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Ostereier, Osterhasen - eine Verniedlichung des christlichen Hauptfestes?

23. April 2011, 19:46

Über die neue Themenstellung von Zweiaufeins auf RBBeins mit Sven Oswald und Daniel Finger habe ich mich sehr gefreut: Ostereier und Osterhasen. Warum verstecken in diesen Tagen Menschen bunt bemalte Eier in Gärten und Wiesen und erzählen ihren Kindern, diese wären vom Osterhasen gebracht worden?

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Wie Religionswissenschaft (nicht) funktioniert

19. April 2011, 19:06

Religion gehört zu den Lebensbereichen des Menschen, zu denen jede(r) von uns so seine Meinungen hat. Wir haben persönliche Erfahrungen guter oder schlechter Art gemacht, in Familie, Schule und Fernsehen das eine oder andere erfahren, vielleicht sogar selbst religiöse oder spirituelle Erlebnisse gehabt, auch Artikel und Bücher gelesen sowie Diskussionen im Familien- und Freundeskreis geführt. Und natürlich halten wir uns (fast) alle für besonders klug und "fortschrittlich".

Für die Religionswissenschaft ist das Chance und Problem zugleich. Chance, weil diese vielfältige Haltung zur Religion ja ihr Forschungsgegenstand ist und sich viele Menschen interessieren und gerne einbringen. Aber auch Problem, weil viele ihre persönliche Meinung mit wissenschaftlicher Expertise verwechseln und sich dabei gerne überschätzen. Wie ich in den letzten Jahren - und immer wieder neu - erleben durfte, stärkt das Internet im Bereich der Religionswissenschaft sowohl die Chancen wie auch die Probleme. Deswegen möchte ich hier einmal freundlich zu Religionswissenschaft aufrufen, aber auch die Spielregeln darstellen und in Zukunft bei Bedarf einfach hierher verlinken.

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Evolutionstheorie und die Religionen

16. April 2011, 20:02

Noch immer ist das Vorurteil zu hören, "die Religionen" oder gar "die Religion" hätte ein Problem mit der Evolutionstheorie bzw. den Ergebnissen der Evolutionsforschung. Das ist in zweifacher Hinsicht schlicht falsch:

1. Nur einige - mithin eher wenige! - religiöse Traditionen lehnen die Evolutionstheorie und -forschung ab, andere erkennen sie an oder begrüßen sie sogar.

2. Religiosität (als biologische Veranlagung) und Religionen (als biokulturelle Traditionen) werden längst selbst als Ergebnisse des Evolutionsprozesses erforscht (vgl. kostenloser Übersichtsartikel "Homo religiosus" aus Gehirn & Geist hier), u.a. auch in der (kognitiven) Archäologie.

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Religiöse Deutungen der Evolution - Von Kreationismus bis evolutionärer Theismus

14. April 2011, 23:09

Dieses Wochenende startet (m)ein neues Seminar in der Religionswissenschaft der Universität Jena: Religiöse Deutungen der Evolution - Von Kreationismus bis evolutionärer Theismus. Denn als Menschen können wir uns Geschichte(n) nur als Erzählungen vorstellen - in die wir stets (ggf. auch völlig unbewusst) unsere jeweiligen weltanschaulichen und religiösen Weltanschauungen einweben. Und welche Geschichte könnte größer sein als die Evolutionsgeschichte - die Erzählung der Entstehung von Allem?

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Kognitive Archäologie und die Naturgeschichte des Glaubens

09. April 2011, 17:25

Vor ein paar Wochen veröffentlichte ich auf meinem englischen Scilog "Biology of Religion" Ergebnisse einer weiteren Zwillingsstudie, die erneut genetische Grundlagen von Religiosität untermauerte. Dies hatten auch schon frühere Zwillingsstudien geleistet, aber die neue Arbeit von Kenneth S. Kendler, Hermine H. Maes and Todd Vance konnte am Vergleich mono- und dizygoter Zwillinge sogar Korrelationen einzelner, kognitiver Aspekte von Religiosität aufzeigen.

Hinweis: Zur Bedeutung von Zwillingsstudien in der modernen Genetik gibt es einen neuen und sehr guten Beitrag von Sebastian Reusch auf Enkapsis.

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Marcus Knaup - Aristoteles jenseits von Physikalismus und Dualismus

03. April 2011, 20:39

Gegenüber griechischer Philosophie hatte ich einige Jahre lang eher Vorbehalte. Zwar hielt ich sie für grundlegend und wegweisend gerade auch für den Erfolg westlicher Wissenschaften, doch andererseits auch für weitgehend ausgeschöpft. Und hatten nicht einige dieser gefeierten Denker die Minderwertigkeit der Frau(en) und die Sklaverei vertreten? Hatte nicht die griechische Inkulturation die christliche Tradition von einer dynamischen Glaubensbewegung zu einem schwer fassbaren System abstrakter Glaubenssätze verschoben? Und war nicht Platos einflußreiches Höhlengleichnis und also die Suche nach festen Ideen hinter den vermeintlich unwirklichen Erscheinungen eines der Haupthindernisse beim Erfassen des Evolutionsprozesses einschließlich der Entstehung neuer Arten? Als der junge, katholische Theologe Marcus Knaup bei einer Tagung das Wort zum Thema Aristoteles und moderner Hirnforschung ergriff, war ich zunächst also mehr als skeptisch. Und dann fasziniert. Am neu erwachten Interesse an antiker Geistesgeschichte - wie dem Materiebegriff - war jener Vortrag auf jeden Fall beteiligt. Und im Sammelband "Post-Physikalismus" ist nun von Marcus Knaup das Kapitel "Jenseits von Physikalismus und Dualismus! Der Hylemorphismus als wirkliche Alternative in einem aktuellen Streit" erschienen (S. 189 - 215), in den der Autor erkennbar auch Argumente der damaligen Diskussionen einbezogen hat.

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Ulm - Die Synagoge Albert Einsteins vor dem Wiederaufbau

26. März 2011, 11:32

Am 14. März 1879 wurde in Ulm der wohl berühmteste Sohn der Stadt Ulm geboren: Albert Einstein. Seine Eltern Hermann und Pauline waren Mitglieder der jüdischen Gemeinde Ulms, die auf eine gleichzeitig lange und kurze Geschichte zurück sah. Lang, weil die erste (bekannte) schriftliche Erwähnung einer jüdischen Gemeinde in der Stadt bereits auf das Jahr 1241/1242 zurück geht. Kurz, weil diese 1349 in einem Pestpogrom vernichtet und wieder zuziehende Juden 1499 aus Ulm verwiesen wurden. Erst ab 1806 zogen wieder - zunächst vereinzelte - Juden in die Stadt, 1856 gründete sich schließlich eine jüdische Gemeinde. Erster Lehrer und Vorstand war Simon Einstein aus Laupheim. Die Gottesdienste fanden noch lange im Gasthaus Schwanen statt - erst 1873 konnte eine eigene Synagoge errichtet werden. 1880 lebten in Ulm 694 Juden, was 2,1% der Bürgerschaft entsprach und den bisherigen Höchstand markierte. Auch Einsteins Familie siedelte in diesem Jahr nach München um.

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Blogger, lasst uns die Sammelbände retten!

23. März 2011, 19:01

Wie können Blogger die Wissenschaft - über eigene, wissenschaftliche Arbeit hinaus - fördern? Wie alle anderen auch: Indem sie wissenschaftliche Bücher, Wissenschaftsmagazine, Filme, Fachanbieter, Ausstellungen, Ideen und, ja, Wissenschaftsblog(post)s nachfragen und - sofern gute Qualität vorliegt - aktiv weiter empfehlen. Im Gegenüber zu den millionenschweren Werbeetats etwa der Unterhaltungsindustrie(n) mag das wenig erscheinen - aber jeder Euro, der für Wissenschaftsprodukte fließt und jede Erkenntnis, die auf diesem Wege weiter gegeben wird, ist ein Schritt voran. Dazu können - und sollten - wir beitragen.

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Der Alevismus in Deutschland

21. März 2011, 21:56

Vor Kurzem hatte ich auf diesem Blog über die Anthroposophie berichtet, die in meiner Heimatstadt Filderstadt schon lange etabliert ist, christliche und nichtchristliche Traditionen verbunden hat und u.a. ein eigenständiges Gottesbild und den Glauben an Reinkarnationen (Wiedergeburt) vertritt. Wussten Sie, dass sich auch aus dem Islam heraus Traditionen entwickelt haben, die vergleichbare Lehren vertreten? Da just heute - zum (auch) alevitischen Nouruz-(Neujahr)-Fest - in Filderstadt die Einführung von alevitischem Religionsunterricht an zwei Grundschulen gefeiert wurde, ist das eine gute Gelegenheit, auf eine religiöse Minderheit in unserer Mitte hinzuweisen.

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Materie - Das Geheimnis des Urstoffes

19. März 2011, 21:32

Mit der Frage nach dem Urstoff in den großen religiösen und philosophischen Traditionen der Welt haben Sven Oswald und Daniel Finger von RBBeins eines der ganz großen Grundlagenthemen aufgeworfen. Selbst wenn wir uns dessen nicht bewusst sind: Jede(r) von uns - ob religiös oder nicht - wurde und wird von Urstoff-Vorstellungen geprägt. Und diese sind buchstäblich ur-alt: Schon lange vor der Erfindung der Schriften befassten sich Menschen mit der Frage, aus welchem Grundstoff alles Sein gewachsen wäre. Lebensweltlich zugänglich war dabei die Beobachtung bei Menschen und Tieren, dass Frauen aus sich Leben gebären konnten. Über Jahrzehntausende dominieren in der figürlichen Kunst Darstellungen von (oft gebärenden) Frauen, oft ohne individuelle Gesichtszüge, was auf eine Beobachtung und mythologische Deutung des Prinzips, möglicherweise auch eine stärkere Rolle von (Groß-)Müttern in der Tradierung von Wissen hindeutet.

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