Alle für einen
"Alle für einen" - dieses Prinzip der Versicherungsbranche, das wir heute als etwas Selbstverständliches erachten, hat zeitlich lange Wurzeln. Es gründet in einem Ehrenkodex, den der babylonische Herrscher Hammurabi um 1750 v. Chr. erlassen hat, und der Textilhändler vor dem finanziellen Ruin schützen sollte: Fortan sollte nach einem Überfall auf eine Karawane der Schaden eines Einzelnen von allen Händlern gemeinsam getragen werden. Deshalb verteilten die Händler ihre Waren auf alle Lasttiere, bevor die Karawane Babylon verließ. Die Händler hatten sich vor dem Aufbruch verpflichtet, den Schaden, den ein Kaufmann durch einen Raub erleidet, gemeinsam zu tragen. Dieses Gegenseitigkeitsprinzip, wonach sich Menschen zusammenschließen, um sich im Notfall gegenseitig zu helfen, wurde im Zweistromland "erfunden" - vom "heilenden Vater" Hammurabi (so der Name in deutscher Übersetzung). Allerdings setzten erst im Spätmittelalter die Bewohner deutscher Stadtviertel das Gegenseitigkeitsprinzip vollends um, als sie Brandgilden gründeten und nach dem Motto "Alle für einen" das finanzielle Risiko des Einzelnen auf die Gemeinschaft aufteilten. Davor war man auf das Ersparte oder die Hilfe von Familie und Nachbarn angewiesen, wenn das Haus abbrannte und die Existenz auf dem Spiel stand. Aus den Brandgilden entwickelten sich immer größere Vereine für Gegenseitigkeit, von denen die Gothaer Feuerversicherungsbank von 1820 noch heute besteht.
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