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Sexualität als nationales Risiko

von Jürgen vom Scheidt, 14. Mai 2008, 18:09

Wer mal in den USA als Mann mit einer der bei uns (noch) üblichen knappen Badehosen in den Swimmingpool eines Hotels gestiegen ist, wird sich vielleicht über irritierte Blicke gewundert haben; und sich nackt in einer gemischten öffentlichen Sauna zu zeigen, ist dort vielerorts heute noch so unmöglich wie in der Türkei oder einem anderen islamischen Land.

Nacktheit ist in prüden Ländern so eine Sache und Sexualität ohnehin - allen freizügigen Filmen und Büchern zum trotz. Der amerikanische Autor Gay Talese ist in seinem Bericht Du sollst begehren akribisch "auf den Spuren der sexuellen Revolution" (so der Untertitel) eben diesen gefolgt. Vor den soziokulturellen Veränderungen um 1968 war es wohl besonders schlimm, in den USA jedenfalls. Talese zeigt auf, wie ziemlich zeitgleich mit den 1968-er Freizügigkeiten auch in den USA dank Playboy und anderen unerbittlichen Vorkämpfern für Nacktheit, Erotik und Sexualität alles dann doch ein wenig anders wurde (naja, bis auf die Badehosen und die Sauna, jedenfalls).

In der Ära davor, etwa zu Präsident Nixons Zeiten, galt zumindest den Konservativen sogar die "Sexualität als nationales Risiko", wie der Rezensent von Taleses Buch, Wilhelm Trapp, in der Süddeutschen Zeitung süffisant anmerkt. Er findet dann in seiner sehr lobenden Besprechung auch den richtigen Kontext, der das Thema, wie passend, auch für diesen Blog attraktiv macht:

Nach den tieferen Ursachen der Befreiung fragt der Autor [...] nicht. Aber wer auch nur ein wenig durch die Labyrinthe der historisch-theoretischen Sexualforschung zwischen Freud und Foucault geirrt ist, wird diesen Mangel als wohltuend empfinden.

Freud hätte sich über diese posthume Würdigung sicher gefreud - pardon: gefreut. Belassen wir es bei diesem Hinweis - mit einem Link auf zwei andere erotische Stelle dieses Blogs (falls Sie die verpasst haben sollten): Erotische Labyrinthe und Liebespaare

Nachtrag vom 15. Juli 2008: In ihrer Besprechung des Films Married Live (Regie: Ira Sachs) weist die Rezensentin Susan Vahabzadeh darauf hin, dass es in den 1950-er Jahren in den USA den sog. Hays Code gab. Er wurde geschaffen von Will Hays, einem früheren Wahlkampfmanager des republikanischen Präsidenten Warren Harding. Hintergrund waren massive Beschwerden vor allem der katholischen Kirche über Filme, in denen es offenbar von Gewalt und Obszönitäten noch mehr gewimmelt hat als heute (falls das möglich ist). Dieser Hays Code wurde erst 1967 wieder abgeschafft.

Quellen 
Talese , Gay: Du sollst begehren. Berlin 2007 (Rogner & Bernhard) 
Trapp, Wilhelm: "Doch kein nationales Risiko". In: Südd. Zeitung vom 12./13. Jan 2008 (Rezension von Taleses Buch)

Vahabzadeh, Susan: "Als es noch Bienen und Blumen gab". In: Südd. Zeitung vom 11. Juli 2008 

Schauen Sie bitte gelegentlich auch mal in die früheren Beiträge dieses Blog rein! Hilfreich könnten vor allem die Vorbemerkung zu diesem Labyrinth-Blog und die Zeittafel sein.




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Kommentare

  1. jessi Sexualität & Erotik
    09.02.2009, 22:29

    [..]Zeitung, Film, Spiele und das Internet sowieso. Keines dieser Medien kommt heute noch ohne Erotik aus. Wo ist die Zeit wo ein Stück hervorblitzender Haut noch die Fantasie anregte?[..]

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