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Nicht beim Sein, beim Sosein - da stellen sich die Fragen

27. August 2011, 12:05

Ende dieses Jahres  wird man wissen, ob es Higgs-Bosonen wirklich gibt.  Das behauptete der  Direktor des CERN in der Süddeutschen Zeitung vom 28.7.2011. Ich kenne die Hypothese, dass es ein solches Teilchen gibt, schon seit meiner Jugend, als ich im Bereich der Teilchenphysik promovierte.  Es war die Zeit, als man die Bedeutung der so genannten Eichtheorien erkannt hatte.  In der heute als "Standard-Modell"  geltenden  Quantenfeldtheorie für die elektromagnetische und schwache Wechselwirkung  spielen diese Eichtheorien eine "tragende" Rolle.  Der Haken war nur, dass in solchen Theorien die mit den Quantenfeldern einhergehenden Teilchen keine Massen haben können, sie diese aber aus physikalischen Gründen haben müssen.   » weiter

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Strukturenrealismus und Evolution

02. August 2011, 18:51

Wer  sich die Geschichte der Physik vor Augen führt, insbesondere die der physikalischen Theorien und Begriffe, entdeckt bald,  dass sich die Entwicklung auf zwei verschiedenen Ebenen vollzieht,  auf einer formal mathematischen einerseits und einer  begrifflichen, verbal formulierten  andererseits. In meinem Buch [1]  "Die Entdeckung des Unvorstellbaren"  habe ich das ausführlich dargelegt.   
Die Ebenen sind nicht nur unterschiedlich in ihrer Sprache - hier Mathematik, dort gehobene Umgangssprache -  sondern vor allem auch in ihrer Entwicklung.  Neue Theorien entstehen immer erst auf der ersten Ebene, auf der Ebene der mathematisch fassbaren Beziehungen zwischen Größen, die man mit  physikalischen  Messgrößen identifizieren kann.  Dabei kommen aber immer auch weitere Größen ins Spiel, die eine Interpretation erfordern und oft hinkt ein befriedigendes Verständnis der Bedeutung dieser weiteren Größen nach.  Am Beispiel des elektromagnetischen Feldes  oder der Wahrscheinlichkeitsamplitude in der Quantenmechanik kann man  das sehr gut sehen.   » weiter

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Individualität und die Ununterscheidbarkeit der Quanten

20. Juli 2011, 21:36

Regelmäßigkeiten der Natur, die wir heute bei Atomen und deren Bestandteilen feststellen, beschreibt man sehr erfolgreich mit der Quantenmechanik. Bei der Entwicklung dieser Theorie gelangte man zwangsläufig zu Vorstellungen über die elementarsten Dinge dieser Welt, die unserem Alltagsverstand fremd, merkwürdig und unvorstellbar erscheinen. Quanten besitzen z.B. nicht wie übliche Dinge unserer Makrowelt gleichzeitig verschiedene wohl definierte Werte für ihre verschiedenen Eigenschaften. Das bedeutet auch, dass sich das, was wir allgemein unter Realität verstehen, erst in unserer mesoskopischen bzw. makroskopischen Welt bei Systemen von vielen Quanten als emergente Eigenschaft ergibt. Ich habe dieses z.B. in meinem Blogartikel "Realität und Nichtseparabilität in Quantenmechanik und Buddhismus" weiter ausgeführt. Hier will ich über eine weitere Merkwürdigkeit der Quanten berichten; diese ist weniger prominent und kommt seltener zur Sprache. Es ist die Tatsache, dass man bei bestimmtem Systemen von vielen Quanten den einzelnen keine "Individualität" mehr zubilligen kann. Formal verbirgt sich das hinter dem Begriff der "Ununterscheidbarkeit " der Quanten. Was diese bedeutet und in welche Folgen das für den Begriff der Individualität hat, darüber möchte ich also berichten.  » weiter

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Gefühle eines Physikers beim Lesen eines philosophischen Artikels

03. Juli 2011, 19:21

Alle Vierteljahre erhalte ich per Post die Zeitschrift "Information Philosophie".  Dann sind schon mal wieder einige unterhaltsame und höchst anregende Stündchen beim Kaffee nach dem Mittagessen gesichert. Man liest dort von Trends und Kontroversen in der Welt der Philosophie,  lernt Positionen von Philosophen zu aktuellen Problemen kennen, wird  über neue Bücher und Zeitschriften informiert  und immer gibt es auch einen Essay, der meistens sehr lesenswert ist. Dabei komme ich mir immer vor, als wenn ich wie durch ein Schlüsselloch eine ganz andere Spezies Mensch beobachte, und zwar hinsichtlich der Denkgewohnheiten wie  der  Interessensgebiete .
Manchmal frage ich mich, wieso mir diese Welt so fremd, aber dennoch  interessant und anregend erscheint.  Was trennt Naturwissenschaftler denn von Geisteswissenschaftlern, was speziell Physiker von Philosophen?  Von drei Gefühlen will ich berichten, die sich mir bei der Lektüre dieser Zeitschrift immer wieder aufdrängen.  » weiter

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Was kann ein Philosoph zu einer Fachwissenschaft beitragen?

13. März 2011, 11:09

Vor kurzem fiel mir ein Buch mit dem Titel "Neurowissenschaft und Philosophie" in die Hände. Ich fühlte mich gleich an das Buch "Physik und Philosophie" von Werner Heisenberg erinnert und erwartete nun Reflektionen eines Neurowissenschaftlers über Begriffe und Grundannahmen, die in der aktuellen Forschung heute eine Rolle spielen. Aber weit gefehlt: Es handelte sich um die Dokumentation eines Streitgesprächs dreier Philosophen und eines Neurowissenschaftlers auf einer Tagung der American Philosophical Association im Jahre 2005, eingerahmt von einer Einleitung und einer Schlussbetrachtung eines weiteren Philosophen.
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Keine Angst vor neuen Deutungsversuchen

23. Januar 2011, 09:48

Die Erfolge der Naturwissenschaften werden heute allgemein anerkannt, zu deutlich zeigen sie sich im täglichen Leben, und auch in unseren Denkvorstellungen und Erwartungen haben sie tiefe Spuren hinterlassen.  Aber es wird auch immer wieder von den Grenzen der Methode der Naturwissenschaften geredet, davon, dass es "für den Menschen mehr gibt, als was man messen und wägen" kann, und es wird davor gewarnt, auch die heiligsten Gefühle durch rationale Erklärungsversuche "banalisieren" zu wollen.  Die moderne  Hirnforschung steht heute im Zentrum dieser Diskussion, insbesondere ihre Arbeitshypothese, dass unser Bewusstsein und damit unsere geistige Tätigkeit auf den Eigenschaften der Neuronen und ihrem Zusammenspiel in unserem Gehirn beruht, somit eine emergente Fähigkeit eines sehr komplexen Organs ist.  » weiter

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Über die Zeit

13. Dezember 2010, 10:38

"Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding", so beginnt die Marschallin im "Rosenkavalier" zu räsonieren, und gesteht dabei: "manchmal steh' ich auf, mitten in der Nacht, und lass die Uhren alle, alle steh'n". Die Zeit ist für uns wohl eines der rätselhaftesten Phänomene, sowohl im eigenen Erleben wie auch in Physik, Philosophie oder Psychologie. Schon viel ist darüber geschrieben worden, ein konkreter Fortschritt ist eigentlich nur durch die Relativitätstheorien erzielt worden. Warum also noch ein Beitrag zu diesem Thema? Damit auch wirklich alles von allen gesagt worden ist? Oder weil man eine wilde Spekulation los werden will? Ich möchte im Gegenteil nur einmal versuchen zu rekapitulieren, was man wohl zu Recht bisher über die Zeit sagen kann.  » weiter

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Warum können wir Gesetzmäßigkeiten in der Natur mathematisch fassen?

08. Oktober 2010, 10:03

Nach Vorträgen über Themen der Physik werde ich mitunter gefragt, wieso es denn eigentlich komme, dass man die Natur mit Hilfe der Mathematik so weitgehend beschreiben kann und damit fähig ist, Phänomene und Prozesse in der unbelebten Natur so verlässlich vorherzusagen. Kann man eigentlich verstehen, warum "das Buch der Natur" in mathematischer Sprache geschrieben ist?

Es gab eine Zeit, da hatte ich keine Antwort darauf. Es war für mich ein Rätsel. Ich gehöre ja noch zu der Generation, die mit dem Höhlengleichnis von Platon aufgewachsen ist und damit die Ideenlehre Platons früh in sich aufgesogen hat. Die Mathematik gehörte für mich zu dem Reich der Ideen, und zwar der reinsten Ideen, deren Zeitlosigkeit und Allgemeingültigkeit besonders einleuchtend war. Das, was mich dabei allerdings wunderte, war, warum Theologen sich nicht damit beschäftigten. Wieso passte diese Welt der Ideen nun so gut auf die Natur, die uns doch im wesentlich in Form von Materie begegnete?  » weiter

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Zweierlei Unvorstellbares

23. Mai 2010, 20:34

Als ich neulich einem Theologen gegenüber den Titel meines Buches erwähnte, sagte er: "Wieso müssen Sie denn noch das Unvorstellbare entdecken? Kennen wir nicht schon viel Unvorstellbares im Rahmen unseres Glaubens?"

In der Tat gibt es in allen Religionen viele Aussagen, die den Erfahrungen der Menschen gänzlich fremd sind, z.B. die Auferstehung von den Toten oder das erlöste Leben in einem himmlischen Jenseits, um nur die wichtigsten Versprechen der Religionen zu nennen. Aber nicht nur in den Religionen findet man "Unvorstellbares", die Fantasie hat die Menschen schon immer dazu geführt, in ihren Vorstellungen über die Grenzen des Üblichen hinaus zu gehen - in den Sagen, in Literatur, in Filmen und heutzutage auch in Computerspielen. » weiter

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