Bewusstsein = Arbeitsgedächtnis?

18. April 2009 von Arvid Leyh in Hardware

Braincast 155

Das Bewusstsein ist eines der großen Fragezeichen im Hirn. Das Arbeitsgedächtnis nicht – hier wissen wir relativ viel. Nun vermuten einige Forscher, die beiden seien weitgehend identisch. Entstehende Antworten und Fragen beleuchtet Braincast 155.

Über Körper, Sport und Hirn unterhalte ich mich anschliessend mit Steve Ayan von Gehirn&Geist.


MP3 File Dauer: 33:48

Philosophie 1 – schwere Kost: Comparing the major Theories of Consciousness von Ned Block. 

Philosphie 2 – anderer Ansatz: Dresden Codak und Philosophie-Comics.

 

COMMERCIAL, NOCHMAL

Klamotten mit Hirn: die Braincast T-Shirts, Hoodies und Jacken!

 

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SHOWNOTES

Klassisch angehauchtes zum Bewusstsein: Return From Battle von Nic Plum, gefolgt von White Sky von Ravintola, Tribute to Mozart von Sascha Ludwig und zum Abschluss Waiting von Vitaly.


11 Kommentare zu “Bewusstsein = Arbeitsgedächtnis?”

  1. KRichard Antworten | Permalink

    selbstbeobachtbare Gehirnfunktion

    Man könnte das Rätsel des Bewusstseins entschlüsseln, wenn man endlich die sogenannten Nahtod-Erlebnisse (NTEs) analysieren würde.
    Denn dabei kann man dem eigenen Gehirn live selbstbeobachtbar bei der Arbeit zusehen, wie es Informationen des episodischen Gedächtnisses verarbeitet:
    gespeichertes Wissen wird mit Hilfe des aktuellen Selbst-Bewusstseins (**) gefiltert und neu bewertet und so zu einer neuen Realität umgeformt.
    ( **) dazu gehören auch aktuelle Sehfähigkeit und Größe von Körperteilen)

    D.h. Erinnerungen + aktuelle Sinneseindrücke laufen über den Filter des aktuellen Selbstbildes und daraus wird dann die empfundene Realität neu gebildet. Das ganze läuft natürlich in Rückkopplungsschleifen ab.

    Bei manchen NTEs erlebt man zusätzlich die sogenannte ´Außerkörperliche Erfahrung´; dies ist nichts anderes als eine virtuelle Simulation der aktuell empfundenen Situation durch das Gehirn.

    Nach Analyse der NTEs könnten eventuell die Fragen beantwortet werden: Haben wir ein Bewusstsein - und was ist es? oder, Ist das Bewusstsein auch nur eine selbstbeobachtbare Gehirnfunktion (so wie die NTEs)?

  2. Steffen Rehm Antworten | Permalink

    Sein mit Wissen

    Lieber KRichard,

    inzwischen weiß ich bei Deinen Beiträgen oft schon, was darin steht, bevor ich gelesen habe, will sagen: Du wiederholst Dich, wie ein CD-Player, der immer die gleiche Melodie spielt.
    Deine Hinweise gehen sicher auch auf eigene Erfahrung zurück, und weil viele Menschen ähnliche Erlebnisse hatten, sind diese wirklich beachtenswert und zeigen „das Bewußtsein“ in einer ganzheitlichen Ansicht, Vergangenheit und Zukunft sind vereint.
    Für die Wissenschaft besteht das Problem darin, diese Erfahrungen nicht experimentell untersuchen zu können, und was man nicht wiederholen und messen kann, das interessiert die Wissenschaftler leider nicht.

    Diese NT-Erfahrungen sind auch nicht unbedingt nötig, um „Das Bewußtsein“ als Gedächtnisleistung zu verstehen.

    Es ist doch bereits im Wort das Wissen enthalten, bewußtes Sein ist ein Sein mit Wissen, CON SCIENTIA.
    Bewußt Sein heißt, das ich in jedem Augenblick nicht nur die aktuelle Gegenwart erlebe, sondern gleichzeitig das ganze Weltwissen, meine Lebensgeschichte und einige Voraussagen über meine Zukunft präsent habe.
    Diese ganzheitliche Organisation des Gedächtnisses ist in der Evolution der Säugetiere (mit Cortex) entstanden und erreicht seine besondere Ausprägung beim Menschen durch die Entwicklung der Sprache, mit der das menschliche Gedächtnis bzw. „Bewußtsein“ auch ein Produkt der Gesellschaft wird.

    Die Frage ist also nicht, ob wir ein bewußtes Sein „haben“ bzw. erleben, sondern wie die Organisation des Gedächtnisses (im Cortex) uns das Weltwissen und die persönliche Lebensgeschichte mit sprachlichem Zugriff in jedem Augenblick präsent hält.

    Für den Konstruktivisten, der sein „Selbst“ und die Welt als mentale Konstruktionen begreift, muß die Frage nach den Konstruktionsprinzipien dieser Konstruktionen brennend aktuell sein. Mit welcher Methode schafft das Gehirn die Konstruktion eines Weltwissens in ganzheitlicher Präsenz mit sprachlichem Zugriff?

    Auf diese Frage können die Nahtoderlebnisse wohl keine befriedigende Antwort geben. Meines Erachtens ist auch die Hirnforschung dazu nicht in der Lage, solange sie zu wenig Verständnis für die Sprache und die Mathematik aufbringt.

    S.R.

  3. Arvid Leyh Antworten | Permalink

    Nahtod/Bewusstsein

    Wie gesagt: Bewusstsein ist ein Amöbenwort. Ich hatte erwogen, akustisch mit einer Art Cocktail-Party-Effekt einzusteigen, denn das ist eine untere Ebene: Bewusste Wahrnehmung.

    Was Du, KRichard, suchst, ist Bewusstsein von eindeutig höherer Natur. Und zwischen beiden klaffen Welten. Doch just zu Deiner Frage gibt es einiges. Beispielsweise fanden sich eine ganze Zeit lang in britischen OPs Gegenstände auf Deckenlampen, also von unten nicht zu sehen. Allein: Keiner der Patienten an der Schwelle des Todes hat sie entdeckt.

    Wenn du Braincast regelmässig hörst, ich spiele immer wieder auf Detlef Linke an. Der hat in GuG einen sehr interessanten Artikel zu NTEs geschrieben, der Dir womöglich aber nicht gefallen wird. Hier der Link:
    http://www.gehirn-und-geist.de/artikel/839501&_z=798884
    Oder in BC 47. Das ist ziemlich spannend, bietet aber auf lange Sicht wenig Perspektive ...

  4. KRichard Antworten | Permalink

    @Arvid Leigh, @Steffen Rehm

    Aus Ihrem Beitrag sehe ich, dass Sie mich nicht verstanden haben.
    Ich muss den Nahmen ´Nahtod-Erlebnisse´(NTE) leider verwenden, weil er ein Fachbegriff ist. Die bisherige Erklärung dafür ist, dass es sich dabei um Sterbeerlebnisse handeln würde, eventuell mit übesinnlichen Erlebnissen. Das ist falsch - dieser Meinung bin ich nicht!
    Ich denke, dabei handelt es sich um eine selbstbeobachtbare Gehirnfunktion - und das Gehirn funktioniert so wie immer.

    Lesen Sie einmal im Buch von Dr. Moody ´Leben nach dem Tod´.
    - Die NTEs fangen immer mit einem Schlüsselreiz an (ich dachte ich sei tot, o.ä.) - d.h. Immer ist ein gleichartiger Schlüsselreiz (ein Gedanke) der Auslöser. Wo dieser Reiz fehlt, gibt es meist kein NTE.
    - Beispiel LKW-fahrer (im Kapitel ´die Rückschau´): ein LKW-fahrer hatte bei einem Unfall ein NTE, er erinnerte sich an sein ganzes Leben ab dem 2. Lebensjahr. Bei dem Unfall hatte er keinen Kratzer, es ging schnell, dass auch Sauerstoffmangel auszuschließen ist.
    Dr. Moody bezeichnet solche Erlebnisse als NTE und ordnet sie durch seinen Buchtitel einer Jenseitswelt zu - Ich denke das Phänomen NTE als Sterbeerlebnis zu sehen ist entweder eine peinliche ärztliche Fehldiagnose oder eine gelungene Werbemaßnahme des Verlags.
    - Beispiel 2 (Kapitel Das Verlassen des Leibes): Eine Frau berichtete, dass sie sich von einem Punkt unterhalb der Decke beobachten konnte, gleichzeitig konnte sie ihre Beine bewegen und fühlte, dass sie unterschiedliche Temperaturen hatten. - Wenn man die Beine bewegen kann, dann muss der ´Anblick´ von oben eine virtuelle Simulation des Gehirns sein; d.h. das Gehirn kann beides gleichzeitig.
    - Beispiel 3: (Kapitel Das Lichtwesen) Dr Moody schreibt, dass das erlebte Licht/Lichtwesen die Augen nicht blendet und dass man nicht gehindert wird, gleichzeitig andere Dinge in der Nähe wahr zu nehmen. => D.h. doch nichts anderes, dass die normale Wahrnehmung noch funktioniert, während sich die NTEs ereignen. Auch hier kein Anzeichen für Übersinnliches.

    Ich bleibe daher dabei, dass man komplexere Vorgänge wie Bewusstsein, Spiritualiät und Träumen nur dann richtig eklären kann - wenn man NTEs als selbstbeobachtbare Gehirnfunktion betrachtet. Dabei werden Inhalte des episodischen Gedächtnisses ab dem 6. Schwangerschaftsmonat erkennbar und auch, dass sie neu bewertet werden.

    Übrigens: Im Rahmen der von der UNO unterstützten ´The AWARE Study´ sollen Bilder im Operationssaal so aufgestellt werden, dass man sie nur von oben sehen kann. Dieser Unsinn zeigt, dass man das Wesen der NTEs noch immer nicht verstanden hat.

  5. KRichard Antworten | Permalink

    @Steffen Rehm: Wissenschaft

    Die Wissenschaft forscht auf unterschiedliche Weise. Z. B mit Hilfe von wiederholbaren Experimenten werden reproduzierbare Ergebnisse erhalten.

    Dies ist bei Nahtod-Erlebnissen (NTEs) nicht möglich. Sobald man ein NTE hatte, wird dies als Erfahrung gespeichert. D.h. in der Regel kann man kein zweites derartiges Erlebnis haben (Es gibt vereinzelt erklärbare Ausnahmen).
    NTEs laufen aber, trotz sehr unterschiedlicher persönlicher Inhalte, alle nach der gleichen Struktur (Kernelemente) ab. D.h. man muss hier die Struktur untersuchen, denn ihre Abfolge stimmt genau mit dem möglichen Erleben (Lebenslauf) eines Menschen ab dem 6. Schwangerschaftsmonat, bis zum Erleben eines NTEs, überein.
    Und das Untersuchen von gleichartigen Strukturen ist doch eindeutig eine wissenschaftliche Arbeitsweise.

  6. KRichard Antworten | Permalink

    @Arvid Leigh: Detlef Linke

    Den Artikel von Prof. Detlef Linke kenne ich sehr gut. Er hat bloß einen großen Fehler: Prof. Linke geht noch davon aus, dass es sich bei Nahtod-Erlebnissen um Sterbeerlebnisse handelt. Und das ist grundsätzlich falsch => Falsche Annahmen führen zu falschen Schlussfolgerungen, deswegen konnte er das Wesen der NTEs nicht aufklären.
    (Aber die beiden Beispiele - Bauarbeiter bzw. Patient mit Herzstillstand - zeigen: hier fehlte der Schlüsselreiz, deswegen gab es auch kein NTE.)

  7. Arvid Leyh Antworten | Permalink

    Nahtod/Sterbeerlebnis

    Ich gestehe, einige Aussagen verstehe ich nicht, wie die mit Werbemassnahme gegen Fehldiagnose. Auch glaube ich mich erinnern zu können, dass Linke eine ähnliche Argumentation bezüglich des ... nennen wir es also Sterbeerlebnisses hat: es braucht einen auslösenden Gedanken, bei ihm eben zusätzlich mit dem Effekt der Überraschung. Wer ruhig im Bett stirbt, dessen Hirn treibt keinen Aufwand mit weissem Licht und OOB und vorüberziehendem Leben.

    Die einzelnen Erklärungen sind bei ihm andere, aber wenn Du den Artikel kennst (Vorstellung im Schwimmbad, Suche nach Problemlösung im Gedächtnis...), kennst Du die auch. Oder verrühre ich hier mit "Einsteins Doppelgänger"?

    Wie auch immer, wir sind irgendwo zwischen flexiblem wording und Spekulation. Am Anfang ging es um das Bewusstsein. Und unabhängig von Tod und Verderben, und ohne Garantie auf eine finale Antwort, ja: kann ich mir durchaus vorstellen, dass Bewusstsein dadurch zustande kommt, dass die eigene Wahrnehmung wahrgenommen wird. Singer argumentiert das gewohnt elegant.

    Allerdings würde ich es dann nicht als "selbstbeobachtbare Gehirnfunktion" bezeichnen – beobachtet von wem? – sondern eher aktiv als selbstbeobachtend. Wie fühlt sich das an?

  8. Thomas Schneider Antworten | Permalink

    Beschreibungsfokus für den Neuroapparat

    hmmmmm, wenn ich solche Artikel lese/höre regt sich in mir Agression.

    Ist Bewusstsein tatsächlich etwas das Sie erforschen müssen, dass Sie nicht jedem Anderen und vielen Tieren einfach nur zugestehen mögen als dessen, sagen wir: "User-Interface" in Interaktion zu Ihrem eigenen Ich (wie immer Sie es gerade einsetzen)?

    Bewusstsein ist wie freier Wille - ich in meiner Interaktion gestehe und unterstelle es dem mit dem ich zu kommunizieren plane. Dann kann ich ihn erkennen, denn er ist plötzlich aktiver Bestand-Teil meines eigenen Ordnungssystems incl. Denken/Sprechen!
    (... und der Balken in meinem eigenen Auge hat plötzlich ein Gesicht und wird handle-bar).

    Wenn ich von den tradierten Vorstellungen ausgehe, dass meine Person (incl. meiner Odnungs-, Denk- und Handlungsorganisation -das geht mal und mal nicht über den reinen Körper-Begriff hinaus in "die Natur" hinein, je nach Situation), den eigenen Neuro-Apparat benutzt um so zu agieren wie ich es gerade tue, dann zwingen mich eigentlich schon die bekannten Größenverältnisse dazu, die Dinge anders herum zu beschreiben es als in den Medien von den Fachleuten dieses Wissenschafts-Bereichs veröffentlich wird:
    100 Mrd. Neuronen in dem was wir Kopf nennen wenn wir uns anschauen, hängen zusammen mit mindestestens noch einmal 100 Mrd. Neuronen im Organismus den wir "Körper" zu nennen gewohnt sind, an zig- Mrd. Nervenzellen die an die übrigen Zellen des "Körpers" mal "antatschen" und mal nicht.

    Die derzeitige Technik zeigt, dass ich den ganzen Rest meines Lebens nicht einmal in der Lage bin auch nur das oberste Glied meines rechten Daumens zu prüfen, ob alle Zellen dort intakt und ok sind. Selbst wenn ich als Fötus angefangen hätte - in den verbleibenden max 112 Jahren käme ich nicht einmal mit einer Hand durch.

    Wenn ich also "kognitive Phänomene" erklärend beschreiben wollte, muss ich zwangsläufig mit dem Ganzen anfangen, das schon funktioniert, das mit all seinen Zellen in der Lage ist sich in den Patienten-Stuhl zu setzen und sich untersuchen zu lassen /bzw. hier zu sitzen und das hier tippen zu können/ bzw. es hier gerade lesen zu können.
    Selbst mit der heutigen Hightech habe ich einfach nicht die Zeit mal eben wissenschaftlich festzustellen, welche Zellen gerade nicht mit machen und falsch, krank oder sonst irgendwie nicht i.O. sind.

    Die Beschreibung eine konkreten Messung an den Neuronen eines Lebewesens hat also ein 100prozentig funktionierendes System zum Ausgangspunkt. Und die in der Forschung ermittelten Ergebenisse/Messungen/Phänomene muss ich logischerweise davon subtrahieren anstatt sie als "erzeugte" Ergebnisse, durch die Laborsituation gesteuert, addiertend einzuordnen.
    Der gewohnte Beschreibungs-Fokus ist hier schlicht falsch herum!

    Wenn ich das nun übergreifend voraussetze so kann ich nicht mehr von einem verbrauchenden aufbauenden System "zu Leben" ausgehen, welches Denkt und Spricht, sondern muss als Basis einen Gleichgewichtsprozess setzen, der mit seiner Dynamik den ganzem Organismus incl. aller Neuronen und übrigen Zellen aufrecht erhält + jew. MICH als Person hier und jetzt tippend/lesend erzeugt. Das ist dann Selbstorganisation fernab jeder Laberei
    (s. Heinz von Foerster, 1911 - 2002). Wer da herumforscht, -piekst und -misst findet gar keine echten Allokations- und Verbrauchsprozesse sondern die Unregelmäßigkeiten eines gigantischen Ausgleichsprozesses der schon läuft und den Patienten im Sessel hält - so wie den Mediziner aufrecht stehend.
    Tja...
    H. R. Maturana hat schon vor 30 Jahren gezeigt, dass wenn man dieses als biologische Grunddynamik annimmt ("Erhaltung der Organisation vermittels Austausch der Struktur-Elemente = Autopoiesis" = selbstausgleichendes lebendes System) dann gilt das nicht nur für große Netzwerke von Zellen sondern schon für die einzelne lebende Zelle die man in einer Lösung auf dem Labortisch liegen hat.

    Es gibt bestimmt haufenweise Neuro-Wissenschaftler die glauben, dass sie das gar nicht betrifft, geschweige denn ihre Arbeit.
    Das könnte aber ein Trugschluss sein, denn:

    WORTE meinen Sets und Cluster von Erfahrungen. "GEHIRN" meint "jeweils mein" Set an Erfahrungen (meist unterteilen wir das später den Sinnen nach). Aber was passiert da tatsächlich: Der gesamte Apparat incl. Hirn und allen unzählbaren Zellen ist aktiv und durch Ansehen, Anfassen, Riechen, Hören ect. gibt es einen riesigen Berg an nicht enden wollenden Eindrücken zu denen im Normalfalle noch eine Reihe deutlicher und weniger deutlicher Gefühle hinzukommmt, die wir mit einem sich ständig wiederholenden Set von Bewegungsmustern unserer Mund-Muskeln (+ ALLER IHRER ANGESCHLOSSENEN MUSKELN und MUSKEL-Ähnlichen) dem Wort: "GEHIRN" gleichsetzen, parallelisieren (In der Arithmetik, wenn wir alles genau festgelegt haben, setzen wir zwischen zwei gleichen Elemente das "=". In der Neurophilosopie schlage ich vor ein "II" (das selbe in Senkrecht) zu setzen, da wir hier immer nur das hintere Element wirklich kennen und wiederholen, während das vordere irgendetwas nicht Bekanntes jedoch Unterterschiedenes ist, welches wir eben mit Begriffen parallelisieren. "Gehirn" meint jeweils mein Set von Erfahrungen zusammengefasst: Das Wort:"GEHIRN" das ich sprechen kann oder oder nicht (= denken).
    Und jetzt schauen Sie noch einmal auf die Größenverhältnisse: Was hier passiert ist also kein neu schaffender, Sprache-schaffender Prozess eines Geistes sondern es ist eine fokussierende Zusammenfassung der in das Nerven-/Neuronen-Netz hineinkommenden - oder allgemeiner: innherhalb desser unterscheidbaren Prozesse - die sowieso schon da waren! Unterschiedlich in Gleichem, wie Nebel in der Luft - alles aus dem selben Zeug, nur mal mehr und mal weniger transparent.
    Da blitzt es auch ab und zu mal, aber die Zeiten in denen die Menschen dachten, das die Götter damit ihr Leben steuerten sind inzwischen ziemlich vorbei.
    Bin mal gespannt wann die Neuro-Forscher aufhöröen die ach so wunderbaren spikes elektrischer Entladungen für das Funktionieren irgend eines Geistes verantworltich zu machen.
    Aber die Idee von Macht, Einfluss und Steuerung ist wohl einfach noch zu schön.

    Eine Erklärung des Gehirns/Geistes ist für den Normal-Menschen nur brauchbar und akzeptabel wenn er selbst und der Erklärende darin logisch nachvollziehbar vorkommen.
    Alles andere Neurologische/Medizinische/Psychologische erklärt irgend etwas anderes, aber nicht die Funktion des Geistes.

    ----
    Dies sind Vorüberlegungen zu einer geplanten Veröffentlichung mit und um den Begriff: Existenz
    Thomas Schneider

    sfbt
    (sorry for bad typing)

  9. KRichard Antworten | Permalink

    kein Sterbeerlebnis

    Ich möchte noch einmal betonen, es handelt sich nicht um ein Sterbeerlebnis. Das Gehirn arbeitet völlig normal - aber man kann es dabei live beobachten.
    Der Auslösereiz/-gedanke ´Ich bin tot / ich sterbe´ ist ein völlig falscher/paradoxer Input für einen lebenden Organismus. Das Gehirn konzentriert sich deshalb so intensiv darauf, in seinem episodischen Gedächtnis eine vergleichbare Erfahrung zu finden, dass man es bei seiner Suche beobachten kann.
    Stichwort ´Unaufmerksamskeitsblindheit´: Wenn das Gehirn sich auf eine Tätigkeit besonders stark konzentriert, werden andere Sinneseindrücke kaum oder gar nicht mehr wahr genommen.
    Diese Suche erfolgt zeitlich auf-/absteigend oder sprungartig. Wenn man die Struktur der Erlebnisse ordnet, dann entsprechen sie dem Lebenslauf eines Menschen ab dem 6. Lebensmonat. Allerdings ist erkennbar, dass sie mit dem aktuellen Verstand neu bewertet wurden.

    das folgende Zitat stammt aus dem Buch von Dr. Moody ´Leben nach dem Tod´ Rohwohlt Verlag, 35. Auflage, Februar 2004, Seite 81: "... nach dem ganzen Krachen und dem Durchgang durch den Tunnel fand ich am Ende alle meine Kindheitsgedanken vor mir ausgebreitet, und mein ganzes Leben blitzte noch einmal vor meinen Augen auf ...".
    Hier ´sieht´ man zeitlich aufsteigend geordnet die Entwicklung der Sinne beim Fetus Krachen(= Gehör arbeitet als erstes), Durchgang durch Tunnel (= Entwicklung des Sehsinnes), danach Kindheit und dann der Rest des Lebens.

    Der Durchgang durch einen Tunnel, hin zu einem immer größer werdenden Licht wird oft geschildert. Er entspricht dem raschen Nacherleben der Entwicklung des Sehsinnes - allerdings nachbewertet zum Zeitpunkt des Nahtod-Erlebnisses. Ein Fetus wusste weder was Licht, noch was Bewegung oder ein Tunnel ist.
    Die Engländerin Susan Blackmore untersuchte normal und mit Kaiserschnitt geborene Menschen: In beiden Gruppen war der Anteil der Tunnelerlebnisse gleich groß; d.h. es handelt sich dabei nicht um den Geburtsvorgang.

    Die Beobachtung, dass man sein eigenes Gehirn bei der Arbeit beobachten kann, ist ein neuer und ergänzender Denkansatz für die Gehirnforschung. Bisher Bekanntes wird bestätigt, wird ergänzt oder muss neu überdacht werden. Damit hat man aber auch einen neuen Ansatz, um das Wesen von ´Bewusstsein´ besser zu verstehen.

  10. KRichard Antworten | Permalink

    @Steffen Rehm, Nachtrag zu Wissenschaft

    Meine Kern-Annahme - dass im episodischen Gedächtnis gespeicherte Erfahrungen beim Erinnern nochmals neu bewertet werden - ist wissenschaftlich beleg worden.

    Die Gedächtnisforscher Prof. Markowitsch und Prof. Welzer fanden heraus, dass sowohl das Speichern von Informationen im Gehirn, wie auch das Ergebnis des Erinnerns von vielen Faktoren abhängen: z.B. von unserem aktuellen Emotionszustand, vom Alter, von unserem Wissen usw. ...

    Sie veröffentlichten ihre Forschungsergebnisse in Zeitschriften (Z.B. ZEIT WISSEN Nr 5/2005, S. 24: Das betrogene Ich - und im Buch ´Das autobiographische Gedächtnis, Klett-Cotta Verlag.

  11. Steffen Rehm Antworten | Permalink

    @KRichard

    Hallo KRichard,
    schön, daß Du noch einmal kurz gefaßt hast, worauf es Dir ankommt.
    Klar, die Bewertung von dem Bild einer Freundin, das ich mir vor dem ersten Kuß mache, ist nach der Trennung hinfällig, und schon F. Nietzsches Anliegen war die ständige Umwertung aller Werte, das gehört zum heutigen Leben. Klar, daß Gefühle die Bewertung der Bewußtseinsinhalte bestimmen.
    Um das zu erkennen, dazu brauchen wir nicht unbedingt dem Sensenmann von der Schippe zu hopsen. Leben kann auch ganz interessant sein.
    Und was die Professoren dazu schreiben, ist in den Reim: "Die Wissenschaft hat festgestellt, daß Magarine Fett enthält" komprimierbar.

    Gruß
    S.R.

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