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Braucht Wissenschaft Zuspitzung und Provokation? Ein Dawkins-Kritik-Clip

29. Mai 2010, 18:00

Die Religionswissenschaft ist ein auch menschlich angenehmes Fach - auch wegen der überschaubaren "Szene" und der Kultur gegenseitigen Respektes. Schon weil sich in jedem Seminar Vertreterinnen und Vertreter der unterschiedlichsten Religionen und Weltanschauungen tummeln, ist allen ernsthaft Beteiligten bald klar, dass sie wissenschaftlich gesehen keinen besseren Zugang zu höheren Wahrheiten haben. Die gemeinsame Arbeitsgrundlage ist der methodologische Agnostizismus und was Atheisten, Agnostiker und Theisten verbindet, ist die gemeinsame Neugier. Kooperation statt Konfrontation, sozusagen. Und so rümpfte ich seinerzeit über die massive Religionskritik des Zoologen Richard Dawkins die Nase und fand seine Polemiken, nun ja, unwissenschaftlich.

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Kick it like Einstein: Wie Serbien seinen Diktator gewaltlos kickte

25. Mai 2010, 08:02

Er hatte sich einem nationalistischen Sozialismus verschrieben (was leicht ist - wo es extrem wird, berühren sich lechts und rinks seit je...). Er hatte sein Volk in eine Reihe von Kriegen verwickelt, und mit Kriegsverbrechen in Massenmorde verstrickt. Und seine Handlanger hatten begonnen, Medien und Universitäten gleichzuschalten, jede Opposition gewaltsam einzuschüchtern. Da erhoben sich junge Leute unter dem Banner der Faust und sammelten das Volk hinter sich. Als der schwankende Diktator seine Wiederwahl mit Gewalt und Betrug erzwingen wollte, brachen die Dämme: Am 5.Oktober 2000 beendete ein Volksaufstand die Amtszeit von Slobodan Milosevic. Er wurde 2001 an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert und starb 2006 in seiner Zelle.

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Die Amischen als Fallstudie in der Evolutionsforschung

21. Mai 2010, 20:42

Vor fast zwei Jahren hatte ich schon einmal einen Blogbeitrag über die Amischen veröffentlicht, auf den eine intensive Diskussion gefolgt war. Denn aus der Perspektive der Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen waren und sind über Generationen hinweg kinderreiche Gemeinschaften wie die Amischen, Hutterer, orthodoxe Juden etc. natürlich sehr interessant: Denn als Säugetiere geben wir Menschen unsere Gene nur über Fortpflanzung weiter und Merkmale, die den Reproduktions- und Überlebenserfolg zu heben vermögen, setzen sich im Evolutionsprozess durch.

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Lilith und Lolth

18. Mai 2010, 06:56

Die besten Kunstwerke in Literatur, Film und Fantasie haben fast ausnahmslos eines gemeinsam: Sie übersetzen einen gewachsenen Mythos. So bezog sich der bislang erfolgreichste Film aller Zeiten, Avatar - Rückkehr nach Pandora, nicht nur auf eine Inkarnationslehre des Hinduismus, sondern auch auf einen alten Namen für die Urgöttin: Pandora, die Alles-Schenkende. Der Aufstieg von Agrarwirtschaft und Patriarchat bescherte uns eine andere, mächtige Mythe: Lilith, Abertausenden Fantasy-Rollenspielern besser bekannt als Lolth.

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Das Kastensystem - Nur ein Thema des Hinduismus?

14. Mai 2010, 14:13

"Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?", empörten sich christliche Bauern unter Verweis auf die Bibel gegen Versuche des europäischen Adels, sich unter Berufung auf die Religion immer mehr Geburtsrechte anzueignen. Länger schon hatten die "Edelleute" begonnen, nicht mehr "nach unten" zu heiraten und ihre Erbstände an Macht und Besitz auch als angeboren (nicht von Arbeit im Sonnenlicht gebräunte Haut, "blaues Blut") zu betrachten. Auch in den Stätde bildeten sich berufsbezogene Zünfte und Stände (z.B. Patrizier), die sich zunehmend von anderen abgrenzten. In der Neuzeit eiferten ihnen Rassisten nach, die unter Berufung auf (Pseudo-)Wissenschaft - und nicht zuletzt die Biologie - die natürliche Überlegenheit je ihrer Gruppe behaupteten und vor "Vermischungen" mit "niederen Rassen" warnten.
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Evolution - Gottes Tod oder Gottes Weg?

07. Mai 2010, 01:25

Natürlich hätte ich es wissen müssen. Die Evangelische Akademie Arnoldshain ist bekannt für ihr hohes Niveau gerade auch im Dialog zwischen Naturwissenschaft und Theologie - und einer ihrer Referenten, Pfarrer Dr. Hubert Meisinger, hatte denn auch zu "Liebesgebot und Altruismusforschung" eindrucksvoll promoviert. Als die Einladung zu einem Referat bei der Mai-2010-Tagung "Die Evolution der Religion - Der Biologie hoffnungslos ausgeliefert?" kam, freute ich mich also sehr und ahnte aber auch schon, dass das Thema sicher eine Herausforderung werden würde.

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Die Buchstaben, die Null, das Gewachsene

03. Mai 2010, 19:16

Als Menschen stehen wir alle in einer großen Kette des Lebens. Millionen Generationen von tierischen, erst sehr spät menschlichen Vorfahren haben uns in einer unglaublichen Saga ihre Gene hinterlassen. Und schließlich legten sie, in wachsendem Ausmaß, neben den biologischen auch kulturelle Erbstücke drauf: Darunter Sprachen, Wissenschaften, Mathematik.

 

Freilich halten wir uns - ganz moderne Individuen - gerne selbst für unabhängig und erhaben über das Gewachsene. Wurzeln und Ahnen können ja so peinlich sein. Manche empfinden es als „Kränkung“, von einfachen Tieren abgestammt zu sein. Und andere wollen gerne abstreiten, dass sie die Schrift und die moderne Mathematik wesentlich irrationalen Sehnsüchten und den Leistungen religiöser Gemeinschaften verdanken. Was aber, wenn auch das Vorrationale unser Fundament ist - und bleibt? Ein Beitrag zum Bloggewitter Mathematik - Sprache - Wissenschaft.

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Die Anbetung der Sonne

01. Mai 2010, 17:25

Wie schon Charles Darwin richtig erkannte, bildete der Animismus - die Annahme von der Belebtheit der Dinge - ein gemeinsames Merkmal von sozialen Säugetieren (wie z.B. Hunden) und Menschen. Und indem letztere den als belebt geglaubten "Anderen" (wie Wolken, Bäumen, Bergen, Flüssen, toten Körpern etc.) Personalität zuerkannten, evolvierten sie schließlich die Grundlage von Religiosität. Inmitten einer Welt von bedrohlichen und freundlichen übernatürlichen Akteuren wurden bewegende Erzählungen und Rituale entfaltet und bewährte Tabus und Regeln tradiert. In den gewachsenen Mythologien der Natur- und auch vieler späterer Religionen ist die Sonne (oft auch: der Sonne) dabei immer wieder ein besonderer, übernatürlicher Akteur. Hier sehen Sie eine hinduistische Nepalesin beim Gebet zur Sonne, die symbolisch dargestellt und durch Opfergaben in der Schale versinnbildlicht wird.

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