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Verantwortlich, aber nicht haftbar

von Elmar Diederichs, 23. Juni 2011, 15:21

Wer nach dem Titel dieses posts immer noch nicht weiß, daß hier von Politikern die Rede sein wird, der kann in den letzten Jahren nicht in der BRD gelebt haben. Nachbarblogger Anatol Stefanowitsch und Sebastian Reusch haben gerade mit gewohnter Treffsicherheit die unverhohlene Demokratieverachtung und persönliche Skrupellosigkeit kommentiert, mit der sich die enttarnte Hochstaplerin, Betrügerin und Was?-Die-ist-immer-noch-Parlamentarierin? Silvana Koch-Mehrin (SKM) zum Vollmitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europa- parlaments wählen ließ. Doch das ist nicht alles: Nicht nur, daß diese Methode sich zum trend entwickelt hat, die Massenmedien zeigen sich auch unfähig oder unwillig, diese Ereignisse in einem politischen Sinnzusammen- hang einzubetten und so für eine breite Öffentlichkeit sichtbar zu machen.

Wie kann Wissenschaft politisch sein?

Wo ist eigentlich das Problem an der ganzen Sache? Wissenschaft ist Wahrheitssuche, Politik nicht. Wissenschaft sollte politisch neutral sein und die Politik - jedenfalls in einer Demokratie - folgt nicht der Wissenschaft, sondern versucht, Entscheidungen zu treffen, hinter der sich möglichst viele Menschen mit ihren Ansichten wiederfinden. Und obwohl es sich um völlig unabhängige Bereiche handelt, liegt doch zweierlei auf der Hand:

  • (1) Eine Dissertation ist die Eignungsprüfung zum Wissenschaftler und wer hier - warum auch immer - weder den Nachweis seiner Qualifikation antreten kann, noch weiß, wie Forschung organisiert ist und abläuft, der hat in einer zentralen Schaltstelle für europäische Wissenschaftspolitik nichts verloren. Doch das mag auch für andere ehrenwerte Mitglieder dieses Ausschusses gelten. 
  • (2) Zweitens hat in solchen Ausschüssen nichts verloren, wer ein Betrüger und Hochstapler ist. Denn solche Subjekte sind weder akzeptable Verhandlungspartner, noch können sie sich auf denjenigen Vertrauensvorschuß berufen, mit dem das die Staats- gewalt ausübende Volk seine Vertreter persönlich aufgrund der themenunabhängigen Generalvollmacht der Wahl ausstattet: Es ist, als würde man der parlamentamentarischen Wahl nachträglich die Legitimität entziehen. 

Soweit, denke ich, ist das trivial. Worüber aber - (1) und (2) einmal außer Acht gelassen - empören wir uns eigentlich so sehr? Soweit ich das im Moment sehen kann, gibt es für diese Empörung zwei unabhängige Quellen, die in den leider viel zu trägen Massenmedien überhaupt keine Rolle spielen.

Die erste Quelle: Demokratie ist was für Rentner 

Demokratie ist ein Staatsorganisationsprinzip und ich könnte jedesmal ausfällig werden, wenn ich jemanden reden höre, der dieses Staats- organisationsprinzip nicht von der ihn beschützenden Verfassung oder dem Rechtsstaatsprinzip unterscheiden kann: Vielleicht muß man nicht wissen, was eine Organklage ist, aber wenn alle Staatsgewalt vom Volk ausgeht, dann kann man wohl erwarten, niemanden zu einem politisch aufgeklärten Standpunkt motivieren zu müssen.

Stimmt das so wirklich? Und ist das auch wirklich alles? Denken wir nach.

Es gibt artige Binsenweisheiten zur Demokratie, deren Konsequenzen wir im allgemeinen für harmlos zu halten pflegen:

  • (3) Bei der Demokratie handelt es sich um die beste aller zur Zeit verfügbaren Staatsformen, weil sie einerseits durch die Aufteilung der politischen Macht in die Hände vieler mit begrenzten Kompetenzen und wechselseitiger Kontrollmöglichkeit jeden Despotismus, der der Menge der formalen Organisationsprinzipien mit dem Namen Demokratie widerspricht, unmöglich macht und andererseits durch den unbeschränkten Zugang aller zu den politischen Willensbildungs- verfahren und die Mehrheitsregel halbwegs legitime Entscheidungen gewährleistet. Infolgedessen ist keine andere Staatsform besser geeignet, die Verfolgung individuell gegenläufiger Interessen der Staatsbürger ohne gewaltsame Auseinandersetzungen miteinander zu vereinbaren.

Unabhängig von der Tatsache, daß eine Demokratie damit höchstens diejenige Lösung garantiert, welche für möglichst viele Beteiligte die geringsten Nachteile nach sich zieht, lautet eine ihrer Konsequenzen ziemlich genau: 

  • (4) Die Einbindung des Einzelnen in kollektive, mehrheitsgebundene Entscheidungsprozesse hat zur Folge, daß er allein im Prinzip keine politischen Konsequenzen verursachen kann. Und dies ändert sich nicht dadurch, daß der Einzelne durch die künstliche Aggregation individueller Präferenzen zu einer kollektiven Entscheidung durch die formalen Organisationsprinzipien der Demokratie eine Entscheidung als Teil der Mehrheit herbeiführt, da der dadurch geleistete "politische Beitrag" nur existiert, wenn das Abstimmungsergebnis "entsprechend günstig" ausfällt. Ist der individuelle Beitrag aber abhängig vom Wahlergebnis, d.h. von Handlungen anderer, so charakterisiert er nicht das Handeln des Einzelnen.

Und wenn wir z.B. an den Faschismus denken, dann nehmen wir diese Konsequenz bedenkenlos hin. Niemand hat sich aber anscheinend Gedanken darüber gemacht, ob mit den Tyrannen nicht gleichzeitig die Untergrundkämpfer und Revolutionäre mitsamt ihrer ideologischen Unterstützung durch die Intellektuellen arbeitslos werden, weil deren Aktivitäten in diesem Fall ihre Reputation verlieren und wenn das so ist, ob dies nicht Konsequenzen hat, die wir alle sehr gern vermeiden möchten: Denn wer könnte nachweisen, daß das in gewissen bürgerlichen Kreisen schon salonfähige politische Phlegma und Desinteresse seine Quelle nicht in einem allgemeinem Ohnmachtsgefühl hat, daß sich daraus ergibt, daß nur Kabinettsmitglieder und politische Beamte selbst politische Konsequenzen verursachen können? 

Nicht das ich dieses politische Phlegma entschuldigen will, dem sich offenbar auch die Massenmedien hinzugeben begonnen haben. Aber gezeigt worden ist doch mit (1)-(4) folgendes:

  • (5) Nicht nur, daß Demokratie inhaltsblind ist, sie arbeitet auch fortwährend daran, ihre eigene, innere Legitimität abzubauen, indem sie den öffentlichen politischen Diskurs wegdämpft.

Das ist der Grund, warum ich kein Demokrat bin: Es muß klügere Wege geben, der Staatsgewalt des Volkes zu ihrem Recht zu verhelfen. Wer sich aber in einer gültigen demokratischen Wahl zum Volksvertreter wählen läßt wie SKM, der hat schlicht kein politisches Recht, in einem übertragenen Sinne auf die Verbindlichkeit des öffentlichen politischen Diskurses zu urinieren, wie man es tut, indem man seine politische Wirksamkeit behält, obwohl man nach den zu öffentlichen Normen geronnenen Stabilitäts- gebieten des öffentlichen Diskurses bereits kaltgestellt wurde: Wie politische Heuchelei noch drastischer der politischen Kultur einer Demokratie schaden könnte, ist mir im Moment völlig unklar.  

Also: Silvana Koch-Mehrin muß von der politischen Bühne verschwinden - sofort und endgültig. 

Was hat das alles mit Wissenschaft zu tun? Wissenschaftler übernehmen Verantwortung für den Supertanker Wissenschaft über ihr persönliches Schicksal hinaus - was offenbar ein Grund unter vielen anderen ist, aus dem wir mehr als Plagiate in Doktorarbeiten verlangen. Für Politiker muß dasselbe analog gelten und in diesem Sinne demonstriert SKM, daß sie nicht mal die einfachsten Grundregeln zu befolgen gewillt ist. Und das allein genügt, damit sich die Wissenschaftler zu Recht aufregen.

Die zweite Quelle: Unparteilichkeit und Ungleichheit

Doch das ist nicht alles: Denn ob SKM einfach nur politisch inkompetent oder letztlich böswillig ist, kann ich via Ferndiagnose zwar nicht entscheiden, aber ich bin mir absolut sicher, daß kein Wissenschaftler eine Person vor die Nase gesetzt bekommen möchte, die zum einen in der Wissenschaft gescheitert ist, so daß man befürchten muß, daß sie nun ein paar offene Rechnungen begleichen will, zum anderen aber in der europäischen Wissenschaftspolitik eine bedeutende Rolle spielen wird. 

  • (6) Wer soll in so eine Politikerin Vertrauen haben? Auch der Wissenschaftsbetrieb arbeitet und plant im Voraus und wenn er schlechte Zeiten zu erwarten hat, dann igelt er sich ein - so wie jeder mittelständische Betrieb und daß die Universitäten wie solche zu funktionieren haben, hören wir schließlich von Seiten der Politik nicht erst seit gestern.

Richtig sauer aber werden wir aber, wenn wir vergleichen, was sich die Wissenschaft von der Politik gefallen lassen muß, mit dem, was sich SKM herausnimmt: Wissenschaft ist typischerweise mit der Erfindung von Neuem beschäftigt. Und das Neue hat dummerweise nun mal die Angewohnheit, daß man nichts über es weiß. Entsprechend schreitet die Wissenschaft nicht voran, sondern sie stopert vielmehr durchs Halbdunkel unerwarteter Probleme und Schwierigkeiten. Die Bedingungen, zu denen Projekte finanziert werden, gleichen aber immer mehr denen, die man Steineklopfern zumuten könnte: Es geht einfach nur noch um output pro Zeit. Das ist schlicht unfair. Daß diese unfairen Bedingungen aber von Politikern gemacht werden, die ihr Mandat benutzen, um sich selbst vor den ökonomischen Konsequenzen ihrer Unfähigkeit auf Kosten der Allgemeinheit zu schützen, gefährdet den sozialen Frieden auf Dauer. Und mit Liberalismus hat das schon gar nichts mehr zu tun. Stattdessen macht sich die FDP auf Dauer unwählbar, wenn sie eine solche Repräsentantin gesellschaftlicher Visionen in ihren eigenen Reihen duldet: Ob nun "Marktwirtschaft und Demokratie" die Aushängeschilder einer Gesellschaft oder nicht, spielt für den sozialen Sprengstoff, den das Politikergebaren erzeugt, nun mal einfach keine Rolle. 

Also: Silvana Koch-Mehrin muß von der politischen Bühne verschwinden - sofort, vollständig und endgültig.  

NACHTRAG:

Die von Anatol ins Leben gerufene Online-Petition, bei der jeder mitzeichnen kann, um Koch-Mehrins Rücktritt aus dem Forschungs- ausschuss zu fordern, findet man hier: Resignation of Silvana Koch-Mehrin from the European Parliament 





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Kommentare

  1. Jürgen Bolt Demokratie
    23.06.2011, 17:06

    Ich bin Demokrat und halte Deine Kritik für übertrieben.

    Deine Kritik unter Punkt 4 scheint mir so vor allem auf die deutsche Parteiendemokratie zuzutreffen. Ein Mehrheitswahlrecht und eine viel stärkere Subsidarität würden sie erheblich entschärfen. In den USA, wo beides gegeben ist, hat die Demokratie z.B. den Wechsel von Bush zu Obama ermöglicht, in meinen Augen eine ziemliche Verbesserung.

    Weiter kritisierst Du: "Niemand hat sich aber anscheinend Gedanken darüber gemacht, ob mit den Tyrannen nicht gleichzeitig die Untergrundkämpfer und Revolutionäre mitsamt ihrer ideologischen Unterstützung durch die Intellektuellen arbeitslos werden."

    Den Bedeutungsverlust von Untergrundkämpfern und Revolutionären mitsamt ihrer ideologischen Unterstützung durch die Intellektuellen begrüße ich. Ich wünsche mir, daß eine Gesellschaft die Interessen von Grauen Mäusen genauso berücksichtigt wie die von Eiferern. Eigentlich ist mir der Einfluß von 'Wutbürgern' immer noch zu groß.

    Was SKM betrifft: dazu hat A.S. einen großartigen Blogbeitrag geschrieben, dem ich völlig zustimme - und vor dessen stilistischer Brillianz ich mich verneige. Ich habe ihn heute morgen auf der Facebook-Seite des Dahrendorf-Kreises der FDP empfohlen, wo er auch bereits Zustimmung bekommen hat.

    http://www.facebook.com/pages/Dahrendorf-Kreis/152992858083501?sk=wall&filter=12

  2. Elmar Diederichs @Jürgen
    23.06.2011, 17:45

    "Ich bin Demokrat"

    Mein Beileid - aber ... nobody is perfect. ;-)

    "und halte Deine Kritik für übertrieben."

    Vielleicht läßt sich das ja noch konkretisieren? Dann können wir auch darüber diskutieren.

    "Ein Mehrheitswahlrecht und eine viel stärkere Subsidarität würden sie erheblich entschärfen."

    Es scheint doch wohl eher das genaue Gegenteil der Fall zu sein. Wo haben wir uns mißverstanden?

    "Den Bedeutungsverlust von Untergrundkämpfern und Revolutionären mitsamt ihrer ideologischen Unterstützung durch die Intellektuellen begrüße ich."

    Es geht eher um die Frage, wie man es in der Demokratie schaffen kann, am Ball zu bleiben.

    "Ich wünsche mir, daß eine Gesellschaft die Interessen von Grauen Mäusen genauso berücksichtigt wie die von Eiferern."

    Nein, das möchte ich eigentlich nicht. Die Verfassung sieht das übrigens auch nicht so.

    "Ich habe ihn heute morgen auf der Facebook-Seite des Dahrendorf-Kreises der FDP empfohlen, wo er auch bereits Zustimmung bekommen hat."

    Das bedeutet dann wohl, daß man sich in der FDP traut, eine eigene Meinung zu haben, wenn man so weit weg ist von den Sehnensträngen der Macht, daß man sich der Folgenlosigkeit derselben bewußt ist.

    Oder gibt es da noch eine stärkere Interpretation?

  3. 23.06.2011, 20:39

    Wer mal was Lustiges lesen möchte:

    http://mentalschnupfen.org/?p=1121

    :-D

  4. Mona Koch-Mehrin-Geschichten
    23.06.2011, 23:03

    "Jede Menge Ausschuss" steht heute in der Tagesschau:
    http://www.tagesschau.de/schlusslicht/kochmehrin154.html

    Und "Emma" erzählt uns, wie sich Frau Koch-Mehrin mal als Kammerjägerin in "Straps-Burg" nützlich machte:
    http://www.emma.de/hefte/ausgaben-2009/inhalt-emma-2009-5/freier-kritik-eu-koch-mehrin-200/

  5. Elmar Diederichs @Mona: Emma?
    23.06.2011, 23:18

    Was der Emma-Betrag mit dem hier wieder hochkochenden Thema "Ehrlichkeit in der Wissenschaft" zu tun hat, sehe ich noch nicht so ganz ein.

    Wenn ich da was übersehen habe ... ok ... ansonsten ist mir das Thema doch so wichtig, daß ich in diesem Fall ungern off topics diskutieren möchte.

  6. Mona Zweierlei Moral
    23.06.2011, 23:28

    "Was der Emma-Betrag mit dem hier wieder hochkochenden Thema "Ehrlichkeit in der Wissenschaft" zu tun hat, sehe ich noch nicht so ganz ein."

    Es war Koch-Mehrin wichtig, das Lotterleben ihrer EU-Kollegen anzuprangern, die die monatlichen Sitzungstage in Straßburg dazu nutzten, die Dienste von Prostituierten in Anspruch zu nehmen. Was ist dagegen schon eine abgeschriebene Doktorarbeit?

  7. Valsina kein Betreff
    24.06.2011, 19:52

    "... aber wenn alle Staatsgewalt vom Volk ausgeht, dann kann man wohl erwarten, niemanden zu einem politisch aufgeklärten Standpunkt motivieren zu müssen."

    Das kann man aus dem obigen Grunde allein natürlich nicht "einfach so" erwarten! Dazu gehört aktive Aufklärung, die durch eine Elite der Aufgeklärten den weniger oder gar nicht Aufgeklärten zu vermitteln ist.

    Aufgeklärt sein - diesen Zustand kann eben nicht jeder durch sich selbst in dem "erforderlichen" Maße erlangen; u.a. weil so viel künstliche Hermeneutik geschaffen wird (Politik und Wirtschaft haben eine eigene nicht-alltägliche absurd aufgeblasene Terminologie). Nicht jeder hat den weiten Horizont (oder die Zeit), um sich da noch zurechtfinden zu können.

    Was Kant einfordert, ist eigentlich *die* Aufgabe der "Elite". Um den Begriff "Elite" überhaupt zu rechtfertigen, muß er mehr als nur positiv konnotiert sein, in dem Sinne, daß Aufgeklärte, also Eliten, unaufgeklärten Nicht-Eliten wenigstens reinen Wein einzuschenken bemüht sind - anstatt sie zu verdummen, wie es die Regel ist.

    "Also: Silvana Koch-Mehrin muß von der politischen Bühne verschwinden - sofort und endgültig."

    Wer wäre da nicht ganz bei Dir. Eigentlich. Aber wir erkennen in SKM gleichwohl ein pars pro toto par excellence. Insofern wirft Deine Kritik eine Brot in eine Turnhalle, nein, anders, eine Turnhalle auf ein Brot.

  8. Elmar Diederichs @Valsina: Zustimmung
    24.06.2011, 23:13

    "Das kann man aus dem obigen Grunde allein natürlich nicht "einfach so" erwarten!"
    Eben, aber die Frage ist - warum? Mein Argument ist, daß Demokratie aus sich selbst heraus politisches Engagement besonders sauer macht und das zu wissen, ist ein gewählter Politiker verpflichtet. Doppelt schlimm ist es daher, den ohnehin müden Diskurs zusätzlich so zu frustrieren, wie es SKM macht.

    "Was Kant einfordert, ist eigentlich *die* Aufgabe der "Elite". Um den Begriff "Elite" überhaupt zu rechtfertigen, muß er mehr als nur positiv konnotiert sein, in dem Sinne, daß Aufgeklärte, also Eliten, unaufgeklärten Nicht-Eliten wenigstens reinen Wein einzuschenken bemüht sind - anstatt sie zu verdummen, wie es die Regel ist."

    Dem stimme ich zu. Und die Massenmedien sollten das ihrige dazu beitragen - was sie aber nicht tun, sondern sie schielen nur aufs Geld.

  9. KRichard Wahlbeteiligung, ´Wissenschaftler´
    25.06.2011, 05:20

    Zu einer Demokratie gehört auch, dass man als Bürger seine Rechte wahr nimmt. Bei der letzten Europawahl gingen nur knapp über 40% der Wahlberechtigten zum Wählen.
    Es braucht sich also niemand aufzuregen, wenn Leute wie SKM nur wegen ihrer Optik gewählt wurde: wir haben genau die Leute, die wir gewählt haben.

    Und zum Thema ´Wissenschaftler´. Ich habe mit dem Thema ´Nahtod-Erlebnisse´ hier schon öfter auf über 35 Jahre Pfusch in der Wissenschaft hingewiesen - ohne erkennbare Reaktion (Außer: dass ich dieses Thema nicht dauernd erwähnen sollte). => Wer als Wissenschaftler nicht fachgerecht auf einen solchen Hinweis reagiert, hat mit SKM genau die richtige Vertretung.

  10. Elmar Diederichs @KRichard: ZDF-Politikverständnis
    25.06.2011, 09:47

    "Bei der letzten Europawahl gingen nur knapp über 40% der Wahlberechtigten zum Wählen. Es braucht sich also niemand aufzuregen, wenn Leute wie SKM nur wegen ihrer Optik gewählt wurde: wir haben genau die Leute, die wir gewählt haben."

    Diese Position halte ich für falsch: Nicht zu wählen, kann neben Gleichgültigkeit auch bedeuten, daß man das komplette Wahlsystem oder alle Parteien ablehnt. Solche Negativentscheidungen sind aber in der Verfassung nicht vorgesehen. Stattdessen kann man wie auf FB nur Gesamtpakete like-n. Wer z.B. CDU wählt, muß mit Schäuble leben. Und eine Einzeloption "Schäuble raus" wird nicht angeboten. Und solange solche Präferenzen in Wahlen nicht abgefragt werden, ist Nicht-Wahl politisch bedeutsam. Selber-Schuld-Standpunkte sind folglich was für diese unterirdischen ZDF-Politiksendungen.

    "Wer als Wissenschaftler nicht fachgerecht auf einen solchen Hinweis reagiert, hat mit SKM genau die richtige Vertretung."

    Leider kenne ich mich mit NTE's nicht aus. Aber in vielen Fällen werden Themen von Wissenschaftler ignoriert, einfach weil an dem Thema nichts dran ist. Vielleicht der Grund darin.

  11. KRichard @Diederichs
    25.06.2011, 12:58

    Wir Bürger sind nicht nur passive Verfügungsmasse und bemitleidenswerte Opfer der Parteien. Wir haben die Möglichkeit, selbst Parteien zu gründen oder Parteien als Mitglied aktiv zu beeinflussen.

    Thema NTEs: Als Dr. Moody 1975 mit seinem Buch ´Leben nach dem Tod´ suggerierte, es könnte sich bei NTEs um Sterbeerfahrungen handeln - da wurde diese Suggestion von der Wissenschaft ungeprüft übernommen: bis Heute. Obwohl NTEs nach einer einheitlichen Struktur ablaufen.
    Wer wissenschaftlich argumentieren will, ´dass an dem Thema nichts dran ist´, sollte dies belegen können. Dies ist bisher nie passiert. Solch fehlende Prüfung von Strukturen ist Pfusch - man müsste zumindest belegen dass diese strukturellen Abläufe und deren Inhalte zufällig entstehen oder man müsste bessere Erklärungsmodelle entwickeln als meins: www.spektrumverlag.de/artikel/1058259. Ich gehe davon aus, dass man bewusste Erfahrungen nur dann machen kann, wenn man bei Bewusstsein ist.
    Dass man sich mit NTEs nicht auskennt, ist kein Argument - denn man kann sich informieren.
    Ob NTEs wichtig oder unwichtig sind, darüber kann man erst urteilen, wenn man deren Struktur und Abläufe verstanden hat. Ohne diese Prüfung davon auszugehen, dass NTEs unwichtig sind - das ist Wahrsagerei. Für solche ´Wissenschaftler´ ist die Qualifikation von SKM ausreichend.

  12. Elmar Diederichs @KRichard: Das sehe ich nicht
    25.06.2011, 13:26

    "Wir Bürger sind nicht nur passive Verfügungsmasse und bemitleidenswerte Opfer der Parteien."

    Oh doch: Entmachtung des Einzelnen ist der tiefere Sinn der Demokratie - so wird das Herrschaftsproblem umgangen.

    "Wir haben die Möglichkeit, selbst Parteien zu gründen oder Parteien als Mitglied aktiv zu beeinflussen."

    Nein, haben Sie nicht so mal eben. Das kostet Geld, Zeit, Mühen und wenn Sie es dann geschafft haben, sind sie noch immer nicht gewählt.

    "Wer wissenschaftlich argumentieren will, ´dass an dem Thema nichts dran ist´, sollte dies belegen können."

    Ich weiß, daß das ihre persönliche Lieblingskränkung durch die etablierte Wissenschaft ist. Daß NTEs es offenbar in 30 Jahren nicht aus dem Dunstkreis des Esoterischen herausgeschafft haben, spricht nicht gerade für sie. Im übrigen ist es an Ihnen zu zeigen, daß NTE irgendwie relevant sind.

    "Solch fehlende Prüfung von Strukturen ist Pfusch"

    Dann wäre auch der 2.Hauptsatz der Thermodynamik Pfusch.

    "Dass man sich mit NTEs nicht auskennt, ist kein Argument - denn man kann sich informieren."

    Nein. Sie können nicht verlangen, daß sich jemand mit Themen auseinander setzt, nur weil Sie sie interessant finden. Ich muß mich überhaupt nicht informieren. Stattdessen warte ich darauf, daß Sie selbst dasjenige Engagement zeigen, daß sie bemängeln.

    "Ohne diese Prüfung davon auszugehen, dass NTEs unwichtig sind - das ist Wahrsagerei."

    Ich halte dieses Thema für Quatsch. Und ich warte darauf, daß einer das Gegenteil zeigt. Meine Zeit ist zu schade für diesen Schabernack. Das mag Sie stören, aber damit müssen Sie wohl leben.

    "Für solche ´Wissenschaftler´ ist die Qualifikation von SKM ausreichend."

    Wenn Sie noch mal solche Beleidigungen hier hinterlassen, lösche ich Ihren Kommentar.

    Ist das deutlich?

  13. KRichard Relevanz
    25.06.2011, 15:52

    Sinn meiner Kommentare ist es nicht, hier irgend jemand zu ärgern.

    Zur Frage, ob NTEs irgendwie relevant sind, habe ich bereits darauf hingewiesen, dass in deren Struktur ein Suchvorgang erkennbar ist, in welchem das episodische Gedächtnis durchsucht wird. Dieser Vorgang ist allgemein für die Gehirn-/Gedächtnisforschung von Interesse, um Abläufe des Abspeicherns und Erinnerns von Informationen besser verstehen zu können.

    Und nun speziell zu Ihnen. Als Philosoph kennen Sie sicher die buddhistische Idee der zeitlosen Wirklichkeit: Da die Gegenwart keine zeitliche Ausdehnung hat, wird sie als zeitlos betrachtet. In diesem Zusammenhang gilt auch das ICH(Selbst, Bewusstsein) als Illusion, da es jeweils nur für die Dauer eines Gedankens existent ist - mit jedem neuen Gedanken entsteht es neu. Die dynamische Natur entsteht nur dadurch, weil ununterbrochen Gedächtnisinhalte in das Wachbewusstsein treten und so ein Gefühl der Kontinuität erzeugen.
    Mein NTE-Erklärungsmodell unterstützt als Beleg diesen buddhistischen Gedankengang, da darin ein Suchvorgang erkennbar ist - der notwendig ist, um spezielle Inhalte aus dem Gedächtnis zu holen.
    Hieraus leiten sich dann Fragestellungen ab, die für die Philosophie von Interesse sind: z.B. was ist Ewigkeit? - wenn wir persönlich doch immer nur für die Dauer eines Gedankens existieren.

    (Und noch ein Lesetipp: Ich habe mich bemüht, mein NTE-Erklärungsmodell ausschließlich auf nachprüfbar bewiesenen Grundlagen aufzubauen. Zum Thema ´Unaufmerksamkeitsblindheit´ ist vor kurzem ein Buch erschienen: Ch. Chabris/D. Simons:"Der unsichtbare Gorilla" )

  14. Elmar Diederichs @KRichard: Psychologie?
    25.06.2011, 16:13

    "Dieser Vorgang ist allgemein für die Gehirn-/Gedächtnisforschung von Interesse, um Abläufe des Abspeicherns und Erinnerns von Informationen besser verstehen zu können."

    Gut, dann sind vielleicht die Psychologen die Richtigen, um ihnen das Thema noch einmal nahezubringen. Mein Verständnis der Psychologie steckt leider noch in den Kinderschuhen.

    "Da die Gegenwart keine zeitliche Ausdehnung hat, wird sie als zeitlos betrachtet."

    Ich kenne diese Idee, halte sie aber für mit den im Moment akzeptierten physikalischen Theorien für inkompatibel.

    "Hieraus leiten sich dann Fragestellungen ab, die für die Philosophie von Interesse sind: z.B. was ist Ewigkeit? - wenn wir persönlich doch immer nur für die Dauer eines Gedankens existieren."

    Ich gebe Ihnen insofern recht, als eine akzeptable Philosophie der Zeit und der Zeiterfahrung solche Fragen beantworten muß. Ich werde daher Ihren Hinweis insofern aufgreifen, als ich demnächst über diese Gebiet aus Sicht der analytischen Philosophie berichten werde.

    Vielleicht trägt das dann auch ein wenig zur Beleuchtung der NTE's bei.

  15. Frank Roehl Diederichs -KRichards
    15.08.2011, 17:31

    Sehr geehrter Herr Diederichs,
    ich hatte mir geschworen, Ihre Zeit nicht weiter mit meinen fragwürdigen Einlassungen zu verschwenden (keine Ironie). Aber der Humor im Zusammenhang mit der “Graue-Mäuse-Frage” läßt mich meineidig werden:
    “Das beste Argument gegen die Demokratie ist, mit einem potentiellen Wähler 5 Minuten zu diskutieren” (wurde von einem Kommentator in einem anderen Forum Churchill zugeschrieben). Das haben Sie hier gerade mit KRichard demonstriert.
    Wer sagt wem, welche Mäuse grau zu sein haben?
    Und über den rechten Umgang mit den Repräsentanten der “Graue-Mäuse-Partei” können Sie von Churchill vielleicht auch noch lernen: Als Attlee 1945 Churchill als Premier ablöste und mit ihm die Übernahme der Residenz in Downing Street besprechen wollte, traf er dort zur Unzeit ein. The maid knocked on the bathroom door to announce the new primeminister. From the other side of the door: “Send him away! I can handle only one shit at a time!” (Wurde mir von einem Freund, der aus UK stammt, kolportiert.)
    Viel Spaß
    FR

  16. Elmar Diederichs @Frank Roehl: Zeitdruck
    15.08.2011, 19:53

    Lieber Herr Roehl,

    bitte entschuldigen Sie, daß ich Ihre Kommentare hier ebenso vernachlässige wie die der anderen Leser. Im Moment ist es alles äußerst knapp bei mir.

    Vielleicht schaffe ich es am Ende der Woche, auf alles zu reagieren.

    BG
    ED

szmtag