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Bürger und Patienten als Ratgeber von Forschern III

02. Mai 2012, 09:16

„Laiengutachten sind eine Art Frühwarnsystem für die Wissenschaft“, urteilte Henning Arp, Leiter der Vertretung der EU-Kommission in München, nach der Lektüre des GAMBA-Laiengutachtens Deutschland 2012, das Patienten und Bürger über das EU-Forschungsprojekt GAMBA (Genaktivierte Matrizen zur Knochen- und Knorpelregeneration bei Arthrose) erstellt haben (Hintergrund dazu in Teil I und Teil II). Arp zeigte sich beeindruckt, welche klaren und profunden Urteile die Laien trotz des relativ begrenzten Zeiteinsatzes für die Erstellung des Gutachtens trafen. Vor allem gefiel ihm, dass die Laien offenkundig über das Projekt weit hinaus gedacht hätten. „Sie mahnen, dass wir die Prävention vor lauter neuen Therapien nicht vergessen dürfen und vor allem auch, dass neue Therapien am Ende auch erschwinglich sein müssen“, fasste Arp bei der Abschlussveranstaltung am vergangenen Mittwoch, 25. April, im Klinikum rechts der Isar der TU München zusammen.

Was die ‚Laien’, als die ich die Teilnehmer der Patienten- und Bürgerforen inzwischen nicht mehr bezeichnen möchte, anmerkten, ist wirklich interessant. Einige der Anmerkungen und Wünsche zu dem umfangreichen Grundlagenforschungsprojekt zur Entwicklung neuer Arthrosetherapien mittels einer Kombination aus Stammzell- und Gentherapie sowie Nanomedizin stellten die Sprecher der Foren bei der Abschlussveranstaltung besonders heraus.

Forschungsansatz wird grundsätzlich begrüßt.
Es können neue Therapien entstehen und zudem bringt Grundlagenforschung auch für andere Forschungsfelder Erkenntnisse.

Kritik an Ethikkommissionen, die über medizinische Forschungsprojekte wachen.
Die Zeit, die Ethikkommissionen bei ihren Sitzungen zur Beurteilung eines Forschungsansatzes etwa zur Genehmigung von Tierversuchen oder klinischen Studien aufbringen, ist mit nur 20-30 Minuten deutlich zu gering*. Zudem gibt es den dezidierten Wunsch nach einer anderen Zusammensetzung der Kommissionen, denn bisher dominieren Fachleute (etwa Mediziner). Ethikkommissionen sollten zusammengesetzt sein: Paritätisch Männer und Frauen. Nicht mehr als 50% Mediziner. Neben Statistikern, Ethikern oder Theologen sollte auch immer ein ‚informierter Laie’ dabei sein. » weiter

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Bürger und Patienten als Ratgeber von Forschern II

30. April 2012, 11:20

„Ihre Ergebnisse sind erstaunlich. Sie decken sich zu etwa 90 Prozent mit Empfehlungen, die hochrangige Expertengremien erarbeiten“, äußerte sich Patrick Cramer, seines Zeichens Leibniz-Preisträger und überhaupt hochdekorierter Genforscher am Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Was ihn so erstaunte, ist das gemeinsame Gutachten von Bürgern und Patienten, das diese zu einem aktuellen Arthrose-Grundlagenforschungsprojekt (GAMBA, Gene Activated Matrices for Bone and Cartilage Regeneration on Arthritis) der EU erstellt haben (Kurzfassung des GAMBA-Gutachtens zu Gen- und Stammzelltherapien). Am vergangenen Mittwoch, 25. April, fand am Klinikum rechts der Isar der TU-München die Abschlussveranstaltung dieses Projekts in Deutschland statt. Weitere Foren in der Schweiz und in Irland werden folgen.

Ich hatte vor einem Jahr bereits von den Anfängen dieser Foren berichtet und ursprünglich vor, dies kontinuierlich zu tun. Aber das hätte womöglich mitlesende Teilnehmer der Foren beeinflussen können. Deshalb folgt jetzt erst der zweite Teil zu meinem damaligen ersten Posting. Wie darin bereits erwähnt, ist GAMBA ein wirklich sehr umfangreiches Grundlagen-Forschungsprojekt bei dem gleich drei häufig umstrittene neue medizinische Ansätze zu einer heilenden Wirkung für arthritische Gelenke kombiniert werden sollten: Gentherapie, Stammzelltherapie und Nanomedizin.

Entsprechend herausfordernd ist auch das Wissen, das sich die teilnehmenden Bürger und Patienten aneigneten. 14 Patienten aus dem Raum München und 16 Nachbarn des Klinikums (zwischen 22 und 67 Jahren) hatten die Herausforderung angenommen und jeweils insgesamt 3,5 Tage – mit längern Pausen dazwischen zur Vorbereitung und Vertiefung – an den Foren teilgenommen. » weiter

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Gläserne Forschung

02. Januar 2012, 15:34

Der Impact Faktor von Fachjournalen ist seit seiner Einführung in den 1960er Jahren als eher unzureichendes Werkzeug, das herangezogen wird, um etwas über die Qualität wissenschaftlicher Publikationen zu sagen. Durch die Social Media kommen neue potenzielle Faktoren ins Spiel.

Seit einigen Jahren fügt etwa die Public Library of Science, PLoS, den bei ihr publizierten Artikeln weitere Kriterien hinzu. Da diese Open Access sind, kann PLoS beispielsweise zählen wie häufig ein Artikel gelesen oder heruntergeladen wurde, ob jemand Lesezeichen dafür angelegt hat oder ob der Artikel in Blogs zitiert wurde. Seit Neuestem zählt der PLoS impact explorer sogar Verlinkungen auf Twitter.

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Science Slam auf der Falling Walls Conference

08. November 2011, 18:30

Heute bin ich den ersten Tag auf der Falling Walls Conference in Berlin und ich muss sagen, das hat sich schon sehr gelohnt, diesen einen Tag früher hierhergefahren zu sein. Denn heute durften junge Forscher, 100 an der Zahl, in jeweils 3 Minuten ihre Idee präsentieren. Ein schneller Ritt quer durch die Wissenschaften und von eher technisch basierten bis hin zu mitmenschlichen Projekten. Da ich nun nicht alles nochmals neu schreiben kann, meine Originalpostings auf der Falling Walls Blogseite jedoch auf englisch sind, erlaube ich mir nun hier einfach die englischen kurzen Beiträge in dieses Posting zu übertragen.

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Wann sind Wissenschaftler im besten Alter?

07. November 2011, 21:10

In welchem Alter sind Forscher besonders kreativ, ihre Köpfe besonders ideen- und geistreich? Oder umgekehrt gefragt: Gibt es ein Alter ab dem man von einem Wissenschaftler kaum noch etwas an neuen Erkenntnissen erwarten darf? Immerhin zeigt nun eine Untersuchung, dass Nobelpreisträger von heute im Schnitt zum Zeitpunkt ihrer ausgezeichneten Forschung älter waren, als Nobelpreisträger früherer Jahrzehnte. Die Idee, dass Forscher unbedingt jung sein müssten, um kreativ sein zu können, erweist sich somit als falsch.

Benjamin Jones und Bruce Weinberg (1) haben die Daten von 525 Nobelpreisträgern (182 Physik, 153 Chemie, 190 Medizin), die zwischen 1985 und 2008 ausgezeichnet wurden, ausgewertet. Dafür eroierten sie aus der Literatur, wie alt die Preisträger waren, als sie ihre kreative Leistung erbrachten. Interessanterweise unterscheiden sich die Ergebnisse der verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen kaum von einander. Dafür gab es im Laufe eines Jahrhunderts einen bemerkenswerten Shift: Heute gekürte Nobelpreisträger (1985-2008) waren zum Zeitpunkt ihrer "kreativen Leistung" im Schnitt um 10 Jahre älter, als die Laureaten der Jahre 1905-1985.   » weiter

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Internationale Forschungsplanung und unzählige Fragezeichen

17. Oktober 2011, 16:13

Die wichtigste Antwort auf die Frage, ob man Forschung für die Zukunft planen könne, brachte am Ende der Tagung „Planning Research for the Future?“ Carsten Dreher von der FU-Berlin. Konkret planbar und einfach wird Forschung niemals sein. Und so sind für Dreher aus dem einen Fragezeichen hinter dem Motto am Ende der dreitägigen Debatten viele geworden.

Die Ebenen auf denen Forschung stattfindet, die Institutionen, Universitäten, Finanzierungsstrukturen der Länder und deren Strategien sind, so zeigte die Tagung, sehr facettenreich. Nur wenige Schlagworte hat Dreher am Ende zusammengefasst mit denen man zumindest in groben Zügen die Zukunft von Forschung und damit auch die Ansprüche an sie umschreiben kann. Sie werde oder müsse sich immer mehr diversifizieren, globaler, präziser, zielorientierter, lösungsorientierter und gar widersprüchlicher werden.

Alleine der Aspekt der Internationalität und gleichzeitigen gemeinsamen globalen Verantwortung offenbarte in der Runde „Leaving the Nutshell? International and European Dimensions in Strategic Intelligence Research“ vielfache Ebenen.


•    Der Wissenschaftsboomer China und andere Staaten wie Korea oder Indien, die mit ihrem Anteil weltweiter Publikationen auf der Überholspur liegen und denen rückläufige Trends etwa in den USA oder auch Deutschland gegenüber stehen. So wird aller Voraussicht nach 2013 China die USA vom Spitzenplatz verdrängen.

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Wahrsagen für die Wissenschaft - Der Einfluss der Megatrends

15. Oktober 2011, 09:14

Forschung ist teuer und da ist es nur billig, wenn Staaten und ihre Bürger Forschung möglichst zielgerichtet fördern wollen. Es sollte doch zum Wohle der Menschen sein, für den Fortschritt, für die Stärkung der Wissenschaft im eigenen Lande, für die Erkenntnis. Doch wer sagt innerhalb des Spannungsfeldes von Grundlagen- und angewandter Forschung, was die Zukunft bringt, was gebraucht werden wird? Darum ging es gestern unter anderem im Workshop „Societal challenges as research questions – From demand to research projects“ während der Tagung Planning Research for the Future. Über die Planbarkeit und vor allem dem viel zu geringen Fokus auf die wichtigste Ressource Mensch (Forscher) habe ich gestern bereits berichtet.

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Ist Forschung planbar?

14. Oktober 2011, 00:33

Einem großen Thema hat sich die Tagung ‚Planning Research for the future?’  verschrieben, die derzeit in Berlin unter der Ägide des Center for Cluster Development (CCD) der Freien Universität Berlin in Kooperation mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft stattfindet.

Es geht um nicht mehr oder weniger als um die Frage, wie potenzielle Geldgeber – der jeweilige Staat, Staatenverbünde (EU) oder Industrie – entscheiden. Welche Forschung ist notwendig? Wohin soll Geld fließen? Wollen wir mehr Grundlagen oder angewandte Forschung? Wie könnten Wege dahin aussehen?

Geladen sind Gäste aus vielen Ländern und selbstverständlich die üblichen Player: Universitäten, Stiftungen, Forschungsgemeinschaften. Alle teilen sich diverse Kuchen in unterschiedlichen Schnittchen. Hier etwas Fördergeld für Grundlagenforschung in Kooperation mit internationalen Partnern, dort die Verteilung nach exakten Maßgaben von Geldern aus Bund und Ländern (Helmholtz, Leibniz) ... und nicht zuletzt die Exzellenzinitiativen und Clustern von Bund und Ländern, die das Land überfluten.

Eliteuniversitäten wie in den USA oder Frankreich gab es in Deutschland nicht bis 2005 die Exzellenzinitiative des BMBF und der DFG startete. Seither wird das Land so gründlich überschwemmt von Elitenetzwerken, Eliteuniversitäten und Exzellenzclustern, dass wir zielsicher eines erreicht haben: Dieselbe Gleichförmigkeit wie vorher. Als exzellent bezeichnen sich alle Forschungsinstitute der Fraunhofer-Gesellschaft (69), der Helmholtz-Gemeinschaft (17), der Leibniz-Gemeinschaft (87), der Max-Planck-Gesellschaft (86 meine Zählung – 76 Barbara). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert derzeit 37 Exzellenzcluster und 39 Graduiertenschulen an Universitäten und 9 Eliteuniversitäten. Dazu kommen noch Länderinititativen wie das Elitenetzwerk Bayern mit 21 Elitestudiengängen an neun Universitäten und die NRW Graduate Schools.

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