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Alles eine Frage der Anerkennung

23. Mai 2012, 15:12

"Anerkennung" ist seit Hegels Zeiten ein philosophischer Kernbegriff. In den letzten Jahrzehnten hat sich vor allem Axel Honneth damit beschäftigt, der als Chef des "Instituts für Sozialforschung" Erbe der "Frankfurter Schule" ist, die man mit Namen wie Horkheimer, Adorno oder auch Habermas verbindet. Aber was bedeutet dieser Begriff für die Unternehmens-Ethik?

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Zwangsarbeit ist unbezahlbar

07. Mai 2012, 10:04

Die Probleme, die vor allem Ikea mit der eigenen Vergangenheit und der Verstrickung in das Unrechtssystem der DDR bekommt, werfen gleich eine ganze Reihe von ethischen Problemen auf. Es geht vor allem um drei Fragen: Wie weit reicht die Verantwortung eines Unternehmens für seine Zulieferer? Wie weit reicht die Verantwortung zurück in die Vergangenheit? Und wie hoch müsste eine angemessene Entschädigung ausfallen?

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Sollte der Staat das Pendeln unterstützen?

20. April 2012, 13:05

Neulich hatten wir in meiner Zeitung einen Gastkommentar des Ökonomen Thomas Straubhaar. Der hat argumentiert, man sollte die Pendlerpauschale abschaffen. Oder am Besten, um noch einen draufzusetzen, den Pendler zusätzlich besteuern, weil sie schließlich zur Abnutzung der Straßen und Verschmutzung der Umwelt überproportional beitragen. Es gab selten so viele wütende Zuschriften wie auf den Artikel. Aber ich finde, dass Straubhaar Recht hat.

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Blutiges Fleisch

29. März 2012, 13:32

Als ich noch Schüler war, also vor deutlich mehr als 30 Jahren, erklärte mir die zwölfjährige Schwester eines Mitschülers, dass sie "aus politischen Gründen" kein Fleisch esse. Das hat mich so beeindruckt, dass ich es bis heute behalten habe - obwohl ich es damals gar nicht richtig verstanden habe.

Man kennt ja die einschlägigen Berichte über Tierhaltung. Neulich war wieder einer im Fernsehen - recht sachlich gemacht, keine übertriebenen Bilder. Das Team hat ganz offiziell bei "Wiesenhof" angefragt und durfte dort die riesige Halle mit Zigtausenden von Hühnern filmen. Oder einen Schweinemastbetrieb, der recht sauber und ordentlich aussah auf den ersten Blick, aber natürlich vollgestopft mit Schweinen. Ich hab so einen Stall auch schon mal selber gesehen.

Auf einer Norwegen-Reise vor ein paar Jahren sind mir in den idyllischen Fjorden immer wieder diese Käfige aufgefallen, die ins Meer gehängt waren. Wahrscheinlich Lachse das meiste davon, die sind ja inzwischen fast schon so verbreitet wie Brathähnchen. Das ekligste, was ich je gesehen habe, war ein Film über Haifische, denen die Flossen abgeschnitten werden (die in Fernost als Delikatesse gelten), danach wirft man sie blutend, lebend und hilflos zurück ins Meer.

Ich habe kein Problem damit, dass Tiere getötet werden um gegessen zu werden. Ich esse gerne Fleisch. Sogar Innereien: Dabei rede ich mir ein, dass sie ohnehin weggeworfen werden, wenn sie keiner mag. Seit ein paar Jahren achte ich wenigstens darauf, keine Hühnerbrüste solo mehr zu kaufen oder zu essen, weil der Rest vom Tier ja dann häufig nach Afrika exportiert wird und dort den heimischen Bauern die Preise verdirbt.

Schaut man die Sache von der philosophischen Seite an (und darum geht es ja eigentlich in diesem Blog), dann fällt auf, dass zumindest im angelsächsischen Raum Tier-Ethik oder die "Rechte" von Tieren eine wachsende Bedeutung hat. Es gibt Philosophen, die sogar einen besonderen Schutz für Groß-Affen fordern, weil die den Menschen so ähnlich seien. Und wer sich für Tiere interessiert und die entsprechenden Forschungen, stellt fest, dass man vielen heute weit mehr Intelligenz und Emotionalität zuspricht als früher. Anders gesagt: Wir sind ein bisschen schlauer und geschickter, aber so riesig groß ist der Unterschied gar nicht. Und diese Wesen verdonnern wir zu einem Leben, dass offensichtlich ein Graus ist?

Es gibt dann noch ein paar Spezialprobleme. Zum Beispiel die Überfischung der Meere. Und vor allem die Überfischung von Küstenregionen, die zu armen Ländern gehören. Die Leute dort können keinen Fisch mehr fangen, weil Trawler aus der EU alles abgesaugt haben. Die Alternative heißt dann: Flucht nach Europa, unter Lebensgefahr - oder Umstieg auf Piraterie. Und dann natürlich das Problem, dass die Fleischproduktion eine Unmenge an Flächen für den Futteranbau benötigt, auf denen man wesentlich mehr Menschen vegetarisch ernähne könnte (oder einen Teil einfach der Natur überlassen).

Rechnet man alles zusammen, so gibt es nur eine Konsequenz: Auf Fleisch und Fisch so weit wie möglich verzichten. Jedes Tier, dass nicht eingesperrt, mit Antibiotika vollgepumpt und in der eigenen Scheiße aufwachsen und sein kurzes Leben verbringen muss, ist ein Gewinn.

Aber, ganz ehrlich, leicht fällt mir es mir nicht, das umzusetzen.



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Über Ökologie und "Greenwashing"

16. März 2012, 11:32

"Greenwashing" - das ist ein schreckliches Schlagwort. Damit werden die Unternehmen bezeichnet, die sich einen grünen Anstrich geben, es aber gar nicht ernst meinen. Wie kann man die echten und die unechten "Grünen" voneinander unterscheiden?

Vorausgeschickt sei, dass in Unternehmen sehr unterschiedliche Leute mit sehr verschiedenen Meinungen arbeiten. Wahrscheinlich gibt es in jedem größeren Konzern von jeder Sorte welche: Manager, die sich für Ökologie gar nicht interessieren; andere, die darin eher ein Marketing-Instrument sehen: aber auch Menschen, die das ökologische Engagement sehr ernst nehmen. Daher ist es unter Umständen gar nicht so leicht zu sagen, ob "das Unternehmen" sein Engagement ernsthaft betreibt oder nur als Show. Ganz wichtig ist natürlich die Frage: Wie sieht das Top-Management das Thema? Oder der Top-Manager, der letztlich den Ausschlag gibt: Die Glaubwürdigkeit des Unternehmens hängt letztlich an dieser Person. Und zwar nicht nur an dem, was er zur Ökologie von sich gibt, sondern daran, wie authentisch und verlässlich er insgesamt wirkt.

Einen Eindruck vermitteln manchmal aber auch die Nachhaltigkeitsberichte, die die meisten größeren Unternehmen heute veröffentlichen - häufig sind sie auch unter dem Schlagwort "Unsere Verantwortung", oder "Sustainability" oder "Responsibility" als Link zu finden. Es gibt Berichte, die sehr verständlich geschrieben sind, zum Beispiel von H&M, andere, wie die von Adidas, sind etwas überladen mit Details, wieder andere wirken lieblos. Sie geben einen Eindruck davon, ob wenigstens die Leute, die für CSR (Company Social Responsibility) zuständig sind, ihren Job gut und gerne machen.

Ein gutes Zeichen ist es, wenn dort über Probleme offen berichtet wird. Wichtig ist auch, dass nicht nur Ethik-Codes auf der Seite stehen, sondern auch Angaben darüber, wie sie kontrolliert werden, welche Vorstöße vorkommen und wie das Unternehmen damit umgeht. Eine vertrauensbildende Maßnahme ist dann auch, wenn ein Konzern eine Liste seiner Zulieferer veröffentlicht, wie Apple das zum Beispiel neulich gemacht hat.

Wer sich richtig Mühe machen will, muss einfach verfolgen, was über einzelne Unternehmen veröffentlicht wird, oder nachforschen, was einzelne Institutionen wie Greenpeace, Südwind oder Oxfam an Material haben. Dabei spielen inzwischen auch in Schwellenländern beheimatete Organisationen eine Rolle, etwa chinaloborwatch.org, die die Verhältnisse vor Ort beobachten.

Einen gewissen Hinweis gibt auch, wie Unternehmen auf Vorwürfe reagieren. Die ganze alte Schule war: erst einmal abstreiten. Professioneller ist die Aussage: "Wir nehmen das sehr ernst." Die Frage ist dann, ob später noch Stellungnahmen zu dem Problem veröffentlicht werden.

Insgesamt ist es also nicht leicht, sich ein Bild zu machen, wie ernst ein Unternehmen seine ökologischen Bekenntnisse nimmt. Aber es wäre auch falsch, alle Bemühungen gleich als "Greenwashing" abzutun: So macht man es sich zu leicht und gibt den Leuten in den Konzernen, wie wirklich etwas verändern wollen, keinerlei Rückhalt.



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Warum wir den Griechen helfen sollten

10. März 2012, 18:23

Es geht hier nicht um Schuldenschnitt oder ähnliche technische Details. Sondern um die Frage: Müssen wir den Griechen helfen in ihrer Krise? Das ist eine politische und eine allgemein moralische Frage. Aber da es ja in erster Linie um wirtschaftliche Fragen geht, ist es eben auch ein Teil der Wirtschaftsethik.

Schlagen wir zunächst einmal in den alten Grundregeln nach. Die goldene Regel, in der einen oder anderen Form in fast jeder Religion verankert, lautet: Behandele andere so, wie du selbst auch behandelt werden willst. Der kategorische Imperativ von Kant ist eine etwas ausgefeiltere Formulierung dieser Regel, aber sagt, behaupte ich mal ganz respektlos, im Grunde nicht viel mehr: Handle so (verkürzt), dass deine Art zu handeln ein allgemeines Gesetz werden könnte.

Da fangen die Probleme schon an. Haben wir die Griechen schon einmal um Hilfe gebeten in einer vergleichsweise schwierigen Situation? Nicht dass ich wüsste. Würden wir Hilfe von ihnen erwarten? Wahrscheinlich nicht, allein schon, weil das Land viel zu klein wäre dazu. Aber haben wir von anderen Hilfe bekommen oder erwartet? Bekommen auf jeden Fall: von den Amerikanern nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals haben die Deutschen nicht nur mit der Statistik geschummelt, sondern hatten einen Krieg und einen Massenmord auf dem Gewissen. Trotzdem haben die Amerikaner ihnen (also uns) geholfen, mit Care-Paketen, mit der Luftbrücke nach Berlin, und jahrzehntelang mit militärischem Beistand. Das hat Amerika auch in strategischem Eigeninteresse getan, hört man oft. Aber lassen wir das mal bei Seite: Wir hätten auch genügend eigene Interessen daran, dass Griechenland nicht zusammenbricht.

Eine zweite Fragestellung wäre: Sind wir den Griechen etwas schuldig? Da gibt es zwei Problemkreise. Einmal erinnern sich die Griechen noch sehr gute an die grausame Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg. Sind wir ihnen deswegen heute noch etwas schuldig? Da bin ich mir nicht sicher. Die meisten Deutschen, die heute leben, wurde nach dem Krieg geboren und hatten damit auch nichts zu tun. Ich bin schon für guten Geschichtsunterricht und auch dafür, sich zu den Schattenseiten der eigenen Geschichte zu bekennen. Aber eine unmittelbare Verpflichtung daraus ableiten? Für eine Weile ja, aber heute immer weniger, glaube ich.

Es gibt aber einen anderen, viel näher liegenden Punkt. Griechenland ist ja auch ein Opfer der Konstruktion des Euros: eine einzige Währung für viele unterschiedliche Länder. Man kann über den Euro grundsätzlich denken, wie man mag. Aber dass er zu großen wirtschaftlichen Spannungen in Europa - größer als von den meisten Experten (und von Journalisten wie mir) vorher erwartet - geführt hat, ist mittlerweile unbestritten. Und dass Griechenland wirtschaftlich und auch von seinen politischen Institutionen her nicht reif war für einen Beitritt, kann man auch kaum leugnen. Aber für dieses Projekt "Euro" und auch für den Beitritt Griechenland tragen alle Beteiligten Verantwortung. Und Deutschland als größtes Euroland besonders viel Verantwortung. Also aus der Perspektive heraus: Ja wir sollten den Griechen helfen.

Es gibt noch weitere ethische Ansätze. Zum Beispiel den von Adam Smith, der einfach von "moral sentiments", oft als "ethische Gefühle" übersetzt, ausgegangen ist: von dem unbestreitbaren Fakt, dass Menschen für andere Menschen mitfühlen. Die Frage ist immer, wie weit und wie stark dieses Mitgefühl geht. Aber wenn man sich vor Augen führt, wie stark die normale griechische Bevölkerung schon unter der Krise leidet, sollte doch ein bisschen ethisches Gefühl zu verspüren sein. Norbert Hoerster hat diese ethischen Gefühle in seine Interessenethik eingepackt: Wir haben nicht nur egoistische, sondern auch altruistische Interessen.

Und damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt, bei der Religion: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, lehrt das Christentum (und auch schon das Judentum). Wer aber ist der Nächste? Ist das nur der wirklich der Nächste, also der, der mir sehr nah ist? Dann wäre es möglich, eine Menge Menschen einfach auszublenden. Die christliche Tradition sieht es anders. Und die Geschichte vom barmherzigen Samariter lehrt es anders: Der Samariter hat dem Juden, der unter Räuber geraten war, geholfen - obwohl sie nicht aus einem Volk waren. Der Nächste war hier einfach deswegen der Nächste, weil er in Not war.

Noch ein Argument zu helfen. Heißt "helfen" Großzügigkeit ohne jedes Maß? Nein, heißt es nicht. Aber dass Deutschland sich hier engagiert, ist grundsätzlich richtig.



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Kann denn Luxus Sünde sein?

29. Februar 2012, 14:01

Ist Luxus eigentlich unmoralisch? Das lateinische Mittelalter nannte „Luxuria“, was jede Art von Unmäßigkeit meinte, genauso als Sünde wie „Avaritia“, den Geiz, und „Invidia“ den Neid. Sündig wäre damit also nicht nur ein Luxusleben, sondern auch eine übertriebene Bescheidenheit – und der Neid auf den Luxus der anderen. Es gibt aber gerade in protestantisch geprägten Regionen, und zunehmend auch in modernen, egalitären Gesellschaften den Hang, zumindest übertriebenen Luxus abzulehnen oder sogar als verwerflich anzusehen. Die Logik dahinter lautet: So lange es vielen Menschen schlecht geht, darf sich niemand im Recht fühlen, wenn es ihm zu gut geht. Oder anders gesagt: So lange für viele wichtige Dinge das Geld fehlt, sollte man nicht zu viel für unwichtige ausgeben.

Das ist aber nur die eine Seite der Sache, und sie betrifft ja weniger die Unternehmen als deren Kunden. Fragen wir doch einmal anders herum: Wie ist das Geschäftsmodell, Luxus zu produzieren, aus ethischer Sicht zu bewerten?

Und da fällt die Bilanz zunächst gar nicht so schlecht aus. Denn in der Luxusbranche wird eine relativ hohe Wertschöpfung mit einer verhältnismäßig geringen Umweltbelastung geschaffen. Nehmen wir Uhren: Eine teure Uhr belastet die Umwelt nicht mehr als eine billige, bringt aber zehn- oder im Extremfall hundertmal so viel Geld ein – und kann entsprechend auch mehr gute Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum finanzieren. Oder ein anderer Vergleich: Wer sich eine Sammlung extrem teurer Uhren zulegt, belastet damit die Umwelt viel weniger, als wenn er für dasselbe Geld große Autos fahren oder weite Reisen machen würde. Aus dieser Perspektive dürfte das Verhältnis von Nutzen und Kosten auch aus gesellschaftlicher Sicht gar nicht zu überbieten sein.

Das gilt auch mit Blick auf die Arbeitsplätze. Viele billige Produkte können fast nur noch in Schwellenländern hergestellt werden – was immer zu Kritik an den dortigen, aus unserer Sicht oft mehr als prekären Arbeitsverhältnissen führt. Luxus kann man dagegen auch in Hochlohnländern wie der Schweiz, Frankreich oder Deutschland produzieren.

Der nächste Punkt ist die Nachhaltigkeit. Soweit es sich um Kosmetik oder – was bei Richemont keine Rolle spielt – teure Getränke handelt, ist das rein von der Produktseite her kein Thema. Aber teure Kleidung wird tendenziell länger benutzt als billige. Und was hat eine längere Lebensdauer als eine teure Uhr oder edler Schmuck? Solche Waren werden ja im Prinzip für die Ewigkeit hergestellt: Nachhaltigkeit pur.

Alles in allem gilt also: Luxus als solcher ist kein ethisches Problem.  



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Facebook und die falschen Freunde

16. Februar 2012, 10:55

Neulich rief mich ein flüchtiger Bekannter an, mit dem ich auf Facebook "befreundet" bin. "Ich wollte mal mit meinem Facebook-Freund sprechen", meinte er mit einem Unterton analoger Gemütlichkeit. Ein Freund? Oder nur ein digitaler Freund? Ein netter Kerl, kurz danach haben wir zusammen Wein gebechert, aber unter "Freund" hatte ich bisher immer etwas anderes verstanden.

Das Problem ist zunächst ein sprachliches: Im Deutschen spricht man auch von Partei- oder Geschäftsfreunde. Aber nicht jeder Bekannte ist ein Freund. Im Englischen gibt es dagegen eigentlich keine Bekannten, dafür aber jede Menge "friends".

Das Thema geht aber noch tiefer. Jetzt hat Facebook eine Funktion zur Prävention von Selbstmorden eingeführt. Wer den Eindruck hat, dass ein "Freund" gefährdet ist, kann Alarm schlagen, derjenige bekommt dann die Nummer einer Hotline zugeschickt. Anlass dafür war ein Fall, in dem ein junger Mann von ganz falschen "Freunden" durch gezielte Indiskretionen und Attacken in den Selbstmord getrieben worden war.

Es muss nicht immer gleich so schlimm enden. Aber ich höre häufig, wie Kolleginnen oder Kollegen ich über die Frage unterhalten: Wie gehen meine Kinder mit Facebook um? Wie weit soll ich das kontrollieren? Dabei geht es vor allem um junge Teenager (meine eigenen Kinder sind zum Glück schon erwachsen). Für manche jungen Leute ist Facebook die Welt - mindestens so real wie die Realität. Sticheleien und Gemeinheiten sind dabei noch öffenlicher als im analogen Leben. Auf der anderen Seite gibt es auch Teenies, die ungehemmt schimpfen oder beleidigen und sich nicht klarmachen, dass diese Äußerungen im Zweifel nie mehr aus ihrem digitalen Leben, das Facebook ja jetzt auch so hübsch aufbereiten will, zu löschen sind.

Das Beispiel zeigt eines: Durch die neue digitale Welt entstehen ganz neue ethische Probleme. Für die Unternehmen: Wie gehe ich damit um, wenn mein Netzwerk missbraucht wird? Für die Nutzer: Wer sind richtige Freunde, und was bin ich ihnen schuldig? Wie gehe ich mit falschen Freunden um? Für die Eltern der Nutzer stellt sich eine uralte Frage wieder neu: Wie viel Freiheit lasse ich meinem Kind, wie viel kann es schon selbst verantworten?

Standardantworten auf diese Fragen gibt es nicht.

 



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Was der Fall Schlecker lehrt

01. Februar 2012, 13:03

Klar doch: Niemand kauft in irgendeinem Laden nur aus ethischen Gründen ein. Und niemand meidet ein Geschäft nur deswegen, weil er ethische Bedenken hat. Trotzdem lehrt der Fall Schlecker: Ethik kann beim Überleben einer Firma eine wichtige Rolle spielen.

Schlecker war in den letzten Jahren immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert, seine Mitarbeiter zu schlecht zu bezahlen und zum Teil auch zu behandeln. Und jetzt, wo die Drogeriekette in die Planinsolvenz geht, wird das sehr häufig als einer der Gründe für den Niedergang genannt. Es heißt: Die Kunden haben Schlecker auch deswegen gemieden, weil das Unternehmen in puncto Mitarbeiter einen schlechten Ruf hatte.

Umgekehrt war es bei dm. Zusammen mit Rossmann sind das die beiden großen Konkurrenten von Schlecker. Und dm hat sehr geschickt ein "Gut-Image" aufgebaut, zum Teil durch die Auswahl des Sortiments im Sinne der Nachhaltigkeit. Eine Rolle spielt sicher auch, dass Unternehmensgründer Götz Werner ein bekennender Anthrosoph ist und seine Führung bewusst "dialogisch" gestalten möchte. Die meisten Menschen wissen zwar wenig über Anthroposophie, und man kann darüber auch durchaus geteilter Meinung sein. Aber in der Regel wird die Bewegung vor allem mit ihren Waldorf-Kindergärten und -Schulen identifiziert, die den Ruf haben, besonderen Wert auf Kreativität und Entwicklung der Persönlichkeit zu legen.

Ich denke, dm und Schlecker sind daher Beispiele dafür, wie sehr das ethische Profil eines Unternehmens Auswirkungen auf den geschäftlichen Erfolg haben kann - auch wenn letztlich natürlich die Produkte und das Preis-Leistungs-Verhältnis die größere Rolle spielen.



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Treibjagd auf Raucher

14. Januar 2012, 09:56

Mario Ohoven, der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, will Raucherpausen in Betrieben verbieten, weil die angeblich die Effizienz beeinträchtigen. Da frage ich mich: Wie weit geht die Treibjagd auf Raucher eigentlich noch? Und wie  weit soll die Kontrolle der Arbeitnehmer noch ausgebaut werden?

Zum Glück werden die meisten Unternehmer sich ohnehin nicht um die Meinung von Herrn Ohoven scheren. Immerhin hat die erste Politikerin schon reagiert: Die grüne NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens meint, die Unternehmer sollten den Arbeitgebern lieber Hilfe anbieten, von der Sucht loszukommen, als Raucherpausen zu verbieten.

Ich meine, Unternehmer sollten sich nicht an der Treibjagd auf Raucher beteiligen. Sie sind aber auch nicht für Suchtprävention zuständig. Darum können die Raucher sich schon selber kümmern. Insofern ist die Einlassung von Frau Steffens auch nicht sehr hilfreich.

Die Argumentation, das Rauchen beeinträchtige die Effizienz, kann man sicher nach allen Regeln der Kunst drehen und wenden und mit Studien belegen oder widerlegen. Aber in den meisten Jobs dürfte das Argument doch eher lächerlich sein. Denn jeder weiß, dass jeden Tag viel Zeit mit unnötigen (häufig auch von Vorgesetzten angeordneten) Arbeiten, Geplauder, Streitereien und wo so weiter vergeht. Ob man da nebenbei raucht oder nicht, dürfte keine wirkliche Rolle spielen. Der Mensch, vor allem der deutsche Mensch, ist ja mentalitätsmäßig schon sehr an ein effizientes Arbeitsleben angepasst. Aber eben immer noch ein Mensch, und die Evolution hat uns nicht auf 8-Stunden-Tag, Schichtbetrieb oder Multi-Tasking im Büro vorbereitet. Kleine Freiräume, ob mit oder ohne Qualm, sind daher überlebenswichtig.

Also, vergessen wir Ohoven.

Nebenbei: Ich rauche selten. Manchmal mache dafür aber eine Pause - und denke mir dann meistens den nächsten Artikel aus, ganz effizient.

 

 



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