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Was geschieht, wenn nichts geschieht? (dritter Teil: die Beobachter)

21. Februar 2012, 22:19

Irgendwie wundert man sich doch, warum eine Weltuntergangsbewegung nicht zerfällt, wenn der Termin des Untergangs und der Erlösung verstreicht, ohne dass etwas geschieht. Die Zeugen Jehovas haben beispielsweise im zwanzigsten Jahrhunderts mehrfach den Anbruch des Gottesreichs vorhergesagt. Trotzdem ist die Bewegung nicht erloschen. Auch die Milleriten haben zwar sehr viele Anhänger verloren, aber ihre Bewegung ist nicht erloschen und mehrere Nachfolgeorganisationen sind bis heute aktiv.

In den fünfziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts stellten die Psychologen Leon Festinger, Henry W. Riecken und Stanley Schachter eine Theorie dazu auf. Danach müssen fünf Bedingungen erfüllt sein, damit Gläubige nach dem Scheitern der Weltuntergangsprognose nicht aufgeben, sondern sogar stärker als zuvor um neue Anhänger werben:

  1. Der Glaube muss aus tiefer Überzeugung kommen und muss Auswirkungen auf die Handlungen oder das Benehmen des Gläubigen haben.

  2. Der Gläubige muss aufgrund seines Glauben Dinge getan haben, die schwer rückgängig zu machen sind.

  3. Der Glaube muss ausreichend genau und weltbezogen sein. Nur dann kann er durch bestimmte Ereignisse oder das Ausbleiben davon unbestreitbar widerlegt werden.

  4. Ein solches Ereignis (oder sein Ausbleiben) muss tatsächlich geschehen und der Gläubige muss diese Tatsache auch anerkennen.

  5. Der Gläubige muss von anderen unterstützt werden. Ein einzelner isolierter Gläubiger könnte dem Druck der Widerlegung seines Glaubens wohl nicht standhalten. Mehrere enttäuschte Gläubige könnten sich aber gegenseitig bestärken, ihren Glauben zu behalten.

Die Psychologen versuchten, ihre Theorie anhand der bekannten historischen Weltuntergangsbewegungen zu überprüfen, aber die Berichte waren zu ungenau. Aus den Archiven ließen sich keine ausreichenden Daten zur Befindlichkeit einzelner Anhänger der Bewegungen gewinnen. Das erschien ihnen aber sehr wichtig, denn letztlich ist ja das gesamte Christentum aus einer enttäuschten Endzeitbewegung entstanden. Als Jesus am Palmsonntag unter dem Jubel der Zuschauer in Jerusalem einzog, erwarteten viele seiner Anhänger, er werde die Römer aus dem Land jagen und als von Gott eingesetzter Erbe König Davids über die Welt herrschen. Wenige Tage später war er tot. Trotzdem breitete sich der christliche Glaube in den folgenden zweitausend Jahren über die ganze Welt aus.

Eine Theorie, mit der man die Ausbreitung von Religionen trotz des Scheiterns eines zentralen Glaubenssatzes erklären konnte, wäre deshalb von großer Bedeutung. Aber wenn man die Theorie nicht stützen oder widerlegen konnte, schrumpfte sie zur bloßen Spekulation. Das wäre natürlich bedauerlich.

An diesem Punkt kam den Psychologen ein unglaublicher Zufall zu Hilfe. Im September 1954 berichtete die örtliche Zeitung (Minneapolis, Minnesota): Eine Hausfrau in einem Vorort der Stadt habe vorausgesagt, die Stadt werde am 21.12. 1954 von einer Flut zerstört werden. Diese Nachricht sei ihr von übermenschlichen Wesen in fliegenden Untertassen vom Planeten „Clarion“ gesandt worden. Zum Zeitpunkt des Berichts hatte sie bereits eine kleine Schar von Gläubigen um sich versammelt.

Die Psychologen beschlossen, diese Gruppe zu beobachten. Dazu mussten sich selbst als Gläubige ausgeben. Um genügend viele Daten sammeln zu können, heuerten sie einige Studenten an, die ebenfalls Mitglieder der Gruppe wurden.

Dieses Vorgehen ist sicherlich problematisch, denn die vergleichsweise sehr kleine Anzahl von echten Gläubigen wurde natürlich durch die bloße Anwesenheit der Beobachter schon in ihren Überzeugungen bestärkt. Was geschah, wenn ein Bekenntnis verlangt wurde, oder aktive Missionsarbeit? Würde Schweigen als Skepsis ausgelegt werden?

Als der Herbst voranschritt, wurden die Vorhersagen der Prophetin immer genauer. Am Abend der Katastrophe sollten die Gläubigen von einem UFO abgeholt werden, und so die Flut überleben. Die Gruppe missionierte vorläufig kaum, denn in einem UFO ist notwendigerweise nicht beliebig viel Platz.

Würde sich das aber nach dem Ausbleiben des rettenden Raumschiffs ändern? Leider waren die Ergebnisse der Beobachtergruppe in diesem Punkt nicht schlüssig, denn zaghafte Versuche einer Missionstätigkeit nach dem Ausbleiben des Weltuntergangs provozierten feindselige Reaktionen der Nachbarschaft. Die Polizei deutete an, dass die Prophetin möglicherweise in die Psychiatrie einliefern würde, woraufhin sie erst einmal flüchtete. Andere Gläubige hatten wegen des offenen Bekenntnisses zu der Gruppe ihre Arbeit verloren, oder sie in Erwartung der Großen Flut selbst gekündigt. Auch sie verließen die Stadt. Deshalb steht eine experimentelle Bestätigung der Theorie von Festinger bis heute aus, denn es hat bislang keine weitere Studie dieser Art gegeben.

Aus der minutiösen Beobachtung der Sekte vor und nach dem Termin entstand das Buch „When Prophecy fails“, das sich inzwischen zu einem Klassiker der sozialpsychologischen Forschung entwickelt hat. Die erste Auflage von 1956 ist nur noch antiquarisch zu bekommen, aber 2011 ist ein Nachdruck der Erstauflage erschienen. Empfehlen würde ich aber eher die in England gedruckte Neuauflage von 2008 mit einem Vorwort von Elliot Aronson.

Literatur:

Leon Festinger, Henry W. Riecken, Stanley Schachter (2008) When Prophecy fails. Pinter & Martin, London





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Was geschieht, wenn nichts geschieht? (zweiter Teil)

19. Februar 2012, 20:41

Weltuntergangspropheten und ihre Anhänger leben manchmal gefährlich, wie ich im letzten Blogbeitrag am Beispiel der Wiedertäufer im Münster gezeigt habe. In einem toleranteren Umfeld kann eine Weltuntergangsbewegung aber auch weniger gewaltsam enden, wie die folgende Geschichte zeigt.

 

Die Milleriten

Im neunzehnten Jahrhundert entstand in den USA eine Bewegung, die als Milleriten oder Adventisten bekannt sind. Ihre Anführer, der Farmer und Hobbyprediger William Miller und der Prediger Samuel S. Snow legten den Termin für den Weltuntergang zunächst auf das 1843 und dann endgültig auf den 21. Oktober 1844 fest.

William Miller hatte bereits im Jahre 1818 aufgrund diverser obskurer Zahlenspiele errechnet, dass Jesus bereits 1843 ein zweites Mal erscheinen werde. Wieso sollte Jesus vor dem Jüngsten Gericht noch einmal auf die Erde kommen? Laut der Offenbarung des Johannes sollte vor dem Weltgericht der Teufel tausend Jahre gebunden werden und der Messias herrscht mit den Heiligen über die Welt. Aber leider soll dieser Zeit eine siebenjährige Periode der Trübsal (Engl. Tribulation) vorausgehen, in der Kriege, Hungersnöte und Katastrophen einen Großteil der Menschen umbringen. Das ist natürlich schlecht. Aber unmittelbar zu Beginn der Tribulation soll Jesus erscheinen und die wahren Gläubigen in die Lüfte entrücken (The Rapture). Das ist wiederum gut. Diese etwas seltsame, aber unter Baptisten und Freikirchen weitverbreitete Idee entstammt der wörtlichen Auslegung einer obskuren Stelle aus dem 1. Brief von Paulus an die Thessalonicher. Dort steht:

„Zuerst werden die in Christus Verstorbenen wieder auferstehen, dann werden wir, die Lebenden, die noch übrig sind, zugleich mit ihnen auf die Wolken in die Luft entrückt, dem Herrn entgegen.“ (1 Thessalonicher 4, 16b-17a)

Weil das Ganze doch etwas kompliziert ist, hier noch einmal eine Tabelle:

Zeit

Ereignis

X

Parusie (Wiederkunft Jesu),Beginn der Zeit der Trübsal, Entrückung der Gerechten

X+7 Jahre

Teufel wird gebunden, Jesus herrscht tausend Jahre lang mit den Heiligen und Gerechten über die Welt.

X+1007 Jahre

Zweites Jerusalem, Weltgericht, Ende der Welt, wie wir sie kennen, Beginn der Ewigkeit.


Dieser Weltuntergangsfahrplan ist einigen ausgewählten Prophezeiungen der Danieloffenbarung und der Johannesoffenbarung entnommen. Das Weltuntergangsdatum nach Miller entsprach dem Datum, an dem er die Entrückung erwartete (in der Tabelle als Zeitpunkt X bezeichnet). Die Gerechten konnten auf ihren Wolken die Zeit der Trübsal sicher und bequem überstehen, um dann mit Jesus zusammen für tausend Jahre zu herrschen. Das waren keine schlechten Aussichten. Ab 1831 begann Miller im Nordosten der USA, unablässig vor dem Weltuntergang zu warnen. Während der ersten Jahre blieben seine Erfolge jedoch eher bescheiden. Im Jahre 1840 überzeugte er den Prediger und Pastor Joshua Himes von seinen Ideen. Himes verließ sich nicht allein aufs Predigen zur Verbreitung von religiösen Erkenntnissen, er war auch ein erfolgreicher Verleger. Seine Weltuntergangsschriften erreichten bald Millionenauflagen und Hunderte von Predigern begannen, sie zu verbreiten. Unter den Katholiken hatten sie wenig Erfolg, weil sie den Papst als Antichrist verdammten. Ihr Eintreten gegen die Sklaverei verschaffte ihnen auch im alten Süden der USA nur wenige Freunde. Unter den evangelischen und freikirchlichen Gruppen im Norden fanden sie dagegen relativ viele Anhänger. Leider ging das Jahr 1843 vorüber, ohne dass irgendwelche Anzeichen für das Weltende am Himmel auftauchten. Der Prediger Samuel S. Snow rechnete nach und entschied, dass der 22. Oktober 1844 der wahrscheinlichste Weltendetermin war. Darauf konnten sich auch Himes und Miller verständigen und etwa fünfzig bis hunderttausend ihrer Anhänger bereiteten sich auf das Weltende vor. Einige trennten sich von ihrem materiellen Besitz, hielten sich an alle biblischen Gebote und praktizierten Nächstenliebe. Es ist nicht klar, ob alle Adventisten in den Monaten vor dem ominösen Datum so artig waren wie Kinder am Tag vor Weihnachten. Auf jeden Fall versammelten sich die meisten von ihnen am Abend des 21. Oktober 1844 in ihren Kirchen, um zu beten. Der 22. Oktober ging in die amerikanische Folklore als „Great Disappointment (Große Enttäuschung)“ ein, denn Jesus kam nicht und niemand wurde entrückt.

„Unsere sehnlichsten Hoffnungen und Erwartungen hatten sich zerschlagen, und ein Weinen kam über uns, wie wir es noch nie erlebt hatten", schrieb eine Adventistin.

Viele Zeitungen brachten hämische Berichte, nach denen sich Adventisten in weißen „Auferstehungsgewändern“ ähnlich langen Nachthemden in den Kirchen eingefunden hätten, um für den Anlass angemessen gekleidet zu sein. Einige sollen auf Bäume geklettert und ihrer Entrückung entgegen gesprungen sein, was ihnen aber nur aufgescheuerte Knie und verstauchte Knöchel einbrachte. In einer Kirche sollen Trompetenstöße zu hören gewesen sein (in Amerika blasen die Engel Trompete, nicht Posaune). Die Gläubigen stürzten nach draußen, aber da trompetete nur der Dorfsäufer und machte sich über die verdutzten Gesichter lustig. Ob das alles stimmt, ist nicht bekannt. Der Spott gegen die Adventisten nahm teilweise sehr aggressive Züge an, es kam auch wohl vereinzelt zu gewaltsamen Übergriffen.

Was geschah mit den Untergangspropheten? William Miller starb im Jahre 1849, ohne dass er sich vor Gericht verantworten musste. Bis zum Schluss war er überzeugt, dass der Weltuntergang tatsächlich unmittelbar bevorstünde. Irgendwo, so meinte er, müsse bei der Berechnung ein Fehler vorgelegen haben. Seine Farm ist erhalten, das Farmhaus kann besichtigt werden.

Joshua Himes wurde nach der Großen Enttäuschung einer der religiösen Führer der Adventisten. Auch ihm hat die fehlgeschlagene Prophezeiung nicht erkennbar geschadet. Die Adventistenbewegung verlor viele Mitglieder, hat aber überlebt. Noch heute existieren beispielsweise die Siebenten-Tags-Adventisten. Sie glauben nach wie vor, dass Jesus bald wiederkommen wird. Weil es aber in der Bibel ausdrücklich heißt, dass nur Gott allein den Zeitpunkt wisse (Mt. 24,36), ist es unmöglich, ein genaues Datum anzugeben.

 

In der letzten Folge dieser Serie wird es um ein einmaliges sozialpsychologisches Experiment gehen. Amerikanische Psychologen fanden eine kleine Endzeitsekte, und verfolgten ihre Aktivitäten, indem sie sich als Gläubige ausgaben. Auf diese Weise konnten sie sowohl das Anwachsen der Erwartung als auch die Reaktion der Anhänger auf das Ausbleiben von Weltuntergang und Erlösung genau verfolgen.





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Was geschieht, wenn nichts geschieht? (erster Teil)

15. Februar 2012, 15:43

Am 21.12.2012 wird die Welt wieder einmal nicht untergehen. Allein im Zwanzigsten Jahrhundert sind Dutzende von Weltende-Terminen ereignislos verstrichen. Da man fragt sich, was eigentlich mit dem Weltuntergangspropheten geschieht, wenn der von Ihnen vorausgesagte göttliche Eingriff ausbleibt. Für mein Buch „Faszination Apokalypse“ habe ich einige besonders spektakuläre Fälle recherchiert. In den nächsten Tagen möchte ich einige davon vorstellen, und zwar jeweils in einem eigenen Beitrag.

Der erste Fall ereignete sich vor fast 500 Jahren in westfälischen Stadt Münster und kostete Tausende von Menschen das Leben. Es fing damit an, dass der Täuferprediger Melchior Hoffmann gegen 1530 in Straßburg verbreitete, dass im Jahre 1533 das Jüngste Gericht kommen werde. Straßburg aber sei das neue Jerusalem und die dortige Täufergemeinde werde verschont werden. Außerdem verlangte er vom Rat, die Täuferbewegung mit der Staatskirche gleichzustellen. Der Rat erließ Haftbefehl und Hoffman floh nach Emden und dann nach Holland.

Warum hatte der Straßburger Rat so harsch reagiert? Ihm blieb nichts anderes übrig, denn die Täufer galten als Ketzer. Sie verlangten von ihren Anhängern, sich erneut taufen zu lassen. Die Kindstaufe lehnten sie ab. Ein Kind könne ich sich nicht aktiv für den Glauben entscheiden, argumentierten sie. Ihre Gegner bezeichneten sie deshalb spöttisch als „Wiedertäufer“. Das wäre noch nicht so kritisch gewesen, aber sie bestanden auch darauf, in ihren Gemeinden die Bibel selber auszulegen.

Luther hatte 1522 die Bibel ins Deutsche übersetzt und bestand darauf, dass die katholische Kirche als Vermittler des christlichen Glaubens überflüssig war. Mehr noch: sie stellte sich zwischen die Gläubigen und das Evangelium, damit waren ihre Priester unverschämte und ungebetene Eindringlinge im Tempel des Herrn. Diese Botschaft kam gut an, und in der Folge traten viele charismatische Prediger auf, die ihr ganz persönliches Verständnis der Bibel verbreiteten. So hatte sich Luther das aber nicht vorgestellt, und er bestand darauf, dass die Reichsfürsten mit ihren Landeskirchen die Auslegungshoheit behielten. Bei der Beurteilung der Täufer waren sich katholische und evangelische Fürsten deshalb ausnahmsweise einig: Im Jahre 1529 verbot der Reichstag zu Speyer die Täuferlehre als Ketzerei.

Melchior Hoffman hatte sich also in Straßburg sehr weit aus dem Fenster gelehnt, als er die Anerkennung der Täuferlehre verlangte. Um der Verhaftung zu entgehen, floh er erst nach Emden und dann nach Holland. Er predigte dort unverdrossen weiter und scharte erstaunlich viele Anhänger um sich.

Anfang 1533 kehrte er nach Straßburg zurück, um dort das Jüngste Gericht zu erwarten. Der Rat ließ ihn in den Kerker werfen. Das Weltende blieb aus, und Melchior Hoffman starb 1543 nach zehn Jahren Haft im Gefängnis.

Was hat das mit Münster zu tun? Aufgrund eines ausgeuferten Streits zwischen den Handwerkergilden und dem katholischen Fürstbischof weigerte sich der Rat der Stadt im Januar 1534, dem Bischof einige prominente Täufer zu Aburteilung zu überstellen. Die Gilden hatten sich schon länger beim Bischof über die Steuerprivilegien der Klostermanufakturen beschwert, aber nie Gehör gefunden. Der Streit eskalierte und der Rat der Stadt erklärte Münster für evangelisch. Trotzdem waren Täufer natürlich Ketzer und hätten dem Landesherrn, Bischof Franz von Waldeck, zur Aburteilung ausgeliefert werden müssen. Die Gilden betrachteten das Auslieferungsgesuch aber offenbar als Machtprobe und weigerten sich. Der Rat zog notgedrungen mit.

Der holländische Täufer Jan Mattys, ein Schüler von Melchior Hoffman, verkündete daraufhin in den damals noch zum Reich gehörenden Niederlanden, dass die Stadt Münster das wahre neue Jerusalem sei und die Täufer dort das baldige Weltende erwarten sollten. Er hatte nachgerechnet und festgestellt, dass nicht 1533 (also 1500 Jahre nach der Kreuzigung Christi) das Weltende zu erwarten sei, sondern erst am darauffolgenden Osterfest.

Hunderte von Täufern strömten in die Stadt und der Rat geriet immer mehr in ein Dilemma. Als Ketzer waren die Täufer festzunehmen und vor Gericht zu stellen, aber das war nicht mehr durchzusetzen, ohne einen Aufstand auszulösen. Auf der anderen Seite drohte der Bischof, seine Position mit militärischer Gewalt durchzusetzen. Der Rat sperrte ihn und seine Verbündeten erst einmal aus der Stadt aus. Das ist ganz wörtlich zu verstehen, denn Münster hatte damals eine enorm starke Stadtbefestigung mit Mauerring und Stadttoren.

Viele Bürger zogen es vor, die Stadt zu verlassen, aber wegen des Zuzugs an Täufern stieg die Einwohnerzahl ständig. Obwohl die Zugezogenen kein Stimmrecht hatten, gewannen die Täufer die turnusmäßige Ratswahl und übernahmen die Macht in Münster. Der Prophet Jan Mattys tauchte persönlich auf und rief die Täufer auf, sich zu bewaffnen. Wer sich nicht taufen lassen wollte, wurde gezwungen, die Stadt zu verlassen.

Der Bischof hatte zwar Landsknechte angeworben, aber keinen festen Belagerungsring um die Stadt gezogen, und so konnten Menschen, Waffen und Nahrungsmittel relativ ungestört in die Stadt oder heraus gelangen. Jan Mattys erwartete ohnehin nicht, dass er lange ausharren musste. Am 5.April, dem Ostersonntag, sollte schließlich das Jüngste Gericht kommen, das neue Jerusalem auf die Stadt Münster herabsinken.

Wieso kam ausgerechnet Münster zu der Ehre, das neue Jerusalem zu beherbergen? Schließlich hieß es in der Bibel ausdrücklich, das die bereits bestehende Stadt Jerusalem erneuert werden sollte. Ein guter Prophet ist natürlich um keine Antwort verlegen. Dort, wo sich Gottes treueste Anhänger versammelt hatten, sollte das neue Jerusalem sein, erklärte Mattys, der sich inzwischen „Prophet Henoch“ nannte.

Der Ostersonntag kam und keine Posaunen erschallten. Mattys wagte mit einigen Getreuen einen Ausfall aus der Stadt. Die Landsknechte des Bischofs ließen sich die gute Gelegenheit nicht entgehen und hauten die Gruppe nieder. Ob Mattys auf göttlichen Beistand hoffte oder sich opfern wollte, ist nicht geklärt. Jedenfalls war er tot, seine Anhänger in Münster waren vor Entsetzen gelähmt. Jetzt übernahm der Laienschauspieler, Gastwirt und Schneidergeselle Jan Bockelson aus Leiden, genannt Jan van Leiden die Führung der Täufer. Er veränderte die ohnehin überholte Prophezeiung und sagte voraus, dass erst eine Zeit der Trübsal und der Prüfungen kommen werde, ehe die wahren Gläubigen erlöst werden würden. Auf einen genauen Zeitpunkt wollte er sich nicht mehr festlegen.

Bockelson ließ sich zum neuen Herrscher ausrufen und nannte sich „König auf dem Stuhl Davids“. Wie er betonte, hielt er aber nur die Stellung, bis Salomo (in der Bibel Davids Nachfolger) eintraf, und dieser Salomo sollte niemand anders als Jesus selbst sein. In den nächsten Wochen und Monaten steigerte sich Bockelsons Geltungsdrang und seine Prunksucht. Er nahm erst vier, dann 16 Frauen, die er prächtig ausstaffierte. Mit seiner Machtübernahme begann die bekannte Schreckensherrschaft der Täufer in Münster. Er ließ Dutzende, wenn nicht Hunderte von Menschen hinrichten, und wollte auch nicht aufgeben, als die Stadt im April des Folgejahres tatsächlich von der Außenwelt abgeschlossen wurde, sodass die Einwohner zu hungern begannen. Erst im Juni 1535 gelang es dem Bischof mit Hilfe von Überläufern, die Stadt einzunehmen. Jan Bockelson und einige andere Täuferführer wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Damals war offenbar eine schlechte Zeit für Weltuntergangspropheten, wie die Übersicht zeigt:

- Melchior Hoffman starb nach zehn Jahren Haft im Kerker.

- Jan Mattys wurde bei einem tollkühnen Ausfall erschlagen.

- Jan Bockelson wurde hingerichtet.

Vielleicht sollten die Autoren der aktuellen Weltuntergangsbücher rechtzeitig untertauchen.

 

Im nächsten Beitrag wird es um die sogenannten Milleriten im 19. Jahrhundert gehen.

 

Anmerkungen:

Die Schreibung der Namen ist nicht einheitlich. Melchior Hoffman ist auch unter Hofmann (z. B. in der Wikipedia) oder unter Hoffmann zu finden. Jan van Leiden heißt in einigen Büchern Jan van Leyden.

Wer mehr zu den Täufern in Münster wissen will, dem möchte ich das Buch „Apokalyptiker und Propheten im Mittelalter“ von Norman Cohn empfehlen. Es ist sehr gut geschrieben und streckenweise spannend zu lesen.

Noch umfassender und wissenschaftlicher ist der Aufsatz „Reformation und Täuferherrschaft“ von Ernst Laubach in der dreibändigen „Geschichte der Stadt Münster“, herausgegeben von Franz-Josef Jakobi.

Das Webportal religioustolerance.org hat einige Dutzend verstrichener Weltuntergangstermine aus diesem und dem letzten Jahrhundert gesammelt. Eine erstaunliche Sammlung!



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Wie ticken Verschwörungstheoretiker

02. Februar 2012, 19:52

Ab und zu (wenn auch nicht oft) befassen sich Psychologen mit Verschwörungstheorien. Eine aktuelle Studie hat Spiegel online unter dem Titel Wie Verschwörungstheoretiker ticken aufgegriffen. Die Autoren Michael J. Wood, Karen M. Douglas, and Robbie M. Sutton von der University of Kent in Canterbury hatten behauptet, dass Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, grundsätzlich dazu neigten, offiziellen Aussagen zu misstrauen1. Dafür nähmen sie auch in Kauf, eklatante Widersprüche in ihren Theorien zu ignorieren.

Sie glaubten beispielsweise, dass Bin Laden noch lebt und dass er schon tot war, als die Marines ihn in Pakistan getötet haben sollen.

Demnach zeichnen sich Verschwörungstheoretiker durch einen deutlichen Mangel an folgerichtigem Denken aus. Bin Laden kann ebenso wie Schrödingers Katze tot und lebendig zugleich sein, hauptsache die offizielle Version ist falsch.

Die Autoren haben die Studie in der neuen und wenig bekannten Zeitschrift „Social Psychology and Personality Science“ veröffentlicht, die man nicht mit dem sehr angesehenen „Journal of Personality and Social Psychology“ verwechseln sollte.

Bei genauerem Hinsehen zeigt die Arbeit der Forscher aus Kent einige Mängel. Sie berichten in ihrer Arbeit über zwei Experimente: Bei dem ersten haben sie 137 Psychologiestudenten, davon 83% weiblich, siebzehn Fragen vorgelegt, die Aussagen gängiger Verschwörungstheorien wiedergaben. Die Probanden sollten auf einer siebenstufigen Skala angeben, wie plausible sie die einzelnen Aussagen fanden. 1 stand für „lehne entschieden ab“, 7 für „stimme entschieden zu“. Allerdings ist nicht herauszubringen, wie die Fragen aussahen. Die Arbeit verweist dafür auf eine frühere Arbeit2, die wiederum auf noch frühere Arbeiten verweist, von denen die Fragen adaptiert worden seien.

Lediglich fünf Fragen mit Verschwörungstheorien zu Lady Diana werden im Wortlaut erwähnt. Einige davon schließen sich gegenseitig aus. Trotzdem gaben die Autoren eine hohe Korrelation zwischen den Alternativen an. Wer glaubte, dass Lady Diana und ihr Verlobter Dodi al-Fayed von Dodis zweifelhaften Geschäftspartnern ermordet wurden, neigte ebenfalls dem Glauben zu, sie seien vom Geheimdienst ermordet worden.

Leider gehen die Autoren mit konkreten Zahlen sehr sparsam um. So erwähnen sie nicht, ab welcher Stufe ein „Glaube“ angenommen wird. Ist es eine 4, eine 5 oder eine 6 auf der siebenteiligen Skala? Es fehlt auch jede Angabe, wie viele vder Probanden solche Theorien glaubten. Damit ist auch nicht klar, auf welche Datenbasis sich die Korrelationsanalyse stützt. Wenn beispielsweise nur 8 von 137 Probanden angaben, alternativen Erklärungen zu Dianas Tod anzuhängen, wäre eine Korrelationsanalyse relativ unsinnig.

Weil der Fragebogen nicht veröffentlicht wurde, wissen wir auch nicht, ob die Probanden angewiesen waren, Widersprüche zu vermeiden. Letztlich wäre es durchaus denkbar, dass einem der Teilnehmer mehrere Theorien gleichermaßen plausibel erscheinen, auch wenn sie sich gegenseitig ausschließlich. Er mag es sowohl mafiösen Geschäftspartnern von Dodi als auch dem britischen Geheimdienst zutrauen, die beiden ermordet haben. Dann würde er beiden Aussagen zustimmen, obwohl er selbstverständlich weiß, dass nur eine davon richtig sein kann.

Auffällig ist die hohe Anzahl von Frauen in der Befragung. Aber dieses Phänomen findet man heute in vielen Studien. Die überwiegende Mehrzahl der Psychologiestudenten ist weiblich, in Deutschland sind es nach den letzten verfügbaren Zahlen mehr als 75%. Weil Psychologiestudenten an den meisten Universitäten verpflichtet sind, an psychologischen Studien teilzunehmen, machen sie einen beträchtlichen Teil der Probanden aus.

Im zweiten Experiment der Arbeit fragten die Autoren 102 Studenten einer britischen Universität nach ihrer Meinung zu Bin Ladens Tod. Sie fanden ebenfalls, dass die Anhänger von Verschwörungstheorien auch dazu tendierten einander ausschließende Theorien zu glauben. Leider fehlen auch hier alle absoluten Zahlen. Die Aussagekraft ist deshalb ähnlich schlecht wie im ersten Experiment. Es stellt sich auch die Frage, ob die Autoren genügend Vorsorge getroffen haben, um die notorischen Witzbolde unter den Teilnehmern zu erkennen. Unter studentischen Probanden finden sich fast immer einige, die jeden Fragebogen so unsinnig wie möglich ausfüllen. Bei der sehr geringen Anzahl von Verschwörungstheoretikern unter den Teilnehmern könnte das die Ergebnisse deutlich verändern.

Über die allgemeine Aussage hinaus, dass Misstrauen gegenüber offiziellen Aussagen einer generellen Neigung zu Verschwörungstheorien einhergeht, gibt die Arbeit kaum etwas her. Jedenfalls kann ich daraus keine sicheren neuen Erkenntnisse über das Innenleben von Verschwörungstheoretikern ableiten. Das ist eigentlich schade, man hätte mehr daraus machen können.

 

Literatur

1. Wood, M. J., Douglas K. M.& Sutton, R. M. (2012). Dead and Alive: Beliefs in Contradictory Conspiracy Theories. Social Psychological and Personality Science. 25. January 2012 doi:10.1177/1948550611434786. Online Link

2. Douglas, K. M., & Sutton, R. M. (2011). Does it take one to know one? Endorsement of conspiracy theories is influenced by personal willingness to conspire. British Journal of Social Psychology, 50, 542–552.

 



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Hirnchips zur Rettung der Welt?

17. Januar 2012, 22:44

„Nur als Terminator kann der Mensch überleben“ betitelte die Welt einen dpa-Artikel über ein Interview mit dem „Medienphilosoph“ Peter Weibel. Der Vorstand des Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) Karlsruhe ist anerkannter Künstler, einen Abschluss in Philosophie gibt er in seiner Vita nicht an, aber zweifellos philosophiert er gerne.

In einem Gespräch hat er die Überzeugung geäußert, dass der Mensch die Rechenleistung seines Gehirns und seiner Sinnesorgane verbessern müsse, um die „Informations-Revolution zu überstehen“. Ähnlich dem Brust- und Herz-Implantat könne es auch ein Gehirn-Chip-Implantat geben, meint er. Umweltkrise und Finanzkrise sieht er als Anzeichen dafür an, dass der Mensch an seiner selbst geschaffenen künstlichen Umwelt zu scheitern drohe. Menschen werden nicht mehr mit den eigenen Krisen fertig, jetzt müssen also die Übermenschen her, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen.

Die Idee der Verbesserung des Menschen durch Neurochips ist nicht neu. Rodney Brooks, Informatikprofessor am MIT, hat bereits 2002 ein Buch darüber geschrieben (in Deutsch: Menschmaschinen, Campus Verlag, Frankfurt). Schon in naher Zukunft werde es zu einer Verschmelzung von menschlichem Körper und Maschine kommen, prophezeite er darin und konkretisiert seine Vorstellungen so:

„Sehr bald werden wir vielleicht Schulkindern mit implantierten neuralen Internetverbindungen verbieten müssen, diese einzuschalten, wenn sie ihre Abiturklausuren schreiben. Nicht allzu lange danach könnte es praktisch zwingend werden, solche Implantate zu haben, um am Internet-Abitur teilnehmen zu können.“

Einige Wissenschaftler bevorzugen allerdings die Verbesserung der Intelligenz durch eine Art chemischen Raketentreibstoff für das Gehirn. Aber mangelt es der Welt wirklich an Intelligenz? Würden beispielsweise Politiker zwar weiterhin billige Kredite annehmen, ihre Spuren aber intelligenter verwischen? Ich kenne keine seriöse Studie, die nachweist, dass intelligente Menschen weniger selbstsüchtig oder moralisch integrer sind.

 

Auch kluge Menschen glauben seltsame Sachen

In der erweiterten Auflage seines Buchs „Why people believe weird things (Warum Menschen seltsame Sachen glauben)“ widmet der amerikanischen Physiker und erklärte Skeptiker Michael Shermer ein eigenes Kapitel dem Thema „Why smart people believe weird things“. Er kommt zu dem Ergebnis: „Kluge Menschen glauben seltsame Sachen, weil sie darin geübt sind, einen Glauben zu verteidigen, den sie auf nicht-kluge Weise gewonnen haben.“

Zu den seltsamen Glaubensinhalten mit erstaunlicher Anziehungskraft für kluge Leute gehört heutzutage die angeblich segensreiche Wirkung von chemischen Intelligenzboostern oder implantierten Computerchips.

Die von Peter Weigel angesprochenen Probleme wird auch eine aufgerüstete menschliche Intelligenz nicht lösen können. Der Finanzmarkt ist ein Nicht-Nullsummen-Spiel mit unübersehbar vielen Spielern (spieltheoretisch gesehen). Seine Regeln sind teilweise obskur, und das ganze System arbeitet nichtlinear und dynamisch. Außerdem gibt es kein einheitliches Ziel, vielmehr existieren mehrere, miteinander unvereinbare Vorgaben. So wollen die meisten hohe Gewinne erzielen, aber kein Risiko dafür eingehen.

Auch der Umweltschutz hat viele Facetten, unüberschaubar viele Mitspieler, nichtlineare Regelkreise und widersprüchliche Zielvorgaben. Auch hier gilt: Eine Berechnung oder sichere Simulation ist ausgeschlossen. Bisher gibt es nicht einmal eine sichere Prognose des Weltklimas bei gleichbleibender Steigerung des CO2-Anteils der Luft.

Rodney Brooks erwartete den Internet-Chip für Schulkinder zu Beginn der zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts. Inzwischen ist aber zunehmend klar geworden, wie komplex das menschliche Gehirn ist und wie wenig wir seine Funktion verstehen. Bisher sind sich die Gelehrten in keiner Weise einig, was menschliche Intelligenz eigentlich ist. Also weiß auch niemand, an welchen Stellen des Gehirns man eingreifen kann, um die Intelligenz zu verbessern, ohne hässliche Nebenwirkungen zu provozieren.

 

Keine Smartpills und kein Smart-Chip

Bisher sind keine chemischen Intelligenzverstärker in Sicht, ja nicht einmal eine Substanzklasse ist bekannt, die dafür in Frage käme. Die bisher als Smartpills gehandelten Stoffe wie Modafinil und Methylphenidat können allenfalls Müdigkeit vertreiben oder die Konzentration verbessern.

Ein Intelligenz- und Gedächtnis-Chip ist derzeit nicht einmal als Prototyp in Sicht und wird auch so schnell nicht realisiert werden. Die wirklichen Innovationen kommen fast immer unerwartet. Vor 10 Jahren hätte sich kaum jemand den durchschlagenden Erfolg von Smarthandys vorstellen können.

 

Wollen wir überhaupt den Gehirnchip?

Der deutsche Science-Fiction-Autor Andreas Eschbach hat seinem Buch Black Out 01 ein dystopisches Szenario beschrieben, in der Menschen mithilfe eines Neurochips zu Sklaven eines weltweiten Übergehirns werden. Der Autor hat die Handlung in der unmittelbaren Zukunft angesiedelt. In der Tat: wenn man die Intelligenz künstlich manipulieren kann, warum dann nicht auch die Gefühle, die Motivation, die ganze Persönlichkeit?

Ein allmächtiger Diktator könnte sich eine todesverachtende Zombiearmee zulegen, eine Firma verlangen, dass ihre Angestellten einen Chip tragen, der ihre Loyalität und maximale Arbeitskraft sichert. Wenn wir erst anfangen, die höheren Funktionen des Gehirns zu beeinflussen, ist ein Ende nicht absehbar.

 



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Lassen sich die Ergebnisse von IQ-Tests sinnvoll vergleichen?

12. Dezember 2011, 21:18

Bei vielen persönlichen Gesprächen und nicht zuletzt anhand der vielen Kommentare zu meinem Artikel in Telepolis habe festgestellt, dass immer noch viele falsche Ideen zum Intelligenzquotienten existieren. Selbst einige gestandene Fachleute haben offenbar seltsame Vorstellungen über die tatsächliche Aussagekraft des IQ. So befand der pensionierte britische Psychologe und IT-Forscher Richard Lynn 2006, dass die Deutschen in Europa am intelligentesten seien, ablesbar an ihrem IQ von 107, während die Engländer nur auf 100 kämen. Dieser Vergleich ist jedoch irreführend und unsinnig, wie wir gleich sehen werden.

 

Was misst der IQ?

Die Gelehrten haben bisher nicht einigen können, was man unter Intelligenz versteht, oder ob es sich überhaupt um eine einheitliche Fähigkeit handelt. Während immerhin die meisten Forscher davon ausgehen, dass es einen allgemeinen Intelligenzfaktor (meist als g bezeichnet) gibt, propagiert der Harvard-Professor Howard Gardner die Ansicht, dass im Gehirn viele Intelligenzen wohnen, die sich gegenseitig nur wenig beeinflussen. Wenn er recht hat, hat es keinen Sinn, Intelligenz mit einer einzigen, dimensionslosen Zahl anzugeben.

Die Lebenserfahrung zeigt allerdings, dass isolierte Begabungen eher selten sind. Intelligenz scheint also durchaus ein allgemeines Phänomen der Gehirnfunktion zu sein. Das derzeit verbreitetste Modell (nach den Psychologen Raymond Cattell, John Horn und John Carroll auch CHC-Modell genannt) sieht deshalb eine dreistufige Kombination aus allgemeinen Fähigkeiten und Spezialbegabungen vor. Ganz oben findet sich ein Generalfaktor, darunter zehn Sekundärfaktoren und auf der untersten Ebene tummeln sind 70-80 Einzelfaktoren. Das Modell beruht auf mehreren großen Meta-Analysen und wurde 1997 zuerst von dem amerikanischen Psychologen Kevin McGrew vorgeschlagen. Über die relative Bedeutung der einzelnen Ebenen sind sich die Forscher nicht einig.

Intelligenztests sollen also dieses komplexe System zu einer einzelnen Zahl (den IQ) verdichten – ein ambitioniertes Unternehmen.

Der Urgroßvater der heutigen Intelligenztests stammt von dem französischen Psychologen Alfred Binet. Er sollte vor gut hundert Jahren für die französische Regierung ein Verfahren entwickeln, mit dem sich herausfinden ließ, ob Kinder für den normalen Schulunterricht geeignet waren oder ob sie besondere Förderung brauchten. Er entwickelte aus dem Alltag der Kinder heraus diverse Aufgaben, mit denen er das Intelligenzalter der Kinder bestimmte. Wer also die Tests für sein Alter schaffte, lag im normalen Durchschnitt. Wer daran scheiterte, hatte ein geringes Intelligenzalter, und wer sogar solche Aufgaben löste, die für ältere Kinder gedacht waren, war offenbar seinem Alter voraus.

Der deutsche Psychologe William Stern verfeinerte die Methode, indem er das Intelligenzalter durch das Lebensalter teilte. Dabei kam eine wenig anschauliche Bruchzahl heraus, und so multiplizierte er sie mit Hundert und erhielt den Intelligenzquotienten. Das funktionierte nur für Kinder und Jugendliche, denn ab dem vierzehnten bis achtzehnten Lebensjahr verändern sich die geistigen Leistungen nur noch wenig. Eine Division durch das Lebensalter würde also fälschlich einen immer geringeren IQ ergeben. Die weitere Geschichte der Intelligenzmessung hat Stephen J. Gould in seinem Buch „Der falsch vermessene Mensch“ ganz hervorragend beschrieben. Deshalb möchte ich jetzt darauf verzichten und in die Gegenwart springen.

Die heutigen Intelligenztests wie der Wechsler Test für Erwachsene und der Stanford-Binet-Test sind so geeicht, dass sie einen Mittelwert von 100 und eine Standardabweichung von 15 haben. Dabei entspricht die Verteilung der Werte in der Bevölkerung ungefähr einer Normalverteilung. Die Werte geben aber keine absoluten Leistungen wider, sondern stellen lediglich eine Rangfolge auf. Weil die Tests für jedes Land und für jede Sprache neu kalibriert werden, sind die Tests international nur sehr begrenzt vergleichbar. Auch besagt die Normalverteilung im Test nicht etwa, dass die Ausprägung geistiger Fähigkeiten normalverteilt ist. Zumindest zum Teil kann diese Verteilung auch ein Artefakt der Test- und Bewertungsmethode sein. Ein Beispiel: Nehmen wir an, wir stellen einen Test zusammen, der 100 Fragen enthält, die mit Ja oder Nein (Richtig oder Falsch, Eins oder Null) beantwortete werden müssen. Diesen Test legen wir 1000 Personen vor, die garantiert keine einzige Antwort wissen, sondern raten müssen. Dann bekommen wir ein Ergebnis, bei dem im Durchschnitt 50 Fragen richtig beantwortet sind. Die Verteilung der Anzahl von richtigen Antworten entspricht annähernd einer Normalverteilung. Obwohl also niemand auch nur eine einzige Frage beantworten konnte, entsteht eine normalverteilte Kurve von richtigen Antworten.

Während statistikerfahrene Leser jetzt die Achseln zucken, sollten sich alle anderen darüber klar werden, dass die Normalverteilung des IQ nur eine sehr begrenzte Aussage über die wirkliche Verteilung von geistigen Fähigkeiten erlaubt.

Vor einiger Zeit habe ich einem Artikel für eine wissenschaftliche Zeitschrift darauf hingewiesen, dass Menschen versuchen, Defizite bei bestimmten geistigen Leistungen auszugleichen, indem sie andere Module mit heranziehen. Dadurch entsteht ein sehr individuelles Leistungsmuster, das mit einer einzigen Zahl kaum sinnvoll zu erfassen ist. Deshalb betonen diejenigen Forscher, die den IQ als echtes Maß der kognitiven Leistung ansehen, die starke Stellung des oben erwähnten Generalfaktors.

 

Ist der IQ ein konstantes Persönlichkeitsmerkmal?

Der IQ ist auch kein unveränderliches Merkmal, wie etwa die Schuhgröße. Das gilt sowohl für einzelne Menschen als auch für größere Kollektive. Zwischen den vierziger und den neunziger Jahren ließ sich beispielsweise in allen Industriestaaten ein deutlicher Anstieg des IQ feststellen. Der Anstieg betrug zwischen 5 und 25 Punkten, also ungefähr eine Standardabweichung. In Deutschland beläuft sich der Anstieg auf ca. 20 Punkte zwischen 1954 und 1981.

Das fiel zuerst dem amerikanischen Politikwissenschaftler James Flynn auf, weshalb das Phänomen als Flynn-Effekt bekannt ist. Die gängigen Intelligenztests sind deshalb mehrfach neu justiert worden. Die amerikanische Ausgabe des Wechsler-Intelligenz-Tests erschien beispielsweise 1955, 1981, 1997, 2008 in überarbeiteten und neu justierten Versionen. Wenn es also beispielsweise heißt, der durchschnittliche IQ der Deutschen betrage 107, dann heißt das nicht etwa, dass Deutsche intelligenter sind als Briten, wenn deren IQ nur 100 beträgt. Es bedeutet zunächst einmal, dass der gemessene Wert seit der letzten Justierung angestiegen ist. Ein echter Vergleich ist schon wegen der schnellen Veränderung der Durchschnittswerte nicht möglich. Wie schon erwähnt, sind auch die Tests nicht gleich. Nun gibt es aber einen internationalen Vergleich, der einem Intelligenztest sehr nahe kommt. Er stellt allerdings keine unveränderlichen Intelligenzunterschieden zwischen Völkern und Nationen fest, sondern beurteilt die Qualität des Schulunterrichts: der PISA-Test

 

Ist der PISA-Test ein internationaler Intelligenzvergleich

Der deutsche Psychologe und Bildungsforscher Heiner Rindermann postulierte in einem Artikel für die Psychologische Rundschau im Jahre 2006, dass die Ergebnisse der PISA-Tests weitgehend mit Intelligenztests übereinstimmen2. Was heißt das? Einfach ausgedrückt: Die Rangfolge der Probanden im PISA-Test wurde in einem gängigen Intelligenztest etwa genauso ausfallen.

Die Schulleistungen, so schreibt Rindermann, seien wie der IQ wesentlich vom Generalfaktor der Intelligenz abhängig. Außerdem sei Intelligenz plastisch, also nicht von Geburt an festgelegt, sondern veränderlich.

Interessanterweise betrachten eigentlich alle Wissenschaftler und Politiker den PISA-Test keineswegs als Vergleich der Intelligenz von Schulkindern in verschiedenen Ländern, sondern als Ansporn zur Verbesserung des Schulsystems. Wenn also der PISA-Test tatsächlich in etwa einem Intelligenztest entspricht, wäre die Erhebung einer „nationalen“ Intelligenz ziemlich unsinnig, weil sie im wesentlichen die Qualität des Schulsystems widerspiegelt.

Der Artikel von Rindermann zeigt auch noch etwas anderes: die Uneinigkeit der Experten. Es gibt mehrere Lager und auch innerhalb der Lager wiederum Differenzen. So schrieben vier deutsche Intelligenzforscher eine Erwiderung auf die Arbeit von Rindermann. Sie sahen keineswegs den Generalfaktor der Intelligenz als entscheidend für das Abschneiden im PISA-Test an. „Internationale Schulleistungsstudien erfassen die Resultate kumulativer Wissenserwerbsprozesse, die durch außerschulische Faktoren, insbesondere schlussfolgerndes Denken moderiert werden“, schrieben sie3.

 

Fazit

IQ-Werte lassen sich kaum sinnvoll vergleichen. Weil sie jeweils auf eine bestimmte Grundgesamtheit zu einer bestimmten Zeit geeicht sind, bieten die Werte nur einen Vergleich mit dieser Grundgesamtheit. Es ist aber nicht klar, was der IQ eigentlich misst. Der aktuelle deutsche Wechslertest beruht beispielsweise auf einem anderen Paradigma als der amerikanische. So ist also die Aussage, der IQ-Test der Westdeutschen habe bei der Wiedervereinigung bei 95, derjenige der DDR-Bürger bei 102 gelegen4, unsinnig und irreführend.

Der anfangs erwähnte Intelligenzforscher Richard Lynn begnügte sich übrigens nicht mit dem ohnehin schon unsinnigen Vergleich der Intelligenz zwischen Deutschen und Engländern, sondern setzte dem Ganzen noch ein pseudowissenschaftliches Glanzlicht auf. Die Londoner Times zitiert ihn wie folgt: „Er beschrieb es als bislang übersehenes Gesetz der Geschichte', dass ‚die Seite mit dem höheren IQ normalerweise gewinnt, wenn sie nicht zahlenmäßig stark unterlegen ist wie die Deutschen nach 1942'.“5

 

[1] Thomas Grüter, Claus C. Carbon. (2010) Escaping attention. Some cognitive disorders can be overlooked. Science 328(5977), 435-436.

[2] Heiner Rindermann. (2006) Was messen internationale Schulleistungsstudien? Schulleistungen, Schülerfähigkeiten, kognitive Fähigkeiten, Wissen oder allgemeine Intelligenz? Psychologische Rundschau 57 (2), 69–86

[3] Jürgen Baumert, Martin Brunner, Oliver Lüdtke, Ulrich Trautwein. (2007) Was messen internationale Schulleistungsstudien? – Resultate kumulativer Wissenserwerbsprozesse. Eine Antwort auf Heiner Rindermann. Psychologische Rundschau 58 (2), 118–145

[4] Thilo Sarrazin. 2010 Deutschland schafft sich ab. DVA München, S. 375

[5] Helen Nugent. (2006) Germans are the brainiest (but at least we're smarter than the French). The Times 27. März. (Online nur für Abonnenten)

 

 



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Intelligenz und Gesellschaft

24. November 2011, 20:32

Im September hatte hat Spektrum Akademischer Verlag mein neues Buch „Klüger als wir? - Auf dem Weg zur Hyperintelligenz“ herausgebracht. Die Steigerung der menschlichen Intelligenz ist den letzten Jahren immer wieder kontrovers diskutiert worden und es schien mir an der Zeit, die verschiedenen Aspekte des Themas etwas ausführlicher zu beleuchten. Das kommentierte Kapitelverzeichnis gibt einen Überblick über den Aufbau des Buchs.

Vor einigen Tagen hat mich das Online-Portal Telepolis des Heise-Verlags eingeladen, einen Beitrag darüber zu schreiben. Ich habe mich mit der Redaktion darauf geeinigt, eine Kurzfassung des zweiten Kapitels „Die Intelligenzgesellschaft“ zu erstellen. Es befasst sich mit dem gesellschaftlichen Stellenwert der Intelligenz. Die Bedeutung der messbaren Intelligenz für den beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg wird immer wieder betont. Ist das gerechtfertigt oder ist es nicht eher das Symptom einer Fehlentwicklung?

Die Telepolis-Redaktion hat den Artikel heute Morgen online gestellt. Er hat bereits eine lebhafte Resonanz hervorgerufen. Wer Lust hat, kann seine Kommentare natürlich auch hier schreiben.

 



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Intelligenz kann sich verändern - aber wissen wir das nicht längst?

23. Oktober 2011, 20:10

Intelligenz ist offenbar immer ein interessantes Thema. „IQ kann sich in der Pubertät noch ändern“, titelte die Süddeutsche Zeitung. Auch Focus Online wusste zu berichten: „IQ kann sich während der Teenie-Zeit ändern“. Erstaunlich ist die Häufung der Berichte in den letzten Tagen: Google News listete am 21.10.2011 unter dem Stichwort IQ mehr als 120 Berichte auf. Alle großen Zeitungen haben das Thema aufgegriffen. Der Tenor ist immer gleich: Der IQ kann sich zwischen etwa 12 und 20 Jahren noch ändern. Das legt den Verdacht nahe, dass in der aktuellen Nummer eines der großen Wissenschaftsjournale entsprechender Artikel zu finden ist. Tatsächlich hat eine Arbeitsgruppe vom University College in London unter Leitung von Cathy J. Price in der Zeitschrift Nature eine entsprechende Arbeit veröffentlicht.

Ihr Titel: „Verbal and non-verbal intelligence changes in the teenage brain1. Hier eine Übersetzung der Zusammenfassung:

Der Intelligenzquotient (IQ) ist ein Standardmaß der menschlichen intellektuellen Fähigkeiten und berücksichtigt einen weiten Bereich von kognitiven Fähigkeiten. Es wird allgemein angenommen, dass der IQ über die gesamte Lebenszeit stabil bleibt, wobei der punktuell erhobene Wert benutzt wird, um die schulischen Leistungen und die beruflichen Aussichten vorherzusagen. Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren (Neuroimaging) können wir feststellen, ob unerwartete longitudinale Schwankungen des gemessenen IQ mit der Hirnentwicklung korreliert sind. Hier zeigen wir, dass der verbale und nicht-verbale IQ bei Teenagern steigen oder fallen kann, wobei diese Änderungen eng mit Veränderungen von örtlichen begrenzten Gehirnstrukturen verbunden sind. Eine Kombination von struktureller und funktionaler Magnetresonanztomographie [im Original heißt es nur Imaging] zeigte, dass der verbale IQ sich mit der grauen Substanz in einer von Sprache aktivierten Region veränderte, während sich der nicht-verbale IQ mit der grauen Substanz in einer von Fingerbewegungen aktivierten Region veränderte. Durch die longitudinale Beobachtung der gleichen Versuchspersonen konnten wir viele Quellen von Variationen in der Gehirnstruktur aufdecken, die bei Querschnittstudien stören. Das ermöglichte uns, neuronale Marker der beiden Intelligenztypen auseinanderzuhalten und zu zeigen, dass die allgemeinen verbalen und nicht-verbalen Fähigkeiten eng mit den sensomotorischen Fähigkeiten zusammenhängen, die beim Lernen eingesetzt werden. Noch allgemeiner gesagt, unterstreichen unsere Ergebnisse die Möglichkeit, dass die intellektuellen Fähigkeiten des einzelnen sich im Vergleich mit seinen Altersgenossen verändern können. Das würde diejenigen ermutigen, deren intellektuelles Potential besser werden könnte, und wäre eine Warnung, dass frühe Überflieger ihr Potential möglicherweise nicht halten können.

Die letzten beiden Sätze sind eine Binsenweisheit, jeder kennt aus seiner Schulzeit entsprechende Beispiele. Braucht man dazu wirklich eine so aufwändige Untersuchung? In der Tat hat die Studie einige Schwachstellen. Betrachten wir zunächst einmal das Ergebnis der Tests. Die Wissenschaftler haben die Probanden zunächst mit den Wechsler-Intelligenztest für Kinder getestet und dann vier Jahre später mit dem Wechsler-Test für Erwachsene. Sie fanden eine durchschnittliche Korrelation von 0,8. Ein Wert von 1 zeigt an, dass die Ergebnisse exakt gleich sind, während Null bedeutet, dass zwischen den Ergebnissen des ersten und des zweiten Tests keinerlei Zusammenhang zu finden ist. Eine Korrelation von 0,8 ist recht hoch, der erste Test gibt also einen guten Hinweis darauf, wie der zweite Test wahrscheinlich ausgehen wird. Andere Veröffentlichungen fanden Korrelation von ca. 0,9, wenn man den gleichen Test nach einem Jahr oder weniger wiederholt2. Bei einer Wiederholung nach vier Jahren mit einem etwas anders gestalteten Test ist eine Korrelation von 0,8 absolut plausibel. Das Ergebnis ist also alles andere als sensationell.

Auch die in den Zeitungsberichten groß herausgestellte Aussage, dass sich intellektuelle Fähigkeiten verändern können, ist erstens nicht neu und zweitens durch einzelne Tests nicht ausreichend beweisbar. Warum also die ganze Aufregung? Es könnte damit zusammenhängen, dass die Autoren fälschlich behaupten, bisher sei allgemein angenommen worden, dass der IQ über die gesamte Lebenszeit stabil bleibt. Das stimmt so nicht und dient offenbar dazu, einen besseren Kontrast zu den eigenen Befunden herzustellen, einen falschfarbenen Hintergrund, vor dem sich die Arbeit besser abhebt (genaueres dazu z.B. im Buch „Intelligenz, Fakten und Mythen“ von Detlev Rost, Seite 205ff). Im übrigen wäre eine so weitreichende Aussage (IQ über die Lebenszeit unveränderlich) mit dieser Studie weder zu beweisen noch zu widerlegen. Dazu sind 33 Probanden und eine Laufzeit von vier Jahren einfach zu wenig. Die Autoren haben lediglich ein dünnes Ergebnis spektakulär verkauft.

Bis dahin bringt die Studie also keine neuen Erkenntnisse. Was ist jetzt mit den anatomischen und funktionellen MRT-Untersuchungen?

Hier sieht es leider nicht viel besser aus. Die Forscher fanden einen Zusammenhang zwischen der Veränderung der Leistung im Intelligenztest und der Veränderung der Dichte der grauen Substanz in der Hirnrinde zweier relativ kleiner Gehirnbereiche. Wegen „ … der verteilten Beschaffenheit der Gehirnregionen, die mit den Unterschieden des IQ-Wert zwischen Probanden verbunden sind“, haben sie im gesamten Gehirn gesucht, ob sich sich irgendwo Korrelationen finden lassen. Sie haben also nicht etwa versucht, eine vorbestehende Hypothese zu verifizieren was die die sinnvollere Methode gewesen wäre. Nun, es geht durchaus auch so, die Ergebnisse sind aber enttäuschend. In der Studie fanden sich nur zwei kleine Areale, die überhaupt mit der Veränderung des verbalen bzw. non-verbalen IQ korrelierten:

  1. Eine Verbesserung des verbalen IQ korreliert demnach mit einer erhöhten Dichte der grauen Substanz in einem winzigen Teil des Motorkortex (des Gehirnbereichs, der die Muskeln steuert), und zwar dort, wo die Sprechmuskulatur koordiniert wird.

  2. Änderungen des non-verbalen IQ fanden ihre Entsprechung in einer Dichteänderung der Areale für die Hand- und Fingersteuerung im Kleinhirn.

Das ist zweifellos ein interessantes Ergebnis, das so noch niemand veröffentlicht hat. Allerdings kommt es ebenfalls nicht sehr überraschend. Sowohl der IQ als auch die Hirnrinde reagieren bekanntermaßen auf längeres Üben. Bei Londoner Taxifahrern ist der hintere Bereich des Hippocampus vergrößert, und zwar umso mehr, je länger sie Taxi fahren3. Bei Medizinstudenten vergrößern sich Bereiche im Scheitellappen des Gehirns, wenn sie viele abstrakte Fakten lernen4.

Auch hier bietet die Studie der Gruppe von Price im wesentlichen eine Bestätigung von bisherigem Wissen. In der Diskussion weisen sie aber nirgendwo auf die früheren Studien hin, sondern wiederholen nur, was sie selbst feststellt haben. Damit entsteht der falsche Eindruck, die Erkenntnisse seien grundlegend neu. Das ist kein guter Stil.

Fazit

Die Studie der Gruppe von Cathy Price ist eine Fleißarbeit, die frühere Erkenntnisse bestätigt. Die Autoren erwecken allerdings den falschen Eindruck, sie hätten bisherige Annahmen widerlegt, indem sie einen falschen Stand der Wissenschaft behaupten oder bisherige Erkenntnisse ignorieren. Das tut der Wissenschaft nicht gut, und ich hätte mir eine deshalb kritischere Presse gewünscht.

Literatur

[1] Sue Ramsden, Fiona M. Richardson, Goulven Josse, Michael S. C. Thomas, Caroline Ellis, Clare Shakeshaft, Mohamed L. Seghier, Cathy J. Price (2011) Verbal and non-verbal intelligence changes in the teenage brain. Nature, Published online 19. Oktober 2011

[2] Basso MR, Caronal FD, Lowery NL, Axelrod BN (2002) Practice Effects on the WAIS-III Across 3- and 6-Months Intervals. The Clinical Neuropsychologist 16(1), 57-63

[3] Maguire et al. (2000) Navigation-related structural changes in the hippocampi of taxi drivers. PNAS 97(8), 4396-4403

[4] Draganski et al (2006) Temporal and Spatial Dynamics of Brain Structure Changes during Extensive Learning. The Journal of Neuroscience 26(23), 6314-6317



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McCarthys Hexenjagd auf einer exzellenten DVD

09. Oktober 2011, 20:51

Gestern bin ich zufällig beim Einkaufen auf die Zeitschrift TV direkt gestoßen, die für 2,20 € mit einem hervorragenden Film auf DVD ausgeliefert wird. Er heißt „Good Night, and Good Luck“ und thematisiert die atemlose Kommunistenhatz des amerikanischen Senators Josef McCarthy in den fünfziger Jahren. Der bekannte Schauspieler George Clooney führte Regie und hat auch das Drehbuch mitverfasst. Die Produktion stammt aus dem Jahr 2005, aber er kopiert mit voller Absicht den Stil der fünfziger Jahr. Das Bild ist durchgehend schwarzweiß mit starken Bildkontrasten.

Der Film fängt erstaunlich genau die gedrückte Atmosphäre ein, die in den fünfziger Jahren herrschte. Auf der einen Seite hatten die Amerikaner Angst vor der kommunistischen Unterwanderung, auf der anderen Seite fürchteten viele, als Kommunisten denunziert zu werden. Die Medien, die Politiker, die Hollywoodstudios und die Universitäten bemühten sich, nicht den kleinsten Verdacht der Sympathie mit dem Kommunismus aufkommen zu lassen.

Das hinderte einige mutige Fernseh-Journalisten der CBS aber nicht daran, die blinde Kommunistenjagd von McCarthy und die damit verbundenen Verletzungen von Bürgerrechten scharf zu kritisieren. Daraufhin gerieten sie unter den Druck der Geschäftsleitung, der Anzeigenkunden und der Politik. Diese Episode schildert der Film und gibt zugleich einen spannenden Einblick in die Anfänge der Fernsehtechnik. Das alles ist sehr überzeugend dargestellt, und deshalb ist die DVD zweifellos einer der besten Heft-DVDs der letzten Monate.

Allerdings hat George Clooney den Film für ein intellektuelles amerikanisches Publikum gedreht, das über die Geschichte von McCarthys Aufstieg und Fall bestens Bescheid weiß. Deshalb möchte ich den historischen Hintergrund kurz zusammenfassen:

Joseph McCarthy wurde 1946 in Alter von erst 38 Jahre als Vertreter von Wisconsin in den Senat der vereinigten Staaten gewählt. Die Amtszeit eines Senators beträgt 6 Jahre, und McCarthy fiel in den ersten drei Jahren kaum auf, weder positiv noch negativ. Am 9.2.1950 behauptete bei einer politischen Rede vor den Republikanischen Landfrauen von Wheeling, Virginia, er habe eine Liste von 205 Kommunisten, die im Außenministerium arbeiteten.

Das sorgte für Irritationen, und McCarthy trug zur Aufklärung nichts bei, im Gegenteil, in den nächsten Wochen relativierte er erst die Zahl 205, dann legte er plötzlich nach und behauptete, es handle sich um 57 Individuen mit „gültigen Mitgliedsausweisen der kommunistischen Partei“.

Als er seine Behauptungen vor dem Senat in einer Anhörung belegen sollte, stellte er aber 81 Fälle vor. Sie hätten eine „deutliche Verbindung“ zum Kommunismus, seien aber nicht unbedingt Parteimitglieder. Und möglicherweise arbeiteten einige von ihnen nicht mehr im Außenministerium. McCarthys vorgebliche Beweise überzeugten aber die Senatoren in keiner Weise und die Anhörung geriet zur Farce. Jetzt hätte die Angelegenheit zu Ende sein können, denn im Grunde war McCarthy unsterblich blamiert.

Stattdessen geschah erstaunliches: Der unermüdliche Kämpfer gegen kommunistische Windmühlen erhielt lebhafte Unterstützung aus dem Volk. In vielen Briefen dankten ihm einfache Bürger für sein Engagement und sprachen ihm Mut zu. McCarthy zog daraufhin ein grandioses Verwirrspiel auf, in dem er ständig Anschuldigungen erhob, veränderte, zurückzog und nachschob.

Er vernichtete die Karriere von Owen Lattimore, einem anerkannten China-Experten der John-Hopkins-Universität in Baltimore, obwohl er seine Vorwürfe gegen ihn wieder einmal nicht beweisen konnte.

McCarthy sah sich im Kampf gegen „eine Verschwörung von so immenser Größenordnung, dass sie jedes andere derartige Unternehmen in der menschlichen Geschichte in den Schatten stellt“, wie er selbst erklärte. Er hatte sein Thema gefunden, das schlagende Argument, welches ihm die Wiederwahl sichern sollte. So wurde er auch tatsächlich 1952 für sechs weitere Jahre in den Senat gewählt. Die Senatoren steckten ihren querulatorischen Kollegen in einen Ausschuss, der die Effizienz der Regierungsarbeit kontrollieren sollte, und gaben ihm den Vorsitz. Damit hatten sie ihm viel Arbeit aufgehalst, und sie hofften, dass er für seine eher peinlichen Attacken kaum Zeit finden.

Aber leider funktionierte das nicht. McCarthy hatte als Ausschussvorsitzender die Macht, Regierungsmitglieder und Ministeriumsbeamte vorzuladen. Er zitierte sie vor seinen Ausschuss und warf ihnen absurde Verfehlungen vor, darunter immer wieder die Vertuschung von kommunistischen Aktivitäten in den Ministerien. Wahllos griff er Beamte oder kleine Angestellte heraus und erhob sinnlose Beschuldigungen gegen sie. In vielen Fällen ruinierte er damit ihr Leben, denn zu dieser Zeit, also im Jahr 1953, war McCarthy auf dem Höhepunkt seiner Popularität. Kein Minister traute sich, ihm zu widersprechen. McCarthy wuchs die Arbeit über den Kopf, und er stellte zwei junge Mitarbeiter ein: Roy Cohn und David Schine. Cohn war Anwalt, Schine der streng antikommunistische Sohn eines sehr reichen Vaters. Eine spezielle Ausbildung hatte er nicht vorzuweisen.

Bald wurde gemunkelt, dass Cohn und Schine mehr als nur Freunde waren. In den fünfziger Jahren konnte der Verdacht einer homosexuellen Beziehung jede öffentliche Karriere abrupt beenden, und McCarthy saß jetzt auf einem Pulverfass. Die Gerüchte erhielten neue Nahrung, als Schine zur Armee eingezogen wurde und Cohn Himmel und Hölle in Bewegung setzte, um ihm das Leben dort zu erleichtern.

Inzwischen hatte sich McCarthy seine Kampagne von den Ministerien auf die Armee erweitert und nach Cohns Aktionen sahen die Generäle endlich eine Gelegenheit, in die Offensive zu gehen. McCarthy habe die Armee im Fall Schine unzulässig zu beeinflussen versucht, klagten sie. Der Senat richtete einen Untersuchungsausschuss ein und der Armee-Rechtsanwalt Josef Welch nahm McCarthy in einer öffentlichen, live im Radio übertragenen Anhörung nach allen Regeln der Kunst auseinander.

McCarthy erhielt am Ende lediglich einen Verweis. Er habe sich ungebührlich benommen und dem Senat Schande gemacht, befand das hohe Haus. Obwohl McCarthy seinen Ausschuss behielt, hatte von jetzt an niemand mehr Angst vor ihm. Sein Nimbus war gebrochen, seine Tiraden fanden kein Gehör mehr.

Im Jahr 1957 starb er an einem akuten Leberversagen. Er habe zu viel getrunken, hieß es damals. Vermutlich war seine Leber allerdings durch eine frühere Leberentzündung bereits vorgeschädigt.

McCarthy gehörte zu der unangenehmsten Sorte von Verschwörungstheoretikern: den Hexenjägern. Anders als die anderen drei Typen (der Verfolgte, der besessene Aufklärer und der Zeichendeuter) will der Hexenjäger Verschwörungen nicht nur aufklären, nein, er will die Verschwörer auch gleich vernichten1. Jedes Mittel ist ihm recht, um das Übel und seine Vertreter auszurotten. Wenn ein Hexenjäger tatsächlich Machtmittel bekommt, wird er zu einer Gefahr für seine Mitmenschen.

Der Film „Good Night and Good Luck“ schafft es, die bedrückende Atmosphäre der MCarthy-Ära auf den Bildschirm zu bringen. Die Parallelen zur heutigen Zeit sind unübersehbar und vom Regisseur George Clooney sicherlich gewollt. Absolut sehenswert!

Für McCarthy ist im Abspann übrigens kein Darsteller genannt. Das ist auch nicht nötig: alle gezeigten Auftritte des Senators sind Originalaufnahmen.

 

[1] Thomas Grüter: Freimaurer, Illuminaten und andere Verschwörer. Wie Verschwörungstheorien funktionieren. Scherz Verlag, Frankfurt 2006, S75ff



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Entstehung von Verschwörungstheorien

25. September 2011, 20:32

Verschwörungstheorien scheinen ein ungeheuer spannendes und aufwühlendes Thema zu sein, wenn ich die Resonanz auf meinen letzten Beitrag so ansehe. Ich hatte darin begründet, warum eine Verschwörungstheorie bereits überleben kann, wenn sie lediglich den Vorurteilen einen größeren Gruppe von Menschen entspricht. Dabei ist völlig unerheblich, ob sie wahr ist oder nicht.

Ich möchte diese These noch etwas weiter ausführen und den Mechanismus erläutern, der aus einem dumpfen Verdacht gegen eine andere Gruppe eine Verschwörungstheorie macht.

Am Anfang steht ein Phänomen, dass der Philosoph und Schriftsteller Elias Canetti in seinem Buch „Masse und Macht“ wie folgt beschrieben hat:

„Zu den auffallendsten Zügen im Leben der Masse gehört etwas, was man als ein Gefühl von Verfolgtheit bezeichnen könnte, eine besondere, zornige Empfindlichkeit und Reizbarkeit gegen ein für allemal als solche designierte Feinde. Diese könnten unternehmen, was immer sie wollen, alles wird ihnen so ausgelegt, als ob es einer unerschütterlichen Böswilligkeit entspringe … einer vorgefassten Absicht, sie [die Masse] offen oder heimtückisch zu zerstören.“

Wie inzwischen sehr gut belegt ist, neigen Menschen dazu, sich selbst und ihrer eigenen sozialen Gruppe (Ingroup) eher gute und anderen Gruppen (Outgroups) eher schlechte Eigenschaften zuzuweisen. Wer es genauer wissen möchte, findet beim Wikipedia-Eintrag „Eigengruppe“ einen guten Einstieg.

Menschen neigen dazu, anderen allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer anderen Gruppe bestimmte Eigenschaften zuzuweisen. Deutsche gelten als humorlos und perfektionistisch, Blondinen als herzzerreißend dumm, Amerikaner als Kulturbanausen. Man spricht hier von Stereotypen. Bei einigen Gruppen gehört es zum Stereotyp, dass sie als hinterhältig, heimlichtuerisch, skrupellos oder verschlagen gelten. Und genau diese Gruppen geraten schnell in den Verdacht, eine Verschwörung angezettelt zu haben.

Welcher Weg führt jetzt von hier zu einer selbsterhaltenden Verschwörungstheorie? Erst einmal sollten wir die Terminologie klären. Jedes Lexikon hat eine andere Definition für Verschwörungstheorien, auch in der Wissenschaft gibt es keine Einigkeit. Ich schlage vor, den dumpfe Verdacht gegen eine andere Gruppe noch nicht als „Theorie“ zu bezeichnen.

Wenn also jemand sagt: „Bei einem Fußballspiel zu wetten hat keinen Sinn, die Wettmafia hat sowieso alle Spiele verschoben“ oder „die Politiker in Berlin türken doch alles im Hinterzimmer ab und der ganze Streit ist nur Theater“, dann hat das nicht den Rang einer Theorie. Ich möchte es als Verschwörungsglauben bezeichnen.

Auf der Grundlage des Verschwörungsglaubens entstehen dann Verschwörungslegenden. In Anlehnung an urbane Legenden sind das bestimmte Ereignisse, die als Bestätigung des Verschwörungsglauben umgedeutet werden. Zum Beispiel lief nach den Anschlägen auf das World Trade Center die Behauptung um, mehrere Tausend Juden seien am Morgen des 11.9. nicht zur Arbeit erscheinen. Irgendwer müsse sie gewarnt haben. Die Meldung war falsch, verbreitete sich aber trotzdem extrem schnell und muss bis heute als Argument für eine jüdische oder israelische Beteiligung an dem Anschlag herhalten.

Die aus dem Verschwörungsglauben erwachsenden Legenden fasst schließlich irgendwer zu einer Theorie zusammen. Darin gibt er dem Glauben und den Legenden eine zusammenhängenden Rahmen und eine übergreifende Begründung.

Die fiktiven „Protokolle der Weisen von Zion“ sind beispielsweise eine Verschwörungstheorie. Die „Protokolle“ entstanden zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Russland und reflektieren die Geisteshaltung eines erzkonservativen russischen Monarchisten aus der Zeit des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts. Sie unterstellen den Juden, für die Phänomene der Moderne verantwortlich zu sein. Ihre Schuld sei es, dass Spekulanten immer mächtiger würden, die Presse nicht mehr richtig kontrolliert würde, die christlichen Werte verfielen, oder Marx, Darwin und Nietzsche ihren verderblichen Einfluss entfalten konnten. Und warum das alles? Ganz einfach: die Juden wollten die Weltherrschaft übernehmen. Das ist der durchgehende Gedanke, der die einzelnen Verschwörungslegenden in den „Protokollen“ verbindet.

Wenn eine aus Verschwörungsglauben und Verschwörungslegenden zusammengesetzte Theorie eine nennenswerte Anhängerschaft findet, entsteht ein fataler Kreislauf: Die Theorie stützt den Verschwörungsglauben, so dass weitere Legenden entstehen, die zu weiteren Theorien führen.

So lässt sich durch die Jahrhunderte verfolgen, wie immer wieder Verschwörungstheorien entstehen, die den 1785 erloschenen Illuminatenorden in den Mittelpunkt stellen (schon lange vor Dan Brown). Jeder Autor hat dabei die Bücher vorangegangener Theoretiker ausgeschlachtet und für seine Zwecke angepasst. Dabei wurde der Orden über die Jahrhunderte immer dämonischer.

Dieses Schema erklärt auf einfache Weise, warum auch in der Gegenwart neue Verschwörungstheorien auftauchen und Anhänger finden. Es ist unmöglich, sie alle zu widerlegen, weil sie sich stets aufs neue anpassen. Letztlich speisen sie sich aus dem unausrottbaren Misstrauen verschiedener Gruppen gegeneinander. Darum sind Verschwörungstheorien letztlich nicht auszurotten.


In meinem Buch „Freimaurer, Illuminaten und andere Verschwörer“ habe ich die hier nur kurz angerissenen Zusammenhänge sehr viel ausführlicher dargelegt.

Die zweite Taschenbuchauflage war zwischenzeitlich ausverkauft, der Verlag legt aber neu auf. Das Buch bleibt also im Handel.









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