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Guter Rutsch und Hals- und Beinbruch! Wo kommen diese Grüße her?

30. Dezember 2011, 07:37

Was wünschte uns denn da die Scilogs-Redaktion? Frohe Weihnachten und schöne Feiertage. Klar. Aber was hat es mit dem "guten Rutsch" auf sich?

Guter Rutsch aus dem Jüdisch-Hebräischen Rosch HaSchana

Der jüdische Neujahrstag heißt Rosch HaSchana (wörtlich: Haupt des Jahres, ebenso wie zum Beispiel das türkische yılbaşı). Hebräisch grüßt man dazu Schana tova, aber auch umgangssprachlich "Guten Rosch!" Die Gelehrten debattieren, ob und wann dieser Gruß aus dem Jiddischen, dem Rotwelsch oder einfach aus jüdisch-deutschem Sprachgebrauch in die Allgemeinsprache einsickerte. Dort konnte er sich wunderbar mit dem launigen "Rutschen" verbinden, das ein Hinübergleiten in neue Umstände ebenso bildhaft festhalten konnte wie auch die Zustände eisgefrorener Wege.

Und dies leitet auch gleich über zum nächsten Wunsch, den die Scilogs-Redaktion auch gleich hätte anfügen können:

Hals- und Beinbruch aus dem Jüdisch-Hebräischen Hazlacha uwracha

Vielleicht haben Sie sich schon einmal gewundert, warum sich Leute gegenseitig lächelnd "Hals- und Beinbruch" wünschen, der sogar zu "Mast- und Schotbruch" (zur See) oder auch "Kopf- und Bauchschuss" (Armee) "weiterentwickelt" wurde. Sind wir Menschen etwa so mißgünstig? Und warum lächeln wir dabei?

Weil es ursprünglich ein jüdischer Segenswunsch war: Hazlacha uwracha, heißt auf hebräisch "Erfolg/Glück und Segen!" und wurde im Jiddischen zu "Hatslokhe u brokhe", von wo es in den deutschen Sprachgebrauch übersprang. Und so "wissen" wir auch heute noch, dass mit Hals- und Beinbruch eigentlich Gutes gemeint sei, obwohl es doch eigentlich übel klingt - genau das macht ja den sprachlichen Charme aus. Und passt auch noch so gut zum "guten Rutsch"!

Die Herkunft nicht nur von Wörtern, sondern auch von Wortbedeutungen aus religiösen Traditionen erscheint Ihnen als Hokuspokus? Nun, dann besuchen wir einen lateinischen Gottesdienst!

Hokuspokus aus dem Katholisch-Lateinischen Hoc est enim corpus meum

"Hoc est enim corpus meum", deutsch: "Dies ist mein Leib" verkündeten katholische Priester im feierlichen Moment der "Verwandlung" von Brot und Wein beim Abendmahl, bis zur Reformation selbstverständlich nur auf Latein "gültig". Für große Teile der Gemeinde war dies ein magischer Moment (göttlicher Substanzwandel!) - zugleich aber haperte es mit Lateinkenntnissen nicht nur beim Volk, sondern auch in Teilen der Priesterschaft. Bis heute geben wir daher unserer Skepsis über nur vorgespielte Kompetenz Ausdruck, wenn wir meinen: "Da macht einer wieder seinen Hokuspokus."

Simsalabim aus dem Islamisch-Arabischen Bismillah rahman i rahim

Das "Simsalabim" hat dagegen den Zauber des Geheimnisvollen noch etwas stärker behalten - denn wo die Christen des Mittelalters mit Anhängern des Islam in Kontakt kamen, hatten sie mit kulturell und wissenschaftlich erblühenden und teilweise auch weiter entwickelten Kulturen zu tun. So verdanken wir beispielsweise das damals unerhörte Rechnen mit der Null hinduistischen Gelehrten und der Vermittlung durch die islamische Kultur, die uns schließlich auch die arabischen Ziffern bescherte. Fromme Muslime beginnen Tätigkeiten - zu denen auch wichtige Reden, Vorträge oder Präsentationen gehören - mit der Formel "Bismillah rahman i rahim", beim Namen Gottes, des Barmherzigen. Und so eröffnen auch heute noch mysteriöse Magier mit astronomisch-mathematischen Symbolen, spitzen Hüten und Turbanen ihr Zauberwirken mit einem "Simsalabim"...

Allen Leserinnen und Lesern, Kommentatorinnen und Kommentatoren von "Natur des Glaubens" wünsche ich einen guden Rosch und hazlacha uwracha! Mögen wir auch 2012 hinter zunächst unverstandenem Hokuspokus evolutionäre Erkenntnisse finden und über das neue spektrum.de staunen, das - Simsalabim - von einem ganz besonderen "Mitarbeiter" mit-gestaltet wurde... ;-)

 



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Was ist Perfektion? Mal Philosophie künstlerisch zum Schmunzeln...

05. August 2011, 19:28

In diesen Tagen stieß ich im Sammelband "Zukunftsperspektiven im naturwissenschaftlich-theologischen Dialog" (2011) auf eine Reflektion des Theologen und Biologen Ulrich Lüke, in der er aus evolutionärer Sicht mit den großen Fragen und dem Absoluten ringt. Und dann feststellt:

"Ganz abgesehen davon wissen wir angesichts sich ständig wandelnder selektiv wirksamer Rahmenbedingungen auch gar nicht genau, was das ist - Perfektion." (S. 33)

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Eckart Voland zur Evolution der Religiosität

26. Mai 2011, 20:33

Wohl kaum ein deutschsprachiger Wissenschaftler hat sich in den vergangenen Jahren so um die Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen verdient gemacht wie der Gießener Biophilosoph Eckart Voland. Einerseits erklärt nichtreligiös und Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung, setzte er sich zugleich doch stets für die ergebnisoffene Erkundung auch des menschlichen Glaubens und des mit ihm verbundenen Reproduktionsvorteils ein. Mit Artikelreihen in Zeitungen und seinem hervorragenden "Die Natur des Menschen. Einführung in die Soziobiologie" (2007) präsentierte er auch für die Öffentlichkeit geeignete Einführungen in die evolutionäre Anthropologie, einschließlich von Studien zur Religiosität. Und gemeinsam mit Wulf Schievenhövel organisierte er die Biology-of-Religion-Conference am HWK Delmenhorst, aus dem das fachlich wegweisende "The Biological Evolution of Religious Mind and Behaviour" (2009) erwuchs. Als ich nun sah, dass er auch zum Band von Jochen Oehler (Hrsg.) "Der Mensch - Evolution, Natur und Kultur" (2010) ein Kapitel zur "Evolution der Religiosität" beigesteuert hatte, war das einer der Gründe, den Sammelband in den Blick zu nehmen.

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Kindermund zu Ewigkeiten und Mesokosmos

18. November 2010, 18:49

Heute morgen schenkte mir mein Sohn - 5 Jahre - ein glückliches Schmunzeln und eine kleine, nachdenkenswerte Weisheit. Er wirkt derzeit begeistert im (hervorragenden & katholischen) Kinderhaus an einem Weltraum-Projekt mit, erzählte von einem Steinzeit-Projekt der Kinderhaus-Schulkinder und hat bei alldem irgendwie ein Faible für Größenordnungen entwickelt. Und als wir heute morgen dorthin schlenderten, hatte er eine Frage...

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Das ewige Nichts - nach einer Zulu-Überlieferung

01. November 2010, 22:50

Vor ein paar Wochen widmete die Grundschule meiner Tochter der Wiege unserer Gattung einen Thementag: Afrika. Die Kinder setzten sich mit den Tieren und Pflanzen, aber auch mit den Menschen und Völkern, den Geschichten und Traditionen jenes großen Kontinents auseinander. Eine deutsch-afrikanische Initiative hatte einen Büchertisch aufgebaut, und dort traf ich auf eine Überlieferung, die ich gerne teile.

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Nasreddin Hodscha und wie man es richtig macht

12. September 2010, 16:42

Zu den schönen Momenten in der Religionswissenschaft in einer manchmal kalten und zynischen Welt gehört die Entdeckung kleiner, berührender Geschichten und Weisheiten in den religiösen Traditionen der Welt. Meist stehen sie gar nicht im Zentrum der jeweiligen Lehre, vermögen aber ein Fenster in diese zu öffnen. Ich habe mir vorgenommen, mit "Kleine Weisheiten" eine Reihe zu solchen Funden als Ergänzung zu den wissenschaftlichen Betrachtungen zu eröffnen. Und auf Anregung treuer Leserinnen und Leser, die Religion(en) nicht immer tagespolitisch diskutieren wollen, lege ich mir einfach folgende Faustregel auf: Zitierte müssen mindestens vor einem Jahrhundert verstorben oder gleich legendär gewesen sein.

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