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Psychologische Religionstheorien - und ihr Problem

von Michael Blume, 19. Februar 2010, 22:26

Ach, das mit der Religion sei doch eigentlich ganz einfach psychologisch zu erklären. Ich kann gar nicht mehr sagen, wie oft ich eine solche Einleitung in den vergangenen Jahren zu hören oder zu lesen bekommen habe - zuletzt auch im Kommentarbereich zum Post "Religiosität - Spiritualität". Und dann folgt meist eine "ganz klare", psychologische Herleitung aus einem reichen Angebot, zum Beispiel ...

* Religion diene der Bearbeitung von Todesfurcht.

* In der Religion erinnere sich der Mensch der Geborgenheit im Mutterleib.

* Religion sei Folge eines Vaterkomplexes.

* Religion diene der Sublimierung von Sexualität.

* Religion entstamme jener Zeit, als der Mensch seine eigenen Gedanken für fremde Stimmen hielt.

* Religion entstamme dem Drang des Menschen, die Welt zu erklären.

* Religion entstamme der Deutung von Träumen hin zu Seelen- und Geistervorstellungen.

* In der Religion verarbeiten Menschen das Nachwirken elterlicher Bestrafung.

* In übernatürlichen Akteuren verkörperen Menschen ihr persönliches und gesellschaftliches Über-Ich.

Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Und selbstverständlich lassen sich für jede dieser und der zahlreiche andere psychologischen und psychoanalitischen Thesen auch problemlos "Belege" (Zitate, Anekdoten) in den reichen Mythologien und Kulturgeschichten der Menschheit finden.

Aber genau das ist dabei auch mein Problem: Das Gleiche gilt auch stets für das Gegenteil. Wenn Religion nur der Bewältigung von Todesfurcht diente - warum gab und gibt es dann religiöse Traditionen ohne Jenseitsvorstellungen? Wenn die religiöse oder spirituelle Erfahrung dem Mutterleib entstamme - warum wird die Gottheit dann so häufig männlich angesprochen? Wie genau entscheidet sich eigentlich, ob Religion nun elterlicher Geborgenheit oder komplexbeladener Bestrafung entspringt? - Usw.

Das Vater unser - Ganz einfach?

Nehmen wir als einfaches Beispiel das wohl am häufigsten gesprochene Gebet der Christenheit, the Lord's Prayer, das Vater unser. Lässt es sich psychologisch denn wirklich einfach und ein-deutig interpretieren? Geht es um Todesfurcht (...in Ewigkeit)? Den Vater? Vergebung vor Strafe? Die Sehnsucht nach Geborgenheit? Belege fände man für jede dieser psychologischen Deutungen. Müssen wir also bei einer Diskussion auf der Ebene eines Geschmacksurteils stehen bleiben?

Oder kann es nicht eher für verschiedene Menschen in verschiedenen Situationen ganz Unterschiedliches bedeuten? Was ist zum Beispiel von dieser musikalischen Interpretation des Vater unser von E Nomine zu halten, die Fans dazu mit Szenen aus dem Computerspiel Kingdom Hearts angereichert haben?

Ich sehe weit und breit keine psychologische Großtheorie, die der komplexen Ausleg- und Anwendbarkeit auch nur dieses einen Gebetes gerecht werden würde.

Empirische Wissenschaft heißt Falsifizierbarkeit

Einige Psychologen, Psychoanalytiker und ihre Anhänger mögen mir verzeihen, dass ich angesichts des Wildwuchses an psychologischen Religionstheorien daran erinnere: Empirische Hypothesen zeichnen sich durch ihre Testbarkeit aus. Es muss also klar sein, wie sie getestet und gegebenfalls widerlegt werden können. Zusammengeklaubte Zitaten und Anekdoten können da nicht mehr als ein Anfang sein. Was sich irgendwie schlüssig anfühlt, ist deswegen noch nicht wissenschaftlich haltbar.

Um es klar zu sagen: In der Evolutionsforschung zur Religiosität leisten v.a. Kognitions-, Evolutions- und Sozialpsychologen längst großartige Arbeit - indem sie statt wolkiger Großtheorien konkrete Studien und Experimente präsentieren und diese im gemeinsamen Rahmen der Evolutionsforschung verorten. Um nur wenige Beispiele zu nennen: Jesse Bering erkundete die Auswirkungen der Glaubensannahme von übernatürlichen Akteuren beobachtet zu werden. Ara Norenzayan wies in spieltheoretischen Experimenten nach, dass schon unbewusstes, religiöses Priming die Kooperationsbereitschaft erhöhen kann. Erica Harris beobachtete, wie der Krankheitsverlauf von Parkinson-Patienten deren Religiosität beeinflußte. Matt Rossano und Ulrich Frey integrierten in kompakten Aufsätzen eine Vielzahl psychologischer Einzelbefunde. Zu Spiritualitäts- und Religiositätserfahrungen gibt es inzwischen eine Vielzahl interdisziplinär-neuropsychologischer Studien. Und Sarah Hrdy arbeitete die besondere Rolle von Mutter-Kind-Beziehungen in der Evolution von Gemeinschaftlichkeit heraus.

Mein Plädoyer wäre also gerade nicht, dass sich Psychologinnen und Psychologen in der Religionsforschung zurück halten sollten - im Gegenteil! Wir brauchen noch viel mehr Kolleginnen und Kollegen, die sich aus den wolkigen Gefilden unscharfer Großtheorien herunter und in die harte, aber ergiebige Bodenarbeit hinein begeben. Unsere (auch religionsbezogene) Psychologie ist evolviert und also außerordentlich komplex, balanciert anpassungsfähig und damit durchaus auch widersprüchlich. Wie die stets lesenswerte Brainlogs-Psychologin Katja Schwab humorvoll weiß: Der Weg ist hier das Ziel! Wenn jemand dagegen auch im 21. Jahrhundert noch verkündet, das mit der Religion "sei doch eigentlich ganz einfach psychologisch zu erklären" - so wird dabei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht viel Substanz geboten.





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Kommentare

  1. Mona Die Musik der Religionen @Rüdiger Sünner
    01.03.2010, 08:48

    „Auch ich habe jahrelang intensiv Zen betrieben, bin aber doch wieder davon weggekommen, weil es zwar eine tiefe Entspannungstechnik sein kann, aber mir wenig hilft, die grossen Geheimnisse der Natur zu verstehen. …“

    Wie „betreibt“ man Zen? Haben Sie Zazen praktiziert? Und welche „großen Geheimnisse“ der Natur möchten Sie verstehen?

    Gerhard Menzel schrieb hier. „ich denke, wenn die Musiker der westlichen Welt nur z.B. östliche Spiritualität spielen wollen, weil sie die Tonarten der eigenen Musik nicht mehr durchschauen, hier nur noch Tamm-Tamm verstehen, wird auch in fremden Spielweisen nur Tamm-Tamm herauskommen.“

    Der Dalai Lama meint, bevor man sich mit einer fremden Religion befasst sollte man erst einmal die eigene kennen. Insofern ist bei mir z.B. der Katholizismus immer gegenwärtig, da ich ihn als Kind „lernte“. Als ich Zen kennenlernte merkte ich, dass mir diese Denkweise näher lag, ja viele meiner Wesenszüge passten besser zum Zen-Buddhismus als zum Katholizismus. Zen war sozusagen schon immer da. Ich befasse mich gerne auch mit anderen Religionen, darum bin ich auch auf diesem Blog gelandet. Was ich damit sagen will ist: Die Melodie des Katholizismus habe ich als Kind gelernt, sie ist wie ein Kinderlied, das man auch ohne Noten spielen kann. Die Melodie des Zen kannte ich bereits und es ist leicht sie zu spielen; und die Melodie fremder Religionen möchte ich verstehen lernen, auch wenn ich das Stück nicht spielen kann.

    Ich möchte daran jetzt aber keine Glaubensfrage festmachen, es geht um die emotionale Bewertung. Alle Stücke, d.h. alle Religionen wurden von Menschen geschaffen, wer oder was den Schöpfer des Stücks bzw. der Religion inspiriert hat weiß ich nicht, denn da beginnt der Glaube.

    Für mich beschäftigt sich Zen sehr wohl mit den „Geheimnissen“ der Natur. Daisetz Teitaro Suzuki schreibt: "Die Methode des Zen besteht darin, in den Gegenstand selbst einzudringen und ihn sozusagen von innen zu sehen.“ Ich habe über dieses Thema schon mal ausführlich geschrieben und möchte ungern alles wiederholen. Mir ist auch klar, dass vielen Menschen die Denkweise des Zen eher fremd bleibt, das habe ich an den Kommentaren gemerkt. Wie heißt es doch unter Indianern: „Mancher hört einen anderen Trommler“.

    http://www.chronologs.de/...ne-gott-zen-buddhismus

  2. Rüdiger Sünner Zen und die Natur
    01.03.2010, 09:49

    @Mona
    Ja, ich habe jahrelang Zazen gemacht, u.a. auch im Zen-Kloster "La Gendronniere" des Japanischen Meisters Deshimaru in Frankreich. Immer noch hängt in meinem Flur eine Kalligraphie von ihm, die mich jeden Morgen in ihrer Schönheit und Strenge tief anrührt. Gelernt habe ich dort viel, die Begegnung mit asiatischer Kultur und Spiritualität, die Entleerung meines Geistes, um immer wieder unvoreingenommen auf die Welt zu schauen, die hohe Geistigkeit der Zen-Ästhetik und Architektur etc.
    Geheimnisse der Natur aber bedeutet auch Durchgang durch die Naturwissenschaften: Wie wird aus der DNA eine Form? Wie entstand Bewusstsein? Warum wissen wir immer noch nichts über die unsichtbare Kraft der Gravitation, die alles Leben erst ermöglichte? Hat die Evolution ein Ziel oder nicht? Welche Rolle spielt der Zufall bei der Entstehung des Lebens und des Menschens? Was war der Urknall und was davor? Entstand die Materie aus Materie, aus Geist, Energie oder woraus? Da hilft Zen wenig, höchstens sich auf den Augenblick zu konzentrieren und den Geist offen zu halten. Natur "von innen" zu verstehen, ist eine schöne Metapher, aber was heisst das genau? Ich denke, wir brauchen Rationalität, Empirie und Intuition zum Verstehen der Natur (also auch ein Stück "Innenschau").

  3. Balanus Denkverbote /M. Blume
    01.03.2010, 10:42

    Denkverbote, Dogmen, Tabus — na, da fahren Sie ja mal wieder ganz schweres Geschütz auf, lieber Michael ;-)

    Es geht doch nur darum, dass sich im Laufe der Jahrzehnte ein wissenschaftlicher Konsens herausgebildet hat, und zwar allein aufgrund von Beobachtungen und Fakten. Zu diesem Konsens gehört, dass dem evolutionären Wandel kein teleologisches Prinzip zugrunde liegt. Weder die derzeit bekannten Evolutionsmechanismen noch der aktuelle Stand der evolutionären Entwicklungen liefern Anhaltspunkte dafür, dass der evolutionäre Wandel zielintendiert wäre, ganz im Gegenteil.

    Man darf das natürlich anders sehen, denn die Wissenschaft kennt keine Dogmen, die geglaubt werden müssen. Es wird auch keiner gezwungen zu glauben, dass Fossilien aus tieferen Schichtungen älter sind als die aus den höher gelegenen. Es geht immer nur darum, welche wissenschaftlichen Annahmen in sich schlüssig und widerspruchsfrei sind und welche nicht.

    Wenn es Beobachtungen geben sollte, die für eine zielintendierte Evolution der Arten sprechen, dann könnte, nein, müsste man darüber diskutieren. Das ist aber, soweit ich weiß, nicht der Fall.

  4. Mona Zen und Naturwissenschaft @Rüdiger Sünner
    01.03.2010, 10:59

    Natürlich wird kein vernünftiger Mensch bestreiten, dass es zum Verständnis der Geheimnisse der Natur auch den Durchgang durch die Naturwissenschaften braucht. Aber mit Naturwissenschaft und Religion ist es wohl wie mit der Liebe, auch wenn man weiß welche körperlichen Abläufe hier beteiligt sind ,so erklärt es nicht die romantischen Gefühle, die der eine hat und der andere vielleicht nicht.
    Zen ist ja von Hause aus neugierig und kennt keinen Dogmen, insofern sehe ich da jetzt keine korrelierenden Punkte.

  5. Mona Wissenschaft und Irrglaube @Balanus
    01.03.2010, 11:24

    „Man darf das natürlich anders sehen, denn die Wissenschaft kennt keine Dogmen, die geglaubt werden müssen.“

    *Hüstel* Nur ein Beispiel: Vor Jahren wurde von Ernährungswissenschaflern herausgefunden, dass tierisches Protein dem menschlichen sehr nahe kommt. Logischerweise muss der Mensch viel tierisches Eiweiß und damit Fleisch etc. essen um damit seine körperlichen Reserven am besten auffüllen zu können. Inzwischen weiß man aber, dass ein zuviel an tierischen Produkten denkbar ungesund ist. Bis man diese neuen Erkenntnisse gewann, wurde der alte Irrglauben in sämtlichen Lehranstalten als Dogma der modernen Wissenschaft verbreitet.

  6. Rüdiger Sünner Wissenschaft und Dogmen
    01.03.2010, 11:44

    Dass die Wissenschaft keine Dogmen kennt, ist ein schöner, frommer Wunsch, der natürlich nicht immer mit der Wahrheit übereinstimmt. So sollte es eigentlich sein, ist es aber oft nicht. Bereits die Urväter der Naturwissenschaft, wie Descartes, Francis Bacon und Galileo Galilei haben Dogmen aufgestellt, auf denen Biologie und Physik bis heute ruhen: Das Wirkliche ist messbar, und Nichtmessbares muss messbar gemacht werden, Innen und Aussen, Geist und Materie (res cogitans, res extensa) sind strikt voneinander getrennt. Das sind willkürliche, spekulative, durch keine Empirie beweisbaren Apriori-Setzungen, genauso metaphysisch wie die Dogmen der Kirche. Man suchte damals verzweifelt nach neuen unerschütterlichen Gewissheiten, nachdem die theologischen Glaubensgebäude fraglich geworden waren. Das hatte sein Positives, indem es die Menschen von der Diktatur der Kirche und des Aberglaubens befreite und zum selbständigen Denken ermutigte. Es wäre z.B. zu untersuchen, inwieweit Naturwissenschaft und Aufklärung zusammenhängen. Aber es bildeten sich eben neue Dogmen heraus, wie es oft in der Geschichte der Fall ist und die geistern bis heute im Wissenschaftsbetrieb - oft unreflektiert - herum. Biologen und Physiker müssten im Studium auch ein wenig Philosophie, Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte lernen, um zu sehen, dass ihre Methode eine historisch gewordene Methode und keine "letzte Wahrheit" ist.

  7. Mona Zu Zen und Wissenschaft @Rüdiger Sünner
    01.03.2010, 13:06

    Der letzte Satz sollte natürlich heißen: …insofern sehe da jetzt keine miteinander konkurrierenden Punkte.

  8. Balanus Dogmen /@Mona, @R. Sünner
    01.03.2010, 13:10

    Nun gut, wenn man Annahmen der Art, dass es da draußen eine beobachtbare Welt gibt, als wissenschaftliches Dogma bezeichnen will, dann gibt es auch in der Wissenschaft so etwas wie Dogmen.

    Wir reden hier aber nicht über weltanschauliche Grundannahmen an der Grenze unseres Erkenntnisvermögens, sondern über Erkenntnisse, die mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden gewonnen wurden. Die sich natürlich auch als falsch herausstellen können, was aber nur beweist, dass es sich bei wissenschaftlichen Befunden oder Lehrmeinungen gerade eben nicht um Dogmen handelt.

    Andererseits gibt es durchaus Lehrsätze, die im Gewand eines Dogmas daherkommen, weil sie als unwiderlegbar "wahr" gelten. Dennoch steht in der Wissenschaft letztlich alles zur Disposition, weil das wissenschaftliche Prinzip keine letzten, unumstößlichen Glaubenswahrheiten kennt. Das ist nach meinem Dafürhalten das einzig zulässige Dogma in der Wissenschaft.

  9. 01.03.2010, 13:37

    @ Mona
    Ich würde es mal so sagen: Zen und Naturwissenschaft können sich gut ergänzen. Im Moment brauche ich Zen oder andere Meditationstechniken nicht, weil das durch Naturwissenschaft vertiefte Staunen und Nachsinnen über die Geheimnisse der Natur mir auch meditative Momente verschaffen kann. Will ich meinen Geist "entleeren", höre ich Bach, den grossen europäischen Meditationsmeister.

  10. Wentus @Mona Wissenschaft und Irrglaube
    02.03.2010, 15:59

    Solche Beispiele wie die veralteten Ernährungshinweise werden von vielen Wissenschaftskritikern angeführt und verunsichern tatsächlich sehr viele Menschen.

    Der Hintergrund dessen besteht darin, dass sich die Medizin eben nicht wirklich wissenschaftlich verhalten hat. Der Anfangspunkt war die Medizin als Branche des theologischen Fachbereichs und das Ende ist erst erreicht worden, als vor zehn bis zwanzig Jahren die evidenzbasierte Medizin eingeführt worden ist.

    Analogieschlüsse wie bei der Nützlichkeit von Fetten sind nicht erlaubt, sie müssen empirisch bewiesen werden. Es ist jedem zu misstrauen, der einen Satz so beginnt: "Wer wollte bestreiten, dass..."

  11. MassimoViachetti Evidenz
    02.03.2010, 18:27

    "Evidenzbasiert" - ein hehres Ziel. Aber wissenschaftliche Studien können nur so integer sein wie die Wissenschaftler, die sie durchführen. Die Wirklichkeit sieht so aus: Es wird getrickst, gedealt, gefälscht: Forschungsskandal Göttingen 2006, Innsbruck 2008, Bonn 2009, Konstanz 2010, Stammzellforscher Hwan Woo Suk 2006, "Korruption greift in der Forschung um sich; bundesweit 60 Hinweise auf Fehlverhalten", "Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt bundesweit gegen 100 Professoren", "Spitze des Eisbergs", "Forschungsmafia Klimaschutz" usw. Abgesehen vom vorsätzlichen Betrug wird übrigens bei Messungen und Experimenten stets mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit das Ergebnis erzielt, das der Experimentator erwartet, es geschieht selbst bei ehrlichen Absichten ganz unbewußt.

  12. Michael Blume @ Balanus: Einspruch! :-)
    03.03.2010, 00:44

    Lieber Balanus,

    da sind wir wieder bei einem klassischen Problem interdisziplinärer Debatte! Sie schrieben: Denkverbote, Dogmen, Tabus — na, da fahren Sie ja mal wieder ganz schweres Geschütz auf, lieber Michael ;-)

    Erlauben Sie mir, darauf hinzuweisen, dass Denkverbote, Dogmen und Tabus im Feld der Religionswissenschaft nun wirklich nicht selten sind - und ggf. sogar notwendig, um religiöse Traditionen und Gemeinschaften zu etablieren und über Generationen und Jahrhunderte hinweg zu erhalten.

    Es ist nur immer wieder erstaunlich, wie gerne Wissenschaftler, Künstler und andere für sich in Anspruch nehmen, frei von solchen Phänomenen zu sein - was ein Blick von außen meist schnell widerlegt. Auch Wissenschaftler sprachen und sprechen gerne Denkverbote aus, verteidigen Dogmen und Tabus etc. Gerade auch die Psychologie und Psychotherapie selbst weisen da einen Reichtum an Eigen-Beispielen auf! Allerdings stimme ich Ihnen zu, dass es in vielen wissenschaftlichen Disziplinen eben auch anerkannte Methoden gibt, vorherrschende Prämissen dennoch herauszufordern und ggf. (mindestens mittelfristig) zu überwinden. In der Realität ist dies zwar "nur" ein Ideal - das aber eben doch immer wieder auch real wird. Auch deswegen macht Wissenschaft ja solche Freude! Sie bleibt immer spannend und voller Überraschungen...

  13. Balanus Balanus: Einspruch! :-) /@M. Blume
    03.03.2010, 18:41

    Jetzt bin ich ein wenig ratlos. Worauf bezieht sich Ihr "Einspruch"?

    Ich habe doch nicht behauptet, dass es in Religionsgemeinschaften keine Denkverbote, Dogmen und Tabus gäbe. Ich sprach von den naturwissenschaftlichen Disziplinen. Hier sind mir keine Denkverbote, Dogmen und Tabus, wie sie in Religionen gang und gäbe sind, bekannt.

    Was einzelne Wissenschaftler tun (also etwa Denkverbote aussprechen), ist in diesem Zusammenhang unerheblich.

  14. Michael Blume @ Balanus
    04.03.2010, 20:15

    Der Einspruch bezog sich auf die Diagnose, das Feststellen von Denkverboten, Dogmen und Tabus sei "schweres Geschütz". Ist es nicht, es ist der Normalzustand aller Menschengruppen, die einen Konsens darüber ausbilden, was richtig(er) und wahr(er) ist und ungehalten reagieren, wenn dieser Konsens in Frage gestellt wird.

    Ich sprach von den naturwissenschaftlichen Disziplinen. Hier sind mir keine Denkverbote, Dogmen und Tabus, wie sie in Religionen gang und gäbe sind, bekannt.

    Na, da muss ich nun aber doch das hervorragende "Fallstricke. Die häufigsten Denkfehler in Alltag und Wissenschaft" empfehlen:
    http://www.wissenslogs.de/...op.de/artikel/1006676

    Persönlich fand ich - neben anderen, gravierenden Fällen - am erschütterndsten das Schicksal des genialen Dr. Semmelweis, der es gewagt hatte, den Herren Ärzten empirisch aufzuzeigen, dass sie mit ihrer mangelnden Hygiene den Tod unzähliger Mütter verschuldeten. Und der tatsächlich glaubte, diese angeblich ach so rationalen Epigonen würden es ihm danken und von ihm lernen...

    Wo immer Menschen wirken, menschelt es - im Guten, wie im Schlechten.

  15. Balanus Ah ja, verstehe… /@M. Blume
    04.03.2010, 21:55

    …aber dann kann ich Ihren Einspruch nicht gelten lassen. Sie zwingen mich, das Ganze noch einmal zu rekapitulieren:

    Im Nachbarblog hatte ich Karl Barth zitiert:

    » Die Naturwissenschaft hat freien Raum jenseits dessen, was die Theologie als das Werk des Schöpfers zu beschreiben hat. Und die Theologie darf und muß sich da frei bewegen, wo eine Naturwissenschaft (...) ihre gegebene Grenze hat. «

    Hier im Blog schrieb ich (am 28.02.) zur "Grenze zwischen Wissenschaft und Religion/Mystik":

    » Wer diese Grenze nicht beachtet, könnte zum Beispiel leicht zu der Vorstellung gelangen, die Evolution steuere auf ein Ziel zu. Das darf man zuhause im stillen Kämmerlein ja glauben, aber wenn solcherart Ideen in eine wissenschaftliche Arbeit einfließen, ist das weniger schön. «

    Daraufhin schrieben Sie:

    » Das finde ich nun wirklich interessant - ein wissenschaftliches Dogma? Ein Tabu? Bewehrt mit Ketzerdrohungen? Wow! «

    Und im Weiteren sprachen Sie von "Denkverboten". Da ist es doch wohl verständlich, dass ich das als "schweres Geschütz" empfunden habe, wo ich doch nur den Gedanken Karl Barths gefolgt bin.

    Nun gut, damit ist das (nebensächliche) Thema für mich erledigt, ich verzeihe Ihnen ;-).

    » Wo immer Menschen wirken, menschelt es - im Guten, wie im Schlechten. «

    Deswegen hatte ich mich ja nur auf die wissenschaftlichen Disziplinen als solche bezogen, also auf das Prinzipielle, das Forschungsideal, oder wie auch immer man das nennen mag.

  16. Michael Blume @ Balanus
    05.03.2010, 18:09

    Na, aber dann können wir uns doch wohl wirklich gütlich einigen: Sowohl Religionen wie Wissenschaften formulieren bisweilen hohe Ideale, denen freilich die jeweils Handelnden als Menschen nie vollkommen gerecht werden können. Die jeweiligen Ideale (z.B. Nächstenliebe, wissenschaftliche Objektivität) entwertet dies jedoch nicht.

    Einverstanden? :-)

  17. MassimoViachetti Hinweis, @ all
    07.03.2010, 19:41

    Wie die Religionen entstanden, ist schon interessant. Vielleicht noch interessanter, besonders im Hinblick auf die Frage ob Religion ausstirbt, ist die Entstehung des Atheismus.
    Arvid Leyh weist in seinem Blog auf folgenden Artikel im New Scientist vom 3.3.2010 hin: Where do atheists come from?
    Erwähnt wird u.a. das NSRN, The Non-religion and Secularity Research Network.

  18. Michael Blume @ MassimoViachetti
    09.03.2010, 07:35

    Ja, auch ich würde denen widersprechen, die Atheismus einfach nur als Abwesenheit bzw. Unterentwicklung von Religiosität definieren wollten. Deswegen verfolge ich auch diese Forschungen mit großem Interesse und bin vor allem gespannt, ob sich auch einmal demografisch erfolgreiche (oder wenigstens stabile) atheistische Gemeinschaften oder Traditionen entwickeln werden. Danke also für die Hinweise - zumal Arvid Leyhs Braincast "immer" hörenswert ist! :-)

  19. Ralph Würfel Das Wissen um den Tod
    09.03.2010, 22:17

    Der Mensch ist das Wesen, das um seine Sterblichkeit weiß. Da dieser Gedanke an sich nicht zu ertragen ist, muss der Mensch dem etwas entgegensetzen. Bei Hegel heißt es, Geschichte sei das, was der Mensch mit dem Tod anfange. Wir könnten dies aber auch Kultur nennen. Es lassen sich verschiedene Stufen sehr unterschiedliche Praktiken kultureller Handlungen finden.

    In einer sehr frühen Stufen der menschlichen Entwicklung sind es die magisch-mythischen Rituale, die das Weiterleben des Stammes ermöglichen sollen. Campbell sagt dazu in „The Masks of God“: Wo es Magie gibt, da gibt es keinen Tod.

    Die ersten Ackerbaugesellschaften brechen mit den magischen Formen der Kulturpraxis (ohne sie aufzugeben, sie werden im Hegelschen Sinne aufgehoben). Sie entdecken die Sprache und die Zeit. Aber noch wichtiger – es werden Symbole und Herrschaftsstrukturen (Macht) geschaffen. Es ist nun möglich, gesellschaftliche Normen zu setzen. Und die ersten (nicht-monotheistischen) Religionen entstehen. Ken Wilber (sich auf Spengler beziehend) meint, dass die gesteigerte Todesfurcht neue Formen symbolischer oder vorgeblicher Unsterblichkeit hervorbrachte (in „Halbzeit der Evolution“) und verweist auf das alte Ägypten der Totenkulte. Bei E. Becker heißt es dazu, der Tod würde durch Anhäufung von Monumenten überwunden in „Escape from Evil“).

    Es blüht aber auch eine andere Form der Flucht vor dem Tod – das Opferritual. Es ist gewissermaßen das „Herzstück“ dieser Stufe der menschlichen Entwicklung. Becker und Wilber sehen das Opfer als den „magischen Ersatz“ für Unsterblichkeit. Natürlich ist das nur ein Aspekt einer komplexen Thematik. Entscheidend ist aber, dass sich das Blutopfer in ein symbolisches Opfer wandelt. Nicht mehr Blut muss fließen (es genügt nicht mehr), sondern das Ich wird geopfert. Hier ist der Beginn der monotheistischen Religionen anzusetzen. Aber natürlich wird das tatsächliche Opfer nicht aufgegeben, sondern wieder aufgehoben. Um nur einen Autoren von vielen zu nennen: Canetti hat sprachgewaltig in „Masse und Macht“ auf den Zusammenhang Opfer – Mord – moderne Kriegsführung hingewiesen.

    Und es beginnt eine dritte Wende – etwa zeitgleich mit dem Entstehen der ersten (patriarchalen) Gemeinwesen (Polis) entwickelt sich das aus dem zyklischen das lineare (oder zeitgeschichtliche) Denken. Die Unsterblichkeitssymbole sind nun Geld (Gold) und Güter. Und es entwickeln sich die großen monotheistischen Religionen. Die wichtigste Manifestation ist die Proklamation der Schuld, der Sünde – der Mensch ist in der Lage, die Trennung vom „Paradies“ (also vom Eins-Sein mit Gott) zu empfinden und erkennt, dass sein „Ich“ - sein Ego, sein Ich-Bewusstsein, daran „schuld“ ist. Die Erkenntnis, was gut und was böse, sprich: was richtig und was falsch ist (also das eigene moralische Handeln zu erkennen und zu bewerten), ist die neue kulturelle Leistung. Selbstbewusstsein und mentale Reflexion sind das Ergebnis.

    Aber spätestens mit dem Beginn der Moderne (Descartes) kann auch diese -Form der Religion dem sich weiter entwickelnden menschlichen Bewusstsein nicht mehr die existenzielle Angst nehmen. Andere, adäquate kulturelle Leitungen müssen gefunden werden. Ich bin davon überzeugt, dass der moderne Mensch – wie alle anderen vor ihm – diese finden werden. Klar ist, dass wir uns in einer Phase des Nicht-mehr und Noch-nicht befinden, eines Übergangs, der nicht leicht und sehr schmerzhaft werden wird. Und ich bin gespannt, was uns erwartet. Eins aber sicher nicht – die monotheistischen Religionen in ihrer bisherigen Form.

  20. Michael Blume @ Ralph Würfel
    09.03.2010, 23:15

    Ein sehr schöner Kommentar, dem ich viel abgewinnen kann. Allerdings möchte ich doch darauf hinweisen, dass religiöse Systeme vor und auch lange nach der Staatlichkeit (z.B. im antiken Griechenland und Rom) durchaus ohne Jenseitsversprechen auskamen. Die Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit erhöht zwar die durchschnittliche Affinität zur Religiosität, viele sterben aber auch heute ohne entsprechende Hoffnung. Die Auseinandersetzung mit dem Tod ist also sicher ein wichtiger Faktor, aber nicht "die" einzige Wurzel von Religiosität.

  21. Ralph Würfel Existenzielle Todesangst
    10.03.2010, 08:53

    Lieber Michael Blume,
    danke für das Feedback.
    Es geht mir (und sicher anderen auch) nicht um die individuelle Auseinandersetzunng mit dem Tod (die ein etwas anderes Phänomen ist), sondern um die grundlegende, existenzielle Angst vor dem Tod, die im kollektiven Bewußtsein (wenn es mir erlaubt ist, diesen Terminus zu nutzen) verankert ist. Médard Boss nennt sie die "grundlegende Ur-Angst", die der Menschheit als Gesamtheit und natürlich jedem einzelnen Individuum "eingeboren ist".
    Jenseitsversprechen (als exoterische, nicht esoterische Erfahrung) scheinen auch mir ein eher marginales Phänomen zu sein, wenn man sämtliche Religionen betrachtet. Interessanter Weise haben gerade die in Europa vorherrschenden monotheistischen Religionen ein großes Problem mit der esoterischen Seite der "Erlösung" gehabt (und haben es sicher auch immer noch).
    Um zu sehen, welche weiteren Gründe für Religiosität hier diskutiert werden, muss ich mich noch ein wenig in den Blog einlesen und werde sicher in die eine oder andere Diskussion einsteigen.

  22. Balanus "Demografisch erfolgreiche atheistische Gemeinschaften"
    10.03.2010, 12:06

    Soweit ich das überblicke, sind religiöse Gemeinschaften wie Inseln in einem Meer von Atheismus. Eins bedingt das andere.

    Davon abgesehen: Jedes Staatsgebilde, das kein Gottesstaat ist, ist von der Konzeption her eine atheistische Gemeinschaft.

  23. Michael Blume @ Balanus: Schön! :-)
    11.03.2010, 07:39

    Ein schöner Kommentar. Sie schrieben: Soweit ich das überblicke, sind religiöse Gemeinschaften wie Inseln in einem Meer von Atheismus. Eins bedingt das andere.

    Solange sich sowohl Glaubende wie Nichtglaubende gegenseitig in ihren Menschenrechten (inkl. der Religionsfreiheit) respektieren, kommt dieses Bild den Befunden tatsächlich nahe.

    Davon abgesehen: Jedes Staatsgebilde, das kein Gottesstaat ist, ist von der Konzeption her eine atheistische Gemeinschaft.

    Nein, das ist nicht wahr. Das deutsche Grundgesetz ist formuliert "In Verantwortung vor Gott und den Menschen..." (Präambel) - ohne dass man Deutschland deswegen ernsthaft als Gottesstaat bezeichnen könnte. Wo z.B. Eidesformeln verwendet werden, ist der religiöse Zusatz freiwillig. Und die Möglichkeiten der Kirchen stehen mindestens theoretisch (und zunehmend auch praktisch) auch anderen Religionen und Weltanschauungen offen.

    Die schärfste Trennung von Kirchen und Staat gibt es übrigens in den USA, wo schulischer Religionsunterricht oder staatlich finanzierte Lehrstühle für Theologien undenkbar sind. Gleichwohl kann man die USA nicht ernsthaft als "atheistischen Staat" bezeichnen, die Gesellschaft (und mittelbar auch Politik) ist religiös (mit-)geprägt.

    Wie in der Biologie gilt auch hier: Die real existierende Vielfalt ist stets größer als jedes einfache Klassifikationssystem. :-)

  24. Michael Blume @ Ralph Würfel
    11.03.2010, 07:44

    Angesichts Ihrer sehr differenzierten und informierten Beiträge wage ich die Prognose, dass wir ggf. viele gute Diskussionen vor uns haben! Herzlichen Dank für Ihr Interesse - und herzlich willkommen!

  25. Balanus Atheistische Verfassung /@M. Blume
    11.03.2010, 13:11

    » Das deutsche Grundgesetz ist formuliert "In Verantwortung vor Gott und den Menschen..." (Präambel)… «

    Ich vermute mal, man könnte alle Gottesbezüge aus dem Grundgesetz streichen, ohne dass sich dadurch irgendetwas Wesentliches ändern würde.

    Wenn Religionsangehörige eine Verfassung bzw. Grundgesetz formulieren, sind Bezüge auf Gott nahezu unvermeidlich. Aber das sind Leerformeln ohne tiefere Bedeutung, die das Staatsvolk nicht zu einer theistischen Gemeinschaft von Gläubigen machen. Der Staat definiert sich im Kern atheistisch. Er muss auch dem Wesen nach atheistisch bzw. säkular sein, damit die Bürger ihre Religionen frei leben können.

    Wenn Sie jeden Menschen, der hin und wieder "Gott sei dank" sagt, als religiös geprägten Theisten bezeichnen, dann werden Sie schwerlich eine Gemeinschaft finden, auf die das Label "atheistisch" passt.

  26. monika kneiseler religion und religiosität
    11.06.2010, 20:06

    zunächst einmal, glaube(!) ich, dass religion und religiosität an sich zwei verschiedene dinge sind.

    das erste entspricht einer sozialen, vorgegebenen moral/ethik, die durchaus sinn macht, also orientierungsvorgabe in diesen dingen. alles, was dem nicht entspricht, ist kontraproduktiv, bis destruktiv, und somit für mich das glatte gegenteil.

    das zweite ist die persönliche "einsicht" und deren auslegung, und das verantwortungsbewußte handeln danach, was bei jedem einzelnen bekanntlich anders ausfällt.

    beides hat seine berechtigung darin, angst/furcht sowohl soziologisch, als auch psychologisch, in welcher hinsicht auch immer, zu minimieren, und eine erträgliche balance für alle herzustellen und zu erhalten.

    alle menschen haben mindestens ängste in bezug auf zugehörigkeit zu einer gruppe: vereinnahmung versus ausschluß. erhalt versus erneuerung/veränderung.

    solange es kommunikation unter den menschen gibt, und die wird es immer geben, solange es menschen gibt, (kommunikation ist hier nicht nur als sprache zu verstehen, man "vermittelt" ja auch seine einstellung durch nichterscheinen z.b.(gleichgültigkeit"vermeintlich" oder "unvermeidbar", was wiederum interpretationssache ist))wird es auch angst vor mißverständnissen geben. das ist auch garnicht anders möglich, da das wort (und auch die tat s.o.....hier wird die beobachtung, wahrnehmung wichtig)an sich schon einer individuellen interpretation unterliegt.

    hier gilt es also ängste abzubauen, und widersprüche zu minimieren. daraus entsteht mut kommunikation zu pflegen, auch, wenn diese ein sehr unzulängliches, rudimentäres mittel zu sein scheint....denn in der übung und im erfolg liegt die verstärkung des tuns und des verstehens(vertrauensbildende maßnahmen/authentizität).
    dieser mut minimiert wiederum die angst und erhöht die toleranz und achtung(selbstachtung), also ein sich selbst verstärkendes system.

    noch verständlicher wird es, wenn man weiß, dass diabolos (altgr.) der verwirrer heißt( hier gilt vielleicht, wem es nützt, der war es auch).

    ....den überblick/durchlick zu verlieren macht angst, und angst erzeugt immer gewalt ....wie selbstverständlich umgekehrt auch.

    zur angst gibt es ein sehr verständlich geschriebenes buch von fritz riemann,
    mittlerweile ein religions-pschychologisch-soziologischer klassiker: grundformen der angst

    monika kneiseler

  27. monika kneiseler ps:
    11.06.2010, 21:51

    ....insofern könnte man also sagen, dass religion sich aus dem bedürfniss allen menschen zu dienen, sich mit ihnen zu verständigen, trotz aller mißverständnisse, aus der verantwortungsbewußten intelligenz entwickelt hat(?), unabhängig davon, ob sie von einzelnen mißbraucht wurde und wird....was leider trotzdem letztlich die folge war und ist.
    es ist wie mit der kriminalität. für jedes gesetzlich ausgeschlossene verhalten, gibt es eine anpassung auf der kriminellen seite, die ein schlupfloch gefunden hat. der "verwirrer" merkt eben nicht, in welches "gefängnis" er sich selber sperrt, wenn er auf kosten anderer lebt, sich asozial verhält.
    dies ist wohl immer die motivation, die dahintersteckt. diese kommt vielleicht aus der faulheit?
    aber woher kommt die faulheit, sprich die motivation, sich asozial zu verhalten?
    dies müsste untersucht werden.
    überforderung, ausgeschlossen sein oder sich zu fühlen, zwang, gewalt, unfreiheit, fehlendes selbstbestimmungsrecht, mangelndes(selbst)vertrauen, fehlende "nestwärme", übergangen worden sein, sich auf sich selbst verlassen müssen zu fühlen, verlassen zu sein, den spiegel verloren zu haben, oder ihm nicht zu trauen, ungerechtigkeit, daraus resultierende angst????

    letztlich eine wechselwirkung zwischen psyche und auf sie einwirkende umstände.
    erziehung läßt grüßen, denn sich ohnmächtig fühlen(ohne macht)übrigens auch der unterschied zwischen disstress und eustress, erzeugt fremdbestimmung oder zumindest das gefühl einer solchen.
    hier auch die wichtigkeit von vätern in der erziehungsarbeit....

    in diesem zusammenhang wäre also zu prüfen, wie sich gleichgültigkeit gegenüber ungerechtigkeit, und ungerechtigkeit durch ohnmächtig sein auswirkt.

    aber bitte nicht wieder mit blindem fleck gegenüber weiblichen belangen, schließlich ist das evolutionäre erbe auch unter dem aspekt der geschichtlichen unterdrückung von frauen und kindern, also den meistens körperlich schwächeren, und in jeder hinsicht abhängigeren, ohnmächtigeren, rechtloseren zu betrachten....wo blieb und bleibt deren freie entfaltung der persönlichkeit, das selbstbestimmungsrecht.

    um mit rosa luxemburg zu schließen:
    freiheit ist immer die freiheit des andersdenkenden....

    übrigens spannend hierzu zu lesen:
    hannah arendt: das urteilen

    weil (be)urteilen, die voraussetzung für unser handeln ist.

    monika kneiseler

  28. monika kneiseler ps:
    11.06.2010, 21:51

    ....insofern könnte man also sagen, dass religion sich aus dem bedürfniss allen menschen zu dienen, sich mit ihnen zu verständigen, trotz aller mißverständnisse, aus der verantwortungsbewußten intelligenz entwickelt hat(?), unabhängig davon, ob sie von einzelnen mißbraucht wurde und wird....was leider trotzdem letztlich die folge war und ist.
    es ist wie mit der kriminalität. für jedes gesetzlich ausgeschlossene verhalten, gibt es eine anpassung auf der kriminellen seite, die ein schlupfloch gefunden hat. der "verwirrer" merkt eben nicht, in welches "gefängnis" er sich selber sperrt, wenn er auf kosten anderer lebt, sich asozial verhält.
    dies ist wohl immer die motivation, die dahintersteckt. diese kommt vielleicht aus der faulheit?
    aber woher kommt die faulheit, sprich die motivation, sich asozial zu verhalten?
    dies müsste untersucht werden.
    überforderung, ausgeschlossen sein oder sich zu fühlen, zwang, gewalt, unfreiheit, fehlendes selbstbestimmungsrecht, mangelndes(selbst)vertrauen, fehlende "nestwärme", übergangen worden sein, sich auf sich selbst verlassen müssen zu fühlen, verlassen zu sein, den spiegel verloren zu haben, oder ihm nicht zu trauen, ungerechtigkeit, daraus resultierende angst????

    letztlich eine wechselwirkung zwischen psyche und auf sie einwirkende umstände.
    erziehung läßt grüßen, denn sich ohnmächtig fühlen(ohne macht)übrigens auch der unterschied zwischen disstress und eustress, erzeugt fremdbestimmung oder zumindest das gefühl einer solchen.
    hier auch die wichtigkeit von vätern in der erziehungsarbeit....

    in diesem zusammenhang wäre also zu prüfen, wie sich gleichgültigkeit gegenüber ungerechtigkeit, und ungerechtigkeit durch ohnmächtig sein auswirkt.

    aber bitte nicht wieder mit blindem fleck gegenüber weiblichen belangen, schließlich ist das evolutionäre erbe auch unter dem aspekt der geschichtlichen unterdrückung von frauen und kindern, also den meistens körperlich schwächeren, und in jeder hinsicht abhängigeren, ohnmächtigeren, rechtloseren zu betrachten....wo blieb und bleibt deren freie entfaltung der persönlichkeit, das selbstbestimmungsrecht.

    um mit rosa luxemburg zu schließen:
    freiheit ist immer die freiheit des andersdenkenden....

    übrigens spannend hierzu zu lesen:
    hannah arendt: das urteilen

    weil (be)urteilen, die voraussetzung für unser handeln ist.

    monika kneiseler

  29. Kati religiöse Traditionen ohne Jenseitsvorstellungen
    25.06.2010, 18:16

    @Michael Blume
    Ich habe eine Frage bezüglich der religiöse Traditionen ohne Jenseitsvorstellungen die es, nach ihrer Aussage, gab und gibt. Welche religiösen Vorstellungen zählen Sie dazu?
    Vielen Dank und beste Grüße

  30. 25.06.2010, 19:04

    Zum Beispiel das frühe Judentum. Dort entwickelten sich Jenseitsvorstellungen sehr spät und noch zur Zeitenwende finden Auseinandersetzungen zwischen Sadduzäern und Pharisäern über die Frage statt, ob es überhaupt ein Jenseitsleben gibt. Auch noch Jesus - der für einen Auferstehungsglauben plädierte - wird zu diesem Thema von anderen Juden herausgefordert, vgl. Mk 12,18ff:
    http://www.bibel-online.net/buch/41.markus/12.html

    Oder hier eine theologische Abhandlung zu verschiedenen Todesvorstellungen in der biblischen Tradition:
    http://www.karl-leisner-jugend.de/...tellungen.htm

    Auch bei den alten Römern gab es lange keine Jenseitsverheißungen - wenn überhaupt, wurde das Todesreich als unwirtlich und keinesfalls erstrebenswert gezeichnet.
    http://parapluie.de/archiv/sprung/tod/

    Gerne biete ich an, zum Thema Todesfurcht mal einen eigenen Blogbeitrag zu schreiben. Wäre das in Ihrem Interesse?

  31. YeRainbow je nach fokus
    12.07.2010, 15:29

    muß die Frage ganz verschieden lauten.
    ZB:
    - welche Funktion hat Religion (sonst verschwindet sie wieder, wie schon vieles verschwand)
    - welche Eckdaten sorgen für ihre Stabilität
    - welche Parameter sorgen für Ausdehnung (etc pp)

    Woher sie ursprünglich mal kam, ist dabei ganz nebensächlich.
    Der König war in alten kulturen (Ägypten, Babylonische zeit etc) ein religiöses oberhaupt, das für den (mystisch begründeten) fortbestand des Volkes zu garantieren hatte. Ein heutiger könig, Diktator, präsident ist davon weit entfernt. Und doch hat sich diese funktion erhalten, mti entsprechendem Bedeutungswandel.

    oder schlciht und kurz gesagt, die kernfrage lautet: wem nutzt es.

  32. Michael Blume @ YeRainbow: Ja!
    12.07.2010, 16:03

    Ja, dem kann ich nur zustimmen - wobei ich ergänzen würde, dass erst die Ergänzung verschiedener Perspektiven ein "rundes" Bild ergibt. So wurden und werden politische Herrschaftssysteme ebenso religiös legitimiert - wie auch von Religionsgemeinschaften in Frage gestellt. Und gerade auch atheistische Ideologien erweisen sich in der Verehrung von Stifterfiguren, Symbolen, Ritualen und Mythologien als oft erstaunlich (quasi-)religiös!
    http://www.chronologs.de/...heismus-und-die-folgen

    Was die Evolutionsforschung angeht, so halte ich den Reproduktionsvorteil von Religiösen für zentral - religiös vergemeinschaftete Menschen geben heute weltweit ihre Gene durchschnittlich erfolgreicher weiter als ihre säkularen Nachbarn und Zeitgenossen. Vgl. z.B.:
    USA-Studie zu Religionsdemografie

    Und auch in Fallstudien wie den Amischen, die sich nicht an Politik beteiligen und sich strikt dezentral und ohne Berufspriestertum organisieren, wird auch deutlich, wie vielfältig sich dieser Reproduktionserfolg organisieren lässt. Vgl. z.B.:
    Die Amischen als Fallbeispiel der Evolutionsforschung

  33. Sascha Bohnenkamp @Blume
    14.07.2010, 08:39

    "Was die Evolutionsforschung angeht, so halte ich den Reproduktionsvorteil von Religiösen für zentral - religiös vergemeinschaftete Menschen geben heute weltweit ihre Gene durchschnittlich erfolgreicher weiter als ihre säkularen Nachbarn und Zeitgenossen. Vgl. z.B.:"

    und werden ggf. in nicht zu ferner Zukunft den ganzen Planeten leergefressen haben.
    Ggf. ist eine besser Weitergabe der Gene auch nur ein Papyrussieg, wenn der Mensch nicht lernt mit den Resourcen schonender umzugehen. Sonst ist u.U. weniger Mensch auch besser für dieselben.

  34. Michael Blume @ Sascha: Überbevölkerung
    15.07.2010, 07:50

    Die Angst vor der Überbevölkerung war hier im Blog bereits ein lebendig diskutiertes Thema:
    http://www.chronologs.de/...vorteil-durch-religion

    Beste Grüße!

  35. monika kneiseler überbevölkerung
    14.10.2011, 16:16

    es scheint mir manchmal so, dass "religionen" die zeugung von "glaubensKRIEGERN" wünschen, und somit die quantität und nicht die qualität von leben im blick haben....warum? um im kampf der religionen den sieg davonzutragen....? was soll das für ein sieg sein....? weigert euch einfach feindlich zu sein und zu denken.... ich kenne niemanden persönlich, der krieg wünscht....wie kommt das? mehr qualitität des lebens führt auch zu mehr selbstbestimmung(vs fremdbestimmung) und somit zu mehr bildung und intelligenz, zu mehr mut und verantwortlichkeit. und so wird auch dann mit den resourcen und der reproduktion(auch von menschen) vernünftiger umgegangen....wie man an den weiterentwickelten menschen mit mehr selbstbestimmung sehen kann....

  36. Michael Blume @Monika Kneiseler
    14.10.2011, 16:47

    Es gibt durchaus religiöse Bewegungen, die auch Demografie als "geistige Waffe" betrachten, z.B. die US-fundamentalistische Quiverfull-Bewegung (mit Video hier):
    http://www.scilogs.eu/...le-of-religious-fertility

    Generalisieren lässt sich das aber nicht - das frühe Christentum oder auch der frühe Buddhismus haben z.B. weder auf große Familien noch auf politische Macht Wert gelegt. Sie breiteten sich dennoch erfolgreich aus, weil sie auf die Bedürfnisse der Menschen reagierten - und dann auch pro-familiale Varianten evolvierten, die sich logischerweise durchsetzten.

    Zu den nicht zwangsläufigen Zusammenhängen von Religion(en), Demografie und Gewalt steht hier ein ausführlicherer Beitrag mit Daten und Forschungen zur Youth Bulge (Jugendberg)-These zur Verfügung:
    http://www.scilogs.de/...grunds-tzlich-mehr-kinder

    Herzlichen Dank für das Interesse & beste Grüße!

  37. monika kneiseler religion erzeugt mehr kinder
    15.10.2011, 01:07

    steht das im widersproch zu meiner these?....ich fürchte ich bin mal wieder falsch verstanden worden....aber, dass religiöse mehr kinder haben, bestätigt meine these ja geradezu, dass selbstbestimmte menschen vernünftiger mit reproduktion umgehen....ist ein religiöser mensch selbstbestimmter als ein kritischer agnostiker....? wenn einer glaubt er ist gläubig, weil er in eine kirche, moschee, oder einen tempel geht, glaubt sicher auch, dass er zum auto wird, wenn er in einer garage steht....´tschuldigung, wollte keine religiösen gefühle verletzen....glauben sollte eben nicht generell dazu führen, dass man sein leben als erfolg betrachtet, weil man viele kinder in die welt setzt....nicht die masse macht´s, sondern die qualität der erziehung....diese reflektion findet man aber zuwenig bei solchen von "gott" gelenkten individuen....wer einen "führer" braucht, wird wohl kaum selbstbestimmt leben, es sei denn er hat glauben an sich reflektiert....und hier versagen die religionen zwangsweise, denn wer wird sich schon den ast absägen auf dem er sitzt....

  38. monika kneiseler ps:
    15.10.2011, 01:22

    solches verhalten führt zwangsläufig zum verdrängungskrieg mit dem "nachbarn", weil man muss ja den platz schaffen, wo die unreflektiert gezeugten individuen sich weiter reproduzieren können, ohne qualität....dies meinte ich mit glaubenskriegern....das gespenst der freiheit(film), als surreales bild einer gemeinschaft die mit freiheit nicht umgehen kann, ist so entlarvend....handeln eben auch zeugen(kinder) sollte reflektiert sein, auf die auswirkungen für die gemeinschaft....mit einem "führer" braucht man das halt nicht, denn der denkt ja für denjenigen, der mit freiheit nicht umgehen kann....insofern liegt in religion immer schon der faschistische auswuchs unbewußt mit drin....

  39. Michael Blume @Monika Kneiseler
    15.10.2011, 09:15

    Schade, dass Sie es nötig finden, religiöse Menschen mit NS-Vergleichen zu überziehen. Dabei richtete sich ja der Hass gerade auch der Faschisten seit jeher gegen religiöse Minderheiten und auch Widerständler wie z.B. Dietrich Bonhoeffer, die gerade aufgrund ihres Glaubens den weltlichen "Führern" widerstanden.

    Und umgekehrt konnten (und können!) sich z.B. sozialistische Führerkulte durchaus auch atheistisch und religionskritisch legitimieren.
    http://www.scilogs.de/...-atheismus-und-die-folgen

    Übrigens: Auch die Demokratiebewegungen in Polen, der ehemaligen DDR (etc.) sammelten sich maßgeblich in und um die Kirchen - und sie stürzten atheistisch-sozialistische Diktaturen. Nur mal so als Anregung, die Welt und die Mitmenschen darin ein wenig differenzierter zu sehen...

  40. monika kneiseler kein Betreff
    16.10.2011, 01:55

    wenn, dass so verstanden wurde, dass ich religiöse menschen grundsätzlich als menschen sehe, die mit freiheit nicht umgehen können, dann entschuldige ich mich dafür.... denn das war nicht gemeint....ich hatte in einem anderen blog schon mal von delegierter verantwortung geschrieben, das war gemeint, und dieses phänomen gibt´s überall, bei atheisten, linken, rechten(bei denen ganz besonders, aber auch nicht nur), aber eben auch in allen religionen, und allen anderen gruppierungen....(eben eine zusätzliche möglichkeit sich zu zanken) aber dieses verhalten von vielen menschen eben auch in den religionen( haben wir das nicht schon zwischen den geschlechtern, den generationen, den politischen gruppierungen, usw.(teile und herrsche, oder, wenn zwei sich streiten freut sich der dritte)), beinhaltet eben immer auch schon im keim "führer befiehl, wir folgen" und genau da liegt das problem....es ist ja auch von religionen (aber natürlich nicht nur von diesen)schon sehr mißbraucht worden. deshalb habe ich diesen gedanken ja auch schon in einem anderen blog ausführlicher behandelt....in bezug auf wahrheit und wahrheitsverkündung. religiosität und glauben(auch wenn ich diese begriffe nicht im wissenschaftlichen sinn benutze) sind eben etwas verschiedenes. und jeder glaube, der nicht dazu bringt(religiosität im mensch zu wecken), selber zu denken und verantwortung für sich und andere(auch das ganze(zb. auch für angehörige anderer gruppierungen(auch atheisten)))zu übernehmen, und darin nicht erfolgreich ist, hat seine berechtigung verloren. das heißt unter anderem auch, dass religionen nicht in konkurrenz zueinander stehen dürfen, sondern im gegenteil, dafür eintreten müssen, dass alle menschen gleichberechtigt sind. und wozu dann noch (verschiedene)religionen. mensch weigere(t) dich(euch) feind(e) (deines/euresgleichen) zu sein.

  41. Michael Blume @Monika Kneiseler
    16.10.2011, 20:47

    Danke für die Klarstellung - die Online-Kommunikation zeigt halt immer wieder ihre Tücken bei Sendern und Empfängern und nicht alle haben die Kraft, dann auch mal einfach "Sorry" zu schreiben. Danke, dass Sie es taten.

    Dass religiöse Traditionen auch zur Legitimation von Diktaturen dienen können, würde ich nicht bestreiten. Sie wurden und werden aber ebenso angeführt, um Herrschaften dieser Welt zu hinterfragen und zu überwinden. Recht eindrucksvoll hat übrigens der Film "Truman Show" diesen Aspekt dargestellt:
    http://www.scilogs.de/...n-show-und-der-bibelpsalm

    Beste Grüße!

  42. monika kneiseler kein Betreff
    17.10.2011, 03:05

    danke michael
    zum reproduktionserfolg läßt sich angesichts der wirtschaftlichen lage zz. natürlich auch noch einiges sagen....wir sind uns doch sicher einig, dass machtmißbrauch und wahrheitsverkündung gerne hand in hand gehen, um menschen das denken abzugewöhnen, gar verbieten, zumindest um es zu manipulieren....dieses phänomen hat man oft, eben auch in religionen....vielleicht könnte man hier den islam anführen, was ich aber nicht wirklich beurteilen kann. tatsache ist, dass diese bevölkerung explodiert, was aber, wie sie selber in einem anderen blog schreiben, nicht unbedingt zu besseren lebensbedingungen führt. da frag ich mich doch, wie steht religion zu qualität vs quantität, da sie ja so auf dem reproduktionsvorteil herumreiten....? gibt es da schon studien zu? das zb. glaübige eltern nicht nur einen reproduktionvorteil haben, sondern diesen auch in bessere lebensbedingungen umsetzen können....

  43. Michael Blume @Monika Kneiseler
    17.10.2011, 19:43

    Da mag ich Dir gar nicht widersprechen - der Reproduktionserfolg ist aus evolutionärer Sicht zunächst einmal "nur" der entscheidende Fitness-Indikator und sagt noch nichts Letztes über Qualität oder gar Wahrheit aus.
    http://www.scilogs.de/...-fitness-und-religiosit-t

    Im Hinblick auf Deine anderen Fragen könnte z.B. auch die Anthropologie und Glücksforschung für Dich interessant sein, hier gerne ein aktuellerer Artikel dazu:
    http://www.blume-religionswissenschaft.de/...e.pdf

    Ich hoffe, der Artikel macht Dir Freude & wünsche alles Gute!

  44. monika kneiseler kein Betreff
    18.10.2011, 16:56

    a) tatsächlich insgesamt ein signifikanter, globaler Zusammenhang zwischen gemeinschaftlicher Reli-giosität (Selbsteinschätzung von Religion als „wichtig“ und mindestens wöchentliche Teilnahme an Gebeten / Gottesdiensten) und subjektivem Wohlbefinden besteht.
    b) Dieser Effekt vor allem mit mehr positiven Erfah-rungen, mehr Anerkennung und sozialer Unterstüt-zung sowie der Bejahung von Lebenssinn in Reli-gionsgemeinschaften einhergeht.
    c) Entsprechend höhere Nachfrage nach Religiosität und die höhere Korrelationen von Religiosität und SWB in Gesellschaften mit hoher Unsicherheit, Armut und Einkommensunterschieden auftreten.
    d) In Wohlfahrtsstaaten auch Nichtreligiöse das Glücksniveau inklusive positiver Erfahrungen, An-erkennung und sozialer Unterstützung religiös Ver-gemeinschafteter erreichen und teilweise sogar ge-ringfügig übertreffen.
    e) Nichtreligiöse jedoch in Fragen nach dem Lebens-sinn auch in Wohlfahrtsstaaten schwächer ab-schneiden, ohne dass dies generell als ein Verlust von subjektivem Wohlbefinden gewertet wird.
    f) Frauen durchschnittlich religiöser sind als Männer

    hier nochmal ein kommentar von mir aus einem anderen blog....

    hallo
    ich finde es äußerst interessant, wie man das verhältnis von gläubigkeit und kindersegen in zusammenhang bringt.
    aber ich finde auch, dass mehrere entscheidende aspekte nicht berücksichtigt werden.
    1.
    gläubigkeit und atheismus im verhältnis zu disfunktionalen familien.( welches kind kann schon glauben, dessen eltern nicht fürsorglich sind, obwohl sie vielleicht "gläubig" sind)
    2.
    in diesem zusammenhang: scheitern von ehen, lebenszielen.
    3.
    das verhältnis von opfern dieser entwicklung und deren intelligenz zu reproduktion.(überleben macht vielleicht intelligenter als rundum sorglospaket, aber weniger lust auf eigene kinder)
    4.
    in diesem zusammenhang: nicht verwirklichter kinderwunsch durch daraus entstandener ökonomisch prekärer situation. -
    oder noch schlimmer(?) nicht vorhandener kinderwunsch vor solchen hintergründen.

    wo sind die untersuchungen hierzu?
    wenn sie vorhanden sind, warum werden sie nicht zusammengeführt und gemeinsam ausgewertet?

    demokratie stellt die richtigen fragen in komplexen zusammenhängen.

    und was heißt schon: religion macht kinder
    macht sie auch menschen oder nur funktionierende mitglieder einer zunehmend (selbsterzeugter)lebensfeindlichen umwelt, die sich möglichst angepaßt durch das überleben schlägt

    (starke gruppe bietet schutz und hilfe, wobei die jeweilige gruppe nur den eigenen vorteil sieht und "störenfriede", nämlich diejenigen, die diesen schutz und die hilfe in der gruppe nicht erhalten haben, aussondert, weil es viel zu bedrohlich ist, anzunehmen, dass dies möglich ist), ohne rücksicht auf verluste - frei nach dem motto: jedem das seine mir das meiste....
    dadurch neue opfer produzierend.

    (als beispiel auf die bühne gebracht: sartre: geschlossene gesellschaft)

    für mich besteht ein direkter zusammenhang zwischen intelligenz und sensibilität,
    teilweise bereits bestätigt durch neurobiologen(musikalität, spiegelneuronen)
    zur zeit scheinen sich mehr die durchzusetzen, die weniger davon haben....
    was man nicht kennt, kann man nicht vermissen.
    von vorneherein aus sozialen netzwerken ausgeschlossen werden (kein schutz, keine hilfe: bestes beispiel mißbrauchte, vergewaltigte frauen und kinder, denen nicht geglaut wird,) kann sich ein behüteter mensch eben nicht vorstellen.
    es kann nicht wahr sein, was nicht sein darf....

    die starke schutz bietende gruppe....

    und deren außenseiter????

    (ausschnitt aus einem anderen kommentar meinerseits)

    liegt es vielleicht gerade am glauben(delegierte verantwortung), dass solche opfer produziert werden?

    noch ein ausschnitt

    sich dem problem einfach nicht stellen, bis es zum gewaltausbruch von einer seite kommt. diese unterschwelligen strukturen haben etwas mit wichtig und ernstgenommen werden zu tun, also aufmerksamkeit, die der stärkere zunächst nicht nötig hat, und unterdrücken kann. ergebnis: vorteil für den stärkeren, da er seine eigenen interessen verfolgen kann, während der schwächere immer ohnmächtig die interessen des stärkeren mitberücksichtigen muss. kinder spüren so etwas, und richten sich danach, aber verinnerlichen deshalb schon früh, dass etwas nicht stimmt. erwachsen geworden ist das bewußtsein für die ursache verschwunden....es heißt nicht umsonst gleichbeRECHTigung....

    und wie im mikrokosmos, so im makrokosmos

    dies gilt halt auch für religiöse gruppen, die in sich ein geschlossenes system bilden, ohne "rücksicht" auf das äußere umfeld und deren probleme....also verdrängung durch die übermacht der zahl als macht des stärkeren....

    und hier noch was:
    http://www.youtube.com/watch?v=tfgVhc4Culg

    glauben vielleicht auch als gezüchtete selbstverschuldete unmündigkeit....

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