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Biologen sind gar nicht so! - Zu verbreiteten Vorurteilen zwischen den Wissenschaften

29. August 2011, 21:28

Als der weltberühmte Ameisenforscher Edward O. Wilson 1975 seinen immer noch lesenswerten Klassiker "Soziobiologie" veröffentlichte, löste er einen Aufschrei auf, da er in einem Kapitel auch auf den Menschen einschließlich dessen Sozialverhalten und Religiosität eingegangen war. Seine erbitterten Gegner, die auch vor der Störung von Vorlesungen und einem tätlichen Angriff nicht zurück schreckten, waren jedoch keine religiösen Fundamentalisten, sondern linksorientierte Studierende sowie Vertreterinnen und Vertreter der Kultur- und Geisteswissenschaften, die sich vom "Biologismus" Wilsons provoziert und bedroht fühlten. Dieser dachte jedoch gar nicht daran, sich das Forschen und Denken verbieten zu lassen und setzte mit einem eigenen Buch zur Evolution des Menschen "On Human Nature" (1978) nach - das prompt einen Pulitzerpreis gewann. Auch darin gab es wieder ein eigenes Kapitel zur Evolutionsbiologie der Religion, das jedoch von Kollegen der eigenen wie auch anderer Disziplinen seinerzeit noch tapfer ignoriert wurde.

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Evolutionsforschung zur Religion - Gespräch mit David Sloan Wilson

25. August 2011, 18:42

David Sloan Wilson ist einer der derzeit bekanntesten Evolutionsbiologen der Welt. Er vertritt die Auffassung, dass man alle Phänomene des Lebens aus der Perspektive der Evolutionstheorie erforschen kann und erforschen sollte - ohne sie auf Biologie zu reduzieren. Vielmehr sei interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Natur-, Kultur- und Geisteswissenschaftlern absolut gefragt, wenn z.B. Ökonomie, Kunst oder Religion aus evolutionärer Sicht erkundet werden sollten. Für Aufsehen sorgte zum Beispiel sein viel beachtetes "Darwin's Cathedral: Evolution, Religion and the Nature of Society", in dem der erklärte Atheist religiöse Gemeinschaften als erfolgreiche Ergebnisse biokultureller Evolution beschrieb.

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Christian Reinboth vom Scienceblog Frischer Wind im Web-Interview

24. August 2011, 08:12

Als Christian Reinboth 1980 geboren wurde, gab es die Wissenschaftsblogs noch gar nicht. Heute bringt der ScienceBlogger mit seinem Blog „Frischer Wind“ [1] eben jenen in die manchmal noch gar nicht so bunte Wissenschafts-Blogosphäre. Denn Christian ist nicht nur fertiger Wirtschaftsinformatiker sondern auch verheiratet, Unternehmer, Studierender der Umweltwissenschaften sowie Christ und Christdemokrat. Natur des Glaubens bat den frischen Windbringer zum Web-Interview.

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Darwins Thesen zur Evolution der Religion bei der ESEB 2011 in Tübingen - Vortrag

22. August 2011, 11:32

In diesen Tagen findet in Tübingen der 13. Kongress der European Society for Evolutionary Biology (ESEB) mit mehreren Hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Dazu gehört auch ein interdisziplinäres Outreach Symposium "Evolution - More than Biology" mit dem Literaturwissenschaftler Joseph Carroll (University of Missouri, St. Louis), dem Ökonomen Esben Andersen (Aalborg University), dem Mediziner Frank Ryan (University of Sheffield) - und mir, einem Religionswissenschaftler. Wir sollen aufzeigen, wo bereits Evolutionsforschung außerhalb (und in Zusammenarbeit mit) der klassischen Biologe stattfindet. Ich bin gebeten worden, die Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen vorzustellen. Und freue mich sehr über diese Chance und interdisziplinäre Anerkennung!

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Wirtschaft vom Menschen her denken - Poor Economics von Abhijit Banerjee und Esther Duflo

20. August 2011, 21:25

Mein Weg von einer (sehr interessanten) Bankausbildung zum Finanzassisten zur Religionswissenschaft führte über ein kurzes Zwischenspiel in der Volkswirtschaft. Zusammen mit mehreren Hundert anderen Studierenden lauschte ich in einem Hörsaal der Universität Tübingen einem sehr bekannten Professor, der anhand von Nutzenfunktionen von Kuchen und Eis vorrechnete, welche Mengen optimal zu konsumieren wären. Zufällig (!?) hatte ich jedoch just eine Biographie von Franz von Assisi gelesen, der das größte Glück beim Wiederaufbau eines verfallenen Kirchleins und der Zuwendung zu Armen und Leprakranken empfand. So wagte ich schließlich eine Meldung, erwähnte dieses Beispiel und fragte den Professor, woher wir denn die Nutzenfunktionen der Menschen wüssten - für den einen läge Glück in Eis und Kuchen, für den anderen im Dienst an Gott und Mitmenschen. Die Ikone gab mir eine klare Antwort: "Wenn Sie DAS wissen wollen, dann studieren Sie nicht Volkswirtschaft, sondern besser Religionswissenschaft!" Innerhalb von zwei Wochen befolgte ich diesen Rat, für den ich bis heute dankbar bin. Die Faszination für wirtschaftliche Zusammenhänge wird mich sicher durch das Leben begleiten, doch erschienen (und erscheinen) mir die noch vorherrschenden, vor-evolutionären (Menschen-)Modelle in der Ökonomie noch immer als unterkomplex und ideologiebehaftet.

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Evolutionäre Fitness und Religiosität

13. August 2011, 00:01

Immer mal wieder werde ich gefragt, warum ich nach der Dissertation zu Religion und Hirnforschung ausgerechnet die durchschnittlich höhere Kinderzahl religiös vergemeinschafteter Menschen zu meinem Forschungsschwerpunkt gemacht habe. Die Antwort ist: Weil genau dieser Faktor die biologischen und kulturellen Evolutionsprozesse verknüpft. Einerseits basieren alle kulturellen Fähigkeiten des Menschen auf biologischen Grundlagen, andererseits wirken die daraus entstehenden Kulturprodukte wieder auf den Reproduktionserfolg zurück - und so hat beispielsweise das Kochen Auswirkungen auf unsere Anatomie inklusive der Darm- und Gehirngröße genommen. Ebenso sind z.B. Musikalität, Sprache, Tanz oder das Tragen von Schmuck und Kleidung in der komplexen Wechselwirkung aus Natur und Kultur (genannt Gen-Kultur-Koevolution oder biokulturelle Evolution) erwachsen.

Biokulturelle Evolution oder Gen-Kultur-Koevolution (Schaubild, Blume 2009)

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Monotheismus versus Kindesaussetzung und Infantizid

08. August 2011, 22:52

Auf die aktuelle EPOC-Ausgabe 05/2011 hatte ich mich vor allem wegen der Titelgeschichte zu den Mysterienkulten der Antike gefreut. Doch dann sprang mir ein hervorragender Artikel des Mainzer Althistorikers Theodor Kissel zum beklemmend-wichtigen Thema Kindesaussetzung in der Antike ins Auge - ein Thema, das ich bereits in einem früheren Blogpost (zur spätantiken Erfolgsgeschichte des Monotheismus) angeschnitten hatte.

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Was ist Perfektion? Mal Philosophie künstlerisch zum Schmunzeln...

05. August 2011, 19:28

In diesen Tagen stieß ich im Sammelband "Zukunftsperspektiven im naturwissenschaftlich-theologischen Dialog" (2011) auf eine Reflektion des Theologen und Biologen Ulrich Lüke, in der er aus evolutionärer Sicht mit den großen Fragen und dem Absoluten ringt. Und dann feststellt:

"Ganz abgesehen davon wissen wir angesichts sich ständig wandelnder selektiv wirksamer Rahmenbedingungen auch gar nicht genau, was das ist - Perfektion." (S. 33)

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Jetzt erst Recht! - Meine Antwort auf Nürnberg 2.0

01. August 2011, 18:42

Nachdem der islamophobe Internet-Pranger "Nürnberg 2.0" (zu dem ich nicht verlinken werde) einen "Steckbrief" von mir veröffentlichte, hat mich in den letzten eine kleine Flut von Mails, Twitter-Nachrichten und Anfragen erreicht. Ob es mir gut ginge? Ob ich mich bedroht fühlte? Was ich zu tun gedenken? Immerhin versteht sich die Hass-Seite als "Erfassungsstelle zur Dokumentation der systematischen und rechtswidrigen Islamisierung Deutschlands und der Straftaten linker Faschisten zur Unterdrückung des Volkes" und droht "die Verantwortlichen zu benennen und sie zu einem geeigneten Zeitpunkt öffentlich dafür, nach dem Muster des Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunals von 1945 [...] zur Verantwortung [zu] ziehen." (Vgl. Bericht von Thomas Pany auf Telepolis) Gerade auch das Massaker von Norwegen hat nun vielen die Bedrohung durch Hass und Verschwörungstheorien aus dem Internet neu ins Bewusstsein gebracht.

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Hass im Netz - Entsteht ein webgrown extremism?

25. Juli 2011, 20:32

Dass ich von den Möglichkeiten des Internets begeistert bin, brauche ich wohl niemanden zu beweisen. Seit Jahren pflege ich neben Natur des Glaubens auch den englischsprachigen Schwesterblog "Biology of Religion", versuche, möglichst viele meiner Publikationen über die Homepage kostenfrei online zugänglich zu machen, twittere als @BlumeEvolution und brüte gerade mit David Sloan Wilson über einem weiteren Evolution-Onlineprojekt. Aber das Thema Hass und Extremismus machte und macht mir Sorgen - lange bevor Anders Behring Breivik das terroristische Massaker von Norwegen mörderisch ausführte.

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