Schlag nach bei Goethe - 12. Brief aus meine Mühle (Teil 6)
Das geistige Konzept hinter stets vorhandenen Feldlinien
ist dasjenige eines Bildhauers, der im Marmorblock die schon fertige Statue vor
seinem geistigen Auge erkennt. Er arbeitet nun daran, ihre bereits gefühlte
„Realität“ aus der steinernen Verhüllung heraus zu meißeln. Nicht, dass diese
künstlerische Anschauung in der Physik untauglich wäre. Im Gegenteil. Der
Feldbegriff erleichtert das Verständnis der elektromagnetischen Vorgänge ganz
erheblich. Man muss sich nur bewusst bleiben, dass es sich um eine „Idee“
handelt. Alles, was man wirklich beobachtet, ist, dass der Magnet an einer
bestimmten Stelle eine bestimmte Kraft auf einen Eisenspan ausübt. Nimmt man
den Eisenspan weg, kann man annehmen, dass die Kraft potentiell immer noch
vorhanden ist - realiter aber nicht. Nachweisbar wird die Kraft jedenfalls
erst, nachdem man den Span (stellvertretend für jeden beliebigen Detektor)
wieder hingelegt hat.
(Anmerkung: Füllt man einen Glaskasten mit hochreiner Luft, stellt ihn vor schwarzen Samt und lässt von der Seite, quer zur Beobachtung, eng gebündeltes Licht hindurch“strahlen“, so sieht man keine Lichtstrahlen. Es ist absolut dunkel in dem Kasten. Ein weißer Körper, den man hineinhält, leuchtet hell auf. Zieht man ihn heraus, ist es wieder dunkel. Alles, was man beobachtet ist daher, dass das Licht der Lampe am Ort des Detektors –mit einer gewissen Zeitverzögerung- auftaucht. Was auf dem Weg dorthin geschieht, darüber sagt das Experiment nichts. Der Lichtstrahl ist eine Idee. Die Quantentheorie hat sich sehr bemüht, solche ideellen Zugaben auszuschalten. Heisenberg formulierte es einmal so: „Es ist ganz allgemein unmöglich, anschaulich zu beschreiben, was zwischen zwei aufeinander folgenden Beobachtungen geschieht.“ Oder drastischer: „Die (Elektronen)“Bahn“ entsteht erst dadurch, dass wir sie beobachten“
Die Feldlinien sind also -ebenso wie die „Lichtstrahlen“ - eine konzeptionelle Zugabe, eine „Idee“, wie Schiller, geschult an Kant, das nannte. Goethe hatte ihm soeben das Konzept seiner Urpflanze aufgezeichnet. Schiller tat es als Idee ab, die nichts mit der Beobachtung zu tun habe. Goethe ärgerte sich nach eigenem Bekunden maßlos über diese Zurechtweisung. Für ihn war seine gedachte Urpflanze ein Prinzip der Wahrheit, die eigentliche, die höhere Realität. Der zeitgleich mit Goethe lebende Physiker Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) bemerkte einmal zu dem Thema: „Die Einrichtung des Weltgebäudes ist gewiss sehr viel leichter zu erklären als die einer Pflanze“. Das stimmt gewiss. Über das Weltall lässt sich seit jeher weit lockerer philosophieren als über den sehr unübersichtlichen und grausam detailreichen Chemismus auch nur der Photosynthese einer Pflanze. Lichtenberg erlebte allerdings auch in der Physik eine herbe Enttäuschung, als er Goethe die Wirkungsweise von Newtons Prisma näher bringen wollte. Frustriert gab er auf, als er auf dessen erbitterte Ignoranz stieß.
Gegenüber physikalischen Experimenten empfand Goethe einen schon pathologischen Widerwillen, besonders, wenn es um das von ihm so sehr verehrte Licht ging. Er verurteilte sie nicht ganz und gar, man spürt aber seinen Wunsch genau dies zu tun. Ausdrücklich betonte er die „Gefahr und die Unzulänglichkeit“ von Versuchsreihen. Newton unterschob er wegen dessen Lichtzerlegung im Prisma sogar „völligen partiellen Wahnsinn“. Andere kamen kaum besser weg. „Das Widerwärtigste (!) aber, was mir jemals vor Augen gekommen, war Biots Capitel über…Polarisation des Lichts…So hatte man denn, nach falscher Analogie eines Magnetstabs, das Licht auch in zwei Pole verzerrt und also…die Farben aus einer Differenzierung des Unveränderlichsten (!) und Unantastbarsten (!) erklären wollen“, schrieb er. (Jean-Baptiste Biot (1774-1862), französischer Physiker und Mathematiker, ist Physikern meist durch das sog. Biot-Savart-Gesetz bekannt.) Er fühlte sich regelrecht von den Physikern verfolgt, allen voran von dem längst verstorbenen Newton: „…diese unerbittlichen Mathematiker, diese Rechengenies, diese scharfsinnigen Beobachter, sie alle sind im Irrtum…man hat mich bekämpft, oder noch mehr: man hat meine Ideen lächerlich gemacht, aber ich bin an meinen Werk nicht irre geworden.“
Dann aber, mit mehr als einhundertjähriger Verzögerung, geschieht das Unwahrscheinliche. Goethes – an sich völlig unwissenschaftliche – Anschauung des Lichts als dem „Unveränderlichsten und Unantastbarsten“ in der Natur überhaupt, trägt einen grandiosen Sieg davon. c wird zu der Basis der theoretischen Physik. (Auch notiert sich Goethe eine Theorie, die Maxwell erst Jahrzehnte später in mathematischer Formulierung präsentiert: „Glaube an die Verwandtschaft magnetischer und elektrischer Phänomene“. Goethe ahnt allerdings nicht, dass sein vergöttertes Licht sich dereinst hier wird einreihen müssen.) Zurück zu den Feldlinien.
Sieht man näher hin, so wird erkennbar, dass man mit der Feldtheorie zu dem Denkgebäude des Aristoteles zurückgekommen war. Auch Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) hatte die Vorstellung instantaner Fernwirkungen, wie sie in Newtons Gravitationsgesetz letztlich zum Ausdruck kam, grundsätzlich abgelehnt. Newton selbst fühlte sich beim Gedanken an Fernwirkungen unwohl; dennoch hatte er tapfer der Versuchung widerstanden, irgendwelche hypothetischen Trägermedien der Schwerkraft hinzu zu dichten. Er hielt sich an seinen Grundsatz: „Hypotheses non fingo“. Nicht so Aristoteles. Um einen geworfenen Stein in Bewegung zu halten, hatte er komplizierte Luftverwirbelungen konstruiert, die den Stein antreiben sollten, nachdem er die Hand des Werfers verlassen hat. Einen Stein, der von alleine weiterfliegt, hielt er für ein Ding der Unmöglichkeit. Noch René Descartes (1596 – 1650), der Erfinder der analytischen Geometrie, hat die Welt voller magnetischer Wirbel gesehen, die –ausgehend von der Sonne- die Planeten auf ihren Bahnen in Schwung halten sollten. Faradays Feldvorstellung war ebenfalls diesem geistigen Konzept der Nahwirkung verhaftet. Felder erfüllten seine Welt wie eine Art Ätherersatz. Die allgemein ungeliebte Vorstellung einer Fernwirkung –das heißt hier: augenblickliche (oder verzögerte) Wirkung ganz ohne Zwischenträger-, ließ sich so umgehen. Ohne eine „Kette von Engeln“ mochte es doch wohl nicht abgehen.
Auch Maxwells elektrische und magnetische Verwirbelungen hielten am aristotelischen Konzept einer Nahwirkung fest. Jetzt erst, nach einer eher fragwürdigen Symmetrisierung, sahen Maxwells Gleichungen „göttlich“ aus. Ihre „Schönheit“ beeindruckte schwärmerische Geister so sehr, dass sie sich daranmachten, auch den Konstanten in Maxwells Gleichungen, vor allem der aus μo und εo abgeleitete Geschwindigkeit c einen absoluten Rang zuzuweisen. Was immer auch geschehen mochte, c sollte immer den gleichen Wert behalten. Einstein schnappte sich nun dieses Absolut-c, kletterte damit in den weit überhängenden Fels der speziellen Relativitätstheorie und hängte Entfernungen, Zeit, Masse, Impuls, Energie, kurz, die gesamte Definition mechanischer Realität an diesen einzigen elektromagnetischen Haken. Die Konstante c sollte fortan die einzige Konstante überhaupt sein, der einzige Kletterhaken, an dem die Physiker sich in letzter Instanz festhalten durften. Das war von Anfang an ein heikles Manöver und überraschte und begeisterte vor allem durch seine Waghalsigkeit. Eigentlich hatte niemand auf diesem Weg aufsteigen wollen. Aber Abenteuer locken bekanntlich.
Plötzlich war Physik wieder mehr als langweiliges Herumrechnen an alltäglichen oder belanglosen Effekten. Physik kam wieder abenteuerlich daher und erzählte mordsmäßig interessante Geschichten über verkürzte Entfernungen, die sich in verlangsamten Zeiten wie mit Siebenmeilenstiefeln bewältigen lassen sollten. Selbst das Altern konnte man zwar nicht subjektiv, doch immerhin objektiv aufhalten. Das war fast so gut wie der sagenhafte Jungbrunnen. Man konnte jetzt prinzipiell den jüngeren Geschwistern ein Schnippchen schlagen und sie, selbst jung geblieben, im Altersheim besuchen. Oder die Urenkel. Den Mutigen stand der Weg in die Zukunft und bis ans Ende der Welt offen. Gemessen an der Welt da draußen, so die frohe Botschaft, konnte ein Mensch fast ewig leben. Das Allerbeste: man musste nicht einmal Energie in sie hineinstecken, und dennoch kamen die Galaxien herangesaust und machten sich ganz dünn, ja, das Universum selbst schnurrte in Flugrichtung eines Raumschiffs zu einer flachen Scheibe zusammen. Ein alter Traum schien wahr zu werden. Der Mensch war dem biblischen Auftrag gefolgt und hatte sich die Erde, ach was, sogar das All, untertan gemacht. Die Natur musste blind und ohne jede Verzögerung nach der Pfeife bzw. Geschwindigkeit des „Beobachters“ tanzen. Triumphierend kehrte der Mensch als mächtiger „Beobachter“ in das Zentrum der Welt zurück, woraus ihn Kopernikus einst vertrieben hatte. Dem Treiben sollte nun auch die sonst allgültige Lichtgeschwindigkeit keine Grenze setzen. Das Universum - bis in die fernsten Winkel- verkürzte sich augenblicklich. Die Macht des Beobachters wirkte unendlich schnell. Der Berliner Professor Eugen Sänger spann 1963 in seinem absolut seriös gemeinten Buch „Raumfahrt“ euphorisch an diesem Garn herum:
„In einer um die Sonne gelegten Kugel von 300 Lichtjahren…können wir fast eine halbe Million Sterne zählen und 60.000 Planetensysteme erwarten…auf denen wir aber hoffen dürfen, hier oder dort ähnliches Leben wie auf der Erde anzutreffen.“ Dann schickte er seine abenteuerlustigen Leser auf die Reise; die Relativitätstheorie sollte es möglich machen. Im verkürzten Weltall war das alles kein Problem mehr: „Auch die vor dem Schiff liegende Strecke würde, wenn sie vom ruhenden Beobachter aus gesehen beliebig lang wäre, der Schiffsbesatzung nach genügend langer Eigenbeschleunigung b = 10m/sec2 nicht länger als c2/b, also nicht länger als ein Lichtjahr erscheinen.“ Jede beliebige Strecke! Na bitte, nur ein Lichtjahr bis zum Rand der Welt. Was so kurz erscheint, das muss auch kurz sein. Da scheint sich Sänger sicher gewesen zu sein. Wieso eigentlich? Das sagt die Spezielle Relativitätstheorie doch gar nicht. Oder doch? In letzter Zeit sind die relativistischen Verkürzungen der Flugstrecken aber etwas unpopulär geworden; meist liest man nur noch etwas über die verlangsamten Borduhren. Aber zurück zu den Maxwellschen Gleichungen.
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Zitat Dr. Wolfgang Herrig:
„Dem Treiben sollte nun auch die sonst allgültige Lichtgeschwindigkeit keine Grenze setzen. Das Universum - bis in die fernsten Winkel- verkürzte sich augenblicklich. Die Macht des Beobachters wirkte unendlich schnell. Der Berliner Professor Eugen Sänger spann 1963 in seinem absolut seriös gemeinten Buch „Raumfahrt“ euphorisch an diesem Garn herum:
„In einer um die Sonne gelegten Kugel von 300 Lichtjahren…können wir fast eine halbe Million Sterne zählen und 60.000 Planetensysteme erwarten…auf denen wir aber hoffen dürfen, hier oder dort ähnliches Leben wie auf der Erde anzutreffen.“ Dann schickte er seine abenteuerlustigen Leser auf die Reise; die Relativitätstheorie sollte es möglich machen. Im verkürzten Weltall war das alles kein Problem mehr: „Auch die vor dem Schiff liegende Strecke würde, wenn sie vom ruhenden Beobachter aus gesehen beliebig lang wäre, der Schiffsbesatzung nach genügend langer Eigenbeschleunigung b = 10m/sec2 nicht länger als c2/b, also nicht länger als ein Lichtjahr erscheinen.“ Jede beliebige Strecke! Na bitte, nur ein Lichtjahr bis zum Rand der Welt. Was so kurz erscheint, das muss auch kurz sein. Da scheint sich Sänger sicher gewesen zu sein. Wieso eigentlich? Das sagt die Spezielle Relativitätstheorie doch gar nicht. Oder doch? In letzter Zeit sind die relativistischen Verkürzungen der Flugstrecken aber etwas unpopulär geworden; meist liest man nur noch etwas über die verlangsamten Borduhren.
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Tja, was kurz erscheint, das muss auch kurz sein. Sagt es die Spezielle Relativitätstheorie? Oder doch nicht? Na ja, die wundersamen Verkürzungen von Stäben und Verlängerungen von Leben durch die Macht des Beobachters und der Speziellen Relativitätstheorie sind aber immer noch populär, doch doch, wie die Lehrmeinung eines Pädagogen es 1998 noch bezeugt - vorausgesetzt jedoch in diesem Fall, dass man sich dabei mit dem Beobachter über die Länge seines Lebens unterhält, sonst klappt das alles wohl nicht. Oder doch?
Siehe Dr. sc. paed. J.-P. Braun: Die Länge meines Lebens
„Ein Beispiel: Zwei Stäbe, die sich in Ruhe befinden, sind gleich lang. Nun setzen wir uns auf den einen Stab und fliegen mit hoher Geschwindigkeit an dem anderen vorbei. Wir stellen fest, daß der andere Stab kürzer ist als unserer. Der Beobachter aber, der sich auf dem anderen Stab befindet, stellt fest, daß unser Stab, der sich relativ zu seinem bewegt, kürzer ist. In ähnlicher Weise wirkt sich die Relativität auf die Zeitmessung aus. Die Länge meines Lebens hängt davon ab, wie schnell ich mich relativ zu den Menschen bewege, mit denen ich darüber spreche.“
Dr. sc. paed. J.-P. Braun: Physikunterricht neu denken. Thun (usw.): Deutsch 1998. Zugl.: Flensburg, Univ., Diss., 1998.
Viele Grüße
Jocelyne Lopez
Wieso eigentlich? Das sagt die Spezielle Relativitätstheorie doch gar nicht. Oder doch?
Ist das eine rhetorische Frage, oder wissen Sie die Antwort ohnehin schon? Lohnt da eine Diskussion?
In letzter Zeit sind die relativistischen Verkürzungen der Flugstrecken aber etwas unpopulär geworden.
Ist das Ihr Bauchgefühl, oder können Sie das irgendwie belegen? Was zum Beispiel sagen Sie zu den Muonen, die von der kosmischen Primärstrahlung in der oberen Atmosphäre erzeugt werden und unsere Detekoren am Erdboden nur deshalb erreichen, weil die Wegstrecke für sie verkürzt ist? Dasselbe gilt für die Muonen, die möglicherwiese in nicht allzu ferner Zukunft womöglich in Muon-Collidern ihre verkürzten Runden drehen...
@ Stefan:
Da Jocelyne Lopez mit sehr gutem Kriterium vorschlägt ein Konsens über die Frage von Dr. Herrig über die wirkliche (absolute) Längenänderung von wirklich (also,absolut) bewegten Körpern zu erreichen, und Sie, wenn ich Sie richtig verstanden habe ,entgegen dem offiziellen Standpunkt von Dr. Markus Pössel, auch diese wirkliche Abhängigkeit eines physikalischen Zustands von dem wirklichen (nicht relativen) Bewegungszustand zugeben, halte ich für angebracht weiter darüber zu debattieren, da ich die Frage als noch nicht physikalisch beantwortet betrachte.
Wie aus meinen Blog-Antworten vom 15.01 bzw. 16.01 an Dr. Herrig und Frau Lopez hervorgeht, und auch ganz entgegen dem Standpunkt der offiziellen Physik, meine ich, dass die durch die Lorentz-Transformation ausgedrückten unvereinbaren Messergebnisse, die zu scheinbaren, bewegungsabhängigen, Zustandsänderungen führen, ihre Uhrsache in den wirklichen, bewegungsabhängigen Zustandsänderungen, nicht nur der Dimensionen, sondern auch der Energieumwandlungen (Uhren) und Massen (Uhren) der absolut bewegten Körper haben.
Die Frage von Dr. Herrig ist von Kamenin, sagen wir mal philosophisch, aber nicht physikalisch argumentiert und noch weniger begründet worden. Deshalb halte ich es doch für angebracht weiter darauf zu bestehen.
Die Kritik an die Auffassung von Einstein über die Ursachen der relativistischen Erscheinungen hat nichts mit seiner jüdischen Abstammung zu tun. In allen Wissenschaftszweigen haben sich jüdische Forscher und Denker hervorragend bewährt und ausserordentliche Leistungen vollbracht. Vermutlich waren auch Newton und Lorentz jüdischer Abstammung und dennoch dachten sie ganz anders als Einstein..
Einstein selbst erhielt den wohlverdienten Nobelpreis für seine treffende Interpretation der Brownschen Bewegung, des fotoelektrischen Effekts und andere Leistungen, aber nicht für seine Relativitätstheorie. Mit Recht, denn seine Auffassung der Ursache der Lorentz-Transformation ist, im Gegensatz zu seinen anderen Interpretationen, so naiv, unvollständig, widersprúchig und irrational, dass man überhaupt nicht verstehen kann wie sie die physikalisch einwandfrei begründete Theorie von Lorentz und Poincaré in der offiziellen Physik verdrängen konnte. Es kann sich nur um soziologische und ideologische Gründe handeln.
Also, zusammenfassend:
Lorentz bewies unwiderlegbar anhand der heute noch vollkommen gültigen Maxwellschen Differentielgleichungen und der darin enthaltenen retardierten Potentiale von Lienard-Wiechert, dass absolut bewegte Körper sich in Bewegungsrichtung verkürzen, ihre Schwingungsvorgänge sich verlangsamen und ihre Massen zunehmen. Dementsprechend sind die gleichnamigen Messinstrumente von absolut ungleich bewegten Beobachtern auch absolut ungleich und messen infolgedessen gleiche wirkliche Längen- und Zeitdifferenzen ebenso ungleich.
Als Konsequenz dieser inkongruenten Messergebnisse erhalten alle Beobachter den gleichen Messwert bei der Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit relativ zu ihnen. Der Übergang der jeweiligen vier Messwerte x,y,z,t von einem Beobachter zum anderen wird durch die vier bekannten Lorentz-Gleichungen ausgedrückt und berechenbar gemacht.
Das ist wahre Physik, und alles andere sind nur philosophische Überlegungen und Einsichten über Raum und Zeit.
Ich hoffe, dass in einer eventuellen Debatte über diese Frage meine Position ganz klar erkannt wird und sehe jedem physikalischen (bitte, nicht philosophischen) Gegenargument mit Interesse entgegen. Wohlverstanden, es handelt sich nicht darum, ob mein Standpunkt richtig ist, sondern eher, ob die Lorentz-Theorie und nicht die Einstein-Theorie die einzige ist, die die relativistischen Erscheinungen vollständig, physikalisch und konstruktiv, also streng wissenschaftlich begründet. Dabei muss man beachten, dass der Aether in der Lorentz-Theorie keine Schwierigkeiten bereitet, weil er darin mit dem kosmischen Raum gleichzusetzen ist. Er dient nur als Bezugsystem für absolute Bewegungen.
Und zum Schluss noch einen Vorschlag an gegenargumentierende Blog-Teilnehmer:
In der folgenden URL ist die Begründung meines Standpunktes im Detail ausgeführt
http://ekkehard-friebe.de/...ivitat-in-der-physik/
Viele Grüsse
Herbert Sommer
Zitat Dr. Herrig:
“Wieso eigentlich? Das sagt die Spezielle Relativitätstheorie doch gar nicht. Oder doch?“
Zitat Stefan:
"Ist das eine rhetorische Frage, oder wissen Sie die Antwort ohnehin schon? Lohnt da eine Diskussion?"
Eine Diskussion lohnt sich da auf jeden Fall! Ein Konsens darüber, ob die relativistischen Effekte real oder scheinbar sind, ist unverzichtbar für die Führung einer konstruktiven Diskussion, sonst redet man ewig aneinander vorbei. Die Klärung dieser Frage ist von übergeordneter Bedeutung für die Interpretation und die Prüfung der Theorie. Diese Klärung ist seit 100 Jahren jedoch nicht herbeigeführt worden, weshalb man auch nicht den Unterschied zwischen der Lorentz-Theorie und der SRT erkennen kann, obwohl es sich um zwei verschiedene und inkompatibel Theorien handelt: Wenn die Lorentz-Theorie richtig ist, dann ist die SRT falsch, und andersrum.
Dass die SRT bei der Beurteilung der Frage ob die relativistischen Effekte real oder scheinbar sind sowohl undeutlich als auch widersprüchlich formuliert ist, wurde zum Beispiel von G.O. Mueller herausgearbeitet, siehe hier:
Zitat G.O. Mueller:
Fachliche Verdachtsmomente: Anschein oder Realität
Die Paradoxa – insbesondere das Uhren- oder Zwillingsparadoxon – erweisen sich nur als die Zuspitzung der behaupteten kinematischen Effekte der Längenkontraktion und der Zeitdilatation.
Wendet man sich diesen beiden grundlegenden Effekten zu, so stößt man auf eine Frage, die man bei einer angeblich bestätigten und allgemein akzeptierten Theorie nicht mehr vermuten würde: nämlich ob die behaupteten Effekte wirklich seien oder nur Scheineffekte.
Die Sachlage wird noch bunter dadurch, daß in dieser Frage eine groteske Uneinigkeit der Relativistik-Autoren festzustellen ist, so daß man zweckmäßigerweise besser von zwei Theorien sprechen sollte, von einer Theorie mit Scheineffekten und einer Theorie mit Realeffekten.
Man darf allerdings nicht erwarten, daß die Autoren sich nach reiflicher Überlegung eine begründete Auffassung gebildet, jeder seine Entscheidung in dieser Frage getroffen und sich auf eine der beiden Seiten geschlagen hat. Vielmehr wechseln manche Autoren ihre Entscheidung von einer Darstellung zur nächsten, ohne ein Wort darüber zu verlieren, und viele schwanken in demselben Buch zwischen beiden Positionen hin und her, wie es ihnen gerade gelegen erscheint.
Wenn schon unter den Anhängern der Theorie derartig gravierende Widersprüche auch heute noch bestehen, dann ist dies ein sicherer Hinweis darauf, daß irgendetwas mit der Theorie nicht stimmt.
Albert Einstein hat 1905 die Längenkontraktion mit eindeutig widersprüchlichen Aussagen eingeführt: mit einer Real-Version und einer Schein-Version.
Die Real-Version findet sich S. 896: die “allgemein gebrauchte Kinematik” (womit er die Newtonsche meint) wird damit charakterisiert, daß sie annimmt, “daß ein bewegter starrer Körper … in geometrischer Beziehung vollständig durch denselben Körper, wenn er in bestimmter Lage ruht, ersetzbar sei.” Diese Identität der Geometrie des Körpers in der Newtonschen Kinematik bei allen verschiedenen Bewegungszuständen hält Albert Einstein für irrig und will sie mit seiner Kinematik-Theorie bestreiten: in der SRT-Kinematik soll der Körper diese geometrische Identität verlieren, weil durch Bewegung oder Ruhe eine reale Änderung des starren Körpers bewirkt werden soll; vom Relativitätsprinzip ist keine Rede.
Eine Schein-Version findet sich S. 903: “Ein starrer Körper, welcher in ruhendem Zustande ausgemessen die Gestalt einer Kugel hat, hat also in bewegtem Zustande – vom ruhenden System aus betrachtet – die Gestalt eines Rotationsellipsoides …” Im übernächsten Absatz wird die Reziprozität ausdrücklich festgestellt.
Dieser Widerspruch zieht sich durch die gesamte Relativistik: jeder Autor kann sich eine Alternative aussuchen. Solange dieser Widerspruch von der Relativistik nicht anerkannt wird und ausgeräumt ist, ist die behauptete Längenkontraktion für die Kritik in keiner der beiden Versionen gültig; es ist nicht Aufgabe der Kritik und auch nicht möglich, den Relativisten zu einer konsistenten Theorie zu verhelfen, deren Hinfälligkeit offenbar ist, und die Kritik wäre auch nicht verpflichtet, vorsorglich beide Versionen zu widerlegen.
Schein und Sein: AE 1905 wechselt in seinen Aussagen über Längenkontraktion und Zeitdilatation mehrfach zwischen “scheint” und “ist” und pflanzt seiner Theorie damit einen Grundwiderspruch ein.
Damit trägt Albert Einstein selbst eine Unbestimmtheit in die Theorie, die weder er selbst noch einer seiner maßgeblichen Anhänger jemals ausgeschaltet hat. Die Kritik hat beide Möglichkeiten A (= Anschein) und R (= Realität) widerlegt:
(A) wenn die Effekte nur “scheinbar” sein sollen, so könnten sie nicht gleichzeitig als real behauptet werden;
(R) wenn die Effekte “real” sein sollen, so können sie nicht nachgewiesen und auch keine Ursachen angegeben werden.
[...]
Autoren der A-Gruppe (Symmetrie, Reziprozität, Anschein der Effekte): H. Dingle; Nordmann; Sexl 1978.
Autoren der R-Gruppe (Asymmetrie, keine Reziprozität, Realität der Effekte): Langevin; McCrea; Rindler: Essential relativity.
Autoren der A/R-Gruppe (alle denkbaren Varianten vermischt): Albert Einstein; Born.
ZITATENDE
Eine Einigung zwischen Gesprächspartnern über die Natur der relativistischen Effekte ist also unbedingt erforderlich für eine sinnvolle Debatte und auf gar keinen Fall eine rhetorische Frage!
Viele Grüße
Jocelyne Lopez