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USA - Studie zu Religionen & Reproduktionserfolg

von Michael Blume, 01. Juni 2010, 23:18

Heute möchte ich kurz eine Studie des Wiener Institutes für Demographie vorstellen, in der Vegard Skirbekk, Anne Goujon und Eric Kaufmann auf Basis der GSS (General Social Surveys) Fertilitätsraten verschiedener Konfessionsgruppen und Wechsel- bzw. Bleiberaten untersucht hatten.

Die Befunde entsprechen insgesamt dem bereits hier vorgestellten Vergleich Europa - USA von Frejka & Westhoff und auch weiteren Studien, der Volkszählung aus der Schweiz u.v.m. - religiös vergemeinschaftete Menschen weisen durchschnittlich deutlich höhere Geburtenraten als ihre konfessionslosen Mitbürger aus. Und wo (wie bei den nicht-schwarzen Protestanten) eine Unterscheidung zwischen fundamentalistischen, moderaten und liberalen Flügeln möglich war, weisen die strikter Religiösen auch die höheren Kinderzahlen auf.

 


 

Beachten Sie dabei auch die außerordentlich niedrige Geburtenrate der US-amerikanischen Juden, die sogar unter die Konfessionslosen gefallen sind. Dagegen wiesen die Juden in der Schweiz die höchsten Geburtenraten einer mehrheitlich inländischen Religionsgemeinschaft auf - obwohl sie auch dort Spitzenanteile an Akademikern, Berufstätigen in leitenden Funktionen und Stadtbewohnern aufwiesen. Des Rätsels Lösung ist die Ausprägung der Flügel: Das US-amerikanische Judentum ist (noch) überwiegend liberal geprägt, das Schweizer Judentum stärker konservativ und orthodox. Allerdings gibt es auch in den USA demografisch wachsende Gemeinden von Orthodoxen und Ultraorthodoxen, so dass dort - wie schon in Israel - mittelfristig von einer Verschiebung der Flügelgewichte auszugehen ist.

Interessant ist auch die Analyse der Wechsel- bzw. Bleiberaten (Transition via Retention rates), aufgeschlüsselt nach dem Vergleich der heutigen Religionszugehörigkeit mit der im 16. Lebensjahr.

Säkularisierung ist hier deutlich zu beobachten: 7.3% früherer hispanischer Katholiken gehören keiner Religion mehr an und dieser Anteil steigt über z.B. 13.8% ehemaliger Juden bis auf 19.7% früherer Hindus oder Buddhisten. Dennoch bleibt die Konfessionslosigkeit eine (schwankende) Minderheit, einerseits aufgrund der niedrigen Geburtenraten, aber eben auch aufgrund der hohen Wechselrate: Fast die Hälfte (44.1%) früherer Konfessionsloser gehört heute einer Religionsgemeinschaft an, am häufigsten moderaten oder fundamentalistischen Protestanten. Ebenfalls im Einklang mit bisherigen Befunden weisen die Autoren der Studie dabei darauf hin, dass sich vor allem weibliche Konfessionslose später Glaubensgruppen mit verbindlichen Familien- und Gemeinschaftslehren anschlossen.

Fazit

Auch diese Studie bestätigt das evolutionär-langfristige Bild eines Reproduktionsvorteils von biologisch veranlagter Religiosität und kulturellen "Konjunkturkurven" von Säkularisierungsphasen und religiösen Aufbrüchen, die von keiner Seite völlig "gewonnen" werden kann. Wir alle sind als Menschen Teil eines grandiosen, biologischen und kulturellen Evolutionsprozesses. der sich auch im Bezug auf die Religiosität und Religionen seit abertausenden Generationen entfaltet.

Die biokulturelle Evolution der Religiosität in Wellen.
Und warum der differentielle Reproduktionserfolg über mehrere Generationen hinweg gerade auch für Evolutionsforscher überhaupt interessant ist, lasse ich hier einfach "Charles Darwin" und die Biologen der Universität Tübingen selbst erklären:




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