilweise werden die Flossen von den noch lebenden Haien abgetrennt. Die Haie sinken verstümmelt in die Tiefe und ersticken oder werden gefressen. Tierethisch sehr fraglich.

 Aber bedroht es auch den Erhalt der Haiarten? Dreimal dürft ihr raten: Die Hochseehaiarten werden ja eh schon durch Beifang in der Thunfisch-Industrie dezimiert, gezieltes Fangen ist für eine Haipopulation auf Grund ihrer Biologie fatal. Beispiele kennt man aus Europa.  Flossen sind bei uns nicht so beliebt aber das Fleisch des Heringshais war noch in den 1970 zum Beispiel in Italien eine Delikatesse. Der Hype hielt nicht lang an, die Fangzahlen nahmen rapide ab. „Boom and Bust“ Fischerei nennt man das. „Busted“ sind die Haie. Heringshai ist selten geworden, besonders im Nord-Atlantik.

Den anderen großen Haiarten geht es jetzt an den Kragen: besonders beliebt sind Blauhai, Schwarzhai,  Hammerhaie aber auch Geigenrochen. Auch Weißspitzen Hochseehaie gehören zu den Leckerbissen. Seit Jahren versuchen Aktivisten diese Arten zu schützen. Dazu kann man den Fang oder den Handel einschränken. CITES reguliert den Handel, den Fang kontrollieren die Staaten. In der EU ist das „Finning“, also das Abtrennen der Flossen auf hoher See, schon seit 2003 verboten. 2012 wurde dann auch endlich das letzte Schlupfloch gestopft, das es Fischern weiterhin ermöglichte, Flossen und Körper der Haie auf See getrennt zu lagern: wer kann da noch die Flossen und Kadaver zu ordnen? So gingen viele vielleicht auch geschützte Haiarten flossenlos und lebendig über Bord. Gefischte Haie müssen seit November intakt, mit Flossen in den Hafen kommen.

So viel kommt aber in der EU gar nicht in die Suppe.  Die meisten Flossen werden nach Asien exportiert- Und hier greift das CITES. Bisher waren 4 Haiarten (Bogenstirn-Hammerhai, weißer Hai und Riesenhai sowie die Sägehaie, und der Heringshai) im Appendix des Abkommens, eine Liste der Tierarten deren Handel überwacht werden soll. Die Arten sind sehr unterschiedlich geschützt, je nachdem , ob sie in Appendix I, II oder III sind. In Appendix I komm die Arten die wir fast schon ausgerottet haben, II wenn die Bedrohung schon groß ist, in III sind Arten bei denen es jetzt schon brenzlig wird, aber vielleicht nur in bestimmten Populationen vor dem Aussterben stehen. Import, Export, Re- Export regulieren, dazu haben sich die Mitgliedsstaaten des CITES geeinigt. Das heißt nicht verbieten, Ausnahmen gibt es immer. Je nach Appendix mehr oder weniger. Für den Handel mit Flossen ist dieses Abkommen wichtig. Deswegen freuen sich alle so, außer China und Japan, anscheinend. Sie wollten die Entscheidung, die Haiarten aufzunehmen, anfechten. Wie überraschend.

National Fischereiregulierungen und international Handelsabkommen wie CITES müssen beide greifen um Haiarten zu schützen. Dazu kommen noch die RFMOs (Regional Fisheries Management Organisation), Internationale Abkommen, die größerer Fischindustrien wie zum Beispiel des Thunfischs m Atlantik( International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas (ICCAT))international und in internationalen Gewässern regeln. Auch wichtig um den Beifang zu verringern aber auch das „Finning“ in internationalen Gewässern. Aber nur wenige regulieren den Haifang.

 Alles super komplex.  CITES reicht jedenfalls nicht um Haie vor dem verschwinden zu schützen. Viele andere Maßnahmen sind notwendig, alle haben Ausnahmen. So einige traditionelle Gerichte sind tierethisch nicht so prickelnd, als Französin kommt mir die Gänsestopfleber in den Sinn, aber im Fall der Haie gibt es gute Argumente gegen den Verzehr der Suppe: Zum Schutz der Tiere aber auch der Arten. Und wenn es nach nichts schmeckt und nicht einmal nahrhaft ist, warum eigentlich der ganze Stress?

http://www.cites.org/

http://www.fao.org/docrep/005/x3690e/x3690e00.htm#Contents

http://www.fao.org/fishery/topic/16380/en

Vor 10 Tagen in Bangkok war es ganz aufregend für Hailiebhaber: schaffen es fünf weitere Haiarten in den Appendix II des CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora oder auch Washington Convention)?  Als es endlich so weit war ging ein großes Jubeln durch die Netzwelt. Verfolgen  kann man es hier:  storify.com/WhySharksMatter/shark-conservation-at-cites-cop16.

 Heringshaie, 3 Hammerhai Arten und  Weißspitzen-Hochseehaie dürfen nur noch unter strengen Auflagen gehandelt werden.

Aber was bedeutet das für den Hai? Der Hai hat ein Problem und das sind seine 8 Flossen. Besonders die Brust und die Rückenflossen sind einer der Teuersten Luxusnahrungsmittel der Welt. 400 Dollar für ein Kilo getrocknete Flosse.

Haifischflossensuppe ist ein traditionelles chinesisches Gericht, das zu besonderen Anlässen serviert wird. Nicht nur in China sondern in großen Teilen Süd-Ost-Asiens ist das Süppchen ein Muss auf jeder Hochzeit. Und sie wird immer beliebter denn die Flossen sollen auch allerlei super tolle Eigenschaften haben, leider dafür aber null Nährwert. Sie bestehen nämlich nur aus Knorpel. Das gibt der Suppe auch ihren gelatinösen Aspekt, der Knorpel bindet die Soße. Die Knorpelstrahlen oder Nadeln sind das eigentlich Leckere und Qualitätsmerkmal einer guten Flosse.

Die kostbaren Flossen werden den Haien zum Verhängnis. Sie sind die größten Jäger in der Meeresnahrungskette und K-Selektiert, daher sie leben lange, wachsen langsam, bekommen wenig Junge und erreichen eine beträchtliche Köpergröße. Man kann sie sich als Tiger der Meere vorstellen. Es sind außerdem nur die größten, also fortpflanzungsfähigen Tiere,  deren Flossen in Frage kommen. Dafür aber alles an Arten was das Meer so her gibt. Nur größer als 1 Meter  50 müssen sie sein. Da das Fleisch der Haie oft nichts einbringt weil es nicht schmeckt und man so ein Paar Fangquoten umgehen kann werden Haie, von ihren Flossen befreit,  wieder ins Meer geschmissen. Teilweise werden die Flossen von den noch lebenden Haien abgetrennt. Die Haie sinken verstümmelt in die Tiefe und ersticken oder werden gefressen. Tierethisch sehr fraglich.

 Aber bedroht es auch den Erhalt der Haiarten? Dreimal dürft ihr raten: Die Hochseehaiarten werden ja eh schon durch Beifang in der Thunfisch-Industrie dezimiert, gezieltes Fangen ist für eine Haipopulation auf Grund ihrer Biologie fatal. Beispiele kennt man aus Europa.  Flossen sind bei uns nicht so beliebt aber das Fleisch des Heringshais war noch in den 1970 zum Beispiel in Italien eine Delikatesse. Der Hype hielt nicht lang an, die Fangzahlen nahmen rapide ab. „Boom and Bust“ Fischerei nennt man das. „Busted“ sind die Haie. Heringshai ist selten geworden, besonders im Nord-Atlantik.

Den anderen großen Haiarten geht es jetzt an den Kragen: besonders beliebt sind Blauhai, Schwarzhai,  Hammerhaie aber auch Geigenrochen. Auch Weißspitzen Hochseehaie gehören zu den Leckerbissen. Seit Jahren versuchen Aktivisten diese Arten zu schützen. Dazu kann man den Fang oder den Handel einschränken. CITES reguliert den Handel, den Fang kontrollieren die Staaten. In der EU ist das „Finning“, also das Abtrennen der Flossen auf hoher See, schon seit 2003 verboten. 2012 wurde dann auch endlich das letzte Schlupfloch gestopft, das es Fischern weiterhin ermöglichte, Flossen und Körper der Haie auf See getrennt zu lagern: wer kann da noch die Flossen und Kadaver zu ordnen? So gingen viele vielleicht auch geschützte Haiarten flossenlos und lebendig über Bord. Gefischte Haie müssen seit November intakt, mit Flossen in den Hafen kommen.

So viel kommt aber in der EU gar nicht in die Suppe.  Die meisten Flossen werden nach Asien exportiert- Und hier greift das CITES. Bisher waren 4 Haiarten (Bogenstirn-Hammerhai, weißer Hai und Riesenhai sowie die Sägehaie, und der Heringshai) im Appendix des Abkommens, eine Liste der Tierarten deren Handel überwacht werden soll. Die Arten sind sehr unterschiedlich geschützt, je nachdem , ob sie in Appendix I, II oder III sind. In Appendix I komm die Arten die wir fast schon ausgerottet haben, II wenn die Bedrohung schon groß ist, in III sind Arten bei denen es jetzt schon brenzlig wird, aber vielleicht nur in bestimmten Populationen vor dem Aussterben stehen. Import, Export, Re- Export regulieren, dazu haben sich die Mitgliedsstaaten des CITES geeinigt. Das heißt nicht verbieten, Ausnahmen gibt es immer. Je nach Appendix mehr oder weniger. Für den Handel mit Flossen ist dieses Abkommen wichtig. Deswegen freuen sich alle so, außer China und Japan, anscheinend. Sie wollten die Entscheidung, die Haiarten aufzunehmen, anfechten. Wie überraschend.

National Fischereiregulierungen und international Handelsabkommen wie CITES müssen beide greifen um Haiarten zu schützen. Dazu kommen noch die RFMOs (Regional Fisheries Management Organisation), Internationale Abkommen, die größerer Fischindustrien wie zum Beispiel des Thunfischs m Atlantik( International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas (ICCAT))international und in internationalen Gewässern regeln. Auch wichtig um den Beifang zu verringern aber auch das „Finning“ in internationalen Gewässern. Aber nur wenige regulieren den Haifang.

 Alles super komplex.  CITES reicht jedenfalls nicht um Haie vor dem verschwinden zu schützen. Viele andere Maßnahmen sind notwendig, alle haben Ausnahmen. So einige traditionelle Gerichte sind tierethisch nicht so prickelnd, als Französin kommt mir die Gänsestopfleber in den Sinn, aber im Fall der Haie gibt es gute Argumente gegen den Verzehr der Suppe: Zum Schutz der Tiere aber auch der Arten. Und wenn es nach nichts schmeckt und nicht einmal nahrhaft ist, warum eigentlich der ganze Stress?

http://www.cites.org/

http://www.fao.org/docrep/005/x3690e/x3690e00.htm#Contents

http://www.fao.org/fishery/topic/16380/en

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