SciLogs International .eu.be.es.de
scilogs Natur des Glaubens spektrum.de

Religiosität, Spiritualität und die Frage nach Hirngespinsten

von Michael Blume, 11. Februar 2010, 18:32

Wissenschaftsbloggen macht Freude - und mehr. So haben einige sehr sachkundige Leser auf den Mutter-Natur-Beitrag hin eine inhaltlich hervorragende und ertragreiche Debatte geführt. Vielen, vielen Dank dafür! Und da die heutige ZEIT-Printausgabe einen Artikel von mir zu neueren Forschungen im Bereich der Spiritualität enthält, möchte ich nun auch einen lange gehegten Vorsatz in diesem Blog endlich wahrmachen: Die Begriffe zu (er-)klären.

Spiritualität

Vom lateinischen "spiritus" für Geist und Hauch abgeleitet, gibt es wahrscheinlich wenige so schillernd und kontrovers definierte Begriffe wie diesen. In der interdisziplinären Evolutionsforschung zum Phänomen beginnt sich jedoch langsam ein Konsens heraus zu schälen: Demnach sei Spiritualität die Fähigkeit zu Transzendenzerfahrungen, biologisch unterschiedlich stark veranlagt und kulturell ausprägbar (vgl. Biokulturelle Evolution). Unter Transzendenzerfahrung sind hierbei Erweiterungserfahrungen zu verstehen: Die Betreffenden erfahren sich als Teil eines "größeren Ganzen", in dem "keine Grenzen mehr sind", ja, "alles als Eines" erkannt werde. Hier ist auch an das Votum des Theologen Friedrich Schleiermacher zu erinnern, der das grundlegende "religiöse Gefühl" 1799 als "Sinn und Geschmack für das Unendliche" definierte.

Vor allem buddhistisch interessierte Forscher und schließlich der Neurobiologe Andrew Newberg (der Schwerpunkt meiner Promotion zur sog. "Neurotheologie" war) begründeten neurologische Meditationsforschungen. Dabei zeigte sich u.a., dass sich spirituelle Erfahrungen (nach Newberg der Zustand "Absoluten Einsseins") völlig analog etwa zur Musikalität im Gehirn beobachten und entsprechende Gehirnregionen auch "trainieren" ließen. Schon damals ging Newberg davon aus, dass entsprechende Erfahrungen durch ein Abdämmen des Orientierungsfeldes im Schläfenlappen erreicht würden - die dort konstruierten Ego-Grenzen würden aufgeweicht.

Auch die neuen, im Fachjournal "Neuron" veröffentlichten Befunde der klinischen Studie eines interdisziplinären Teams der Universität Udine stärken diese Annahmen. Demnach machten Krebspatienten, denen zur Therapie Teile des hinteren Schläfenlappen entfernt worden waren, häufiger Transzendenzerfahrungen. Die Läsionenanalyse verwies also vor allem auf diese Hirnbereiche:

Anders formuliert: Wie auch spirituell Begabte oder Übende die beständigen Ich-Konstruktionen unserer Gehirne überformen und abschwächen können, bewirkte hier bisweilen auch der chirurgische Eingriff - und dies übrigens auch ohne religiöse Vorprägung der Patienten. Jene, die spirituelle Erfahrungen machten, erlebten diese als hilfreich für ihr Wohlbefinden.

Religiosität

Nach Jahrzehnten heftiger, theologischer, religionswissenschaftlicher und philosophischer Debatten setzt sich im Bereich der Evolutionsforschung zur Religiosität derzeit wieder jene Arbeitsdefinition durch, die schon Charles Darwin in seiner "Abstammung des Menschen" von 1871 verwendete: Religiosität sei die Fähigkeit zur Glaubenserfahrung übernatürlicher Akteure (supernatural agents, oder - nach Darwin: supernatural beings). Die relevante Existenz von Ahnen, Geistern, Göttern, Bodhisatvas, Gott (u.a.) wird hierbei angenommen und wirkt sich auf die inneren Erfahrungen und das Verhalten aus. Auch hierbei wechselwirken biologische Veranlagung und kulturelle Tradition(en).

Und tatsächlich: In Hirnstudien wie z.B.

Schjoedt, U., Stodkilde-Jorgensen, H., Geertz, A., & Roepstorff, A. (2009). Highly religious participants recruit areas of social cognition in personal prayer. In: Social Cognitive and Affective Neuroscience 2009

wurde während persönlicher Gebete eine verstärkte Tätigkeit sozial-kognitiver Hirnregionen in Stirn- und Scheitellappen beobachtet. Ritualgebete und Kinderlieder wirkten schon schwächer, Wünsche an den (nicht real geglaubten) Weihnachtsmann schnitten am schwächsten ab. Vorläufig lässt sich sagen, dass dies gut u.a. zum vergleichsweise "späten" Auftreten von Indizien für religiöses Verhaltens bei Homo sapiens und Homo neanderthalensis passen würde, die zur gleichen Zeit (mittlere Altsteinzeit) wachsende und sich ggf. weiter ausdifferenzierende Stirnhirne evolvierten.

Unterschiedlich - unverbunden?

Dass also Religiosität und Spiritualität sehr unterschiedliche Gehirntätigkeiten widerspiegeln, könnte so verstanden werden, als ob sie nichts miteinander zu tun haben. Und tatsächlich gibt es tief religiöse Menschen, die noch nie eine spirituelle Erfahrung gemacht haben und umgekehrt tief spirituelle Menschen, die ihre Transzendenzerfahrung strikt naturalistisch verstehen. So räumt der Religionskritiker Richard Dawkins durchaus spirituelle Begabungen ein: "Den Versuch der Religion, ein tieferes Verständnis des Lebens zu finden, habe ich immer respektiert. Auch ich reagiere quasi religiös, wenn ich zu den Sternen aufsehe, zur Milchstraße und mir das Universum vorzustellen versuche. Das Gefühl, dass ich dann empfinde, könnte man fast so etwas wie Anbetung nennen."

Tatsächlich aber scheinen Spiritualität und Religiosität durch mehr als nur statistische, sondern vielmehr funktionale Zusammenhänge verbunden zu sein: Erfolgreiche, religiöse und spirituelle Traditionen pflegen sich zu verbinden. Wo immer z.B. der tief spirituelle Buddhismus zu weiterer Verbreitung fand, adoptierte er übernatürliche Akteure wie Ahnen, Geister und Bodhisattvas. Und umgekehrt: Der intensiv monotheistische Islam nahm früh auch spirituelle Traditionen (v.a. auch christlicher, jüdischer und buddhistischer Vorprägung) auf und entwickelte sufische ("mystische") Traditionen.

Auch von den empirischen Befunden her scheint das Gesamtbild zu passen: Während der gemeinsame Glaube an übernatürliche Beobachter Kooperationen, Gemeinschaften und (biologisch entscheidend) Familien religiös unterfüttern kann, könnte die Spiritualität zur Überschreitung von Atavismen des Egoismus und der Fremdenfeindlichkeit beitragen. In der richtigen Dosis können sich die beiden Merkmale also wohl bestärken.

Gleichwohl bleiben Spannungen: Monotheistische Traditionen stehen vor dem Problem, dass "zuviel" Alleinheit die Gottheit in einem Pantheismus auflöst und damit ihrer Majestät und Handlungsrelevanz entkleidet. Entsprechend balancierten erfolgreiche Religionsgemeinschaften immer zwischen der Integration von Mystikern (z.B. in eigenen Orden) und deren Ausschluss oder Verfolgung. Umgekehrt wehren sich spirituelle Traditionen gegen das Anhaften an (auch übernatürliche) Identitäten, wie z.B. im berühmten Zen-Wort: "Wenn du dem Buddha begegnest, töte ihn". Demografisch erfolgreich waren und sind rein spirituelle Traditionen aber bislang nicht, auch die japanischen Zen-Klöster dienen heute vor allem der Ahnenverehrung.

Hirngespinste!?

Um über die Befunde zu reflektieren, finde ich den Begriff des "Hirngespinstes" sehr nützlich, der nach deutschem Sprachgebrauch etwas abfällig Phänomene beschreibt, die "nur im Kopf" konstruiert werden. Und so kann z.B. ein extremer Atheist sowohl religiöse wie spirituelle Erfahrung als "Hirngespinste" abtun, die doch nur (ggf. nützliche) Illusionen darstellen. Allerdings gilt dies dann natürlich auch für die Vorstellung eines unabhängigen Selbst - wie es z.B. der Evolutionsbiologe Franz Wuketits in der Universitas 02/2010, S. 137 ff. wieder betont. Man bemerke die Ironie: Wer behauptet, alles sei nur Gehirnkonstrukt, erklärt sich ja auch selbst nur zu einem illusionären Teil eines "eigentlichen" größeren Ganzen. Newberg vertrat daher die Auffassung, dass die spirituelle Erfahrung eben gerade Zugang zu einem höheren Verständnis der Realität ermögliche.

Und ebenso lässt sich natürlich zweifeln, ob das Universum selbst nur tote Materie oder Ausdruck eines lebendigen Willens ist. "Wir brauchen Gott zur Erklärung des Universums nicht!", ruft da der Kritiker. Ja, mag man da zustimmen - aber die Musik, die Liebe, ja das Leben und schließlich alle Existenz braucht es dafür auch nicht. In der deutschen Blogosphäre kann wohl niemand das existentielle Rätsel vom "sich ausbreitenden Schimmel Leben" so sprachmächtig in Worte fassen wie Helmut Wicht. Für die einen ist so Evolution nur zufällige und oft sinnlose Selbstorganisation (aber welches Selbst!?), für die anderen die größte (und andauernde) Schöpfungsgeschichte Gottes. Und so verkünden inzwischen auch Theisten "Dankt Gott für die Evolution!" - und zwar nicht mehr nur als Buch, sondern z.B. auch als Gemeinde-Song:

Die begrenzte Reichweite von Wissenschaft - Methodologischer Agnostizismus

Schon weil sich alle empirische Wissenschaft(en) qua Definition auf beobachbare und damit immer historische Ereignisse beziehen und diese Vergangenheit auch nie ohne Lücken aufklären können, halte ich - wie auch z.B. Richard Dawkins - die grundlegenden Fragen für wissenschaftlich zwar diskutier- aber letztlich unentscheidbar. Deswegen gilt im Rahmen der Evolutionsforschung zu Recht der methodologische Agnostizismus, der von der persönlichen Glaubenshaltung zu unterscheiden ist. Und sehr wichtig finde ich z.B. Einwände wie jene des Brainloggers Stephan Schleim, der auf die Vorläufigkeit aller (auch neuro-)wissenschaftlichen Erkenntnis verweist und auch vor zuviel Scan-Gläubigkeit warnt. Mit der Evolutionstheorie insgesamt lassen sich verschiedenste spirituelle und religiöse Haltungen ebenso vereinbaren wie atheistische. Die letzteren scheinen erkenntnistheoretisch sparsamer zu sein - die religiösen und spirituellen Traditionen aber biologisch und kulturell erfolgreicher.

Blogtip: Das Braincast-Team hat ein hervorragendes Interview zum Thema "Meditationsforschung" mit Dr. Ulrich Ott vom BION Gießen online gestellt. Ein Fest für Ohren, Augen und Gehirn!





Ähnliche Artikel:

antworten

Artikel kommentieren
 authimage
 Bei neuen Kommentaren per E-mail benachrichtigen.

Trackbacks

Natur des Glaubens: Ein Mystiker im Internet - Web-Interview mit Stefan vom Blog Seelengrund
Natur des Glaubens: Spiritualität im Blick der Wissenschaften
Natur des Glaubens: Psychologische Religionstheorien - und ihr Problem

Kommentare

  1. Mona Rausch @Gerhard Mentzel
    18.02.2010, 20:07

    „Wozu ich allerdings auch die hier vorgestellten Praktiken zähle, die nur religiöse Gefühle erzeugen, wie ich sie als Pfälzer auch mit zwei Flaschen Wein erzeuge. (Gleichwohl mir unlängst bei einer Veranstaltung an der Uni Landau ein Religionswissenschafter bei "Gott und die Neuronen" erklärte, dass ich neben bestimmten Meditationstechniken, Atemübungen, LSD... auch Weingenuss nutzen könne, um Bruderschaftserlebnisse, Hochgefühle, Ich-Auflösung... zu erleben, und was sonst noch allgemein so als religiös bezeichnet wird.)“

    Ich fürchte hier hat kein Fachmann gesprochen. Meditation ist höchste Konzentration im Gegensatz zum Rausch, wo man ja buchstäblich nicht mehr bei Sinnen ist. Es gibt zwar Schamanen, die Drogen zur Bewusstseinserweiterung verwenden, die meinten Sie aber nicht, oder?

  2. KRichard @Balanus
    19.02.2010, 09:11

    Wenn Sie den Begriff ´Glauben-´ weglassen, dann stimmt der Satz: ´Erfahrungen übernatürlicher Akteure sind Fehlinterpretationen frühkindlicher Urerfahrung´ recht gut.

    Unser Gehirn arbeitet so, dass wir ein aktuelles Selbst (Selbstbild/Selbstmodell) im Gehirn abgespeichert haben. Wenn das Gehirn Erinnerungen durchsucht oder wenn wir Sinneserfahrungen machen, dann werden diese Eindrücke immer mit dem aktuellen Selbst abgeglichen, bevor sie in das Bewusstsein kommen. Die Aufgabe des Gehirns ist es u.a. ein Zukunftsmodell zu entwerfen = ein Vorschlag, wie wir auf die aktuelle Situation reagieren sollen.
    Dabei werden z.B. auch fetale und frühkindliche Erfahrungen mit dem aktuellen Selbst neu bewertet: dann wird z.B. aus gesehenem Licht und gehörten Sprachgeräuschen ein sprechendes Lichtwesen.

    Unser Gehirn arbeitet immer so, denn wir machen Erfahrungen zu einem Zeitpunkt X, aber wir entwickeln uns körperlich/geistig weiter; z.B. bis zum Zeitpunkt Y. Wenn wir dann dabei alte Erfahrungen erinnern, dann nützt uns dieses Wissen nichts, wenn wir es nicht an unsere aktuelle Lebenssituation anpassen.

    Wir sollten aber nicht vergessen, dass dies nur eine Quelle von Spiritualität ist. Auch das Betrachten des Sternenhimmels, Musik, das Studium der Heiligen Schriften (um nur ein paar zu nennen) können spirituelle Erlebnisse auslösen.

  3. theologie-der-vernunft @Mona, Meditatation kein Rausch
    19.02.2010, 12:40

    Danke für den Hinweis.

    Wenn ich fälschlicherweise Meditation mit den religiösen Praktiken jenseits der Sinne auf eine Ebene gestellt habe, dann würde ich sicher auch PD Dr. Torsten nicht gerecht, der im Dienst der Ev. Akademie der Pfalz in Landau über das Verhältnis von Religiösität und Neurobiologie sprach. Er hat dort mehr von seiner empirschen Forschung mit verschiedenen neubiologischen Praktiken und anschließendem Fragebogen gesprochen. Mir ging es auch nicht darum, einzelne Praktiken, die ich für die westliche Kultur unterschiedlich geeingnet halte, zu beurteilen.

    Doch gerade bei dieser Verantstaltung wurde mir wieder bewusst, dass mystische Erlebnisse - ob sie mit dem Persinger-Helm, durch Tanz oder auf sonstige Weise erzielt werden, zwar sicher gute Handwerkszeuge sein können, um religöse Gefühle, letztlich ein ganzheitliches Verständnis im Kopf zu bekommen. Auch dass mir im Laufe der Evolution zu diesem Zweck bestimmte Gehirnlappen gewachsen sind, halte ich für einen Beleg, der die Natur des Glaubens mit bezeugt.

    Doch ob ich jenseits des bewussten Denkens meinen natürlichen Sinn im großen kreativen=schöpferichen Ganzen des Weltgeschehens wahrnehmen kann, da hab ich meine Zweifel. Auch wie ich diesem schöpferischen Sinn auf mündig-menschliche Weise gerecht werde. Und warum mir hierzu neben den teilweise fremden Techniken auch die auf zeitgemäße Weise in ihrem Sinn neu zu verstehenden Praktiken meiner kulturellen Vorpägung helfen können. Warum ich mich auch bei Orgelklängen in der Kirchenbank, mit feuchten Augen auf glaubensaufgeklärte Weise von Jesus als Herrn oder Wort/Vernunft der Welt singend, für die offenbare Logik allen natürlichen Lebensflusses bzw. eine schöpfungsvernünftige Lebensweise begeistern kann. Das alles können mir allein Persinger-Helm oder Trancetanz... nicht beibringen.

    Gerhard Mentzel

  4. Balanus Glaubenserfahrungen, Urerfahrungen /@KRichard
    19.02.2010, 12:57

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich in der Definition für Religiosität den Begriff ‚Glauben’ einfach weglassen kann, dass also die Religiosität die Fähigkeit zur Erfahrung übernatürlicher Akteure sei.

    Worin besteht überhaupt der entscheidende Unterschied, ob wir nun von Glaubenserfahrungen oder einfach nur von Erfahrungen sprechen, insbesondere im Zusammenhang mit „übernatürlichen Akteuren“?

    Könnte es sein, dass die Fähigkeit zur Erfahrung übernatürlicher Akteure als ein Aspekt der Spiritualität aufzufassen ist, wobei diese Erfahrung auch als eine Glaubenserfahrung erlebt werden kann und dann unter ‚Religiosität’ einzuordnen ist?

    ---
    Wenn das Gehirn Erinnerungen durchsucht, kann es natürlich nur solche finden, die zuvor auch „abgespeichert“ wurden. Die Fähigkeit, Erinnerungen zu speichern, muss also erst einmal vorhanden sein, bevor Wahrnehmungen zu Erinnerungen werden können.

    Manche behaupten ja, dass Erinnerungen frühestens mit der Entwicklung des deklarativen Gedächtnisses möglich sind, also ab etwa drei Jahren, nachdem es gelernt hat, Sinneseindrücke richtig einzuordnen.

    Für mich ist es keine Frage, dass das Gehirn in dem Moment anfängt zu lernen, wo die ersten dafür notwendigen Strukturen vorhanden sind. Und das dürfte sehr, sehr früh sein. Doch steht all dieses Gelernte später als Erinnerung zur Verfügung, in welcher Form auch immer?

  5. Katharina Anmerkung
    19.02.2010, 15:17

    Diverse Kommentare in diesem blog zeigen, daß das Bedürfnis, Gott und Religion abzuschaffen, keine Alternativen hervorbringt, die dem ewig Suchenden auch ´mal ein gelegentliches Finden bescheren.
    Da stellt sich natürlich die provokant klingende Frage, ob das etwas mit der persönlichen Reife zu tun hat oder ob es sich generell ausschließt, da kein anderer erkenntnistheoretischer Gedanke hinlänglich dem Menschenmaß entspricht und sich so klar wertorientiert umsetzen läßt.
    Außerdem ist das Bemühen, dafür wissenschaftliche Erkenntnisse heranzuziehen, überflüssig, denn es war schon immer eine der einfachsten Übungen, Gott argumentativ abzuschaffen. Man mußte nur die entsprechenden Fragen stellen, auf die es keine befriedigenden Antworten gibt; und das bleibt auch so.

  6. Mona Gott im Gehirn @ theologie-der-vernunft
    19.02.2010, 17:57

    Hier noch ein interessanter Beitrag zu "Gott im Gehirn. Neurobiologie der Religion – mehr als eine Mode?":

    http://www.hsk-wiesbaden.de/.../Gott_im_Gehirn.htm

  7. Katharina letzter Absatz des Artikels
    19.02.2010, 19:06

    Danke, Mona. Ein lesenswerter Artikel.

    Wer sollte aber die Wahrheit des Gottesgedankens so klären, daß sich keine Gegenpositionen finden lassen? Und wäre das wirklich wünschenswert oder gar gottgewollt? Wären wir dann nicht längst so weit?

  8. KRichard @Balanus
    19.02.2010, 19:51

    Der Begriff ´Glaube´ wurde weggelassen, weil Erfahrungen mit solchen scheinbar übernatürlichen Akteuren aus Sicht der christlichen Theologie keine(!) spirituellen Erlebnisse sind - allerdings wird eingeräumt, dass sie zu spiriuellen Erkenntnissen führen können. (Das ist ein wichtiger Unterschied)

    Das Gehirn lernt etwa ab dem 6. Schwangerschaftsmonat, sobald die notwendigen Strukturen vorhanden sind (Nervenleitungen, Cortex). Im 7. Monat kann ein Fetus die Stimme der eigenen Mutter von anderen Stimmen unterscheiden - das wurde im Experiment herausgefunden (Vergleichen ist ein echter Denkprozess).
    Deshalb beginnt der Lebenslauf eines Menschen zu diesem Zeitpunkt!
    Die Geburt ist lediglich ein Übergang vom symbiotischen zu selbstständigen Leben.
    Persönliche Erinnerungen können dann allerdings erst dann abgespeichert werden, sobald man sich als eigenständige Person empfindet (ab dem Alter von ca. 1,5 Jahren).

    Das Gelernte steht das ganze Leben lang zur Verfügung.

  9. Balanus Denkprozesse /@KRichard
    19.02.2010, 21:39

    »Im 7. Monat kann ein Fetus die Stimme der eigenen Mutter von anderen Stimmen unterscheiden - das wurde im Experiment herausgefunden (Vergleichen ist ein echter Denkprozess). «

    Da haben Sie nach meinem Dafürhalten einen sehr weitgefassten Begriff von dem, was 'Denken' ist. Schon die Amöbe vergleicht Informationen aus der Umwelt, um zu "entscheiden", in welche Richtung sie kriecht.

    Dass ein Fetus im 7. Monat die Stimme seiner Mutter erkennen kann, bedeutet nicht notwendigerweise, dass bereits in diesem frühen Stadium alle Sinneseindrücke zu Erinnerungen werden. Aber sei's drum, das ist hier nicht das eigentliche Thema :-)

  10. Michael Blume Psychologische Religionstheorien
    19.02.2010, 22:35

    Auf die vielen, durchaus spannenden Religionstheorien mit psychologischem Hintergrund wollte ich zunächst mit einem längeren Kommentar eingehen. Dann aber fiel mir ein und auf, dass dazu ohnehin schon länger mal etwas Grundsätzlicheres fällig war. Nun habe ich neu als Blogpost eingestellt:
    http://www.chronologs.de/...eorien-und-ihr-problem

    Sie sehen also, wie aufmerksam hier Ihre Blogkommentare nicht nur gelesen, sondern auch aufgegriffen werden! :-)

  11. Balanus Hirngespinste /@Mona: Gott im Gehirn
    19.02.2010, 22:36

    In der Tat, ein interessanter Text, informativ, sachlich und sehr passend zum Thema dieses Threads.

    Natürlich gibt es auch Einiges kritisch anzumerken.

    Thomas M. Schmidt schreibt:

    Alle diese Erlebnisse erscheinen nun verständlich und erklärbar als Resultat einer durch Meditation selbst induzierten Deaktivierung des Orientierungsfeldes im posterioren superioren Parietallappens. Der Beweis scheint erbracht, dass es sich bei mystischen Erlebnissen nicht um Halluzinationen, sondern um biologisch nachweisbare Tatsachen handelt.

    Was mich hier verwundert, ist diese Unterscheidung von Halluzinationen und "mystischen Erlebnissen" (als da sind: "ozeanische Gefühle der Versenkung, Entgrenzung und Aufhebung des Ich und des eigenen Körpers, Erfahrungen der Einheit mit einer größeren, umfassenden Wirklichkeit"). Halluzinationen wie z.B. Doppelgängerphänomene und außerkörperliche Erfahrungen wären demnach keine biologisch nachweisbaren Tatsachen, das Erlebnis der Entgrenzung des eigenen Körpers aber sehr wohl.

    Die neurobiologische Befunde einer Biologie der Glaubens scheinen also methodisch agnostisch zu sein, sie erlauben eine anti- und eine proreligiöse Deutung. Der pro-religiösen Deutung zufolge kann gezeigt werden, dass religiöse Erfahrungen real sind. Es handelt sich bei den Berichten der Mystiker und anderer religiöser Virtuosen nicht um Hirngespinste, sondern um biologisch verankerte Tatsachen des Bewusstseins.

    "Hirngespinste"! Wohl im Sinne von Halluzinationen.

    Nach meinem Empfinden hat Schmidt nicht deutlich gemacht, nach welchen Kriterien er die beiden Phänomene 'Halluzinationen' und 'religiöse Erfahrungen' unterscheidet. Real sind sie beide für den, der sie erlebt. Natürlich werden sie anders bewertet. Halluzinationen sind eine Heimsuchung, während mystische Erfahrungen (von manchen) gesucht werden. Aber beides wird real erlebt und findet im Gehirn statt (wo auch sonst?).

    Spiritualität als das generelle Gefühl der Selbsttranszendenz und der mystischen Einheit ist allerdings zu unterscheiden von Religiosität. Letztere ist als theoretische Einstellung durch spezifische Inhalte der religiösen Lehren und als praktische Haltung durch Teilhabe an bestimmten Ritualen bestimmt.

    Ja, das sehe ich inzwischen auch so. Je länger ich über die Begriffe Spiritualität und Religiosität im Zusammenhang mit der Evolutionsgeschichte nachdenke, desto mehr gelange ich zu der Überzeugung, dass nur Ersteres sinnvoll in evolutionstheoretische Überlegungen integriert werden kann.

  12. Michael Blume @ Balanus
    19.02.2010, 23:00

    Gegen Ende Ihres sehr guten Kommentars war ich jäh überrascht. Sie schrieben:

    Je länger ich über die Begriffe Spiritualität und Religiosität im Zusammenhang mit der Evolutionsgeschichte nachdenke, desto mehr gelange ich zu der Überzeugung, dass nur Ersteres sinnvoll in evolutionstheoretische Überlegungen integriert werden kann.

    Wie das? Schon Darwin dachte schließlich über die Evolution der Religiosität als "belief in supernatural beings" nach? Und heute haben wir ja sehr starke Belege z.B. für den höheren Reproduktionserfolg gerade auch in diesem Bereich. Warum sollte das also nicht möglich sein?

    Ein -frei abrufbarer- Artikel dazu z.B. hier:
    http://www.gehirn-und-geist.de/artikel/982255

  13. Balanus @Michael Blume
    19.02.2010, 23:43

    Um es kurz zu machen:

    Ich sehe Religionen als soziokulturelle Entwicklungen. Religiosität ist eine "theoretische Einstellung" (Thomas M. Schmidt), gerichtet und bezogen auf eine Religion. Religiös wird man, indem man in eine Religion hineinwächst und sie annimmt.

    Grundlage von Religion und Religiosität ist die Spiritualität. Diese bringt man mit auf die Welt. Was wir evolutionstheoretisch unter dem Label Religiosität abhandeln, ist, wenn man genauer hinschaut, letztlich Spiritualität.

    Ich fürchte, ich muss (für mich) beide Begriffe neu definieren :)

    Das sind aber alles nur erste, spontane Überlegungen, inspiriert durch Thomas M. Schmidt. Vielleicht sehe ich das morgen schon wieder anders...;-)

  14. Mona Meditation und Halluzinationen @Balanus
    20.02.2010, 09:45

    „Was mich hier verwundert, ist diese Unterscheidung von Halluzinationen und "mystischen Erlebnissen" (als da sind: "ozeanische Gefühle der Versenkung, Entgrenzung und Aufhebung des Ich und des eigenen Körpers, Erfahrungen der Einheit mit einer größeren, umfassenden Wirklichkeit"). Halluzinationen wie z.B. Doppelgängerphänomene und außerkörperliche Erfahrungen wären demnach keine biologisch nachweisbaren Tatsachen, das Erlebnis der Entgrenzung des eigenen Körpers aber sehr wohl.“

    Zwischen Halluzinationen und mystischen Erlebnissen sehe ich schon einen Unterschied. So sind „ozeanische Gefühle der Versenkung, Entgrenzung und Aufhebung des Ich und des eigenen Körpers, Erfahrungen der Einheit mit einer größeren, umfassenden Wirklichkeit“ m.E. keine Halluzinationen, ich habe das an den von mir als Link eingestellten Meditationsvideos zu erklären versucht. Außerdem können diese Phänomene von ALLEN Meditierenden wahrgenommen werden. Unter Halluzinationen würde ich Heiligenerscheinungen etc. einordnen, also Dinge die nur der Einzelne sieht und die nicht mit irgendwelchen Techniken im Gehirn aller Menschen erzeugt werden können. Bei der Meditation steuern Sie ja ihre Gedanken, nicht so beim Rausch oder bei krankhaften Halluzinationen, da passieren die Dinge eben. Vielleicht stellt man sich hier eine „Entgrenzungserfahrung“ auch zu dramatisch vor. Falls Sie Musikliebhaber sind, ist es ihnen sicher schon einmal passiert, dass Sie sich mit der Musik eins fühlten, oder?

    „Nach meinem Empfinden hat Schmidt nicht deutlich gemacht, nach welchen Kriterien er die beiden Phänomene 'Halluzinationen' und 'religiöse Erfahrungen' unterscheidet. Real sind sie beide für den, der sie erlebt. Natürlich werden sie anders bewertet. Halluzinationen sind eine Heimsuchung, während mystische Erfahrungen (von manchen) gesucht werden. Aber beides wird real erlebt und findet im Gehirn statt (wo auch sonst?).“

    Ich weiß jetzt nicht ob man Halluzinationen, genauso wie spirituelle Erfahrungen, im Gehirn „sieht“ oder ob Schmidt diese beiden Phänomene einfach in einen Topf schmeißt.

    „Grundlage von Religion und Religiosität ist die Spiritualität. Diese bringt man mit auf die Welt. Was wir evolutionstheoretisch unter dem Label Religiosität abhandeln, ist, wenn man genauer hinschaut, letztlich Spiritualität.“

    Nike Wagner, die direkte Nachfahrin des Komponisten Richard Wagners sagte: „Religion entzweit die Menschen – Spiritualität ist etwas ganz anderes. Das bedeutet nicht, dass man keine Gefühle hat. Aber es meint, dass man nicht auf ihnen besteht.“
    http://media.sikorski.de/...n_0409_deutsch_web.pdf

  15. Mona Glaube @Katharina
    20.02.2010, 09:56

    "Wer sollte aber die Wahrheit des Gottesgedankens so klären, daß sich keine Gegenpositionen finden lassen? Und wäre das wirklich wünschenswert oder gar gottgewollt? Wären wir dann nicht längst so weit?"
    Es ist nur eine Religion, aber es kann vielerlei Arten des Glaubens geben. Immanuel Kant

  16. Michael Blume @Balanus: Zwei Merkmale
    20.02.2010, 10:44

    Vorsicht, ein Rückfall! :-)

    Wir sprechen hier über zwei unterschiedliche Merkmale. So hat Religiosität eine soziale Komponente (Interaktion mit übernatürlichen Akteuren), die die Spiritualität nicht (notwendig) hat. Beide Merkmale können sich verbinden und verstärken, tun dies im Alltag auch häufig - das heißt aber nicht, dass sie identisch sind. Auch wenn Sie ein völlig unspiritueller Amish wären, so würden Sie sich dennoch (durchschnittlich) sehr erfolgreich fortpflanzen und Ihre religiösen Begabungen wie auch spirituellen Kaum-Veranlagungen an kommende Generationen weitergeben.

  17. Balanus Meditation und Halluzinationen /@Mona
    20.02.2010, 12:12

    Ihre Einwände sind berechtigt, zwischen Halluzinationen und mystischen Erlebnissen sehe auch ich Unterschiede. Aber ich sehe auch das Gemeinsame, was Thomas M. Schmidt m.E. übersehen hat, nämlich dass es sich jeweils um spezifische neuronale Prozesse handelt, die in bestimmter Weise bewusst wahrgenommen werden. Beides ist—zumindest im Prinzip—biologisch erklärbar.

  18. Balanus Zwei Merkmale /@M. Blume
    20.02.2010, 12:14

    Vorsicht, ein Rückfall! :-)

    Ich nenne es Weiterentwicklung.

    Die evolutionäre Religionswissenschaft muss die Begriffe Spiritualität und Religiosität wohl neu definieren, wenn sie weiterkommen will. Ich weiß, das klingt hart, aber man muss den Realitäten ins Auge sehen. ;-)

    Ein „völlig unspiritueller“ Mensch wäre einer, der überhaupt keinen Sinn für Transzendenz hätte. Wie sollte der zu „religiösen Begabungen“ kommen? Der kann sich allenfalls streng an die Sitten und Gebräuche seiner Religion halten, aber diese hätten für ihn keinen Bezug zum wahrhaft „Göttlichen“.

  19. Michael Blume @ Balanus
    20.02.2010, 12:26

    Wir haben den Spiritualitäts-Test aus GGG schon mal auf einer Pfarrerstagung gemacht. Die meisten lagen in der Mitte, einige hoch- und kaum-Spirituelle waren aber auch dabei.

    Wir haben da zwei verbundene, aber eben auch eigenständige Merkmale, die man ebensowenig verrühren sollte wie Sprachfähigkeit und Musikalität (obwohl auch diese unbestritten verbunden sind).

  20. Balanus Spiritualitäts-Test /@M. Blume
    20.02.2010, 15:22

    Wer einen Test entwickelt, hat eine bestimmte Vorstellung von dem, was er testen will.

    Mein Spiritualitäts-Begriff reicht vom bloßen Vorstellungsvermögen (über was auch immer) bis hin zur konkreten Glaubensgewissheit bezüglich übernatürlicher Akteure. Irgendwo dazwischen verorte ich die mit Meditationstechniken assoziierten Phänomene. Ein Bezug zur Religion kann dabei vorhanden sein oder auch nicht. Besteht ein Religionsbezug, kann die Spiritualität unter Umständen als Religiosität beschrieben werden.

    Sie schrieben ja selbst, dass es wahrscheinlich wenige so schillernd und kontrovers definierte Begriffe [gibt ]wie diesen. Mein weit gefasster Spiritualitäts-Begriff bringt all die vielen unterschiedlichen Auffassungen unter einen Hut.

  21. Katharina @Mona
    20.02.2010, 16:15

    Was meinte der Mann: "nur EINE Religion" oder "NUR eine Religion"? Im ersten Fall stimmt´s, und so meinten Sie es auch.

  22. Katharina Halluzinationen
    20.02.2010, 16:53

    Mona hat den Unterschied zwischen Halluzinationen und "mystischen Erlebnissen" in Versenkungssituationen gut beschrieben. Tritt aber auch ´mal beides zusammen auf.
    Zu ergänzen wäre, daß es sehr wohl Halluzinationen bei Gruppen gibt, zu verstehen als ein Phänomen des Gruppenbewußtseins oder als Erkrankung der Kollektivseele im Sinne einer Massenpsychose. Halluzinationen lassen sich u.a. durch Hirnstimulation und Drogen auslösen, haben aber wie andere geistige Phänomene eine multifaktorielle Ätiologie. Sie beruhen primär auf einer Störung des Ich-Welt-Kontaktes, der unterschiedlichste Gründe haben kann.

  23. Mona Psychose @Balanus
    20.02.2010, 17:46

    „Ihre Einwände sind berechtigt, zwischen Halluzinationen und mystischen Erlebnissen sehe auch ich Unterschiede. Aber ich sehe auch das Gemeinsame, was Thomas M. Schmidt m.E. übersehen hat, nämlich dass es sich jeweils um spezifische neuronale Prozesse handelt, die in bestimmter Weise bewusst wahrgenommen werden. Beides ist—zumindest im Prinzip—biologisch erklärbar.“

    Handelt es sich bei bewusst herbeigeführten Meditationserlebnissen um paranormale Phänomene? M.E. sind spirituelle Erlebnisse, wie sie z.B. bei einer Psychose auftreten, doch etwas anderes. Allerdings gibt es Überschneidungen. Den Unterschied sehe ich darin, dass bei einer psychischen Erkrankung der Betroffene keine Kontrolle über sich selber hat und dem Erleben hilflos ausgeliefert ist, er kann das Erlebnis also auch nicht stoppen.
    Es gab darüber einmal einen Artikel in der „Psychologie Heute“:
    http://www.blockfrei.net/...a/03e75eb9_PsyHeu6.pdf

  24. Mona Massenpsychose @Katharina
    20.02.2010, 18:02

    Da fällt mir spontan die Coca-Cola-Vergiftung ein, die vor Jahren mal die Runde machte. Hier waren nicht einmal Drogen im Spiel.
    http://www.psychotherapie.de/...ngst/00040201.html

  25. Katharina @Mona
    20.02.2010, 19:18

    Ja, genau; hier war die Halluzination olfaktorisch.
    Anderes Beispiel: die im 14. Jhh. in verschiednen Teilen Europas auftretende Tanzwut, bei der szenenhafte Halluzinationen bei orgiastischen Tänzen entstanden, die als Besessenheit von Dämonen interpretiert wurden.
    Die Interpretationen von Halluzinationen von der Antike bis heute sind "wahnsinnig spannend" :-)

  26. Balanus Paranormal /@Mona
    21.02.2010, 11:50

    »Handelt es sich bei bewusst herbeigeführten Meditationserlebnissen um paranormale Phänomene?«

    Wohl eher nicht! ;-)

    Aber was heißt bewusst herbeigeführt, gerade auch im Unterschied zu Halluzinationen und Psychosen?

    Thomas M. Schmidt spricht in seinem Text ein „Trilemma“ an („Es ist üblich geworden, das Leib-Seele bzw. Körper-Geist-Problem als ein Trilemma zu beschreiben.“).

    In diesem Sinne frage ich mich, was es bedeutet, wenn in einer physikalisch geschlossenen Welt ein bestimmter Hirnzustand (Meditation) „bewusst“ herbeigeführt wird.

    Punkt 2 des Trilemmas beschreibt Schmidt so:

    „2. Zugleich erscheint es ebenso zwingend, anzunehmen, dass mentale Phänomene bestimmte Erscheinungen in der Natur kausal hervorrufen.“

    Also, mir erscheint diese Annahme keineswegs zwingend. Wie sehen Sie das?

  27. Balanus Nachtrag zu: Spiritualitäts-Test /@M. Blume
    21.02.2010, 13:50

    @Mona hat an anderer Stelle eine Buchkritik verlinkt, in der der französische Philosoph Andre Comte-Sponville folgendermaßen zitiert wird:

    „Spiritualität ist so gesehen beinahe gleichbedeutend mit Ethik oder Weisheit und betrifft weniger unsere Beziehung zum Absoluten, zum Unendlichen oder zur Ewigkeit, als unsere Beziehung zum Menschlichen, zum Endlichen und zur Zeit. Wenn ich jetzt das Wort Spiritualität im strengen Sinne nehme, muss man weiter gehen oder höher: Ihre höchsten Spitzen reichen in die Mystik hinein.“

    Das passt zu meinen Vorstellungen.

  28. Michael Blume @ Balanus: Spiritualität
    21.02.2010, 20:47

    Das ist wirklich eine schöne Definition von Spiritualität. Allerdings vermischt sie die deskriptive und die normative Ebene, was m.E. im Hinblick auf empirische Forschungen problematisch ist.

    Stellen Sie sich z.B. vor, ich würde Religiosität definieren als "Glauben an übernatürliche Akteure, die Liebe, Freiheit und Gewaltlosigkeit lehren". Das wäre vielleicht sympathisch und ich hätte damit große Schattenseiten der Religionsgeschichte einfach aus der Religion "ausgelagert". Ich nehme aber an, dass dies gerade deswegen zu Recht zu Protesten (auch von Ihnen?) führen würde.

    M.E. ist die Aufgabe empirischer Wissenschaft zunächst deskriptiv, die Normativität ist dann Aufgabe philosophischer bzw. theologischer Reflektionen. Willkürlich vermischen würde ich beide Ebenen lieber nicht.

  29. Mona Mentales Training @Balanus
    22.02.2010, 10:11

    „Aber was heißt bewusst herbeigeführt, gerade auch im Unterschied zu Halluzinationen und Psychosen?“

    Durch mentales Training kann sich ein Meditierender in einen Zustand der Entgrenzung versetzen. Im Unterschied zu Menschen, die an Halluzinationen oder Psychosen leiden und denen solche Zustände unwillkürlich passieren.

    „Thomas M. Schmidt spricht in seinem Text ein „Trilemma“ an („Es ist üblich geworden, das Leib-Seele bzw. Körper-Geist-Problem als ein Trilemma zu beschreiben.“).
    In diesem Sinne frage ich mich, was es bedeutet, wenn in einer physikalisch geschlossenen Welt ein bestimmter Hirnzustand (Meditation) „bewusst“ herbeigeführt wird.
    Punkt 2 des Trilemmas beschreibt Schmidt so:
    „2. Zugleich erscheint es ebenso zwingend, anzunehmen, dass mentale Phänomene bestimmte Erscheinungen in der Natur kausal hervorrufen.“
    Also, mir erscheint diese Annahme keineswegs zwingend. Wie sehen Sie das?“

    Ich finde diesen Punkt auch etwas widersprüchlich. Wenn ich es richtig verstanden habe, meint Thomas M. Schmidt, dass bestimmte mentale Zustände die Grenzen zwischen Körper und Geist verwischen können. Körper und Geist müssen also sozusagen eine Einheit bilden um diese Phänomene hervorrufen zu können, z.B. lösen heftige Gefühle, körperliche Reaktionen aus. Normalerweise läuft so etwas ja unwillkürlich ab. Allerdings kann man diese Zustände auch bis zu einem gewissen Grad trainieren, ich will jetzt nicht wieder die Meditation ins Spiel zu bringen, sondern möchte einmal auf das mentale Training von Sportlern hinweisen, welches im Prinzip ebenso funktioniert. Hier werden bestimmte Trainingsziele mental „eingeschliffen“ schon bevor sie der Körper ausführt. Dies ist besonders wichtig, um z.B. tief verankerte, jedoch ungeeignete Abläufe zu ändern. Mit Hilfe des mentalen Trainings nimmt der Sportler schneller die richtigen Gewohnheiten an und kann sich so ein schwieriges und langwieriges Training ersparen.
    http://www.uni-flensburg.de/...ntales_Training.pdf

  30. Balanus kein Betreff
    22.02.2010, 11:16

    »Schon weil sich alle empirische Wissenschaft(en) qua Definition auf beobachbare und damit immer historische Ereignisse beziehen und diese Vergangenheit auch nie ohne Lücken aufklären können, halte ich - wie auch z.B. Richard Dawkins - die grundlegenden Fragen für wissenschaftlich zwar diskutier- aber letztlich unentscheidbar. Deswegen gilt im Rahmen der Evolutionsforschung zu Recht der methodologische Agnostizismus, der von der persönlichen Glaubenshaltung zu unterscheiden ist.«

    Dass der Mensch mehr Fragen stellen als beantworten kann, liegt in der Natur des Menschseins. Woher nehmen wir die Antworten die Natur betreffend? Wir leiten sie ab aus unseren Beobachtungen. Was machen wir, wenn (noch) keine Beobachtungen existieren? Wir lassen die Frage offen und belassen es bei einer Hypothese, die nur auf dem basieren kann, was als gesichertes Wissen angesehen wird.

    Im Zuge einer wissenschaftlichen Diskussion kann eine bestimmte Hypothese als die plausibelste angesehen werden, aber es bleibt eine Hypothese, die durch neue Befunde gestützt oder widerlegt werden kann.

    In diesem Prozess der wissenschaftlichen Hypothesenbildung zu (noch) ungeklärten und auch grundlegenden Fragen sehe ich keine Notwendigkeit, von einem methodologischen Agnostizismus (Atheismus/Naturalismus) zu sprechen.

    In diesem Zusammenhang ist es mir eine besondere Freude, mal einen Theologen zitieren zu können. Karl Barth hat zur Trennung von Naturwissenschaft und Theologie folgendes gesagt:

    "Die Naturwissenschaft hat freien Raum jenseits dessen, was die Theologie als das Werk des Schöpfers zu beschreiben hat. Und die Theologie darf und muß sich da frei bewegen, wo eine Naturwissenschaft, die nur das und nicht heimlich eine heidnische Gnosis und Religionslehre ist, ihre gegebene Grenze hat."

    Ich lese daraus, dass es keine methodischen Überschneidungen zwischen Naturwissenschaft und Theologie gibt. Da in der naturwissenschaftlichen Fragestellung Gott ohnehin nicht vorzufinden ist, ist die Rede von einem methodologischen Agnostizismus oder Atheismus unnötig.

    Was ich mich nun frage, ist, ob der methodologische Agnostizismus fordert, dass auch Geist und Bewusstsein kein Gegenstand der Naturwissenschaften sein können.

  31. Balanus Mentales Training /@Mona
    22.02.2010, 12:12

    Meiner Auffassung nach besagt der zweite Punkt des Trilemmas, dass rein geistige Entitäten (wie z. B. Gedanken) materielle Wirkungen haben können, dass also die Welt physikalisch offen ist (es gäbe demnach kein durchgängiges Kausalitätsprinzip, sondern Phänomene, die prinzipiell nicht aus Ursachen und Motiven heraus erklärbar wären).

    Ich fragte deshalb nach Ihrer Ansicht, weil Sie mal geschrieben haben, dass Sie keine dualistische Weltsicht vertreten. Dualisten könnten sagen, wenn ich eine Handlung oder einen mentalen Zustand bewusst herbeiführe, dann setzen rein geistige Phänomene (Gedanken, Bewusstsein) als Erstauslöser eine Kausalreihe in Gang.

    Aber inzwischen denke ich, dass Ihr Ansatz ohnehin ein ganz anderer ist und darauf hinausläuft, dass Materie und Geist eins sind und dass sich von daher bestimmte (dualistische) Fragen gar nicht erst stellen. Oder so ähnlich ;-)

    Wäre mal interessant zu wissen, ob die Flensburger Sportwissenschaftler von einer physikalisch geschlossenen oder offenen Welt ausgehen (auch wenn es letztlich egal ist, das mentale Training funktioniert so oder so, ganz unabhängig vom Weltbild).

  32. Mona Weltbild @Balanus
    22.02.2010, 14:44

    Mir war nicht klar, dass Sie auf mein Weltbild hinauswollten ;-)

    Ich vertrete kein dualistisches Weltbild, zumindest nicht in moralischer Hinsicht.

    „Ich fragte deshalb nach Ihrer Ansicht, weil Sie mal geschrieben haben, dass Sie keine dualistische Weltsicht vertreten. Dualisten könnten sagen, wenn ich eine Handlung oder einen mentalen Zustand bewusst herbeiführe, dann setzen rein geistige Phänomene (Gedanken, Bewusstsein) als Erstauslöser eine Kausalreihe in Gang.“

    Wirklich?

    Das herrschende dualistische Weltbild als Variationen einer Münchhauseniade
    Skizzen einer philosophischen Komödie in vier Akten
    von Friedrich Seibold

    Historische Vorlage: Baron Münchhausen, reitend in einen Sumpf geraten, gibt vor, sich am eigenen Schopf mitsamt dem Pferd aus dem Sumpf gezogen zu haben.

    Erste Variation: Das herrschende Weltbild gibt vor, man könne sich aus dem eigenen Denken herausdenken, indem dieses eine 'bewußtseins- d.h. denkunabhängige Welt' und damit ein 'außerhalb des Denkens' denkt.

    Zweite Variation: Das herrschende Weltbild gibt vor, man könne denkend das notwendigerweise immer subjektive Denken verlassen, indem dieses die Bedeutung 'objektiv' denkt und sich damit in eine als solche nicht-gedankliche 'objektive Welt' zu versetzen vorgibt.

    Dritte Variation: Das herrschende Weltbild gibt vor, man könne Wahrheit aus dem Denken herausnehmen, indem sie nicht zuletzt in nicht-gedanklichen 'objektiven' Tatsachen erkennbar sei, obwohl sie immer nur ein Denkresultat und damit im Denken ist.

    Vierte Variation: Das herrschende Weltbild gibt vor, man könne frei wollen, wodurch ein freier Wille, notwendigerweise frei von allem, auch frei vom Denken sein, sich also aus dem Denken gedanklich herausnehmen lassen müßte, obwohl 'freier Wille' gedacht wird.
    So wie Münchhausen an sich selbst ansetzend sich aus dem Sumpf heben will, so will das Denken in den vier Variationen, an sich selbst ansetzend, sich in ein Nicht-Denken heben, indem es 'außerhalb des Denkens', 'nicht-gedankliches Objektives' und 'frei vom Denken' seiner Bedeutung nach zu denken vorgibt.
    Und was ist die Moral von der Geschichte? – Man lasse beim Philosophieren das Denken nicht außer acht, damit es sich nicht aus sich selbst heben will.

    Von hier: http://www.philosophia-online.de/...-3/Sei-Kom.htm

  33. Balanus Münchhauseniade /@Mona
    22.02.2010, 15:36

    Interessanter Fund, aber was soll mir das sagen?

    Ich schrieb: "Dualisten könnten sagen, wenn ich eine Handlung oder einen mentalen Zustand bewusst herbeiführe, dann setzen rein geistige Phänomene (Gedanken, Bewusstsein) als Erstauslöser eine Kausalreihe in Gang."

    Sie fragten: "Wirklich?" und zitieren die philosophische Münchhauseniade zum herrschenden dualistischen Weltbild.

    Liebe Mona, Sie sehen mich ratlos :-)

    Ist nun meine Annahme über das, was Dualisten sagen könnten, falsch, oder ist nur das dualistische Weltbild falsch, oder beides, oder wie?

  34. Mona Plausible Sicht der Dinge @Balanus
    22.02.2010, 17:04

    „Ich schrieb: "Dualisten könnten sagen, wenn ich eine Handlung oder einen mentalen Zustand bewusst herbeiführe, dann setzen rein geistige Phänomene (Gedanken, Bewusstsein) als Erstauslöser eine Kausalreihe in Gang."

    Verzeihung, ich wollte Sie nicht in Verwirrung stürzen. Natürlich ist diese Annahme plausibel. Aber ich wollte anhand des mentalen Trainings von Sportlern zeigen, dass es auch zu Überschneidungen kommen kann. Außerdem gibt es ja körperliche Phänomene, wie Schmerz, welche auch den Geist oder die Psyche in Mitleidenschaft ziehen. Umgekehrt kann sich auch geistiger Stress usw. körperlich bemerkbar machen.

  35. Michael Blume @ Balanus
    22.02.2010, 19:46

    Oh, interessant! Sie schrieben:

    Ich lese daraus, dass es keine methodischen Überschneidungen zwischen Naturwissenschaft und Theologie gibt. Da in der naturwissenschaftlichen Fragestellung Gott ohnehin nicht vorzufinden ist, ist die Rede von einem methodologischen Agnostizismus oder Atheismus unnötig.

    Wir dürfen also annehmen, dass Sie wortmächtig protestiert haben, als z.B. der Naturwissenschaftler Richard Dawkins vom "Gotteswahn" geschrieben hat? Weil er sich ja als Nicht-Theologe gar nicht dazu äußern durfte, zumindest nicht auf naturwissenschaftlicher Basis?

    Also, ich sehe da - bei aller Übereinstimmung in der grundlegenden Unterscheidung - schon buchstäblich fließender Grenzen und begrüße es, wenn sich Naturwissenschaftler einerseits und Philosophen und Theologen andererseits im gerne auch strittigen Dialog austauschen. Zumal, wenn sie Religionswissenschaftler hinzu ziehen.
    :-)

  36. Balanus Dawkins /@M. Blume
    22.02.2010, 23:14

    »Wir dürfen also annehmen, dass Sie wortmächtig protestiert haben, als z.B. der Naturwissenschaftler Richard Dawkins vom "Gotteswahn" geschrieben hat? Weil er sich ja als Nicht-Theologe gar nicht dazu äußern durfte, zumindest nicht auf naturwissenschaftlicher Basis? «

    Natürlich habe ich nicht protestiert. Dafür fand ich die ganze Aufregung über das Buch viel zu amüsant. Außerdem, und das ist entscheidend, war es ja kein naturwissenschaftlicher Text.

    Ich kenne Dawkins "Gotteswahn" nicht. Hat er tatsächlich naturwissenschaftliche Studien angeführt, die belegen, dass in der beobachtbaren Natur Gottes Wirken nicht nachweisbar ist?

    Aber Sie haben schon Recht, es gibt da einen Grenzbereich, da könnte man, je nach Perspektive, gewisse Überschneidungen sehen. So könnte man beispielsweise naturwissenschaftlich sauber untersuchen, ob Gebete oder Fürbitten objektiv etwas bewirken. Aber in Nature könnte man die Ergebnisse wohl nicht publizieren ;-)

  37. Patrick gute arbeit.
    26.03.2010, 21:29

    nur lassen sich bestimmte dinge nicht auf diese art vereinfachen, z.b wie bei diesem zitat:

    "Wer behauptet, alles sei nur Gehirnkonstrukt, erklärt sich ja auch selbst nur zu einem illusionären Teil eines "eigentlichen" größeren Ganzen."

    genauso hält es sich mit der astrologie,
    die eine illusion ist und trotzdem soll sie echt sein???

    ich denke man darf da nicht verallgemeinern, dawkins schrieb, dass es einen atheismus in der wissenschaft fordere, weil der mensch sonst falsche schlüsse ziehen würde.

    nur hier sehen wir wieder diese gott oder gottlose perspektive.

    wir sollten in der lage mit und ohne gott denken zu können.
    dass der glaube einen einschränkt sehe ich als anwendungsbedingt.die religion kann stark beschränken, wenn sie naiv angewendet wird
    so ist es mit dem atheismus, wer sich aufs gottlose beschränkt, grenzt sich auch ein. denn der glaube gibt dem menschen nur eine weitere option des freien denkens.
    jeder vernünftige mensch der an gott glaubt hat auch seine zweifel,
    das wird vom atheisten zu selten mit einbezogen.

    jedoch sucht der gläubige mensch nach
    rechtfertigungen für seinen instinkt.
    was nicht immer leicht ist, aber mit angenehmen gefühlen belohnt wird.

    um auf den punkt zu kommen, die wissenschaft verlangt eine vernunft.
    und nicht eine a- / religiösität.

  38. Michael Blume @ Patrick: Klar! :-)
    27.03.2010, 20:35

    Da mag ich gar nicht widersprechen: Blogbeiträge sind natürlich immer nur verkürzte Ausschnitte. Alleine schon zur evolutionären Erkenntnistheorie samt Begrifflichkeiten wie Illusion und Erkenntnis ließe sich leicht ein ganz eigener Blog aufmachen.

    Sie schrieben interessanterweise: um auf den punkt zu kommen, die wissenschaft verlangt eine vernunft. und nicht eine a- / religiösität.

    Wenn Sie erlauben, würde ich dazu gerne nachfragen, wie Sie "eine Vernunft" definieren?

  39. Patrick @michael blume
    28.03.2010, 00:40

    wenn es um die vernunft geht, meine ich die logik die wir besitzen.
    meine eltern haben mich katholisch erzogen und doch immer eine skeptische haltung zu vielen dingen gehabt und besitzen sie immer noch.

    ich versuche dabei an einem beispiel aus meiner kindheit zu denken. das testen wie gutgläubig (intelligent) ich war, begann ja schon bei der frage nach dem weihnachtsmann.
    durch erfahrungen wie zum beispiel, dass er immer anders aussah hat mich als kind dann zweifeln lassen.

    das war dann die logik die mitgespielt hat, aus einer zeit wo wir diese logik gebraucht haben um zu überleben.

    diese vernunft besitzt jeder, jetzt bleibt nur noch die frage warum schalten wir sie manchmal für einen kurzen zeitraum aus?

    beispiel: aberglaube

    kann es sein, dass der geist auch einmal geschützt werden muss?
    vor dem was er nicht zuordnen, verstehen kann?

    mir ist aufgefallen das es einfach nur charakterbedingt ist, wie reiligiös jemand ist, sensible menschen neigen eher zu religiösen verhalten als die, die einen hohen testosteronspiegel haben oder zumindest danach aussehen. :-P

    ich finde es immer wieder spannend zu sehen, wenn man menschliches verhalten vorrauschauen kann und dass die psychologie sich immer wieder mit den selben verhaltensmuster beschäfigt.

    das deutet doch sehr stark auf ein regelwerk hin, der gipfel des unwahrscheinlichen. :-)

    ...nicht ganz zum thema vernunft:
    hawking hat ein neues buch raus gebracht es nennt sich das universum in der nussschale, als ich im buchladen neugierig durchblätterte stoss ich auf folgenden satz:

    "Ich könnte in eine Nußschale eingesperrt sein und mich für einen König von unermeßlichen Gebiete halten..."

    auf welchen das ganze buch sich stützt.

    ich meine der autor ist atheist, so weit ich weiß, und trotzdem
    hat dies doch einen religiösen touch oder nicht??? :-)

    um endlich zum schluss zu kommen,
    das anschaffen von wissen ist die arbeit der glaube eine art belohnung. ;-)

    viele grüsse!

  40. Michael Blume @ Patrick: Ja...
    28.03.2010, 00:50

    Ja, von einer genetisch-biologischen und darauf aufbauend dann auch psychologischen Grundlage von Religiosität ist aus heutiger Sicht auszugehen:
    http://www.chronologs.de/...-der-verhaltensgenetik

    Ob man Religion aber mit "logisch" oder "rational" in Bezug setzen kann, sehe ich so direkt nicht. Auch viele andere Veranlagungen des Menschen (wie Liebe, Fremdenfeindlichkeit oder Musikalität) entfalten ihre Wirkung auch außerhalb und manchmal gegen Vernunft, Ratio oder Logik - aufgrund ihres (früheren oder auch noch heutigen) evolutionären Erfolges.

  41. Michael Blume Lesetip!
    20.05.2010, 07:12

    Zum Thema Spiritualität & Meditation möchte ich ein hervorragendes Interview des Braincast-Kollegen Arvid Leyh mit dem Neurologen Dr. Ulrich Ott vom BION Gießen empfehlen:
    Braincast 199 - Meditation im Scanner

  42. axel tigges Es wird soviel um den heißen Brei herumgeredet
    31.07.2010, 23:16

    Es gibt das Kreuz mit der X-Achse der Zeitlinie, die durch die Vertikale Achse in Zukunft und Vergangenheit geteilt wird die Vertikale Achse zeigt die Zeitlosigkeit, dort ist NULL = Unendlich, Die horizontale Achse zeigt ab NULL in die Zukunft. Wenn ich eine Kartoffel einpflanze erhalte ich minimal 0 Kartoffeln, doch durch die gedachte Schuld gibt es die Minuskartoffel, sie wird mir vom Kreditnehmer entzogen, so ist das mit jeder Religion auch. Weil ich nicht erkenne, alles ist im Augenblick in mir gehe ich in die Vergangenheit und bin an meiner Schuld oder die von mir scheinbar getrennten verhaftet, Religion ist wie ein innerer Kapitalismus und wer verdient daran?

  43. Michael Blume @axel tigges
    01.08.2010, 22:42

    Wäre Religion nur ein Mechanismus der Ausbeutung, hätte sie evolutionär aussterben müssen. Stattdessen erblühte sie - übrigens seit Jahrzehntausenden und schon in Gesellschaften, die noch keinerlei Staatlichkeit, Priestertum oder Geld (Kapital) kannten.
    http://www.chronologs.de/...auch-der-neandertaler.

    Auch der heute beobachtbare Reproduktionsvorteil religiös vergemeinschafteter Menschen widerspricht ja der Annahme purer Manipulation und Ausbeutung:
    http://www.blume-religionswissenschaft.de/...n.pdf

    Und wären wir denn wirklich glücklicher, wenn das Universum oder auch nur der Mensch darin weniger rätselhaft wären? Ich finde es schön, dass wir uns als evolvierte und (hoffentlich) zukunftsfähige Wesen noch lange erforschen können und uns zugleich einfachen Ideologisierungen entziehen.

Artikel kommentieren
«zurück   1 2
szmtag