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Labyrinth? Irrgarten? Yrrinthos! Eine Begriffsklärung

von Jürgen vom Scheidt, 15. Januar 2008, 13:37

Wenn irgendwo der Begriff Labyrinth auftaucht, können Sie in wahrscheinlich 99 von 100 Fällen annehmen, dass es sich um jene vielfach verzweigte und verwirrende Struktur handelt, die man als Irrgarten bezeichnet - auch wenn es sich gar nicht um einen Garten handelt, sondern vielleicht um ein "Gedanken-Labyrinth" (in dem sich jemand z.B. verloren hat).

Auch die vielgerühmte Klosterbibliothek, die Umberto Eco in seinem Bestseller Der Name der Rose abfackelt, ist kein Labyrinth im engeren Wortsinn, sondern ein dreidimensionaler Irrgarten, genauer: eine Wegstruktur mit vielen möglichen Abzweigungen, Sackgassen und Ein- bzw. Ausgängen (s. Abb. 1).

Manchmal bezeichnet man auch komplizierte Gemütszustände oder soziale Verwirrungen als labyrintische Verstrickungen, und eine moderne Metropole wird im Krimi leicht zum Labyrinth der Großstadt. Da solche Irr-Gärten aber meistens überhaupt nichts mit einem Garten im üblichen Sinne zu tun haben, sondern lediglich auf die Gefahren und Probleme der vielfach verzweigten Unübersichtlichkeit hinweisen, schlage ich für diesen Fall ein Kunstwort vor, das sowohl  deutliche Anklänge ans Labyrinth hat wie auch an die verwirrrende Komplexität und Vielfalt, die damit gemeint ist.

So etwas bezeichne ich mit einer neuen Wortschöpfung als Yrrinthos - näher begründet habe ich das hier: Yrrinthos oder Yrrinth.

Schauen wir uns die verschiedenen Varianten einmal näher an. Zunächst den Irrgarten bez. das Yrrinthos.

 

Abb. 1: Yrrinthos oder Irrgarten im umgangssprachlichen Sinn

Das klassische kretische Labyrinth im engeren Sinne ist etwas völlig anderes: eine ganz klare Struktur, mit einem einzigen Gang, in dem man sich gerade nicht verlaufen kann (s. Abb. 2). Dies wird auch als "klassisches kretisches Labyrinth" (griechisch: labyrinthos) bezeichnet.

 

Abb.2: Klassisches kretisches Labyrinth mit nur einem Gang

Wie das eine aus dem anderen, das Verwirrende aus dem Klaren entstanden sein könnte, mögen Abb. 3 und 4 verdeutlichen: Da öffnet sich ein Durchgang in einer Mauer- dort wird der Weg plötzlich versperrt und allmählich wird alles sehr unübersichtlich und verwirrend.

      

                                  Abb. 3                             Abb. 4

 

Den Weg durch ein (kretisches) Labyrinth bezeichnet man auch als Ariadnefaden oder Roten Faden (s. Abb. 5).

Abb. 5: Ariadnefaden oder roter Faden (als Weg durch ein kretisches Labyrinth)

Literatur
Eco, Umberto: Der Name der Rose. (Italien 1980). München 1982 (Hanser)

Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal bei den früheren Beiträge dieses Blog rein! Hilfreich könnte vor allem die Vorbemerkung zu diesem Labyrinth-Blog sein.




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Kommentare

  1. Fischer kein Betreff
    15.01.2008, 17:32

    Aus dem klassischen kretischen Labyrinth wieder rauszukommen, bedarf es allerdings keines Ariadnefadens, es sei denn Theseus wäre selbst nach Heldenmaßstäben extrem beschränkt gewesen...

    Btw. der Link oben führt auf die Admin-Seiten...

  2. Martin Huhn Link
    15.01.2008, 19:03

    Der Link ist korrigiert und führt nun zum Artikel.

  3. Erwin Reißmann kein Betreff
    23.01.2008, 12:55

    Ein schönes Beispiel für diese Begriffsverwirrung erhalten Sie, wenn Sie z.B. in Google "Labyrinth" eintippen und dann die News zu diesem Stichwort aufrufen.

  4. Andreas Müller Frage zum Minotaurus-Labyrinth
    13.03.2008, 20:35

    Ich finde diese Bilder - insbesondere das letzte, Abb. 5 - wunderschön. Sie haben so eine in sich geschlossene Form und Schönheit.
    Ich kenne den Ariadnefaden von dem Minotaurus-Labyrinth, das Dädalus für König Minos auf Kreta erbaute, um das Ungeheuer Minotaurus zu beherbergen. Worin bestand der Sinn dieses (sicher im oben dargestellten Sinne kretischen) Labyrinths, wenn das Ungeheuer doch so leicht daraus entkommen konnte?

    Beste Grüße aus der kosmologs-Ecke,
    Andreas

  5. Andreas Müller Dankeschön...
    27.03.2008, 17:23

    ...für die Beantwortung meiner Frage (wenn auch an anderer Stelle).

    Beste Grüße,
    A. Müller

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