Der Fluch des dritten Teils
Kürzlich fiel mir mal wieder auf, wie selten es bei Filmfortsetzungen einen wirklich guten dritten Teil gibt, selbst wenn Teil 2 das Niveau des ersten gehalten oder gar übertroffen hatte. Ich rede jetzt nicht von „Freitag der Dreizehnte“ Teil 3, „Eis am Stil“ Teil 3 oder ähnlichen Belanglosigkeiten, sondern von solchen Filmen, die ich mal zumindest als gut gemachte Unterhaltung einstufen würde. Beispiele gefällig? Kein Problem! Zuerst vielleicht mal meine nostalgischen Jugenderinnerungen, sprich jene Filme, mit denen ich in den 1980ern als Teenager aufwuchs und die auf mich damals großen Eindruck machten.
Da wären natürlich erst einmal die originalen drei „Krieg der Sterne“ Filme: Während „Das Imperium schlägt zurück“ nach verbreiteter und auch meiner Ansicht den originalen „Krieg der Sterne“ nicht nur in den Effekten, sondern auch in punkto Komplexität, Schauspielerei und – ja, wagen wir ruhig das Wort – inhaltlichem Anspruch um Längen übertrifft, gerät „Rückkehr der Jedi“ zumindest in der ersten Hälfte zur Muppet Show Episode der dämlicheren Sorte (nichts gegen die Muppet Show: Ich LIEBE Waldorf und Statler!) und ist eigentlich nur noch verdaulich, wenn man das Ganze als missratenen Versuch der Selbstironie betrachtet.
Ähnlich ernüchternd fällt das Resümee bei den Indiana Jones Filmen aus: Teil 3 ist nicht mehr als ein schwacher Neuaufguss von Teil 1, mit Sean Connerys brillianter Darstellung von Indys zerstreutem Papa als einzigem Lichtblick.
Bei „Zurück in die Zukunft“ gibt es nicht derart dramatische Qualitätsunterschiede, aber zumindest meiner Meinung nach fällt auch hier der Wild-West-Teil 3 gegen über dem mit verschiedenen Zeitebenen jonglierenden zweiten Teil ab.
Das Phänomen ist übrigens nicht auf so genannte Unterhaltungsfilme beschränkt, nur kommen bei anspruchsvollerer Kost Fortsetzungen eben viel seltener vor. Aber auch hier gibt es ein berühmtes Beispiel: Der „Pate“ Teil 3 kann doch nicht ganz die Höhe der vorangegangenen beiden Meisterwerke halten.
Bei neueren Filmen scheint dieses Gesetz weiterhin zu gelten, ich möchte nur auf die Comicverfilmungen „X-Men“ und „Spiderman“ verweisen, wo jeweils der dritte Teil deutlich gegenüber den gelungenen ersten beiden Filmen abfällt.
Woran liegt das? Warum können so viele Filmserien über zwei Teile noch das Niveau halten, aber nicht mehr über drei? Wird der Erfolgsdruck zu stark? Oder werden die Filmemacher nach zwei Erfolgen übermütig und nachlässig?
Ich glaube eher, dass es an einer Kombination von zwei Dingen liegt: Des Potenzials des Ausgangskonzepts und der Lernbereitschaft der Beteiligten. Ist die Grundidee des Ganzen ergiebig genug, realisieren die Filmemacher erst während der Entstehung des ersten Films, welche weiteren Möglichkeiten dahinter stecken, und können ihre Erkenntnisse dann in einem etwaigen Teil 2 nutzbringend anwenden. Gleichzeitig bekommen sie nach einem Erfolg von Teil 1 mehr Unterstützung seitens des Studios, sprich mehr Geld, was wiederum mehr Möglichkeiten eröffnet.
Bei Teil 3 sind dann jedoch die meisten Konzepte im Wesentlichen ausgereizt. Daher besteht die Gefahr sich entweder zu wiederholen, oder – im krampfhaften Versuch etwas wirklich Neues zu bringen – abstrus und unglaubwürdig zu werden.
In den letzten Jahren kommt zudem offenbar ein weiterer Effekt dazu: Der Erfolg von ZWEI Filmen führt seltsamerweise dazu, dass sich das Studio MEHR einmischt, um absolut sicher zu gehen, dass sich der Erfolg wiederholt. Denn jetzt wittert es die Chance, eine „Franchise“ zu etablieren, wie bei „Star Trek“ oder „James Bond“: Eine Filmserie, die auf Jahre hinaus eine sichere Einnahmequelle darstellt.
Oft wird dann bereits ein Kinostarttermin vorgegeben, BEVOR überhaupt eine Geschichte existiert. Natürlich ein möglichst früher, schließlich soll das Geld ja schon bald hereinströmen. Und wenn dann Studiobosse noch anfangen, selbst am Drehbuch herumzubasteln, nach dem Motto „Da muss jetzt auch noch Figur XY rein, weil die beim Publikum besonders beliebt ist, egal ob das dramaturgisch Sinn macht oder nicht“, kann das nicht gut gehen.
Ausnahmen von der Regel gibt es natürlich wie immer, aber sie sind selten und lassen sich erklären. Bei „Herr der Ringe“ gab es bereits eine ausführliche Romanvorlage und das Ganze war von vornherein auf drei Filme angelegt. Im Grund handelt es sich dabei also um einen einzigen Monsterfilm, der zwecks besserer Vermarktung in drei Teile zerlegt wurde.
Auch bei den „Harry Potter“ Filmen gilt die „Teil 3 ist schlecht“-Regel nicht, im Gegenteil: Der „Gefangene von Azkaban“ ist der erste der Serie, der nicht einfach die Bücher buchstabengetreu abfilmt, sondern versucht die Geschichte filmgerecht umzusetzen. Auch hier existierte bereits eine Romanvorlage, die zudem von vornherein von der Autorin als dritte Episode einer siebenteiligen Serie geplant war.
Fazit: Offenbar kann ein dritter Teil nur dann funktionieren, wenn die Geschichte dafür bereits fest steht, bevor überhaupt Teil 1 gedreht wird, und nicht erst hinterher aus den Fingern gesogen werden muss. Und wenn das Studio die Drehbuchautoren und Regisseure ihren Job machen lässt. Eigentlich ganz einfach – und doch anscheinend sehr schwer umzusetzen.
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Ich habe den Eindruck, dass im Sciencefiction-Genre oft der zweite Teil besonders gelungen ist. Der Grund ist wohl, dass im ersten Teil noch viel Aufwand betrieben werden muss, um den Zuschauer an das Umfeld der Geschichte zu gewöhnen. Ist dies aber erstmal gelungen, kann der zweite Teil sich auf die eigentliche Geschichte konzentrieren. Daher neigt das SF-Genre - auch im Buchbereich - zur Serienbildung.
was ist ein guter Film? darüber lässt sich streiten. z.b. habe ich für die drei Herr der Ringe Filme eine klare Rangfolge. ein Aspekt für das Nachlassende Niveau ist wohl auch die Gewöhnung des Zuschauers. die Idee des Films ist nach dem ersten teil einfach weg; siehe Matrix. man sollte zweite und dritte Teile einem publikum zeigen, das den ersten teil jeweils nicht Gesehen hat. anschließend müsste der erste teil gezeigt werden und die leute befragt werden.