Abend der Gaukler - 12. Brief aus meiner Mühle (Teil 7)
Mittlerweile waren auf leisen Sohlen, zusammen mit der Theorie der elektromagnetischen Wellen, zwei Gaukler ins Haus geschlichen. Sie nannten sich vG und vP, was für Gruppengeschwindigkeit und Phasengeschwindigkeit stand. Die beiden hatten sich eingenistet, nachdem klar wurde, dass sich doch nicht alle Eigenschaften des Lichts einfach mit der Wellentheorie erklären ließen. Manchmal verhielt sich Licht auch so, als bestehe es aus Teilchen. Wie aber sollte aus einer Lichtwelle, die den Raum durcheilt, ein Teilchen werden?
Im Jahr 1926 hatte Erwin Schrödinger (1887-1961, Bild) eine
Idee. Man könne doch Elementarteilchen grundsätzlich als Wellenpakete auffassen.
(Schrödinger ging es zunächst darum, möglichst kleine Elektronen aus deBroglies
„Materiewellen“ zu formen. Die mathematischen Verfahren ließen sich aber auch
auf das elektromagnetische Wellen übertragen). Man müsse viele Wellenzüge mit geringfügig
unterschiedlicher Wellenlänge überlagern. Dann sei die Amplitude der
resultierenden Welle wegen der Interferenzen überall gleich Null, nur nicht am
Ort des „Wellenpakets“ selbst. Die mathematische Synthesevorschrift dazu war seit
langem bekannt und wurde nach ihrem Entdecker Jean Baptiste Joseph Fourier (1768-1830)
Fourier-Transformation genannt. Das ging in der Praxis meist so, dass
man das Integral über unendlich viele Wellen unendlich fein verteilter Frequenzen bildete (Unendlich fein verteilte Frequenzen rochen arg nach Verletzung der Quantisierungsvorschrift,
aber das konnte man ja zunächst einmal ignorieren.) Schrödinger nahm Fouriers
Methode her und präsentierte der beeindruckten Fachwelt ein dermaßen erzeugtes Wellenpaket,
das jetzt ein „Elementarteilchen“ sein sollte. Auch ein „Lichtteilchen“, ein „Photon“, sollte man sich als ein solches
Wellenpaket denken. Die Geschwindigkeit,
mit der sich das Wellenpaket entlang des Wellenzuges fortbewegte, erhielt den
Namen Gruppengeschwindigkeit vG. Man konnte sich gut vorstellen,
dass vG die „Lichtgeschwindigkeit c“ sein musste. (Anmerkung: Wenig
später erklärten die Quantentheoretiker der Kopenhagener Schule, dass man
überhaupt nicht denken dürfe, und stellten ein altbekanntes Verbotsschild auf: „Du
sollst dir kein Bildnis machen, keinerlei Gleichnis“. Das Wellenpaket sei kein Teilchen, sondern nur ein Wahrscheinlichkeitsknubbel, der manchmal
aber auch gar kein Knubbel sei. Aber diese Philosophie würde uns an dieser
Stelle wirklich zu weit vom Thema wegführen.)
Nun war dieses photonische Wellenpaket aufgrund seiner Entstehungsgeschichte aber ein äußerst labiles Gebilde. Das Licht hat nun einmal die Eigenschaft, beim Übergang von einem optischen Medium in eines mit einem anderen Brechungsindex die Richtung zu ändern. Glas, zum Beispiel, hat einen größeren Brechungsindex als Luft. Wegen dieses Unterschieds gelang Newton die Aufspaltung des weißen Lichts mittels eines Glasprismas in seine farbigen Bestandteile. Es konnte nur gelingen, weil die Lichtgeschwindigkeit in einem lichtbrechenden (= dispersiven) Medium abhängig von der Wellenlänge ist. Je länger die Wellenlänge, desto höher auch die Geschwindigkeit. Man nennt diese Eigenschaft die Dispersion des Lichts. Mit anderen Worten: wenn ein Wellenpaket ein Medium mit einem Brechungsindex n>1 durchquert, müssten die verschienen Wellenlängen, aus denen es modelliert ist, wieder auseinander laufen. Das einzige Biotop, in dem das Photon (als Wellenpaket) überleben kann, ist der vollständig leere Raum. (Anmerkung: Doch wo ist schon leerer Raum? Auch der Weltraum ist eher ein verdünntes Wasserstoffgas als ein Vakuum. Manche Schätzungen gehen davon aus, dass im bekannten Weltall noch 70% der gesamten baryonischen Materie als diffuses intergalaktisches Gas vorliegen sollten.)
Licht besteht aber nicht zwangläufig aus vielen Wellenlängen, sondern es kann auch eine einzige sein. Solche Wellenzüge nennt man monochromatisches Licht. Daraus ließ sich aber nach keiner Methode ein eng lokalisiertes Photon modellieren. Dennoch: in der Praxis zeigte auch monochromatisches Licht unter bestimmten Bedingungen Teilchencharakter. Das war ärgerlich, denn aus mathematischen Betrachtungen, zu denen Ehrenfest bereits 1910 entscheidende Beiträge geliefert hatte, ging hervor, dass man mit den gängigen Experimenten zur Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit (etwa nach Foucault und Michelson) stets die Fortpflanzungsgeschwindigkeit eines Wellenpakets vG erhielt, nicht aber die Phasengeschwindigkeit der Einzelwellen vP. (Die Phasengeschwindigkeit einer Welle ist die Geschwindigkeit, mit der die maximale Amplitude der Ausgangswellen den Wellenzug entlangläuft. Es ist diejenige Geschwindigkeit, mit der man an einer solchen Welle entlang laufen müsste um sie als stehende Welle wahrzunehmen.)
Nun folgte aus der Wellentheorie ein Zusammenhang der beiden Geschwindigkeiten mit dem Brechungsindex n eines Mediums. Man erhielt:
n = vG /c = c/ vP
und damit ergab sich auch:
c2 = vG * vP
Im Vakuum (n=1) entstand daraus zunächst kein Problem. Die zweite Gleichung sagt, dass im Vakuum sowohl vG als auch vP gleich c sein sollten. In anderen Medien aber, etwa in Wasser, sah die Angelegenheit schon fataler aus. Da der Brechungsindex vieler Medien größer ist als 1 - für Wasser z.B. ist n = 1,33 – müsste die Geschwindigkeit eines Photons vG = n*c in Wasser rund ein Drittel größer sein als im Vakuum. Diesen offensichtlichen Widerspruch zum experimentellen Befund löste man so auf, dass man zunächst nur den Zusammenhang zwischen Brechungsindex n und der Phasengeschwindigkeit vP zuließ. Die Gruppengeschwindigkeit vG wurde dann aus vP wiederum nach der sog. Rayleighschen Beziehung ermittelt. Dann wurde auch die Gruppengeschwindigkeit wieder kleiner als c. Insoweit war die elektromagnetische Welt wieder mühsam zurecht gebogen.
Die Phasengeschwindigkeit vP blieb dennoch ein heißes Eisen. Da fast alle Flüssigkeiten in bestimmten Wellenlängenbereichen des Lichts Brechungsindizes kleiner als 1 aufweisen, wächst die Phasengeschwindigkeit dann weit über c hinaus. Im Falle der Dispersion in Metallen sogar sehr weit. In Natrium, beispielsweise, ergibt sich eine Phasengeschwindigkeit, die 200mal größer ist als c. An dieser Stelle tröstete man sich (und andere) üblicherweise damit, dass mit der überlichtschnellen Phasengeschwindigkeit keine „Information“ übertragen werden könne. (Information ist ein Chamäleon aus dem Schattenreich zwischen Erkenntnistheorie und Nachrichtentechnik und fordert geradezu heraus, fast beliebig damit Schindluder zu treiben.) Aber bald –man ahnt es schon- wurde es noch unangenehmer. Die spezielle Relativitätstheorie erlaubte nämlich, das Bezugssystem des Beobachters in das Wellenpaket zu verlegen. Vom neuen Beobachterstandort aus gesehen war vG = 0. Damit wuchs wegen c2 = vG * vP die Phasengeschwindigkeit gegen unendlich. (Jetzt bloß nicht weiterrechnen. Es wird grauslich. Setzt man letztere Beziehung in E=mc2 ein, dann erhält man E= m vG vP, und man multipliziert Null mit Unendlich. Wohl bekomm’s. Also schnell ein Verbotsschild aufstellen!)
Das Virus der unendlichen Phasengeschwindigkeit fand in de Broglies Materiewellen ein wehrloses Opfer. Ein Elektron kann zum Stillstand kommen. Dann ist vG stets gleich Null und die die Phasengeschwindigkeiten der Materiewellen, aus denen das Elektron gebildet wird, wachsen grundsätzlich über alle Grenzen. Unendlich schnelle Wellen? Unendlichkeiten sind ein ernstes Anzeichen, dass eine Theorie versagt. War ein Elektron also doch kein Paket aus „Materiewellen“ und entsprach die „Lichtwelle“ etwa gar nicht dem schlichten Modell einer transversalen Welle, wie man sie von einem gespannten Seil her kannte? Waren die beiden gar keine Verdichtungen, die man nach Belieben durch Interferenz erzeugen und wieder auflösen konnte? Wie aber sollte man sonst vorgehen? Das Problem Welle-Teilchen blieb unverstanden. Tröstlich war höchstens, dass man sowieso nicht wusste, was für eine Art von Welle die Materiewellen überhaupt sein sollten. Man konnte dieses Problem ja auf später vertagen. (Man würde auf Max Born warten, der ein weiteres Chamäleon namens Wahrscheinlichkeit aus der Zwielichtzone hervorlocken würde.)
So verstörend die Situation auch war, es war noch nicht alles. Die beiden Gaukler vG und vP, riefen weiteres fahrendes Volk herbei. Als erstes schloss sich ihnen die Frontgeschwindigkeit an. Aus der Theorie folgte, dass die Kopfgeschwindigkeit vF einer Lichtwelle –man nennt sie Frontgeschwindigkeit – überraschenderweise in allen brechenden Medien, also auch in solchen, in denen vG langsamer als c ist, exakt die Geschwindigkeit c haben sollte (behauptete zumindest das Lehrbuch von Bergmann-Schäfer-Matossi. Aber da stand auch, dass die Nichtüberschreitbarkeit von c sich immer auf die Gruppengeschwindigkeit beziehe. Die sollten sich noch wundern.) Demnach war also die Frontgeschwindigkeit in optisch dichten Medien normalerweise sowohl von der Phasen- als auch von der Gruppengeschwindigkeit verschieden.
Bald entpuppte sich die als Lichtgeschwindigkeit vorgesehene Gruppengeschwindigkeit vG, die man bis dahin noch als eher solide Kreatur angesehen hatte, als atemberaubend fintenreich. Sie stellte manchmal die Zeit auf den Kopf. Als es gelang, mittels neuer Methoden der Nanotechnologie spezielle Materialien („Metamaterialien“) herzustellen, die nach der Maxwellschen Theorie negative elektrische Permittivität ε und negative magnetische Permeabilität µ hatten, geschah das Unvermutete. Für den Brechungsindex erhielt man einen negativen Wert, woraus wiederum eine negative Phasengeschwindigkeit und eine negative Gruppengeschwindigkeit im Metamaterial folgte. Anders ausgedrückt: Das „Photon“ kam schon heraus noch bevor es an der Vorderseite der Probe eingetreten war.
Ausgelöst durch die praktische Arbeit der Fernmeldetechniker seit den 1860er Jahren war noch eine weitere Geschwindigkeit aufgetaucht, die Signalgeschwindigkeit vS. Oft identifizierte man vS mit vG. In den meisten Fällen waren aber beide Geschwindigkeiten verschieden. 2004 konnte auch experimentell gezeigt werden (Nicholas Gisin, Genf), dass die Signalgeschwindigkeit zwar nicht größer ist als die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum, dass dafür aber die Gruppengeschwindigkeit vG, d.h. die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Lichtpulse („Photonen“) in einem Glasfaserkabel, fast das Doppelte der Lichtgeschwindigkeit erreichen kann. Photonen sollten im Glas schneller vorankommen als im Vakuum? Komisch. Auch auf die Photonen war nun kein Verlass mehr. (Dass die Signal- und die Gruppengeschwindigkeit voneinander abweichen können, hatte lange zuvor schon Arnold Sommerfeld (1868-1951) errechnet. Abweichungen treten immer in Wellenlängenbereichen auf, in denen gilt: dn/dλ > 0.)
Wenigstens im Vakuum ist die „Lichtgeschwindigkeit“ doch konstant, oder? Tja, da wäre schon eine Kleinigkeit. Lässt man nämlich - in dem Bemühen, einen „Lichtstrahl“ zu erzeugen - Licht durch enge Blenden austreten, so wird die Photonengeschwindigkeit immer geringer, je kleiner die Öffnung ist. Wird der Blendendurchmesser soweit verengt, dass er nur noch im Bereich der halben Wellenlänge liegt, liegt die Austrittsgeschwindigkeit der Photonen nur noch bei ca. 0,5 c. Bei noch kleineren Blendendurchmessern geht die Geschindigkeit auf Null zurück. (Ein ähnlicher Effekt tritt auch mit Mikrowellen auf, wenn man den Querschnitt eines Hohlwellenleiters immer kleiner macht.)
Am Ende aller Mühen, aus den Wellen Lichtteilchen oder wenigstens größere Wellenpakete zu formen, stand man mit einer ganzen Sippschaft von Geschwindigkeiten da: vP, vG, vE und vS. Fragen wir doch einmal so: Über welche dieser vier Geschwindigkeiten gibt das berühmte Experiment von Michelson-Morley Auskunft? Bitte spontan antworten, ohne weiteres Nachdenken. Alles klar?
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Causality is not violated:
http://physicsweb.org/articles/news/7/3/12
http://physicsweb.org/articles/world/16/5/3
Left Handed Material at Work:
http://www.aip.org/png/2003/202.htm
Superluminales Tunneln erlaubt keine überlichtschnelle Informationsübertragung:
http://theory.gsi.de/~vanhees/faq/nimtz/nimtz.html
Auch dieser Lichtstrahl ist nicht wirklich ueberlichtschnell:
(Wenn diese Animation nicht läuft, dann liegt es an den Einstellungen der persönlichen Firewall.)
http://members.chello.at/karl.bednarik/LASER-1.gif
Das übereinstimmende Verhalten von weit von einander entfernten verschränkten Teilchen ist nicht dazu geeignet, Informationen überlichtschnell zu übertragen.
Interessanterweise kann der Beobachter nur dann die Informationen über das übereinstimmende Verhalten der weit voneinander entfernten verschränkten Photonen bekommen, wenn beide Messungen innerhalb seines eigenen Vergangenheitslichtkegels liegen.
Bild dazu:
http://members.chello.at/....bednarik/VERSPHOT.PNG
Noch ein Scherz:
Die in allen Richtungen konstante Lichtgeschwindigkeit und das Fehlen der Ätherdrift, die wir auf der Erde gemessen haben, kommt nur daher, dass der hochviskose Äther mit der Erde genau so wie Honig einfach mit genommen wird.
"Die in alle Richtungen konstante Lichtgeschwindigkeit ..."
Das ist aber strittig ;-)
http://www.mahag.com/...uppe=426&grup=50#11866
Viele Begriffe, mit denen so gerne hantiert wird, sind nur sprachlich, d.h. metaphorisch, verwendbar und sorgen in der Physik für eine heillose Verwirrung. Ein „Signal“, z.B., ist ein „Zeichen“ mit einer „Bedeutung“. Bedeutung hat es nur für jemanden, der das „Wissen“ hat, wie man es interpretieren kann. Dann bekommt es einen „Sinn“. In der Physik nun –glaubt man Wikipedia- soll ein Signal auch der Träger einer „Information“ sein. Auch die Verarbeitung von Information setzt Wissen voraus. Niemand kann aber die bildhaften Begriffe Bedeutung, Information, Sinn und Wissen quantifizierbar formulieren. Daher wird Information gerne -und oft völlig un“sinniger“weise- mit der schlecht verstandenen Entropie vermengt, die wiederum mit der „Wahrscheinlichkeit“ oder –je nachdem- der Wärme zusammenhängen soll.
Man kann sich ja einmal überlegen, wie man denn die „Information“ auf der nicht entzifferten Holzschrift der Osterinsel (Kohau Rongo Rongo) in Entropie umrechnen könnte. Angenommen, wir machen mit diesem „unschätzbar wertvollen Kulturgut“ ein Lagerfeuer. Steigt dann die Entropie des Universums stärker an, als wenn wir nur einen gewöhnlichen Holzklotz nehmen? Wie groß, in einer Zahl ausgedrückt, wäre denn dann die „Bedeutung“ des Textes (wenn es denn ein Text sein sollte)? Wieviel „Wissen“ –als Zahl ausgerückt- ist denn zur „Interpretation“ notwendig? Angenommen, es wäre ein für uns völlig unverständlicher Zauberspruch, hätten wir dennoch die volle „Information“ abgerufen? Oder weniger? Heißt volle Information auch volle Bedeutung, völlig erschlossener „Sinn“? Angenommen, da stünde, wie man die Welt vor der baldigen Vernichtung retten könnte. Wäre die Information –oder wegen mir auch Entropie- dann höher als wenn es sich nur um „sinnlose“ Schmuckzeichen handeln sollte?
Hallo Herr Herrig,
lassen wir die Begriffe Information und Entropie einfach aus der Diskussion weg.
Sagen wir einfach, dass sich physikalische Auswirkungen niemals überlichtschnell ausbreiten können.
Wenn wir von der Erde einen Lichtblitz zum Mond senden, dann kann dieser Lichtblitz alle Punkte des Mondes gleichzeitig treffen, die gleich weit von der Lichtquelle entfernt sind.
Diese Punkte liegen ungefähr auf Kreislinien, die um die von der Lichtquelle aus gesehene scheinbare Mitte der Mondoberfläche herum verlaufen.
Aber von zwei Mondstationen, die gleichzeitig von diesem Lichtblitz getroffen wurden, erhält die jeweils andere Mondstation erst ein wenig später das Streulicht des Lichtblitzes.
Auch verschränkte Photonen können weit voneinander entfernt gleichzeitig physikalische Auswirkungen erzeugen.
Aber auch hier erreichen diese physikalischen Auswirkungen den jeweils anderen Versuchsort erst ein wenig später.
Streng genommen gilt die folgende Zeichnung sowohl für verschränkte Photonen, als auch für Lichtblitze zum Mond.
Für die Lichtblitze zum Mond muss man sich dann noch eine dritte Mondstation in der Mitte zwischen den beiden anderen Mondstationen vorstellen, damit die Zeichnung zutrifft.
http://members.chello.at/....bednarik/VERSPHOT.PNG
Ich habe nun dieses Bild verdoppelt, so dass es sowohl für verschränkte Photonen, als auch für Lichtblitze zum Mond verwendet werden kann:
http://members.chello.at/....bednarik/VERSPHOT.PNG
Auch die beiden Spiegel erhalten gleichzeitig eine physikalische Auswirkung, aber weder der jeweils andere Spiegel, noch der Beobachter in der Mitte zwischen den beiden Spiegeln erhalten zu dieser Zeit eine physikalische Auswirkung dieser physikalischen Auswirkung.
Hallo Herr Bednarik
bisher habe ich immer gehört, dass es in der Welt der Relativität keine Gleichzeitigkeit mehr gibt. Angeblich kann man nie sagen, dass zwei Mondstationen gleichzeitig getroffen werden. Soll angeblich alles von der Bewegung des Beobachters abhängen. Zur Illustration wird meist diese unsäglich falsche Darstellung vom Zug vermittelt, der durch einen Bahnhof rollt.
Alle Bestandteile meiner Zeichnung gehören dem selben Inertialsystem an, und ruhen relativ zueinander.
Daher darf der ebenfalls realtiv ruhende Beobachter sagen, dass die Spiegel gleichzeitig vom Lichtblitz getroffen werden.
Davon etwas erfahren kann der Beobachter aber erst etwas später.
Hallo Herr Bednarik,
ich vermute, dass Sie sich mit „physikalischer Auswirkung“ auf die Kausalität von Ereignissen beziehen. Ich verstehe nicht ganz, warum die Aufrechterhaltung der Kausalität hier so wichtig sein soll, wo sie in der Quantenmechanik doch ohnehin nicht (zumindest nicht streng) gelten soll. Ich will auch nicht bestreiten, dass sich die meisten Auswirkungen maximal mit Lichtgeschwindigkeit fortpflanzen. Ob das im Falle der Gravitation auch zu trifft, halte ich aber allerbestenfalls für einen Glaubenssatz
Es wundert mich, dass zwischen dem weit von einander entfernten, gleichzeitigen und übereinstimmenden Verhalten von verschränkten Teilchen, und der weit von einander entfernten und gleichzeitigen Reflektion von nahezu lichtschnellen Teilchen eine so grosse Gemeinsamkeit besteht.
Warum bestehe ich gerade auf Kausalität und Quantenmechanik?
Vermutlich gibt es im Universum nur Quanten und Quantengesetze, und sonst gar nichts.
Deshalb müssen absolut alle Vorgänge im Universum auf die Quantenmechanik zurück geführt werden können, also auch die Kausalität.
Wenn man die Eigenschaften der Materie nicht auf die Eigenschaften der Quanten zurückführen kann, worauf sollte man sie dann sonst zurückführen?
Hui, da stellen Sie aber Fragen, die es in sich haben. Weit davon entfernt, endgültige Antworten geben zu wollen (oder gar zu können), möchte ich mich auf folgende Anmerkungen beschränken:
Kausalität ist wahrscheinlich ein emergentes Phänomen, wenn man vom Mikrokosmos in den Makrokosmos wechselt. In den Größenordnungen der Elementarteilchen lässt sich Ursache und Wirkung (jedenfalls, wenn man an die Quantenmechanik als letzte Instanz glaubt) nicht mehr trennen. Beispiele sind die quantenmechanische Behandlung des Zusammenstosses zwischen Elementarteilchen oder die Feynman-Graphen, in denen Vorgänge in der Zeit rückwärts laufen. Die früher gerne diskutierten Tachyonen seien nur am Rand erwähnt. Der tiefere Grund liegt darin, dass die Quantenmechanik in hochdimensionalen Konfigurationsräumen (Hilbert-Raum) arbeitet, deren Bilder sich nicht einfach in drei Dimensionen plus Zeit übersetzen lassen. Die Wellenfunktion ¨ liefert ganz einfach keine raum-zeitliche Beschreibung von Realität. Das nach wie vor schlecht verstandene Phänomen Licht (allgemein elektromagnetische Welle) nimmt hier die Stellung eines Chamäleons ein: Es zeigt auch auf makroskopischer Ebene noch Quanteneigenschaften.
Bevor ich nun daran gehe, einen neuen „Brief“ zu schreiben, hole ich lieber Werner Heisenberg zu Hilfe: „Die Unbestimmtheitsrelationen zeigen fürs erste, daß eine genaue Kenntnis der Bestimmungsstücke, die in der klassischen Theorie zur Festlegung eines Kausalzusammenhangs notwendig sind, in der Quantentheorie unmöglich ist. Die weitere Folge der Unbestimmtheit ist, daß auch das künftige Verhalten eines derart ungenau bekannten Systems nur ungenau, d.h. nur statistisch vorhergesagt werden kann. Es ist einleuchtend, daß durch die Unbestimmtheitsrelationen die Grundlage für das präzise Kausalgesetz der klassischen Physik verloren geht, und zwar sowohl bei Anwendung der Partikelvorstellung wie bei raum-zeitlicher Wellenvorstellung.“
In den letzten Jahren ist die Erkenntnis gereift, dass auch in der klassischen Physik die Kausalität ein äußerst problematischer Begriff ist. Physikalisch betrachtet läuft dieser umgangssprachliche Begriff („Von nix kütt nix“) darauf hinaus, dass man die Wirkung einer Ursache vorherberechnen kann. Siehe Ausführung Heisenberg. Das ist aber oft –Sie haben selbst einmal das Beispiel des dreidimensionalen Billiards der Gasatome angeführt- keineswegs der Fall. Hier liegt der tiefere Grund in der Mächtigkeit der reellen Zahlen, die es nicht erlaubt die Anfangsbedingungen in aller notwendigen Schärfe zu formulieren. Auch zum Begriff „Kausalität“ gebe ich gerne das Wort an Heisenberg: „Ich möchte da vor allem darauf hinweisen, daß die menschliche Sprache stets gestattet, Sätze oder Begriffe zu bilden, die völlig inhaltsleer sind, obwohl sie in unserer Phantasie ein anschauliches Bild erzeugen.“
Sie schreiben: „Wenn man die Eigenschaften der Materie nicht auf die Eigenschaften der Quanten zurückführen kann, worauf sollte man sie dann sonst zurückführen?“ Wenn ich das wüsste, wäre mir (mindestens) ein Nobelpreis und die grenzenlose Verehrung der Nachwelt gesichert. Ich möchte aber (in aller Unverbindlichkeit) eine Prognose wagen. Auf diese Frage wird es nie eine abschließende Antwort geben. Ignoramus et ignorabimus. In einhundert Jahren wird man vermutlich auch den Versuch, alles auf Quantenmechanik zurückführen zu wollen, in die gleiche Kategorie einsortieren, wie wir heute den glühenden Glauben der Newton-Verehrer, alles sei mechanisch erklärbar. Die makroskopische Welt zeigt (ganz überwiegend) keine Quanteneigenschaften. Die Wellenfunktionen sind wegen der Kohärenz zur Realität „kollabiert“.
Positronen sind nach Richard P. Feynman Elektronen, die in der Zeit zurücklaufen.
Weiter zu lesen hier, aber nicht völlig glaubwürdig:
http://www.e-stories.de/...geschichten.phtml?23786
Feynman entwickelte die Idee des Rückwärtsgehens in der Zeit als allgemeines Konzept zusammen mit Archibald Wheeler schon in seiner Studentenzeit in Princeton. Es ergeben sich Lösungen der Maxwell-Gleichungen, die umgekehrten Zeitverlauf zeigen. Feynman und Wheeler nannten sie „retarded and advanced waves“. Die „advanced waves“ sollten rückwärts in der Zeit laufen. Später erklärte Feynman die anvanced waves zu Antiteilchen.
Besonders gut an Ihrer Geschichte gefällt mir das präzise Kochrezept für das Reduzieren des Kupfers in einem Porzellanschiffchen. Erinnert mich wirklich an alte Laborzeiten. In meinem Fall habe ich trotz der Positronen wenig Hoffnung, dahin zurück gelangen zu können.
Übrigens: Ein Tippfehler in meinem vorherigen Kommentar ist mir etwas peinlich. Es heißt natürlich: Billard und hat mit Billiarden nichts zu tun.