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Bloggen für die Karriere? Ein Rückblick

02. Mai 2012, 17:29

Schön, dass es dieses Bloggewitter gibt. Das ist eine gute Gelegenheit für einen kurzen persönlichen Rückblick auf die letzten drei ein halb Jahre. So lange bin ich schon „Blogger".

Bloggewitter: Bloggen und Karriere

Es begann alles damit, dass mein Freund und Blogkollege Michael Blume mich im Sommer 2008 gefragt hat, ob ich mir denn vorstellen könnte als Blogger bei den SciLogs anzufangen. Ein eigener Blog? Das konnte ich mir zunächst nicht vorstellen. Zusätzlich zur Doktorarbeit und weiteren Projekten und Verpflichtungen auch noch regelmäßig Beiträge schreiben? Wollte ich das eigentlich? Aber ich schaute mir einige Blogs an und nach kurzer Bedenkzeit entschied ich mich, dem Ganzen eine Chance zu geben.

Für mich war von Anfang an klar, dass mein Blog kein wissenschaftliches Tagebuch darstellen soll. Im Durchschnitt alle vier Wochen ein Artikel, das reicht!

Außerdem habe ich für mich zwei eindeutige Ziele festgelegt: zum einen möchte ich zum Dialog einladen und dabei auf seine Bedeutung und Initiativen aufmerksam machen. Zum anderen – und das ist das Hauptanliegen des Blogs – sollen verschiedene Themen des Islam vorgestellt werden. Es geht also hauptsächlich um Darstellung und Informationsvermittlung.

Am 28.11.2008 habe ich dann mit „Die Flucht nach Abessinien. Das erste Aufeinandertreffen von Christen und Muslimen" den ersten Artikel geschrieben.

Als ich meinen zweiten Artikel „Weihnachten im Islam" online gestellt habe, hätte ich niemals gedacht, dass er so viel Anklang finden und der meistgelesene Artikel meines Blogs sein würde. Mittlerweile hat er über 25.000 Leser gefunden. Zu meiner großen Überraschung wurde er zu einem der besten 15 wissenschaftlichen Artikel des Jahres 2008 gewählt.

Es folgten zwei weitere Texte zum Dialog, ehe ich begann, mich mit anderen Themen auseinanderzusetzen und zu versuchen, Vorurteile abzubauen und auf Fragen, die mir im Alltag öfter begegnen, einzugehen. Was bedeutet z.B. der Begriff „Islam", ist Allah die muslimische Gottheit, wie fasten Muslime, warum pilgert man nach Mekka, wie sieht es in einer Moschee aus oder welche Koranübersetzungen könnte man empfehlen?

Mit verschiedenen Beiträgen aus dem Bereich des islamischen Humors, ist ein bis dato noch wenig erforschtes und kaum verbreitetes Thema Gegenstand meiner Blogartikel geworden. So bietet der Blog auch die Möglichkeit andere Arbeiten einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, so beispielsweise meine SWR-Beiträge zum Islamischen Wort/ Islam in Deutschland oder meinem Band „Muslime in Deutschland", das ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für interkulturelle Kommunikation in Heidelberg verfasst habe.

Bereits zu Beginn meiner „Bloggerkarriere" 2008 war mir bewusst, dass sich mein Bekanntheitsgrad steigern würde, dass der Blog aber in kürzester Zeit zu einem meiner Aushängeschilder werden würde, hatte ich in keinster Weise erwartet. Bei fast jedem öffentlichen Auftritt wird der Blog bei der Vorstellung meiner Person von den Veranstaltern genannt. Ich werde regelmäßig auf den Blog angesprochen und habe vor einigen Wochen ein Interview für eine Studie über muslimische Blogger in Deutschland gegeben.

Mittlerweile sind manche Anfragen für Vorträge und dergleichen eng mit dem Bloggen verbunden. Eine schöne Erfahrung habe ich 2010 gemacht, als mich die Anfrage des Österreichischen jüdischen Museums erreichte, ob ich einen Gastbeitrag zu einer ihrer Veranstaltungsreihen beisteuern könne. Man sei durch den Blog auf mich aufmerksam geworden. So erstellte ich einen kleinen Islam-Knigge.

Das Bloggen hat mir aber auch schnell seine Schattenseiten gezeigt. Gerade wenn es um den Islam geht, wird gerne ausgeteilt und hitzig diskutiert. Leider fehlt oft die konstruktive Kritik, gegen die ich eigentlich nichts einzuwenden hätte. Wenn jemand Kritik am Islam und an Religion im Allgemeinen hat, dann kann er diese auch gerne äußern. Dabei sollte man trotzdem sachlich bleiben und sich nicht im Ton vergreifen. Dann kann auch eine fruchtbare Diskussion entstehen. Immer wieder gibt es allerdings Kommentatoren, die bei jeder Möglichkeit versuchen Ängste zu schüren, aus allem eine Gewaltdebatte machen und mich persönlich attackieren. An Unverschämtheiten und Respektlosigkeit mangelt es hierbei nicht. Dass ich hier wissenschaftlich darstelle und die meisten Informationen, die ich präsentiere auch in wissenschaftlichen Abhandlungen nachzulesen sind, interessiert einige Leser scheinbar überhaupt nicht. Aber damit muss ich und andere Blogkollegen nun mal leben. Mich bekräftigt dies aber darin, dass ich hier gute Arbeit leiste und motiviert mich an meiner Linie festzuhalten.

Wenn ich nun zum Abschluss versuche ein Fazit zu ziehen, dann muss ich als erstes festhalten, dass ich das Bloggen nicht missen möchte. Ich möchte aber auch nicht jeden Tag damit beschäftigt sein. Es ist eine schöne Nebenbeschäftigung, der ich sehr gerne nachgehe, die mich ohne Zweifel etwas vorangebracht hat und mit der ich mich auch identifizieren kann. Ich möchte aber immer versuchen die Dinge realistisch einzuordnen. Der Blog hat in den letzten Jahren zwar meinen Werdegang gefördert, jedoch stellt er nur eine von vielen Qualifikationen dar, die der Karriere förderlich sind.


Im Übrigen ist dies mein fünfzigster Blogartikel, also ein kleines Jubiläum. Und für mich auch eine Gelegenheit mich bei meinen Lesern herzlich zu bedanken. Einen Dank möchte ich auch den Verantwortlichen vom Verlag aussprechen, die uns diese Plattform zur Verfügung stellen.



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Muhammad vor der Berufung Teil I

14. April 2012, 11:45

Der Prophet Muhammad war schon einige Male Gegenstand von Artikeln auf meinem Blog. So wurden insbesondere mit seinem Berufungserlebnis und seiner Auswanderung von Mekka nach Medina zwei wichtige Ereignisse aus seinem Leben vorgestellt.

Für die nächste Zeit habe ich mir vorgenommen, immer wieder einen Beitrag zu schreiben, der Auszüge aus Muhammads Leben oder Facetten seiner Persönlichkeit und seines Wirkens beleuchtet. Bei Gelegenheit werde ich auch auf Quellen eingehen und Sekundärliteratur empfehlen. Es sei hier angemerkt, dass man, was Informationen zur Person und zum Leben des Propheten und zur Frühzeit des Islam betrifft, auf die islamischen Quellen angewiesen ist, auch wenn die dort enthaltenen Berichte manchmal Legendencharakter besitzen.

 

Beginnen möchte ich mit seinem Leben vor seiner Prophetie.

 

Muhammad soll im Jahre 570 n. Chr., das in muslimischen Quellen gerne als das Jahr des Elefanten bezeichnet wird, in Mekka geboren worden sein. Wie Ibn Ishaq in seiner Biographie des Propheten, die im Übrigen das erste biographische Werk über Muhammad ist und etwa ein Jahrhundert nach seinem Ableben verfasst wurde, berichtet, soll seine Mutter Amina während der Geburt eine Eingebung bekommen haben. Demnach habe sie eine Stimme gehört, die ihr verkündete, dass sie „den Herrn dieses Volkes“ empfangen habe, dem sie den Namen Muhammad geben solle. Der Name Muhammad stammt aus der Wortwurzel h-m-d. Das dazugehörige Verb hamida lässt sich mit “loben, preisen“ übersetzen. So bedeutet Muhammad in deutscher Sprache „gepriesen, gelobt, löblich“ oder laut dem Islamwissenschaftler Hartmut Bobzin „der Hochgepriesene, bzw. „einer, der hoch gepriesen wird“. Man darf aber nicht annehmen, dass es sich dabei um einen expliziten Titel für den Propheten handelte, da der Name schon im vorislamischen Arabien bekannt war.

Seinen Vater Abdallah soll Muhammad nie gesehen haben, da dieser kurz nach der Empfängnis starb. Amina, die eine Adelstochter aus der Sippe Zuhra des Stammes Quraish war, dem die Bevölkerung Mekkas angehörte, starb ebenfalls sehr früh. Muhammad soll seit seinem sechsten Lebensjahr Vollwaise gewesen sein.

Die folgenden zwei Jahre sollte Muhammad bei Abdalmuttalib, seinem Großvater väterlicherseits, verbringen. Schließlich kam er nach dem Tod des Großvaters in die Obhut Abu Talibs, einem seiner insgesamt neun Oheime. Abu Talib stand, wie die Quellen uns berichten, bis zu seinem Tod im Jahre 619 stets auf der Seite seines Neffen. Zwei seiner Söhne Ali und Ga´far gehörten zu den ersten, die an Muhammads Mission geglaubt haben.

Eine der interessantesten Geschichten aus den jungen Jahren Muhammads ist seine Begegnung mit dem Mönch Bahira, als er die Karawane seines Onkels nach Syrien begleitete. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Mekkaner zwei Haupteinnahmequellen hatten: einerseits die Pilgerfahrtssaison, in der hauptsächlich aus der Arabischen Halbinsel kommende Pilger die Kaaba zu Ehren der über 300 Götter, deren Standbilder überwiegend dort aufgestellt waren, besuchten und andererseits der Karawanenhandel mit Syrien im Süden und dem Jemen im Norden. Die Handelsbeziehungen der Mekkaner reichten sogar bis nach Äthiopien.

Jener Mönch soll im syrischen Bosra in einer Klause gelebt haben und mit den heiligen Schriften der Christen gut vertraut gewesen sein. Bisher hatte er den Karawanen aus Mekka keine Beachtung geschenkt, doch dieses Mal hatte er ihnen ein Festmahl hergerichtet, denn er hatte beobachtet, dass eine Wolke der Karawane ständig angenehmen Schatten spendete. Auch als die Karawane in der Nähe eines Baumes gelagert hatte, soll diese Wolke sich über dem Baum ausgebreitet haben und die Zweige des Baumes sollen sich in derart über die dort Rastenden gebogen haben, dass sie sich unter ihnen abkühlen konnten. Aus diesen Zeichen schloss Bahira, dass unter ihnen ein Prophet sein müsse. Als der Mönch schließlich die Gäste zum Essen empfing, erschienen sie alle außer Muhammad, der das Gepäck beaufsichtigen sollte. Bahira bestand aber darauf, dass alle an dem Mahl teilnehmen sollten und so ließ man Muhammad kommen. Daraufhin begann er, Muhammad eindringlich zu beobachten und nach Merkmalen zu suchen, die auf seine Prophetie hinwiesen. Im Gespräch, das zwischen den beiden stattgefunden haben soll, seien Bahira alle prophetischen Merkmale aufgefallen, die er aus seinen heiligen Schriften kannte. Als abschließenden Beweis fand er zwischen den Schultern Muhammads das Siegel der Prophetie, bei dem es sich um eine Art kreisförmiges Muttermal gehandelt haben soll.

Bahira suchte daraufhin Abu Talib auf und ermahnte ihn, gut auf seinen Neffen aufzupassen und prophezeite ihm, dass dieser eines Tages von großer Bedeutung sein würde.

Die Kernaussage dieses Berichts ist sehr deutlich. Muhammads Erscheinen soll schon durch die heiligen Schriften der Christenheit verkündet worden sein. Auf diese Aussage stößt man in den islamischen Quellen und im Koran selbst immer wieder. Jesus selbst soll nach koranischer Darstellung das Kommen Muhammads vorausgesagt haben. Dieses Thema ist zu komplex, als dass es hier nur kurz angerissen werden könnte. Deshalb gerne mehr dazu bei Gelegenheit in einem eigenen Beitrag.

An dieser Stelle sollte aber noch ein Auszug aus Ibn Ishaqs Beschreibung des Charakters von Muhammad angeführt werden:

„Und Muhammad wuchs heran – wobei Gott ihn behütete und beschützte und ihn vor der Unreinheit des Heidentums bewahrte, da Er ihn ehren und mit der Prophetenschaft auszeichnen wollte -, bis er das Mannesalter erreichte und in seinem Volke der Tugendhafteste war, der Beste und Edelste, der Hilfsbereiteste und Sanftmütigste, der Aufrichtigste und Treuste und am weitesten entfernt von Zuchtlosigkeit und schlechtem Charakter. Bald nannte man ihn wegen all der guten Eigenschaften, die Gott in ihm vereinigt hatte, nur noch Amin, den ‚Treuen‘.“ (Rotter, S. 38)

Muhammad werden hier also schon für die Zeit vor seiner Berufung zum Propheten die edelsten Charaktereigenschaften zugeschrieben und es wird betont, dass er auch schon zu jener Zeit die Götzenverehrung ablehnte. Diese beiden Punkte bilden nach muslimischem Verständnis einen wichtigen Teil der Kernbotschaft Muhammads.

Im nächsten Beitrag soll es um die Eheschließung Muhammads mit Khadidja und seinen Beitrag zur Lösung des Konfliktes um den Wiederaufbau der Kaaba gehen.

 

Literatur:

-          Bobzin, Hartmut: Mohammed. München 2002. (2. Aufl.)

-          Rotter, Gernot (aus dem Arabischen übertragen und bearbeitet): Ibn Ishaq. Das Leben des Propheten. Kandern 1999.

 



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Neues vom Islamischen Wort

03. März 2012, 16:56

Heute möchte ich nicht nur auf meinen aktuellen SWR-Beitrag zum Thema „Die guten Charaktereigenschaften“ hinweisen, sondern bei der Gelegenheit in aller Kürze auf einige Veränderungen hinsichtlich des Islamischen Wortes aufmerksam machen.

Bisher sind die Beiträge nur im Internet zu lesen und zu hören gewesen. Seit Februar werden sie aber auch im Radio, auf dem neu gegründeten Sender SWR-Info unter dem neuen Namen „Islam in Deutschland“ gesendet. Der Sendetermin ist jeweils an jedem ersten Freitag im Monat um 14.37 Uhr mit einer Wiederholung am Nachmittag um 17.37 Uhr.

Alle Beiträge werden nach wie vor auch im Internet für einen Monat online gestellt und sind danach im Archiv abrufbar. Thematisch und stilistisch verändert sich kaum etwas, die Beiträge werden in Zukunft nur etwas kürzer als sonst sein.

Der SWR hat schon mit dem Projekt des Islamischen Wortes im Internet an sich Neuland in der deutschen Medienlandschaft betreten, als er Muslimen trotz Kritik, die vor allem in der Anfangszeit laut war, eine Stimme gegeben hat. Mit der Sendung der Beiträge im Radio werden Muslime zum ersten Mal in Deutschland im Rundfunk repräsentiert sein.

Den Start hat Emina Corbo-Mesic am 3. Februar mit ihrem ebenfalls sehr empfehlenswerten Beitrag „Der unbekannte Islam“ gemacht.

Veränderungen sind in letzter Zeit ebenfalls im Autorenteam eingetreten. Während die freie Publizistin Hilal Sezgin und der Bundesreferatsleiter für interreligiöse und interkulturelle Zusammenarbeit bei der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) Bekir Alboga nach vier Jahren ihr Mitwirken beendet haben, gehört die Lehrerin für Islamkunde in deutscher Sprache, Autorin und Publizistin Lamya Kaddor seit dem letzten Sommer zum vierköpfigen Team, das vom Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime Aiman Mazyek und mir komplettiert wird.

Das erste Islamische Wort ist im April 2007 erschienen. Somit jährt sich der Beginn im nächsten Monat zum fünften Mal. Ob jemand von den Machern und Sprechern damit gerechnet hat, dass es die Sendung nach fünf Jahren weiterhin geben wird und nun unter neuem Namen ins Radio kommt, kann ich nicht beurteilen. Allerdings glaube ich, dass diese Sendung eine Bereicherung für unsere pluralistische Gesellschaft ist. Und das behaupte ich nicht nur, weil ich die Ehre habe zu der Autorenschaft zu zählen. Das Thema Islam und Muslime wird hierzulande sehr kontrovers und nicht immer sachlich diskutiert. Muslime haben oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Daher ist es gut, dass der SWR einigen Vertretern die Möglichkeit gibt, mit stereotypischen Bildern aufzuräumen und einen Beitrag zum besseren Verständnis des Islam und zum friedlichen Miteinander zu leisten.

Die aktuelle Islam-Studie für Deutschland hat gezeigt, dass es noch viel zu tun gibt. Im Umgang mit den Ergebnissen sollte das ein oder andere Medium seine Haltung überdenken und mehr Verantwortungsbewusstsein zeigen.



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Die humorvolle Seite der Geschichtschreibung

14. Januar 2012, 12:08

In meinem Studium der Islamwissenschaft habe ich den Schwerpunkt auf islamische Geschichte gelegt und mich mit besonders mit der Entstehung und dem Zerfall von Dynastien, bedeutenden Ereignissen und Persönlichkeiten beschäftigt. Dabei war die Auseinandersetzung vor allem mit den historischen arabischen Quellen vonnöten.
Die Geschichtsschreibung hat zunächst den Auftrag, Fakten zu vermitteln, doch auch die islamische Geschichtsschreibung hat ihre humorvollen Seiten. So gibt es Quellen, die nicht nur Fakten bieten und Ereignisse darstellen, sondern auch das Privatleben der Herrscher, deren Alltag und deren Umgang mit religiösen Vorschriften anhand von Anekdoten zu beleuchten versuchen. Zu nennen ist hier der irakische Historiker Ibn at-Tiqtaqa, der 1302 ein Buch verfasste, in dem Biographien von Kalifen und Wesiren größtenteils in der Form von Anekdoten geschildert werden.
Über das Verhalten des einen oder anderen Herrschers kann man zu Recht staunen und man wird feststellen, dass so manch einer in seinen Scherzen gerne mal übertrieben hat.

Das wahrscheinlich beste Beispiel ist der Kalif al-Amin (reg. 809-813) aus der Dynastie der Abbasiden, den ich gerne auch als „Clown unter den Kalifen“ bezeichne. Mit diesem Kalifen habe ich mich während meiner Magisterarbeit intensiv beschäftigt, die vom Bürgerkrieg, den er sich mit seinem Halbbruder al-Ma`mun (reg. 813-833) lieferte, handelt.
Al-Amin ist der Sohn und Thronfolger des großen Harun ar-Rashid, der uns hierzulande meist aus den Märchen aus 1001 Nacht bekannt ist. Al-Amin, der vier Jahre lang den Titel „Herrscher der Gläubigen“ trug, wird uns als Chaot sondergleichen vorgestellt, der ein großer Liebhaber von Spielereien und Späßen gewesen sein soll, die gerne auch mal das Maß des Anstands und des Respekts seinen Mitmenschen und seinen Bediensteten gegenüber überschritten.
Dies belegt folgende Geschichte:

Eines Tages spielte al-Amin mit seinem Wesir al-Fadl b .ar-Rabi´ Backgammon, und sie wetteten um ihre Siegelstempel. Al-Amin gewann, nahm den Stempel, holte auf der Stelle einen Schmied, ließ unter der Aufschrift „al-Fadl b .ar-Rabi´ yunkahu“ (ungefähre Übersetzung: ‚mit ihm wird der Beischlaf im homosexuellen Sinne vollzogen‘) eingravieren und gab al-Fadl den Stempel zurück, ohne dass dieser die Veränderung bemerkte. Einige Tage später fragte ihn al-Amin, was denn auf seinem Stempel stehen würde. Al-Fadl antwortete: ,,Mein Name und der Name meines Vaters“. Da nahm al-Amin den Stempel und fragte: ,,Was steht denn unter deinem Namen geschrieben?“ Da las al-Fadl was geschrieben war, wurde wütend und sagte unter anderem: ,,Ich stemple schon seit einigen Tagen die Staatsbriefe mit dieser Aufschrift ab und sende sie in alle Gegenden der islamischen Welt! Dies ist bei Gott der Untergang der Herrschaft, du wirst keinen Erfolg haben und wir mit dir auch nicht.“

Um das zu vergleichen, muss man sich also folgende Situation vorstellen: Angela Merkel spielt mit Außenminister Westerwelle „Mensch ärgere dich nicht“ und manipuliert dann seinen Stempel mit so einer Aufschrift ohne dass er es bemerkt; und Westerwelle schickt dann einen Brief mit diesem Stempelaufdruck an die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton.

Um das Bild dieses Kalifen zu vervollständigen, sei noch der letzte Satz von Ibn al-Athir (gest. 1233), einer der seriösesten Quellen in der Beschreibung al-Amins, erwähnt. Dort heißt es:
„Wir finden in seinem Lebenslauf nichts, was seine Erwähnung schön macht an Verstand, Gerechtigkeit oder Erfahrung, damit wir es erwähnen- und dieses Maß genügt.“
Der Wissenschaftler Phillip K. Hitti kommentiert diese Aussage als „eine passende Grabinschrift“.

Diese Aussage des Ibn al-Athir ist durchaus ernst gemeint und ernst formuliert; bei dem Leser kann so eine Aussage über einen Kalifen, also einer Persönlichkeit der islamischen Geschichte, sowohl ein Kopfschütteln als auch ein Lachen auslösen.

Nun muss man natürlich mit solchen Überlieferungen vorsichtig sein; ob es diese Geschichten wirklich gab oder ob das alles nur nachträgliche Erfindungen sind, ist strittig. Auffällig ist aber, dass in der Darstellung al-Amins auch seriöse Quellen wie at-Tabari (gest. 923) oder Ibn al-Athir solche Anekdoten einbringen, was sie z.B. bei seinem Bruder al-Ma`mun kaum bzw. nicht in demselben Maße tun. Immerhin zählt al-Ma`mun zu den herausragendsten Kalifen, deren Herrschaftszeit als goldenes Zeitalter islamischer Herrschaft gilt.

Nun ist al-Amin nicht der einzige unter den Kalifen und Herrschern, der uns solche Geschichten bieten kann. Es gibt viele lustige Anekdoten, die mittlerweile auch schon in Büchern zusammengefasst wurden.
Das Buch „Von Kalifen, Spaßmachern und klugen Haremsdamen“, in dem Geschichten aus arabischen Quellen von Max Weisweiler gesammelt und übersetzt sind, bietet uns einen humorvollen Einblick in das Leben einiger muslimischer Herrscher.
Berichtet wird hier unter anderem über falsche Propheten, die zur Zeit des Kalifen al-Ma`mun auftraten, Zechgelage einiger Herrscher oder aber auch Geschichten von Richtern und Gesetzeslehrern. Hierbei wird des Öfteren auf religiöse Elemente zurückgegriffen.

Eine Anekdote aus diesem Buch heißt „Das fromme Dach“ und hängt mit dem muslimischen Gebet zusammen.
- Während der Ritualgebete loben Muslime Gott den Erhabenen und werfen sich unter anderem auch vor ihm nieder.

Hier die Anekdote:

< Ein Gesetzeslehrer wohnte einmal in einem Hause, dessen Dach beständig in allen Fugen  knackte. Als der Hausbesitzer eines Tages kam, um die Miete einzuziehen, und der Gesetzeslehrer ihn bat, das Dach in Ordnung bringen zu lassen, weil es knackte, erwiderte er: „Keine Angst! Es knackt nur zum Lobe des Gottes, des Erhabenen.“
Da gab ihm der Gesetzeslehrer zur Antwort: „Ich fürchte, dass es am Ende so baufällig wird, dass es sich sogar aus Ehrfurcht vor Gott niederwirft!“ >

Wenn man sich also intensiv mit der Literatur zur islamischen Geschichte auseinandersetzt, dann wird man auch auf amüsante Stellen stoßen und man wird feststellen, dass die Religion immer wieder zum Gegenstand des Humors gemacht wurde.
Das Beispiel des Kalifen al-Amin macht deutlich, dass auch Herrscher Tabus gebrochen haben und die von Muhammad angeordnete Regel, auch im Spaß weder zu lügen, noch zu übertreiben, ignoriert haben:



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Keine Alternative zum Dialog

06. November 2011, 15:37

„Keine Alternative zum Dialog“, so heißt mein aktueller Beitrag für das Islamische Wort, der seit Freitag online gestellt ist. Dieser Beitrag hat eine kleine Hintergrundgeschichte. Die ersten drei Oktoberwochen war ich zunächst in Kairo und danach im Libanon. Besonders der Aufenthalt in Kairo war sehr spannend und für mich sehr wichtig, weil ich dort vier Interviews für meine Doktorarbeit zum Thema „Der Christlich-islamische Dialog der Azhar Universität“ geführt habe. Zu meinen Gesprächspartnern zählten der offizielle Dialogbeauftragte und der einstige stellvertretende Vorsitzende der Kommission für interreligiösen Dialog der Azhar. Diese beiden Gespräche führte ich am 9. Oktober. » weiter

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Islamic Banking (Teil III) Islamische Finanztechniken als wirtschaftsfördernde Instrumente?

30. September 2011, 22:45

In Teil I und II haben wir uns mit dem riba- bzw. Zinsverbot als Grundlage für die Etablierung eines islamischen zinsfreien Banksystems auseinandergesetzt. Dieser letzte Teil verfolgt das Ziel, die wichtigsten islamischen Finanzinstrumente darzustellen, welche in den Augen der Theoretiker des Islamic Banking als Ersatz für die konventionellen Zinsgeschäfte gelten und eine entscheidende Rolle bei der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung innerhalb islamischer Gesellschaften spielen sollen. Es handelt sich hierbei um mudaraba, muscharaka und murabaha.
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Die Moschee

21. September 2011, 13:05

In den letzten Jahren hat es um den Bau von Moscheen in Deutschland und anderen europäischen Ländern immer wieder Konflikte gegeben. Widerstand gab es erstmals in den neunziger Jahren in Mannheim, der jedoch durch einen konstruktiven Dialog gebrochen wurde. In Mannheim steht nun die Moschee gegenüber einer Kirche. Einen heftigen Konflikt gab es vor einigen Jahren auch in Köln, wo eine Bürgerbewegung Demonstrationen organisierte und einen Anti-Islamisierungs-Kongress plante. Dieser Kongress scheiterte an den Gegeninitiativen von vielen Kölner Bürgern. Es ist davon auszugehen, dass solche Moscheebaukonflikte sich in naher Zukunft wiederholen werden.

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Rede zum 11. September

11. September 2011, 23:27

Vor wenigen Stunden fand in der Tübinger Stiftskirche eine Gedenkstunde für die Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 und deren Folgen statt. Zu diesem Anlass wurde ich eingeladen eine kurze Rede zu den Folgen des 11. Septembers für den arabischen Blick auf die westliche Welt zu halten. Meine kurze politische Analyse habe ich mit einem Apell zum Dialog verbunden, den ich schon in ähnlicher Weise in meiner Botschaft zum Ramadan geäußert habe.

Hier ist die Rede:

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Muslime in Deutschland. Geschichte - Gegenwart - Chancen

30. August 2011, 12:17

„Rund vier Millionen Muslime leben in Deutschland. Damit bilden sie nach den beiden christlichen Kirchen die drittgrößte Glaubensgemeinschaft. Viele Muslime sind hier geboren und aufgewachsen, andere leben schon seit Jahrzenten hier und sind aus der deutschen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Dennoch gelten der Islam und seine Anhänger immer noch als fremd und unbekannt.“ » weiter

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Islamic Banking (Teil II) - Zinsverbot aus islamischer Sicht - Gastbeitrag von Abdelaali El Maghraoui

23. August 2011, 13:56

Im ersten Teil meines Artikels haben wir bereits eine Form von riba kennengelernt, die der Mehrheit der Korankommentatoren zufolge in der vorislamischen Zeit vorgeherrscht haben soll und auf die sich das koranische Verbot direkt bezogen haben soll.

Es wird allerdings in der klassischen Literatur noch eine weitere Form von riba erwähnt, welche die Araber in der vorislamischen Zeit praktizierten. Diese ist in den Korankommentaren von al-Gassas (gest. 980) und ar-Razi (gest. 1210) zu finden.
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