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Die Wirkung virtueller Welten

von Katja Schwab, 05. Mai 2007, 15:07

Zur Grundsatzfrage: Welchen Einfluss haben virtuelle Welten auf uns?

Bevor ich mich in Teufelsküche begebe und eine allgemeine Aussage dazu treffe, ob z.B. Computerspiele Gewalttätigkeit auslösen, möchte ich grundsätzlich feststellen, dass trotz der zahlreichen Forschungspublikationen keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen medialen Einflüssen und Straftaten belegbar sind.

Die „Wirkungen“, die von den Medien ausgehen können, hängen entscheidend vom Wechselspiel zwischen den subjektiven Besonderheiten und Erwartungen der Rezipienten einerseits und den Medienangeboten andererseits ab. Die Forderung der Öffentlichkeit, klare Aussagen über die „schädigenden Wirkungen“ von Medienangeboten zu machen, scheitern in aller Regel an der Komplexität des Gegenstandes.“

Doch wie sieht es aus mit der virtuellen Welt Second Life? Die Bewohner dieser Welt sind gleichsam ihre Schöpfer, da das konkrete Design von der Vorstellungskraft und Kreativität der Nutzer abhängt. Second Life ist damit das was man damit anfangen will. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Man kann Häuser bauen, seinen Avatar nach Gutdünken verändern, sich von A nach B teleportieren oder einfach fliegen.

Fallen bald Second Life User aus dem Fenster, weil sie annehmen, dass sie fliegen können?

Interessant ist für mich die Frage, was man in die virtuelle Welt mit hinein nimmt und was man aus ihr wieder mit herausbringt. Oder anders: Findet ein Transfer statt und wenn ja in welcher Art und Weise?

Wie der Autor Jürgen Fritz schreibt, ist für Transferprozesse ein komplexer Akkommodationsprozess notwendig:

Wie sich die Augen auf unterschiedliche Entfernungen einstellen müssen, so ist es erforderlich, die Schemata aus der virtuellen Welt solange zu modifizieren, bis sie erfolgreich in der realen Welt angewendet werden können. Dieser Aufwand erscheint wenig sinnvoll in Anbetracht der Möglichkeit, auf bestehende Schemata, die für die reale Welt ausgebildet wurden, zurückgreifen zu können.

Allerdings erleichtern realitätsnahe Simulationen, zu welchen man auch Second Life zählen kann, die Assimilation. In diesem Fall ist es richtig sich Gedanken zu machen, ob die Spieler „Schwierigkeiten haben, Transferprozesse zu kontrollieren und die Reizeindrücke den jeweiligen Welten angemessen zuzuordnen.“ Auch die Wahrscheinlichkeit eines emotionalen Transfers ist relativ hoch:

Die Gefühle (...) springen von Welt zu Welt, heften sich an Reizeindrücke, bestimmen, verändern und tönen die mit diesen Reizeindrücken verbundenen Schemata. Gefühle besitzen die Eigenart, eine bestimmte Zeit „nachzuklingen“. Obwohl der Reizeindruck nicht mehr präsent ist, kann die damit verbundene emotionale Tönung noch anhalten und sogar andere Reizeindrücke für kurze Zeit überformen. Dies gilt auch für emotionale Transfers aus der virtuellen Welt.

Nach meinem Wissensstand gibt es noch keine umfangreichen wissenschaftlichen Studien zur spannenden Frage nach dem Transferprozessen von Second Life auf das reale Leben. Eines muss allerdings gesagt werden: Die Forderung der Öffentlichkeit nach kausalen und generalisierbaren Aussagen ist nicht zu erfüllen.

Zur Erklärung von Medienwirkungen ist ein kausales Modell wenig hilfreich. Erkenntnisstand ist vielmehr, dass Medien Elemente eines zirkulären Prozesses der strukturellen Koppelung des Individuums mit seiner Umwelt sind. Medien können verstärken und abschwächen, pointieren, artikulieren, sprachregeln und Inhalte, Schemata, Verhaltensdispositionen zur Auswahl anbieten. Das Individuum setzt sich zu diesem Angebot in Beziehung, indem es das (subjektiv) Brauchbare heraus fischt und in seinen biografischen Entwurf einbaut. So gesehen gibt es keine Ursachen und Wirkungen, sondern „nur“ ein motivationales Geflecht, dessen „Gewebemuster“ man untersuchen könnte.

Weitere Artikel zum Thema:
Virtuelle Welten und ihre soziale Wirkung
Second Life - die neue Droge?
Quelle: Jürgen Fritz: Wie virtuelle Welten wirken - lesenswert





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Kommentare

  1. Christopher Frank Transferbegriff
    29.10.2007, 12:39

    Nun ist "Transfer" einer der vielstrapazierten und ausgesprochen unscharfen Begriffe in der Psy.? Da gibt es in der Literatur ausgesprochen vielseitige Definitionen und um einen Transfer von irgendetwas festzustellen, sollte klar uns sauber die Definition "Transfer" geleistet werden. Dann erst kann eine Wirkung auf ein definiertes Konzept untersucht werden.

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