Humor im Islam, geht das?
von Hussein Hamdan, 10. Juli 2009, 13:50
Durch den Karikaturenstreit ist der Eindruck entstanden, dass Muslime keinen Spaß verstehen. Aber stimmt das?
Nun lässt sich auch darüber streiten, ob die Muhammad Karikaturen überhaupt als Spaß zu bewerten sind.
Immerhin zeigt eine der Karikaturen Muhammad, der eine angezündete Bombe auf dem Turban trägt; auf der Bombe steht außerdem noch das islamische Glaubensbekenntnis „Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad ist der Gesandte Gottes“.
Ob der Zeichner sich hier nur einen Spaß erlauben wollte oder vielmehr versucht hat, Muhammad als Terroristen darzustellen, und somit Stimmung gegen den Islam und die Muslime zu machen oder sie zu provozieren ist eine andere, ungeklärte Frage.
Dass aber die Reaktionen auf die Karikaturen in der islamischen Welt teilweise zu übertrieben waren und zu verurteilen sind, darüber brauchen wir nicht lange zu reden.
Aber kennen der Koran und die islamische Tradition Humor? Und wie drückt sich dieser aus?
Im Koran kommt der Begriff des Lachens an einigen Stellen und in verschiedenen Zusammenhängen vor. Ich möchte hier 3 Vorkommensweisen vorstellen.
Hauptsächlich werden wir mit einem spöttischen Lachen konfrontiert, das den heidnischen Mekkanern, also den Gegnern Muhammads und seiner Anhänger zugeschrieben wird, die sich des Öfteren über den Glauben und die Lebensart der Muslime lustig machen.
In Sure 83, Verse 29-34 nimmt der Koran Bezug zu einer konkreten Situation, in der die Heiden über die Gläubigen lachen und sie verspotten.
Den Verspotteten beschert der Koran einen Tag (der Jüngste Tag), an dem sie die Ungläubigen verlachen werden.
Hier wird das Lachen als Ausdruck des Kräfteverhältnisses verwendet. Der mächtige Ungläubige (diese Sure stammt aus der mekkanischen Zeit) spottet gegenüber dem Gläubigen, der sein Glück erst im Jenseits erhalten kann.
In einem anderen Zusammenhang kommt das Lachen bzw. Lächeln in der Geschichte des Propheten Salomo vor. Dieser hat nach koranischer Aussage die Gabe gehabt, mit Tieren zu kommunizieren. Und eines Tages, als er mit seinem Heer unterwegs war, hörte er wie eine Ameise sagte:
„O ihr Ameisen! Geht in euere Wohnungen hinein, damit euch Salomo und sein Heer nicht zertreten, ohne es zu bemerken. Da lächelte er belustigt über ihre Worte und sprach: „O mein Herr! Halte mich dazu an, für Deine Gnade zu danken..
(Sure 27; Verse 16-19)
Und schließlich weist Vers 43 in Sure 53 daraufhin, dass Gott auch derjenige ist, der zum Lachen und Weinen bringt, also dass er der Erschaffer des Lachens ist.
Daraus lässt sich schließen, dass Lachen, aber auch Weinen von Gott gegeben wird.
Über Muhammads Umgang mit Lachen oder Humor wird im Koran nichts berichtet. Das liegt aber auch daran, dass der Koran in Bezug auf Muhammad keinen biographischen Charakter hat, wie etwa die vier Evangelien in Bezug auf Jesu.
Möchte man sich im Allgemeinen über Muhammads Alltag informieren, dann muss man sich mit der zweiten Quelle des Islam auseinandersetzen, mit der Sunna, also der Tradition Muhammads.
Hier wird festgehalten, wie sich Muhammad in den verschiedensten Situationen verhalten haben soll. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Hadithe, also die Aussprüche Muhammads.
Als Reaktion auf die Muhammad Karikaturen und die entstandene Diskussion, ob denn der Islam keinen Sinn für Humor habe, hat die Azhar-Universität in Kairo im April 2006 einen Artikel zum Humor des Propheten in ihrer Zeitschrift veröffentlicht, in dem diesbezüglich eine Reihe von Aussprüchen und Überlieferungen angeführt werden.
Der Artikel trägt den Titel: Sein Lächeln (Gottes Segen und Heil sei mit ihm); er pflegte zu scherzen und sagte dabei nur die Wahrheit:
Den Angaben zufolge soll es zu seinen Eigenschaften gehört haben, dass er ständig zu lächeln pflegte, sich sehr freuen konnte und sanftmütig war.
Nach einer Überlieferung soll sein Gesicht geleuchtet haben, wenn er sich über etwas erfreute, so dass er dem Leuchten des Mondes glich.
Eines Tages sagten seine Gefährten zu ihm. Gesandter Gottes, du scherzt mit uns. Er erwiderte: Ja, aber ich sage dabei nur die Wahrheit.
Das heißt, dass Muhammad zwar schon seine Scherze gemacht hat, aber er hat dabei nicht gelogen oder übertrieben.
Und in zwei Aussprüchen betont er, man solle nicht lügen, auch wenn es im Scherz wäre.
So sagt er: Schämen soll sich der, der lügt, um andere zu unterhalten.
Und: Lügt nicht, auch nicht im Scherz.
Ein weiteres Beispiel dafür, dass Muhammad in seinen Scherzen immer die Wahrheit spricht, bietet die Geschichte einer alten Frau, die zu ihm kommt und ihn bittet für sie zu beten, dass ihr das Paradies zugeteilt werden soll.
Muhammad erwidert, dass Greise nicht ins Paradies eintreten werden.
Da beginnt die Frau zu weinen.
Daraufhin erklärt er: Ich meine damit doch nur, dass du an jenem Tag keine alte Frau sein wirst. Gott der erhabene sagt im Koran:
„Und mit ihren erhabenen Gefährtinnen. Siehe, Wir haben Sie in herrlicher Schöpfung neu gestaltet. Und sie zu Jungfrauen gemacht, zu liebevollen Altersgenossinnen.“
Diese Koranverse schildern den optischen Zustand der Paradiesbewohner. Die islamische Tradition erklärt, dass alle, die in das Paradies eintreten, dort als junge und sehr schöne Menschen leben werden.
Auch an den Scherzen der Frauen soll sich der Prophet erfreut haben:
Suwaida, eine Tochter aus dem Kreise seiner Freunde in Medina, pflegte seine Frau Aischa zu besuchen, mit ihr zu scherzen und sie zum Lachen zu bringen.
Wenn Muhammad zu Aischa kam, fand er Suwaida oft bei ihr vor und er sah, wie sie zusammen lachten.
So hatte eines Tages Aischa etwas zu essen gemacht und es Suwaida angeboten. Suwaida sagte: „Ich mag es nicht essen.“
Daraufhin sagte Aischa: „Ich schwöre bei Gott, wenn du es nicht isst, dann werde ich es dir ins Gesicht werfen.“
Als Suwaida weiterhin ablehnte, nahm Aischa etwas von dem Essen in die Hand und rieb es ihr ins Gesicht.
Muhammad, der zwischen den beiden saß, machte daraufhin Suwaida Platz, damit diese sich an Aischa rächen konnte. So nahm sie ebenfalls etwas von dem Essen und warf es Aischa ins Gesicht.
Dabei soll Muhammad sich sehr amüsiert haben.
Als Muhammad Suwaida einige Tage nicht gesehen hatte, erzählte ihm Aischa, dass Suwaida krank sei.
Er besuchte die Frau und fand sie in ihren letzten Atemzügen. Nachdem sie gestorben war, kam er noch einmal und sprach an ihrer Bahre folgendes Bittgebet: „O Gott, sie ist bestrebt gewesen, mich zum Lachen zu bringen. So lass nun auch sie freudig lachen.“
Auch mit seinen beiden Enkelkindern Hasan und Hussein, die aus der Ehe seiner Tochter Fatima und seinem Vetter Ali stammten, pflegte er gerne zu spielen und sich auf Albereien einzulassen. Es wird berichtet, dass er mit ihnen scherzte, ihnen die Zunge ausstreckte und sie gerne auf seinem Rücken reiten ließ.
Dies ist nur eine Auswahl von Überlieferungen, die uns Muhammad aus einer Sicht zeigen, die hierzulande unbekannt ist.
Muhammad hatte also durchaus auch Sinn für Humor und erfreute sich des Lebens.
So soll er oft so herzhaft gelacht haben, dass man seine Weisheitszähne sehen konnte.
Und in zwei Aussprüchen macht er deutlich warum es wichtig ist sich zu freuen und zu lachen:
Muhammad sagt: „Erfrischt die Herzen von Zeit zu Zeit, denn müde Herzen werden blind.“
Und: „Wer nicht fröhlich sein kann, der taugt nichts.“
Muhammad war also nicht nur der Gesetzesmann, Feldherr oder Asket. Er war, schenken wir diesen Überlieferungen Glauben, auch ein einfacher Mann, der seinen menschlichen Bedürfnissen nachgegangen ist wie die anderen Menschen auch.
Jedoch setzt er dem Humor Grenzen: Lügen oder Übertreibungen untersagt er auch im Scherz.
(Auszug aus meinem Vortrag vom 19.Juni zum Thema „Humor im Islam“ im Rahmen der Tübinger Humorwoche)
