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Osama bin Laden ist tot

von Elmar Diederichs, 02. Mai 2011, 09:58

Heute morgen laß ich in den Medien, daß Osama bin Laden tot ist - erschossen von einem US-amerikanischen Kommando in Pakistan. Und die USA feiern - einfach ekelhaft!

Man mag über die Berichte und technischen Erklärungen der WTC-Anschläge denken was man will. Aber um des Todes eines Menschen willen eine öffentliche Party zu machen, finde ich dermaßen abstoßend, daß ich - um Tucholsky zu bemühen - gar nicht weiß, wie ich soviel essen soll, wie ich kotzen möchte. Als die großen Massenmörder des 20. Jahrhunderts wie Hitler, Stalin oder Pol Pot starben, da waren die Menschen zu recht erleichtert. Als Kriege zu Ende gingen, da haben sie auf den Straßen getanzt und dagegen ist nichts einzuwenden. Aber ein Staat darf unter keinen Umständen einen Menschen töten - erst recht nicht ein demokratischer Staat, der die Legitimität seines Handelns von der unbeeinflußten Entscheidung der Menschen ableitet, die er töten zu dürfen beansprucht, die er vorher quälen zu dürfen beanspruchen - obwohl es offenbar eine schmerzfreie Methode zu töten gibt. 

In meinem Namen geschieht das alles nicht. Aber die Menschen in den USA feiern. Sie freuen sich über den Erfolg eines gezielten Mordauftrag eines Staates an einem Menschen, der allen Regeln des Völkerrechts und jeder Idee rechtsstaatlichen Handelns widerspricht: Wie kann man als Kultur nur so dermaßen dumm, primitiv und rückständig sein? Einfach ekelhaft - und ich habe für jeden, der sich anschließt, nur Verachtung für seine offen demonstrierte Borniertheit übrig.

Auf Kommentare werde ich nicht reagieren. 

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Kommentare

  1. RD kein Betreff
    02.05.2011, 10:58

    "Aber ein Staat darf unter keinen Umständen einen Menschen töten"

    Das finde ich zu dogmatisch. Das Ausschalten von Terroristenführern durch Drohnen hat sich als effizient erwiesen und vermutlich viele potentielle Terror-Opfer gerettet. Gegen Fanatiker kommt man nur schwer durch vorleben der eigenen Werte an.

    Der Rest ihres Kommentars kommt meinem Empfinden näher, auch wenn bei mir weniger Emotionen im Spiel sind. Ich wundere mich mal wieder über die Amerikaner. Die Amerikaner? Man sieht in den Medien die lautstarken und emotionalisierten. Das muss ja nicht die Mehrheit sein.

  2. KRichard Moral
    02.05.2011, 10:59

    Über Moral kann man viel schreiben, aber wenn Empörung immer nur dann kommt, wenn man gegen die Amerikaner polemisieren kann, dann wird die Moral fragwürdig.

  3. Martin Huhn kein Betreff
    02.05.2011, 11:13

    Sind die genaueren Umstände eigentlich bekannt? Vielleicht wollten sie ihn festnehmen, aber im Feuerkampf ist er dann gestorben?

  4. Martin Holzherr Töten auch in Nicht-Kriegsgebieten?
    02.05.2011, 11:35

    Osama bin Laden ist nur einer von vielen, die zum Abschuss freigegeben waren oder sind.
    Die Drohnen in Afghanistan dienen vor allem der Ausschaltung von feindlichen Kämpfern. Auch gegen Gadaffi wurden Anschläge in Erwägung gezogen.

    Sind gezielte Tötungen legitime Mittel eines Krieges? Die US-Experten scheinen dem zuzustimmen unter der Voraussetzung, dass der Kongress dies geregelt hat.
    Auch deutsche Politiker wie Westerwelle halten gezielte Tötungen nicht nur für legitim, sondern auch für legal.

    Ein wichtiges Problem wird im Wikipedia-Artikel Gezielte Tötung angesprochen: Die Taktik wird insbesondere gegen nichtstaatliche Gegner angewendet, die sich in Staaten aufhalten, in denen der Einsatz konventioneller Streitkräfte nicht möglich ist und in denen lokale Behörden nicht gegen diese Gegner vorgehen können oder wollen. Das heisst, solche Tötungen erfolgen oft in Nicht-Kriegsgebieten.
    Staaten wie Israel und die USA praktizieren gezielte Tötungen und rechtfertigen sie mit nationalem Interesse. International [dagegen] lehnt die Mehrheit der Staaten diese Maßnahmen ab; sie seien mit dem Gedanken des Rechtsstaats kaum zu vereinbaren, da dem Opfer jede Möglichkeit der Verteidigung gegen die begründenden Anschuldigungen fehle. (Zitat Wikipedia)

  5. Falter ?
    02.05.2011, 11:43

    Ekel und Freud sind elementare Gefühlslagen von Menschen - die Beurteilung eine andere. Will sagen, wer sagt, was Borniertheit ist?
    Willst Du diskutieren oder nur mal das raus bringen, was Du nicht verdaut hast?
    Und ja, auch ich habe mir überlegt, warum dieser Todesschuss sein musste ...

  6. Mona "Amerikas Jubel stört den Vatikan"
    02.05.2011, 13:20

    "Aber um des Todes eines Menschen willen eine öffentliche Party zu machen, finde ich dermaßen abstoßend, daß ich - um Tucholsky zu bemühen - gar nicht weiß, wie ich soviel essen soll, wie ich kotzen möchte."

    Herr Diederichs, da gehen Sie sogar mit dem Vatikan konform: "Der öffentliche Jubel in den USA stört den Vatikan. Die Erschießung bin Ladens sei kein Grund für Freudenfeiern. Vielmehr sei zu hoffen, dass der Tod des Al-Kaida-Chefs mehr Frieden als Hass bringen werde, sagt ein Vatikan-Sprecher. "Ein Christ sollte niemals den Tod eines Menschen begrüßen." Bin Laden habe schwere Verantwortung auf sich genommen, indem er Spaltung und Hass verbreitet habe. Das habe zum Tod zahlloser Menschen geführt, wobei die Differenzen zwischen den Religionen ausgenutzt worden seien, um diese Ziele zu erreichen."

    Quelle: http://www.stern.de/politik/ausland/bin-ladens-tod-der-liveticker-amerikas-jubel-stoert-den-vatikan-1680268.html

  7. Ingeborg König Osama bin Laden
    02.05.2011, 15:18

    Sehr geehrter Herr Diederichs,
    auch ich fand das Zeigen in den Nachrichten von feiernden Menschen zum Tod von bin Laden ungewöhnlich, ja abstoßend. Eine solche Reaktion könnte nicht meine sein. Dem Begriff "ekelhaft" stimme ich allerdings nicht zu. Ich finde das Verhalten dieses sogenannten demokratischen Staates im hohen Maße gefährlich und zu keiner Zeit in Ordnung.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ingeborg König

  8. Michael Khan Wo bleiben Recht und Gesetz?
    02.05.2011, 17:11

    Es mag einen abstoßen, wie "die Straße" in den USA auf dieses offenbar erfolgreiche Attentat der US-Streitkräfte reagiert. Allerdings halte ich es für unwahrscheinlich, dass in anderen Ländern, wäre der Urheber eines Terroranschlags, der im eigenen Land Tausende von Todesopfern forderte und in der Folge von einem endlosen mediatischen Trommelfeuer zum Erzbösen hochstilisiert wurde, die Reaktion anders ausgefallen wäre. Menschen sind überall ziemlich gleich, man kann sie ziemlich leicht manipulieren und sie laufen erst einmal in Massen dem lautesten Schreihals hinterher.

    Auch meine erste Reaktion auf die Nachricht war klammheimliche Freude. Wie soll es denn auch anders sein? Aber so etwas hält nicht lange vor, weil keiner, der auch nur ein wenig mitdenkt, an den wirklich zentralen Fragen und Punkten vorbeikommt.

    Der zentrale Punkt ist doch nicht, dass der mehr oder weniger abgehalfterte, alte Fanatiker noch die wirkliche, zentrale Gefahr darstellte. Al Qaeda wird von Kennern der Szene als dezentrales Konstrukt beschrieben, falls das zutrifft, dann ist mit der Ermordung einer Führungsfigur keine wirklicher Erfolg zu verbuchen.

    Und welcher Punkt des Völkerrechts oder des US-Rechts gibt denn der US-Regierung das Recht zu einem solchen Eingriff, und dann noch im Ausland? Für die Ergreifung eines Kriminellen ist doch nicht das Militär zuständig. Die Bestrafung erfolgt doch wohl in einem rechtsstaatlichen System als Konsequenz der rechtskräftigen Beurteilung durch ein damit beauftragtes Gericht, dessen Handeln allein durch Recht und Gesetz bestimmt wird und frei von politischer Einflussnahmne ist.

    Natürlich gibt es besondere Umstände wie Gefahr im Verzug, Kriegsrecht oder Notwehr, aber wie kann man in der gegebenen Situation einen solchen Umstand glaubwürdig geltend machen?

    Wo kämen wir denn hin, wenn das Militär einfach das Heft in die Hand nimmt und die Hinrichtung vornimmt? Schlimm genug, dass das einfach so mir nichts, dir nichts gemacht wird, aber der wirkliche Skandal ist doch, dass das in der ganzen westlichen Welt unwidersprochen bleibt oder sogar ungeteilte Zustimmung findet, nicht nur in der ohnehin chronisch ahnungslosen und zunehmend populistischen Presse, aber auch bei Figuren wie Merkel und Westerwelle.

    Allein schon die Diktion, die uns heute zugemuten wird "zur Strecke bringen" (Handelt es sich um eine Treibjagd?) oder "die gerechte Strafe" (Aufgabe des Militärs?) lässt einem angst und bange werden.

    Natürlich wird es wieder Stimmen geben, die mit dem Argument der Wirksamkeit kommen. Nur so lässt sich angeblich der Terrorismus wirksam bekämpfen, der Rechtsstaat sei dieser Gefahr gegenüber machtlos. na, wenn das so ist, warum werfen wir nicht gleich das Handtuch und geben rechtsstaatliche Prinzipien samt und sonders auf?

    Ich denke, eher das Gegenteil ist richtig. Jedes Mal, wenn sich der Westen ein weiteres mal über seinen eigenen Anspruch an Demokratie und Rechtsstaatlichkeit hinwegsetzt, wie zuletzt bei der Bombardierung von Zielen in Libyen, die offensichtlich nichts mit der Durchsetzung eines Flugverbots zum Schutz der dortigen Zivilbevölkerung haben - und nur dafür hat man ein Mandat - dann geht ein Stück Vertrauen in die Werte, die den Westen angebluich kennzeichen, verloren, unwiderbringlich verloren.

    Kurzfristig mag, wer so handelt, ein paar Medienpunkte einheimsen und von der Opposition, die einem ungemütlich dicht im Nacken sitzt, ein wenig Abstand erzielen. Kurzfristig ist das vielleicht attrraktiv. Langfristig ist zerstörtes Vertrauen aber wahrscheinlich für immer weg.

    Man muss sehr aufpassen, dass man den Leuten nicht ähnlich wird, die man bekämpft. So wird man des Problems des Terrorismus nicht Herr. Man macht es am Ende wahrscheinlich nur schlimmer.

  9. WFHG Nun habe ich es doch irgendwo gelesen
    02.05.2011, 17:29

    Exakt meine Meinung (oder mein Gefühl) und mal wieder hat die deutsche Presse flächendeckend versagt - die fragen noch nicht mal nach dem Recht, nach dem das geschah. Und auch hier wieder allein der Blick auf die Opfer des Terrorismus - keiner redet von der ungleich höheren Zahl der Opfer des Kampfes gegen den Terrorismus. Auch in Afghanistan bleiben in vielen Familien "Plätze an Tischen leer", um es mit Barack Obama zu sagen.

  10. Elmar Diederichs @all: rechtliche Aspekte
    02.05.2011, 17:57

    Einige der von Michael Khan zu Recht nachgefragten völkerrechtlichen Aspekte diskutiere ich hier: http://www.brainlogs.de/blogs/blog/mind-at-work/2011-05-02/what-is-wrong-with-pre-emptive-strikes

  11. Der Geschenkideen Mann Osama tot
    03.05.2011, 15:47

    Irgendwie ist es alles merkwürdig. Wurde der Osama bin Laden nicht vor vielen Jahren von den Amerikanern erhängt, es gab doch sogar ein Video?! Und jetzt wollen die als beweis eine DNA Probe machen, aber mit wem wollen die die vergleichen? Wann erfahren wir endlich die Wahrheit? Es werden fast nur Lügen aufgetischt!!!

szmtag