Wir wollen stark Getränke schlürfen - 13. Brief aus meiner Mühle
Das waren zuletzt nun ziemlich viele Briefteile zu einem Thema,
das eine elegante Theorie in aller Kürze und Leichtigkeit abhandeln sollte. Die
Newtonsche Physik kann genau das. In deren Bezugsrahmen stellt die
Rotationsbewegung kein Problem dar. Größen wie Drehimpuls und die Fliehkraft
–gleichgültig ob man nun darauf besteht, letztere als „Scheinkraft“ aufzufassen
oder sie nun doch als real ansieht- lassen sich zwanglos berechnen und erklären.
Beide Relativitätstheorien sind daran gescheitert. In den gängigen Lehrbüchern
der Physik findet man daher das Thema der rotierenden Körper nur in den
Kapiteln zur klassischen Mechanik. Nun erhebt die Physik als exakte Wissenschaft
offiziell den Anspruch, sich bereitwillig den strengen Urteilen experimenteller
Ergebnisse und dem Grundsatz der Falsifizierbarkeit zu unterwerfen. Von daher
sollten gerade die Schwachpunkte von Theorien die größte Aufmerksamkeit auf
sich lenken. Was man stattdessen findet ist aber eine Kultur des Verschweigens
und der sprachlichen Unschärfe, über die man sich normalerweise keine
Rechenschaft ablegt. In den sog. Geisteswissenschaften haben Sprachkritik („Das
ist ein ganz schlechtes Buch“) und Interpretation („Was will uns der
Dichter sagen?“) zentrale Bedeutung. Es gibt eine ganze Schar
hauptberuflicher Literaturkritiker, deren einzige Aufgabe das Kritisieren ist. In
der Naturphilosophie (heute meist Physik oder Theoretische Physik genannt) ist
das auffälligerweise nicht so. Kritik ist nicht etablierter Bestandteil des
Systems, und das ist als ausgesprochener Rückschritt zu werten. Die alten
Scholastiker ernannten in Diskussionen immerhin einen aus ihrer Mitte zum advocatus
diaboli.
Nehmen wir dazu ein Beispiel und schlagen ein weitverbreitetes Lehrbuch der Physik auf, den „Gerthsen Physik“. Ich habe noch die 22. Auflage von 2004. Im Kapitel „Relativitätstheorie“ findet sich folgende blau unterlegte Aussage:
„Jeder der Beobachter muss den Stab des anderen um genau den gleichen Faktor f gegen seinen eigenen verkürzt finden.“
Unabhängig vom Wahrheitsgehalt: wie finden Sie den Satz? Finden Sie, dass er klar und deutlich formuliert ist? Wie finden sie das Wort „finden“ an dieser Stelle? Ist „finden“ physikalisch definiert? Wie unterscheidet sich dieses „finden“ von dem anderen „finden“ in diesen Fragen? Gibt es eine Anleitung zum Bau eines „Findometers“? Ist es vielleicht ein optisches Instrument? Sollte wohl so sein. Was müsste man beim Bau eines solchen Geräts berücksichtigen? Können Sie sich vorstellen, dass ein Physikprofessor den Studenten in einer Prüfung Fragen dieser Art stellt?
In den älteren Auflagen des gleichen Lehrbuchs war die Wortwahl noch eine andere. In der achten Auflage von 1964 hieß es:
„Dem bewegten Beobachter erscheint also eine parallel zur Bewegungsrichtung liegende Strecke verkürzt.“
mit der Randbedingung:
„Selbstverständlich muß der Beobachter die gleichen Streckenendpunkte gleichzeitig mit seinen Koordinatenachsen vergleichen.“
Was ist mit „erscheint“ gemeint? Das Wort Erscheinung weckt Assoziationen an Übernatürliches oder Religiöses. Engel erscheinen, oder Geister. Wenn eine Streckenverkürzung „erscheint“, so hat das den Klang des Metaphysischen. Deshalb hat man wahrscheinlich nach einem besseren Wort gesucht. Wie wäre es mit „sehen“? Kurz gesagt: problematisch. Es gibt schließlich Abhandlungen, die belegen sollen, dass man die Verkürzung nicht sehen kann. Andere behaupten, es sei gar keine Verkürzung zu „sehen, sonder nur eine Rotation. Andere wiederum beschreiben spezielle Kameras mit oder ohne Blitzlicht, die man einsetzen müsse. Mit der Festlegung, was man denn nun sehen kann, betritt man ein seit langem vermintes Gelände. Es führt aber kein Weg daran vorbei, dass die Detektionsmethode optisch sein muss, denn „Licht“ ist die einzige Sonde, welche laut SRT erlaubt ist. Man sollte das „sehen“ aber besser nicht erwähnen. Was bleibt? Finden. Das ist es. Finden ist sehr gut. Voilà. Man muss nur das passende Wort finden, schon ist das Problem weg. Der mathematische Formalismus kann selbstverständlich unverändert stehen bleiben. Galilei hat einmal folgende Behauptung aufgestellt:
„Das Buch der Natur ist in der Sprache der Mathematik geschrieben und ihre Buchstaben sind Dreiecke, Kreise und andere geometrische Figuren, ohne die es ganz unmöglich ist auch nur einen Satz zu verstehen, ohne die man sich in einem dunklen Labyrinth verliert“.
Dabei nahm Galilei an, dass die Geometrie auf einer höheren Metaebene des Erkennens angesiedelt sei, als die Physik selbst. Göttlichen Ursprungs eben. Wäre Mathematik selbst Teil der Naturgesetze, könnte man sie nicht als Schiedsrichter über eben diese Gesetze anrufen. Bis heute gehen die Auffassungen zum Wesen der Mathematik aber auseinander. Davon soll noch die Rede sein. Die Grundannahmen jedenfalls und erst recht die Interpretation der Rechnungen erfolgen dann zwangsläufig sprachlich bzw. in „Sprachbildern“. Weil aber immer mehrere Interpretationen möglich sind, geht es von nun ab darum welche davon die Deutungshoheit erobert. Aber zurück zur Streckenverkürzung.
Hier droht eine ebenso nahe liegende wie unangenehme Frage. Eine Antwort liefert der mathematische Formalismus nicht: Ist die erschienene Verkürzung der Strecke real oder ist sie nur eine perspektivische Vision? Rein logisch betrachtet kann die Verkürzung nicht real sein. Nehmen wir zwei Beobachter. Der eine bewegt sich parallel zu der Strecke, der andere quer. Der eine findet (!) sie verkürzt, der andere nicht. Sie kann doch nicht beides zugleich sein? Oder? Was sagen meine Lehrbücher dazu? Richtig geraten. Nichts. Übrigens: die Forderung an die Gleichzeitigkeit der Messung beider Streckenenden ist nicht so selbstverständlich erfüllbar, wie es der lapidare Lehrbuchtext verlangt.
Wie man findet oder wie es scheint, ist die sprachliche Unschärfe an solchen Stellen im Text keineswegs zufällig. Sprache dient seit jeher in allen menschlichen Bereichen, auch und gerade in der Naturphilosophie, sowohl zur Erklärung des Gewollten als auch zur Verschleierung des Unerwünschten. Keine Mathematik der Welt kann daran etwas ändern. Es ist nun ein Leichtes, die Formel für die Lorentztransformation hier hinzuzufügen. Die ist aber auch schon nur Ausdruck dessen, was man damit „finden“ wollte. (Ursprünglich ging es darum, den Arm des Michelson-Interferometers in Richtung der Ätherbewegung zu verkürzen. Die Formel war vorsätzlich so gebastelt, dass man damit eine passende Verkürzung erhielt. Zum „erscheinen“ und „finden“ sagt sie nichts. Das bleibt den Interpreten vorbehalten. Max Born, wir haben es gehört, hielt sich alle Türen offen. Einerseits sagt er, derartige Fundsachen oder Erscheinungen seien keine physikalische Realität, andererseits tut er Realität mit einem Schulterzucken ab. Die Realität sei wie die Scheibe einer schief angeschnittenen Wurst, von der man –so Born- auch nicht sagen könne, ob ihre Größe nur scheinbar sei. Die Küche war anscheinend nicht sein home-turf.
Natürlich wäre es naiv anzunehmen, dass Ungereimtheiten einer Theorie, wie sie sich (nicht nur) bei der relativistischen Behandlung eines rotierenden Körpers zeigen, gesetzmäßig zur Bereinigung oder gar Aufgabe dieser Theorie führen würden. Wer dieses unterstellt, übersieht die Triebkräfte (verschärft formuliert: Gesetzmäßigkeiten), nach denen sich das Verhalten gesellschaftlicher Gruppen richtet. Die sind keineswegs deckungsgleich mit den viel beschworenen Gesetzen der Logik oder dem Grundsatz der Falsifizierbarkeit. Menschen wollen meist ganz einfach nicht, dass Denk- oder Glaubenssysteme, denen sie vielleicht Zeit ihres Lebens anhingen, plötzlich „falsifiziert“ werden. Wie soll sich denn ein Physiklehrer fühlen, wenn er einem Schüler zugeben soll: „Also, das, wofür ich dir letztes Jahr eine Fünf gegeben habe, gilt jetzt als insgesamt widerlegt.“ Schrecklich. Vielleicht muss er obendrein damit rechnen, von den Eltern des Schülers verklagt zu werden. Menschen wünschen sich vielmehr, dass ihre Widersacher Unrecht haben oder –viel, viel wichtiger- Unrecht bekommen. Die letztlich leere, weil emotionsarme Logik ist kein gutes Mittel zur Erlangung der Deutungshoheit. Narrativum ist ein umso besseres. Es geht darum, wer die bessere Geschichte zu erzählen hat. Der bekommt die Leute, die auch Eintritt bezahlen. Max Plack hatte schon recht, als er sagte, dass alternative Theorien sich allenfalls dann durchsetzen, wenn die Verkünder des alten Systems aussterben.
Ein naturphilosophisches System (genauer: weite Bereiche der Physik des 20. Jahrhunderts) mit einem hohen Gehalt an Narrativum ist zwar vielleicht falsifizierbar, aber deshalb noch lange nicht aus dem Sattel gehoben. (Narrativum ist ein Stoff, der die Menschen der „Scheibenwelt“ -sie ist vielmehr die unsrige als die „Rundwelt“- veranlasst, dem Universum Geschichten aufzudrängen, die es nicht hören will.) Aber, wie schon Paracelsus bemerkte:
„All Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist“.
Ironischerweise führte das giftige Übermaß an Narrativum in den „Jahrhunderttheorien“ die Theoretiker mehr und mehr in die Sackgasse. Der Harvard-Absolvent Lee Smolin drückt es (in meiner Übersetzung) so aus: „Bis 1981 hatte sich die Physik eines 200-jährigen explosiven Wachstums erfreut. Dann kamen die Dinge zum Stillstand.“ Dafür macht er (u.a.) sowohl die ART, als auch das von Anfang an ungeklärte Verhältnis zwischen quantenmechanischem Formalismus und Realität verantwortlich. (Die Rechnungen der Quantenmechanik zeigen allerdings beste mathematische Übereinstimmung mit den experimentellen Befunden. Bei ihr geht es allein um die Interpretation, in der die Mathematik nicht weiter helfen kann.) Schön und gut. Wer, wie Smolin, an dem privaten Perimeter-Institut arbeitet, kann sich solche Ketzereien leisten.
Andererseits haben ART und Quantenmechanik äußerst spannende Geschichten hervorbracht, die schon seit Jahrzehnten ins öffentliche Bewusstsein eingedrungen sind. Man denke da allein nur an den Urknall, die Schwarzen Löcher, die vielen Welten oder den Quantenschaum des Vakuums. Das macht sie stark – und starr. Man bekommt sie bestimmt nicht durch den „nüchternen Blick“ reformiert, den Smolin im Hinblick auf die Unzulänglichkeiten der ART einfordert. „Jahrhundertheorien“ gehören –der Name sagt es schon- sozusagen zum Weltkulturerbe und stehen unter Denkmalschutz. Wer –es sein denn er ist ohnehin Außenseiter- daran massive Kritik vorbrächte, sähe seine Karriere schnell beendet. Es wäre für den Betreffenden weniger schädlich, lauthals etwa den Abriss des Kölner Doms zu fordern.
Die Mahnung des Direktors (im „Vorspiel auf dem Theater“ zum Faust) an den Dichter gilt für alle öffentlichen menschlichen Tätigkeiten immer noch uneingeschränkt:
Die Masse könnt ihr nur durch Masse zwingen,
Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus.
Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen;
Und jeder geht befriedigt aus dem Haus.
...
So kommandiert die Poesie
Euch ist bekannt, was wir bedürfen,
Wir wollen stark Getränke schlürfen...
Für Poesie kann man in Goethes Text ohne Sinnverfälschung auch Physik einsetzen. Naturgesetze –oder das, was die Fangemeinde dafür hielt- gerieten nun mal ins grelle Rampenlicht einer breiten Öffentlichkeit. Seitdem waren „nüchterne“ Blicke oder „kleinliches Kritikastern“ nicht mehr gefragt.
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@ Thilo Kuessner.
Werd in Zukunft ihrem Rat folgen. Heute haben Sie es ja schon getan.
Er holt seine Erkenntnis nicht aus Platons Reich, sondern von daher, wo auch die Physik angesiedelt sein sollte: der Realität.
Sie vertreten da einen Naiven Realismus, den man ansonsten oft und gerne uns Physikern vorwirft und der einen unvermittelten Zugang zur 'wirklichen Realität' voraussetzt. Dann müssten Sie aber erklären, was den Falken, Menschen oder Wissenschaftler dazu befähigen sollte, Realität derart unvermittelt erkennen zu können.
Dass Abstände im mentalen Modell als real empfunden werden und warum wir kein gleichsam eindrückliches Erwarten relativistischer Effekte besitzen, ist doch über die evolutionäre Entstehung als rein funktionales Modell in nicht-relativistischer Umwelt bestens erklärt und steht in keinerlei Widerspruch zur RT. Warum dieses beschränkte Funktionalmodell der Weisheit letzter Schluss darstellen oder gar das Ding an sich vollständig und fehlerlos wiederspiegeln soll, ist doch etwas erklärungsbedürftiger, als dass es durch ein 'ist so' oder ein 'war schon immer so' zu erledigen ist.
Schreibt man der Ausdehnung keine Existenz mehr zu, dann führt der nächste Schritt der in den Solipsismus.
Ausdehnung ist eine räumliche Beziehung zwischen zwei Punkten. Sie sagen, dass diese räumliche Beziehung fest ist, immer; Einstein und die Physik sagt, dass sie das nicht ist, sondern sich in Abhängigkeit von der Bewegung vorhersagbar anders darstellt.
Wo ist denn da der Solipsismus versteckt? Nur weil etwas nicht mehr konstant ist, ist es nicht beliebig. Da führt Sie der Genuss starker Getränke aber bedeutend schneller in den Solipsismus.
Ich habe fast den Verdacht, Sie fallen auf die Argumentationsmuster philosophischer Relativisten herein: Wenn wir Wirklichkeit nicht unmittelbar kennen können, dann können wir von der Wirklichkeit nichts wissen und alles ist gleich falsch/richtig. Nur dass Ihr realistischer Ansatz daraus besteht, die Prämisse zu leugnen: Dann ist halt das, was wir unmittelbar zu erkennen vermeinen, die Wirklichkeit...
Ist es aber nicht, jedenfalls kann das nicht trivial vorausgesetzt werden, und die Quantenmechanik beweist Ihnen das eigentlich auch schon. Auch wenn Sie die auf Rechenmethoden reduzieren wollen, als müsse man nur die richtige Narration finden, dann würde sich quantenmechanisches Verhalten unserer Alltagsintuition nicht mehr widersprechen.
Eine kinematische Betrachtung ist einer dynamischen nicht gleichwertig.
Dass die RT nur kinematisch, nicht dynamisch betrachtet, war vor hundert Jahren richtig, vor 94 schon nicht mehr.
Es gibt keine Erfahrung, die eine geänderte Geometrie bei bewegten Körpern notwendig macht.
Wollen Sie wirklich standhaft behaupten, dass die RT heute noch auf dem Stand ungeprüfter Gedankenexperimente ist? Das kann doch nicht ihr ernst sein.
Sie haben da doch schon ein Dilemma, wenn sie den Zerfall relativistischer Teilchen betrachten, die sich ansonsten mit den von Ihnen wertgeschätzten quantenmechanischen Rechenmethoden bestimmen lassen.
Als weiteres Beispiel ist die relativistische Längenkontraktion Bestandteil der richtigen Simulation von Schwerionen-Teilchenbeschleunigerexperimenten. Es macht nämlich einen Unterschied, ob im ruhenden Bezugssystem des Kollisionspunkts zwei annähernd kugelförmige Atomkerne aufeinanderprallen oder zwei 'Flatschen'. Die RT ist längst nicht mehr reines wissenschaftliches Theoretisieren, sondern an solchen und anderen Punkten auch schon Teil der Technik geworden.
Sie können das ja alles als Illusionen oder falsch erklärte Phänomene abtun, aber solange keines dieser Phänomene den Vorhersagen der RT widerspricht, tut die RT genau das, was sie als wissenschaftliche Theorie tun muss. Es ist aber nicht Aufgabe einer wissenschaftlichen Theorie, Ihre erkenntnistheoretischen Vorstellungen wiederspiegeln zu müssen und solche sind als Falsifikation auch weder vorgesehen noch tauglich.
Die lustigen Scheinprobleme aber, ob relativistische U-Boote steigen oder sinken,
Natürlich sind das lustige Scheinprobleme: hypothetische Situationen, die unter die ART fallen, als Grenzfall der SRT zu verstehen, um zu sehen, ob die Theorie in sich konsistente Ergebnisse liefert. Das hat mit der wissenschaftlichen Notwendigkeit, RT-Effekte beschreiben zu müssen, nicht das geringste zu tun.
Mal eine einfache Frage: gäbe es irgendein Experiment, dass Sie davon überzeugen würde, dass die relativistischen Effekte echt sind? Möglichst etwas unterhalb der Polymersynthese? Oder gälte dann immer noch das Primat Ihres Erkenntnismodells, dass Längen konstante Längen sind, weil wir das so wahrnehmen?
Hallo Leute,
zunächst meinen Dank an Stefan.
Jedes Wissenschaftssystem unterscheidet sich von Glaubenssystemen vor allem dadurch, dass in Ersterem Experimente gemacht, ausgewertet und geplant werden. Es gibt eine Fülle von Experimenten, die die RT bestätigen. Zwar bestätigen diese Experimente auch konkurrierende Theorien, aber diese sind noch komplizierter und unanschaulicher, als die RT.
Meines Wissens gibt es kein einziges gesichertes Experiment, das gegen die RT spricht. Folgende Experimente existieren, die zumindest dem Anschein nach gegen die RT sprechen:
1. Die Lichtgeschwindigkeit ist möglicherweise abhängig von der Hintergrundstrahlung.
http://www.mahag.com/...uppe=426&grup=50#11866
2. Eine rotierende Scheibe verformt sich möglicherweise nicht.
Thomas E. Phipps, Do metric standards contract?, Foundations of physics pp. 289-307, (1980)
(hat einer einen Link zu dem Artikel?)
3. Im Fall rotierender Scheiben gibt es möglicherweise keine Zeitdilatation.
http://www.ime.jku.at/.../project7/relativity6.pdf
Hier müsste m.E. weiter diskutiert werden.
mfg
Luchs
Sehr geehrter Herr Dr. Wolfgang Herrig :
Zunächst möchte ich Ihnen meinen Dank und meine Anerkennung für Ihre sehr lobenswerte Initiative zugunsten einer rationalen Deutung der physikalischen Erscheinungen aussprechen.
Nachstehend werde ich am Beispiel der sogenannten relativistischen Physik versuchen auf die Notwendigkeit dieser Rationalisierung aufmerksam zu machen. Für Interessierte an einen ausführlicheren Text gebe ich folgende Adresse an:
http://ekkehard-friebe.de/...ivitat-in-der-physik/
Ich bin 83 Jahre alt, mein Vater war Deutscher und meine Mutter Spanierin. Ich besuchte u.A. die Deutsche Schule in Barcelona und bin Diplomchemiker, also kein Physiker. Die Physik war aber immer mein Lieblingsfach, wegen der Anschaulichkeit und Faszination der Klassenexperimente und auch, weil in dieser Wissenschaft alle Erscheinungen und Eigenschaften der Dinge in zusammenhängender Weise vernunftmässig erklärt werden. Man verstand dadurch die Welt, einschliesslich der Chemie und der Biologie (also auch das Leben) und warum sie so ist. Man konnte alles von allem logisch ableiten und es verstehen, weil alles Neue durch schon Verstandenes begründet wurde.
Man kann sich daher meine Verblüffung leicht vorstellen, als ich in den Physiklehrbüchern und Fachzeitschriften nun zum ersten Mal die offizielle Darstellung der relativistischen Physik als das unsinnigste, was mir im Leben begegnet ist, kennen lernte.
Jene Darstellungen begannen mit der Feststellung der endlichen Lichtgeschwindigkeit im leeren Raum. Das war verständlich, weil der leere Raum für mich ein sinnlich wahrnehmbarer Begriff war, der keiner Definition bedarf. Der Raum und die Zeit an sich können nicht durch vernünftige Überlegungen beschrieben oder begründet werden, da beide gerade die Mittel sind, deren sich die Vernunft bedient, um überhaupt alles andere zu verstehen.
Der “absolute” Raum bedeutet für mich den Raum an sich und ebenso ist es mit der absoluten Zeit. Die absolute Bewegung ist danach nicht die relative Änderung einer Entfernung zu einem willkürlich gewählten Punkt, sondern der absolute Platzwechsel zwischen direkt angrenzenden Teilbereichen im Gesamtvolumen des Universums. Für mich gibt es also nicht so viele Räume und Zeiten wie Beobachter, sondern nur einen Raum und eine Zeit. Was jeder Beobachter mit seinen veränderlichen Geräten misst, hängt von vielen Dingen ab. Unter Anderem, von seiner absoluten Geschwindgkeit, wie das Uhrenparadoxon so klar beweist.
Absolut ist, nach meiner Meinung, auch etwas worüber sich alle subjektiven Beobachter einig sind. Zwei nebeneinander stehende Uhren besetzen beide einen gemeinsamen absoluten Ort im Raum und wenn sie sich voneinander trennen, dann geschieht es auch absolut gleichzeitig, auch wenn beide Uhren nicht die gleiche Zeit angeben sollten. Und ganz unabhängig von ihrer Zeitangabe und von ihrem Uhrengang ist eine spätere Wiederzusammenkunft ebenso absolut gleichzeitig, auch wenn die Uhren dabei immer noch nicht übereinstimmen sollten. Unabhängig von den instrumentalen Anzeigen (Observablen) beider Uhren vergeht also für beide doch eine gleiche absolute Zeit zwischen den zwei absoluten Gleichzeitigkeiten der Trennung und der nachträglichen Wiedervereinigung.
Die Bewegungsänderung ist absolut. Für alle Beobachter im Universum ist die Geschwindigkeit beider Uhren vor der Trennung gleich gross. Nach der Trennung können aber alle Beobachter mit Sicherheit angeben, ob nur eine Uhr oder beide ihre Geschwindigkeit dabei geändert haben. Die relative Bewegungsänderung ist für beide Uhren gleich, aber für alle anderen Beobachter im Universum kann sie verschieden, also absolut verschieden, sein. Wenn also alle Beobachter klar entscheiden können, welche von zwei Uhren tatsächlich ihre Geschwindigkeit ändert, dann bedeutet dies, dass es nicht nur relative, sondern auch absolute Bewegungen und damit einen absoluten Raum gibt, auf den sich die absoluten Bewegungen beziehen. Das Uhrenparadoxon bestätigt es auch in sehr überzeugender Weise.
Das Uhren- oder Zwillingsparadoxon ist aber nur paradox wenn man den absoluten Raum und die absoluten Bewegungen darin nicht beachtet. Denn die Relativgeschwindigkeit ist für beide Zwillinge dieselbe und kann nur scheinbare, symmetrische und wechselseitige Veränderungen vortäuschen, aber niemals einen nachweisbaren, nachhaltigen Uhrengangunterschied ergeben. Das kann nur bei echten, tatsächlichen Geschwindigkeitsunterschieden geschehen, wobei dann dieser Effekt nicht mehr als paradox bezeichnet werden kann, da in diesem Fall offensichtlich kein Widerspruch mehr vorliegt. Deshalb, auch wenn der absolute Raum schon sinnlich nicht so augenfällig und für den Verstand nicht so intuitiv wäre, würde er als rationalisierende Hypothese der relativistischen Erscheinungen vollkommen gerechtfertigt sein.
Einstein kam versehentlich darauf, weil er, entgegen seiner relativistischen Theorie, unbewusst mathematisch genauso vorging wie Lorentz, nämlich durch die Unterscheidung einer wirklich “bewegten” von einer wirklich “ruhenden” Uhr. Hätte er dagegen bei beiden die gleiche relative Geschwindigkeit angenommen, so wäre er mathematisch niemals darauf gekommen. Ungewollt bewies er nun damit, dass Lorentz und nicht er mit dem absoluten Raum und den tatsächlichen Veränderungen von Meterstäben und Uhren Recht hatte. Warum wird es denn verschwiegen?
Und das gleiche gilt für die Anhänger seiner Theorie, die das Paradoxon mit Herzschlägen und Sprüngen der Zwillinge von einem Bezugsystem zum anderen, oder mit ganz unvorstellbaren Zeitsprüngen oder Zeitlücken zu erklären glauben, wobei sie alle den gleichen Widerspruch zur eigenen Theorie begehen. Sie unterscheiden alle nämlich zwischen einem “zurückbleibenden” und einem “reisenden” oder sogar “beschleunigten” Zwilling, wobei sie dadurch stillschweigend und unbewusst zugeben, dass es ausser den relativen auch absolute Bewegungen gibt.
Wenn man aber absolute (wirkliche) Bewegungen annimmt, dann nimmt man auch die absolute Ruhe im absoluten, nicht von den einzelnen Beobachtern messtechnisch definierten Raum an. Und dann ist die von den absolut ruhenden Uhren angezeigte Zeit nicht nur absolut (also nicht bewegungsabhängig), sondern auch absolut gleichzeitig im gesamten Universum, unabhängig davon, was andere Uhren, je nach Bewegungszustand, anzeigen mögen.
Der absolute Raum ist das Bezugsystem der Lichtausbreitung. Nur in diesem Bezugsystem ist die Lichtgeschwindigkeit wirklich die gleiche nach allen Richtungen, sodass die mit dem Licht synchronisierten Uhren auch tatsächlich synchron sind. Nur absolut ruhende Meterstäbe haben dann ihre grösste Länge, die Uhren ihren schnellsten Gang und alle Körper ihre kleinste Masse.
Damit war für mich bis dahin alles sehr anschaulich und begreiflich. Ebenso verständlich war für mich auch, dass man bei der Geschwindigkeitsänderung einer Messvorrichtung gegenüber dem ankommenden Sternenlicht, etwa durch den Umlauf der Erde um die Sonne, die entsprechende Änderung der gemessenen relativen Lichtgeschwindigkeit erhalten sollte.
Erstaunlicherweise wurde dies aber weder durch die Brechzahl des ankommenden Lichtstroms (Fizeau), noch durch eine nachfolgende Interferenzmessung (Michelson-Morley) bestätigt. Das war nach den vorausgesetzten physikalischen Bedingungen gar nicht zu erwarten. Und deshalb folgte kurz darauf die sehr vernünftige, physikalisch einwandfreie Interpretation von FitzGerald, Poincaré und Lorentz, nämlich:
Das Interferometer ist eine Messvorrichtung, die extrem kleine Laufzeitunterschiede des Lichtes entlang einer gegebenen mikrometrisch verstellbaren Strecke durch die Lage der entstehenden Interferenzstreifen messen kann. Die Streifen verschieben sich, wenn man die Geschwindigkeit des Lichtes relativ zum Interferometer ändert, sei es durch Änderung des Brechungsindex beim durchlaufenen Medium, oder der Länge der Laufstrecke, da beides die Lichtlaufzeit beeinflusst.
Die Brechzahl des Mediums hängt u.A. sowohl von der Temperatur als auch von dem Druck ab. Man braucht nur die Hand in der Nähe des Lichtstrahls zu halten und die dadurch erwärmte Luft verschiebt die Interferenzstreifen durch die Veränderung der Lichtgeschwindigkeit zwischen den zwei Spiegeln der Laufstrecke. Die Geschwindigkeit und damit auch die Laufzeit im Gerät sollte sich aber logischerweise auch durch eine Änderung der eigenen Bewegung des Interferometers gegenüber dem ankommenden Lichtstrom eines gegebenen Sterns ändern. Und gerade das ist was beim Umlauf der Erde um die Sonne in der Grösse von über 60 km/s geschieht.
Da aber die Interferenzstreifen sich, entgegen den genannten physikalischen Voraussetzungen, nicht im erwarteten Ausmass bewegten, und die zweite Einflussgrösse auf diese Verschiebung eben nur die verstellbare Armlänge des Messgerätes ist, gab es keine sonstige physikalische Erklärung für das unerwartete Ergebnis, als die Annahme der Verkürzung der Lichtlaufstrecke, also des ganzen Apparates in Bewegungsrichtung.
Obwohl dieses Messergebnis und die zwangsläufige Folgerung sehr überraschend waren, sah ich keinen Grund daran zu zweifeln, denn schliesslich gibt es auch andere sehr gut begründete Beispiele von Längenänderungen durch Temperatur, Elektrostriktion, Magnetostriktion, usw. In allen solchen Fällen handelt es sich um Abstandsänderungen der Potentialgleichgewichtsorte zwischen den Materieteilchen. Warum sollte denn diese Potentialverteilung in einem materiellen Körper nicht auch durch seine absolute (nicht relative) Bewegung und die damit verbundenen, ständig verzögerten Ortswechsel der Potentialgleichgewichte im Raum bestimmt sein?
Später lernte ich, dass die Verzögerung der Potentiale von Lienard-Wiechert diese und andere Änderungen durch die absolute Bewegung sogar verlangt und damit auch erklärt. Darüber habe ich aber bisher nichts in den Lehrbüchern gelesen. Vielleicht weil es den von Einstein zunächst verneinten absoluten Raum bestätigt, den er zwanzig Jahre später, sich selbst widersprechend, doch für unbedingt nötig hielt? Warum wird dies in der Physiklehre systematisch übergangen?
Kurze Zeit nach der Interpretation von FitzGerald, und unabhängig davon, gab auch Lorentz die gleiche Erklärung. Die Übereinstimmung der unabhängigen Auffassungen von zwei Physikern ersten Ranges bekräftigt die Richtigkeit und Logik der gemeinsamen Folgerung. Und Lorentz folgerte darauf die zusätzliche Abhängigkeit der Masse und der chronometrischen Ortszeit von der absoluten Bewegung der materiellen Körper (Äther und Raum waren damals gleichwertige Bezugsysteme).
Das war alles sehr neu und aufregend, und dazu auch physikalisch durchaus möglich und gut verständlich. Doch da, beim Weiterlesen stand ich plötzlich vor etwas Unglaubliches! Nach der Fachliteratur war diese so vernünftige Hypothese ad hoc und künstlich erdacht, eigens nur um den negativen Interferometer-Versuch zu rechtfertigen. Als wären nicht alle Hypothesen ad hoc, um beobachtete Erscheinungen zu rationalisieren (Atome, Elektronen, kinetische Gastheorie).
Weiterhin wurde bei Lorentz die Anhäufung von Hypothesen kritisiert, während man sie sonst bei anderen Theorien akzeptiert hatte. Auch die Vorstellung eines abstrakten, nicht stofflichen Äthers (eigentlich des absoluten Raumes), wurde als nicht nachweisbar negativ beurteilt.
Und da erschien Einstein´s grossartige Theorie! Nach der Wikipedia ist sie mathematisch genau das gleiche wie bei Lorentz, nur dass sie bei Einstein eine umwälzende Theorie über Raum und Zeit sein soll, die uns gegenüber diesen früher falsch verstandenen metaphysichen Kategorien auf einmal die Augen öffnet und uns von nun an erlaubt auch ganz irrationale Zusammenhänge für möglich zu halten. Wie, zum Beispiel, dass für zwei relativ bewegte Beobachter das Licht die gleiche Geschwindigkeit besitzt, und dass diese Beobachter sich aufgrund einer dadurch falsch durchgeführten Uhrensynchronisierung nun gegenseitig und unvereinbar kürzer, schwerer und bewegungsträger wahrnehmen. Und dies alles mathematisch mit Hilfe derselben Gleichungen von Lorentz, unter Ausschluss der wirklichen Veränderungen der Messinstrumente, berechnet.
Danach soll sich also ein Interferometer bei einer Änderung seiner Relativgeschwindigkeit zum Licht in keiner Weise ändern. Dafür ändert sich aber nun angeblich die “Raumzeitstruktur” des Universums, ganz egal was das bedeuten soll. Und plötzlich soll dadurch alles vollkommen klar werden. Ist das nicht wunderbar? Und wenn es auch damit nicht genug klar sein sollte, dann braucht man nur daran zu denken, wie einleuchtend es ist, dass eine falsche Synchronisation der Uhren von zwei Beobachtern auf ein materielles Instrument so einwirken kann, dass dieses nun, ohne jede physikalische Änderung, seine sonst normale Funktion nicht erfüllt. Dabei wird aber leider nicht erklärt, was die Beobachter und ihre Uhren mit dem Interferometer überhaupt zu tun haben und welchen Einfluss die Raumzeitstruktur auf die Interferenzstreifen ausübt.
Wenn ich mich darüber etwas ironisch ausdrücke, dann ist es nur, weil ich die ganze Sache für äusserst unvernünftig halte. Ich kann eben nicht begreifen, dass eine so naive Theorie, die nur mit der Absicht erdacht wurde, die Idee eines mit dem absoluten Raum vergleichbaren Äthers zu vermeiden, für eine der grössten geistigen Leistungen des menschlichen Denkens gehalten und als solche noch überall belehrt wird. Wobei sie im Grunde eine verblüffende Missachtung der wahren Vernunft darstellt, und deren Verherrlichung man sich nur durch ideologische oder sozialpolitische Gründe erklären kann.
Der Verzicht auf die Tatsache des absoluten Raumes als ausgezeichnetes Bezugsystem für die wirklichen Bewegungen ist so negativ, dass selbst Einstein sich nach besserer Überlegung der früheren Ansichten zwanzig Jahre später in der Leidener Universität folgendermassen äusserte:
“ Zusammenfassend können wir sagen: Nach der allgemeinen Relativitätstheorie ist der Raum mit physikalischen Qualitäten ausgestattet; es existiert also in diesem Sinne ein Äther. Gemäß der allgemeinen Relativitätstheorie ist ein Raum ohne Äther undenkbar; denn in einem solchen gäbe es nicht nur keine Lichtfortpflanzung, sondern auch keine Existenzmöglichkeit von Maßstäben und Uhren, also auch keine räumlich-zeitlichen Entfernungen im Sinne der Physik. Dieser Äther darf aber nicht mit der für ponderable Medien charakteristischen Eigenschaft ausgestattet gedacht werden, aus durch die Zeit verfolgbaren Teilen zu bestehen; der Bewegungsbegriff darf auf ihn nicht angewendet werden.”
Danach existiert eindeutig ein einziger Raum und darin ein unbewegliches Äther. Wenn das nun aber nicht der absolute Raum von Newton, Lorentz und allen ihren Vorgängern ist, dann weiss ich wirklich nicht, was es sonst bedeuten soll. Warum wird es denn übrigens nicht als Einsteins endgültige Ansicht geleehrt und dabei zugegeben, dass die Relativitätstheorie von Lorentz die richtige ist?
Warum wird nicht gelehrt, dass es einen von der Hintergrundstrahlung ausgefüllten Raum gibt, den absoluten Raum, auf den sich die wirklichen, nicht relativen Bewegungen beziehen, die für die tatsächlichen und dadurch auch scheinbaren relativistischen Erscheinungen verantwortlich sind? Warum wird immer noch stur und hartnäckig ein Märchen über Raum und Zeit gelehrt, statt der Wahrheit der veränderten Messgeräte, die bei jedem relativbewegten Beobachter ein anderes raumzeitliches Bild des wahren Weltalls liefert?
Nicht alle, der durch die veränderten Instrumente so verzerrten Bilder des Universums können gleichzeitig wahr sein, sondern nur das von den absolut ruhenden Messgeräten beschriebene. Dass es nicht unter allen identifiziert werden kann, beweist nicht seine Nichtexistenz, wie uns das Uhrenparadoxon zeigt. Die Gewissheit seiner Existenz beruht auf der Tatsache, dass die Lichtgeschwindigkeit nur für den im Bezugsystem des Lichtes ruhenden Beobachter isotrop sein kann. Alle anderen, relativ zu ihm bewegten, die das gleiche messen, werden von ihren veränderten Messinstrumenten zweifellos getäuscht. Ihre Bilder vom wahren Weltall sind also grundfalsch. Nebenbei bemerkt, alles was sich mit den Geräten bewegt ist auch verändert !
Nicht die Raum-Zeit-Struktur ist für jeden Beobachter verschieden, sondern nur die Geräte und er selbst, in Abhängigkeit der absoluten Geschwindigkeit im gemeinsamen Weltraum. So sollte es danach in den Lehrbüchern stehen, wenn man nicht absichtlich die wirklichen Bewegungen und die materiellen Veränderungen verheimlichen will. Durch diese Unterlassung ist die heutige Darstellung offensichtlich unvollständig, widersprüchig und vernunftwidrig. Dass man trotzdem weiter darauf besteht, ist für mich wahrhaftig rätselhaft.
Wenn ich mich nicht gewaltig irre, sollte der einzig mögliche Gedankengang folgender sein:
1. Bei der Messung der relativen Lichtgeschwindigkeit erhalten alle Beobachter den gleichen Wert (empirische, unwiderlegbare Tatsache).
2. Da aber dieses Ergebnis bei relativbewegten Beobachtern nur mit ungleichen Messgeräten möglich ist (unwiderlegbare Tatsache), muss man nun annehmen, dass diese Ungleichheit der jeweiligen gleichartigen Geräte eine Folge der Bewegung derselben ist (Logik) .
3. Es kann sich jedoch dabei nicht um ihre relative Bewegung handeln, da diese symmetrisch ist und dadurch keine ungleichen Veränderungen ihrer Messgeräte auftreten können (Logik).
4. Nur die Geschwindigkeit gegenüber dem Bezugsystem des Lichtes ist bei relativbewegten Beobachtern für jeden von ihnen verschieden (unwiderlegbare Tatsache) und kann deshalb im Gegensatz zur Relativbewegung eine ungleiche Veränderung der Messinstrumente einwandfrei erklären (Logik).
5. Jeden Beobachter erreicht das Licht von allen möglichen Lichtquellen im Universum mit der gleichen Geschwindigkeit, unabhängig von der Lichtquelle und von ihrer Bewegung im Weltall. Sein Bezugsystem ist also der Raum selbst in dem sich die Lichtquellen befinden und bewegen.
6. Diesen Raum, der das Bezugsystem des Lichtes ist, bezeichnet man als absoluten Raum und die auf ihn bezogenen Bewegungen, als absolute Bewegungen. Relativbewegungen sind dagegen nur Entfernungsänderungen zwischen zwei Punkten, wobei es ganz gleichgültig ist, wie sich diese Punkte wirklich bewegen. Die Unterscheidung beider Begriffe ist sehr wichtig.
7. Es gibt also wirkliche (absolute) Änderungen der absolut bewegten Meterstäbe und Uhren, die die Messergebnisse so verzerren, dass sich alle Beobachter in absoluter Ruhe betrachten, obwohl dies wegen ihrer Relativbewegung nicht bei allen zutreffen kann (Logik).
8. Die wirkliche Änderung der Meterstäbe und Uhren bringt mit sich eine durch die berühmten Gleichungen von Lorentz berechenbare, symmetrische und mindestens einseitig scheinbare, gegenseitige Beschreibung (unwiderlegbare mathematische Bedingung für die vorgetäuschte Gleichheit der wirklich ungleichen Lichtgeschwindigkeiten gegenüber beiden Beobachtern) .
9. Da die auch von Einstein benutzten Transformationsgleichungen von Lorentz die Beziehung
zwischen den Messwerten von geradlinig, gleichförmig bewegten Messinstrumenten beschreibt, ergibt sich daraus als ergänzende Aufgabe die Aufstellung der entsprechenden Gleichungen für relativ- und damit auch absolutbeschleunigte Messgeräte (z.B. in Gravitationskraftfeldern).
10. Die Lösung dieser Aufgabe durch bedeutende Mathematiker wie Marcel Grossmann, David Hilbert, Schwarzschild und Einstein´s sehr begabte Assistenten, stellt die bekannte Allgemeine Relativitätstheorie dar, bei der die Transformationsgleichungen nun nicht mehr linear sind.
Da die am Ende dieser logischen Kette auftretende Allgemeine Relativitätstheorie als Sonderfall auch eine Relativitätstheorie der linearen Bewegungen enthält, kann man mit Vorteil auf die von Einstein erstellte Spezielle Theorie verzichten, bei der die von den einzelnen Messinstrumenten gelieferten Werte als Raum und Zeit aufgefasst werden, sodass ihre wirklichen Veränderungen nicht mehr als solche, sondern als Veränderungen einer gewissen “Raumzeit” gedeutet werden.
Es geht nicht nur darum klarzustellen, ob die obigen zehn Punkte richtig sind, sondern auch um die sehr wichtige Frage der richtigen Belehrung der neuen Generationen, was bekanntlich eine der Hauptaufgaben der staatlichen Physikalischen Gesellschaften ist. Sollten aber die zehn Punkte doch folgerichtig sein, dann glaube ich, dass die Angelegenheit der richtigen Erklärung der Relativität in den Physiklehrbüchern die gebührende öffentliche Beachtung und Förderung verdient.
Mit meinem dankbaren Beifall, lasse ich Ihnen auch einen freundlichen Gruss und meine besten Wünsche zum Neuen Jahr zugehen.
Herbert Sommer
@ kamenin
“Sie vertreten da einen Naiven Realismus, den man ansonsten oft und gerne uns Physikern vorwirft und der einen unvermittelten Zugang zur 'wirklichen Realität' voraussetzt. Dann müssten Sie aber erklären, was den Falken, Menschen oder Wissenschaftler dazu befähigen sollte, Realität derart unvermittelt erkennen zu können.“
Ich würde sagen, nichts befähigt einen Falken, einen Menschen oder einen Wissenschaftler die Realität unvermittelt zu erkennen und einen Zugang zur „wirklichen Realität“ zu haben. Das weiß aber der Mensch schon seit sehr langer Zeit, und nicht nur der Philosoph und der Physiker… ;-) Deshalb haben auch die Menschen seit Jahrtausenden eine ganz pragmatische Einstellung und eine geniale Lösung für ihre eigenen Zwecke dazu entwickelt: Sie haben Konventionen vereinbart und festgesetzt, u.a. Meßkonventionen. Ein Meter kann zum Beispiel die Länge eines Balkens sein (oder von sonst irgendeinem beliebig ausgewählten Gegenstand), der als unveränderlich gilt, irgendwo als Urmaßstab sorgfältig aufbewahrt und genau reproduziert wird. Die einmalige Ruhelänge dieses einmaligen Gegenstandes gilt also per Konvention als die physikalische Realität, die Menschen gemeinsam als wahr anerkennen. Alle anderen Längen werden lediglich durch Vergleich mit diesem Maßstab ermittelt: Messen ist Vergleichen. Eine Länge ist also nie absolut, sie ist immer relativ zu einem vereinbarten Maßstab festgesetzt.
Die Physik ist ja auch ausgerechnet eine messende Wissenschaft und man entzieht der Physik komplett ihr Fundament, wenn man Meßkonventionen abschafft oder nicht anerkennt. Das tut aber im Grunde genommen die Spezielle Relativitätstheorie, indem sie die im laufen der Jahrtausenden mühsam vereinbarten Meßkonventionen kurzer Hand und stillschweigend – ohne jegliche Notwendigkeit – einfach abschafft: Variable Meter und variable Sekunde. So anerkennt die SRT keine einzige „wahre“ materielle Länge eines Gegenstandes und setzt die Länge eines Gegenstandes nicht in Relation mit einem einzigen, bekannten Maßstabe (wie es sinnvoll ist), sondern sie setzt unsinnigerweise die Länge eines Gegenstandes in Relation mit den fiktiven Messungen von unendlich vielen beliebig bewegten Beobachtern, was völlig absurd ist, sich jeder Nachprüfung entzieht und auch jegliche konkrete Voraussage unmöglich macht. Das führt in der Tat in den Solipsismus. Mit der SRT kann man nicht den einmaligen Ort und den einmaligen Zeitpunkt eines physikalischen Ereignisses voraussagen, ein und dasselbe Ereignis kann ja an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeitpunkten stattfinden (!). Das ist Esoterik pur. Siehe zum Beispiel solche „Erkenntnisse"“:
“Wir müssen künftig in unser Hirn die widerspruchsvolle Betrachtung hineinzwängen, daß nicht überall und für jeden ein Meter wirklich ein Meter, eine Stunde wirklich eine Stunde, eine Grammasse wirklich eine Grammasse ist; wir müssen lernen, daß alles, was meßbar ist, variablen Maßwert hat, und daß dieser Maßwert abhängig ist von dem jeweiligen Bewegungszustand des Beobachters zu dem beobachteten Gegenstand oder Ereignis.“
Aus dem Artikel einer Tageszeitung, zitiert bei: L. Ripke-Kühn: Kant contra Einstein. Erfurt 1920, S. 3.
Oder
"Zwei verschiedene Raumpunkte P1 und P2 in zwei verschiedenen Inertialsystemen, die sich relativ gegeneinander bewegen. In diesem Falle läßt sich Gleichzeitigkeit nicht widerspruchslos definieren. Je nachdem, von welchem Inertialsystem aus der Beobachter das Ereignis betrachtet, findet es zuerst in P1 oder zuerst in P2 statt.“
H. Breuer: dtv-Atlas zur Physik. Bd. 2. 4. Aufl. München 1996, S. 347
Oder
„Bei geeigneter Wahl der Beobachtergeschwindigkeit können in solchen Fällen Ereignisse der „Zukunft“ vor den Ereignissen der „Vergangenheit“ ablaufen.“
J. Orear: Programmiertes Übungsbuch zu den Grundlagen der modernen Physik. 1975. S. 181.
Zitiert aus der Dokumentation der Forschungsgruppe G.O. Mueller
Über die absolute Größe der Speziellen Relativitätstheorie -
Kap. 3 - Das Relativitätsmärchen und die Fakten
http://www.ekkehard-friebe.de/kap3.pdf
Warum sinnvolle Konventionen und ein funktionierendes Messeinheitssystem ohne Notwendigkeit abschaffen und dabei ein völliges Meß- und Gedanken-Chaos seit 100 Jahren veranstalten? :-(((
Viele Grüße
Jocelyne Lopez
Sie fragen: „Wie sehen Sie persönlich den Weg dahin? Halten Sie die etablierte Physik überhaupt für fähig lange tradierte Fehler zuzugeben und die notwendigen Korrekturen in Lehre und Forschung zu veranlassen?“
Nun, wenn Ihnen meine Antwort resignativ erscheint, so mögen Sie diese Haltung auf mein Lebensalter schieben und vergessen. Ich glaube aber nicht, dass es Resignation ist, sondern eher Einsicht in das mit vernünftigen Mitteln Erreichbare und Wünschbare. Man darf sich hier die Machtergreifung von Diktatoren ja nicht zum Vorbild nehmen.
Die größte Gefahr sehe ich eigentlich darin, wenn von amtlicher Stelle vorgeschrieben werden soll, was ein richtiges, und was ein falsches wissenschaftliches System sein soll. Erfahrungen aus diktatorischen Zeiten, nicht nur in Deutschland, können da doch nur als abschreckende Beispiele dienen. Wenn es nach den Kreationisten ginge, würde alle Evolutionstheorie verschwinden. Egal wie man zur Evolution stehen mag, gut wäre das aus meiner Sicht nicht. Diese Vorschriften von oben her werden auch nicht so ausfallen, wie die eine oder andere Seite sich das wünscht, werden aber mit Sicherheit zur Frustration der Wissenschaftler und zum Tod der Wissenschaft führen, und sei es nur durch innere oder äußere Emigration.
Menschen mit einer abgeschlossenen Ausbildung in Physik sind hochintelligente Personen.
Das hat nichts damit zu tun, ob sie diese oder jene Theorie akzeptieren oder ablehnen. Man kann also nicht davon ausgehen, dass man sie mit Verstandesargumenten überraschen kann, denen sich alle dann beugen müssen. Sie durchschauen sehr schnell, worauf man hinaus will und finden leicht Gegenargumente. In der Physik geht es ja nicht um die Frage, ob 2 und 2 richtig addiert wurden, das manchmal auch, vor allem aber auch um die Frage der Weltsicht. Und wie man Beobachtungen interpretiert. Da kann man sich zwar gegenseitig Phantasterei oder naiven Realismus vorhalten, das hilft aber nicht bei Beantwortung der Frage, wie man denn generell Physik (als Grundalgenforschung) betreiben sollte. Darauf gibt es keine Antwort. Die eine Person wird es auf die handfestere Art tun, die andere auf die, sagen wir, phantasievollere, je nach Veranlagung.
Ich selbst habe mich z.B. von Jugend an immer für Naturwissenschaften und auch und besonders für Relativitätstheorie interessiert und kann mich noch gut entsinnen, meinen Vater als engstirnig bezeichnet und angesehen zu haben, wenn er meinen glühenden Tiraden zu den verkürzten Welträumen und verlangsamten Zeiten gegenüber kritisch argumentierte. Heute befinde ich mich selbst in dessen geschmähter Position, sehe Menschen und Welt viel nüchterner und bin froh, dass ich mir meine früheren Reden heute nicht selbst anhören muss. Ich vermute, dass es mir auch nicht gelingen könnte, mich selbst, als jungen Mann, zu meiner heutigen Ansicht zu bekehren. Warum auch?
Wissenschaftssysteme (zur Grundlagenforschung) sind hochkomplex und ihrer Entwicklung nicht berechenbar. Wenn einigermaßen demokratisch geführt, werden sie sich offen entwickeln, mit unbekanntem Ziel, manchmal planvoll, manchmal chaotisch, manchmal erfolgreich, manchmal erfolglos. Das Motivationsspektrum der darin eingebundenen Personen ist unabänderbar vielfältig. Es geht um Selbstverwirklichung, um Unterdrückung, um Ideale, um Hierarchien, um Deutungshoheit, um Ringen nach der Wahrheit, um Karrieren, um Anerkennung, um Fördermittel, um Planstellen und viel andere Faktoren. Natürlich wird dabei auch mit zum Teil faulen Tricks gearbeitet, aber das ist in allen anderen menschlichen Bereichen auch so. Versuchen sie mal bestimmte Synthesevorschriften in der chemischen Literatur nachzuvollziehen. Sie würden finden, dass es nicht geht. Die falsche Fährte wurde mit Absicht so gelegt. Ich meine, dass man Wissenschaftssysteme, will man sie nicht wirkungslos machen, sich selbst mit weitem Spielraum überlassen muss. Akademische Freiheit eben. Daneben gibt es ja genügend Entwicklungsgruppen, die vordefinierte Ziele ansteuern sollen und sich mit Lenkungsausschüssen herumplagen müssen. Dafür ist ja auch gesorgt. Was ist also mein Fazit? Freiheit der Wissenschaft.
@Herrig
„Jahrhundertheorien“ gehören –der Name sagt es schon- sozusagen zum Weltkulturerbe und stehen unter Denkmalschutz. Wer –es sein denn er ist ohnehin Außenseiter- daran massive Kritik vorbrächte, sähe seine Karriere schnell beendet. Es wäre für den Betreffenden weniger schädlich, lauthals etwa den Abriss des Kölner Doms zu fordern.
Ihre Kenntnis über den Wissenschaftsbetrieb, aktuell und historisch, ist suboptimal. Nach der Lektüre Ihrer Briefesammlung komme ich ungeniert zu dem Schluß, dass Sie zu nichts anderem fähig sind, als die, sagen wir mal, emotional geschürten Außenseiterlegenden um die modernen Physiker nachzustellen. Unter der Verkleidung mit zahllosen bibliophilen Anekdoten scheint dennoch das hässliche Bild tumber Stichwortgeber hervor, die sich seit Jahrzehnten an Einstein & Co. reiben und erfolglos abarbeiten.
Für das Blogportal von Spektrum der Wissenschaft sind Ihre Auslassungen mit Sicherheit kein Gewinn. Wer hat Sie hier in der Funktion als Bock zum Gärtner überhaupt zugelassen?
Beste Grüße aus Berlin
Max Feierabend
Lieber Herr Feierabend,
das dürfen wir alles nicht so verbissen sehen - das Blog ist doch ganz unterhaltsam, psychologisch lehrreich, und richtet - bei diesem unstrittigen Themengebiet - keinen Schaden an.
Ich freue mich jedenfalls schon auf die Briefe, in denen Licht müde wird, Einstein seine Feldgleichungen von Hilbert abschreibt (der bekanntlich Tische und Bierseidel nicht von Punkten und Geraden unterscheiden konnte, was vermutlich die Verzwicktheiten der Lorentz-Kontraktion erklärt) und Pulsare sich als Signale von LGMs herausstellen. Und vielleicht klärt sich sogar die Rolle auf, die Lindemann bei all dem spielt ;-)
.. der ist hier:
DOI: 10.1007/BF00715074
... Zugang leider nur mit Bibliotheks-Lizenz.
@ Dr. Wolfgang Herrig
Sie schreiben: “Was ist also mein Fazit? Freiheit der Wissenschaft.“
Wenn in einer Gesellschaft so etwas festgestellt werden kann:
“„Jahrhundertheorien“ gehören –der Name sagt es schon- sozusagen zum Weltkulturerbe und stehen unter Denkmalschutz. Wer –es sein denn er ist ohnehin Außenseiter- daran massive Kritik vorbrächte, sähe seine Karriere schnell beendet. Es wäre für den Betreffenden weniger schädlich, lauthals etwa den Abriss des Kölner Doms zu fordern“
dann ist sowieso die Freiheit im Eimer. In diesem Sinne leisten Kritiker der Relativitätstheorie nicht nur einen wertvollen Beitrag zum wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt, sondern sind sie auch Freiheitskämpfer. :-)
Ich gratuliere Sie, lieber Herr Dr. Herrig, für die Briefe aus Ihrer Mühle.
Herzliche Grüße
Jocelyne Lopez
"Ich versteh das alles nicht also muss es falsch sein"
@Stefan: Ich kann das leider nicht so gelassen sehen wie Du. Zweifelsohne kämpft Herr Herrig gegen Windmühlen, doch einem außenstehenden Leser muss das nicht unbedingt so erscheinen. Solch ein Leser könnte wirklich glauben, hier läge ein Problem vor.
Die Antworten von kamenin sind in der Tat erfrischend und lehrreich, doch ich muss mich der Frage von Max Feierabend anschließen: Wie kann es sein, dass sich hier jemand so ausbreiten darf, der offensichtlich keine Ahnung vom Thema hat?
Liebe Jocelyne Lopez,
natürlich wäre es (vielleicht) schön, wenn alle Menschen so wären, wie man es in verklärten Wunschzetteln liest: tolerant, friedlich, voller Achtung -wenn schon nicht Liebe- für den Anderen etc. Vielleicht wäre es aber auch das Ende der Spezies. Wie dem auch sei, das bleibt spekulativ. Tatsche ist, dass der Kampf um Deutungshoheit in weltanschaulichen Systemen generell auch mit den Mitteln der Unterdrückung geführt wird.
Soweit ich weiß, haben im Mai 2004 zahlreiche Wissenschaftler aus aller Welt einen „Open Letter to the Scientific Community“ unterschrieben, in dem Chancengleichheit und Toleranz in der wissenschaftlichen Welt eingefordert wurden. Es wurde nicht nur der aggressive und denunziatorische Stil der öffentlichen Auseinandersetzung angeklagt, sondern auch die Einseitigkeit der öffentlichen Berichterstattung, die Zuteilung von Forschungsmitteln nach Wohlverhalten usw. Ich weiß nicht, ob diese Mahnung irgendetwas bewirkt hat, bin da aber sehr skeptisch.
Geoffrey Burbidge soll schon vorher einen Artikel in „Sky&Telescope“ veröffentlicht haben, in dem er beschrieb, wie sein Fachkollege Halton Arp in der „Association of Astronomy Professionals“ von Rang 20 auf Rang 200 zurückgestuft worden sei. Als er sich immer noch nicht zu dem Dogma bekennen wollte, dass die Rotverschiebung durch Expansion des Universums verursacht werde, ging es zügig weiter bergab. Das „Telescope Allocation Commttee“ gewährte ihm keine Teleskopzeit mehr, und Arp sah sich gezwungen an das Max Planck Institut in Garching zu wechseln. Wie weit er mit seinen ketzerischen Ansichten dort überhaupt reussiert, kann ich nicht beurteilen. Er muss wohl froh sein, überhaupt ein Asyl gefunden zu haben. Wenn das an Galilei erinnert, so ist es kein Zufall. Mag sein, dass Arp in fernerer Zukunft als großer Visionär und Vorkämpfer gelten wird, vielleicht bleibt er verspotteter oder missachteter Abweichler. Vorhersagbar ist das nicht. Mit großer Anerkennung braucht er zu Lebzeiten nicht mehr zu rechnen. Das kann später aber von Vorteil sein. Verfolgung und Leid sind Vorbedingungen zum unsterblichen Ruhm. Den einhundertsten Nobelpreisträger in Physik oder Chemie kennt nur ein winziger Kreis, Galilei kennen fast alle. Nicht wegen der Jupitermonde, sondern wegen seiner Auflehnung und posthumen Bewährung gegen ein übermächtiges Establishment.
Solche Vorkommnisse finde ich auch abscheulich, und man mag darüber verzweifeln. Es ist aber so. An dem Charakter der Menschen hat sich, soweit ich erkennen kann, seit Galileis Zeiten, wenn überhaupt, nur wenig geändert. Ich bin dankbar, den bisherigen Teil meines Lebens in einem Staat zugebracht zu haben, der die Meinungsfreiheit garantiert und in dem die Würde des Menschen als unantastbares Gut festgelegt ist. Das kann einem Arp und vielen anderen nicht zur Anerkennung verhelfen, auch nicht vor Beleidigungen bewahren, erspart ihm aber immerhin Hausarrest, Rede- und Publikationsverbot oder Schlimmeres. Man braucht vielleicht ein gewisses Alter, um so richtig anzuerkennen, wie viel Segen auch das schon ist.
“Mal eine einfache Frage: gäbe es irgendein Experiment, dass Sie davon überzeugen würde, dass die relativistischen Effekte echt sind? Möglichst etwas unterhalb der Polymersynthese? Oder gälte dann immer noch das Primat Ihres Erkenntnismodells, dass Längen konstante Längen sind, weil wir das so wahrnehmen?“
Dass die relativistischen Effekte nicht „echt“ sind und dass ein bewegtes Objekt die ganze Zeit seine konstante materielle Länge beibehält (seine materielle Ruhelänge) hat nun mal die Max Planck Gesellschaft für Gravitationsphysik / Albert Einstein Institut 2008 eindeutig geklärt, über die Vermittlung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, siehe:
E-Mail vom Bundesministerium für Bildung und Forschung - Mai 2007:
http://www.jocelyne-lopez.de/...an-jocelyne-lopez/
“Die Beurteilung von Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung obliegt den Fachleuten und entsprechenden wissenschaftlichen Institutionen. Im Falle der Relativitätstheorie wäre dies z. B. das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik / Einstein-Institut in Potsdam-Golm.“ (Prof. Dr. Jürgen Richter)
E-Mail von Dr. Markus Pössel vom MPG/AEI – August 2008:
http://www.jocelyne-lopez.de/...ssel-vom-17190808/
"Die Laengenkontraktion geht nicht mit materiellen Veraenderungen des Koerpers einher;"
Eine Längekontraktion von bewegten Objekten gibt es also in der Natur nicht. Es ist amtlich. ;-)
Viele Grüße
Jocelyne Lopez
Lieber Wolfgang Herrig,
mit einigem Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, dass keiner der hier Kommentierenden Ihre feine Ironie, Ihre subtile und lustige Kritik and den Kritikern der RT erkennt.
"Wie finden Sie das Wort "finden"", "Was ist mit "erscheint" gemeint". Herrlich!
Insbesondere Kollege "kamelot" scheint sich ja argumentativ auf Ihren humoristischen Beitrag einlassen zu wollen. Er erkennt Ihren fast schon dadaistischen Ansatz nicht.
Ich gratuliere Ihnen jedenfalls zu diesem gelungenen Stück. Bravo! Da capo!
@Herring: Kommt jetzt hier tatsächlich auch noch die Geschichte vom armen unterdrückten Arp, der sich den bösen Dogmen der Astronomie nicht beugen will?
Langsam wirds echt lächerlich...
Wenn Arps Theorie überzeugen würde, dann wäre sie auch anerkannt. Sie ist aber nicht überzeugend, also ist sie es nicht. Das gerade die Kosmologen keine Probleme damit haben, außergewöhnliche, ungewöhnliche und Außenseitertheorien zu untersuchen sollte jedem offensichtlich sein, der sich mit dem Fachgbiet beschäftigt. Aber ich versteh schon, das ein unterdrücktes Genie spannender ist...
Sehr geehrter Herr Sommer,
vielen Dank für Ihre ausführlichen Anmerkungen, die ich mit großem Interesse gelesen habe. Nicht nur möchte ich mich für Ihre anerkennenden Worte bedanken, sondern auch meinen Respekt ausrücken, dass Sie sich in Ihrem fortgeschrittenen Alter noch eine derartige geistige Beweglichkeit bewahrt haben.
Kommentieren kann ich ihre umfangreiche Darstellung hier nicht. Es wäre ein längerer Briefwechsel bzw. Gedankenaustausch notwendig, um Gemeinsamkeiten oder Diskrepanzen bezüglich Ihrer abschließenden zehn Punkte herauszuschälen.
Was die Belehrung der nachfolgenden Generation angeht, so möchte ich teilweise auf meine Antworten an Frau Lopez verweisen. Anstelle der Vermittlung eines fest gefügten und als sicher dargestellten Weltbilds –gleich welcher Prägung- ist es m.E. wichtiger, den Heranwachsenden den Wunsch nach Gedankenfreiheit und kritisches Denken auch -und gerade- gegenüber Autoritäten nahe zu bringen. Natürlich gilt das auch für die scheinbar überwältigende Autorität von Gedankensystemen. Zwar klatscht das Publikum gerne, wenn der Marquis des Posa ausruft: „Geben Sie Gedankenfreiheit!“ und die meisten Theaterbesucher stimmen überein, dass es genau so sein sollte. Im Prinzip. Aber eben nur im Prinzip.
Herr Herrig:
Wenn Ihnen unser Universum nicht passt, dann suchen Sie sich doch ein anderes.
@Stefan
"das dürfen wir alles nicht so verbissen sehen - das Blog ist doch ganz unterhaltsam, psychologisch lehrreich, und richtet - bei diesem unstrittigen Themengebiet - keinen Schaden an."
Sie haben soweit recht, dass im unübersehbaren Unsinn des Internet ein Unfug mehr oder weniger nicht auffällt. Das Problem ist ein anderes. Wolfgang Herrig kann bis zum Sankt- Nimmerleins-Tag wissenschaftliche Außenseiter herbeibloggen und längst widerlegte Märchen über die Entstehung der Relativitätstheorien ausbreiten. Aber bitte auf einem privaten Blog. Dann halte ich es selbst mit John Stachel.
"Das gebetsmühlenhafte Wiederholen der Vorwürfe gegen den «Plagiator» Einstein ist für ihn Ausdruck des weitverbreiteten «Einstein-Bashing» - und er lässt durchblicken, dass er es leid ist, auf diese Vorwürfe zu reagieren."
http://www.nzz.ch/...ft/articlecyzi2_1.156933.html
Auf den SciLogs kommt Herrig vorgängige Seriosität zu, weile seine Mühlenbriefe auf einem vertrauenswürdigen Blogportal stehen. Diesen Vorschuß hat er aber nicht verdient und längst verspielt, wie man als Wissenschaftler schnell erkennen kann. Als Wissenschaftler, aber nicht unbedingt als Laie. SciLog hat das trojanische Pferd im Logo, mit Herrig haben sich die Betreiber vom Spektrum-Verlag offensichtlich ein solches an Bord geholt.
Mich würde interessieren, wer dafür verantwortlich ist. Wenn ein wissenschaftsorientiertes Infoportal schon jegliche Qualitätssicherung aufgibt, können wir demnächst auch das peer review in den Fachjounalen abschaffen.
Beste Grüße aus Berlin
Max Feierabend
@ Dr. Wolfgang Herrig:
“An dem Charakter der Menschen hat sich, soweit ich erkennen kann, seit Galileis Zeiten, wenn überhaupt, nur wenig geändert. Ich bin dankbar, den bisherigen Teil meines Lebens in einem Staat zugebracht zu haben, der die Meinungsfreiheit garantiert und in dem die Würde des Menschen als unantastbares Gut festgelegt ist.“
Ich bin auch sehr dankbar, in Rechtsstaaten den bisherigen Teil meines Lebens verbracht zu haben (Frankreich + Deutschland). Ich halte die Verfassungen der Rechtstaaten für das Maximum an Demokratie und Recht, die komplexen Gemeinschaften bis jetzt sich ausgedacht und zugelegt haben. Es geht mir um die Umsetzung dieser in der Verfassung verankerten Prinzipien.
Dass meine Meinungsfreiheit von der Verfassung garantiert wird konnte ich bis vor kurzem nicht prüfen, weil ich meine Meinungen in der Öffentlichkeit nie geäußert habe ;-). Wann hat schon ein ganz normaler Bürger die Gelegenheit, seine Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern? Meistens nie in seinem Leben: Die überwiegende Mehrheit der Menschen verbringen ja ihr ganzes Leben, ohne ihre Meinungen zu äußern.
Dass aber eine Gruppe von Menschen nicht geschützt sind, wenn sie ihre Meinungen äußern, habe ich mit den Kritikern der Relativitätstheorie persönlich in der Öffentlichkeit des deutschsprachigen Internets erlebt - und mit mir auch, als ich ihre Argumente überzeugender fand als die Argumente der Relativisten. Der Staat weiß sehr wohl davon, dass die Kritiker der Relativitätstheorie wegen ihre Meinungen in der Gesellschaft diskriminiert, beleidigt, verunglimpft, unterdrückt und verleumdet werden. Der Staat weiß davon spätestens seit dem 14.08.2006, wo die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Dr. Annette Schavan bestätigt hat, dass sie Kenntnisse von der Dokumentation der Forschungsgruppe G.O. Mueller genommen hat, wo ausführlich über diese Missstände berichtet und um Abhilfe gebeten wird.
Der Staat weiß von diesen Missständen gegenüber einer Bevölkerungsgruppe. Er unternimmt aber nichts. Er handelt hier also verfassungswidrig durch Unterlassung gemäß Art. 1 § 1 GG: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.”
Darüber hinaus schreibt das Grundgesetz für die Garantie der Freiheit der Wissenschaft in seinem Artikel 5 § 3 eindeutige Pflichte für den Staat vor, wie zum Beispiel:
• das Gebot der meinungsneutralen Wissenschaftspflege
• das Gebot der Nicht-Identifikation mit einer Theorie
• die meinungsneutrale Wissenschaftspflege und ihre Vermittlung an die nächstfolgende Generation durch Bereitstellung von personellen, finanziellen und organisatorischen Mitteln zu ermöglichen und zu fördern.
Dass der Staat seit Jahrzehnten diese im Grundgesetz vorgeschriebenen Pflichte missachtet ist jedoch nicht zu leugnen (siehe z.B. hier).
Es geht also nicht um die Kritik von Rechtsstaaten, es geht alleine um die Umsetzung der Garantie der Grundrechte, die im der Verfassung verankert sind.
Viele Grüße
Jocelyne Lopez