Werden biblische Personen in archäologischen Inschriften erwähnt?
Ja! Es gibt viele Inschriften, in
denen biblische Personen erwähnt werden. Und da spreche ich noch gar nicht von
den vielen Inschriften (Siegel, Siegelabdrucke, Stelenfragmente, usw.), die uns
aus dem Antikenhandel bekannt sind (auch die sind zum Teil recht interessant
und wichtig, aber 100%-ige Gewissheit, dass sie auch wirklich echt sind, haben
wir nicht). Nein, gemeint sind die Inschriften, die tatsächlich während legalen
Grabungen in situ gefunden wurden. Es
gibt viele assyrische Keilschrifttexte, auf denen biblische Könige aus dem
Alten Testament erwähnt werden, sowohl aus Israel als auch aus Juda, wie auch
aus den benachbarten Gebieten. So erwähnt z.B. König Salmanaser III. auf der
Kurchstele (heute im Britisch Museum in London) wie König Ahab im Jahr 853 v.
Chr. mit seiner 2000 Streitwagen- und 10.000 Fußsoldaten starken Armee als Teil
einer 12-er Koalition von levantinischen Staaten nach Nord-Syrien marschierte,
um dort dem assyrischen Monarchen bei Qarqar die Stirn zu bieten.
Knapp 10 Jahre später marschierte Salmanaser bis zur Nordgrenze Israels und begegnete dort dem israelitischen König Jehu. Jehu wird sogar auf dem Schwarzen Obelisk dargestellt. Salmanaser erwähnt auch den syrischen Fürsten Hasael von Damaskus, der ebenfalls aus der Bibel bekannt ist. Natürlich erwähnen die Texte auch Personen und Besonderheiten, die wir aus der Bibel nicht kennen (z.B. wird im Alten Testament nichts über den Krieg bei Qarqar gesagt oder dass die Assyrer Jehu in die Knie zwangen). Die assyrischen Texte erwähnen auch viele Könige aus dem 8.-7. Jh. v. Chr. aus Israel und Juda (Israel war seit 930 v. Chr. in Nord- und Südreich aufgeteilt). Viele von ihnen mussten der assyrischen Obrigkeit hohe Steuern zahlen. So werden u.a. Menachem, Pekach, Hoschea aus Israel und (Jeho)-Ahas, Hiskia und Manasse des Südreichs erwähnt.
Auf Siegeln aus legalen
Grabungen sind ebenfalls bekannte Personen belegt. So entdeckte z. B. der
deutsche Archäologe Gottlieb Schumacher bereits zu Anfang des 20. Jhs. auf
Megiddo das Siegel eines nicht näher bekannten Ministers des biblischen Monarchen
Jerobeam II. aus der Mitte des 8. Jhs. v. Chr. Vor allem aus der Zeit am Ende
der Monarchie in Juda – um 600 v. Chr. - gibt es mehrere Siegelabdrücke aus Ton,
auf denen bekannte Personen aus der Bibel erwähnt werden.
So entdeckten
Archäologen der Hebräischen Universität 1982 auf dem Osthang der Davidstadt
(südlich des Jerusalemer Tempelbergs) eine Vielzahl von Tonverschlüssen. Darauf
fanden sie die Namen des bekannten biblischen Ministers Gemarjahu, dem Sohn
Schafans und des Hohepriesters Asarjahu, dem Sohn Hilkijahus.
Erst vor zwei
Jahren entdeckte die israelische Archäologin Eilat Mazar in unmittelbarer Nähe
ein weiteres Stück, worauf der biblische Minister Juchal, der Sohn Schelemjas,
aus ca. 590 v. Chr., erwähnt wird.
Auch der Name des jordanischen Königs Baalis
(Baaljischa), der aus dem Buch Jeremia bekannt ist, wurde auf einem Krugstöpsel
im jordanischen Tall al-Umayri (unweit von Amman) entdeckt.
Weitere Personen
sind z.B. von Stelen bekannt. Eine bereits im 19. Jh. entdeckte Stele aus
Jordanien erwähnt den aus dem 2. Königebuch bekannten moabitischen Monarchen Mescha.
Darauf wird ebenfalls König Ahabs Vater Omri erwähnt, der zuvor Gebiete
jenseits des Jordan erobert haben soll.
Anfang der 90’er Jahre entdeckten
Archäologen des Nelson Glueck Instituts aus Jerusalem auf Tel Dan (an der
Nordgrenze Israels) einen Gedenkstein eines syrischen Königs aus dem späteren
9. Jh. v. Chr. (es handelt sich hier wahrscheinlich um König Hasael von
Damaskus), worauf er verewigen ließ, dass er gegen die Könige von Israel
(Nordreich) und Juda (Südreich) gekämpft und gesiegt hatte. Nicht nur sind die
Namen dieser Monarchen (leider nur fragmentarisch) erhalten (es handelt sich um
[Jo]ram von Israel und [Ahas]jahu von Juda), sondern es wird auch der Name des
Gründers des judäischen Königreichs erwähnt, nämlich ‚David.’ Dass es sich bei
diesem ‚David’ um den bekannten Helden aus den Büchern des Propheten Samuel handelt,
der die Philister schlug und im 10. Jh. v. Chr. ein mächtiges Königreich
gründete, wird heute von den meisten Wissenschaftlern akzeptiert.
Aber wie sicher können wir wirklich sein, dass es sich bei den benannten Charakteren tatsächlich um die aus der Bibel bekannten Personen handelt und nicht um Leute, die eben einfach die gleichen Namen trugen? Der amerikanische Wissenschaftler Lawrence Mykytiuk hat dazu ein gutes Buch geschrieben und hat systematisch ausgewertet, wie wahrscheinlich es ist, dass die genannten Personen mit den biblischen Charakteren identisch sind. Er kam dabei zu erstaunlichen Entdeckungen. Wirklich eine empfehlenswerte Lektüre (Titel s. unten)! Mehrere dieser Stücke wurden auch von mir selbst in meiner Promotion über Beamtensiegel aus Israel und Jordanien am Ende der Eisenzeit um 600 v. Chr. (Bristol Universität 2005) ausgewertet. Ein Buch mit den Ergebnissen soll in absehbarer Zeit in Deutschland erscheinen. Wir halten Sie darüber auf dem Laufenden.
Lawrence J. Mykytiuk, Identifying Biblical Persons in Northwest Semitic Inscriptions of
1200-539 B.C.E., Society of Biblical Literature, Atlanta, 2004.
Auch empfehlenswert: T. C. Mitchell, The Bible
in the British Museum – Interpreting the Evidence, British Museum Press, London, 1988.
Ähnliche Artikel:
- Schischak: Pharao Schoschenk I. oder Ramses III.?
- Dokumentarfilm im ZDF zeigt den Kampf zweier Könige - Sanherib sowie Hiskia - zwischen Macht und Glaube
- König Hiskia in einer neuen Inschrift aus Jerusalem?
- Eine Bulle mit dem Namen einer biblischen Person gefunden in Jerusalem
- Die biblische Geschichte des Sanherib: Nur eine Fiktion?
