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Lehrt nur Not beten? Religion, Glück, Lebenssinn und die Wiederkehr des Glaubens

13. September 2011, 20:40

Kaum ein Buch hat mich mehr geprägt und bewegt als "Sacred and Secular" (2004) von Pippa Norris und Ronald Inglehart. Hier wurde über die Entwicklung von Religion(en) nicht nur assoziativ spekuliert, sondern auf Basis des World Value Surveys (WVS) und anderer Datenbasen empirisch geforscht. Den massiven Zusammenhang von Religion & Demografie fand ich hier erstmals überzeugend (auf Ebene von Nationalstaaten) beschrieben. Auch der Nachfolgeband "Modernization, cultural change, and democracy: the human development sequence" von Ronald Inglehart und Christian Welzel hinterließ bei mir einen tiefen Eindruck. Nun endlich ergab sich die Chance, einmal wieder an einigen der dort aufgeworfenen Fragen aus der Perspektive (evolutionärer) Religionswissenschaft anzuknüpfen, in:

Blume, M.(2011): "Lehrt nur Not beten? Zum komplexen Zusammenhang von Religion und Glück", Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte Bd. 32, 2011

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Darwins Thesen zur Evolution der Religion bei der ESEB 2011 in Tübingen - Vortrag

22. August 2011, 11:32

In diesen Tagen findet in Tübingen der 13. Kongress der European Society for Evolutionary Biology (ESEB) mit mehreren Hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Dazu gehört auch ein interdisziplinäres Outreach Symposium "Evolution - More than Biology" mit dem Literaturwissenschaftler Joseph Carroll (University of Missouri, St. Louis), dem Ökonomen Esben Andersen (Aalborg University), dem Mediziner Frank Ryan (University of Sheffield) - und mir, einem Religionswissenschaftler. Wir sollen aufzeigen, wo bereits Evolutionsforschung außerhalb (und in Zusammenarbeit mit) der klassischen Biologe stattfindet. Ich bin gebeten worden, die Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen vorzustellen. Und freue mich sehr über diese Chance und interdisziplinäre Anerkennung!

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Wirtschaft vom Menschen her denken - Poor Economics von Abhijit Banerjee und Esther Duflo

20. August 2011, 21:25

Mein Weg von einer (sehr interessanten) Bankausbildung zum Finanzassisten zur Religionswissenschaft führte über ein kurzes Zwischenspiel in der Volkswirtschaft. Zusammen mit mehreren Hundert anderen Studierenden lauschte ich in einem Hörsaal der Universität Tübingen einem sehr bekannten Professor, der anhand von Nutzenfunktionen von Kuchen und Eis vorrechnete, welche Mengen optimal zu konsumieren wären. Zufällig (!?) hatte ich jedoch just eine Biographie von Franz von Assisi gelesen, der das größte Glück beim Wiederaufbau eines verfallenen Kirchleins und der Zuwendung zu Armen und Leprakranken empfand. So wagte ich schließlich eine Meldung, erwähnte dieses Beispiel und fragte den Professor, woher wir denn die Nutzenfunktionen der Menschen wüssten - für den einen läge Glück in Eis und Kuchen, für den anderen im Dienst an Gott und Mitmenschen. Die Ikone gab mir eine klare Antwort: "Wenn Sie DAS wissen wollen, dann studieren Sie nicht Volkswirtschaft, sondern besser Religionswissenschaft!" Innerhalb von zwei Wochen befolgte ich diesen Rat, für den ich bis heute dankbar bin. Die Faszination für wirtschaftliche Zusammenhänge wird mich sicher durch das Leben begleiten, doch erschienen (und erscheinen) mir die noch vorherrschenden, vor-evolutionären (Menschen-)Modelle in der Ökonomie noch immer als unterkomplex und ideologiebehaftet.

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Vernunft und Glauben in den Wissensgesellschaften - Rückblick auf die Barcelona-Konferenz

11. Juli 2011, 08:31

Nachdem die "Explaining Religion"-Konferenz in Bristol 2010 bereits einiges in Schwung gebracht hat, hatte ich mich über die Einladung, in Barcelona zu "Vernunft und Glauben in den Wissensgesellschaften" ("Reason and Belief in the Societies of Knowledge") zu sprechen, sehr gefreut. Und die Erwartungen wurden weit übertroffen, es gelang nicht nur ein Dialog, sondern auf vielen Feldern auch eine Annäherung von Begriffen und Standpunkten etwa zwischen kognitiven und evolutionären Ansätzen in der Religionsforschung sowie zwischen natur- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven insgesamt. Einen englischsprachigen Blogreport mit ein paar Bildern dazu habe ich auf "Biology of Religion" eingestellt. » weiter

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Das Templiner Manifest für den wissenschaftlichen Mittelbau

09. März 2011, 22:00

Das Scilogs-Bloggewitter zu Ehrlichkeit in der Wissenschaft hat einen erfreulichen Prozess angestossen: Überwog am Anfang oft allzu eilfertige Empörung nur über Herrn zu Guttenberg, so sind inzwischen strukturelle Überlegungen zur Verbesserung von Wissenschaft und Prüfungsordnungen hinzu getreten. Vor allem aber haben eine ganze Reihe von Mitbloggern wie Trota von Berlin, Thomas Grüter, Markus Dahlem, - dieser sogar zweimal -und Anatol Stefanowitsch ein Thema aufgegriffen, dass bereits beim Bloggewitter zum Bologna-Prozess aufkam: Die katastrophale Situation des wissenschaftlichen Mittelbaus! 

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Evolution der Religion in den Nachrichten - aus Neuseeland

28. Januar 2011, 18:01

Eines der schönen Aspekte in der Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen ist: Es gibt so vieles zum ersten Mal! So hat der neuseeländische Nachrichtensender 3News einen 3-Minuten-Nachrichtenclip zur Evolution der Religion ausgestrahlt, bezugnehmend auf die Dual-Inheritance-Studie von Prof. Robert Rowthorn und demografische Daten aus dieser (meiner) Publikation. Neben der interessanten, grafischen Umsetzung finden sich auch kurze Interviewzitate von Kollege Joseph Bulbulia (Victoria University) und Bischöfin Victoria Matthews (Canterbury, NZ). M.W. ist es das weltweit erste Mal, dass aus diesem Forschungsbereich via Nachrichtenclip berichtet wurde. Werfen Sie einen Blick rein!



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Neues Jahr, neues Spektrum der Wissenschaft

01. Januar 2011, 07:58

Als ich mein Abo-Heft von Spektrum der Wissenschaft aus dem Briefkasten holte, fiel mir ein zweites in die Hand. Ein Rezensionsexemplar zum "Relaunch" - überarbeiteten Neustart - der Reihe. Ob ich - völlig frei und gerne auch kritisch - einen Blog-Blick darauf werfen könne?

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Blog-Kommentarfunktion eingeschränkt

26. November 2010, 08:16

Das wissenschaftliche Bloggen hat mir in den vergangenen Jahren unheimlich viel Freude gemacht - und ich möchte es auch nicht mehr missen. Das Interesse war und ist sehr erfreulich und aus vielen guten Diskussionen habe ich auch viel mitnehmen dürfen. Dass sich unter dem Schutz vermeintlicher Anonymität manchmal auch Spinner, Trolle und Stalker austob(t)en, war wohl kaum zu vermeiden und hat nach meiner Einschätzung mit der Ausweitung deutschsprachiger Blog-Angebote auch nachgelassen bzw. besser verteilt.

Zeitbudget & Ansprüche

Zeitlich zunehmend schwierig finde ich jedoch den Anspruch einiger Nutzen, dass Blogger selbstverständlich auf ganze Kaskaden von Fragen ausführlich antworten sollen, die Kommentatorinnen und Kommentatoren - gerne auch anonym - einstellen und die von ganz unterschiedlicher Qualität sind. Manchmal scheint dabei in Umfang und Ton aber völlig aus dem Blick zu geraten, dass Wissenschaftsblogger - auch hier auf den Scilogs - normalerweise ehrenamtlich wirken und knappe Freizeit opfern. Und auch ausführliche Antworten führen dann oft nur zu weiteren Kaskaden - und ein "Danke" für stundenlanges Arbeiten ist dabei sehr selten zu hören.

Zur Natur der Sache gehört auch, dass die jeweiligen fachlichen Kenntnisse von Blog-Nutzerinnen und Nutzern sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Das ist nicht schlimm, sondern Teil der Chance von Blogs - insofern der gegenseitige Respekt gewahrt bleibt und sich niemand zu schade ist, sich in neue Themen halt auch mal einzulesen. Aber ich sehe schon mit Sorge, dass einige Nutzer schon bloße Verweise auf Fachliteratur oder auch nur auf bereits veröffentlichte Downloads und Beiträge als unstatthaft empfinden - und stattdessen allen Ernstes erwarten, dass sich Blogger wieder und wieder auf erklärende Einzeldiskussionen im Kommentarteil einlassen. Bei vermeintlich "weichen" Themen wie Religion bzw. Religionswissenschaft ist dies wohl noch ausgeprägter als in anderen Wissenschaftsbereichen.

Und nun musste ich auch noch erfahren, dass wenige Nutzer meine wiederholten Bitten um Verständnis und Hinweise auf (m)ein knappes Zeitbudget untereinander geradezu als Ansporn nahmen, sich ein wenig "Spaß zu machen" und noch ein bißchen "zu provozieren", gerne auch mal auf der persönlichen Schiene. Ein seriöses Niveau war dabei dann oft nicht mehr zu erkennen. Und ich gebe gerne zu, dass mich diese Erfahrung nach dem Einsatz Hunderter Stunden in "Natur des Glaubens" schon etwas ernüchterte. Und so reifte der Entschluss: Nö, in diese Richtung fahre ich nicht mehr mit.

Blog-Kultur in der Entwicklung

Jede Medien- und Wissenschaftskultur ist ein lebendiger Prozess, der für Veränderungen offen sein muss. Ehrenamt trägt unsere Gesellschaft entscheidend mit, ist aber leider auch immer wieder zynisch ausgebeutet worden. Da gilt es dann halt auch mal, überzogene Freibier-Ansprüche nicht länger hinzunehmen, sondern "Nein" zu sagen. Mir scheint, dass sich Standards der wissenschaftlichen Blogdebatten im deutschen Sprachraum erst noch entwickeln müssen - und dazu sind verschiedene Wege auszuprobieren. Einige Wissenschaftskolleginnen und -kollegen bloggen inzwischen einfach immer weniger, andere moderieren jeden Beitrag und löschen rigoros, was ihnen nicht gefällt. Mir macht das Bloggen an sich jedoch weiterhin Spaß und wenn ich schon Leute um ihre Kommentare bitte, mag ich sie respektieren und nur sehr ungerne zensieren.

Ich habe mich daher dazu entschieden, etwas Neues auszutesten und zukünftig einfach von Fall zu Fall zu entscheiden, unter welchen Blogposts ich noch Diskussionen zulasse. Persönlich provozierende Kommentare werde ich zudem zukünftig einfach ignorieren oder tatsächlich löschen. Die so gesparte Zeit möchte ich stattdessen lieber in weitere, informierende Blogbeiträge investieren, wie sie ja von Hunderten von Leserinnen und Lesern hier im Chronolog "Natur des Glaubens" aufgesucht werden. Und möchte Wissenschaft lieber wieder stärker in Lehrveranstaltungen und Seminaren der echten Begegnung mit Menschen debattieren, in denen man einander mit Namen, Gesicht und bereits gewachsenen Regeln des gegenseitigen Respektes begegnet.

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Neuerscheinung: Familie und Religion - von Wolfgang Mazal (Hg.)

16. Oktober 2010, 08:18

In diesen Tagen erscheint der Band "Familie und Religion" in der Schriftenreihe des österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF) an der Universität Wien. Prof. Wolfgang Mazal und seiner engagierten Mitarbeiterin Christine Geserick ist es dabei gelungen, einen thematisch und interdisziplinär breiten Bogen mit ganz unterschiedlichen Perspektiven zu spannen, in dem Potential und auch Problematiken zum Zusammenhang von Religion und Demografie beleuchtet werden. Als Untertitel wurde daher gut gewählt: Aktuelle Beiträge zur interdisziplinären Familienforschung.


Dankesrede zum Preis "Vermittlungen" zum 60. Jubiläum der Evangelischen Akademie Villigst

02. Oktober 2010, 09:48

Zur Meldung: Preis der evangelischen Akademie Villigst geht an Dr. Michael Blume

Meldung & Foto: EKvW

 

Sehr geehrter Herr Vorsitzender Graumann,

sehr geehrte Frau Krekel,

sehr geehrter Minister Schneider,

sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter von Kirchen und Wissenschaft,

lieber Peter Markus,

sehr geehrte Damen und Herren,

heute haben Sie alle - und besonders der Laudator Prof. Dr. Christian Link - an mir die Höchstrafe für schwäbische Protestanten vollzogen: Das Lob. Denn der sonst so reiche, kulturelle Schatz meiner Heimat bietet leider kaum Verhaltenstips für speziell diesen Fall, denn bei uns gilt: "Ned gschompfe isch globt genug!"

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szmtag