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Soll man wirklich von einer kausalen Abgeschlossenheit der Welt reden?

14. Mai 2012, 16:14

Philosophen und Theologen reden oft von "kausaler Abgeschlossenheit", wenn sie eine Annahme charakterisieren wollen, die viele Naturwissenschaftler mehr oder weniger bewusst in ihr Weltbild integriert haben. "Nichts geschieht ohne Grund" oder "Alles geht mit rechten Dingen zu" wären ähnliche, allerdings plakativere Formulierungen, die zum Ausdruck bringen, dass man davon ausgeht, dass es keine übernatürlichen Akteure gibt, dass die Welt sich nur aus sich heraus weiter entwickelt.  Solche Aussagen oder Begriffe bleiben aber immer vage,  auch zunächst präzis erscheinende Definitionen stützen sich bei näherem Hinsehen nur auf andere vage Begriffe. Dennoch weiß jeder, der sich ein wenig in der Szene, in der solche Argumente artikuliert werden, umgesehen und eingelesen hat, was "Sache" ist.  Dahinter stecken Naturalisten und Physikalisten verschiedenster Schattierungen. » weiter

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Was ist ein Algorithmus?

14. April 2012, 18:07

Vor kurzem hörte ich, wie ein Anwalt mit großer Erfahrung und langer Praxis über einen juristischen Fall berichtete, in dem es um eine so genannte Erfindungsbenennungsklage ging. Im Mittelpunkt stand eine technische Erfindung, die im wesentlichen auf der Entwicklung einer Software beruhte, und diese wiederum fußte auf einer bestimmten mathematischen Einsicht und einem daraus abgeleiteten Berechnungsverfahren.  Eine Firma, die diese Erfindung verwerten wollte, hatte sie zum Patent angemeldet, ohne aber die eigentlichen Erfinder und Entwickler der Software, nämlich Mitarbeiter einer anderen Firma in der Patentschrift zu nennen. Beide Firmen waren über diese Software ins Geschäft gekommen, waren dann aber in Streit geraten über die Form der Verwertung.  Solch ein Fall gilt unter Juristen als exotisch. "Wer von ihnen weiß schon, was ein Algorithmus ist." hieß es. » weiter

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Aus Daten Schlüsse ziehen

13. März 2012, 18:38

Mein Fitness-Center hatte mir zu meinem Geburtstag einen Gutschein über eine "Körperanalyse" geschenkt. Natürlich habe ich diesen bald eingelöst; ich war neugierig, was sich hinter solch einer Analyse verbirgt. Es war ernüchternd: Ich musste mich einfach auf eine metallische Plattform stellen und bekam in jede Hand eine Hantel, um in Kontakt mit zwei Elektroden zu kommen. Dann  wurde ein schwacher, für mich nicht merkbarer Wechselstrom durch meinen Körper geschickt, wobei die Frequenz über einen gewissen Bereich variiert wurde:  Schon war die Analyse geschehen. Nach ein paar Minuten kam ein Protokoll aus dem Drucker, in dem säuberlich und graphisch übersichtlich dargestellt das Gewicht meines Körpers aufgeteilt worden war in Anteile von Muskeln, Fett, Knochen - und das auch noch getrennt für Arme, Beine und Rumpf.   » weiter

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Über Begriffe und Begriffsbildung

14. Februar 2012, 12:37

Vor einigen Tagen kam ich mit einem Kollegen aus der Philosophie ins Gespräch. Er berichtete mir von dem Scheitern seines Vorhabens, eine interdisziplinäre Gruppe von Wissenschaftlern zusammen zu bringen, um das Thema "Unbestimmtheit" von allen Seiten zu beleuchten. Ich wurde hellhörig, hatte ich doch gleich den Verdacht, dass hier die Unbestimmtheit der Quanteneigenschaften auch eine Rolle spielen dürfte. In der Tat, aber das wäre nur eine Form der Unbestimmtheit und die Vorstellungen der potentiellen Mitglieder der Gruppe wären so unterschiedlich gewesen, dass eine fruchtbare Diskussion nicht zu erwarten gewesen wäre. Die Unbestimmtheit, die ihm auf den Nägeln brennte, wäre eine bei der Begriffsbildung, ein Problem, das eigentlich lange bekannt aber am Ende des letzten Jahrhunderts, also vor etwa 20 Jahren, wieder höchst aktuell geworden sei. Es ginge dabei um die Frage: Kann man eigentlich beim Argumentieren mit den Begriffen unseres täglichen Lebens stets die Regeln der formalen Logik anwenden? » weiter

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Vorurteile und Vorwissen

15. Januar 2012, 16:04

Vorurteile haben keinen guten Ruf. "Der Mensch steckt voller Vorurteile" sagen wir manchmal missbilligend über jemand, der uns mit seinen festen Ansichten zu allen möglichen Dingen auf die Nerven gegangen ist. Dabei waren wir oft gegenteiliger Ansicht gewesen, aber eine sachliche Diskussion hatte sich nicht entfalten können. So verbindet man Vorurteile immer mit falschen Urteilen, mit solchen, die man bei genauerem Hinsehen wohl revidieren müsste. Aber ist es nicht so, wie es einer meiner Kollegen einmal ausdrückte? "Es ist ein schreckliches Vorurteil zu glauben, dass alle Vorurteile falsch sind."
Der gute Freund des Vorurteils ist das "Vorwissen". Auch dieses Wort beinhaltet oft ein vorläufiges Urteil über etwas, aber wir unterstellen dabei immer unbewusst, dass man hier der Wahrheit schon recht nahe ist. Ein Vorwissen zu haben, "ist ehrenvoll und ist Gewinn". Wir wissen, wie hilfreich es in allen Lernsituationen ist - man kann die einströmende Information schneller einordnen und sich somit auf das Neue konzentrieren. » weiter

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Wie man dem Zufall trotzt - Optimale Voraussagen

27. Dezember 2011, 10:18

Im letzten Beitrag habe ich stochastische Prozesse vorgestellt. An einfachsten Beispielen konnte man sehen, wie das Ergebnis der Simulation einer Gleichung eines stochastischen Prozesses  aussieht:  Man erhält ein  Bündel von verschiedensten Lösungen, die sich alle aufgrund der Gesetzmäßigkeit, die durch die Gleichung formuliert wird, ergeben können. Es gibt also nicht nur eine Lösung, wie man es sonst von den üblichen Gleichungen her erwartet und kennt, hier sorgt der stochastische Anteil, der "Würfel" in der Gleichung dafür, dass sich bei jeder Realisierung des Prozesses eine andere Lösung ergibt. Der Zufall "pflanzt sich also fort", die Größe x(t), die durch die Gleichung als Funktion der Zeit bestimmt werden soll, ist zu jeder Zeit nicht mehr eindeutig bestimmt, sie kann viele Werte annehmen, aber dennoch muss sich die Eigenart des "Würfels" und die der Gleichung in der Statistik der Größe x(t) zu jeder Zeit t niederschlagen. » weiter

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Wie man mit dem Zufall rechnet - Stochastische Prozesse

09. Dezember 2011, 13:59

Die Physik gilt vielen als eine Wissenschaft, die streng kausale Regelmäßigkeiten in der Natur entdeckt und diese als deterministische Naturgesetze in mathematischer Sprache formuliert. In der Tat, die ersten großen Theorien, die in der Geschichte der Physik entstanden, führten zu dieser Vorstellung: Aus ihren Gleichungen kann man eindeutig und in der Praxis auch verlässlich den zukünftigen Zustand eines physikalischen Systems berechnen, wenn man nur die angemessenen Anfangswerte berücksichtigt. Das Funktionieren unserer technischen Geräte bestätigt jeden Tag aufs Neue diese Vorhersagefähigkeit; beim Entgleisen von Zügen oder Abstürzen von Fliegern versagen ja nicht physikalische Gesetze sondern Menschen.

In unserem täglichen Leben aber erfahren wir ständig Unerwartetes und Zufälliges. Unser permanentes Problem ist es, dass wir die Zukunft nicht kennen (auch wenn wir manches Zukünftige gar nicht so genau wissen wollen). Das Unberechenbare gilt als das spezifisch zum menschlichen Leben gehörende und gibt Stoff für viele mehr oder weniger ernste Beziehungsdramen; natürlich ist dabei mit physikalischen Begriffen und Gesetzen nichts auszurichten.  » weiter

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Emergente Phänomene

20. November 2011, 11:05

Wenn man heute über Emergenz redet oder schreibt, steht man in Gefahr den Eindruck zu erwecken, man wolle auf einen ohnehin zu voll besetzten Zug auch noch aufspringen. Oft wird das Wort in die Debatte eingeworfen - mit einem unbestimmten Anspruch, man hätte damit den Kern der Sache irgendwie getroffen. Mehr oder weniger gut nachvollziehbare Definitionen werden angeboten, Wikipedia spricht von einer "spontanen Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen auf der Makroebene eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente" und erwähnt, dass George Henry Lewis schon 1875 diesen Begriff zum ersten Mal "im Zusammenhang mit der Erklärung von Bewusstsein" verwendet habe. In Metzlers Philosophie-Lexikon findet man die kryptische Aussage, dass Emergenz " durch Neuheit und Unableitbarkeit aus tieferen Schichten der Realität gekennzeichnet" sei. In dem Kampf der amerikanischen Physiker um öffentliche Aufmerksamkeit und Gelder wird die Emergenz von den Festkörperphysikern gar zum vorherrschendem Prinzip hochstilisiert und dem "kruden Reduktionismus" der Teilchenphysiker entgegen gehalten.   » weiter

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Gedanken zu einem Artikel von Patrick Becker: "Naturwissenschaftliches Denken als Herausforderung für den Gottesglauben"

31. Oktober 2011, 10:43

Vor einigen Tagen kam mir ein Artikel des Theologen Patrick Becker aus der Zeitschrift "Herder Korrespondenz" mit dem Titel "Naturwissenschaftliches Denken als Herausforderung für den Gottesglauben" zu Gesicht. Schon der Titel verrät, dass hier einer den entscheidenden Punkt für die heutige Situation der Religionen in der modernen Welt erkannt hat, und seine Analyse und Einfühlung in das naturwissenschaftliche Denken ist das Beste, was ich bisher aus dem kirchlichem Raum über dieses Thema gelesen habe.
Becker sieht als "Eckpfeiler der Naturwissenschaften" das Denken in Ursache-Wirkungs-Beziehungen und die Erkenntnis der Bedeutung von Entwicklung. In der Tat hat er damit zwei ganz bedeutende Prinzipien benannt, mit der man bei der Erklärung der Naturphänomene großen Erfolg gehabt hat und noch heute hat, und er untersucht, was die Anerkennung dieser Prinzipien für einen Glauben an einen Gott, speziell an einen christlichen Gott, bedeutet. » weiter

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Die Wandlungsfähigkeit der Materie

11. Oktober 2011, 17:57

Der berühmte amerikanische Festkörperphysiker und Nobelpreisträger Philip Anderson beklagte im Jahre 1994 in einer Einleitung für einen Tagungsbericht, dass es in der öffentlichen Aufmerksamkeit für physikalische Forschungsergebnisse ein großes Missverhältnis gibt:  Kosmologische Fragen und das Schicksal von Theorien für fundamentale Wechselwirkungen würden zuhauf in Büchern und Zeitungen diskutiert und unter dem Schlagwort  "Reduktion"  werde publikumswirksam eine "Theorie für Alles" als Ziel propagiert.  Dabei könnten sich höchstens 20% der Physiker als Kosmologen oder Teilchenphysiker bezeichnen, die große Mehrheit der Physiker weltweit sei dagegen mit praktischen Anwendungen der Physik oder Phänomenen beschäftigt, die zu komplex seien, um sie direkt mit einfachen Folgerungen aus den Gesetzen für die fundamentalen Kräfte bzw. Wechselwirkungen erklären zu können.   » weiter

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