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Phädra (Phorts.)

17. Juli 2009, 23:13

Das Gewitter (s. meinen vorangehenden Beitrag vom 21. Juni)  ist längst weitergezogen und der Sommerurlaub im Wallis schon wieder Geschichte. Dazu hat die Verlegung von Parkett in unserer Wohnung anschließend so viel Aus- und Einräumarbeiten versurachte (über zweitausend Bücher in der Bibliothek mussten ausgelagert und wieder einsortiert werden) und - buchstäblich - jede Menge Staub aufgewirbelt, dass ich erst jetzt wieder zum Bloggen komme. Als erstes will ich den abgebrochenen Beitrag über "Phädra - Stiefmutter im Liebeswahn" fortsetzen (phortsetzen - bot sich als Kalauer an - man sehe mir das nach).  

Phädra ist eine Frauenfigur der griechischen Mythologie, die - wie Medea - einen festen Platz in der Dramen-Literatur hat. Immer wieder wird vor allem die Fassung der Phèdre von Jean Racine aufgeführt. Der französische Dramatiker ließ diese seine bedeutendste Tragödie (geschrieben nach einer Vorlage von Euripides) 1677 in Paris aufführen. Dieser Tage wurde die Titelfigur dieses Dauererfolgs von Helen Mirren in London verkörpert (die im Kino zuletzt als Königin Elizabeth II glänzte und einen Oscar dafür abräumte).

Dass diese Phädra auch zum Personal der Labyrinthiade zählt, ist weniger bekannt. Sie ist eine Tochter des Königs Minos (und die Schwester der Ariadne), welche Theseus irgendwann nach dem Labyrinth-Abenteuer ehelicht*.
* Eine interessante familiäre Kontruktion: Theseus als Schwiegersohn seines größten politischen Rivalen im Mittelmeer, dem er zuvor nicht nur im Labyrinth die athenischen Geiseln entführte, sondern dem er auch noch die Tochter Ariadne wegnahm und anschließend gleich - auf Naxos - schmählich sitzenließ UND dem er dazu noch den Stiefsohn Minotauros tötete! Offenbar kannte man schon in der Antike das später von Österreich so erfolgreich praktizierte System der politischen Vernunftehen ("Tu, felix Austria, nube" - so haben wir es in der Schule gelernt.)

Fatalerweise verliebt sich Phädra in Hippolytos, den Stiefsohn des Theseus (den dieser antike Don Juan zuvor mit der Amazonenkönigin Hippolite gezeugt hatte). Sie wirft sich ihm an den Hals mit dem Ausruf: "Ich bin verkommen. Bestrafe mich, befrei die Welt von diesem Monster!" Der Jüngling weist ihre Avancen zurück. Die erboste Stiefmutter schwärzt ihn beim Vater als Bösewicht an, der sie, die arme Stiefmutter, sexuell bedrängt habe. Der Vater tötet den unschuldigen Sohn. Tragödie pur.

Gewiss, dies ist nur ein Nebenstrang der komplexen Labyrinthiade. Aber wie der große Erfolg von Helen Mirren in dieser Paraderolle ("Venus hat sich in mir verkrallt wie ein Tiger") noch in unseren Tagen zeigt, ist es nach wie vor ein beliebter Stoff - ähnlich wie die Geschichte der Ariadne, die schon in mehr als 40 Opern verewigt wurde.

 

Der Stammbaum der Labyrinthiade 

Zeus _ Europa (Prinzessin)     Sonnengott Helios _ Perseis        
         |                                                                    | 
   Minos                               _       _               Pasiphae _ Stier (Poseidon?)
                                           |        |                               |
                      (Theseus _ Ariadne) |                  Minotauros
                                                    |
Hippolyte     _   Theseus _  Phädra
(Amazonen- |                     |
königin)     Hippolytos     _/

Eigentlich müsste man diesen Stammbaum um das Labyrinth-Symbol herum anordnen. Dann könnte man den Daidalos und seinen Sohn Ikaros auch noch unterbringen, die ja beide für diesen Sagen-Komplex mindestens so wichtig sind wie der Theseus mit seinen Abenteuern und Frauengeschichten. Aber dann wird es schwierig mit den Verbindungen, die ja auch König Minos einbeziehen müsste, den Auftraggeber für das Labyrinth (in dem seine Schande, der Bankert Minotauros weggeschlossen wird und später auch Daidalos samt Sohn, der ja die küsntliche Kuh baute, in der Pasiphae den Stier empfing.)

Quellen
Euripides (ca. 485 bis 406 v.Chr.): Phädra (ca. 400 ? geschrieben)
Menden, Alexander: "Das Monster in der eigenen Familie". IN: Südd. Zeitung vom 17. Juni 2009
Racine, Jean (1639-1699): Phedre (1677, nach Euripides)

Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal in die früheren Beiträge dieses Blogs rein! Hilfreich sein könnten vor allem die Vorbemerkung zu diesem Labyrinth-Blog und die Zeittafel. Die wichtigsten Personen und Begriffe werden erläutert in Fünf Kreise von Figuren sowie im Register dieses Blogs.


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Im vorangehenden Text hatte ich eine Brücke zu Twitter geschlagen. Um den Beitrag nicht zu lang werden zu lassen, sparte ich aus, was ich in meinen Beiträgen zusätzlich zum Labyrinth-Thema pflegen möchte: Bezüge zum Thema "Hochbegabung". » weiter

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Twittern im Blog?

10. Juni 2009, 11:17

Ich starte gerade ein Experiment: Einträge in diesem Labyrinth-Blog und parellel dazu in Twitter. Kann ich mit 140 Zeichen das Wesentliche aussagen? Einen Versuch ist es wert.  » weiter

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Herschel und Planck: Ariadne sei Dank

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Der erfolgreiche Start der Weltraumteleskope Herschel und Planck mittels einer Ariane-5-Rakete der ESA ist eine schöne zusätzliche Verbindung zwischen diesem Labyrinth-Blog und dem Astro-Blog "Uhura Uraniae".  » weiter

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Japans "Roter Faden"

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Eine junge Japanerin, die hier in Deutschland lebt und arbeitet, erzählte mir folgende Geschichte, als das Gespräch einmal auf das Thema "Labyrinth und Roter Faden" kam: » weiter

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Präsident der USA und mächtigster Mann der Welt wird er jetzt auch noch : Eine Heldenreise

18. Januar 2009, 18:28

Ich könnte leicht einen Bezug zum Labyrinth-Thema herstellen. Als sehr klar herausgearbeiteter Roter Faden würde sich die Suche nach dem Vater anbieten und damit die Suche nach der eigenene Identität, mit der Barack Obama sich in diesem wunderbaren Buch befasst, das ich hier vorstellen möchte. » weiter

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Spiel mit dem Zufall 2: Ariadnes Million

12. August 2008, 12:24

Ariane Million in Wien möge mir verzeihen, dass ich Ihren Namen auf diese öffentliche Weise benütze. Aber als Journalistin wird sie das hoffentlich verstehen. » weiter

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"Ariadne auf Naxos": Entdeckung einer Oper

28. Juli 2008, 10:24

Das zunächst Eigenartige vorweg: Ich mag keine Opern. Sie sind mir viel zu "künstlich". Mit zwei Ausnahmen (die natürlich genauso "künstlich" sind - aber mich trotzdem irgendwie mitreißen):  » weiter

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Starke Frauen im antiken Griechenland

16. Juni 2008, 08:03

Eine sehr sehenswerte Ausstellung wurde Anfang Juni in der Münchner Antikensammlung am Königsplatz eröffnet: "Starke Frauen". Darin wimmelt es nur so von Anspielungen auf die Labyrinth-Sage.  » weiter

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Yrrinthische Nachlese: Mai 2008

31. Mai 2008, 23:33

Auch diesmal wieder ein Rückblick zum Monatsende; mit schönen Belegen der Allgegenwart des L-Motivs -  » weiter

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