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Als Boltos den olympischen Stadionlauf gewann…

17. Oktober 2008, 17:03

Die olympischen Spiele von Peking sind vorbei. Und wie alle vier Jahre, wenn die Wettkämpfe nicht gut abgelaufen, sprich die Sprinter zu schnell gelaufen sind, werden die Griechen beschworen. Nein, nicht die der Jetztzeit, denn die haben sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Bei der jetzigen Olympiade landeten sie im Medaillenspiegel hinter Miniländern wie Bahrein und Panama auf dem 59. Platz. Gewonnen wurde je eine Silbermedaille im Rudern und Taekwondo, je eine bronzene in der Leichtathletik und im Segeln. In einer Disziplin allerdings rangieren die Griechen an erster Stelle: Sie sind Weltmeister im Dopen. » weiter

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Homerisches Leben

19. September 2008, 12:48

Wie alle Griechen fahre ich im Sommer aufs Land. Aufs Land am Meer, d.h. an eine der Küsten oder auf eine der zahllosen Inseln, was wiederum heißt, dass man ein Schiff besteigen muss, auch wenn der Seereisende auf dem Meere so viel unnennbare Leiden erduldet, von denen Homer in seiner Odyssee ein Lied singen kann. Über das dunkle Meer zu unverständlichen Völkern (Odyssee) fährt auch der heutige Grieche nur notgedrungen, sprich zur Arbeit; Urlaub macht er in der Heimat, weil die ihm gleichermaßen Abenteuer verheißt und doch vertraut ist.

Zumindest die Sprache. Man spricht bis auf Dialektverschleifungen das gleiche Griechisch, versteht sich aber nicht unbedingt. Unverständlich bleiben die Städter den Fischerdorfbewohnern und umgekehrt. Athen ist jetzt an jedem Strand, und damit die Rushhours, die man nun Happy Hours nennt. Voll sind die Bars, die Touristen und das Meer, auf dem sich Athens Motorradfahrer auf Water Bikes weiter Rennen liefern. » weiter

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Wieder Krieg um Troja

08. Juli 2008, 13:04

Heinrich Schliemann ließ sich in Troja nicht unterkriegen. Ein Leben lang musste er um seine Glaubenssätze, seine Arbeit, sein Ansehen kämpfen, da die studierten Schatzsucher alles ins Feld führten, den SelfmadeArchäologen unglaubwürdig, ja lächerlich zu machen. Die feine Gelehrtenwelt brachte die Dreckschleudern in Anschlag, weil sich ein hergelaufener Hobbyforscher erdreistet hatte, ihren Homer nicht nur zur Erbauung zu lesen. Heinrich Schliemann nahm ihn beim Wort, sah die Geschichten der Ilias und Odyssee als Geschichtsschreibung an. Und machte sich folgerichtig auf die Suche nach den Orten der Handlung: Mykene und Troja.  » weiter

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Oh mein Gott

01. Juli 2008, 13:27

Die Erde bebt „Nicht der schon wieder!“ schreit Efi auf, die mit ganzem Herzen Griechin, eine gestandene Archäologin und Kollegin von mir ist. Der? Wer? frage ich erst einmal mich. Ein neuerlicher Erdstoß erschüttert das Institut, kippt Bücher aus dem Regal und lässt die Kaffeetassen wackeln. „Pousti!“ gellt Efi. „So ein malaka!“ Sie haut mit der Faust auf den Tisch, was ein Schlag zuviel für die Tassen ist. „Der, der …“ schluchzt sie nun auf. Wer der? frage ich mich abermals. Nun hat seismos, was Erdbeben auf griechisch heißt, zwar einen männlichen Artikel, wird aber kaum als Weichei und Wichser bezeichnet (üble, aber übliche Schimpfworte in Griechenland, die den Stellenwert des deutschen Depps haben).

Efi hangelt sich zum Fernseher, dem wichtigsten Büromöbel in Griechenland. Auf der Mattscheibe öffnen sich acht Fenster, und aus jedem plärrt ein erregter Sprecher den Zuschauer an. Expertenrunde auf griechisch, was bedeutet, dass alle gleichzeitig sprechen und das ausgesprochen laut. Fels in den Redeschwallen ist die Moderatorin, deren Kopf in der Mitte eingeblendet ist. Sie sagt nichts, schaut angelegentlich auf ihre Fingernägel, blickt von rechts nach links, dann von links nach recht, schüttelt dazwischen ihren Kopf, was ihre Haare prächtig zur Geltung bringt. (Nach der Sendung wird sich dann die Staatsanwaltschaft einschalten und zwei Seismologen wegen „Volksverstörung“ anklagen, weil sie vor Nachbeben gewarnt haben). » weiter

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In der Heimat der Lysistrata

25. März 2008, 09:37

Katastrophe ist als Wort wie als Tatbestand eine urgriechische Erfindung. Ohne Katastrophen scheint dem Griechen das Leben nicht bewegt genug; und wenn mal die Natur nicht tätig wird, lässt es hier der Mensch richtig krachen. Es hätte so schön sein können, Schnee und Eis waren überstanden, der Frühling ist da, die Sonne scheint, alles blüht – aber wir sind in Griechenland und da darf es einfach nicht zu schön sein. Also wird gestreikt.

Die Elektrizitätswerke geizen plötzlich mit dem Strom und geben ihn nur stundenweise ab. Die Post hat all ihre Schalter dicht gemacht und Briefträger sitzen noch länger als sonst im Kafeneion herum. Die Telefongesellschaft hat die Leitungen gekappt und kein breites Band verbindet Griechenland mehr mit dem worldwideweb. Auch die Banken streiken, was das Land mittlerweile bargeldlos macht, da die Nationalbank sich seit zwei Wochen weigert, Geld an andere Banken abzugeben, wozu sie als Geldschaltstelle verpflichtet wäre. Aber es wird ja gestreikt. » weiter

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Es grünt so giftgrün in Olympia

18. März 2008, 17:03

Für Griechenland ist Schnee vorhergesagt. Schon ein bisschen Schnee wird im Süden als Sensation gehandelt, weil aber viel Schnee erwartet wird, ist das Wetter alleiniges Thema auf allen Fernsehkanälen. Draußen lacht noch die Sonne, doch schon umwölkt sich die Stirn der Moderatoren und das Wortgestöber wird dichter. Die Weltuntergangsprediger, sprich Wetterfrösche haben ihre (Polar-)Sternstunde, immer wieder sprechen sie von der größten aller Kälten, die im Anzug ist; immer wieder fällt das Wort Sibirien und das mit deutlichem Zittern in der Stimme. Jetzt bloß nicht das Haus verlassen, reglementieren sie. Draußen lauerte bald nicht nur tiefer Schnee, sondern weit Schlimmeres darunter: Eis, pures Eis und das tödlich glatt. Am besten sei es, die nächsten kalten Tage daheim auszusitzen, erhitzen sich die Ratgeber. » weiter

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Ewig gestrige Archäologen

06. Februar 2008, 15:44

Am 9. Januar wäre Simone de Beauvoir 100 Jahre alt geworden. Sie hat den Mann vom Sockel hinunter komplimentiert und so die Frauenbewegung angestoßen. Eine unkonventionelle Frau, die für die Gleichberechtigung focht und gleichzeitig eine unbestechliche Kriegsberichterstatterin des Geschlechterkampfes war. Sie hat uns die Sinne auch dafür geschärft, HERRschaft noch in der subtilsten Form zu erkennen. Zu ihrem Geburtstag beschloss nun einer der Festredner launig, jetzt sei endlich Schluss mit unlustig, äh - Emanzipation. Alles wäre doch erreicht, was die Beauvoir wollte: "Alle Frauen - äh - alle Menschen sind endlich gleich. Äh - in der denkenden Welt und in allen Bereichen." Was bitte ist eine Welt, die denkt? Und stimmt das mit der erreichten Gleichberechtigung? Wie ist es damit bei den Altertumswissenschaftlern bestellt, die ja von Berufs wegen ewig gestrig sind? » weiter

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Der Domina-Effekt

30. Januar 2008, 15:10

Die Telefone stehen nicht still. Wie jeder normale Grieche habe ich wenigstens drei, ein festes und zwei mobile, und alle klingeln seit Tagen ununterbrochen. Freunde aus Deutschland wollen wissen, was an der Geschichte dran ist, die doch nicht wahr sein kann. Sie alle wollen all about Eve, alles über die Archäologin mit der Peitsche wissen. » weiter

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Zweierlei Mazedonien

04. Dezember 2007, 13:06

Advent kennen die Griechen nicht und das Wort "besinnlich" gibt es weder in ihrer Sprache noch in ihrem Naturell. Die Stille Nacht und die Zeit davor ist wegen der Oliven- und Orangenernte mit die umtriebigste des ganzen Jahres. Richtig unfriedliche Weihnachten scheinen uns in diesem Jahr ins Haus zu stehen. Griechenland macht gerade medial mobil. Nein, nicht gegen den Lieblingsfeind, die Türkei. Diesmal hat es seinen Nachbar im Norden ins Visier genommen. Gewaltige Wortgeschütze fahren seit Tagen die Politiker - vorneweg breit der Ministerpräsident - auf: Griechenland werde sein Veto einlegen, sollte sich dieser Balkanstaat erdreisten, um Aufnahme in die EU nachzusuchen. Leitartikel und Leserforen der Zeitungen sind durchweg Hassergüsse und alle Talkrunden im Fernsehen schäumen. Und warum das ganze Geschrei? Weil sich der Nachbarstaat im Norden Griechenlands Mazedonien nennt. » weiter

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Von Kultstellen und Zapfsäulen

12. November 2007, 13:02

Wieder sind es Baupläne, die mich umtreiben. Diesmal die eines mykenischen Palastes, von dem nach 3500 Jahren mit den Grundmauern nur noch der Grundriss übriggeblieben ist. Als er noch in voller Größe und Pracht dastand, residierte in diesen Gemäuern ein (Waffen)Bruder Agamemnons, jenes Kriegstreibers, der zur Invasion von Troja aufrief. Vergessen wir bloß die Geschichte mit Helena! Die ist genauso wahr wie jene Geschichte von den Massenvernichtungswaffen im Irak. Damals wie heute ging es um kostbare Rohstoffe. In der Bronzezeit war es die Bronze, die große Begehrlichkeiten weckte. » weiter

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