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Der Astheimer Burgus und seine Begleitfunde

von Markus Zwittmeier, 07. Juni 2010, 21:25

Ein interessanter Aspekt von Pfalzen, hauptsächlich derer im fränkischen Kerngebiet, ist der Aspekt der Kontinuität. So lassen sich unter dem Aachener Dom römische Thermen nachweisen, unter der Pfalz Frankfurt ruhen Teile eines römischen Legionslagers, in Duisburg wurden Teile einer römischen Jupitersäule gefunden.

Als wissenschaftliches Beispiel der Kontuinuität karolingischer bzw. römischer Anlagen dient oftmals die heute recht unscheinbare Burg Zullestein in Biblis-Nordheim, gerade noch in Sichtweite des bekannten AKW Biblis.

Ursprünglich war der Zullestein ein römischer Burgus, eine Art Einsatzstandort für die schnelle römische Eingreiftruppe. Am östlichen Rheinufer lagen, wie an einer Perlenkette aufgereiht, im Abstand von etwa 30 km, Kleinstkastelle. Bestehend aus einem Steinernen Haus und einer nach 3 Seiten geschlossenen Mauer die sich zum Fluß hin öffnete und so eine Hafenanlage freigab. Diese Anlagen entstanden unter der Herrschaft von Kaiser Valentinian I. der die nach der Aufgabe des Limes seit 100 Jahren wieder bestehende Rheingrenze sicherte um gegen die marodierenden Alamannen vorzugehen.

Im 5. Jahrhundert verfiel die Anlage an der Weschnitzmündung in den Rhein, wurde aber in fränkischer Zeit mit Veränderungen wieder errichtet. Bis 836 befand sich die Anlage in königlichem Eigenbesitz, fiel dann an einen Grafen Werinher, um 995 in den Besitz des nahen Klosters Lorsch zu gelangen. 1068 waren die Wormser Bischöfe Besitzer. Nach erneutem mehrfachen Besitzwechsel wurde Burg Stein im dreißigjährigen Krieg niedergebrannt die Reste anschließend abgebrochen, um in den 50er Jahren wieder entdeckt zu werden.


Der 2003 in Trebur-Astheim ergrabene Burgus lässt sich leider nicht so genau datieren wie sein Bruder bei Biblis-Nordheim. Seine Kontinuität reicht auch nicht so weit in die Gegenwart, dennoch ist er ein beeindruckendes Zeugnis, dokumentiert es doch die Zeit vom 1. bis ins 9. Jahrhundert und sogar die „Bild“ schrieb vom „Sensationsfund im Kartoffelacker“.

1999 und 2000 wurde das Gelände geoelektrisch und geomagnetisch prospektiert. Deutlich zeigten die entstandenen Bilder einen mit Mauern umgebenen Kernbereich der einen 40m breiten Uferbereich sicherte. Die Anlage wurde des weiteren von einem breiten Graben gesichert. Südöstlich der Anlage entdeckte man den Kreisgraben eines Grabhügels, der Burgus selbst wurde von einem weiteren Graben von Südwest nach Nordost durchschnitten.

Bevor die eigentliche Grabung begann wurde das Gelände mit Metalldetektoren abgegangen um möglichen Sondengängern zuvor zu kommen. Südöstlich der Befestigung fand man römisches frühkaiserzeitliches Material, alamannische und fränkische Funde beschränkten sich auf den Bereich des Burgus. Bei der Begehung tauchten auch auf dem gesamten Areal frühe und mittlere Bandkeramik auf, sowie zahlreiche Feuersteinwerkzeuge und Abschläge. Das Areal auf dem später der Burgus entstehen sollte war also schon in der Steinzeit von Menschen besiedelt.

Bei den anschließenden Grabungen achtete man darauf jedes auffällige Merkmal der Prospektion mindestens einmal anzuschneiden.

Zuerst fand man südöslich der Anlage eine Grube in der unter anderem Reste von Keramik gefunden wurden die wohl von den Töpfereien in Mainz Weisenau stammte, die 69 n. Chr. zerstört worden waren. In diese Zeit gehörte auch der in Südwest-Nordostrichtung verlaufende Graben, der unter dem Burgus lag, wie sich nun zeigte.

Vom Burgus selbst waren keinerlei Steine mehr zu finden. Sie waren im 8./9. und 12./13. Jahrhundert ausgebrochen worden, die verbliebenen kleinen Steine wurde anschließend im 18. Jahrhundert abtransportiert. Von dem Pfalrost auf dem die Befestigung errichtet wurde fanden sich nur noch Schatten im Boden. Darüber hinaus war der Boden der spätrömischen Zeit nicht mehr erhalten, durch Überschwemmungen des nahen Rheins war er um 0,8m abgeschwemmt worden.

Nur 3 spätrömische Münzen konnten gefunden werden. Glücklicherweise war eine der Münzen mit Mörtel verklebt, also beim Bau der Anlage verloren gegangen. Die 364/375 n.Chr. in Lyon geprägte Münze wies auf den Zeitraum des Sicherungsprogramms des Kaiser Valentinian I. hin.


Im Bereich zwischen Kernbau und dem Umfassungsgraben fand man alamannische Gräber des 5. Jahrhunderts, die bei der Geopreospektion nicht sichtbar gewesen waren, da sie knapp unter dem Erdboden lagen. Der Burgus war zu dieser Zeit wohl noch einigermaßen intakt, da sich keinerlei Mörtelreste oder Steine in den Grabgruben fanden.

Etwa ab dem Jahr 500 war das Areal fränkisch besiedelt, wie eine zweite Gräberschicht zeigt. Der Burgus muss nun verfallen sein, denn in diesen Gräbern findet sich Ziegel- und Mörtelreste. Eine dritte, beigabenlose Gräberschicht mit massiven Ausbruchsspuren ist wohl in das 8./9. Jahrhundert zu datieren.

Es wird davon Ausgegangen, das der Abbruch des Burgus mit dem Bau von repräsentativen Pfalzgebäuden in Trebur in Verbindung steht, denn die Pfalz in Trebur wird das erste mal 829 erwähnt, besteht aber wohl schon eine gewisse Zeit früher als Krongut.

Zum Abschluss der Grabungen wurde der Grabhügel angeschnitten, der bis dato noch nicht datiert werden konnte.In dem Grabhügel mit etwa 15m Durchmesser wurde, etwas nach Norden aus der Mitte verschoben, eine ehemals 1,6 x 2,3 x 0,7 m großen Holzkammer gefunden. Diese diente als Bestattung für einen etwa 185cm großen, 50 bis 60 Jahre alten Mannes. Dem Mann wurde seine Austrüstung mit ins Grab gegeben: Auf dem Deckel der Kammer lagen ein Lederband mit silbernen Endbeschlägen, sowie eine Lanze mit Aufhaltern, die mit silbernen Nieten befestigt waren. In der Kammer, auf der Linken des Toten lag ein Langsax, sowie ein Spatha mit Silber beschlagener Scheide,zur Rechten der Schild, von dem nur noch zuckerhutförmige Schildbuckel, wieder mit silbernen Nieten, erhalten war. An seinen Füßen waren eiserne Sporen befestigt gewesen und neben seinem Kopf lag ein ein Knochenkamm im Futteral.

Aufgrund der Waffenfunde konnte das Grab in die Zeit um 700 datiert werden. Der Mann, den die Archäologen liebevoll „Asti“ nannten, war wohl einer der letzten freien Grundherren, der noch mehr in der fränkischen Tradition stand als andere seiner Zeitgenossen, die mittlerweile beigabenlos in einfachen Gräbern beigesetzt wurden.

Prof. Dr. Heising, der die Grabungen leitete, schließt nicht aus das es sich bei dem Toten um den Namensgeber Astheims Asgemund oder Askemund handelt.


Nach den Ausgrabungen, wurden die Waffen gereinigt und konserviert, wobei sich das Spatha als herausragendes Stück zeigte, denn nicht nur die Scheidenbeschläge bestehen aus Silber auch die Nieten und Tauschierungen des Pariers sind aus Silber, ebenso der Knauf, der mit stilisierten Tierfiguren verziert ist. Ebenso ist die Scheide in hervorragendem Zustand und am Griff kann man noch Reste einer textilen Wicklung erkennen.

Zur Zeit erarbeitet Prof.Dr. Heising, der zwischenzeitlich von der Goethe Universität Frankfurt nach Freiburg gewechselt ist, an einer Publikation über das Spatha. Interessanter Weise erinnerte man sich kürzlich an ein fragmentiertes Spatha, das bereits 1970 bei Ausbaggerungen des Rheins in etwa 2km Entfernung gefunden wurde. Es ist ebenfalls mit Silbernieten und Tauschierungen verziert und ähnelt dem im Burgus gefunden Stück. Dies lässt die Frage aufkommen, ob die Spathen möglicherweise aus einer lokalen Produktion stammen, denn bei Trebur wurden (von Eugen Schenkel) viele Schlackereste gefunden, die auf eine ausgedehnten Handwerksbezirk mit Metallverarbeitung hindeuten.

Hier findet sich die Informationsseite der Goethe Universität Frankfurt über die Grabungskampagne am Burgus von Trebur-Astheim






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