Neurotheologie - Hirnforscher erkunden den Glauben
Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts begannen Hirnforscher das Phänomen menschlicher Religiosität in den Blick zu nehmen. Es erschienen immer mehr Hypothesen und Studien, die Gott auf neurologischer Grundlage widerlegen oder beweisen wollten. 1984 wurde zum ersten Mal der Begriff "Neurotheologie" für diese Debatten verwendet.
Aus erkenntnistheoretischer Sicht handelte es sich dabei natürlich erkennbar um oft krasse Kategorienfehler (die bis heute vor allem unter reduktionistisch argumentierenden Naturwissenschaftlern bzw. auf schnelle Schlagzeilen schielenden Publizisten populär sind) und so ging ich denn auch recht kritisch im Rahmen meiner Promotion an die Auswertung "neurotheologischer" Arbeiten. Aber zu meiner Überraschung erwies sich die Arbeit daran nicht nur als hervorragende, erkenntnistheoretische Übungschance zur Unterscheidung von Schlacke und Gold - die kuturelle Verarbeitung der Hirnforschung im Bezug "auf Gott und die Welt" in der Cyberpunk- und später Cyberspace-Literatur, Filmen, Spielen erwies sich als wenig erforschtes, aber unglaublich faszinierendes Phänomen. M.E. wachsen heutige junge Generationen mit einem anderen Verständnis von Realität(en) auf als noch ihre Eltern und Großeltern.
Und schließlich: Wenn auch Hirnforscher alleine wenig zur Existenzfrage Gottes sagen können, so eröffneten die vielfachen und sehr unterschiedlichen Studien doch die evolutionsbiologischen Diskussionen. Warum haben wir Homo sapiens Gehirne, die zu Religiosität veranlagt bzw. befähigt sind? Woraus haben sich die entsprechenden Strukturen entwickelt - und wie haben sie sich durchgesetzt? Offen gesagt: Ich hatte das Thema gefunden, in dem ich fortan forschen wollte...
Neurotheologie - Erweiterte Neuerscheinung
Auch nach dem erfreulichen Erfolg von "Gott, Gene und Gehirn" war (und bin) ich sehr überrascht, dass sich doch immer wieder auch Leser und schließlich zwei Verlage für eine erweiterte Neuauflage von "Neurotheologie" interessierten. Schließlich willigte ich ein, lieferte und freue mich, dass Tectum die Neuauflage in auch optisch hoher Qualität umsetzte und "Neurotheologie" jetzt in den Handel brachte.
ISBN 978-3-8288-9933-9
210 Seiten, Hardcover
Tectum Verlag 2009
Preis: 29,90 €
Inhaltsverzeichnis (Kapitel)
1. Erkenntnistheorie: Hirnforschung und ewige Wahrheiten
2. Andrew Newberg. Ein neurotheologischer Entwurf
3. Eine Diskussion von Newbergs Neurotheologie
4. Neurotheologen zwischen Religionskritik und -affirmation
Mit Vorstellung und Diskussion der Hirn-Religion-Thesen von Michael Persinger, Richard Dawkins, Susan Blackmore, Pascal Boyer, Humberto Maturana & Francisco Varela, Laurence McKinney, Matt Ridley und Loyal Rue.
5. Von der "Neurotheologie" zur neurologischen Erweiterung der Religionswissenschaft?
- Neue Kapitel -
6. Neuland: Gott zwischen den Gehirnen
7. Entdecken wir Gott? "Neurotheologie" und Erkenntnistheorie
Mit Vorstellung & Diskussion: Evolutionärer Atheismus, Evolutionärer Agnostizismus und Evolutionärer Theismus.
Schluss: Auf dem Weg zur Religionsbiologie
Über Ihr Interesse würde ich mich natürlich sehr freuen.
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