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Eckart Voland zur Evolution der Religiosität

26. Mai 2011, 20:33

Wohl kaum ein deutschsprachiger Wissenschaftler hat sich in den vergangenen Jahren so um die Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen verdient gemacht wie der Gießener Biophilosoph Eckart Voland. Einerseits erklärt nichtreligiös und Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung, setzte er sich zugleich doch stets für die ergebnisoffene Erkundung auch des menschlichen Glaubens und des mit ihm verbundenen Reproduktionsvorteils ein. Mit Artikelreihen in Zeitungen und seinem hervorragenden "Die Natur des Menschen. Einführung in die Soziobiologie" (2007) präsentierte er auch für die Öffentlichkeit geeignete Einführungen in die evolutionäre Anthropologie, einschließlich von Studien zur Religiosität. Und gemeinsam mit Wulf Schievenhövel organisierte er die Biology-of-Religion-Conference am HWK Delmenhorst, aus dem das fachlich wegweisende "The Biological Evolution of Religious Mind and Behaviour" (2009) erwuchs. Als ich nun sah, dass er auch zum Band von Jochen Oehler (Hrsg.) "Der Mensch - Evolution, Natur und Kultur" (2010) ein Kapitel zur "Evolution der Religiosität" beigesteuert hatte, war das einer der Gründe, den Sammelband in den Blick zu nehmen.

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Die Definition von Religion

22. Mai 2011, 07:56

Heute möchte ich eine Leserfrage aufgreifen, die über das Kontaktportal meiner Homepage einging. Die Frage lautete:

Sehr geehrter Herr Dr. Blume,
da ich bisher keinerlei Bezug zu irgendeiner Religion hatte, wollte ich mich dem Thema über Ihren Blog auf chronologs.de nähern. Im ersten Schritt jedoch suchte ich nach einer allg. gültigen Definition für den Begriff Religion. Auf Wikipedia heißt es: Es gibt keine wissenschaftlich allgemein anerkannte Definition des Begriffs Religion. Das Sie sich mit dem Thema wissenschaftlich beschäftigen, würde mich interessieren, warum ist das so und welche von den vielen Definitionen ( http://de.wikipedia.org/wiki/Religionsdefinition ) bildet die Grundlage Ihrer Arbeit?

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Göttliche Geistesblitze - Ein grandioses Buch zur Wissenschaftsgeschichte von Eckart Roloff

16. Mai 2011, 06:26

Das Miteinander von Religion(en) und Wissenschaft können sich viele Menschen noch immer nur als Gegensatz vorstellen: Das Eine werde durch das Andere verdrängt. Die Geschichte zeichnet dagegen ein anderes Bild: In und um religiöse Traditionen wurden die Grundlagen von Schrift, Musik, Wissenschaft, Kunst und Staatlichkeit entwickelt, bevor sich diese über Jahrhunderte hinweg - zu Recht! - aus der "elterlichen" Klammer lösten und zunehmend Selbständigkeit und Freiheit erwarben. Dank dieser Entwicklung können wir heute an all diesen und vielen weiteren Lebens- und Erkenntnisbereichen teilhaben und einseitige Engführungen vermeiden. In seinem neuen, wunderbaren Buch "Göttliche Geistesblitze. Pfarrer und Priester als Erfinder und Entdecker" ist es Eckart Roloff gelungen, dies auf ebenso informative wie unterhaltsame Weise darzustellen: Indem er Menschen vorstellt, die zugleich Geistliche (Priester, Pfarrer, Mönche) und Erfinder bzw. Entdecker waren.

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Was machen wir hier? Was macht das Internet mit uns?

12. Mai 2011, 08:45

Jahre bevor der Begriff des "Web 2.0" populär wurde, erblühte bereits die Online-Plattform Democracy online - Dol2Day, in der Menschen unter Pseudonym oder Klarnamen über Politik diskutierten, Umfragen starteten, (Online-)Parteien gründeten und sogar Kanzler wählten. Mich schlug sie sofort in ihren Bann: Noch nie hatte ich einen "Ort" erlebt, an dem Demokraten und Extremisten, Nationalisten verschiedenster Herkunft und Vertreter religiöser Minderheiten, Anarchokapitalisten, FeministInnen, orthodoxe Juden und Monarchisten (um nur einige zu nennen) oft über Tage hinweg intensiv debattierten - und in den Real-Life-Treffen dann auch einträchtig zusammen saßen. Über Hunderte von Stunden arbeitete ich mich damals unter die TOP100 der Dol-Rangliste, trat auch dem Förderverein der Plattform bei und denke noch immer gerne an diese Zeit zurück.

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Geschrieben in Netzkultur(en) | 11 Kommentare | 2 Trackbacks | Permalink


Erster Rückblick auf das Bloggertreffen beim Vatikan

03. Mai 2011, 23:13

Frisch aus Rom zurück, muss ich einfach zugeben, dass es noch einige Tage brauchen wird, bis sich die ganzen Eindrücke, Ideen und Kontakte aus dem 1. Bloggertreffen im Vatikan gesetzt haben. Aber einen lieben Gruss schon einmal an Elsa Laska und die tolle, deutschsprachig-katholische Bloggertruppe, die mich dort freundlich "adoptierte". Ich werde in den kommenden Wochen versuchen, an einige Kontakte dort anzuknüpfen und u.a. endlich die lange geplante Blogroll aufbauen.

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Nix mit antimoderner Bloggade - Das erste Bloggertreffen im Vatikan

02. Mai 2011, 00:40

Herzliche Grüße aus der Ewigen Stadt, wie Rom ja auch genannt wird. Die Ewigkeit ist hier auch gerade Thema: Vor wenigen Stunden sprach Papst Benedikt XVI. seinen Vorgänger Johannes Paul II. selig, nachdem er das normale Verfahren dazu bereits hatte beschleunigen lassen. Denn "Santo subito!" - "Heilig jetzt!" hatten die Menschen schon kurz nach dem Tod des zu Amtszeiten unermüdlich reisenden "Eiligen Vaters" gerufen. Und "Santo subito!" riefen sie auch heute wieder, denn die Seligsprechung ist gemäß römisch-katholischer Tradition dazu der nötige Zwischenschritt. Riesige Pilgermengen aus allen Kontinenten schoben sich heute friedlich und fröhlich durch die Stadt, vorbei auch an großen Panoramabildern des polnischen Kommunismus-Mitbezwingers, Religionsversöhners, aber auch strengen Traditionshüters.

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Das Spektakel der königlichen Hochzeit - Ein lehrreicher Anachronismus

28. April 2011, 20:48

Morgen ist es also soweit: Kate Middleton und Prinz William geben sich das königliche Jawort! Während sich Fernsehstationen weltweit auf Hunderte von Millionen Zuschauern einstellen, gehört es unter deutschen Gebildeten in diesen Tagen zum guten Ton, über das Spektakel und die begeisterten Massen die Nase zu rümpfen. T-Mobil hat sogar eine Werbekampagne aufgezogen, die den rituellen Gang zum Alter vorab verulkt.

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Erkenntnistheorie und die empirische Beweislast der Antitheisten

28. April 2011, 00:02

Große Teile der deutschsprachigen Online-Religionskritik stützen sich auf das simple Axiom des Positivismus bzw. erkenntnistheoretischen Monismus: Demnach gebe es nur (noch) einen gültigen Erkenntnis- und Argumentationsweg, die empirische Wissenschaft. Die Religion habe demgegenüber zu verschwinden, sie sei lächerlich, rückständig, schädlich. Deutlich formuliert dies zum Beispiel der populäre Religionskritiker Sam Harris, hier zitiert aus einer hpd-Übersetzung von Andreas Müller:

Die Wissenschaft muss Religion zerstören

Der Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft ist inhärent und das eine verdrängt fast das andere. Der Erfolg der Wissenschaft geht oft auf Kosten religiöser Dogmen; die Beibehaltung religiöser Dogmen geht immer auf Kosten der Wissenschaft.

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Religionskritik unter der Lupe

26. April 2011, 18:20

Über einige Jahre hinweg hielt sich in meinem Lebensumfeld die Auffassung, dass man Kinder für all ihre Anstrengungen kräftig loben sollte - das stärke ihr Selbstbewusstsein. Langsam sprach sich dann jedoch herum, dass dies nicht immer erfreuliche Konsequenzen hatte: Mancher Knirps erwartete bald schon für drei lustlose Striche auf einem Blatt Papier eine Lobeshymne - und machte dann die bittere Erfahrung, dass es später im Leben dann doch nicht mehr so einfach war. Da gehört(e) dann plötzlich auch mal die Mühe, sogar das Scheitern dazu. Vor allem aber merkten immer mehr Eltern, dass sich viele Kinder durchaus nicht ernst genommen fühl(t)en, sondern je nach Ausmaß ihrer Anstrengung auch ehrliche Rückmeldungen erhofften. Und so ist inzwischen ein Trend vermerkbar, Kindern zwar durchaus ermutigend, aber auch inhaltlich ehrlich(er) zu begegnen - z.B. Schluderei auch als solche zu benennen.

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Spieltheorie - Mathematik für die Evolutionsforschung (auch zur Religion?)

25. April 2011, 09:56

Eigentlich konnte ich mich über mangelnde Resonanz über Artikel wie "Homo religiosus" (in Gehirn & Geist 03/2009, kostenloser Download hier) nie beklagen - mit einer Ausnahme: Obwohl keine wissenschaftliche Perspektive darin so oft zur Sprache kam wie die (experimentelle) Spieltheorie, wurde das nicht einmal bememerkt. Auch als ich letztes Jahr das Kapitel "Religionsbiologie" im Handbuch der Religionen aufbaute, fügte ich einen kurzen Abschnitt zu "Ökonomie und Spieltheorie" (S. 7) ein - bislang ohne Reaktion. Und obgleich die religionsdemografisch-populationsgenetischen Modellrechnungen von Robert "Bob" Rowthorn einiges Aufsehen erregten, lösten auch diese noch keine vertieften Reflektionen aus. Religion und Mathematik scheinen noch immer (zu) weit voneinander entfernt zu sein.

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