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Soziale Netzwerke schon bei Jägern und Sammlern - Harvard-Studie zu den Hadza

28. Januar 2012, 10:04

Immer noch hält sich in Teilen der Öffentlichkeit das Klischee von einem brutalen Evolutionsprozess, der letztlich nur Egoismus belohne. Dagegen verweist die Forschung immer stärker auf die enormen Potentiale von Kooperation, die gerade auch die Evolution des Menschen ermöglicht haben.

Letztes Jahr hatte ich auch hier die Auffassung vertreten, dass soziale Netzwerke wie Facebook auch deswegen so erfolgreich und süchtig-machend seien, da sie direkt an unseren sozialen und kooperativen Gelüste nach Teilhabe, Anerkennung und Reputation andocken.

Einer interdisziplinären Forschergruppe aus Coren Apicella, Frank Marlowe, James Fowler und Nicholas Christakis mit Schwerpunkt in Harvard gelang nun jedoch gar der Nachweis, dass die sozialen Netzwerke von heutigen Jägern und Sammlern der Hadza strukturell "modernen" sozialen Netzwerken entsprechen. So schlossen sich die erforschten Hadza zu flexiblen Gruppen ("Camps") zusammen, in denen sich je kooperative ("Kooperatoren") oder weniger kooperative ("Defektoren") Individuen fanden - auch über genetische Verwandtschaftsgrade hinweg. Entsprechend mehr oder weniger erfolgreich konnten und können Hadza-Gruppen gemeinschaftlich Nahrungsbeschaffung, Arbeit (wie Werkzeugherstellung) und Kinderbetreuung organisieren.

Hier der eindrucksvolle Forschungsbericht von Coren Apicella:

 

Evolutionäre Anthropologie und die Prägung unserer Ahnen

Man kann es also gar nicht oft genug sagen: Homo oeconomicus-Modelle & Co., die von grundlegend egoistischen Akteuren ausgehen, sind falsch. Zwar sind Menschen durchaus keine Engel - auch Tendenzen zu Homophily (der Bevorzugung Gleicher) und also Fremdenfeindlichkeit fanden sich durchaus bei den Hadza. Und doch sind wir über abertausende Generationen hinweg auf Kooperation und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Anerkennung usw. evolviert, die nun - individuell verschieden und selbstverständlich soziokulturell ausgeprägt - unser Verhalten prägen. Die Macht, die das Internet über uns gewinnt, resultiert vor allem daraus, dass es diese Sehnsüchte anzusprechen vermag. Von den Hadza und anderen Wildbeutervölkern können wir lernen, wie es dazu kam.

Literatur:

* Apicella, C., Marlowe, F., Fowler, H., Christakis, N. (2012): Social networks and cooperation in hunter-gatherers. In: Nature 481/2012, S. 497 - 502 (kostenpflichtig)

* Blume, M. (2011): Wir Wildbeuter im Web 2.0 - Die soziale Macht des Internet(t). In: Heimat & identität 3/2011, S. 6 - 13 (Open-Access)



Geschrieben in Evolutionspsychologie , Spieltheorie , Netzkultur(en) | 17 Kommentare | 1 Trackbacks | Permalink


Wozu Kunst? Ästhetik nach Darwin von Winfried Menninghaus

13. Januar 2012, 07:13

Immer wieder hatte ich mich darüber gewundert, warum selbst in den Wissenschaften kaum bekannt war, dass schon Charles Darwin selbst hervorragende Begriffe und Hypothesen zur Evolution von Religiosität und Religionen geprägt hatte. Lange Zeit hatte ich zu der Annahme tendiert, dies müsse vor allem an den polemischen Frontstellungen zwischen religionskritischen "Darwinisten" einerseits und religiösen Kreationisten andererseits gelegen haben, zwischen denen sich sorgfältige Lesarten nicht durchsetzen konnten. Dank des neuen Buches "Wozu Kunst? Ästhetik nach Darwin" des Literaturwissenschaftlers Winfried Menninghaus weiß ich es nun besser.

Menninghaus hatte vor einigen Jahren die Beantragung und dann von 2007 bis 2010 die Leitung des interdisziplinären Forschungsclusters "Languages of Emotion" an der FU Berlin übernommen. Das Buch darf schon jetzt als ein wichtiger Ertrag dieses Natur- und Kulturwissenschaften verbindenden Projektes gelten. Menninghaus stellt dabei Begriffe und Hypothesen vor, die Darwin (insbesondere während seines Theologiestudiums in Cambridge als intensiver Genießer von Musikdarbietungen und Kunstausstellungen bekannt) selbst zur Evolution der Künste wie Ästhetik, Singen, Tanzen, Rhetorik, aber auch der Schaffung von Gemälden und Skulpturen formuliert hatte. Selbstverständlich handelte es sich dabei je nur um vorsichtige Entwürfe - doch erweisen sie sich als weit besser als das meiste, was heute in Schrumpfversionen (wie den "Singing-for-Sex"-Entwürfen) als "darwinistisch" verkauft wird!

Menninghaus weist damit nach: Nicht also nur die evolutionäre Religionsforschung Darwins, sondern überhaupt seine Ansätze zu den "höheren" geistigen und kulturellen Fähigkeiten des Menschen fielen den breiten Gräben zwischen Natur- und Kulturwissenschaftlern zum Opfer!

Das Werk erweist sich damit als ein wichtiger und wegweisender Brückenschlag, der aber auch noch aufzeigt, wie viel Arbeit noch vor uns liegt. So rezipiert Menninghaus dominant bis (zum Beispiel beim Thema Religion) fast ausschließlich englischsprachige Studien. Die inhaltlich oft hochwertigen, aber allzu verstreuten Publikationen aus den Federn interdisziplinärer, deutschsprachiger Evolutionsforscher finden dagegen noch kaum zusammen. Eckart Voland wird immerhin mit englischsprachigen Publikationen zitiert, Wolfgang Steinig und Josef Reichholf finden Erwähnung, Gerhard Vollmer fehlt aber beispielsweise (noch) völlig. Mir scheint das kein böser Wille sondern nur ein weiterer Hinweis auf die noch immer fehlende Vernetzung und mangelnde, öffentliche Präsenz der deutschsprachigen, interdisziplinären Evolutionsforscher zu sein.

Auch ist in der gegenseitigen Verständlichmachung zwischen den Disziplinen noch einiges zu leisten. Ich fürchte, man muss schon etwas länger in der interdisziplinären Evolutionsforschung geackert haben, um Sätze wie den folgenden auf Anhieb zu erfassen:

Auch unabhängig von der ausstehenden Klärung solcher Fragen verstärkt das hier vertretene Modell der menschlichen Künste in jedem Fall die Bedeutung derjenigen Fähigkeiten und Dispositionen, die von den Künsten kooptiert, (re)konfiguriert und neu benutzt werden, also nicht eigens und modular für diese Zwecke evolviert sind. Das Modell erweitert Darwins Kriterium lernbarer Varianz zu der Hypothese, dass nicht - oder nicht nur - je einzelne spezialisierte Fähigkeiten zu kunstvollen Höhen getrieben werden, sondern dass die Produktion und Rezeption der Künste Höchstleistungen in der (vermutlich kulturell erworbenen) domänenübergreifenden Zusammenarbeit ehemals separater Adaptionen darstellen. Diese Theorie gibt Kants transzendentalphilosophischer Hypothese eines zugleich "freien" und stimmigen "Spiels unserer Vermögen" im "ästhetischen Gefallen" eine neue evolutionstheoretische Formulierung. (S. 259)

Inhaltlich halte ich das für wegweisend - ich fürchte nur, dass es für Neulinge in dem Forschungsfeld allzu schwer verständlich sein könnte. Und doch kann ich nur hoffen, dass sich möglichst viele Leserinnen und Leser auf Menninghaus' konstruktiven und ertragreichen Brückenschlag einlassen und die Forschungen zu menschlicher Kultur endlich auch im deutschen Sprach- und Forschungsraum eine tragfähigere, empirisch-evolutionäre Grundlage erhalten.



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Faszination Apokalypse - Ein Buch zum Weltuntergang von Thomas Grüter

04. Januar 2012, 19:36

Eigentlich seltsam, dass die Erde noch besteht. Denn am Samstag endete der Kalenderzyklus unseres Jako-O-Familienkalenders. Tja, und es begann ein neuer. Mit dem Maya-Kalender wird es genau so sein: Am 21.12.2012 endet der 13. Kalenderzyklus dieser Hochkultur. Und gäbe es deren Priesterschaft heute noch, so würde auf den 13. eben der 14. Kalenderzyklus folgen, ganz ebenso wie bei Jako-O.

Als Religionswissenschaftler bin ich natürlich nicht überrascht - eher amüsiert -, wie versessen unsere angeblich doch so rational-aufgeklärte Gesellschaft auf Weltuntergänge ist. Den Glauben an ein göttliches Strafgericht haben die meisten hinter sich gelassen - und zittern nun vor der Rache "der Natur". Engel raus, Außerirdische rein. Und dass "Sterne" vom Himmel stürzen oder ganze, wunderbare Städte aus diesem herab steigen kann man auch schon in der Bibel lesen. Auch Blognachbar und Theologe Hermann Aichele weiß dazu einiges zu erzählen...

Aus der Sicht der Evolutionsforschung finde ich diese menschliche Faszination für Weltuntergangsszenarien übrigens gar nicht sonderbar. Als Homo sapiens haben wir Appetit auf Geschichten - ganz besonders, wenn sie Fragen des Überlebens und der Reproduktion thematisieren. Und was könnte also fesselnder sein als eine Story, in der fast die ganze Menschheit verschlungen wird, bevor sich die wenigen Überlebenden wieder glücklich paaren...

Kein Wunder, dass sich die modern-"säkularen" Erzählungen kräftig bei den alten Mythenmotiven bedienen, die genau diese Faszinationen abrufen. Sie können es gerne einmal an sich testen - beobachten Sie doch einmal, was die folgenden Kinoausschnitte in Ihnen so alles auslösen...

Nachdem ich von Thomas Grüter bereits das Buch über Verschwörungstheorien sowie jenes über die neuere Intelligenzforschung verschlungen habe, habe ich mir für den Jahreswechsel sein Buch zu Weltuntergängen gegönnt:

Faszination Apokalypse - Mythen und Theorien vom Untergang der Welt

Und ich darf als Religionswissenschaftler anerkennen: Hier hat der Autor eine ebenso sorgfältig recherchierte wie flüssig zu lesende Zusammenstellung von zunächst religiösen Weltuntergangsszenarien zusammen gestellt. Der Begriff Apokalyse entstammt ja selbst der Bibel und bezeichnet dort eine Offenbarung, die in ebenso dramatischen wie schwer zu entschlüsselnden Bildern gekleidet ist - und nur deswegen so fesselt, weil sie die eingangs erwähnte Faszination bedient.

Beginnend bei den Maya und Azteken über die vier Zeitalter der griechisch-römischen Antike, das Ragnarök der Germanen und den im Zaraostrismus wurzelnden, sich dann in jüdischen und später christlichen und islamischen Varianten auffächernden Messianismus bietet Grüter eine inhaltlich wesentlich korrekte und umfassende Übersicht. Dabei steigt er tief ein und zeigt auf, wie und wo sich verschiedene Interpretationsschichten gebildet und zum Beispiel Jenseitshoffnungen durchgesetzt haben. Ganz "nebenbei" vermittelt Grüter damit auch eine Menge religionsgeschichtlichen Wissens, zum Beispiel auch mit der eindrücklichen Schilderung des blutigen Scheiterns des Täuferreiches von Münster. Seine Interpretationen des Ragnarök-Mythos als Beschreibung des Göttersterbens angesichts des aufstrebenden Monotheismus und seine Deutung der Johannes-Apokalypse halte ich für interessant und wissenschaftlich haltbar.

Grüter setzt sodann seinen Weg fort zu modernen, "politische Religionen" (Ideologien) wie besonders dem Marxismus-Leninismus, aber auch rechtspopulären Untergangspropheten wie Oswald Spengler (Untergang des Abendlandes) und Samuel Huntington (Kampf der Kulturen). Einen geradezu "vergnüglichen" Abschluss bietet seine Vorstellung und Diskussion diverser moderner Untergangsszenarien: Nukleare Katastrophen durch Atomkrieg, biologische bzw. chemische Waffen, ökologischer Kollaps samt Rohstoffmangel (erhält bei ihm die höchste Wahrscheinlichkeits-Punktzahl), große Vulkanausbrüche, Meteoriten- und Kometeneinschlag, Gammablitze, Supernovas, Vakuumzerfall, schwarzes Loch, feindliche Außerirdische und Matrix-mäßige künstliche Intelligenzen. Also fast alles, was das Herz so begehrt - nur Waldsterben, Pandemien und Klimawandel habe ich als eigene Fallstudien vermißt. Obwohl man ja kaum hinterher kommt - laut Lars Fischer meldet die Daily Mail den kommenden Ausbruch des Vulkan Laacher See...

Zu meiner Überraschung stellte sich heraus, dass Grüters Buch also nicht nur eine flüssig zu lesende Übersicht bietet, sondern sogar als Nachschlagewerk taugt. So muss man schreiben (können)!

Halten wir also fest: Wer Grüter gelesen hat, erkennt, dass es es Weltuntergangserzählungen geben wird, so lange es Menschen gibt. Mit diesen werden lautstarke Warner auch in Zukunft Aufmerksamkeit auf ihre religiösen, politischen oder wissenschaftlich-wirtschaftlichen Offenbarungen (Apokalypsen) lenken. Und dies sicher auch nach dem 21. Dezember 2012...



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Religionen und religiöse Erfahrungen - Ein empirischer Vergleich

01. Dezember 2011, 23:26

Nun ist er also wieder da, der heilige Advent, die Vorweihnachtszeit. Auch Menschen, die sonst wenig oder nichts mit Religion zu tun haben, werden nun wieder in religiöse Symbolik und Mythen eingehüllt. Kirchenkonzerte und Weihnachtsmärkte locken Besucherscharen, Zeitschriften und andere Medien greifen die erhöhte Nachfrage mit Spezialtiteln auf, Spendenaufrufe für Arme und Benachteiligte finden erheblich mehr Gehör. Manche werden wieder versuchen, sich gegen solche religiösen Erfahrungen abzugrenzen - und andere werden sich umgekehrt darüber ärgern, dass die heilige Zeit auch kommerzialisiert wird.

Wie ist das eigentlich mit den religiösen Erfahrungen?

Aber wie ist das eigentlich mit den religionsbezogenen Erfahrungen - sind diese innerhalb der Weltreligionen sehr ähnlich? Aus evolutionärer Sicht läge dies nahe, da sich ja in jeder Generationen überspannenden Tradition jene Varianten durchsetzen sollten, die allgemein-menschliche Bedürfnisse erreichen. Aber alternativ wäre ja auch denkbar, dass es riesige Unterschiede gibt und beispielsweise eine Jüdin ein anderes Gottesbild erführe als eine Muslimin oder ein Christ sich mehr mit Schuld und Liebe auseinander setzte als ein Hindu, der eher Dankbarkeit empfände.

Wissenschaftlern steht es gut an, auch gängige Annahmen hin und wieder zu hinterfragen. Als ich also neulich einen Artikel über die Glücksforschung zu Religiosität und Religionen schrieb, entschied ich mich, einmal zu überprüfen, ob sich die religiösen Erfahrungen verschiedener religiöser Kulturen stark unterschieden.

Als Datenmaterial wählte ich den Religionsmonitor 2008, der parallel in mehreren Ländern konkrete "Erfahrungen mit Gott bzw. dem Göttlichen" wie Liebe oder Angst erfragt hatte. Ich wählte acht Länderdatensätze, die bewusst sehr verschiedene, religiöse Kulturen repräsentieren: Deutschland, Indien, Israel, Marokko, Russland, Südkorea, Türkei und die USA.

Und dort verglich ich die Angaben zur Häufigkeit von drei positiven Erfahrungen - Befreiung von Schuld, Liebe & Dankbarkeit, zusammengefasst zu Wohlbefinden (W) - und drei negativen Erfahrungen - Schuld, Angst & Verzweiflung zu Unwohlsein (U).

Der erste Befund ergab schon deutliche Unterschiede: Je nach Intensität der gelebten Religiosität in den jeweiligen Ländern schwankte auch die Frequenz religiöser Erfahrungen - wo seltener gebetet und Gottesdienste besucht werden, finden sich auch seltener religiöser Erfahrungen. Soweit, so wenig überraschend.

Interessant aber auch: Quer durch alle untersuchten Länder überwogen deutlich die positiven über die negativen religiösen Erfahrungen. Unterschiede gab es dabei, sie waren jedoch sehr gering: In den drei Ländern, die die höchsten Frequenzen religiöser Erfahrung verzeichnen (Marokko, Türkei, Indien), wird als häufigste Erfahrung mit Gott oder dem Göttlichen „Liebe“ benannt, in den anderen fünf steht „Dankbarkeit“ an der Spitze. In der Türkei, in Indien, den USA und Südkorea wird häufiger „Befreiung von Schuld“ als „Schuld“ selbst erfahren, in Deutschland gleich häufig. Die seltenste, religiöse Erfahrung ist in sechs Ländern Verzweiflung, in Indien Schuld und in Russland Angst.

Quer durch die religiösen Kulturen sind die gemachten Erfahrungen also nicht völlig identisch, aber überlappen doch sehr weitgehend.

Noch massiver wurden die Übereinstimmungen, wenn die religiösen Erfahrungen jener Befragten verglichen wurden, die als "hochreligiös" galten, da in ihrem Leben und Verhalten Religion einen zentralen Stellenwert annahm (regelmäßiges Gebet, Gottesdienstteilnahme, Zustimmung zu Glaubensaussagen etc.). Hier wurde deutlich: Der "Anteil" von Hochreligiösen schrumpfte in wohlhabend-sicheren Ländern wie Deutschland - jene Befragten, die jedoch hochreligiös blieben, wiesen sehr ähnliche Erfahrungsmuster auf wie die Hochreligiösen aller anderen Länder.

Auch hier zeigten sich die religionsbezogen schon "klassischen" Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die jedoch ebenfalls mit der religiösen Praxis korrelierten: In weniger religiösen Gesellschaften wandten sich stärker Männer als Frauen von der jeweiligen Glaubenspraxis ab und wiesen entsprechend seltener entsprechende religiöse Erfahrungen auf.

Annahmen (leider?) bestätigt

Letztlich also bewahrheiteten sich die Annahmen, die evolutionär zu erwarten waren - was einerseits erfreulich war, andererseits aber natürlich auch ein bißchen ernüchternd: Stunden von Arbeit, aus denen sich nichts eigentlich Neues ergab. Aber so ist das nun einmal regelmäßig in der Wissenschaft - es kann nicht ständig Überraschungen geben.

Dann werde ich jetzt wohl doch einmal wieder einfach die Adventsstimmung genießen und mich darüber freuen, dass auch Menschen anderer Religionen und Kulturen zu ihren Zeiten ganz ähnliche Erfahrungen machen.

Smile

Für an Glücksforschung Interessierte, der besprochene Artikel zum Download:

Blume, M. (2011): Lehrt nur Not beten? Zum komplexen Zusammenhang von Religion & Glück.
In: Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte Bd. 32, 2011

 



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Warum Religion nicht (nur) rational sein darf - Die Wahrheit über ehrliche Signale

02. November 2011, 06:08

Wenn ich Befunde der Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen präsentiere, so mache ich immer wieder die erstaunliche Erfahrung, dass die Rezeption ziemlich genau in zwei Lager zerfällt: Die einen, zu denen fast alle erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehören, teilen die Faszination und bringen sich kritisch-konstruktiv ein. Die anderen dagegen fühlen sich intuitiv in ihren weltanschaulichen Vorannahmen bedroht und "argumentieren" schnell, defensiv, erregt und eskalierend unsachlich. Auf meinem englischsprachigen Scilog habe ich es bei Letzteren überwiegend mit religiösen Kreationisten zu tun, die fürchten, die Evolutionsforschung bedrohe den Glauben. Im deutschsprachigen Raum dominieren dagegen entschiedene Religionskritiker, die auf keinen Fall wahrhaben wollen, dass schon der Theologe Charles Darwin richtig erkannte, dass auch Religiosität und Religionen erfolgreiche Aspekte der Evolutionsgeschichte sind. Mit wissenschaftlichen Argumenten kommt man, so meine Erfahrung, weder bei religiös noch atheistisch Festgelegten weiter - die igeln sich dagegen nur noch immer tiefer ein.

Aber vielleicht hilft ja Humor, um diesen Ängsten und Blockaden zu begegnen?

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Die Psychologie der Archetypen - Nachtmeerfahrten von Rüdiger Sünner

26. Oktober 2011, 22:38

Das breite Interesse und die regen Debatten auf diesem Blog sowohl am Psalm-Hintergrund der Truman-Show wie auch an Verschwörungstheorien führten einmal wieder auf die Spuren von Carl Gustav Jung (1875 - 1971). Der bedeutende Psychologe hatte sich bereits die Frage gestellt, auf die Evolutionsforschung (beispielsweise im Bereich der Narratologie) derzeit wieder neu stößt: Warum finden Menschen weltweit oft verblüffend ähnliche Symbole und Mythen - wie z.B. Himmelsleitern oder Drachen - überzeugend?

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Evolution und Erfolg der Kirchentagsbewegungen

10. Juni 2011, 18:22

So, nun war ich auf dem evangelischen Kirchentag in Dresden 2011 und Scilogger Lars Fischer aka Twitter-@Fischblog vermutete sogleich ein wissenschaftliches Motiv:

@BlumeEvolution fährt bestimmt nur zum Kirchentag nach Dresden um nachzugucken, wieso Religiöse mehr Kinder haben.

Wie so oft hatte Lars natürlich Recht - aber sozusagen erst nachträglich. Meine erste Kirchentags-Beteiligung erfolgte 1999 als Bank-Azubi in Stuttgart - ich meldete mich damals zum ehrenamtlichen Dienst in einem Kassenhäuschen. Die Scharen mit farbigen Schals bestückter, glücklicher Menschen aus allen Ländern und Schichten überraschte, faszinierte und gehörte zu den Impulsen, die zum Studium der Religionswissenschaft führte. Aus evolutionärer Sicht sind wir Homo sapiens einfach eine ganz interessante Spezies!

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Spiritualität im Blick der Wissenschaften

12. Februar 2011, 17:22

Zuerst wenige, dann immer mehr Menschen erhoben sich. Machten die befreiende Erfahrung, dass sie gemeinsam mehr erfahren und bewirken als alleine. Demonstrierten und beteten gemeinsam, hielten den Angriffen gewalttätiger Schergen stand - und stürzten schließlich diktatorische Regime, zunächst in Tunesien, gestern in Ägypten. Der Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei fasste das Ergebnis dieser Tage zusammen: "Das ist der schönste Tag meines Lebens." Und wir ahnen - oder erfahren selbst - dass Menschen die Fähigkeiten zu Gefühlen haben, die sie miteinander und mit höheren Zielen verbinden. Eine wichtige dieser Veranlagungen erkunden wir in den Wissenschaften inzwischen unter dem Stichwort der Spiritualität.

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Heimat und Identität - Die geheimnisvolle Macht der Gefühle

22. September 2010, 21:02

In seltsamer Weise zieht sich die Frage nach Heimat und Identität durch mein bisheriges Leben. Als "Wossi" - Kind von aus der DDR entkommenen Eltern in einem noch nicht wiedervereinigten Deutschland - erlebte ich früh den Wert von Heimat und Zugehörigkeit, aber eben auch doppelte Ausgrenzung durch Etablierte ("Noch so ein Ausländer!") und Zugewanderte ("Noch so eine Kartoffel!"). Und so dachte ich vor neun Jahren, im April 2001, als Student der Religions- und Politikwissenschaft im 3. Semester, die Teilnahme an einem Studienwettbewerb des Bundesinnenministeriums "Angekommen? Aufgenommen? Studentenwettbewerb zur Integration von Ausländerinnen und Ausländern" (so sagte man damals noch) sei eine gute Gelegenheit, mal dazu zu arbeiten. Mein Arbeitstitel war damals schnell gefunden: "Heimat und Identität - Knappe Güter unserer Zeit".

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Die Explaining Religion Konferenz in Bristol, September 2010

21. Juli 2010, 21:20

Die Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen gewinnt weiter an Dynamik - und auch europäische Kolleginnen und Kollegen und Universitäten wirken in der ersten Reihe mit. So bin ich sehr gespannt, Anfang September auf der "Explaining Religion"-Konferenz, ausgerichtet von der Universität Bristol (UK), u.a. Jesse Bering, derzeit Irland, wieder zu sehen und Konrad Talmont-Kaminski aus Polen endlich auch mal offline zu begegnen. Ob Tom Rees kommen wird? Mit Ara Norenzayan, derzeit Kanada, wird es die dritte Begegnung sein und auf das endlich auch persönliche Kennenlernen von Deb Kelemen, Paul Harris, Susan Blackmore, Andrew Atkinson und Nathalia Gjersoe (je USA & UK) - und viele weitere, hoch interessante Forscherinnen und Forscher - freue ich mich schon sehr. Vielleicht haben Sie ja auch Interesse?

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