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Dialog als Chance

von Hussein Hamdan, 12. Januar 2009, 23:58

Der Arabisch- Amerikanische Dialog: Beispiel einer gelungenen Initiative

Spätestens seit den Anschlägen auf das World Trade Center ist der Dialog zwischen Kulturen und Religionen so wichtig geworden wie vielleicht noch nie zuvor. Daher wurde im Frühjahr 2004 in Tübingen das vermutlich deutschlandweit einmalige Projekt eines Arabisch-Amerikanischen Dialogs ins Leben gerufen. Auf Anregung einer amerikanischen Sprachlehrerin am Deutsch-Amerikanischen Institut (d.a.i.) ergriff die Leitung des Instituts die Initiative und stieß beim damaligen Vorsitzenden des Vereins Arabischer Studenten und Akademiker- Tübingen (VASAT) auf große Begeisterung. Dieser Verein wurde 2001 von einer Reihe arabischer und arabischstämmiger Studenten und Akademiker mit dem Hauptziel gegründet, über die verschiedenen Facetten der arabischen Kultur aufzuklären und Vorurteile abzubauen.

Mit dem Ziel eine Annäherung zwischen Arabern, Amerikanern, Deutschen und anderen zu erreichen, laden beide Kooperationspartner seit Mai 2004 einmal monatlich zu einem Dialogabend ein. Die Leitung und Vorbereitung des Dialogs obliegt einem Moderationsteam, das sich aus einem Vertreter der amerikanischen und einem der arabischen Seite zusammensetzt.

Die ersten drei Dialoge waren sehr gut besucht, aber von Vorurteilen, Skepsis und Misstrauen geprägt. Erregt machte jede Seite der anderen schwere Vorwürfe und Anschuldigungen; friedliche Stimmen waren nur selten zu hören.

Mit der Zeit sollte sich dies aber ändern. Es entstand die Überzeugung, dass ein stärkerer Prozess des Kennenlernens notwendig war, um insbesondere Vorurteile, die meist auf Unkenntnis basierten, zu beseitigen. Daher wurde für einige Zeit jeder Dialog mit einer Einführung zu einem ausgewählten politischen, kulturellen oder religiösen Thema begonnen und in einer anschließenden Diskussion darüber vertieft.

Außerdem wurde ein Brunch veranstaltet, zu dem die Besucher angehalten waren eine Spezialität ihres Landes mitzubringen und vorzustellen. Beim gemeinsamen Essen saßen Vertreter unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen an einem Tisch und konnten sich in einer entspannten Atmosphäre kennenlernen.

Mit diesen kleinen Veränderungen hat sich etwas bewegt. Natürlich gab und gibt es immer noch Vorurteile, aber bei weitem nicht mehr so viele wie zu Beginn des Dialogs. Auffällig ist, dass der Respekt zwischen den Teilnehmern deutlich größer wurde, während das Misstrauen immer weiter abnahm.

Als Folge davon wurden die Diskussionen immer konstruktiver. Wer jetzt glaubt, es seien nur Themen angesprochen worden, die sowieso nicht zu Reibereien führen konnten, der irrt sich. Es gibt eigentlich kein Thema, über das man nicht spricht. Neben historischen und kulturellen Themen, werden stets zu aktuellen und brisanten Themen wie etwa dem Karikaturenstreit, dem Irak- und Libanonkrieg oder dem Nah-Ost Konflikt Bezug genommen.

Interesse am Tübinger Dialog zeigt auch das Amerikanische Konsulat in Frankfurt. Das Konsulat unterstützt die Veranstaltungen nicht nur finanziell, sondern schickte immer wieder Vertreter, um an den spannenden und teils sehr brisanten Diskussionen teilzunehmen oder bei dem jährlich stattfindenden Arabisch-Amerikanischen Kulturfest Grußworte zu halten.

Mittlerweile ist der Dialog über viereinhalb Jahre alt und es kommen monatlich immer noch zwischen 20 und 50 Personen zusammen, um sich über verschiedene Themen auszutauschen. Es ist eine Kerngruppe von ca. 10 Personen entstanden, die regelmäßig an den Sitzungen teilnehmen, zu denen sich immer wieder neue Gesichter gesellen.

Ich persönlich bin seit Beginn des Arabisch- Amerikanischen Dialogs kontinuierlich dabei. Die ersten drei Jahre als Moderator und seit Sommer 2007 als Gast.

Im Laufe dieser Zeit haben die meisten Teilnehmer gemeinsam mit uns Moderatoren einen sehr großen Verständigungsprozess erlebt. Viele Vorurteile sind durch ganz einfache Mittel beseitigt worden. Man hat den anderen sprechen lassen und hat dabei gelernt die Geduld aufzubringen ihm zuzuhören. Dadurch hatte jeder die Möglichkeit seine Meinung zu äußern, zu erklären und Fragen zu stellen.

Den Teilnehmern wurde immer deutlicher, dass alle in Frieden miteinander leben wollen und Gewalt verurteilen. Das heißt, es wurde im Dialog eine gemeinsame Basis gefunden, die uns Kraft gibt, in schweren Zeiten zusammenzustehen, um gegen Kriege, Terror und Unterdrückung zu demonstrieren.

Seit dem Beginn 2004 kamen Angehörige verschiedenster Nationalitäten, Christen, Muslime, Juden, aber auch Atheisten und Menschen ohne Religionszugehörigkeit im Dialog zusammen.

Diese Vielfalt macht deutlich, dass der Dialog unter den Menschen möglich ist und einen großen Sinn macht. Wir werden keine Kriege wie jetzt in Gaza verhindern können, aber wir können mit dem Dialog Probleme im alltäglichen Umgang miteinander überwinden.

Der Arabisch-Amerikanische Dialog hat wie andere Dialogkreise auch noch etwas anderes bewirkt: aus vermeintlichen „Feinden“ sind Freunde geworden.

Vielleicht sollte diese Tatsache uns anregen, den Dialog zu intensivieren.



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