Die Rolle der Frauen in der Evolution von Religiosität und Religionen
Schon ein Jahrhundert vor Charles Darwin veröffentlichte David Hume seine "Naturgeschichte der Religion" (Natural History of Religion), mit der er mit Berufung auf den antiken Autor Strabo annahm, dass erfolgreiche Religionsgemeinschaften wesentlich von Frauen begründet und getragen worden seien. Obwohl Darwin die Bedeutung der sexuellen Selektion (und damit der "Damenwahl") in der Natur erkannt hatte und obwohl er sich gerade in seinen Thesen zur Evolution der Religion auf Hume bezog, ließ er diese Annahme ungeprüft. Denn laut Darwin konnte die Evolution von Tieren durchaus vom weiblichen Geschlecht (mit-)gestaltet sein - beim Menschen aber hatte seines Erachtens der Mann das Sagen. So schrieb er in seiner "Abstammung des Menschen": „Der Mann ist an Körper und Geist kraftvoller als die Frau, und im wilden Zustande hält er diesselbe in einem viel unterwürfigeren Stande der Knechtschaft, als es das Männchen irgend eines anderen Thieres tut; es ist daher nicht überraschend, daß er das Vermögen der Wahl erlangt hat.“ (Darwin 1874: 675) Entsprechend war für Charles Darwin der Homo religiosus ein Vir religiosus (religiöser Mann) - auch in seinen Hypothesen zur Evolution der Religiosität entwarf er Szenarien von Kampf, Jagd und Konkurrenz, in denen Frauen keine eigenständige Rolle zukam, sie nicht einmal Erwähnung fanden.
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