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Gott, Gene und Gehirn geht in die dritte Auflage

07. Oktober 2011, 20:02

Als Rüdiger Vaas und ich mit "Gott, Gene und Gehirn" einen ersten, deutschsprachigen Überblick und eine Einführung in das Thema Evolutionsforschung zu Religion schrieben, wollten wir ausdrücklich keine fertigen Antworten geben, sondern Leserinnen und Leser zum Mitdenken und, ja, Mitforschen anregen. Es war ein Wagnis auch des Hirzel-Wissenschaftsverlages, zumal niemand wissen konnte, ob der Forschungsbereich angesichts des traditionellen Grabens zwischen Natur- und Geisteswissenschaften überhaupt gute Aufnahme finden würde. Doch es geschah: Das Buch fand großen Anklang nicht nur bei Kolleginnen und Kolllegen aus der Wissenschaft, sondern auch bei Studierenden verschiedener Fächer, in Seminaren und an Akademien. Aber auch von Pfarrerinnen und Religionslehrern, die z.B. naturwissenschaftlichen Fragen ihrer Gemeinden und Schüler nicht länger ausweichen wollten, kam viel Resonanz - ebenso von interessierten Laien, die den Dingen "auf den Grund" gehen wollten. Besonders gefreut habe ich mich auch über Zuschriften von Schülerinnen und Schulen der Oberstufen, die "Gott, Gene und Gehirn" als Prüfungsthemen gewählt und sich spannende Diskussionen mit ihren Lehrern und Prüfern gegeben hatten. Einige teilten mir mit, dass sie über den (hier kostenfrei zugänglichen) Gehirn-und-Geist-Artikel "Homo religiosus" auf das Thema aufmerksam geworden waren - andere über diesen Blog. Gestern Abend erreichte mich dann zu Hause ein Paket mit einem ersten Band der dritten Auflage - und ich war (und bin) darüber sehr glücklich.

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Gott ist nicht beweisbar. Menschenrechte und der Sinn des Lebens auch nicht.

05. Oktober 2011, 07:02

Das Internet ist voll von schlauen Leuten, die als Allererste entdeckt zu haben glauben, dass man Gottes Existenz wissenschaftlich nicht beweisen könne - und davon nun auch alle vermeintlich begriffsstutzigen Religiösen meinen zunehmend aggressiv überzeugen zu müssen. Auch nachdenklichere Atheisten fühlen sich von Ton und Niveau dieser zunehmend intoleranten "Instant-Religionskritiker" zunehmend abgestossen. Die anspruchsvolle Rede von Papst Benedikt XVI. im deutschen Bundestag hat wenigstens einige derjenigen, die noch Argumenten zugänglich sind, zum Nachdenken gebracht. Darin hinterfragte der Theologe die Reichweite des Positivismus bzw. "strengen Naturalismus" - der nur "wissenschaftlich Bewiesenes" als Gegeben anzunehmen bereit sei - gerade auch auf Fragen der Rechtsbegründungen und betonte andererseits die Bedeutung der gewachsenen Natur von Pflanzen, Tieren und Menschen für die Begründungen von Ethik. Immer mehr Leuten dämmert: Die "Existenz" Gottes ist nicht empirisch beweisbar, die "Existenz" von Menschenrechten oder einem "Sinn im Leben" aber auch nicht. Wir wissen ja kaum, was mit diesen Begriffen genau gemeint sei! Müssen wir, als wissenschaftlich Gebildete, dies alles also aufgeben?

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Geschrieben in Religionskritik - Kritik | 67 Kommentare | 1 Trackbacks | Permalink


Vertikale und laterale Verbreitungen von Religionen - Ein Gastbeitrag von Eric Djebe

02. Oktober 2011, 06:36

Hinter dem aktiven Blog-Kommentator Eric Djebe verbirgt sich ein promovierter Logiker und Wissenschaftstheoretiker, der sich seit 40 Jahren mit Theologie beschäftigt und seine Ergebnisse demnächst in einem Blog und einem Buch veröffentlichen wird. Für "Natur des Glaubens" hat er einen Gastbeitrag inklusiver konkreter Vorschläge für Arbeitsdefinitionen verfasst, den ich gerne veröffentliche und zur Diskussion stelle.

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Die Bronzezeit in der Perspektive von Archäologie und Religionswissenschaft

27. September 2011, 00:14

Da unser klassischer Bildungs- und Wissenschaftsbetrieb sehr stark auf schriftliche Zeugnisse ausgerichtet war, glauben noch immer viele Menschen, dass es in Mitteleuropa vor den Römern nur dunkle Wälder und zottelig-primitive Germanen gab. Immer wieder treffe ich auf großes Erstaunen, wenn ich von den Hochkulturen der Bronzezeit, von komplexen Siedlungen, Metallhandwerk und Bergbau, Kreisgrabenanlagen und Handelsnetzen sowie gemeinsamen Glaubenssymbolen von Ägypten bis Irland spreche. Die Himmelsscheibe von Nebra entstammt der Bronzezeit. Und wussten Sie beispielweise, dass der vor etwa 4300 Jahren bestattete Bogenschütze von Amesbury beim bronzezeitlichen Heiligtum von Stonehenge aus dem süddeutschen Raum stammt?

Die Bronzezeit ist jeden Dialog zwischen Archäologie und Religionswissenschaft wert! Daher geht es heute per Zug zur Spreewälder Kulturstiftung nach Burg im Spreewald um bei einer interdisziplinären Tagung über Religion, Rituale und Mythen sowie Musik und Medizin der Bronzezeit zu sprechen, deren Kultur(en) dort einst erblühten. Denn gerade an solchen schriftlosen Kulturen kann evolutionäre Religionswissenschaft einerseits vertieft werden und andererseits helfen, Funde in die große (Evolutions-)Geschichte von Allem einzureihen, ohne dabei in wilde Spekulationen oder gar Esoterik abzudriften.

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Die Rede von Papst Benedikt XVI. im deutschen Bundestag Text und Video - Reicht Vernunft für Menschenrechte?

22. September 2011, 18:04

Papst Benedikt XVI. hat in seiner Rede vor dem deutschen Bundestag überraschend die Rechts- und Wissenschaftsphilosophie in den Mittelpunkt gestellt und die These vertreten, dass der Positivismus alleine nicht Ethos, Recht und vor allem Menschenrechte begründen könne. Auch sprach er sich für ein neues (oder wohl besser: erneuertes) Verhältnis des Menschen zur Natur (Ökologie) aus. Hier finden Sie die Papstrede als Videostream und kompletten Text. Selbstverständlich freue ich mich über Ihre sachlich formulierten Meinungen.

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Schaut auf dieses Gehirn - Arvid Leyh im Blog-Interview

18. September 2011, 10:27

Neben Lars Fischer hat mich vor allem Arvid Leyh früh an die Scilogs gefesselt - mit seinem Braincast begeistert er seit Jahren Tausende von Hörerinnen und Hörern für die Wunder des Gehirns. Persönlich ist er ein unglaublich lieber und uneitler Mensch - was wohl sein Erfolgsgeheimnis ist: Ihm geht es um die Sache(n), für die will er begeistern, denn die findet er einfach viel spannender als sein Ego. Man muss einmal mit ihm beim Mittagessen über den präfrontalen Cortex diskutiert haben - dann weiß man schon, was leuchtende Augen sind...


Und sollte Arvid doch jemals abheben, dann ist seine Frau Anita zur Stelle, die ihn aktiv unterstützt, aber auch intellektuell mehr als fordert und zugleich liebevoll erdet - so habe ich die beiden zumindest bei einem Video-Interview vor ein paar Jahren (beeindruckt) erlebt. Ich nehme an, sie wird nun viel zu tun haben: Denn mit DasGehirn.info ist Arvid Leyh und Partnern ein Projekt gelungen, dass endlich wieder einmal zeigt, was das Internet für die Wissenschaftskommunikation an Chancen bietet!
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Interview mit Pater Hagenkord von Radio Vatikan - und frisch gebackenem Blogger

15. September 2011, 22:34

Als im Mai das erste Bloggertreffen im Vatikan stattfand, waren die Meinungen noch geteilt, ob die katholische Kirche wirklich den Dialog mit den Blogosphären suchen würde. Unter den Institutionen, die aber "dran blieben" und dort erwachsene Kontakte weiter pflegten, war Radio Vatikan. Und so darf ich heute Pater Bernd Hagenkord nicht nur im Blog-Interview begrüßen, sondern auch als Neu-Blogger auf www.blog.radiovatikan.de ...

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Lehrt nur Not beten? Religion, Glück, Lebenssinn und die Wiederkehr des Glaubens

13. September 2011, 20:40

Kaum ein Buch hat mich mehr geprägt und bewegt als "Sacred and Secular" (2004) von Pippa Norris und Ronald Inglehart. Hier wurde über die Entwicklung von Religion(en) nicht nur assoziativ spekuliert, sondern auf Basis des World Value Surveys (WVS) und anderer Datenbasen empirisch geforscht. Den massiven Zusammenhang von Religion & Demografie fand ich hier erstmals überzeugend (auf Ebene von Nationalstaaten) beschrieben. Auch der Nachfolgeband "Modernization, cultural change, and democracy: the human development sequence" von Ronald Inglehart und Christian Welzel hinterließ bei mir einen tiefen Eindruck. Nun endlich ergab sich die Chance, einmal wieder an einigen der dort aufgeworfenen Fragen aus der Perspektive (evolutionärer) Religionswissenschaft anzuknüpfen, in:

Blume, M.(2011): "Lehrt nur Not beten? Zum komplexen Zusammenhang von Religion und Glück", Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte Bd. 32, 2011

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Meine Erinnerungen an den 11 September 2001 - Und Ihre?

11. September 2011, 07:01

Diese Woche fragte der SWR ein Interview an, in dem einmal nicht die Wissenschaft im Vordergrund stand, sondern mein Engagement von 1998 - 2006 als Mitgründer und Vorsitzender der Christlich-Islamischen Gesellschaft (CIG) Region Stuttgart e.V.. Die Frage war: Wie hat sich das Verhältnis zwischen Christen, Muslimen, Anders- und Nichtglaubenden seit dem 11. September 2001 verändert?

MiteinanderMuslime11Sept2011.MP3

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Der Mensch, geschaffen nach Gottes Bild - Was soll das denn heißen?

04. September 2011, 00:14

Wieder einmal haben mir Sven Oswald und Daniel Finger von Zweiaufeins auf RBBeins eine knifflige Frage und Aufgabe gestellt: Laut Bibel sei der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen - was das denn heißen solle?

Eigentlich sind Auslegungsfragen natürlich die Domäne von Theologen, nicht von Religionswissenschaftlern. Aber gerade auch diese Vorstellung ist religionsgeschichtlich so interessant, dass sich ein zweiter und dritter Blick lohnt! Hier eine Darstellung des Schöpfungsaktes Adams durch Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle. (Für Freunde der Hirnforschung - man beachte, dass Gott in einem Umhang in Form eines menschlichen Gehirnes dargestellt ist.)

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