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Soll man wirklich von einer kausalen Abgeschlossenheit der Welt reden?

14. Mai 2012, 16:14

Philosophen und Theologen reden oft von "kausaler Abgeschlossenheit", wenn sie eine Annahme charakterisieren wollen, die viele Naturwissenschaftler mehr oder weniger bewusst in ihr Weltbild integriert haben. "Nichts geschieht ohne Grund" oder "Alles geht mit rechten Dingen zu" wären ähnliche, allerdings plakativere Formulierungen, die zum Ausdruck bringen, dass man davon ausgeht, dass es keine übernatürlichen Akteure gibt, dass die Welt sich nur aus sich heraus weiter entwickelt.  Solche Aussagen oder Begriffe bleiben aber immer vage,  auch zunächst präzis erscheinende Definitionen stützen sich bei näherem Hinsehen nur auf andere vage Begriffe. Dennoch weiß jeder, der sich ein wenig in der Szene, in der solche Argumente artikuliert werden, umgesehen und eingelesen hat, was "Sache" ist.  Dahinter stecken Naturalisten und Physikalisten verschiedenster Schattierungen. » weiter

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Emergente Phänomene

20. November 2011, 11:05

Wenn man heute über Emergenz redet oder schreibt, steht man in Gefahr den Eindruck zu erwecken, man wolle auf einen ohnehin zu voll besetzten Zug auch noch aufspringen. Oft wird das Wort in die Debatte eingeworfen - mit einem unbestimmten Anspruch, man hätte damit den Kern der Sache irgendwie getroffen. Mehr oder weniger gut nachvollziehbare Definitionen werden angeboten, Wikipedia spricht von einer "spontanen Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen auf der Makroebene eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente" und erwähnt, dass George Henry Lewis schon 1875 diesen Begriff zum ersten Mal "im Zusammenhang mit der Erklärung von Bewusstsein" verwendet habe. In Metzlers Philosophie-Lexikon findet man die kryptische Aussage, dass Emergenz " durch Neuheit und Unableitbarkeit aus tieferen Schichten der Realität gekennzeichnet" sei. In dem Kampf der amerikanischen Physiker um öffentliche Aufmerksamkeit und Gelder wird die Emergenz von den Festkörperphysikern gar zum vorherrschendem Prinzip hochstilisiert und dem "kruden Reduktionismus" der Teilchenphysiker entgegen gehalten.   » weiter

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Gedanken zu einem Artikel von Patrick Becker: "Naturwissenschaftliches Denken als Herausforderung für den Gottesglauben"

31. Oktober 2011, 10:43

Vor einigen Tagen kam mir ein Artikel des Theologen Patrick Becker aus der Zeitschrift "Herder Korrespondenz" mit dem Titel "Naturwissenschaftliches Denken als Herausforderung für den Gottesglauben" zu Gesicht. Schon der Titel verrät, dass hier einer den entscheidenden Punkt für die heutige Situation der Religionen in der modernen Welt erkannt hat, und seine Analyse und Einfühlung in das naturwissenschaftliche Denken ist das Beste, was ich bisher aus dem kirchlichem Raum über dieses Thema gelesen habe.
Becker sieht als "Eckpfeiler der Naturwissenschaften" das Denken in Ursache-Wirkungs-Beziehungen und die Erkenntnis der Bedeutung von Entwicklung. In der Tat hat er damit zwei ganz bedeutende Prinzipien benannt, mit der man bei der Erklärung der Naturphänomene großen Erfolg gehabt hat und noch heute hat, und er untersucht, was die Anerkennung dieser Prinzipien für einen Glauben an einen Gott, speziell an einen christlichen Gott, bedeutet. » weiter

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Nicht beim Sein, beim Sosein - da stellen sich die Fragen

27. August 2011, 12:05

Ende dieses Jahres  wird man wissen, ob es Higgs-Bosonen wirklich gibt.  Das behauptete der  Direktor des CERN in der Süddeutschen Zeitung vom 28.7.2011. Ich kenne die Hypothese, dass es ein solches Teilchen gibt, schon seit meiner Jugend, als ich im Bereich der Teilchenphysik promovierte.  Es war die Zeit, als man die Bedeutung der so genannten Eichtheorien erkannt hatte.  In der heute als "Standard-Modell"  geltenden  Quantenfeldtheorie für die elektromagnetische und schwache Wechselwirkung  spielen diese Eichtheorien eine "tragende" Rolle.  Der Haken war nur, dass in solchen Theorien die mit den Quantenfeldern einhergehenden Teilchen keine Massen haben können, sie diese aber aus physikalischen Gründen haben müssen.   » weiter

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Strukturenrealismus und Evolution

02. August 2011, 18:51

Wer  sich die Geschichte der Physik vor Augen führt, insbesondere die der physikalischen Theorien und Begriffe, entdeckt bald,  dass sich die Entwicklung auf zwei verschiedenen Ebenen vollzieht,  auf einer formal mathematischen einerseits und einer  begrifflichen, verbal formulierten  andererseits. In meinem Buch [1]  "Die Entdeckung des Unvorstellbaren"  habe ich das ausführlich dargelegt.   
Die Ebenen sind nicht nur unterschiedlich in ihrer Sprache - hier Mathematik, dort gehobene Umgangssprache -  sondern vor allem auch in ihrer Entwicklung.  Neue Theorien entstehen immer erst auf der ersten Ebene, auf der Ebene der mathematisch fassbaren Beziehungen zwischen Größen, die man mit  physikalischen  Messgrößen identifizieren kann.  Dabei kommen aber immer auch weitere Größen ins Spiel, die eine Interpretation erfordern und oft hinkt ein befriedigendes Verständnis der Bedeutung dieser weiteren Größen nach.  Am Beispiel des elektromagnetischen Feldes  oder der Wahrscheinlichkeitsamplitude in der Quantenmechanik kann man  das sehr gut sehen.   » weiter

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Gefühle eines Physikers beim Lesen eines philosophischen Artikels

03. Juli 2011, 19:21

Alle Vierteljahre erhalte ich per Post die Zeitschrift "Information Philosophie".  Dann sind schon mal wieder einige unterhaltsame und höchst anregende Stündchen beim Kaffee nach dem Mittagessen gesichert. Man liest dort von Trends und Kontroversen in der Welt der Philosophie,  lernt Positionen von Philosophen zu aktuellen Problemen kennen, wird  über neue Bücher und Zeitschriften informiert  und immer gibt es auch einen Essay, der meistens sehr lesenswert ist. Dabei komme ich mir immer vor, als wenn ich wie durch ein Schlüsselloch eine ganz andere Spezies Mensch beobachte, und zwar hinsichtlich der Denkgewohnheiten wie  der  Interessensgebiete .
Manchmal frage ich mich, wieso mir diese Welt so fremd, aber dennoch  interessant und anregend erscheint.  Was trennt Naturwissenschaftler denn von Geisteswissenschaftlern, was speziell Physiker von Philosophen?  Von drei Gefühlen will ich berichten, die sich mir bei der Lektüre dieser Zeitschrift immer wieder aufdrängen.  » weiter

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Die dritte Form der Naturforschung

17. Juni 2011, 21:17

In seinem Buch "Die zweite Erschaffung der Welt - Wie die moderne Naturwissenschaft entstand"  spricht der Wissenschaftshistoriker Floris Cohen von zwei Methoden der Naturforschung, die sich im antiken Griechenland entwickelt haben. Er nennt sie kurz "Athen" und "Alexandria", weil an diesen Orten diese so unterschiedlichen Bemühungen um ein Verständnis der Natur entstanden und weiter entwickelt worden sind.   In Athen waren es vor allem die Vorsokratiker und die philosophischen Schulen um Platon und Aristoteles, in Alexandria der Einfluss von Euklid, Archimedes und Ptolemäus.  "Athen" stand für die Naturphilosophie, für die Erklärungsversuche der Gesamtheit der Naturphänomene durch ein paar Leitideen, "Alexandria"  für  Erklärungsversuche einzelner Phänomene mit Hilfe der Mathematik.  "Top-Down" bzw. "Bootom-Up"  -  würde man im heutigen Jargon sagen.   » weiter

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Die Natur der Physik und der kritische Rationalismus

16. Mai 2011, 15:47

Bei meinem morgendlichem Spaziergang treffe ich an einer Bushaltestelle manchmal einen guten Bekannten, der auf dem Weg zu seinem Labor für elektronische Musik ist.  In der kurzen Zeit bis sein Bus kommt  entspinnt sich immer eine intensive Diskussion, die er immer mit einer präzisen Frage einleitet, auf der dann Argumente in schneller Reihenfolge ausgetauscht werden.  Ich vermute, ein Außenstehender, der uns zwei Figuren dort gestikulierend sieht und dabei einige Worte aufschnappt, wird sich an Szenen aus einem Buñuel-  oder gar einem Loriot-Film erinnert fühlen.  Vor kurzem  ging es dabei gleich um Wunder, und als ich sagte, ich hielte die Hypothese, dass es einen übernatürlichen Agenten gibt, der ständig in die Welt eingreift, für überflüssig, entgegnete er zufrieden:  "Ja, also auch keine Transzendenz."  Da stutzte ich, und ehe ich etwas erwidern konnte, kam der Bus angerauscht und die kurze Episode war wieder einmal vorbei. » weiter

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Über das Verhältnis von Wissenschaft und Technik

30. November 2010, 14:29

Wissenschaftler werden oft mit der Frage konfrontiert, welche Bedeutung ihre Erkenntnisse denn für die Anwendung haben. Die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich, zum Teil ist man erfreut, wenn man sich ohnehin für die anwendungsnahe Forschung entschieden hat, zum Teil unwillig, wenn man eine solche Frage für völlig deplatziert hält. Die Frage führt aber immer wieder zu Diskussionen, manche Vertreter der Industrie wünschen, dass die Universitäten vermehrt anwendungsnahe Forschung fördern, einige Professoren würden darin allerdings einen Verrat an den Zielen einer wissenschaftlichen Einrichtung sehen. Es kann aber keiner leugnen, dass wir unseren heutigen hohen technischen Stand und damit unseren vergleichsweise angenehmen Lebensstandard der Wissenschaft verdanken, die ja nun vorwiegend an den Universitäten gepflegt und weiter entwickelt wird.  » weiter

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Über das Entstehen physikalischer Theorien

15. November 2010, 10:34

In den viel beachteten Büchern "Der große Entwurf" von Stephen Hawking und "Zurück vor den Urknall" von Martin Bojowald wird von neuen physikalischen Theorien berichtet, die ein von den Physikern lange verfolgtes Ziel erreicht zu haben scheinen, die Vereinigung der Gravitationstheorie mit der Quantentheorie.  Diese Quantengravitationstheorien sind im einzelnen natürlich nur denen zugänglich, die lange Erfahrung und Übung in dem mathematischen Formalismus von Gravitations- und Quantentheorien haben. Die Aussagen dieser Theorien über die Entstehung unseres Universums, ganz besonders die von Stephen Hawking, haben in der interessierten Öffentlichkeit aber zu heftigen Diskussionen geführt, insbesondere deshalb, weil in den meisten Köpfen immer noch die Vorstellung herrscht, dass solche Aussagen eher theologischer Natur sein müssten. Nun, die Frage, was eine Naturwissenschaft kann und was nicht, will ich hier nicht erörtern; diese Frage kann ja auch eigentlich nur rückblickend beantwortet werden. Schauen wir lieber darauf, wie in der Geschichte der Physik andere Theorien entstanden sind, wie ihr Schicksal ausgesehen hat und noch heute aussieht, und was wir daraus für die erste Einschätzung der Aussagen dieser neuen Quantengravitationstheorien lernen. » weiter

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