Kleine Zwischenmahlzeit mit Franz Kafka
von Jürgen vom Scheidt, 11. Dezember 2009, 15:14
Dieses Schmankerl darf ich mir nicht entgehen lassen: "Ein Labyrinth wie bei Franz Kafka". So betitelt die Süddeutsche Zeitung gestern einen kritischen Kommentar. Wer irrt da umher? Qualifizierte Ausländer auf der Suche nach einer adäquaten Anstellung in Deutschland:
Die Bürokratie ist zum Verzweifeln. Hunderttausende Migranten werden hierzulande behandelt wie der Landvermesser K. in Kafkas "Schloss". Die Berufs- und Studienabschlüsse, die sie aus ihrer Heimat mitbringen, sind in Deutschland wenig wert. Wer seine Qualifikation anerkennen lassen will, führt einen zähen, oft aussichtslosen Kampf.
Eine schöne Querverbindung: das Schloss als Labyrinth - passt gut zu dem Palast von Knossos, den man ja auch - noch immer - für die Vorlage zum Labyrinth hält - obwohl er doch nur ein Yrrinthos sein kann. Mehr davon nächstes Mal.
Quelle:
Schultz, Tanjev: "Ein Labyrinth wie bei Franz Kafka". In: Süddeutsche Zeitung vom 10. Dez 2009, S. 4
Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal in die früheren Beiträge dieses Blogs rein! Hilfreich sein könnten vor allem die Vorbemerkung zu diesem Labyrinth-Blog und die Zeittafel. Die wichtigsten Personen und Begriffe werden erläutert in Fünf Kreise von Figuren sowie im Register dieses Blogs.
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Es gibt übrigens bei Kehlmann einen Antipoden zu Kafkas Landvermesser K.: Die Figur "Gauß" im Roman "Die Vermessung der Welt" arbeitet (in einem Kapitel des Romans) ebenfalls als Landvermesser und kommt in sehr ähnliche Situationen wie Kafkas K. Im Gegensatz zu K. schafft es "Gauß" aber, seine Vermessungen durchzuführen.
wir schrieben über diesen text eine klausur..
ich habe ihn dabei als "gesellschaftspolitischen" kommentar verstanden.
ist das jetzt völlig falsch?