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Das Kochen mit Feuer in der Evolution des Menschen

12. Dezember 2010, 16:08

Vor einigen Wochen hatte ich einen Blogpost über die Symbolik des Feuers in religiösen Traditionen eingestellt. Das Thema faszinierte mich weiterhin und so kaufte ich mir - nach einer hervorragenden Rezension durch den Soziologen Frank Ufen - das Buch "Feuer fangen" (Catching Fire) von Richard Wrangham. Absolut hörenswert ist auch der Braincast von Arvid Leyh zum Thema. Und in der Tat: Obwohl im Detail noch vieles zu klären bleibt, verändert "Feuer fangen" den Blick auf die Evolution des Menschen - und unseren Alltag. Im folgenden möchte ich wesentliche Aussagen des Wissenschaftsbuches für Sie zusammenfassen.

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Kirche und Kondome, die Pille und die Päpste - Was hat es eigentlich auf sich mit Humana Vitae?

11. Dezember 2010, 23:47

Keineswegs werden Religionswissenschaftler nur über Vorgänge in fremden und fernen religiösen Traditionen befragt. Die Frage dieses Sonntags von Zwei auf eins auf RBBeins mit Sven Oswald und Daniel Finger lautet: Wie ist das mit der Aufregung um die neuen Aussagen des Papstes zur Erlaubnis von Kondomen? Welche Geschichten verbergen sich dahinter? (Wie immer finden Sie das Interview als mp3 unten.)

Es geht um eines der umstrittensten Dokumente des 20. Jahrhunderts - die päpstliche Enzyklika "Humana Vitae"...

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Definition Zivilreligion

04. Dezember 2010, 13:33

Das Seminar zu religiösen und zivilreligiösen Traditionen in den USA hat begonnen - und die Beteiligung der Studierenden hat meine Erwartungen wieder übertroffen. Ein Schwerpunkt von Fragen und Diskussionen war die Frage nach den Definitionen von "Zivilreligion", von denen es sehr viele gibt und die oft sehr schwammig ausfallen.

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Gesichter des Islam - von Reinhard Baumgarten (ARD)

27. November 2010, 17:30

In einem aktuellen Interview bei der Frankfurter Rundschau bemerkte der Ministerpräsident von Hessen, Volker Bouffier:

Wenn von Islam die Rede ist, erfahren unsere Bürger aus den Medien das in den letzten Jahren in der Regel mit Blut, mit Terror und Tod. Die friedliche Religion des Islam ist nicht das, was unsere Bürger wahrnehmen."

Das ist sicher wahr - und man braucht zur Erklärung auch keine Verschwörungstheorien. Gerade aus der Perspektive der Evolutionspsychologie ist doch klar: Unsere Wahrnehmung wird sehr viel stärker von spektakulären und bedrohlichen Bildern angesprochen als von alltäglichen und ruhigen. Jene unserer Vorfahren, die Berichten von Gefahren höhere Aufmerksamkeit schenkten, steigerten damit ihre Überlebens- und Fortpflanzungschancen. Zu den negativen Effekten dieser Veranlagung gehört heute ein Medien-Wettlauf um Grausamkeiten, der immer mehr Menschen bedrückt. "Blut und Tote steigern die Quote.", lautet so ein bitterer Merksatz, den mir ein Journalist einmal bedrückt anvertraute. Auch Klischees über andere Völker - und besonders deren Männer - werden so verstärkt: Jeder Italiener ein Mafioso, jeder Japaner ein Samurai, jeder Deutsche ein Nazi, jeder Muslim ein Terrorist. Täter (etwa Nazigrößen oder Terrorführer) werden so schnell prominent, ihre Opfer (etwa ermordete Kinder oder die überwiegend muslimischen Opfer islamistischer Extremisten) bleiben dagegen unbekannt. Und es stellt sich die bange Frage...

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Blog-Kommentarfunktion eingeschränkt

26. November 2010, 08:16

Das wissenschaftliche Bloggen hat mir in den vergangenen Jahren unheimlich viel Freude gemacht - und ich möchte es auch nicht mehr missen. Das Interesse war und ist sehr erfreulich und aus vielen guten Diskussionen habe ich auch viel mitnehmen dürfen. Dass sich unter dem Schutz vermeintlicher Anonymität manchmal auch Spinner, Trolle und Stalker austob(t)en, war wohl kaum zu vermeiden und hat nach meiner Einschätzung mit der Ausweitung deutschsprachiger Blog-Angebote auch nachgelassen bzw. besser verteilt.

Zeitbudget & Ansprüche

Zeitlich zunehmend schwierig finde ich jedoch den Anspruch einiger Nutzen, dass Blogger selbstverständlich auf ganze Kaskaden von Fragen ausführlich antworten sollen, die Kommentatorinnen und Kommentatoren - gerne auch anonym - einstellen und die von ganz unterschiedlicher Qualität sind. Manchmal scheint dabei in Umfang und Ton aber völlig aus dem Blick zu geraten, dass Wissenschaftsblogger - auch hier auf den Scilogs - normalerweise ehrenamtlich wirken und knappe Freizeit opfern. Und auch ausführliche Antworten führen dann oft nur zu weiteren Kaskaden - und ein "Danke" für stundenlanges Arbeiten ist dabei sehr selten zu hören.

Zur Natur der Sache gehört auch, dass die jeweiligen fachlichen Kenntnisse von Blog-Nutzerinnen und Nutzern sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Das ist nicht schlimm, sondern Teil der Chance von Blogs - insofern der gegenseitige Respekt gewahrt bleibt und sich niemand zu schade ist, sich in neue Themen halt auch mal einzulesen. Aber ich sehe schon mit Sorge, dass einige Nutzer schon bloße Verweise auf Fachliteratur oder auch nur auf bereits veröffentlichte Downloads und Beiträge als unstatthaft empfinden - und stattdessen allen Ernstes erwarten, dass sich Blogger wieder und wieder auf erklärende Einzeldiskussionen im Kommentarteil einlassen. Bei vermeintlich "weichen" Themen wie Religion bzw. Religionswissenschaft ist dies wohl noch ausgeprägter als in anderen Wissenschaftsbereichen.

Und nun musste ich auch noch erfahren, dass wenige Nutzer meine wiederholten Bitten um Verständnis und Hinweise auf (m)ein knappes Zeitbudget untereinander geradezu als Ansporn nahmen, sich ein wenig "Spaß zu machen" und noch ein bißchen "zu provozieren", gerne auch mal auf der persönlichen Schiene. Ein seriöses Niveau war dabei dann oft nicht mehr zu erkennen. Und ich gebe gerne zu, dass mich diese Erfahrung nach dem Einsatz Hunderter Stunden in "Natur des Glaubens" schon etwas ernüchterte. Und so reifte der Entschluss: Nö, in diese Richtung fahre ich nicht mehr mit.

Blog-Kultur in der Entwicklung

Jede Medien- und Wissenschaftskultur ist ein lebendiger Prozess, der für Veränderungen offen sein muss. Ehrenamt trägt unsere Gesellschaft entscheidend mit, ist aber leider auch immer wieder zynisch ausgebeutet worden. Da gilt es dann halt auch mal, überzogene Freibier-Ansprüche nicht länger hinzunehmen, sondern "Nein" zu sagen. Mir scheint, dass sich Standards der wissenschaftlichen Blogdebatten im deutschen Sprachraum erst noch entwickeln müssen - und dazu sind verschiedene Wege auszuprobieren. Einige Wissenschaftskolleginnen und -kollegen bloggen inzwischen einfach immer weniger, andere moderieren jeden Beitrag und löschen rigoros, was ihnen nicht gefällt. Mir macht das Bloggen an sich jedoch weiterhin Spaß und wenn ich schon Leute um ihre Kommentare bitte, mag ich sie respektieren und nur sehr ungerne zensieren.

Ich habe mich daher dazu entschieden, etwas Neues auszutesten und zukünftig einfach von Fall zu Fall zu entscheiden, unter welchen Blogposts ich noch Diskussionen zulasse. Persönlich provozierende Kommentare werde ich zudem zukünftig einfach ignorieren oder tatsächlich löschen. Die so gesparte Zeit möchte ich stattdessen lieber in weitere, informierende Blogbeiträge investieren, wie sie ja von Hunderten von Leserinnen und Lesern hier im Chronolog "Natur des Glaubens" aufgesucht werden. Und möchte Wissenschaft lieber wieder stärker in Lehrveranstaltungen und Seminaren der echten Begegnung mit Menschen debattieren, in denen man einander mit Namen, Gesicht und bereits gewachsenen Regeln des gegenseitigen Respektes begegnet.

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Yes, we believe! - Religiöse und zivilreligiöse Strömungen in den USA

22. November 2010, 21:41

Vielleicht erinnern sich einige Leserinnen und Leser noch an den Gehirn & Geist 04/2009-Artikel "Yes, we believe! Vier Gründe, warum Amerikaner anders glauben" von Anja-Maria Bassimir und mir (hier kostenloser Download, S. 38/39). Nun bat die Uni Jena darum, ob ich daraus ein Hauptseminar im Wintersemester machen könne - und weil es eine wirklich besondere Universität mit engagierteren Theologen und Religionswissenschaftlern in einer spannenden Umgebung ist, sagte ich schließlich zu. Natürlich soll es auch auf "Natur des Glaubens" wieder Berichte dazu geben, vielleicht auch Gastbeiträge von Studierenden. Denn die Friedrich-Schiller-Universität Jena wirbt längst mit Kreativität und auch Humor um die Talente der kommenden Generation.

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Das Prinzip Evolution - von Mariano Delgado, Oliver Krüger und Guido Vergauwen (Hrsg.)

20. November 2010, 19:57

Als Charles Darwin 1859 mit "On the Origin of Species - Zur Abstammung der Arten" die Entdeckung der wissenschaftlichen Evolutionstheorie der Menschheit präsentierte, beendete er das Werk mit dem Satz: "Es ist wahrlich eine großartige Ansicht, dass der Schöpfer den Keim alles Lebens, das uns umgibt, nur wenigen oder nur einer einzigen Form eingehaucht habe, und dass ... aus so einfachem Anfang sich eine endlose Reihe immer schönerer und vollkommenerer Wesen entwickelt hat und noch fort entwickelt." - wobei er "den Schöpfer" erst in einer späteren Ausgabe einfügte. (Danke an @Balanus für den Hinweis! :-) )

Darwin war 1859 genau 50 Jahre alt, so dass sich 2009 sein 200ter Geburtstag und der 150te Jahrestag seines bahnbrechenden Werkes trafen. Gegen Ende dieses Darwinjahres brachte das 5. Religionsforum der Universität Freiburg  (Fribourg / Schweiz) europäische Geistes-, Kultur- und Religionswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zusammen, um sich über das "Prinzip Evolution" auszutauschen.

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Kindermund zu Ewigkeiten und Mesokosmos

18. November 2010, 18:49

Heute morgen schenkte mir mein Sohn - 5 Jahre - ein glückliches Schmunzeln und eine kleine, nachdenkenswerte Weisheit. Er wirkt derzeit begeistert im (hervorragenden & katholischen) Kinderhaus an einem Weltraum-Projekt mit, erzählte von einem Steinzeit-Projekt der Kinderhaus-Schulkinder und hat bei alldem irgendwie ein Faible für Größenordnungen entwickelt. Und als wir heute morgen dorthin schlenderten, hatte er eine Frage...

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Die religiöse Macht von Feuer und Flamme

13. November 2010, 20:29

Wieder stand ein Interview mit Sven Oswald und Daniel Finger in "Zwei auf eins" auf RBBeins an (zum Anhören unten im Nachtrag) - und wieder zu einem faszinierenden Thema. Denn es ist schwer, die Rolle des Feuers in der biokulturellen Evolution des Menschen zu unterschätzen. Schon seit Jahrzehnten debattieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, ob der Mensch ohne die Zähmung des Feuers Kälteperioden überstanden und ohne die Versammlungen am Feuer ein vergleichbar komplexes Sozial-, Sprach- und Kulturvermögen entwickelt hätte. Auch bei der Jagd und später der Erschließung von Ackerland spielte und spielt das Feuer oft eine Rolle in der Entwicklung des Menschen.

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Gehirn und Alphabete - Die Linkesche These

06. November 2010, 14:02

Während meiner Doktorarbeit zur sog. "Neurotheologie" überprüfte ich Dutzende Hypothesen von Hirnforschern zu Religiosität und Religionen und umriss ihre Reichweite. Eine widersetzte sie sich jedoch hartnäckig jedem Widerlegungsversuch: Sie war von dem Bonner Neurologen Prof. Detlef Linke (1945 - 2005) auf einer Tagung 1995 vorgestellt und 1999 veröffentlicht worden. Leider verfehlte ihn mein Schreiben um wenige Wochen - wie mir seine Frau mitteilte, hatte er seit Jahren darauf gewartet, dass endlich jemand aus den Geschichts- oder Religionswissenschaften mit ihm Kontakt aufnehmen und seine Annahmen überprüfen würde. Rüdiger Vaas und ich nahmen die Hypothese schließlich in "Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Die Evolution der Religiosität" auf, die bis heute weder widerlegt noch ausreichend diskutiert oder experimentell vertieft worden ist. Die folgende Bebilderung stammt von mir.

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