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Bloggewitter: Bologna aus der Sicht eines menschlichen "Labortiers"

von Erik Maronde, 15. Juni 2009, 06:30

Eines vorweg: auch der Bologna-Prozess wird es nicht schaffen, interessierte Studenten von einer Ausbildung fernzuhalten. Er wird auch nichts daran ändern, dass es weiterhin gute Absolventen von „schlechten“ Universitäten und schlechte von guten geben wird.

Es ist allerdings bedenklich, dass heute in sechs (6) Monaten Bachelorarbeiten abgeschlossen werden müssen. In so kurzer Zeit kann eigentlich keine richtige Forschungsarbeit vergeben werden, weil Forschung eben oft mit Misserfolgen und "vertaner" Zeit einhergeht.

Ich habe bislang noch keine Bachelorstudenten betreut, aber es fällt mir auf, dass mit der Verkürzung bzw. zeitlichen Begrenzung der Diplomarbeitszeit schon einiges an Qualität verloren gegangen ist.

Was die Beherrschung von Labortechniken angeht, hat sich meiner Meinung nach nicht viel geändert seit ich vor 20 Jahren Diplom gemacht habe. Man kann in der Regel nichts und lernt es dann "by doing". Wobei ich in Bremen Biologie studiert habe und durch die damals vom ersten Semester an laufenden Projekten von Anfang an "richtige" Laborarbeit lernen musste. Ich bin allerdings auch kein gutes Beispiel, weil ich auch mit fast 46 Jahren und 20 Berufsjahren immer noch am liebsten im Labor stehe. Damals in Bremen bei 150 Studenten und 22 Professoren mit Mitarbeitern waren es wohl aus heutiger Sicht paradiesische Verhältnisse, die das studienbegleitende Lernen von Labortechniken erleichtert haben. Projektarbeit und hoher Praxisbezug waren in den 80er-Jahren gerade „Alleinstellungsmerkmale“ der roten Kaderschmiede Bremen. Als sie dann eine normale Uni wurde, verschwanden diese heute wieder so sehnlich gewünschten Eigenschaften der Bremer Uni rasant.

Die angeblich bessere Vergleichbarkeit von Studieninhalten und die damit vermeintlich höhere Mobilität halte ich für Augenwischerei. Und was ist denn überhaupt gegen Vielfalt und Einzigartigkeit in der universitären Ausbildung einzuwenden? Früher sind gute Studenten, die wussten, was sie noch lernen müssen/wollen, zu den Lehrstuhlinhabern gepilgert, war das etwa keine Mobilität?

Sonst soll der Markt doch auch alles regeln! Nun ja, vielleicht nicht mehr alles nach der weltweiten Finanzkrise, aber warum soll die Qualität der Absolventen nicht langfristig den Ruf einer Hochschule bestimmen? Steckt doch das Geld für die Bürokratisierung des Bologna-Prozesses lieber mal in eine retrospektive Studie zum Berufs- und Lebenserfolg von Absolventen und stellt fest, dass bildungswillige Menschen und keine Bürokraten Ausbildungsqualität bestimmen. Der Ort dieser Bildung und die Vergleichbarkeit mit dem Mittelmass anderswo wird meiner Überzeugung nach die geringste Rolle spielen.



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