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Über Begriffe und Begriffsbildung

14. Februar 2012, 12:37

Vor einigen Tagen kam ich mit einem Kollegen aus der Philosophie ins Gespräch. Er berichtete mir von dem Scheitern seines Vorhabens, eine interdisziplinäre Gruppe von Wissenschaftlern zusammen zu bringen, um das Thema "Unbestimmtheit" von allen Seiten zu beleuchten. Ich wurde hellhörig, hatte ich doch gleich den Verdacht, dass hier die Unbestimmtheit der Quanteneigenschaften auch eine Rolle spielen dürfte. In der Tat, aber das wäre nur eine Form der Unbestimmtheit und die Vorstellungen der potentiellen Mitglieder der Gruppe wären so unterschiedlich gewesen, dass eine fruchtbare Diskussion nicht zu erwarten gewesen wäre. Die Unbestimmtheit, die ihm auf den Nägeln brennte, wäre eine bei der Begriffsbildung, ein Problem, das eigentlich lange bekannt aber am Ende des letzten Jahrhunderts, also vor etwa 20 Jahren, wieder höchst aktuell geworden sei. Es ginge dabei um die Frage: Kann man eigentlich beim Argumentieren mit den Begriffen unseres täglichen Lebens stets die Regeln der formalen Logik anwenden? » weiter

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Vorurteile und Vorwissen

15. Januar 2012, 16:04

Vorurteile haben keinen guten Ruf. "Der Mensch steckt voller Vorurteile" sagen wir manchmal missbilligend über jemand, der uns mit seinen festen Ansichten zu allen möglichen Dingen auf die Nerven gegangen ist. Dabei waren wir oft gegenteiliger Ansicht gewesen, aber eine sachliche Diskussion hatte sich nicht entfalten können. So verbindet man Vorurteile immer mit falschen Urteilen, mit solchen, die man bei genauerem Hinsehen wohl revidieren müsste. Aber ist es nicht so, wie es einer meiner Kollegen einmal ausdrückte? "Es ist ein schreckliches Vorurteil zu glauben, dass alle Vorurteile falsch sind."
Der gute Freund des Vorurteils ist das "Vorwissen". Auch dieses Wort beinhaltet oft ein vorläufiges Urteil über etwas, aber wir unterstellen dabei immer unbewusst, dass man hier der Wahrheit schon recht nahe ist. Ein Vorwissen zu haben, "ist ehrenvoll und ist Gewinn". Wir wissen, wie hilfreich es in allen Lernsituationen ist - man kann die einströmende Information schneller einordnen und sich somit auf das Neue konzentrieren. » weiter

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Wie man dem Zufall trotzt - Optimale Voraussagen

27. Dezember 2011, 10:18

Im letzten Beitrag habe ich stochastische Prozesse vorgestellt. An einfachsten Beispielen konnte man sehen, wie das Ergebnis der Simulation einer Gleichung eines stochastischen Prozesses  aussieht:  Man erhält ein  Bündel von verschiedensten Lösungen, die sich alle aufgrund der Gesetzmäßigkeit, die durch die Gleichung formuliert wird, ergeben können. Es gibt also nicht nur eine Lösung, wie man es sonst von den üblichen Gleichungen her erwartet und kennt, hier sorgt der stochastische Anteil, der "Würfel" in der Gleichung dafür, dass sich bei jeder Realisierung des Prozesses eine andere Lösung ergibt. Der Zufall "pflanzt sich also fort", die Größe x(t), die durch die Gleichung als Funktion der Zeit bestimmt werden soll, ist zu jeder Zeit nicht mehr eindeutig bestimmt, sie kann viele Werte annehmen, aber dennoch muss sich die Eigenart des "Würfels" und die der Gleichung in der Statistik der Größe x(t) zu jeder Zeit t niederschlagen. » weiter

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Gedanken zu einem Artikel von Patrick Becker: "Naturwissenschaftliches Denken als Herausforderung für den Gottesglauben"

31. Oktober 2011, 10:43

Vor einigen Tagen kam mir ein Artikel des Theologen Patrick Becker aus der Zeitschrift "Herder Korrespondenz" mit dem Titel "Naturwissenschaftliches Denken als Herausforderung für den Gottesglauben" zu Gesicht. Schon der Titel verrät, dass hier einer den entscheidenden Punkt für die heutige Situation der Religionen in der modernen Welt erkannt hat, und seine Analyse und Einfühlung in das naturwissenschaftliche Denken ist das Beste, was ich bisher aus dem kirchlichem Raum über dieses Thema gelesen habe.
Becker sieht als "Eckpfeiler der Naturwissenschaften" das Denken in Ursache-Wirkungs-Beziehungen und die Erkenntnis der Bedeutung von Entwicklung. In der Tat hat er damit zwei ganz bedeutende Prinzipien benannt, mit der man bei der Erklärung der Naturphänomene großen Erfolg gehabt hat und noch heute hat, und er untersucht, was die Anerkennung dieser Prinzipien für einen Glauben an einen Gott, speziell an einen christlichen Gott, bedeutet. » weiter

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Ein erster Einblick in die Spieltheorie - Vom Anschauen zum Handeln

27. April 2011, 10:53

Die Physik hat die Kunst, der Natur durch kluge Experimente ihre Gesetzmäßigkeiten zu entlocken, früh kultiviert und im Laufe ihrer Geschichte  immer mehr zur Perfektion gebracht. Sie hat dabei unser heutiges Weltbild entscheidend geprägt und wird dieses auch weiterhin beeinflussen. So sehr dieses Vorgehen Erfolg hatte, so hat der in Alltag stehende Mensch doch immer das Gefühl, dass dieses sich entwickelnde realistische Weltbild zwar eine große Bereicherung darstellt, dass es aber im täglichen Leben mehr zu tun gibt als „anschauen“ oder beobachten und analysieren. In vielen Situationen muss er sich entscheiden, er muss handeln, er muss sogar eine Strategie entwickeln, wenn er konsistent und überlegt handeln will. Er muss Systeme steuern. Das wird allgemein als Kunst angesehen, entzogen dem Zugriff mathematischen Denkens. So spricht man von der Kunst des Steuermanns, des Staatenlenkers, und Büchern übers Management kann man wohl kaum eine Nähe zum präzisen oder mathematischen Denken vorwerfen.  » weiter

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Der "freie Wille" eines Agenten

24. März 2011, 10:47

Eine mir sehr gut bekannte junge Familie hat sich einen Staubsauger-Roboter gekauft. Dieser manövriert geschickt zwischen Stuhlbeinen, besucht auch jede Ecke und erkennt Teppichfransen und Elektrokabel als ungenießbar.  Die Aufnahme dieses technischen Geschöpfes in die Familie durch die zwei kleinen Töchter war durchaus gemischt. Während die vier Jahre alte Rosalie in dem Roboter ein neues Spielzeug ihres Vater sah, hatte die zweijährige Thalia zunächst Angst vor dem Objekt, das sich da bewegt, obwohl es überhaupt nicht wie ein Mensch aussieht. Vielleicht dominiert in diesem Alter noch ein Verhalten, das sich im Laufe der Evolution als günstig erwiesen hat: Alles, was sich bewegt und nicht zur eigenen Art gehört, wird zunächst als Feind betrachtet. Natürlich konnte die Kleine ihre Angst bald überwinden, auch ohne dass der Vater ein Buch zum Thema: "Wir sind jetzt zu fünft" vorlesen musste. Der Roboter gehört in den Augen der Kinder doch jetzt irgendwie zur Familie, er heißt Marie und man redet über ihn wie über einen Menschen.  » weiter

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Das Heilige und das Profane

27. Februar 2011, 18:52

Ein Leser meines Blogartikels "Über das geschichtliche Erbe Europas" sah sich in der Diskussion unter den Kommentatoren dieses Artikels zu einem Geständnis genötigt:  Er hielte den Kühlschrank für eine ebenso großartige kulturelle Errungenschaft wie Beethovens Siebte Sinfonie.  Diese Aussage ist für viele eine Provokation:  Einen profanen Konsumgegenstand stellt er auf gleiche Stufe mit einem Kulturgut der ganzen Menschheit,  er  vergleicht ohne Scheu einen Gegenstand, den man täglich gedankenlos benutzt, mit einer Sinfonie, der man in feierlichen Momenten andächtig lauscht und die in der säkularen Welt einen Nimbus genießt, die dem Heiligen in einer Religion ähnelt.
Was ist nun der Unterschied, was das Gemeinsame? Und warum empfinden das manche - zu denen ich allerdings nicht gehöre - als eine Provokation?  » weiter

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Physik aus der Gottesperspektive?

15. Februar 2011, 21:34

Kürzlich steckte mir ein guter Bekannter den Artikel "Physik aus der Gottesperspektive" aus der "Zeit" vom 30. Dezember 2010 zu. Im Untertitel dieses Aufsatzes wurde schon deutlich, was der Autor Eduard Kaeser mit dem Artikel bezweckte, nämlich Klage darüber zu führen, dass Stephen Hawking mit seinen Büchern - insbesondere mit seinem letzten Buch "Der große Entwurf" - "Wissenschaft als Religionsersatz" verkauft.
Ich habe den Artikel mit gemischten Gefühlen gelesen: Einerseits war vieles, was sich auf die Physik, ihre Geschichte, ihre Begriffe und Erfolge bezog, treffend und sachgerecht dargestellt, andererseits konnte ich mich nur wundern über den Furor, den Hawking mit seinem "Entwurf" selbst bei einem solchen Gebildeten angefacht hatte.   » weiter

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Vom Geschichtsbewusstsein

05. Februar 2011, 20:55

Oft wird bedauert, dass es vielen Zeitgenossen an Geschichtsbewusstsein fehlt. Man müsse doch wissen, woher man kommt, wie sich die Umstände, in denen man heute lebt, in der Vergangenheit ergeben haben und wie es zu unseren Denkgewohnheiten, Sitten und Gebräuchen gekommen ist.  In der Tat ist die Kenntnis der Geschichte der eigenen Gemeinschaft, ob man diese als Familie, Nation oder als die gesamte Menschheit versteht, von großer Bedeutung für das Zusammenleben: Gemeinsame Geschichte und gemeinsame Geschichten stiften ebenso wie gemeinsame Erlebnisse und Gewohnheiten Identität, eine positive Voreingenommenheit und Kommunikationsbereitschaft. Die Reflektion über die Geschichte der Menschheit kann zur Einsicht in die Mechanismen von Herrschaft und in die Bedeutung von Interessenlagen führen und ist oft Motivation für Engagement im politischen Leben in einer Demokratie. » weiter

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Unser geschichtliches Erbe in Europa

30. Dezember 2010, 16:52

Zurzeit wird in Reden von Politikern und in einschlägigen Gazetten viel vom christlich-jüdischen oder jüdisch-christlichem Erbe Europas gesprochen. Leider bleibt das, was man dabei meint, immer im Nebel; man spürt aber dennoch immer irgendwie den Appell, dass man dieses Erbe anerkennen und bejahen soll, wenn man auch dazugehören will. Als Naturwissenschaftler kann man sich dabei aber nur wundern. Wie ein Fisch das Wasser, in dem er schwimmt, gar nicht mehr wahrnimmt, so sehen die meisten eigentlich gar nicht, was unsere heutige westliche Art zu leben und zu denken wirklich geprägt hat, was uns von den anderen Kulturkreisen unterscheidet und was zu unserer heutigen Stellung in der Welt geführt hat. » weiter

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