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Up in the Air - Die Krise unserer Ichling-Kultur

von Michael Blume, 14. März 2010, 21:35

Eine harmlose Komödie mit George Clooney, schöne Bilder, schlichte Lacher, wenig zum Nachdenken. So war der Kinoabend geplant - und mehr werden viele auch gar nicht wahrgenommen haben. Aber ich war baff - baff über einen Film, der unter der lustigen Oberfläche eindringliche Beobachtungen anbietet.

Da ist Ryan, der Hauptheld. Ein typischer, feiner Ichling unserer Zeit - smart, modern, gutaussehend, reich, immer unterwegs. Sein Job: Im Auftrag feiger Chefs Mitarbeiter zu entlassen. Sie sind, so scheint es, die Verlierer: Menschen, die eine Bindung zu ihrer Arbeit, ihrer Firma aufbauten. Die zitternd danach fragen, wie sie die Arbeitslosigkeit ihren Ehepartnern erklären sollen. Die nach den Hypothekenraten fragen. Und vor allem nach ihren Kindern, deren Schicksal, deren Krankenversicherung. Ryan versteht: Bindungen sind Ballast. Der moderne Mensch lässt Ballast zurück.

Am Anfang gilt unsere Empörung dem System, das solche Gewinnertypen wie Ryan hervorbringt. Doch zunehmend merken wir, dass er gar kein Gewinner ist. Da ist seine Schülerin Nathalie, eine Psychologin, die am Anfang seinen Zynismus noch zu übertreffen scheint - und dann doch erkennt, dass der Ichling-Mann ein armer Irrender (im Wortsinn) ist. Die aber auch dem modernen Feminismus eine deutliche Absage erteilt: Danke für die Freiheiten, die Ihr erkämpft habt - aber Beziehungen mit verläßlichen Partnern hättet Ihr uns lassen können. (Dieser Teil dürfte Ferdinand Knauss gefallen!) Und während wir noch denken, Ryan benutze die weibliche Reisebekanntschaft Alex - tut sie es schon. Ichling frißt Ichling, keine Errettung durch die weniger brutale Weiblichkeit mehr, kein Happy End.

Lustig - und heftig

Kirche und Religion kommen "nur" an einer einzigen Stelle vor: Als es um die Hochzeit von Ryans Schwester geht. Und ausgerechnet der coole Schwätzer plötzlich einen zögernden Bräutigam von Ehe und Familie überzeugen soll. Das ist einerseits lustig. Und andererseits eine der brutalsten "Beichten", die ich je im Kino gesehen habe. Hier demontiert ein moderner Mann seine Lebenslügen. Die Zuschauer lachen - einige nachdenklich...

Fazit

Unser modernes Gesellschaftssystem mit all seinen Versprechen und Verführungen, seinen Schmeicheleien und seiner Schönheit füttert unser Ego - und lässt immer mehr von uns einsam zurück. Noch während sich viele von uns für die Spitze menschlichen Fortschrittes halten zerbröseln Gemeinschaften, Familien, ganze Populationen. Wir glauben, fast gottgleich von ganz weit oben (von "Up in the air") auf die Welt hinab zu sehen. Und bemerken nicht, wie viele um uns dabei ins Nimmerwiedersehen verwehen.

Dieser Film beobachtet: Wer sich bindet, kann verlieren. Wer aber nur noch um das eigene Ego kreist, hat schon verloren. Männer und Frauen haben sich verloren und wir schauen den Scheinhelden der Ichling-Kultur beim bindungs-, familien- und kinderlosen Scheitern zu. Komisch und tragisch. Romantisch und brutal. So überraschend kann Kino sein.





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Kommentare

  1. KRichard Sinnfrage
    15.03.2010, 10:30

    Die ´Sinnfrage´ taucht in letzter Zeit immer öfter in den Medien auf: ein neuer Trend oder eine Rückkehr zu bewährten Werten?

  2. Lena Waider Interessant
    15.03.2010, 19:15

    Eine gelungene Zusammenfassung, die mein Interesse für den Film geweckt hat. Positiv scheint mir auch zu sein, dass nun zunehmend der "Gleichheitsfeminismus" in die Kritik gerät. In der Natur ist bei Arten, bei denen auch die Weibchen soziale Aufgaben übernehmen, stets recht bald eine Arbeitsteilung unter den Weibchen entstanden (und damit wieder Ungleichheit), nur dass die einen dann nicht dumme parasitäre Hausfrauen, sondern Königinnen heißen.

    LG Lena

  3. Michael Blume @ KRichard
    15.03.2010, 19:47

    Ob (enige) Leute durch Kinofilme zum Nachdenken finden? Ich will es hoffen. Auf jeden Fall sind gute Filme oft am mythologischen Puls der Zeit, gute Drehbuchschreiber haben dafür ein Faible entwickelt. Und ich überlege ernsthaft, hier im Blog öfter mal interessante Kinofilme zu besprechen.

  4. Michael Blume @ Lena Waider
    15.03.2010, 19:48

    Danke für die Rückmeldung! Und, wow, was für ein Zitat: In der Natur ist bei Arten, bei denen auch die Weibchen soziale Aufgaben übernehmen, stets recht bald eine Arbeitsteilung unter den Weibchen entstanden (und damit wieder Ungleichheit), nur dass die einen dann nicht dumme parasitäre Hausfrauen, sondern Königinnen heißen.

    Das ist echt gut und nachdenkenswert, danke!

  5. Balanus Ungleichheit /@Lena Waider
    15.03.2010, 22:16

    » Positiv scheint mir auch zu sein, dass nun zunehmend der "Gleichheitsfeminismus" in die Kritik gerät. «

    Schade, dass man nichts normativ Verbindliches aus der Biologie ableiten kann.

    "Gleichheit" kann doch nur "Gleichwertigkeit" meinen, alles andere wäre angesichts der offensichtlichen Verschiedenheit der Menschen ja absurd.

  6. Mona Oben und unten
    16.03.2010, 11:40

    Den Film habe ich mir mit meinen Freundinnen, welche alle Familie haben, ebenfalls angeschaut. Manche von ihnen haben Männer, die (trotz Familie) unter der Woche nicht nach Hause kommen können, da wir hier in einer strukturschwachen Gegend leben und die Arbeitsplätze nicht vor der Haustüre liegen. Wenn Kinder da sind muss einer, in der Regel die Frau, zurückstecken um dann als „dumme parasitäre Hausfrau“ ihr Leben zu fristen.

    Du schreibst: „Dieser Film beobachtet: Wer sich bindet, kann verlieren. Wer aber nur noch um das eigene Ego kreist, hat schon verloren. Männer und Frauen haben sich verloren und wir schauen den Scheinhelden der Ichling-Kultur beim bindungs-, familien- und kinderlosen Scheitern zu. Komisch und tragisch. Romantisch und brutal. So überraschend kann Kino sein.“

    Ja, Ryan, der Held des Films, steht als ein einsamer „Ichling“ da. Aber seine ebenfalls sehr mobile „Freundin“ Alex, die er zu Hause besuchen will, hat ja offensichtlich Familie(die Kinder wird ein Dienstmädchen, der Mann oder die Oma versorgen)und sie möchte verständlicherweise nicht, dass diese von ihrem Verhältnis zu Ryan erfährt. Trotzdem ist sie ebenso ein „Ichling“, wie der männliche Held und verleugnet ihre Familie auch noch. Man kann in diesem Film schon den Eindruck gewinnen (und das sage ich jetzt bewusst provokativ), dass alles spannender ist als eine Familie zu versorgen. Im Film wurde ja auch nicht zwischen Männlein und Weiblein unterschieden, sondern zwischen Menschen „in the Air“ und Leuten „on the bottom“.

    Aber sei's drum, ich will hier keine moralische Wertung abgeben. Auch kann ich nicht erkennen, dass dem modernen Feminismus eine deutliche Absage erteilt wird. Der Film zeigt m.E. recht anschaulich, dass alle modernen Menschen gleich verloren wirken, egal welchem Geschlecht sie angehören.

    Lieber Michael, Du argumentierst ja unentwegt für mehr Kinder, was mich und meine Freundinnen in diesem Zusammenhang schon lange interessieren würde, wie stellst Du Dir das in der Praxis vor? Ich habe schon öfters auf die schlechten Rahmenbedingungen, bezüglich Kinder, in Deutschland (und nicht nur da)hingewiesen. Wenn man nicht gerade zu den Großverdienern gehört und sich Personal leisten kann (wie Frau von der Leyen)dürfte das einigermaßen schwierig werden, oder was meinst Du?

  7. MassimoViachetti Kleine Unterschiede?
    16.03.2010, 12:00

    @ Lena Waider
    Signora, kommen Sie nach Italien! Für uns sind Frauen keine Königinnen sondern Göttinnen!
    @Balanus
    Und Sie, amico mio, benötigen den Crashkurs "Der kleine Unterschied und seine große normative Verbindlichkeit". Aber: Non c´è niente che vale per tutti (Es gibt nichts, das für alle gilt.)

  8. MassimoViachetti Familiensinn, @M.Blume
    16.03.2010, 12:56

    In Italien sind wir alle Ichlinge. Aber das ist kein Problem, denn alle, auf die es ankommt, sind miteinander verwandt, vom Vatikan bis zur Camorra.

  9. Lena Waider @Mona: Mehrkindfamilie in der Praxis
    16.03.2010, 13:24

    Du stellst eine Frage, der man leider immer wieder aus dem Weg geht. Es gibt dabei auch ein Dilemma, welches nicht öffentlich diskutiert wird: Eltern sollen in unserer Gesellschaft ihre Kinder vom Grundsatz her selbst finanzieren (soziologisch: die Familie besitzt eine "Wirtschaftsfunktion"). Nur wenn sie das nicht können, greift der Staat ein, und dann gibt es mit H4 ggf. die Vollversorgung. Das Dilemma dabei: Mit jedem Kind steigen die Kosten der Familie, während deren Verdienstmöglichkeiten sinken. Größere Familien driften deshalb nur allzu leicht in die Armut ab oder entstehen gleich dort. Weil das die meisten Menschen wissen, setzen sie nur wenige Kinder in die Welt.

    Es gibt einen Autor, den ich (bekanntermaßen) sehr schätze, weil er solche Themen immer sehr radikal angeht. Er hat sich die Frage gestellt: Was wäre denn, wenn
    1. die Gleichberechtigung der Geschlechter weltweit umgesetzt wäre,
    2. es genügend Krippenplätze gäbe,
    3. es überall leistungsfähige Verhütungsmittel gäbe,
    4. Familien weiterhin ihre Kinder im Wesentlichen selbst finanzieren müssten (Wirtschaftsfunktion),
    5. es aber überall Sozialstaaten gäbe, die einspringen, wenn Eltern ihre Kinder nicht ernähren können,
    6. die medizinische Versorgung überall so gut ist, dass ca. 2 Kinder pro Frau für eine "Bestandserhaltung" der Bevölkerung reichen.

    Mit anderen Worten: Was wäre, wenn sich weltweit die Gesellschaft realisiert hätte, die wir die ganze Zeit anstreben?

    Seine Antwort: Dann ist die Wirtschaftsfunktion der Familie nicht länger haltbar. Es muss dann einen echten Beruf für Familienarbeit geben, bei dem Frauen (eventuell Männer) für das Aufziehen ihrer eigenen Kinder bezahlt werden. Und wie im Tierreich muss es zum Teil zu einer Arbeitsteilung unter Frauen kommen: die einen("Arbeiterinnen") sind eher an einer Karriere in der Wirtschaft interessiert und haben dann keine oder nur wenige Kinder, während die anderen (Königinnen/Göttinnen ;-)) im Aufziehen von mehreren eigenen Kindern (und ggf. dem Betreuen anderer Kinder) ihre Lebensaufgabe sehen und dafür dann auch bezahlt werden (möchten). Im Internet nachzulesen ist das hier:
    http://knol.google.com/...echtigten/6u2bxygsjec7/2

    Der Artikel ist in der betont kühlen Art des Autors gehalten (kaum ein Tabuthema bleibt außen vor). Er ist aber meiner Meinung nach dennoch sehr lesens- und bedenkenswert.

    Interessant mag übrigens auch das Folgende sein: Im Iran erlangen Frauen mittlerweile sehr viel Bildung. Sie sind nicht wirklich gleichberechtigt, was Bildung und Berufe angeht oftmals aber schon. Dieser Staat hat nur noch eine Fertilitätsrate von 1,7 Kindern pro Frau. Das Problem besteht also mittlerweile wirklich weltweit.

    LG Lena

  10. Ralph Würfel bezahlte Familienarbeit @Lena
    16.03.2010, 16:47

    Sie schreiben: "Es muss dann einen echten Beruf für Familienarbeit geben, bei dem Frauen (eventuell Männer) für das Aufziehen ihrer eigenen Kinder bezahlt werden."

    Wie wäre es mit bedingungslosem Grundeinkommen?

  11. Ralph Würfel Nachtrag
    16.03.2010, 18:41

    Habe den Artikel mit viel Spaß gelesen, der sich bei der Lektüre des Maßnahmekatalogs allerdings in Übelkeit verwandelte - die Kopfpauschale für Kinderlose. Ähnlich wie bei der Kopfpauschale in der Gesundheitspolitik würden wir bei Einführung in die "VerHartzifizierung" der gesamten Gesellschaft gleiten - ich müssten, wenn ich nicht zahlen will(und Ausnahmen wird es mit Sicherheit geben) einiges "nachweisen" müssen: die Unfähigkeit zur Fortpflanzung, die gleichgeschlechtliche Variante des Liebens oder - noch schlimmer - die Möglichkeit, ein nicht gesundes Kind zur Welt zu bringen (und das nicht zu wollen)belegen zu müssen. Der Staat wäre dann gänzlich in unseren Schlafzimmern angekommen.
    Die zweite Maßnahme, die der Autor vorschlägt, verschlägt mir allerdings den Atem - staatlich geschulte, weibliche "Gebärmaschinen" sorgen dafür, dass die Gesellschaft nicht austirbt, und werden dafür aus der genannten Kopfpauschle bezahlt. Das übetrifft selbst die Orwellsche Gedankenwelt!

  12. Michael Blume @ Mona: Nachhaltigkeit
    16.03.2010, 18:53

    Liebe Mona,

    danke für Deine Beobachtungen! Und, ja, ich würde Dir Recht geben: Der Film fokussiert auf die Gefahr von Bindungen (denken wir z.B. an die geschiedene Schwester oder die Mutter (!), die Mann und Kinder betrügt - bislang zeigte man dies ja nur anders herum.) - aber eben auch auf das Scheitern "ohne". Das finde ich viel ehrlicher als zu vermitteln: Hey, Bindung gelingt immer. Tut sie nicht. Aber vielleicht ist sie den Versuch dennoch wert! :-)

    Auch kann ich nicht erkennen, dass dem modernen Feminismus eine deutliche Absage erteilt wird. Der Film zeigt m.E. recht anschaulich, dass alle modernen Menschen gleich verloren wirken, egal welchem Geschlecht sie angehören.

    Exakt. Dieser Film tut nicht mehr so, als gebe es ein besseres oder schlechters Geschlecht. Frauen und Männer haben ein Recht auf Freiheit - aber diese Freiheit macht deswegen noch lange nicht automatisch glücklich, noch nicht einmal fair. Auch das (inkl. der Konfrontation zwischen Nathalie, Alex und Ryan über das Idealbild von Partnern)fand ich so ehrlich, dass es nicht mehr (nur) komisch war. :-)

    Lieber Michael, Du argumentierst ja unentwegt für mehr Kinder, was mich und meine Freundinnen in diesem Zusammenhang schon lange interessieren würde, wie stellst Du Dir das in der Praxis vor? Ich habe schon öfters auf die schlechten Rahmenbedingungen, bezüglich Kinder, in Deutschland (und nicht nur da)hingewiesen. Wenn man nicht gerade zu den Großverdienern gehört und sich Personal leisten kann (wie Frau von der Leyen)dürfte das einigermaßen schwierig werden, oder was meinst Du?

    Das sehe ich ganz genau so! Deswegen finde ich an meinem Forschungsgegenstand ja so interessant, dass Religionen eben nicht nur über "Du sollst"-Vorschriften zu größeren Familien beitragen können, sondern vor allem auch durch konkrete Hilfe, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, Armen- und Waisenhilfe u.v.m. Entsprechend würde ich auch der deutschen Gesellschaft insgesamt gerne ins Stammbuch schreiben: Wenn mehr Kinder gewünscht sind, müssen die Rahmenbedingungen eben auch kinder- und elternfreundlicher werden. Dass das durchaus geht zeigt sich z.B. derzeit in ermutigenden Ansätzen in Stuttgart:
    http://www.stuttgarter-zeitung.de/...geworden.html

    So gerne ich auch selbst Vater bin, würde ich zudem freilich doch auch nicht einfach für "mehr Kinder" plädieren. In vielen Weltregionen haben wir immer noch Überbevölkerung, Armut, Gewalt und Elend und oft könnte man sich wünschen, dass Menschen auch weniger Kinder haben, denen es dafür besser gehen sollte. (Und umgekehrt Menschen, die wunderbare Eltern wären, auch die Chance dazu haben sollten.) Zudem ist die ökologische (Er-)Tragekraft unseres Planeten sicher auch nicht unendlich und z.B. für Deutschland fände ich einen erträglichen Bevölkerungsrückgang (statt der jetzigen Implosion) durchaus okay. Mir geht es also nicht einfach um "mehr Kinder", sondern um "mehr glückliche Kinder, die sich in einer gesunden Umwelt entfalten können". Das fände ich dann schön, dafür engagiere ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten auch gerne.

  13. Michael Blume @ MassimoViachetti
    16.03.2010, 18:54

    Ihre Kommentare machen auch in ihrer Rätselhaftigkeit Freude! Mehr davon, mehr! :-)

  14. Mona Kinder @Lena Waider
    16.03.2010, 19:03

    Danke für den interessanten Link! Wenn man einmal davon ausgeht, dass man sich und seine Kinder selber ernähren möchte, Hartz IV etc. sollte wohl nicht der normale Weg sein, so wird in der jetzigen Situation immer ein Ehepartner auf eine angemessene Berufstätigkeit verzichten müssen. Das „Phasen-Modell“ wonach die Frau oder auch der Mann nach der Familienphase wieder ins Berufsleben einsteigt, wird zwar häufig praktiziert, aber wer nicht verbeamtet ist, hat in der Regel keine Chance wieder einen gleichwertigen Job zu bekommen. Alle anderen Modelle, wie bezahlte Familienarbeit, scheitern wohl an den Kosten. Es bleibt also berufstätigen Frauen momentan nichts anderes übrig, als die Kinder in eine kostenpflichtige Einrichtung zu geben.

    „Es muss dann einen echten Beruf für Familienarbeit geben, bei dem Frauen (eventuell Männer) für das Aufziehen ihrer eigenen Kinder bezahlt werden. Und wie im Tierreich muss es zum Teil zu einer Arbeitsteilung unter Frauen kommen: die einen("Arbeiterinnen") sind eher an einer Karriere in der Wirtschaft interessiert und haben dann keine oder nur wenige Kinder, während die anderen (Königinnen/Göttinnen ;-)) im Aufziehen von mehreren eigenen Kindern (und ggf. dem Betreuen anderer Kinder) ihre Lebensaufgabe sehen und dafür dann auch bezahlt werden (möchten).“

    Hm, da begibt man sich auf vermintes Gelände. Momentan bekommen ja weniger gebildete Frauen eh schon mehr Kinder. Dies will die Politik ja mit dem einkommensabhängigen Elterngeld unterlaufen. Kinder sollen ja die Reichen und Gebildeten bekommen und nicht die Armen und Ungebildeten. Außerdem gibt es ja bereits bezahlte Tagesmütter, die neben den eigenen noch fremde Kinder aufziehen. Nicht zu vergessen, die oben erwähnten Einrichtungen, wo Erzieherinnen die Kinder gegen Geld betreuen.

    Mein Ideal wäre weniger Arbeit für alle. Wenn jeder nur halbtags arbeiten würde, könnte man seine Kinder selber aufziehen und es gäbe kaum mehr Arbeitslose. Auch würde die Reglementierung von Seiten des Staates weitestgehend wegfallen.

  15. Lena Waider @Ralph Würfel: BGE
    16.03.2010, 19:34

    "Wie wäre es mit bedingungslosem Grundeinkommen?"

    Davon halte ich gar nichts. Es war übrigens ausgerechnet eine Tagesmutter, die die BGE-Petition im Bundestag eingereicht hat. Ich erinnere an die Zahlen, die sie genannt hat: 1.500 Euro für jeden Erwachsenen, 1.000 Euro für jedes Kind.

    Da wird sich manche junge Frau mit geringer Ausbildung und geringen Erwerbschancen sagen:

    "Warum soll ich den halben Tag im dm-Markt die Regale einräumen? Ich mach auf Kinder! Die Männer suche ich mir im Internet zusammen. Für eine Stunde Sex mit Vorlage eines Tests nehme ich 100 Euro.

    Einen Vater muss ich bei der Geburt nicht angeben, denn wer's jetzt gerade war, weiß ich selbst nicht. Mit 30 bin ich bei 8 Kindern angekommen und erhalte 9.500 Euro monatlich rein Netto vom Staat. Davon bringe ich 5.000 auf die Bank. Mit Mitte 40 kaufe ich mir eine Villa im Süden, wohin ich mir die 1.500 BGE und die Zinsen meines Vermögens schicken lasse.

    Ach ja: meinen Töchter werde ich spätestens ab 14 nahelegen, es mir gleichzutun. Aus meinen Kindern soll schließlich mal was werden."

    Kinder als neues Geschäftsfeld. Ich sähe da doch ein erhebliches ethisches Problem ...

  16. Lena Waider @Mona Kinder
    16.03.2010, 19:44

    "Außerdem gibt es ja bereits bezahlte Tagesmütter, die neben den eigenen noch fremde Kinder aufziehen."

    Funktioniert aber nicht, da auch für eine Tagesmutter gilt: Je mehr eigene Kinder, desto weniger Zeit für andere Kinder, desto weniger Einkommensmöglichkeiten. Sie steckt in dem gleichen Dilemma. Aus genau diesem Grund wurde wohl die BGE-Petition ausrechnet von einer Tagesmutter eingereicht.

    "Nicht zu vergessen, die oben erwähnten Einrichtungen, wo Erzieherinnen die Kinder gegen Geld betreuen."

    Die sorgen für kein Kind mehr. Es gibt Paare, die so viel Geld verdienen, dass sie sich problemlos ein Kindermädchen leisten könnten. Die haben meist keine oder nur ganz wenige Kinder, da ihnen die Zeit fehlt.

    "Mein Ideal wäre weniger Arbeit für alle. Wenn jeder nur halbtags arbeiten würde, könnte man seine Kinder selber aufziehen und es gäbe kaum mehr Arbeitslose."

    Die Arbeitslosigkeit ist eine Folge der hohen Erwerbsbeteiligung von Frauen im Zusammenwirken mit den niedrigen Geburtenraten. Das geht aus den Zahlen des statistischen Bundesamtes klar hervor.

    Außerdem kann man bei vielen Berufen nicht auf halbtags herunter gehen. Ein/e Wissenschaftler/in, die nur halbtags forscht, ist bald keine mehr. Und was soll der Kapitän auf der Strecke HH Shanghai machen? Zwischendurch anhalten?

    Schließlich: Bei VW gab es jahrelang Wochenarbeitszeiten, die stark nach Halbtagsjobs klangen. Dadurch ist kein einziges Kind dort mehr geboren worden.

    Diese Lösungen wurden alle schon x-mal rauf und runter diskutiert: Sie funktionieren nicht.

    LG Lena

  17. 16.03.2010, 21:25

    In die interessante Diskussion zur Familienpolitik möchte ich mich (noch) gar nicht einmischen, lediglich eine Beobachtung mitteilen: In den USA wird eine Geburtenrate um 2,1 erreicht, und dies nahezu ohne staatliche Familienförderung (z.B. Kindergeld) und auch ohne staatliche Vollbetreuung. Was wäre dazu zu sagen?

  18. Ralph Würfel BGE @ Lena Waider
    16.03.2010, 22:06

    Die angegebenen Zahlen sind sicherlich zu diskutieren (ich selber würde auch für etwa die Hälfte plädieren). Dies ist für mich jedoch kein hinreichendes Argument der generellen Ablehnung(interessanter Weise nennt der Autor des Artikels den Begriff ja auch, ohne sich aber dann damit auseinander zu setzen). Im übrigen meine ich nicht nur Eltern als potentielle Bezieher, sondern selbstverständlich auch Kinderlose (wie mich).

  19. Lena Waider @Ralph Würfel: BGE Nr. 2
    17.03.2010, 00:58

    "Die angegebenen Zahlen sind sicherlich zu diskutieren (ich selber würde auch für etwa die Hälfte plädieren). Dies ist für mich jedoch kein hinreichendes Argument der generellen Ablehnung"

    Die Probleme würden auch bei niedrigeren Zahlen entstehen. Sie wären dann nicht so gravierend, aber sehr wohl vorhanden.

    "interessanter Weise nennt der Autor des Artikels den Begriff ja auch, ohne sich aber dann damit auseinander zu setzen"

    Er hat ein ganzes Buch darüber geschrieben.

    "Im übrigen meine ich nicht nur Eltern als potentielle Bezieher, sondern selbstverständlich auch Kinderlose (wie mich)."

    Auch das BGE gehört mal wieder zu den Maßnahmen, bei denen nicht über die Rückwirkungen auf Geburten und Familie nachgedacht wird. Das ist mittlerweile fast chronisch so. Es wird alles stets nur durch die Brille der Singles gesehen. Auch das ist ein Ausdruck der Ichling-Kultur.

    Beispiel: Quotenregelung. Auf eine leitende Position mit Quotenregelung bewerben sich 3 gleichqualifizierte Personen: 1 Frau mit 0 Kindern (die aufgrund des anspruchsvollen Jobs dann auch weiterhin kinderlos bleiben wird), 1 Mann mit 0 Kindern und 1 Mann mit Ehefrau und 3 Kindern. Gemäß Quote erhält die Frau den leitenden Job.

    Das war dann eine familienfeindliche Entscheidung, weil der Mann mit der 5-köpfigen Familie das zusätzliche Geld am besten hätte gebrauchen können. In die Röhre schaut bei dem Deal u. a. auch die Ehefrau, die zu Hause die Familienarbeit erledigt. Deshalb ist das für mich gleichzeitig auch noch eine frauenfeindliche Maßnahme, durchgesetzt von gleichheitsfeministischen Ichlingen. Ferner ist die Maßnahmen fertilitätssenkend, da sie Frauen am Kinderkriegen hindert.

    Zum BGE. Das Problem mit der Familie besteht in 2 Punkten:
    a) Masseneffekt
    Wenn ein Single 1.000 Euro BGE erhält, dann ist das ausreichend oder wenig, je nachdem wo er wohnt. In Mecklenburg-Vorpommern mag das gut sein, in Frankfurt/Main dürfte es damit eng werden. Anders sieht es aus, wenn sich 10 Leute zusammenschließen: 10.000 Euro für 10 kann gut sein. Die könnten sich damit sogar 1-2 Autos leisten. Masseneffekte treten auch bei Familien auf. Die sind im Vorfeld zu diskutieren. Aktuell höre ich von BGE-Befürwortern nur einschläfernde Sonntagsreden.

    b) Selbstgenerierung
    Es gehört zu den Grundregeln des Wirtschaftslebens, dass derjenige der zahlt, den Bedarf bestimmen kann. Beispiel: Ein Unternehmen stellt eine Putzfrau ein und bezahlt 10 Euro die Stunde. Wenn das Unternehmen sagt: "Schauen Sie mal, wie lange Sie für den Job brauchen", dann wird die Putzfrau immer länger putzen.

    Das BGE für Kinder hat ohne Beschränkung (Bedingungen!) den Nebeneffekt, dass Menschen einen zusätzlichen Anspruch auf BGE selbst generieren könnten. Sie entscheiden sich frei für ein weiteres Kind und schon fällt wieder BGE an. Meiner Meinung nach können deshalb für Kinder entweder nur Gutscheine verteilt werden, oder man limitiert gleich bis z. B. einem Maximum von 2 Kindern.

    Darüber wird unter BGE-Befürwortern jedoch nicht diskutiert. Den BGE-Vorschlag gibt es seit vielen Jahren, dennoch werden nicht einmal die naheliegendsten Schwachstellen thematisiert. Der von mir genannte Autor ist deshalb der Meinung, man müsse das BGE allein schon aus diesem Grund ablehnen. Es gehöre sich einfach nicht, einen Vorschlag zu machen, und ihn auf eine solch unseriöse Weise zu diskutieren.

    LG Lena

  20. Lena Waider @Michael Blume: Puls der Zeit
    17.03.2010, 01:03

    "Auf jeden Fall sind gute Filme oft am mythologischen Puls der Zeit, gute Drehbuchschreiber haben dafür ein Faible entwickelt."

    Selbst Pretty Woman gehörte dazu.

    LG Lena

  21. Mona Flexible Arbeitszeitmodelle @Lena Waider
    17.03.2010, 07:36

    „Die Arbeitslosigkeit ist eine Folge der hohen Erwerbsbeteiligung von Frauen im Zusammenwirken mit den niedrigen Geburtenraten. Das geht aus den Zahlen des statistischen Bundesamtes klar hervor.“

    Wie bitte, die Frauen sind schuld?

    „Außerdem kann man bei vielen Berufen nicht auf halbtags herunter gehen. Ein/e Wissenschaftler/in, die nur halbtags forscht, ist bald keine mehr. Und was soll der Kapitän auf der Strecke HH Shanghai machen? Zwischendurch anhalten?“

    Wenn alle weniger Stunden arbeiten würden, wäre es für alle der Normalfall. Wieso soll sich ein Forscher seine Zeit nicht auch einteilen können? Und wenn sich auf einem Schiff der Kapitän und sein erster Offizier abwechseln, wie es sowieso schon gemacht wird, dürfte das kein Problem werden. Außerdem könnte man überall mehr Leute einstellen und hätte weniger Arbeitslose.

    „Schließlich: Bei VW gab es jahrelang Wochenarbeitszeiten, die stark nach Halbtagsjobs klangen. Dadurch ist kein einziges Kind dort mehr geboren worden.“

    Stimmt! Mein Vorschlag ging aber von flexiblen Arbeitszeitmodellen aus. http://www.familie.dgb.de/...eitszeitmodelle_html/

  22. Mona Kinderarmut in den USA @Michael Blume
    17.03.2010, 08:07

    „In den USA wird eine Geburtenrate um 2,1 erreicht, und dies nahezu ohne staatliche Familienförderung (z.B. Kindergeld) und auch ohne staatliche Vollbetreuung. Was wäre dazu zu sagen?“

    In den USA sind Frauen mit Kindern bei weitem mehr angesehen, als hier und Kinderbetreuung gibt es an jeder Ecke. Nein, eine „staatliche Vollbetreuung“ wird nicht angeboten, darum gibt es auch sehr viel Kinderarmut in den USA.

    Quelle: http://www.arbeit-wirtschaft.at/...d=1188829131749

  23. Lena Waider Dies und das
    17.03.2010, 12:22

    @Mona
    Schuld: Wer redet von Schuld? Frag doch mal ältere Männer (Rentner): Noch um 1970 saßen in den meisten Büros überwiegend Männer. Männer waren die Chefs und Sachbearbeiter, Frauen Sekretärinnen. Arbeitende Frauen waren vorwiegend im Niedriglohnbereich anzutreffen, weil die versuchten, zu dem mickrigen Lohn des Ehemanns noch etwas dazuzuverdienen (sofern es überhaupt einen Ehemann gab). Gutverdienende Männer gaben noch in den 60er Jahren den Spruch von sich: "Ich habe es nicht nötig, dass meine Frau arbeiten geht." Die erste Tagesschausprecherin kam 1974 (Berghoff), der Versprecher der ersten Sportschaumoderatorin (Schalke 05) löste ein kleines mediales Erdbeben aus. Heute besitzen Frauen in den Büros die Mehrheit, in den Medien sowieso. Das statistische Bundesamt zeigt auf: Ab 1970 brachen die Geburtenraten von vorher ca. 2,3 auf dann 1,3-1,4 ein (Pillenknick). Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenquote kontinuierlich an, obwohl die Wirtschaft immer mehr Erwerbsarbeitsplätze anbot (es gibt also heute mehr Arbeit). Der Anstieg bei der Arbeit war aber klein im Vergleich zum Anstieg bei den Erwerbspersonen, der in erster Linie durch zusätzliche Frauen bewirkt wurde. Hier ist zu berücksichtigen, dass vor allem qualifizierte, gut ausgebildete Frauen nachgerückt sind. Die bekommen nun besonders wenige Kinder, weil sie besonders viel arbeiten. Die Auswirkungen davon sind so gut wie irreparabel: 1981 wurde unter den deutschen Jugendlichen (ca. 15) ein mittlerer IQ von 107 gemessen (damals Weltspitze), heute liegt er bei 98. 15-jährig in 1981 bedeutet: Man ist Teil der Babyboomer, die um 1965 geboren wurden. Von denen sind ganz besonders viele beiderseitig berufstätig und haben wenige Kinder. Die sind heute um 45 und besetzen die wichtigsten Schaltstellen in unserem Land. Wenn die in 20 Jahren in Rente oder Pension gehen, wird Deutschland wohl den Staatsbankrott anmelden müssen (wenn nicht schon vorher), weil das können die wenigen Nachkommenden - neben der ohnehin bestehenden Schuldenlast - nicht mehr finanzieren.

    Flexible Arbeit: Ich halte diese Diskussionen für an der Sache vorbeigehend. Man muss das Thema von der Reproduktion aus angehen. Mersch hat gezeigt, dass allein ein Familienberuf für eine Reduzierung der Arbeitslosigkeit um 4 Millionen sorgen würde. Die Flex-Konzepte gehen mir auch zu sehr von normalen Verwaltungsjobs aus (die vorwiegend von Frauen besetzt sind). Da mag das gehen. Das geht aber nicht für Industriearbeitsplätze, typische Männerberufe (dem Matrosen auf hoher See nützt es nichts, wenn er auf dem Schiff häufig Freizeit hat, der will die zu Hause haben) und Berufe mit hohen Anforderungen. Die kinderlose Christiane Nüsslein-Volhard hat mit ihren Nobelpreiseinnahmen u. a. eine Stiftung für Frauen in der Forschung gegründet, damit diese leichter einen Kinderwunsch realisieren können. Sie schreibt es in einem Geleitwort in aller Deutlichkeit: Eine Forscherin muss alle Veröffentlichungen selbst lesen, sie kann das nicht delegieren. Reduziert sie ihren Arbeitsaufwand, fällt sie in ihrem Gebiet zurück. Gleiches gilt auch für Künstler, Sportler, Manager etc.

    @Michael Blume
    USA: Die USA sind in weiten Teilen noch ein höchst patriarchalischen Land (religiöse Fundamentalisten, lateinamerikanische Zuwanderer etc.). Die Ally McBeal oder die Sex-and-the-City-New Yorkerin bekommt genauso wenig Kinder wie die entsprechende Deutsche. Wenn überhaupt.

    In modernen, hochtechnisierten Ländern wie Deutschland, Japan, Taiwan, Süd Korea, Singapur etc. lässt sich das Nachwuchsproblem meiner Meinung nach nur durch:
    a) Massive Zuwanderung
    b) Rückkehr zum Patriarchat
    c) einen zusätzlichen Beruf für Familienarbeit
    lösen.

    LG Lena

  24. Mona Überbevölkerung trotz Geburtenrückgang @Lena Waider
    17.03.2010, 13:44

    „In modernen, hochtechnisierten Ländern wie Deutschland, Japan, Taiwan, Süd Korea, Singapur etc. lässt sich das Nachwuchsproblem meiner Meinung nach nur durch:
    a) Massive Zuwanderung
    b) Rückkehr zum Patriarchat
    c) einen zusätzlichen Beruf für Familienarbeit
    lösen.“

    a)Zuwanderung wird es aus verschiedenen Gründen sowieso geben.
    b)Nein Danke, dann lieber aussterben.
    c)Hoffentlich findet sich jemand, der die Familienarbeiter auch bezahlt.

    Grundsätzlich würde es nicht schaden, wenn die Erde weniger dicht bevölkert wäre. Leider haben wir unser Rentensystem als Generationenvertrag angelegt und nun fehlt der Nachwuchs. Der momentane Geburtenrückgang wird sich m.E. nicht aufhalten lassen, freilich wird er sich irgendwann wieder einpendeln, dann natürlich auf einem anderen, niedrigeren Niveau. Bis sich die Alterspyramide bei uns abgebaut hat, wird es halt noch einige Probleme geben.

    Insgesamt ist die Erdbevölkerung trotzdem noch am anwachsen, da es in vielen Entwicklungsländern immer noch sehr hohe Geburtenraten gibt.
    Siehe auch: http://de.wikipedia.org/...3%9Cberbev%C3%B6lkerung

  25. itz Klapperstorch
    17.03.2010, 14:19

    In modernen, hochtechnisierten Ländern wie Deutschland, Japan, Taiwan, Süd Korea, Singapur etc. lässt sich das Nachwuchsproblem meiner Meinung nach nur durch:
    a) Massive Zuwanderung
    b) Rückkehr zum Patriarchat
    c) einen zusätzlichen Beruf für Familienarbeit
    lösen.

    Eine weitere Lösung um das Nachwuchsproblem zu lösen:
    d) Kürzung der Sozialleistungen.

    Und wenn man sich die Anzahl der Teenagerschwangerschaften in den USA anschaut kann man auch noch über
    e) Abschaffung des Sexualkundeunterrichts
    nachdenken.

  26. Balanus @itz
    17.03.2010, 14:42

    »Eine weitere Lösung um das Nachwuchsproblem zu lösen:
    d) Kürzung der Sozialleistungen.
    «

    Korrekt, und zwar auch deshalb, weil vor allem dort, wo es den Menschen (zu) gut geht, also in den Wohlfahrtsstaaten, die Geburtenrate gesunken ist.

  27. Mona Arme kinderreiche Länder
    17.03.2010, 16:50

    Nicht zu vergessen die Bildung. Niger ist z.Z. das bevölkerungsreichste Land der Erde mit einer Fertilitätsrate von 7,4 Geburten pro Frau. 74% der Männer und 90 % der Frauen sind Analphabeten.

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Niger

    Kürzlich las ich in einer Broschüre für Entwicklungshelfer, dass es dort auch keinen Sinn hat Verhütungsmittel zu verteilen, die Leute können die Gebrauchsanweisung nicht lesen.

  28. Ralph Würfel Verständnisprobleme @Lena
    17.03.2010, 17:12

    Liebe Lena,
    vielen Dank für Ihre ausführlichen Bemwerkungen auf meine Nachfrage. Ich habe jedoch einige Verständnisprobleme.
    Zunächst einmal muss ich gestehen, dass ich die aktuellen Diskussionen zum BGE nicht im Detail verfolgt habe. Ich vermute mal Sie schon. Ich war zu Beginn der 90er Jahre mehr im Thema involviert, damals war es aber gar nicht durchsetzbar. Um so mehr freut es mich, dass das Thema nun mehr gesellschaftlich akzeptiert zu sein scheint.
    Das BGE will eigentlich nichts anderes als sämtliche Sozial- und Lohnersatzleistungen des Staates ersetzen. Also angefangen beim Kinder- und Elterngeld, über BAFöG, ALG I und II, Wohn- und Sozialgeld bis hin zu den Renten.
    Sie machen dieser Idee nun Vorwürfe, familienfeindlich zu sein, gehen dann aber auf das Beispiel der Quotenregelung bei einer Jobbewerbung ein. Abgesehen davon, dass ich den Zusammenhang zum BGE nicht verstehe - stellen Sie die Quote „durch die Brille des Singles gesehen“ als „Ausdruck der Ichling-Kultur“ dar. Darf ich daraus folgern: Single=Ichling, Familienmensch=Wirling? Ich glaube, das ruft nicht nur bei mir Proteste hervor.
    (Nebenbei bemerkt ist das Problem des „Egos“, das sich natürlich auch in sozialen Bereichen nachweisen lässt, deshalb aber noch lange kein soziales „Einstellungs“-Problem, dass sich mit ein paar Korrekturen oder der „richtigen Einstellung“ aus der Welt schaffen lässt, sondern scheint mir eine Konsequenz in der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins zu sein. Darauf werde ich wo möglich noch im weiteren Verlauf der Diskussion etwas mehr beitragen.)
    Das Problem des Masseneffekts beim BGE verstehe ich nicht genau: bei Zahlung von BGE könnten sich 10 Menschen für eine gemeinsame Anschaffung zusammenschließen – aber bei Zahlung von ALG II nicht?
    Ganz davon abgesehen – was ist an der Idee Car-Sharing verwerflich (so verstehe ich Ihren Einwurf nämlich)?
    Wenn eine Familie über ein Mindesteinkommen verfügt und sich dann überlegen kann, wer wann wo arbeiten will (aber das vielleicht gar nicht muss) – ist das nicht der gewünschte Effekt?
    Auch das Problem der Selbstgenerierung verstehe ich nicht – bei Zahlung von BGE kriegen alle Menschen Kinder, aber bei Zahlung von Kindergeld nicht?
    Ich freue mich auf Ihr Erläuterungen dazu.

  29. Lena Waider @Mona
    17.03.2010, 17:20

    "a)Zuwanderung wird es aus verschiedenen Gründen sowieso geben."

    Die Japaner haben das bislang anders gesehen. Die müssen deshalb nach anderen Lösungen suchen.

    Geringe Geburtenraten in Wohlstandsländern, die durch Migranten aufgefüllt werden müssen(!), sind Kolonialismus und nichts anderes.

    "c)Hoffentlich findet sich jemand, der die Familienarbeiter auch bezahlt."

    Tja wenn im Bundestag sogar Vorschläge für ein BGE mit 1.500 Euro für jeden Erwachsenen und 1.000 Euro für jedes Kind eingereicht werden, und das sogar ernsthaft diskutiert wird, dann mache ich mir über die Finanzierbarkeit der Familienarbeiter keine Gedanken. Wir redeten dann nämlich über Peanuts.

    "Leider haben wir unser Rentensystem als Generationenvertrag angelegt und nun fehlt der Nachwuchs."

    Der würde auch bei anderen Rentensystemen fehlen. Das Rentensystem an sich ist nicht das Problem. Der fehlene Nachwuchs ist das Problem.

    "Der momentane Geburtenrückgang wird sich m.E. nicht aufhalten lassen, freilich wird er sich irgendwann wieder einpendeln, dann natürlich auf einem anderen, niedrigeren Niveau."

    Das wird seit 40 Jahren behauptet. Bevölkerungsforscher wie Birg behaupten: Von selbst reguliert sich nichts, höchstens durch große Not.

    "Bis sich die Alterspyramide bei uns abgebaut hat, wird es halt noch einige Probleme geben."

    Nach Staatsbankrott, Bürgerkrieg und Hungerleid also.

    "Insgesamt ist die Erdbevölkerung trotzdem noch am anwachsen, da es in vielen Entwicklungsländern immer noch sehr hohe Geburtenraten gibt."

    Wenn die erfahren, dass Europa ganz viele Menschen braucht, werden die Menschen statt Bananen produzieren. Wir würden dann die Überbevölkerung der Erde weiter anheizen.

  30. Mona Korrektur…
    17.03.2010, 17:54

    …Niger ist z.Z. natürlich nicht das bevölkerungsreichste, sondern das kinderreichste Land der Erde. Das bevölkerungsreichste Land ist China, wo man schon seit geraumer Zeit versucht das Bevölkerungswachstum mit einer Ein-Kind-Politik einzudämmen.

  31. Mona Bedauernswerter Nachwuchs
    17.03.2010, 18:15

    „Der würde auch bei anderen Rentensystemen fehlen. Das Rentensystem an sich ist nicht das Problem. Der fehlene Nachwuchs ist das Problem.“

    Wo sollen denn die ganzen Arbeitsplätze herkommen, wenn der Nachwuchs mal groß ist und einzahlen soll?

    „Nach Staatsbankrott, Bürgerkrieg und Hungerleid also.“

    Ja, wie es scheint sind wir echt am Ende. Allerdings bezweifle ich, dass es hier hilft mehr Kinder in die Welt zu setzen.

  32. MassimoViachetti @M.Blume
    17.03.2010, 18:19

    Vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung, Herr Blume! Was ich meinte, war Folgendes: In einer Gesellschaft wie der Italienischen, in der soziale Netzwerke vorzugsweise aus familiären oder familienähnlichen Beziehungen bestehen, werden nachteilige Aspekte ausgeprägter Individualität oder gar Egozentrik aufgefangen. Die Familie trägt, stützt, fördert und fordert, und zwar mit einer unübertroffenen Verbindlichkeit, die man z.B. dem Staat gegenüber niemals empfinden würde.

  33. Michael Blume @ MassimoViachetti
    17.03.2010, 19:50

    Ja, da stimme ich Ihnen zu. Wir stellen ja unter anderem auch stärker familiäre Prägungen in katholischen und stärker indivduelle Konzepte in protestantischen Kulturen fest (wobei andere Faktoren wie die Wirtschaftsorganisation ebenfalls eine erhebliche Rolle spielen). M.E. hat jedoch auch die familiär-gemeinschaftliche Prägung Vor- und Nachteile. Wie würden Sie das sehen?

  34. Michael Blume @ Lena Waider: Nachfrage
    17.03.2010, 19:56

    Ich verfolge die Diskussion wirklich mit großem Interesse und will mich inhaltlich (noch) gar nicht einmischen. Aber erlauben Sie mir eine Frage: Hat P. Mersch die durchschnittlich höhere Kinderzahl religiös vergemeinschafteter Menschen (die u.a. Varianten von Wertezuschreibung, Familienrollen und gemeinschaftlicher Kinderbetreuung organisieren) in seinen Modellen schon berücksichtigt? Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Aspekt für ihn interessant sein könnte, bin bislang jedoch bei ihm nicht darauf gestossen.

    Eine Auflistung entsprechender Datenquellen habe ich u.a. hier eingestellt:
    http://www.blume-religionswissenschaft.de/....html

    Herzliche Grüße!

  35. Mona Italien @MassimoViachetti
    17.03.2010, 20:03

    Ich bin ja ein Fan von Italien und mein Vorbild war immer die italienische Mama, eine stolze Matriarchin in einer patriarchalen Gesellschaft ;-)

    Trotzdem scheint es ja in Italien kaum mehr Kinder zu geben, oder wie soll sich die italienische Familie weiter entwickeln? Italien hat ja eine noch niedrigere Geburtenrate, als Deutschland.

    http://www.rp-online.de/...ergleich_bid_13051.html

  36. Michael Blume @ Mona: Ja!
    17.03.2010, 21:26

    In Italien hast Du den gleichen Effekt wie z.B. in Spanien oder Griechenland: Einerseits werden die traditionellen Familienrollen (z.B. Alleinverdienerehen) weiter hochgehalten, die Institutionen zur Unterstützung erodieren aber eher, staatliche oder private Anbieter haben es (im Gegensatz z.B. zu Frankreich) schwer. Die Folge: Die Menschen werden angesichts des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels überfordert, die Geburtenraten brechen sogar besonders stark ein. Familienpolitischer Traditionalismus ist allein keine Lösung (vgl. auch Japan oder zurückgehende Geburtenraten von Neuapostolischen und Zeugen Jehovas in der Schweiz).

    Was bisher lediglich hilft ist ein starkes Angebot staatlicher und kirchlicher Betreuung, die Familien entlasten (z.B. Frankreich, Skandinavien) oder eben ein lebendiger Markt an privaten und religiösen Betreuungseinrichtungen und Gemeinschaften (z.B. USA). Versuche, die Leute zu Kindern zu zwingen, sind dagegen schon im späten Rom gescheitert:
    http://www.tagesspiegel.de/...erung;art141,3029894

    Ich bin also sehr skeptisch, ob sich eine höhere Geburtenrate von Staats wegen verordnen lässt. Eher können Staat und (Religions-)Gemeinschaften die Rahmenbedingungen so verbessern, dass kinderreiche Strömungen und Familien von selbst erwachsen und sich ausbreiten.

  37. Kunar Vor- und Nachteile
    18.03.2010, 00:37

    "In einer Gesellschaft wie der Italienischen, in der soziale Netzwerke vorzugsweise aus familiären oder familienähnlichen Beziehungen bestehen, werden nachteilige Aspekte ausgeprägter Individualität oder gar Egozentrik aufgefangen. Die Familie trägt, stützt, fördert und fordert, und zwar mit einer unübertroffenen Verbindlichkeit, die man z.B. dem Staat gegenüber niemals empfinden würde."

    Unvorteilhaft ist das nur für einen Ausländer, der in das Land kommt und keine Familie dabei hat, während staatliche Behörden der reinste Wahnsinn sind. Erschreckend auch manchmal, zu erleben, wie uniform die Gesellschaft ist. (Man erkennt selbst als Ausländer Ausländer an ihrer Kleidung; zu bestimmten Urzeiten sind alle gleichzeitig essen und die Straßen leer; bestimmte Dinge sind "undenkbar", Geschmack abseits der Massen sehr schwer.) Aber ich gebe zu, dass meine Stichprobe (n=1) nicht repräsentativ ist! ;)

  38. Lena Waider @Mona Arbeitsplätze
    18.03.2010, 00:44

    "Wo sollen denn die ganzen Arbeitsplätze herkommen, wenn der Nachwuchs mal groß ist und einzahlen soll?"

    Wir haben genug Arbeitsplätze. Unser Problem sind die vielen Erwerbspersonen. Es werden kaum Kinder in die Welt gesetzt, weswegen nun beide Geschlechter einen Vollzeitarbeitsplatz für sich beanspruchen. Das kann nicht funktionieren. Es muss immer einen Ausgleich zwischen Produktion und Reproduktion geben. Wer verbraucht, muss auch erneuern. Deutschland hat kein Öl, sondern nur Humanressourcen. Wir behandeln die aber aktuell so wie Öl: Angeblich sprudeln die einfach aus der Erde. Das Aufziehen von neuen Menschen ist aber mit Arbeit verbunden, und genau die sparen wir uns. Folglich ist die Arbeitslosigkeit aktuell so hoch.

    Man hört immer wieder: setzt besser keine Kinder in die Welt, denn die kriegen später keine Arbeit. Tatsächlich ist es so, dass heute viele Menschen keine Arbeit bekommen, weil so wenige Kinder in die Welt gesetzt werden. Stattdessen meinen wir, das könnte die 3. Welt für uns erledigen. Das ist Verlagerung von Arbeit in Niedriglohngebiete, genau das, was unsere Wirtschaft mitunter auch tut, aber nicht so radikal, wie es die Bevölkerung getan hat.

  39. Lena Waider @Mona Italien
    18.03.2010, 02:01

    "Trotzdem scheint es ja in Italien kaum mehr Kinder zu geben, oder wie soll sich die italienische Familie weiter entwickeln? Italien hat ja eine noch niedrigere Geburtenrate, als Deutschland."

    Mersch zitiert in seinen Büchern italienische Studien, die nahelegen, dass die Geburtenraten in Italien deshalb so niedrig sind, weil Kinder dort einen so hohen Stellenwert haben. Es gibt dort auch viel weniger Kinderlose als in D. Es ist fast so, als wenn die Menschen sagten: Ein Kind muss es sein, das gehört einfach zu Leben. Aber für ein zweites Kind können wir nicht richtig sorgen. Entweder es fehlt das Geld oder die Zeit. Dann lieber nur ein Kind.

    Eine Entwicklung von großer Tragik: Die Menschen setzen so wenige Kinder in die Welt, weil sie so kinderlieb sind.

    Ähnliche Schlussfolgerungen lassen sich offenbar auch aus der sog. ökonomischen Theorie der Fertilität von Gary S. Becker ziehen, wie es einige Autoren getan haben.

    LG Lena

  40. MassimoViachetti bambini
    18.03.2010, 07:40

    @M.Blume, @LenaWaider, @ Mona
    Herr Blume, natürlich hat jedes System auch Nachteile, aber die Vorteile der Familienorientierung überwiegen, ich rede dabei von meinen persönlichen Erfahrungen.
    Signora Waider, mein Kompliment, sehr scharfsichtig bringen Sie gesellschaftliche Zusammenhänge auf den Punkt. Auch hinsichtlich des Stellenwertes der Kinder Italiens haben Sie vollkommen recht. Im Moment sieht es so aus, daß Frauen erst Kinder in die Welt setzen, wenn sie Mitte dreißig sind und die Verhältnisse gesichert. Leider bleibt es dann meist bei einem einzigen Kind.
    Signora Mona, Ihre Sympathiebekundung für meine Heimat hat mein Herz bewegt. Bitte nennen Sie mich Massimo. Ich darf fragen, ob Ihr zweiter Vorname "Lisa" lautet? Was die Zukunft bringt, fragen Sie. Nun, wer weiß das schon. Aber: Nel fiume della vita ci sappiamo sulla stessa onda (Im Fluß des Lebens wissen wir uns auf der gleichen Welle)!

  41. Mona Betreuungseinrichtungen für Kinder @Michael Blume
    18.03.2010, 09:32

    „Was bisher lediglich hilft ist ein starkes Angebot staatlicher und kirchlicher Betreuung, die Familien entlasten (z.B. Frankreich, Skandinavien) oder eben ein lebendiger Markt an privaten und religiösen Betreuungseinrichtungen und Gemeinschaften (z.B. USA).“

    Ja, mit dieser Meinung stehst Du nicht alleine da. Viele Menschen sind allerdings der Meinung, dass das zu Verhältnissen wie in der ehemaligen DDR führe. Dort wurden auch alle Kinder vom „Staat“ betreut, nur das da die Betreuung kostenlos war. Eine Betreuung ist also auch nur für Gutverdienerinnen die Lösung.

    „In Italien hast Du den gleichen Effekt wie z.B. in Spanien oder Griechenland: Einerseits werden die traditionellen Familienrollen (z.B. Alleinverdienerehen) weiter hochgehalten, die Institutionen zur Unterstützung erodieren aber eher, staatliche oder private Anbieter haben es (im Gegensatz z.B. zu Frankreich) schwer.“

    Da sind wir genau beim Thema, eine Geringverdienerin kann sich eine Betreuung kaum leisten, also bleibt sie lieber gleich zu Hause. Ein anderes Problem ist die schlechte Qualität mancher Einrichtung. Oft werden die Kinder lediglich beaufsichtigt und eine Förderung findet überhaupt nicht statt, viele Frauen sehen diese Art der Betreuung deshalb als reine Notlösung an.

    Religiösen Betreuungseinrichtungen stehen viele Menschen skeptisch gegenüber. Hier in Süddeutschland hat ja die kath. Kirche das Monopol und nachdem täglich neue Missbrauchsfälle bekannt werden sind selbst treue Schäfchen schwer verunsichert. JEDER fragt sich natürlich, wie es soweit kommen konnte und viele Betroffene hatten sich auch schon früher getraut etwas zu sagen – leider hat niemand etwas unternommen. Der Grund liegt im kirchlichen Selbstbestimmungsrecht, das es den Kirchen erlaubt ihre Angelegenheiten weitgehend selbst zu regeln. Wie gut das funktionierte erfahren wir täglich aus den Nachrichten, wenn wieder ein neuer Missbrauchsfall bekannt wird. Ich bin nicht prinzipiell gegen kirchliche Betreuung, aber solange es keine klare Trennung von Kirche und Staat gibt wird es auch keine befriedigende Lösung geben.
    Siehe dazu auch: http://de.wikipedia.org/..._Selbstbestimmungsrecht

    „Ich bin also sehr skeptisch, ob sich eine höhere Geburtenrate von Staats wegen verordnen lässt. Eher können Staat und (Religions-)Gemeinschaften die Rahmenbedingungen so verbessern, dass kinderreiche Strömungen und Familien von selbst erwachsen und sich ausbreiten.“

    Ich glaube auch nicht, dass der Staat eine höhere Geburtenrate verordnen kann. M.E. sollte hier den Menschen ein gewisses Maß an Selbstbestimmungsrecht gelassen werden.

  42. Mona Italienische Verhältnisse @Lena Waider
    18.03.2010, 09:34

    „Mersch zitiert in seinen Büchern italienische Studien, die nahelegen, dass die Geburtenraten in Italien deshalb so niedrig sind, weil Kinder dort einen so hohen Stellenwert haben. Es gibt dort auch viel weniger Kinderlose als in D. Es ist fast so, als wenn die Menschen sagten: Ein Kind muss es sein, das gehört einfach zu Leben. Aber für ein zweites Kind können wir nicht richtig sorgen. Entweder es fehlt das Geld oder die Zeit. Dann lieber nur ein Kind.“

    Kann ich sehr gut nachvollziehen, ich habe auch nur ein Kind. Insofern bin ich eine typische italienische Mama :-))

  43. Martin Huhn @ Blume
    18.03.2010, 10:45

    Und ich überlege ernsthaft, hier im Blog öfter mal interessante Kinofilme zu besprechen.

    Ich fände das gut. Die Filmkritik von Edgar Dahl hat mir auch gut gefallen.

  44. Mona @Massimo
    18.03.2010, 10:57

    "Nel fiume della vita ci sappiamo sulla stessa onda (Im Fluß des Lebens wissen wir uns auf der gleichen Welle)!"

    Schön gesagt! A buon intenditore poche parole bastano. (Dem Kenner reichen wenige Worte.)

  45. Lena Waider @Michael Blume: Nachfrage
    18.03.2010, 12:08

    Ich konnte mich auch nicht erinnern, bei Mersch etwas darüber gelesen zu haben und habe ihm ein email geschickt. Die Zahlen (die höhere Fertilität religiös vermeintschaftlicher Menschen) sind ihm geläufig. Er erwartet aber dennoch keineswegs, dass der von ihm vorgeschlagene Familienberuf hauptsächlich von solchen Personen angestrebt werde, da bei den religiösen Gruppen meist ein patriarchalischer Hintergrund bestehe, während der Familienberuf in erster Linie matriarchalisch ausgerichtet sei (was für viele Menschen ein Problem darstelle).

  46. Mona Familienberuf @Lena Waider
    18.03.2010, 13:45

    "…während der Familienberuf in erster Linie matriarchalisch ausgerichtet sei (was für viele Menschen ein Problem darstelle)."

    Interessant! Wie stellt sich Mersch den Familienberuf in der Praxis vor? Und wieso braucht er dazu eine matriarchalische Ausrichtung?

  47. Ralph Würfel Merschs Maßnahme-Katalog
    18.03.2010, 17:48

    Ich zitiere hier mal die entsprechende Stelle aus Merschs Aufsatz „Familienarbeit in gleichberechtigten Gesellschaften“, auf den Lena hinwies:

    „Jeder Bürger müsste gemäß seiner individuellen Leistungsfähigkeit für ein Kind Unterhalt zahlen. Allerdings könnte er sich von dieser Verpflichtung durch das Aufziehen eines eigenen Kindes befreien. (...) Die Differenz zu einer bestandserhaltenden Geburtenrate könnte dann von staatlich beschäftigten Familienmanagerinnen abgedeckt werden, die in aller Regel größere Familien mit drei oder mehr Kindern gründen. Da die Familienarbeit dabei zum Fulltimejob generiert, würden solche Familienfrauen (oder auch -männer) vom Staat für die von ihnen geleistete Erziehungsarbeit - in Abhängigkeit von der Zahl ihrer Kinder - bezahlt. Allerdings benötigten sie entsprechende Qualifikationen, da sie einen Beruf mit sehr hoher Verantwortung ausüben. Auch müssten sie sich regelmäßig fortbilden. Sie gingen einer echten Erwerbsarbeit nach. Für sie würde das folgende ergänzende Familienmodell zum Einsatz kommen: Der Mann geht arbeiten und verdient Geld, die Frau zieht die Kinder auf und verdient dafür ebenfalls Geld.
    Dieses Familienmodell trägt den Namen Familienmanager-Modell. Es dürfte das einzige Familienmodell sein, welches einen nennenswerten Anteil gut ausgebildeter Frauen unter der Rahmenbedingung der Gleichberechtigung der Geschlechter zur Gründung einer Mehrkindfamilie bewegen könnte. Natürlich würde auch die umgekehrte Variante (Die Frau geht arbeiten und verdient Geld, der Mann zieht die Kinder auf und verdient dafür ebenfalls Geld) funktionieren, allerdings dürften solche Konstellationen eher selten sein.“

    Ich möchte es nicht versäumen, an dieser Stelle noch einmal meine Kritik an diesen Maßnahmen einzufügen.

    „Also die Kopfpauschale für Kinderlose. Ähnlich wie bei der Kopfpauschale in der Gesundheitspolitik würden wir bei Einführung in die "VerHartzifizierung" der gesamten Gesellschaft gleiten - ich müsste, wenn ich nicht zahlen will (und Ausnahmen wird es mit Sicherheit wie bei jeder Steuer geben) einiges "nachweisen" müssen: die Unfähigkeit zur Fortpflanzung, die gleichgeschlechtliche Variante des Liebens oder - noch schlimmer - die Möglichkeit, ein nicht gesundes Kind zur Welt zu bringen (und das nicht zu wollen)belegen zu müssen. Der Staat wäre dann gänzlich in unseren Schlafzimmern angekommen.
    Die zweite Maßnahme, die der Autor vorschlägt, verschlägt mir allerdings den Atem - staatlich geschulte, weibliche "Gebärmaschinen" sorgen dafür, dass die Gesellschaft nicht ausstirbt, und werden dafür aus der genannten Kopfpauschale bezahlt. Das übertrifft selbst die Orwellsche Gedankenwelt!"

  48. Mona Totalitäres Regime @Ralph Würfel
    18.03.2010, 19:03

    Ich habe für diese Art von staatlicher Reglementierung ebenfalls nichts übrig. Im Prinzip könnte ich mir zwar ein Erziehungsgehalt vorstellen, aber keine Brut- und Aufzuchtstationen. Auch ist mir nicht klar, warum Mersch meint, die Menschen müssten die Kindererziehung auslagern, da sie selber keine Zeit mehr dafür haben. Ich plädiere ja, wie gesagt, für flexiblere Arbeitszeitmodelle und weniger Arbeitsstunden für jeden und jede. So hätten die Leute wieder Zeit Kinder aufzuziehen und es bräuchte auch keine Kopfpauschale für Kinderlose zu geben.
    Irgendwo in im Hinterkopf erinnert mich die von Mersch vorgeschlagene Art der Kinderaufzucht an die Lebensbornheime der Nationalsozialisten.

  49. Lena Waider Familienmanagerin: Nix totalitär
    18.03.2010, 22:43

    Das Konzept ist das genaue Gegenteil von totalitär. Keiner muss den Beruf ergreifen, genauso wenig wie heute jemand Gerichtsmediziner werden muss. Die Menschen werden es trotzdem.

    Es ist im Grunde ganz einfach: Menschen (i.d.R. Frauen), die lieber eine größere eigene Familien haben wollten als irgendwo arbeiten zu gehen, interessieren sich für den Job als Familienmanagerin (FM) und machen frühzeitig eine entsprechende Ausbildung. Quereinstiegsmöglichkeiten sollte es auch geben.

    Susanne Wiest schlug ein BGE in Höhe von 1.500 Euro für jeden Erwachsenen und 1.000 Euro für jedes Kind vor. Dies ist wohl illusorisch, doch warum sollte man diese Beträge, wenn sie schon von einer Tagesmutter genannt wurden, nicht als Richtschnur für die FMs nehmen, denn die leisten ja wirkliche Arbeit. Eventuell könnte man über eine Obergrenze nachdenken: Der Staat bezahlt bis 5 Kinder. Wer mehr haben möchte, muss diese wieder selbst finanzieren (Ausnahmen würde es auch geben: z. B. eine Frau hat schon 4 und beim letzten werden es Zwillinge).

    Es würden auch viele andere Jobs benötigt, z. B. Springerinnen: Eine FM ist krank oder bringt gerade ein Kind zur Welt. Dann könnte man eine Springerin ordern, die im Haushalt aushilft. Das könnten FMs sein, die keine Kinder gebären können/wollen, oder auch Oma-FMs die ihre Kinder schon großgezogen haben. Andere werden sich auf wenige eigene Kinder beschränken wollen und dann wie eine Tagesmutter noch andere Kinder betreuen, ggf. bis spät in die Nacht oder gar über Nacht. Auch muss es AusbilderInnen und SpezialistInnen geben, die z. B. bei autistischen Kindern oder anderen Kindern mit Problemen/Behinderungen helfend beraten können.

    Durch die Bezahlung würde sich das Machtverhältnis unter den Geschlechtern in den Familien komplett umdrehen ("solange du deine Füße unter meinen Tisch..."). Mersch rechnet schon bald mit so etwas:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Mosuo
    Sein Spruch: Alles andere würde mich wundern, oder sollte ich die Frauen etwa so wenig kennen?

    Mersch erwartet, dass viele FMs einfachere Arbeiten (putzen, stricken, bügeln) an Dritte vergeben werden, da ihre eigentliche Aufgabe die Erziehung wäre. Hierdurch entstünden weitere Arbeitsplätze.

    Ferner glaubt er, dass sich einige (viele?) zusammenschließen und größere Einheiten (Kinderland) bilden werden: Ganze Straßen mit Wohnen, Homeschooling, Kindergärten, Mal- und Musikschulen, Bolzplätzen, Restaurants, ggf. einem angeschlossenen Altenheim, und das alles bankfinanziert, da die FMs ein sicheres Einkommen beziehen. Älteren Künstlern etc. wird es eine Ehre sein, dort zu unterrichten.

    Wenn man es durchzieht, würde sich unsere Gesellschaft komplett umdrehen. Es würde im Grunde wieder der Mensch und die menschliche und kulturelle Weiterentwicklung ins Zentrum rücken und nicht so sehr die Frage, welche Eigenschaften der nächste VW Golf hat. Die Reproduktion würde mehr in den Mittelpunkt geraten.

    Zum Unterhalt und den Kinderlosen: Da gäbe es keine Ausnahmen. Jeder, der kein Kind großzieht, müsste z. B. von 35 bis 60 Unterhalt zahlen, und zwar unabhängig von seiner Zeugungsfähigkeit. Damit würde auch endlich mehr Gerechtigkeit zwischen den Singles entstehen, denen mal ein Kondom geplatzt ist, und denen das noch nie passiert ist. Denn Erstere müssen schon jetzt Unterhalt für ein Kind zahlen, obwohl sie es vielleicht nie oder nur ganz selten zu Gesicht bekommen.

  50. Ralph Würfel Überzeugungsarbeit @Lena
    19.03.2010, 00:06

    Liebe Lena,
    ihre Überzeugungen in allen Ehren - aber wo bleiben denn die Argumente?
    Was Sie da skizzieren, ist eben das genaue Abbild einer totalitären Gesellschaft ("Da gäbe es keine Ausnahmen"), die Sie im beschaulichen Brustton propagandistischer "Mersch-Musik" wiedergeben, welches sicher nicht die Gesellschaft umdrehen wird, sondern höchstens meinen Magen.
    Aber das steht ja hier nicht zur Debatte, sondern viel mehr die (Wunsch)-Vorstellungen von den netten strickenden und putzenden (auch gar säugenden?)Dienerinnen ihrer Drohnen-Majestät, die ich eigentlich mit dem Ende des letzten Kaiser-Reiches für abgeschafft hielt.
    Die ganze Vorstellung amüsiert mich zwar einerseits, macht mir andererseits auch Angst, es könnte tatsächlich Menschen geben, die so etwas Ernst meinen.
    Aber Moment mal - gibt es diese Bewegung nicht schon? All die militanten Erwecker und Evangelikalen, Jesus-Revolutionsarmeen und religiösen Gegengesellschaften? Doch! Und das ist der Grund, warum ich mich in Diskussionen einmishce und an diesre Stelle sagen muss: STOP!

  51. KRichard @Lena
    19.03.2010, 05:38

    Ihre Vorstellungen sind ja ganz nett, gehen aber komplett an der Realität vorbei.
    Gerade heute früh kam in den Nachrichten, dass wegen der hohen Staatsverschuldung im nächsten Jahr ernsthaft gespart werden wird (wer´s glaubt wird selig). In erster Linie wird man im sozialen Bereich sparen.

    Frauen wurden/werden bei der Arbeitsplatzsuche immer noch extrem benachteiligt. In den letzten Jahrzehnten war es im ´fruchtbaren´ Alter schwierig, einen guten Job zu finden - heute wird der Zeitarbeitsvertrag nicht verlängert.

  52. Ute Gerhardt Wie meinen?
    19.03.2010, 09:46

    Wenn ich das richtig verstehe, soll also quasi das Erziehungsgeld für all die Frauen aufgestockt werden, die außer der Kindererziehung keinem anderen Beruf nachgehen? Das heißt, sie werden dafür bezahlt, daß sie bis zu 5 Kinder großziehen und diese _nicht_ in einen Kindergarten geben? Hat man bedacht, daß es in Kindergärten auch um den Umgang mit (vielen) Gleichaltrigen(!) geht? Hat man bedacht, was mit dem letzten Kind einer FM geschieht, wenn auch das Vorletzte eingeschult wurde? Dann ist das letzte mit Mama alleine zu Hause. Nicht unbedingt der Sozialisierung förderlich...

    Oder was passiert, wenn die FM die Kinder doch in den Kindergarten gibt? Oder wenn die Kinder dann später zwangsläufig in die Schule gehen? Wird sie dann immer noch als FM bezahlt?

    Und inwiefern unterscheiden sich diese FM-Mütter dann von denen, die _keine_ Familienmanagerinnen sind, aber _auch_ Kinder großziehen _und_ während derer Kindergarten- und Schulzeit in einem _anderen_ Beruf arbeiten gehen? Wie ist in den Fällen dann noch zu rechtfertigen, daß die FM für die Erziehung bezahlt wird und die Nicht-FM nicht?

    Impliziert man dadurch nicht automatisch, daß das Erziehungsergebnis bei einer arbeitenden Mutter automatisch schlechter ausfällt als bei einer sog. Familienmanagerin? Hat man bedacht, daß eine gute theoretische Ausbildung noch lange nicht heißt, daß man auch menschlich betrachtet eine gute Mutter ist und gute Erziehungsarbeit leistet?

    Ich persönlich bilde mir ein, meine beiden Kinder (dreieinhalb und fünf Jahre alt, beide im Kindergarten) ganz gut zu erziehen. Sie sind aufgeweckt, ausgeglichen, fröhlich, freundlich und gesund. Aber ich arbeite auch - mit einer kurzen Elternzeit-Unterbrechung - seit fast 16 Jahren Vollzeit(!) in meinem Job als Programmiererin. Der macht mir Spaß, der ist mir wichtig. Ebenso, wie es mir damals mein Studium war. Alleinerziehend bin ich noch dazu. In meinem Kopf und Herz ist nicht nur Platz, sondern in mehrfacher Hinsicht auch die Notwendigkeit für mehr als nur Pädagogik und Kinder. Und ich denke, auch meine Kinder profitieren von dieser Erweiterung meines eigenen Horizonts.

    Ich leiste also im Prinzip beide Jobs, und zwar m. E. gut, verdiene aber nur in einem davon Geld. Irgendwas paßt da wohl nicht ganz... Entweder müssen bitte alle Eltern für die Erziehungsarbeit das gleiche Entgelt bekommen, oder gar keiner.

    Was mir persönlich geholfen hätte, wäre ein Betriebskindergarten. Aber das bzw. die Beteiligung der Arbeitgeber an der Betreuungsproblematik ist dann wohl wieder ein anderes Thema.

  53. Martin Huhn @ Waider
    19.03.2010, 10:12

    Zum Unterhalt und den Kinderlosen: Da gäbe es keine Ausnahmen. Jeder, der kein Kind großzieht, müsste z. B. von 35 bis 60 Unterhalt zahlen, und zwar unabhängig von seiner Zeugungsfähigkeit.

    Und das ganze müßte dann auch noch abhängig vom Lohn sein. Tja, so etwas in der Art gibt es schon und nennt sich Lohnsteuerklasse 1.

    Böse, böse, böse Singles. Bezahlen mehr Steuern, damit der Staat beispielsweise Kindergeld auszahlen kann, bezahlen den gleichen Prozentsatz in die Sozialversicherung ein, obwohl sie keinen Kinderarzt, Schwangerschaftsgynastik, Ultraschallgedöns etc. in Anspruch nehmen. Aber das reicht nicht, die sollen mehr zahlen, noch viel mehr, damit sie die Kinder anderer Leute - was sie eht schon tun - vollends finanzieren, gell.

  54. Martin Huhn @ Gerhardt
    19.03.2010, 10:15

    Impliziert man dadurch nicht automatisch, daß das Erziehungsergebnis bei einer arbeitenden Mutter automatisch schlechter ausfällt als bei einer sog. Familienmanagerin?

    In meinem Kopf und Herz ist nicht nur Platz, sondern in mehrfacher Hinsicht auch die Notwendigkeit für mehr als nur Pädagogik und Kinder. Und ich denke, auch meine Kinder profitieren von dieser Erweiterung meines eigenen Horizonts.

    Was Du anderen vorwirfst machst Du selber.

  55. Lena Waider Totalitär: Wie bitte?
    19.03.2010, 10:20

    Unter totalitär verstehe ich das:

    "No woman should be authorized to stay at home to raise her children. Society should be totally different. Women should not have that choice, precisely because if there is such a choice, too many women will make that one."

    Aus: Sex, Society and the Female Dilemma: A Dialog between Simone de Beauvoir and Betty Friedan, in: Saturday Review, 14.06.1975, 13, S. 16-20, 56

    Unter totalitär verstehe ich, wenn Kindern schon die Milchzähne wegfaulen und sie kaum richtige Bildung bekommen, wenn Frauen arbeiten gehen müssen(!), um ihre Kinder ernähren zu können, wenn Kinderlose (wie hier anzutreffen) meinen, sie hätten ein Recht darauf, dass sie sich ihre Rente von den Kindern anderen finanzieren lassen, wenn Frauen mittlerweile meinen, Kinder ließen sich nur in staatlichen Kindergärten ordentlich erziehen, wenn Menschen meinen, ein BGE ließe sich bezahlen und sei sinnvoll, eine ordentliche Bezahlung für die Erziehungsleistung von Müttern (die auch im Wesentlich gar nicht vom Staat, sondern von Kinderlosen käme), sei unfinanzierbar, wenn Frauen wie immer mehr nach Arbeitsplätzen rufen, obwohl sie den Mangel an Arbeitsplätzen genau mit dieser Rufe erst hervorrufen. Das ist totalitär, diese die ganze Gesellschaft durchziehende fast pathologisch zu bezeichnende alleinige Orientierung hin auf eine Erwerbstätigkeit in der Wirtschaft.

  56. Lena Waider @Ute Gerhard: Immer der gleiche Egoismus
    19.03.2010, 10:46

    "Entweder müssen bitte alle Eltern für die Erziehungsarbeit das gleiche Entgelt bekommen, oder gar keiner."

    In einem Punkt scheint Herr Mersch wirklich recht zu haben. Von dem stammt nämlich der Spruch: Wir haben heute deshalb so viele arme, kranke und in Bildungsferne aufwachsende Kinder, weil Familienpolitik in den letzten 25 Jahren ausschließlich von Frauen bestimmt wurde. Die scheinen nämlich in der Frage nicht in der Lage zu sein, zu teilen.

    Und das scheint mir genau der Punkt zu sein. Es ist Teil unserer arbeitsteiligen Welt (das "Teilen"), dass jemand für eine Tätigkeit aufgrund eines Vertrages bezahlt werden kann. Konkret: Der Pförtner am Firmentor wird bezahlt, die auf die Kinder wachende Mutter auf dem Spielplatz nicht. Ein gleicher Anspruch auf Bezahlung besteht für die Mutter nicht, da sich der Anspruch des Pförtners aus dem Arbeitsvertrag ableitet, und den hat die Mutter nicht. Das ist das Problem.

    Ihr obiger Satz ist Teil dieses allgemeinen Egoismus ("entweder ich auch, oder keine!"), der überhaupt keine Lösungen möglich macht.

    Stellen Sie sich vor, allen Eltern würde ein Erziehungsgehalt für ihre Kinder gezahlt. Wäre das gerecht? Nein, das wäre extrem ungerecht. Weil nun die Frau ohne Job und Ausbildung für das Erziehen ihrer 3 Kinder das gleiche Erziehungsgehalt bekäme wie eine Frau, die wegen ihrer 3 Kinder ihren 4.000-Euro-Job an den Nagel hängen müsste. Mit anderen Worten: Die Berufstätige wird klar benachteiligt.

    Weil die Politik das längst weiß, hat sie das Elterngeld erfunden. Das sollte dazu dienen, die Berufstätigen etwas weniger zu benachteiligen und ihnen auch Kinder zu ermöglichen. Sie hat aber deren heutige Berufswirklichkeit nicht klar genug erkannt, deshalb hat das Elterngeld keine Wirkung hinterlassen. Beim Elterngeld bestehen aber im Grunde gemäß Ihrer Argumentation noch viel größere Ungerechtigkeiten, denn nun bekommt die arbeitslose Hochschulabsolventin für das Aufziehen ihres Kindes 300 Euro, die mit dem Job aber z. B. 1.600 Euro. Und diese Unterschiede wurden von Frauen verabschiedet!

    Man kann nicht allen Frauen ein gleiches Erziehungsgehalt zugestehen. Die Politik würde das meiner Meinung nach sogar tun, wenn es denn möglich wäre, ist es aber nicht. Das große Problem dabei ist nicht die Finanzierung, sondern (abgesehen von der bereits berichteten Ungerechtigkeit den Berufstätigen gegenüber, die das alles zu bezahlen hätten) die Möglichkeit der Selbstbedienung: Ist das Gehalt ausreichend, kann jemand den Anspruch ungefragt selbst generieren. Darauf haben zahlreiche Experten hingewiesen. Die Forderung ist aus diesem Grund extrem unethisch und würde möglicherweise sogar zu einer Bevölkerungsexplosion führen.

    Aber egal: Das Problem der immer ärmer werdenden Kindern ist der Bevölkerung scheinbar egal. Ich glaube nicht, dass vielen bewusst ist, wie groß das Problem wirklich ist, auf das wir aktuell zusteuern. Ein Problem haben wir immer nur, wenn die Wirtschaft einbricht. Dann müssen Milliarden an Abwrackprämien aufgewendet werden, damit Menschen in Arbeit bleiben. Den Kindern faulen in der Zwischenzeit wieder ein paar Zähne mehr weg.

    Es soll bitte später keiner sagen, die Wirtschaft oder die Politik wäre für die Entwicklung verantwortlich gewesen. Die waren es in dem Falle wirklich nicht. Es war der generelle Schrei Ich Ich Ich. Womit wir wieder beim Film wären.

  57. Lena Waider @Martin Huhn: 2 Generationenrechnung
    19.03.2010, 11:03

    "Böse, böse, böse Singles. Bezahlen mehr Steuern, damit der Staat beispielsweise Kindergeld auszahlen kann, bezahlen den gleichen Prozentsatz in die Sozialversicherung ein, obwohl sie keinen Kinderarzt, Schwangerschaftsgynastik, Ultraschallgedöns etc. in Anspruch nehmen. Aber das reicht nicht, die sollen mehr zahlen, noch viel mehr, damit sie die Kinder anderer Leute - was sie eht schon tun - vollends finanzieren, gell."

    Das ist einer der Gründe für unser gesellschaftliches Problem: die Menschen können nicht rechnen.

    Unternehmen rechnen so: Der Forscher für unsere Medikamente kostet uns 25 Jahre lang nur Geld. Viel Geld. Gewinne wirft er erst ab, wenn die Medikamente der nächsten Generation (!) auf den Markt kommen, an deren Entwicklung er beteiligt war. Das ist aber erst in 25 Jahren.

    Kein Mitarbeiter bei der Herstellung der Pillen würde auf die Idee kommen zu behaupten, dass er mit seinem Job (der aktuell gewinnbringend ist) den Forscher bezahlt und der doch bitte deshalb eine eine Bezahlung verzichten solle. Alle wissen: Wir können nur deshalb Geld verdienen, weil die Forscher der vorherigen Generation so gute Medikamente entwickelt haben. Und deshalb bezahlen wir die heutigen Forscher, damit die Arbeitnehmer in 25 Jahren noch immer in diesem Unternehmen gutes Geld verdienen können.

    So denken Unternehmen, so denken Mitarbeiter in Unternehmen. Die rechnen nämlich immer in 2 Generationen, und nicht in einer, wie der moderne Ichling, der kein Morgen kennt.

    Wer ist der größte Steuerzahler in einem Sozialstaat? Derjenige mit dem Hochschulabschluss und dem gut bezahlten Job? Nein, es ist die Mutter mit den 4 Kindern, die vorher ggf. sogar noch etwas studiert hat, diesen Beruf dann aber nicht ausgeübt hat.

    Warum? Weil man in einer Gesamtkostenrechnung auch ihren "Output" mitberücksichtigen muss, nämlich die 4 guten Steuerzahler, die sie auf den Weg gebracht hat. Die zahlen aber erst in der nächsten Generation.

    So einfach sieht die Welt aus, wenn man rechnen kann.

  58. Lena Waider Der Ichling und die Ursachen
    19.03.2010, 11:25

    Diese unsere Gesellschaft funktioniert nur deshalb einigermaßen gut, weil unsere Mütter einen guten Job gemacht haben, und zwar trotz Krieg, Hitler und Co.

    Und obwohl ihnen die Männer dabei die ganze Zeit in den Ohren gehangen haben, nur das, was sie machten, sei im Grunde wichtig. Deshalb sollten sie mal schön still sein, denn nur er bringe das Geld nach Hause.

    Die heutigen Frauen haben denen das schlussendlich geglaubt. Nun sind auch die meisten Frauen der Meinung, nur die Arbeit draußen in der Wirtschaft sei wichtig. Nur wer dort arbeitet und Geld verdient, der leiste etwas. Die unschätzbare Leistung von Frauen, die alles kulturell Wertvolle an ihre Kinder weitergegeben haben, zählt dagegen heute nichts mehr. Nun kann auch jede kinderlose Frau einer engagierten Mutter vorrechnen, dass sie ihr in Wirklichkeit auf der Tasche liege.

    Und wir wundern uns über den modernen Ichling, wenn die großen sozialen Leistungen heute nichts mehr wert sind? Wenn die großen sozialen Leistungen nicht einmal mehr als solche erkannt werden?

    Mersch hat das mir gegenüber in einem email einmal so ausgedrückt: "Mein Vater hatte ein mittelständiges Unternehmen, meine Mutter war Hausfrau und Mutter von 4 Kindern. Das, was mein Vater geschaffen hat, gibt es längst nicht mehr, das von meiner Mutter aber alles noch."

    Wir haben heute ein gesellschaftliches Problem, das eine ganz andere Ursache hat, als wo alle immer hinschauen.

  59. Martin Huhn @ Waider
    19.03.2010, 11:50

    So einfach sieht die Welt aus, wenn man rechnen kann.

    Zum Glück müssen Ingenieure nicht so viel rechnen (ich bin nämlich einer). Die denken sich einfach was aus und dann gibt es Brücken, Häuser, Autos, Handys, Computer ...

    Allerdings scheint mir die Rechnung doch etwas unvollständig zu sein. Ok, sie darf ruhig vereinfachend sein, daß alle Kinder studieren und später erfolgreich sind und viel steuern zahlen. Geschenkt. Aber warum nur bis zur 2. Generation? Es gibt doch auch noch die 3. und die 4. und n. solange diese steuerzahlenden Akademiker selber Kinder haben. Ich hingegen, der Single ohne Kinder, der hat nur in der Kürze seines Erwerbslebens Steuern gezahlt, weil nichts mehr nachkommt. Endlich verstehe ich das Prinzip. Ja, da muß man erstmal drauf kommen. Vielen Dank, nun weiß ich Bescheid. Vielleicht sollte ich einen Kredit aufnehmen um damit mehr Kindergeld zu finanzieren, denn was sind meine kleckerlichen Beiträge gegenüber einem Heer von Generationen?

  60. Balanus Ichling und Ursachen /@Lena Waider
    19.03.2010, 11:57

    An dieser Stelle möchte ich mal kurz einwerfen, was Sarah Hrdy kürzlich in einem Interview gesagt hat:

    "Hrdy: Eben nicht. Mutter Natur, meine Metapher für die Evolution, hat uns keinen Kinderwunsch eingepflanzt. Sie schuf uns so, dass wir genug Nahrung und Fett für den Eisprung bekommen, Sex haben und dadurch von selbst Kinder bekommen. Und sie legte Primaten darauf an, andere zu kontrollieren und nach Status zu streben, weil das die eigenen Fortpflanzungschancen verbessert. Wenn wir heute die Wahl haben, entscheiden wir uns daher natürlicherweise für Statusgewinn – und versuchen als Frauen, die erste Geburt so weit wie möglich hinauszuschieben."

    http://www.zeit.de/2009/48/Klein-Muetter-48

  61. Ute Gerhardt @Lena Waider
    19.03.2010, 12:47

    Zitat: "Weil nun die Frau ohne Job und Ausbildung für das Erziehen ihrer 3 Kinder das gleiche Erziehungsgehalt bekäme wie eine Frau, die wegen ihrer 3 Kinder ihren 4.000-Euro-Job an den Nagel hängen müsste. Mit anderen Worten: Die Berufstätige wird klar benachteiligt."

    Genau andersherum wird ein Schuh daraus. Die berufstätige Mutter wird dann benachteiligt, wenn sie für die Kindererziehung _nichts_ erhält. Weil sie nämlich gleichzeitig auch als Familienmanagerin tätig ist, aber dafür im Gegensatz zur offiziellen FM nix bekommt. Und das nicht, weil sie in dem Job weniger leistet, sondern schlicht deshalb, weil sie es wagt, auch noch einen anderen Job auszuüben. Bitte wo bleibt da der Grundsatz "Gleiches Geld für gleiche Arbeit?"

    Hinzu kommt: Wenn alle Frauen aufhören zu arbeiten, um sich als Familienmanagerinnen nur den Kindern zu widmen, dann bin ich gespannt, wie lange das Geld des Staates zur Bezahlung derselben reichen würde.

    Und bitte nun nicht argumentieren, dann kämen ja endlich all die anderen Arbeitslosen zum Zuge, die diese Stellen dann besetzen könnten. Der Mangel an Stellen ist in D nämlich nur zeitweilig das Hauptproblem. Der Mangel an qualifizierten, willigen und auf die offenen Stellen passenden Kandidaten ist ein zweites, das aber gerne im Rahmen der Gutmenschen-Sozialromantik unter den Teppich gekehrt wird.

  62. Lena Waider @Martin Huhn: Rechnungen
    19.03.2010, 13:23

    "Ok, sie darf ruhig vereinfachend sein, daß alle Kinder studieren und später erfolgreich sind und viel steuern zahlen. Geschenkt."

    Auch ein Unternehmen geht davon aus, dass nicht jedes Ergebnis ihrer F&E-Abteilungen später der große Renner wird. Es versucht aber die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen. Üblicherweise gelingt das dadurch am besten, indem man die fähigsten Köpfe in die Reproduktion (F&E) steckt, und nicht die, für die man in der Produktion keine Verwendung mehr hat. Sie verstehen, was ich meine?

    "Aber warum nur bis zur 2. Generation?"

    Ich denke, das liegt auf der Hand.

    Und deshalb rechnet jedes Unternehmen so: Kosten/Nutzen einer Forschungsabteilung lassen sich nur ermitteln, wenn man auch deren "Output" in die Kalkulation mit einbezieht. Deren Aufgabe ist es, die neuen Produkte zu liefern, die das Unternehmen in der nächsten Produktgeneration verkaufen möchte. Berücksichtigt das Unternehmen dies nicht, müsste es die F&E-Abteilungen sofort schließen, da diese in der aktuellen Generation nur Kosten produzieren.

    Genau so haben Sie argumentiert. Sie wollten mir doch tatsächlich vorrechnen, dass Sie mit ihren Steuerzahlungen das Vergnügen der Familien finanzieren. Dabei sind es die, die die nächte Generation erst entstehen lassen. Mit ihrer Argumentation muss ich auch nicht über Staatsverschuldung und Klimawandel nachdenken. Warum jetzt etwas für den Erhalt des Klimas tun, wenn der doch ohnehin erst in den nächsten Generationen so richtig durchschlägt?

    Ihre Argumentation ist die klassische Ichling-Argumentation. Der Gedanke, dass wir eine Gemeinschaft sind, die für die anstehenden gesellschaftlichen Aufgaben gemeinschaftlich aufkommen muss und auch für die nächsten Generationen Verantwortung hat (Generationengerechtigkeit!), scheint Ihnen nicht in den Sinn zu kommen.

  63. Martin Huhn @ Gerhardt
    19.03.2010, 13:38

    Genau andersherum wird ein Schuh daraus. Die berufstätige Mutter wird dann benachteiligt, wenn sie für die Kindererziehung _nichts_ erhält.

    Da sie arbeitet und Geld verdient zahlt sie auch in die Rentenkasse ein. Für das Kind wird ja dann von der Allgemeinheit ein Kindergartenplatz gestellt (theoretisch). Wohingegen die FM leer ausgeht.

    Ich persönlich habe nichts gegen Kindergärten einzuwenden (kommt auch auf den Kindergarten an), aber Kinderkrippen sehe ich sehr kritisch. Diese Model wird aber gefördert mit viel Geld. Das ist für mich der falsche Weg. Kinder unter drei Jahren sollten besser bei der Mutter bleiben. Das ist gut für das Kind und gut für die Mutter. Deshalb sollten Mütter, die ihre Kinder nicht in die Krippe schicken und damit "Krippengeld" sparen, dieses Geld sollte in ihre Rente eingezahlt werden.

  64. Lena Waider @Ute Gerhard
    19.03.2010, 13:43

    "Bitte wo bleibt da der Grundsatz 'Gleiches Geld für gleiche Arbeit?'"

    Diesen Grundsatz gibt es nicht und hat es nie gegeben. Es gibt nur den Grundsatz: Gleiches Geld für gleiche Arbeit unter dem gleichen Arbeitsvertrag!

    Selbst eine Sekretärin verdient in München mehr als in Sachsen-Anhalt, auch wenn die eigentlich den gleichen Job macht. Und wenn der Arzt dem kleinen Mädchen ein Pflaster aufklebt, dann ist das eine Leistung, die er abrechnen kann, machen das Mami oder Papi, dann wird das nicht bezahlt, selbst wenn es sich dabei nicht um ihr Kind handelt, sondern um die Freundin der eigenen Tochter.

    Es ist nun mal so, dass Arbeitsteilung "teilen" heißt. Mit dem ständigen Egoismus, der das für sich beansprucht, was anderen aufgrund einer vertraglichen Regelung (die u. a. beinhaltet, dass man nicht nebenher noch arbeiten gehen darf) zusteht, kommen wir nicht mehr weiter. Die Katastrophe steht unmittelbar vor der Tür.

    "Hinzu kommt: Wenn alle Frauen aufhören zu arbeiten, um sich als Familienmanagerinnen nur den Kindern zu widmen, dann bin ich gespannt, wie lange das Geld des Staates zur Bezahlung derselben reichen würde."

    Wo stand denn das? Das Konzept (jemand hatte es gepostet) besagt doch ausdrücklich: Der Staat rechnet aus, wieviele FMs er aufgrund der aktuellen Geburtenzahlen braucht. Wenn die ohnehin schon (z. B. aufgrund der Unterhaltszahlungen bei Kinderlosigkeit) gegen 1,8 geht, dann würde der Staat überhaupt keine FMs einstellen, denn wozu? Es werden doch auch so genügend Kinder geboren!

    "Der Mangel an qualifizierten, willigen und auf die offenen Stellen passenden Kandidaten ist ein zweites, das aber gerne im Rahmen der Gutmenschen-Sozialromantik unter den Teppich gekehrt wird."

    Das stimmt zum Teil. Es gibt aber auch heute sehr viele qualifizierte Menschen mit prekären Arbeitsplätzen und ohne Job. Auch gibt es viele Personen ab 50, die eigentlich qualifiziert sind, aber keine Arbeit mehr finden.

    Immerhin würden die FMs nicht mehr auf den normalen Arbeitsmarkt drängen und diesen hierdurch massiv entlasten. Und sie würden Stellen schaffen für Personen mit geringeren Qualifikationen. Das ist doch auch schon mal was.

  65. Martin Huhn @ Waider
    19.03.2010, 13:57

    Ihre Argumentation ist die klassische Ichling-Argumentation. Der Gedanke, dass wir eine Gemeinschaft sind, die für die anstehenden gesellschaftlichen Aufgaben gemeinschaftlich aufkommen muss und auch für die nächsten Generationen Verantwortung hat (Generationengerechtigkeit!), scheint Ihnen nicht in den Sinn zu kommen.

    Selbstverständlich sind wir eine Gemeinschaft, sogar eine Solidargemeinschaft. Zwar nicht mehr ganz solidarisch wie vor ein paar Jahren, aber immer noch solidarisch. Dagegen habe ich auch gar nichts gesagt. Ich habe ihrer Forderung entgegnet, daß kinderlose Singels kräftig für die Familien zahlen sollen, die kinderlosen Singles jetzt schon kräftig zahlen. Das ist die Solidargemeinschaft. Aber das ignorien sie einfach und unterstellen mir nur an mich selbst zu denken.

    Mal abgesehen davon, finde ich das etwas heikel Menschen in Form von Sonderzahlungen zu bestrafen, wenn sie keine Kinder haben. Was wissen Sie denn schon, warum die Menschen keine Kinder haben? Meinen Sie, weil das alles Egoisten sind?
    Übrigens, der Egoismus kann sehr verschiedene Gesichter haben. Das kann auch so ein Mutter-Familien-Egoismus sein. Alles für die Familie, alles für die Kinder, Hauptsache mir und meinen Kindern geht es gut. Sollen die anderen mal dafür zahlen.

    Also, ihre "Milchmädchenrechnung" kann mich nicht überzeugen und Familien mit Wirtschaftsunternehmen, die Marktgesetzen unterworfen sind gleichzustellen, da kann ich auch Birnen und Äpfel in Topf schmeißen und es als Pflaumenkompott verkaufen wollen. Es paßt nicht.

  66. Lena Waider @Martin Huhn
    19.03.2010, 14:33

    "Ich habe ihrer Forderung entgegnet, daß kinderlose Singels kräftig für die Familien zahlen sollen, die kinderlosen Singles jetzt schon kräftig zahlen."

    Ist das so?

    Hier 4 Beispiele:
    1. Hans ist Single und kinderlos. Er hat eine gute Ausbildung und verdient 5.000 Euro Brutto im Monat.
    2. Werner ist Single. Allerdings zahlt er Unterhalt für ein uneheliches Kind, welches Ergebnis eines ONS ist. Das Kind sieht er nur ganz selten, da er bei München, die Mutter aber in Flensburg lebt. Er hat eine gute Ausbildung und verdient 5.000 Euro Brutto im Monat.
    3. Susanne ist Single und hat ein Kind. Sie ist Alleinerziehende. Aufgrund ihres Kindes arbeitet sie nur halbtags. Sie ist froh über die regelmäßigen Unterhaltszahlungen, die sie vom Vater erhält. Sie hat eine gute Ausbildung und verdient 1.800 Euro Brutto im Monat.
    4. Josef und Maria sind verheiratet und haben 2 kleine Kinder. Ihren leitenden Job, bei dem sie viel unterwegs war, musste Maria wegen der Kinder aufgeben. Wenn sie größer sind, will sie wenigstens wieder halbtags arbeiten gehen. Josef hat eine gute Ausbildung und verdient 5.000 Euro Brutto im Monat.

    Fragen:
    a) Wer von den oben genannten Personen hat das meiste Geld für sich persönlich, kann also am meisten konsumierne (Auto, Urlaub etc.)?
    b) Wer hat später Anspruch auf die höchste Rentenzahlung?
    c) Wer bezahlt Hans später dessen Rente?

  67. Ralph Würfel totalitär @ Lena
    19.03.2010, 17:37

    Meine Teure,
    Sie reden sich Ihre Definitionen zusammen, wie es Ihnen gerade in den Sinn kommt. Bleiben wir doch bitte bei den allgemein akzeptierten.
    Von totalitären Gesellschaften reden wir, wenn eine diktatorische Herrschaftsform in alle sozialen Bereichen hineinwirkt, die Entwicklung des Einzelnen unter die der Gemeinschaft stellt und bestrebt ist, diese nach einer bestimmten Ideologie zu formen. (Quelle: Wikipedia, "Totalitarismus")

    Sie werfen "wenn Kindern schon die Milchzähne wegfaulen" (welch ein Zusammenhang) zusammen in einen Topf mit "wenn Frauen wie immer mehr nach Arbeitsplätzen rufen, obwohl sie den Mangel an Arbeitsplätzen genau mit dieser Rufe erst hervorrufen".
    Das erste ist sicher eine hygienische Schlamperei gewisser Elternteile, aber sicherlich nicht staatsverordnet. Das zweite ist schlichtweg Unfug. Der Mangel an Arbeitsplätzen in unserer Gesellschaft hat viele Ursachen, nicht nur eine. Schauen Sie mal bei Günter Ogger "Die Abgestellten" rein. Man muss bestimmt nicht alle Auffassungen des Autors teilen, aber lehrreich ist es allemal.
    Aber berufstätigen Frauen zu unterstellen, sie allein nähmen der (männlichen?) Gesellschaft die Arbeitsplätze weg, greift so kurz, wie die meisten Ihrer Argumente.

    Zum Beispiel ist eines Ihrer liebsten Argumente, dass Mütter von 4 Kindern viel mehr in die Kassen einzahlen, weil man die zukünftigen Einzahlungen ihrer Kinder ja mitrechnen müsste. Dies ist absurd, denn sie rechnen sie quasi zweimal - einmal auf Mütterseite und einmal für sich selbst. Auch wissen wir ja gar nicht, wie diese sich entwickeln - Auswandern? ALG II? Steuerhinterziehung? Pflegefall mit 25? (All das soll natürlich bitte nicht eintreten!)
    Die Welt ist wohl doch nicht so einfach, wie Sie sie sich herbei definieren.

  68. Ralph Würfel Ichling-Kultur - was ist das eigentlich? @alle
    19.03.2010, 18:31

    So spannend und heiß die Diskussion an dieser Stelle ist – ich habe noch ein paar Bemerkungen zum eigentlichen Thema.
    Zuvor möchte ich anmerken, dass ich den Terminus eigentlich recht scheußlich finde – gibt es da keinen besseren?
    Im Verlaufe der Diskussion stieg in mir der Verdacht auf, dass es eine „gefühlte“ Übereinkunft in der Begrifflichkeit bzw. im Phänomen gibt. Dennoch meine ich, wir sollten noch ein wenig über die Grundlagen diskutieren – wie definieren wir den Begriff „Ichling“ bzw. „Ichling-Kultur“ eigentlich? Welche Aspekte gibt es und welche Auswirkungen (positiv und negativ)? Muss diese Kultur überwunden werden (und wenn ja – mit welchem Ziel)?
    Ich fände es wichtig, darüber mehr zu diskutieren, und die recht fruchtlosen Streitereien (die noch endlos weiter gehen können) zunächst beiseite zu legen.

  69. Mona Politisch so gewollt
    19.03.2010, 19:20

    Als Ursula von der Leyen seinerzeit Familienministerin wurde, dachten eigentlich alle nun würde es besser werden. Leider setzte sie, ebenso wie ihre Vorgängerinnen, auf die volle Erwerbstätigkeit der Mütter. Von der staatlichen Fremdbetreuung profitieren jedoch in erster Linie Doppelverdienerhaushalte in Ballungsgebieten. Der Politik geht es in erster Linie darum, den Arbeitsmarkt zu bedienen und Steuern zu kassieren. Mütter können kaum mehr zwischen Arbeit und Kindererziehung wählen.

    Andere Familienmodelle stehen überhaupt nicht zur Diskussion. Auch wenn hier andere Modelle angedacht werden, egal ob sie vernünftig sind oder nicht, so glaube ich kaum, dass sich in den nächsten Jahren viel ändern wird. Außerdem scheint es mir in unserer Gesellschaft auch wenig Solidarität zu geben, deshalb sollte man sich einmal Gedanken in Richtung „Work-Life-Balance“ machen.
    Siehe dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Work-Life-Balance

    @Ralph Würfel
    Was Michael Blume unter einem „Ichling“ versteht, kann man auf seinem alten Blog nachlesen: http://religionswissenschaft.twoday.net/...090356/
    Ich werde mich evtl. später dazu äußern.

  70. Ralph Würfel kein Betreff
    19.03.2010, 20:12

    Zitat M. Blume "Ichlinge sind Menschen, die weder für eigene Kinder noch die Kinder anderer dauerhaftes, lebensförderliches Engagement aufzubringen bereit sind."

    Aber dann handelt es sich ja um einen "Typus" - von einer ganzen Kultur (auch nur im engeren Sinne von "Zeitgeist") zu sprechen, halte ich für recht übertrieben. Denn dieser Typus dominiert unsere Kultur ja schließlich nicht, sondern ist eine (wenn auch sicher nicht gerade kleine) Minderheit.

  71. Michael Blume @ Ralph Würfel
    19.03.2010, 20:21

    Ja, selbstverständlich ist der übersteigerte Egoismus nur ein Merkmal unserer Kultur, allerdings schon ein gewichtiger.

    Wenn wir über Verantwortung für Kinder (die eigenen und bzw. oder die anderer) sprechen, geht es ja schließlich auch um "Kleinigkeiten" wie die Verschuldung, die Vernichtung von Natur, den Verbrauch nicht nachwachsender Rohstoffe und millionenfacher Hunger z.B. von Kindern in Afrika. Zwar stehen dem auch große Leistungen entgegen, dennoch bin ich der Auffassung, dass unsere Kultur derzeit weder demografisch noch ökologisch oder ökonomisch nachhaltig lebt. Und finde, dass es eine Aufgabe von Kunst und Kultur (einschließlich Blogs und guter Filme) ist, dafür Räume der Reflektion zu schaffen.

    Wobei ich über Ernst, Tiefe und auch Strenge der Debatte etwas überrascht bin, die von einer Kinorezension ausgelöst wurde... *Sciblogger staunt und freut sich*

  72. Ute @Waider
    19.03.2010, 20:33

    Ich rede nicht über regionale Unterschiede in der Bezahlung. "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" wird zumindest innerhalb der selben Firma gefordert, und das zu recht. Mit dem selben Recht kann man es also auch für alle Mütter in einem Staat fordern, denn er ist in diesem Fall auch nix anderes als ein Arbeitgeber.

    Sie vergleichen Äpfel mit Birnen und stellen Zusammenhänge her, wo keine sind. Aber das macht mir keine Sorgen, das ist ein individuelles Verständnisproblem. Ich finde es nur erstaunlich, daß nach Eva Hermann nun auch noch halbwegs intelligente Frauen wieder anfangen, ihresgleichen wieder an den Herd verdammen zu wollen. Und ausgerechnet so jemand fordert dann auch noch von eben diesen anderen Frauen Solidarität - das nenne ich mal Chuzpe. Am liebsten würde ich Alice Schwarzer mal zu diesem Dialog hier einladen - hej, das wäre ein Spaß! *g*

    Aber wir Wirtschaftswissenschaftler kennen diese Reden schon. In Zeiten von Arbeitslosigkeit wird das immer wieder versucht. Und sobald die Wirtschaft wieder Aufschwung bekommt, sollen die Frauen gefälligst alle wieder rein in die Industrie. Nix weiter als eine Art Konjunkturzyklus, diese Argumentation. Das legt sich ganz von alleine wieder, da bin ich völlig ohne Sorge.

  73. Ute PS:
    19.03.2010, 21:04

    Ausgesprochen erheiternd finde ich auch den Hinweis, der Staat würde eben nur so viele Familienmanagerinnen einstellen/bezahlen, wie er für nötig erachtet.

    Und dann, wenn die Quote erfüllt ist? Alle anderen Frauen werden sterilisiert? Nein, sicher nicht, hoffe ich doch mal. Diese Frauen bekommen ihre Kinder dann quasi nur zum Spaß, ohne Entgelt für die Erziehungsarbeit. Aber der Staat profitiert anschließend von dieser Erziehungsarbeit und den darin heranwachseneden neuen Bürgern ebenso, wie von den Kindern, die durch die bezahlten Familienmanagerinnen großgezogen werden.

    Ein lustiges Modell. Aber keins für Bürgerinnen mit Grips.

  74. Ute PPS:
    19.03.2010, 21:19

    *grins* Ich wäre übrigens dafür, die bezahlten Familienmanagerinnen dann bitteschön auch nur von gründlich durchgecheckten und zertifizierten Samenspendern befruchten zu lassen, deren genetische Unversehrtheit, IQ und generelle Konstitution schriftlich bestätigt wurde. Denn wenn man auserwählte Damen dafür bezahlt, daß sie den Nachwuchs des Staates großziehen, dann muß schließlich auch eine gewisse Qualitätskontrolle gewährleistet sein.

    Und wenn wir schon dabei sind, könnte man auch gleich die Eizellspende in Deutschland legalisieren. Das Sperma alleine macht ja noch kein Kind...

    Die anderen Mütter können ihre Kinder natürlich bekommen, mit wem sie möchten. Die machen das ja auf eigenes Risiko und Kosten. Diese biologische Freiheit ist dann ihre Entschädigung dafür, daß der Staat die Früchte ihrer Bemühungen abgreift, ohne sie so zu entlohnen wie die Familienmanagerinnen. ^^

    *flitz*

  75. Lena Waider @Ralph Würfel - totalitär
    19.03.2010, 21:26

    "Sie reden sich Ihre Definitionen zusammen, wie es Ihnen gerade in den Sinn kommt. Bleiben wir doch bitte bei den allgemein akzeptierten.
    Von totalitären Gesellschaften reden wir, wenn eine diktatorische Herrschaftsform in alle sozialen Bereichen hineinwirkt, die Entwicklung des Einzelnen unter die der Gemeinschaft stellt und bestrebt ist, diese nach einer bestimmten Ideologie zu formen. (Quelle: Wikipedia, 'Totalitarismus')"

    Dann verstehe ich leider nicht, wie Sie diesen Begriff hier einstreuen konnten.

    Wenn nun plötzlich wie durch ein Wunder statt 670.000 Kinder 1,3 Millionen Kinder pro Jahr geboren werden, wird der Staat dann in 5 Jahren Menschen anweisen, Grundschullehrer zu werden? Das wäre totalitär. Nein, er wird es wie immer tun: Er wird die zusätzlich benötigten Lehrer über den Arbeitsmarkt rekrutieren. Er würde die Bedingungen nennen und auf Bewerber hoffen.

    Genauso würde es auch bei der FM laufen. So könnte der Slogan lauten: "Hey Leute, ihr habt sicherlich auch schon mitbekommen, dass man bei den Unternehmen aktuell nicht gerade offene Türen einrennt. Ein riesengroßer Arbeitsbedarf besteht aber nachwievor bei mütterlichen Leistungen. Schon seit 40 Jahren werden bei uns nur 1,3 bis 1,4 Kinder pro Frau geboren. Das sind nicht viele und das ist nicht gut. Wir wollen das jetzt ändern. Und deshalb suchen wir Frauen und Männer, die diesen Job gerne machen möchten. Voraussetzung sind bestimmte Qualifikationen, da die Personen in der Regel für viele kleine Menschen Verantwortung tragen und vielleicht auch noch einige Kinder aus anderen Familien tagsüber betreuen werden. Wir zahlen übrigens richtig gut, da uns das alles so am Herzen liegt. Für unsere Kinder wollen nämlich nur das Beste. Also liebe Bürgerinnen und Bürger, schickt uns eure Bewerbungen zu. Wir warten auf Euch! Eure Angela"

  76. Lena Waider @Mona U.v.d.L.
    19.03.2010, 21:39

    Die Welt schrieb vor einiger Zeit dazu:

    "Unter von der Leyen hat in der Familienpolitik ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Früher stand das sozialpolitische Ziel im Vordergrund, Familien materiell vor allem durch Kindergeld und steuerliche Vorteile zu fördern. 'Das Ziel heute ist es, die Erwerbstätigkeit der Mütter zu steigern', sagt Familienexperte Stefan Fuchs vom Institut für Demografie, Allgemeinwohl und Familie (IDAF). An der Norm der doppelt berufstätigen Eltern setze nicht nur das einkommensbezogene Elterngeld an, sondern auch der Krippenausbau und die Reform des Unterhaltsrechts."

    Mit anderen Worten: Es soll wirklich jegliche noch verfügbare Humanressource in den Arbeitsmarkt geschmissen werden. Mütter sollen kurz ihre Kinder werfen und dann rasch wieder arbeiten gehen, weil wir haben ja einen soooooooo riesig großen Bedarf an Arbeitskräften, jedenfalls im Vergleich zu qualifizierten mütterlichen Leisten, gell?

    Ich befürchte, dass sie als Arbeitsministerin noch mehr Unsinn verzapfen wird.

    Ich sehe das im Grunde genauso wie Sie: Es muss sich etwas ändern. Die Maßnahmen können aber nicht klein, sondern nur noch sehr groß sein, meinetwegen auch so etwas, was Sie vorschlagen (ist m. E. noch schwerer zu realieren als die FM, weil der Staat dann sehr stark in die Hoheit von Unternehmen eingreifen müsste). Aber diese Kleinstmaßnahmen wie Elterngeld oder hier und da ein paar Krippen sind albern. Sie verkennen, wie groß das Problem wirklich ist. Da rollt ein Tsunamie heran ...

  77. Ute @Martin Huhn
    19.03.2010, 21:47

    Ui, den lese ich jetzt erst: "Was Du anderen vorwirfst machst Du selber."

    Nein. Ich widerspreche nur der Andeutung daß arbeitende Mütter automatisch die schlechteren sind. Ich (als Individuum!) wäre nämlich eine schlechtere Mutter, wenn ich _nicht_ zusätzlich in meinem eigentlichen Beruf arbeiten könnte. Weil ich einfach 'nen Rappel bekommen würde und als "reinblütige" Hausfrau unausgeglichen wäre. Für meine Kinder wäre das sicherlich nicht toll. Daß ich arbeite, bedeutet sicherlich, daß ich nicht ganz so viel Zeit mit ihnen verbringe wie andere Kindergartenmütter mit ihren Kindern. Aber dafür kann ich meinen Kindern eben andere Dinge "bieten" - Erfahrungswerte aus der Industrie zum Beispiel. Das mag momentan noch keine so große Rolle spielen. Später dafür um so mehr.

    Aber die Patin meiner Tochter zum Beispiel übt ihren alten Beruf neben ihren Kindern nicht mehr aus, und ich würde 'nen Teufel tun, ihr zu unterstellen, daß diesen Kindern dadurch irgendetwas entgeht oder fehlt. Sie hat nur einen völlig anderen Lebensentwurf als ich ihn mir für mich vorstellen könnte. Sie geht in Haushalt & Co völlig auf. Ihre Kinder beneide ich ein wenig darum, wie toll sie von ihrer Mutter immer bebastelt und benäht werden. Das wiederum kann _ich_ nicht leisten - das ist einfach nicht mein Ding.

    @ all: Ich bitte übrigens auch folgendes bei der ganzen Debatte mal zu bedenken: Kinder gehen irgendwann aus dem Haus. Ich persönlich werde zu dem Zeitpunkt Anfang 50 sein. Andere erst Anfang oder Mitte 40. Eine gescheite Rente bekomme ich aber erst mit 67. Das heißt, daß ich - wäre ich Familienmanagerin - dann noch 25 Jahre ohne Kindererziehung überbrücken müßte, um im Alter nicht komplett zu verarmen. Aber nach 20 oder auch nur 10 Jahren wieder zurück in den Beruf? Das ist fast schon utopisch. Zumal, wenn man wie ich im IT-Bereich arbeitet.

  78. Kunar Wieso Krise?
    19.03.2010, 21:51

    Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht ist das keine Krise. Eine Gesellschaft, die ihrem Weiterbestand nicht genügend Wert beimisst, muss anderen Platz machen. Klingt doch beruhigend, dass nur die Kulturen überleben können, die Kinder und Familie nicht verachten oder als Ballast ansehen.

  79. Kunar Warum auch?
    19.03.2010, 21:55

    @Ute

    Wo wäre auch der Sinn darin zu sehen, Frauen erst hohe Bildung und Ausbildung zu verschaffen, damit sie dann vollkommen als Hausfrau und Mutter beschäftigt werden? Die radikale andere Möglichkeit, Frauen keine Bildung und Ausbildung zuzugestehen, wollen wir erst gar nicht in Betracht ziehen. Also muss ein gesundes Mittelmaß her. Übrigens kenne ich genügend Mütter, die in der IT tätig sind und gute Arbeit leisten. Ich könnte sie mir weder nur als Hausfrau noch nur als Berufstätigte vorstellen.

  80. Ute @Waider
    19.03.2010, 22:12

    "Mit anderen Worten: Es soll wirklich jegliche noch verfügbare Humanressource in den Arbeitsmarkt geschmissen werden. Mütter sollen kurz ihre Kinder werfen und dann rasch wieder arbeiten gehen, weil wir haben ja einen soooooooo riesig großen Bedarf an Arbeitskräften, jedenfalls im Vergleich zu qualifizierten mütterlichen Leisten, gell?"

    Nein. Es soll z.B. durch das verdienstorientierte Elterngeld nur verhindert werden, daß bisher mäßig bis gut Verdienende komplett vom Kinderbekommen abgeschreckt werden. Weil Kinder nämlich momentan nach wie vor das größte Armutsrisiko in Deutschland darstellen.

    Des weiteren ist das Problem nicht von der Hand zu weisen, daß gerade Akademiker immer weniger Kinder in die Welt setzen. Die haben lange in ihre Ausbildung investiert und möchten verständlicherweise auch irgendwann mal eine Rendite dieses langen Lernprozesses sehen. Ihr Einkommensverlust in der Elternzeit ist also absolut gerechnet wesentlich höher als der des durchschnittlichen Nichtakademikers. Auch dem soll durch die von Ihnen zitierten Maßnahmen entgegengewirkt werden.

  81. Lena Waider @Ute
    19.03.2010, 22:20

    "Mit dem selben Recht kann man es also auch für alle Mütter in einem Staat fordern, denn er ist in diesem Fall auch nix anderes als ein Arbeitgeber."

    Nein, aktuell ist der Staat nicht der Arbeitgeber von Müttern. Das ist eine völlig falsche Vorstellung. In Deutschland hat die Familie eine "Wirtschaftsfunktion", wie Mersch in seinen Arbeiten sehr genau herausstellt. Diese Wirtschaftsfunktion (die Familie ernährt ihre Kinder im Grunde selbst) mag zwar mal mit dem Patriarchat vereinbar gewesen sein (Mersch behauptet, sie definiere letztlich das Patriarchat - aus diesem Grunde wären wir auch noch immer darin), ist es scheinbar aber nicht mehr unter der Gleichberechtigung.

    "Ich finde es nur erstaunlich, daß nach Eva Hermann nun auch noch halbwegs intelligente Frauen wieder anfangen, ihresgleichen wieder an den Herd verdammen zu wollen."

    Davon ist doch überhaupt nicht die Rede.

    " Am liebsten würde ich Alice Schwarzer mal zu diesem Dialog hier einladen - hej, das wäre ein Spaß! *g*"

    Die würde dabei untergehen, denn die ist doch eine Hauptverantwortliche für den Mist, den wir aktuell erleben. Die hat doch diesen Sozialdarwinismus in der Familienfrage eingeführt: starke Frauen gehen arbeiten und lassen arme Kinder zurück. Die Emanzipation wurde auf dem Rücken der Schwächsten in unserer Gesellschaft ausgetragen: den Kindern. Außerdem fordere ich endlich Gleichberechtigung für Frauen. Alice Schwarzer hat genau die nicht gebracht. Sie hat Frauen gleiche Rechte gebracht, wenn sie einen männlichen Lebensentwurf anstreben. Sie hat Frauen, die gerne mehrere eigene Kinder großziehen möchten die Armut gebracht.

    "Und sobald die Wirtschaft wieder Aufschwung bekommt, sollen die Frauen gefälligst alle wieder rein in die Industrie. Nix weiter als eine Art Konjunkturzyklus, diese Argumentation. Das legt sich ganz von alleine wieder, da bin ich völlig ohne Sorge."

    Sie glauben an einen großen Aufschwung? Also so etwas! Seit 1970 geht der Arbeitsmarkt mit kleineren Schwankungen nur in eine Richtung: Mehr Arbeitslosigkeit.

    "Ausgesprochen erheiternd finde ich auch den Hinweis, der Staat würde eben nur so viele Familienmanagerinnen einstellen/bezahlen, wie er für nötig erachtet.
    Und dann, wenn die Quote erfüllt ist?
    Alle anderen Frauen werden sterilisiert?"

    Warum denken Sie nicht einfach ein paar Sekunden nach, bevor Sie so etwas schreiben? So schwer kann das doch nicht sein. Wie ist es denn, wenn der Staat aktuell keine Lehrer mehr braucht? Dann hat er für Lehrer keine offenen Stellen mehr. Ist das so überraschend? Da fragt doch auch niemand, ob man den Lehrern dann die Hand abhacken müsse. Also ehrlich!

    "Diese Frauen bekommen ihre Kinder dann quasi nur zum Spaß, ohne Entgelt für die Erziehungsarbeit."

    Ist es denn heute anders? Heute geht man davon aus, dass Eltern ihre Kinder selbst finanzieren müssen (Wirtschaftsfunktion). Beim FM-Konzept käme für Nicht-FMs ein möglicher starker zusätzlicher Anreiz für wenige eigene Kinder hinzu: Man muss dann keinen Unterhalt als Kinderlose/r zahlen. Man spart also möglicherweise genau das Geld, was man zusätzlich für ein Kind aufbringen muss. Es könnte sein, dass allein dadurch schon die Geburtenrate in die Höhe geht, und zwar bei den Berufstätigen, die Steuern zahlen und den Unterhalt spüren würden.

    Die FMs sind dagegen Berufsmütter. Die haben einen Arbeitsvertrag und einen Anspruch auf eine monatliche Zahlung. Damit können sie sich z. B. bei der Bank einen Kredit für ein Eigenheim holen (damit sie dort - gemäß Polemik - den ganzen Tag hinter dem Herd stehen können). Sie dürfen aber nicht nebenher noch irgendwo arbeiten gehen, genauso wenig, wie eine Lehrerin das darf. Sie sind vollzeit beruflich FM. Mir ist bekannt, dass Alice Schwarzer (gemäß "Der kleine Unterschied") JEGLICHE Frauenerwerbstätigkeit als emanzipatorisch ansieht (also auch Berufsprostitution), das Erziehen von eigenen Kindern dagegen nicht, aber das muss ich ja nicht auch so sehen.

    "Ich wäre übrigens dafür, die bezahlten Familienmanagerinnen dann bitteschön auch nur von gründlich durchgecheckten und zertifizierten Samenspendern befruchten zu lassen, deren genetische Unversehrtheit, IQ und generelle Konstitution schriftlich bestätigt wurde. Denn wenn man auserwählte Damen dafür bezahlt, daß sie den Nachwuchs des Staates großziehen, dann muß schließlich auch eine gewisse Qualitätskontrolle gewährleistet sein."

    Das ist völliger Unsinn. Bei diesen "Damen" würde wieder die sexuelle Selektion in voller Breite zum Tragen kommen: Männer würden sie umschwirren wie Motten das Licht. Da Mütter meist großen Wert darauf legen, dass aus ihren Kindern mal was wird, werden die sich schon die Prinzen unter den Fröschen herauspicken. Ich sehe eher das Problem in der zu großen Attraktivität solcher Frauen für Männer, die sich mal wieder in Geld und sonstigen Zuwendungen ausdrücken könnte. Das müsste man in den Griff bekommen.

    Wenn man liest, dass es sogar bei den Mosuo Sextourismus gibt, dann kann man erahnen, was los sein wird, wenn sich in der männlichen Welt herumspricht, dass man von einer Familienmanagerin ein Kind ohne jegliche Folgen haben könnte. Also ich sehe eher ein staatliches Steuerungsproblem, welches in genau die andere Richtung geht.

  82. Lena Waider Armut dank "Emanzipation"
    19.03.2010, 22:31

    Kunar: "Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht ist das keine Krise."

    Die Wirtschaftswissenschaften verstehen diesen Zusammenhang doch überhaupt nicht.

    Kunar: "Wo wäre auch der Sinn darin zu sehen, Frauen erst hohe Bildung und Ausbildung zu verschaffen, damit sie dann vollkommen als Hausfrau und Mutter beschäftigt werden?"

    Betrachtet man es ökonomisch (und human), dann machte das enorm viel Sinn.

    Ute: "Nein. Es soll z.B. durch das verdienstorientierte Elterngeld nur verhindert werden, daß bisher mäßig bis gut Verdienende komplett vom Kinderbekommen abgeschreckt werden."

    Hat aber nicht geklappt, da Blödsinn. Die Geburtenzahlen sind in 2009 weiter gesunken. Noch immer tappt man im Dunkeln, was die Ursache des Problems ist.

    "Weil Kinder nämlich momentan nach wie vor das größte Armutsrisiko in Deutschland darstellen."

    Dank Schwarzer, de Beauvoir und Co.

    Denn: Im Patriarchat stiegen mit jedem Kind nur die Kosten, es sank aber nicht das Familieneinkommen.

    Unter der Doppelverdienerlogik steigen aber mit zunehmenden Kindern nicht nur die Kosten, sondern es sinkt auch das Familieneinkommen. Diese Logik macht Kinder und Familien arm und Gesellschaften geburtenschwach. Dank Schwarzer!

  83. Ute @Kunar
    19.03.2010, 22:34

    Meine Einwände gegen Familienmanagerinnen beziehen sich eigentlich nur auf die Ungerechtigkeit gegenüber denjenigen, die ebenfalls und ebenso gut Kinder großziehen, dies aber dann nicht bezahlt bekommen - und zwar nur deshalb, weil sie schon einen anderen Job haben. Das ist auch rein rechtlich einfach nicht machbar.

    Daß das ganze Modell schlicht nicht bezahlbar ist, wenn FM eine echte Alternative zu einem gut bezahlten Job in der freien Wirtschaft darstellen soll, kommt noch dazu, steht aber auf einem ganz anderen Blatt. http://awurl.com/oOgJe4W4u

  84. Ute Schade, Frau Waider,...
    19.03.2010, 22:36

    ... daß Ihr Sarkasmusdetektor in einer ähnlichen Verfassung zu sein scheint wie ihre Logik... ^^

    #Sterilisation #Samenspende

  85. Ute kein Betreff
    19.03.2010, 22:44

    "Denn: Im Patriarchat stiegen mit jedem Kind nur die Kosten, es sank aber nicht das Familieneinkommen."

    Aber auch nur deshalb, weil Frauen in dieser Republik erst seit 1958 überhaupt arbeiten gehen und über ihr eigenes Vermögen verfügen dürfen, ohne vorher die Erlaubnis ihrer Männer einzuholen. Sie vergleichen hier wieder mal Äpfel mit Birnen. Schon mal was von Opportunitätskosten gehört? => http://de.wikipedia.org/...pportunit%C3%A4tskosten

  86. Ralph Würfel Meine Kritik noch einmal zusammengefasst @Lena
    19.03.2010, 22:49

    1. Geburtenkontrolle

    „Und wie im Tierreich muss es zum Teil zu einer Arbeitsteilung unter Frauen kommen: die einen("Arbeiterinnen") sind eher an einer Karriere in der Wirtschaft interessiert und haben dann keine oder nur wenige Kinder, während die anderen (Königinnen/Göttinnen ;-)) im Aufziehen von mehreren eigenen Kindern (und ggf. dem Betreuen anderer Kinder) ihre Lebensaufgabe sehen und dafür dann auch bezahlt werden (möchten).“

    Das ist aber keine Arbeitsteilung, sondern der Eingriff des Staates in Frage, wer Kinder haben darf und wer nicht. Das funktioniert dann genau die die Vergabe von Studienplätzen an Männer in der DDR – drei Jahre in der Armee gedient und der Wunschplatz ist dir sicher. Oder angewendet auf die „Königinnen“ - wenn du bestimmte Voraussetzungen erfüllst, darfst du (bezahlte) Mutter werden.
    Zugespitzt hat das Ute weiter oben sehr schön auf den Punkt gebracht.

    2. Kopfpauschale für Kinder
    Wie bei jeder anderen Abgabe auch, wird es hiervon Befreiungen geben – entweder durch das „Generieren“ von Kindern (das sehen Sie ja selbst) oder durch (wie ich bereits früher erwähnte):

    „die Unfähigkeit zur Fortpflanzung, die gleichgeschlechtliche Variante des Liebens oder - noch schlimmer - die Möglichkeit, ein nicht gesundes Kind zur Welt zu bringen (und das nicht zu wollen)belegen zu müssen. Der Staat wäre dann gänzlich in unseren Schlafzimmern angekommen.“

    Dazu kommt natürlich die wirtschaftliche Not – ich muss (wie beim ALG II) nachweisen, dass ich arm bin – ich nenne das die „Verhartzifizierung“ der Gesellschaft.

    Und 3. schlagen Sie sich mit Ihren eigenen Ausführungen

    Einerseits verwerfen Sie
    „diese die ganze Gesellschaft durchziehende fast pathologisch zu bezeichnende alleinige Orientierung hin auf eine Erwerbstätigkeit in der Wirtschaft“

    und beschreiben in einem anderen Atemzug aber eine ganze Wirtschaftsbranche der „Kindergenerierung“ mit Putzfrauen, Strickerinnen, Krankheitsvertretung und -Autismusexpertin (denn „wer verbraucht, muss auch erneuern“), zu der
    „sich einige (viele?) zusammenschließen und größere Einheiten (Kinderland) bilden werden: Ganze Straßen mit Wohnen, Homeschooling, Kindergärten, Mal- und Musikschulen, Bolzplätzen, Restaurants, ggf. einem angeschlossenen Altenheim, und das alles bankfinanziert, da die FMs ein sicheres Einkommen beziehen."

    Pathologisch?

  87. Ute Nebenjobs für Lehrer sind nicht verboten. Nur genehmigungspflichtig.
    19.03.2010, 23:00

    o.w.T.

  88. Ralph Würfel Ichling - Egoismus - Verantwortung @M. Blume
    19.03.2010, 23:01

    1"Ja, selbstverständlich ist der übersteigerte Egoismus nur ein Merkmal unserer Kultur, allerdings schon ein gewichtiger.
    Wenn wir über Verantwortung für Kinder (die eigenen und bzw. oder die anderer) sprechen, geht es ja schließlich auch um "Kleinigkeiten" wie die Verschuldung, die Vernichtung von Natur, den Verbrauch nicht nachwachsender Rohstoffe und millionenfacher Hunger z.B. von Kindern in Afrika. Zwar stehen dem auch große Leistungen entgegen, dennoch bin ich der Auffassung, dass unsere Kultur derzeit weder demografisch noch ökologisch oder ökonomisch nachhaltig lebt. Und finde, dass es eine Aufgabe von Kunst und Kultur (einschließlich Blogs und guter Filme) ist, dafür Räume der Reflektion zu schaffen."

    Werfen sie hier nicht drei unterschiedliche Dinge zusammen? Übersteigerter Egoismus kann sich genauso auf Menschen erstrecken, die gut für ihre Kinder sorgen (oder sorgen lassen).
    Und was die Verantwortung für kommende Generationen angeht: ein kinderloser Alleinstehender, der ökologisch bewusst lebt, sich für die Dritte Welt engagiert und Kulturschaffender ist, aber Kinder in seiner Nähe nicht ertragen mag – wäre der ein Ichling? Und ein Familienvater von 4 Kindern, der seine Kinder abgöttisch liebt und umsorgt, aber ein Unternehmen führt, dass in der Dritten Welt billig ökologisch bedenkliche Waren herstellt – ist er ein Teamling?

  89. Lena Waider @Ute
    19.03.2010, 23:23

    "Das ist auch rein rechtlich einfach nicht machbar."

    Ist längst geprüft. Ist machbar. Spätestens seit dem Elterngeld (Mami mit Beruf bekommt ein Vielfaches von Mami ohne Beruf) ist die Sache restlos vom Tisch.

    "Daß das ganze Modell schlicht nicht bezahlbar ist, wenn FM eine echte Alternative zu einem gut bezahlten Job in der freien Wirtschaft darstellen soll, kommt noch dazu, steht aber auf einem ganz anderen Blatt."

    Aber über die Bezahlbarkeit des BGEs wird munter diskutiert, oder?

    Dass Familie im Patriarchat im Gehalt drin war (also von den Unternehmen bezahlt wurde), während nun Familie vielfach vom Staat bezahlt wird (H4 etc.), scheint ihnen noch nicht aufgefallen zu sein, oder?

    Warum sind eigentlich Richter mit Pensionen bezahlbar, Mütter mit 5 Kindern aber angeblich nicht. Gibt es dafür einen höheren Grund?

    "Schon mal was von Opportunitätskosten gehört?"

    Opportunitätskosten sind die Grundlage des FM-Konzepts. Im Patriarchat hatten Männer und Frauen vernachlässigbare Opportunitätskosten für Kinder, da eine sexuelle Arbeitsteilung bestand. Das war der Hauptvorteil. Beim FM-Konzept wäre es wieder so: Eine FM hat im Gegensatz zu einer arbeitenden Frau vernachlässigbare Opportunitätskosten für Kinder.

    Das ist übrigens auch der Grund, warum es in Bienensozialstaaten Königinnen und Arbeiterinnen gibt. Hierdurch gehen die Opportunitätskosten für Nachkommen gegen Null. Würden Arbeiterinnen sowohl sammeln als auch Eier legen, gerieten sie in eine Opportunitätskostenfalle.

    Wie ich schon sagte: Auch in der Natur mussten die Sozialstaaten eine Arbeitsteilung unter den Weibchen einführen, wenn diese soziale Aufgaben ausführen. Man kann die Notwendigkeit dafür sehr genau aufzeigen.

  90. Lena Waider @Ralph Würfel
    19.03.2010, 23:43

    "Das ist aber keine Arbeitsteilung, sondern der Eingriff des Staates in Frage, wer Kinder haben darf und wer nicht."

    Nein. Das ist nur das Beispiel der Argumentationsweise eines Profi-Ideologen, der mit Pseudoargumenten seine persönlichen Interessen durchsetzen möchte und dann Dinge konstruiert, die nicht vorhanden sind.

    "Das funktioniert dann genau die die Vergabe von Studienplätzen an Männer in der DDR ..."

    Sie müssen nun noch totalitär, Nazis, Lebensborn und Göring sagen, damit Ihre windigen Argumente mehr Gehalt bekommen. Sie reden von irgendwas, nur leider nicht über die Sache.

    "drei Jahre in der Armee gedient und der Wunschplatz ist dir sicher."

    Sorry, aber das ist Gerede. Männer reden manchmal viel, wenn der Tag lang ist, und der Tag scheint lang zu sein.

    "Zugespitzt hat das Ute weiter oben sehr schön auf den Punkt gebracht."

    Ute möchte Frauen ihren Lebensentwurf vorschreiben, genauso wie das de Beauvoir wollte. De Beauvoir hat öffentlich in einem Interview gesagt: "No woman should be authorized to stay at home to raise her children. Society should be totally different. Women should not have that choice, precisely because if there is such a choice, too many women will make that one." Das nenne ich totalitär!!!

    Frauen werden seit Jahrzehnten von Gleichheitsfeministinnen gegängelt. Die wollen ihnen vorschreiben, wie sie zu leben haben. Und wenn dann Vorschläge für die Frauen kommen, die nicht den ganzen Tag in einem Büro herumsitzen möchten, sondern die gerne dazu beitragen möchten, wie wir in Deutschland unser Nachwuchsproblem gelöst bekommen, dann fahren diese Gleichheitsfeministinnen plötzlich ihren ganzen Neid aus. Sie können nämlich nicht teilen und neiden anderen ihr Lebensglück. Angeblich wollen die doch das gar nicht, was vorgeschlagen wird. Angeblich wollen die die ganze Zeit in einem Büro arbeiten. Sollen sie doch. Aber dann sollen sie bitte die anderen Frauen endlich in Ruhe lassen. Und die ewigen Politbonzen und Super-Ideologen unter den Männern, die in jedem dritten Satz etwas von DDR, Nazis, Göring, Lebensborn etc. schwafeln, sollen sich bitte endlich aus den Dingen, von denen sie sowieso nichts verstehen und die sie nichts angehen, heraushalten.

    "Wie bei jeder anderen Abgabe auch, wird es hiervon Befreiungen geben – entweder durch das 'Generieren' von Kindern (das sehen Sie ja selbst) oder durch (wie ich bereits früher erwähnte): ..."

    Das sind unerträgliche Hirngespinste. Was verstehen Sie denn davon? Läuft aktuell nichts in der Glotze?

    "Dazu kommt natürlich die wirtschaftliche Not – ich muss (wie beim ALG II) nachweisen, dass ich arm bin – ich nenne das die „Verhartzifizierung“ der Gesellschaft."

    Die würde damit endlich behoben. Die Verhartzifizierung hat andere Ursachen, als das, was Sie annehmen.

    "Einerseits verwerfen Sie
    „diese die ganze Gesellschaft durchziehende fast pathologisch zu bezeichnende alleinige Orientierung hin auf eine Erwerbstätigkeit in der Wirtschaft"

    Stand da nicht Erwerbstätigkeit in der Wirtschaft? Bei den FMs geht es um Menschen, nicht um VW Golf und Mobiltelefone. Sie kennen den Unterschied? Nein?

  91. Ute @Ralph Würfel
    19.03.2010, 23:44

    Solange Artikel 2 des Grundgesetzes noch gültig ist, kann man eher den zweiten Herrn als Egoisten bezeichnen.

    Um mal wieder auf die Filmkritik zurückzukommen, muß ich gestehen, daß ich die geschilderte Problematik auch nicht wirklich sehe:

    "Unser modernes Gesellschaftssystem mit all seinen Versprechen und Verführungen, seinen Schmeicheleien und seiner Schönheit füttert unser Ego - und lässt immer mehr von uns einsam zurück. Noch während sich viele von uns für die Spitze menschlichen Fortschrittes halten zerbröseln Gemeinschaften, Familien, ganze Populationen."

    Es gibt mehr Singlehaushalte in Deutschland, das stimmt schon. Aber die Anzahl der in einem Haushalt gemeldeten Personen sagt doch nichts über ihren Grad an Einsamkeit aus. Man kann sich auch in einer Ehe mit Kindern verdammt einsam fühlen. Und es können zwei Singles in ihren Haushalten durchaus auch ein glückliches Paar sein, das nur von keiner Statistik als solches erfaßt wird.

    Die Erzählungen meiner Großmutter über die ewigen Übergriffe und Einmischungen ihrer Familie, als einige Generationen unter einem Dach wohnten, lassen zudem auch nicht gerade auf große Harmonie und Glücksgefühle schließen. Gesellschaft garantiert noch lange keine Gemeinschaft und Gemeinschaft noch lange keine Funktionstüchtigkeit. Es war eben die praktischste Lösung, so zu leben, weil es z. B. für Altenpflege und Kinderbetreuung schlicht (noch) keine Alternativen gab. Daß die Jungen den Alten deshalb _gerne_ den Schmier vom Allerwertesten gewischt haben, darf man aber durchaus in Frage stellen. Sie mußten eben einfach. Ob die Großeltern ihrerseits immer so begeistert waren, ihre Enkel hüten zu müssen, darf ebenfalls angezweifelt werden. Es war eben einfach so. Ob die Frau gerne beim Mann blieb, stand auch nicht zur Debatte. Scheidung war ein Makel und für eine Frau ohne Berufsausbildung gab es kein Auskommen ohne einen Mann. Also blieb man. Aus reiner Notwendigkeit.

    Und man kann und sollte sich durchaus fragen, warum die Gesellschaft denn wohl so viel darangesetzt hat, andere, individuellere, "egoistischere" Lebensentwürfe zu ermöglichen, wenn diese alte Lebensweise wirklich so toll und sozial war.

  92. Michael Blume @ Ralph Würfel
    20.03.2010, 00:10

    Nun, ich fürchte, da liegen wir nicht wirklich auseinander. Denn selbstverständlich handelt es sich bei der Differenzierung von Ich- und Teamling nicht um Entweder-Oder-Kategorien, sondern um die Enden einer Gegensatzpaares mit fließenden Übergängen (das dazu nicht einmal wissenschaftlich gemeint war, sondern aus launigen Diskussionen entwickelt hat.)

    Übersteigerter Egoismus kann sich genauso auf Menschen erstrecken, die gut für ihre Kinder sorgen (oder sorgen lassen).

    Hmm, wenn sie sich (auch) um andere kümmern, sind sie per Definition nicht mehr nur egoistisch, oder?

    Und was die Verantwortung für kommende Generationen angeht: ein kinderloser Alleinstehender, der ökologisch bewusst lebt, sich für die Dritte Welt engagiert und Kulturschaffender ist, aber Kinder in seiner Nähe nicht ertragen mag – wäre der ein Ichling?

    Nicht unbedingt, nein. Er kümmert sich ja um die Kinder anderer, direkt durch Hilfe und indirekt durch die Schonung der Ressourcen kommender Generationen. Klingt nach einer interessanten Persönlichkeit! :-)

    Und ein Familienvater von 4 Kindern, der seine Kinder abgöttisch liebt und umsorgt, aber ein Unternehmen führt, dass in der Dritten Welt billig ökologisch bedenkliche Waren herstellt – ist er ein Teamling?

    Nicht nur, denn die Kinder anderer (und ggf. auch weiter nachfolgende Generationen der eigenen Kinder) schienen ihn ja nicht zu kümmern. Auch ein solcher Vater bewegte sich also in diesen Zwischenbereichen zwischen Schwarz und Weiß, die die Realität uns so gerne präsentiert und in denen sich die meisten von uns irgendwo befinden... Nicht wahr?

  93. Kunar Wirtschaft oder nicht Wirtschaft
    20.03.2010, 00:12

    @Lena Waider

    "Die Wirtschaftswissenschaften verstehen diesen Zusammenhang doch überhaupt nicht."

    Na, da bin aber beruhigt! Was würde nur passieren, wenn wir dieselbe Situation aus verschiedenen Perspektiven betrachten würden? Am Ende würden wir interdisziplinär diskutieren! *schauder*

    "Betrachtet man es ökonomisch (und human), dann machte das enorm viel Sinn."

    Ach, auf einmal also doch Ökonomie? ;)

    Inwieweit ist es denn sinnvoll, jemanden nach einem Studium nicht hochqualifiziert arbeiten zu lassen? (Und bitte nicht mit dem Argument kommen, dass Erzieher hochqualifiziert sein müssen... das sind zwei Paar Schuhe, denn ansonsten könnte man jeden Dipl. Irgendwas sofort als Lehrer arbeiten lassen.)

  94. Michael Blume @ Ute: Filmkritik
    20.03.2010, 00:20

    Danke für die Hinterfragung der Filmkritik, auf die ich gerne eingehe.

    Es gibt mehr Singlehaushalte in Deutschland, das stimmt schon. Aber die Anzahl der in einem Haushalt gemeldeten Personen sagt doch nichts über ihren Grad an Einsamkeit aus. Man kann sich auch in einer Ehe mit Kindern verdammt einsam fühlen.

    Oh ja, das könnte auf eine der Protagonistinnen sogar zutreffen (ich mag jetzt natürlich nicht zuviel verraten.) Aber ich habe nirgendwo geschrieben, dass der Film vermitteln würde, dass Menschen in Familien "automatisch" glücklicher wären. Das Scheitern von Beziehungen, Scheidungen etc. werden dargestellt und sind auch oben genannt.

    Und es können zwei Singles in ihren Haushalten durchaus auch ein glückliches Paar sein, das nur von keiner Statistik als solches erfaßt wird.

    Ja, kein Widerspruch. :-)

    Die Erzählungen meiner Großmutter über die ewigen Übergriffe und Einmischungen ihrer Familie, als einige Generationen unter einem Dach wohnten, lassen zudem auch nicht gerade auf große Harmonie und Glücksgefühle schließen. Gesellschaft garantiert noch lange keine Gemeinschaft und Gemeinschaft noch lange keine Funktionstüchtigkeit.

    Weil ich das auch so sehe, schrieb ich: "Dieser Film beobachtet: Wer sich bindet, kann verlieren."

    Und man kann und sollte sich durchaus fragen, warum die Gesellschaft denn wohl so viel darangesetzt hat, andere, individuellere, "egoistischere" Lebensentwürfe zu ermöglichen, wenn diese alte Lebensweise wirklich so toll und sozial war.

    Ich habe nirgendwo geschrieben, dass "diese alte Lebensweise wirklich so toll und sozial war." Allerdings denke ich schon, dass jede Generation (letztlich jeder Mensch) gut daran tut, die je eigenen Traditionen und Lebensweisen kritisch-konstruktiv zu hinterfragen. Und das geschieht ja auch. Sprüche wie "Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment." mögen bei den 68ern cool geklungen haben, würden aber bei den meisten heutigen jungen Leuten als arrogant, herzlos und hohl erkannt.

    Persönlich bin ich völlig zufrieden, wenn meine Publikationen oder auch mein Blog ein paar Menschen dazu anregen, über das Leben neu nachzudenken. Anderen Menschen ein bestimmtes Lebensmodell aufzudrücken widerstrebt mir dabei zutiefst. Denn wenn es ein Erfolgsmodell der Evolution gegeben hat - dann war und ist es Vielfalt.

    Herzliche Grüße!

  95. Lena Waider @Ute Individualisierung
    20.03.2010, 02:51

    "Und man kann und sollte sich durchaus fragen, warum die Gesellschaft denn wohl so viel darangesetzt hat, andere, individuellere, 'egoistischere' Lebensentwürfe zu ermöglichen, wenn diese alte Lebensweise wirklich so toll und sozial war."

    Das lässt sich ein wenig bei Ulrich Beck nachlesen. Im Grunde ist die Individualisierung effizienter, da die Beteiligten dadurch sehr niedrige Opportunitätskosten haben. Diese Opportunitätskostensenkung hat die immer weiter gehende Arbeitsteilung ermöglicht, die gesellschaftlich betrachtet viel produktiver ist, wodurch sich allerdings für den Einzelnen nun auch die Risiken erhöht haben, wie Beck konstatiert. Also muss es immer mehr gesellschaftliche Sicherungssysteme geben, die die individuellen Risiken sozialisieren und damit minimieren.

    Was mich an der ganzen Sache nur wundert, ist das Folgende: Es ist allgemein bekannt, dass Individualisierung und Arbeitsteilung Hand in Hand gehen. Der Trend geht seit Jahrzehnten dahin, alle Gemeinschaftsaufgaben vom Individuum zu trennen und zu institutionalisieren, damit das Individuum immer freier wird und sich auf "sein Ding" konzentrieren kann (z. B. Konzerntpianist zu werden). Wenn er z. B. Müll produziert, dann muss er den nur vor seinem Haus in eine Tonne werfen und wenige Tage später hat den jemand abgeholt. Er muss sich nicht selbst darum kümmern. Hierdurch kann er den ganzen Tag Klavier üben. Das nennt man Individualisierung.

    Was aber hat den Feminismus dabei geritten, bei der Nachwuchsfrage genau den umgekehrten Weg einzuschlagen? Es gab eine sexuelle Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern. Die mag Frauen benachteiligt haben, aber sie war effizient und über die Geschichte der Menschheit hin betrachtet sogar sehr sehr erfolgreich.

    Wieso ist man auf die Idee gekommen, man könne diese Arbeitsteilung aufheben? Die heutige Devise lautet doch: Frauen und Männer gehen beide arbeiten und teilen sich eine eventuelle Familienarbeit paritätisch. Das ist die ineffizienteste Lösung, die man sich überhaupt vorstellen kann. Das ist so, als wenn in einem Restaurant nicht sie die Kellnerin und er der Koch ist, sondern beide machen beide Jobs 50-50. So etwas ist von der Effizienz her bescheuert, das kann dir jeder Organisationsexperte bestätigen.

    Die Lösung kann doch jetzt nur lauten: Arbeitsteilung unter den Frauen: Die einen machen das Aufziehen von Kindern professionell (im Sinne einer Institutionalisierung, wie oben bei der Müllentsorgung beschrieben), und die anderen haben 0 oder wenige (1-2) Kinder.

    Was mich an der Sache wurmt ist, dass von den Feministinnen um Schwarzer etc. die ganze Zeit etwas propagiert wird, was überhaupt nicht funktionieren kann, und zwar weder heute, noch morgen noch übermorgen. Hier wird versucht, aus ideologischen Gründen etwas durchzusetzen, was der Gesellschaft nicht hilft (höchstens den Wortführerinnen), sondern diese systematisch zerstört. Jeder, der die Augen aufmacht, und die aktuelle Familiensituation ganz wertfrei betrachtet, wird das unschwer erkennen können.

    Wir haben seit 25 Jahren ausschließlich Bundesfamilienministerinnen. Wenn in irgendeinem anderen Ressort die Ergebnisse in der Zeit so katastrophal gewesen wären, wie sie im Familienbereich sind (es wird im Grunde seit 25 Jahren immer schlimmer), hätte sich die Presse längst mit aller Macht darauf gestürzt.

    Doch hier passiert nichts, da die Presse fest in der Hand der Ideologinnen ist.

    Meine Befürchtung ist die Folgende: Das läuft noch ein paar Jahre so weiter, und dann kommt der Staatsbankrott. Und dann nehmen wieder die Männer alles in die Hand, weil das mit uns Frauen nicht funktioniert hat. Dann kommt ein neues finsteres Mittelalter. Frauen, die dann den Mund aufmachen, werden gleich als Hexe verbrannt.

  96. Ute @Michael Blume
    20.03.2010, 08:26

    ""Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment."

    LOL! Den kannte ich noch nicht! *g* Aber mal ganz generell gesagt: Ich glaube, am Menschen an sich hat sich in den letzten paar Jahrhunderten nicht wirklich viel geändert. Traditionen gehören in der Tat von mal zu Mal hinterfragt ("Asche bewahren" vs. "Feuer weitergeben") und ich denke, man sollte aufgrund eines kritischen Films nicht in den Fehler verfallen, wie weiland schon Sokrates den Sittenverfall der jeweils jüngeren Generation anzuprangern. Aber so, wie Sie es hier darlegen, bin ich durchaus mit der Interpretation einverstanden. Letztenlich muß ohnehin jeder irgendwann, irgendwie die Konsequenzen seines Lebensentwurfs tragen, wie auch immer der aussehen mag. Daran geht kein Weg vorbei.

  97. Ralph Würfel @M. Blume: problematisch
    20.03.2010, 09:03

    "Denn selbstverständlich handelt es sich bei der Differenzierung von Ich- und Teamling nicht um Entweder-Oder-Kategorien, sondern um die Enden einer Gegensatzpaares mit fließenden Übergängen (das dazu nicht einmal wissenschaftlich gemeint war, sondern aus launigen Diskussionen entwickelt hat.)"

    Das hatte ich vermutet. Und das halte ich für problematisch, weil man so ganz schnell "Stimmung" machen kann. So wird aus einem Typus ganz schnell ein Phänomen, aus einem Phänomen ganz schnell eine Kultur. Und zwar immer die Kultur der anders Lebenden, anders Denkenden. Zustände, die mir nicht in den Kram passen, kann ich nach Gutdünken auf die "gefühlte Skala" einordnen und geißeln.
    Ich wünsche mir da etwas mehr Schärfe in der Bestimmung des Typus. Im Moment kann ich auch den Egoisten darunter packen (muss es aber nicht) bzw. kann die Ausbildung des Ego (die ja eine wichtige notwendige Stufe in der Entwicklung der Menschheit ist) verwerfen und mich wieder zurück in die gute alte Zeit sehnen - alles, weil die die ganze Gesellschaft "gefühlt" in die falsche Richtung fährt.

    Man muss da "höllisch" aufpassen, welche Geister man heraufbeschwört.

  98. Mona Antworten @Lena Waider
    20.03.2010, 11:07

    Da inzwischen so viele neue Kommentare hinzugekommen sind, versuche ich einmal die für mich relevanten Aussagen zu beantworten.
    Zur Familienpolitik (19.03.2010 | 21:39):

    „Mit anderen Worten: Es soll wirklich jegliche noch verfügbare Humanressource in den Arbeitsmarkt geschmissen werden. Mütter sollen kurz ihre Kinder werfen und dann rasch wieder arbeiten gehen, weil wir haben ja einen soooooooo riesig großen Bedarf an Arbeitskräften, jedenfalls im Vergleich zu qualifizierten mütterlichen Leisten, gell?“

    Da kann ich größtenteils zustimmen. Der Vorteil für die Unternehmen ist ja, dass sie die Leute insgesamt schlechter für ihre Leistung bezahlen können, da ja Mann und Frau arbeiten müssen und nicht mehr nur Papa die Familie ernähren muss. Außerdem gibt es eine große Nachfrage nach Arbeitsplätzen, davon profitieren ebenfalls die Unternehmen.

    „Es muss sich etwas ändern. Die Maßnahmen können aber nicht klein, sondern nur noch sehr groß sein, meinetwegen auch so etwas, was Sie vorschlagen (ist m. E. noch schwerer zu realieren als die FM, weil der Staat dann sehr stark in die Hoheit von Unternehmen eingreifen müsste). Aber diese Kleinstmaßnahmen wie Elterngeld oder hier und da ein paar Krippen sind albern. Sie verkennen, wie groß das Problem wirklich ist. Da rollt ein Tsunami heran ... „

    Letztendlich arbeiten wir ja um zu leben und nicht umgekehrt (zumindest sieht man das in kath. Ländern so :-))) Deshalb sollte die Arbeit den Leuten auch ein Stück weit entgegenkommen. Flexible Arbeitszeitmodelle haben für Unternehmen jedoch keineswegs nur Nachteile. Es gibt Untersuchungen, dass Halbtagskräfte ein Drittel mehr an Arbeit erledigen, als Ganztagskräfte. Auch könnten Arbeitsplätze länger besetzt werden, wenn sich zwei Leute einen teilen. In Dienstleistungsbetrieben, wie Handel, Banken und Versicherungen kann auch über Mittag gearbeitet werden, d.h. es entsteht keine Lücke durch Mitarbeiter die zu Tisch gehen. Der Staat könnte flexible Arbeitszeitmodelle ja auch protegieren, da würden eine Menge neuer Stellen geschaffen werden.

    Bezüglich des Tsunamis bin ich mir nicht sicher. Aber wie es aussieht, wird uns irgendwann der Fluss der Zeit hinweg spülen und andere werden an unsere Stelle treten.

    Zu Alice Schwarzer (19.03.2010 | 22:20):

    „…die ist doch eine Hauptverantwortliche für den Mist, den wir aktuell erleben. Die hat doch diesen Sozialdarwinismus in der Familienfrage eingeführt: starke Frauen gehen arbeiten und lassen arme Kinder zurück. Die Emanzipation wurde auf dem Rücken der Schwächsten in unserer Gesellschaft ausgetragen: den Kindern. Außerdem fordere ich endlich Gleichberechtigung für Frauen. Alice Schwarzer hat genau die nicht gebracht. Sie hat Frauen gleiche Rechte gebracht, wenn sie einen männlichen Lebensentwurf anstreben. Sie hat Frauen, die gerne mehrere eigene Kinder großziehen möchten die Armut gebracht.“

    Da kann ich nur zustimmen, auch wenn ich die Konsequenzen die Sie daraus ziehen, wie FM, nicht billige.

    „Bei diesen "Damen" würde wieder die sexuelle Selektion in voller Breite zum Tragen kommen: Männer würden sie umschwirren wie Motten das Licht. Da Mütter meist großen Wert darauf legen, dass aus ihren Kindern mal was wird, werden die sich schon die Prinzen unter den Fröschen herauspicken. Ich sehe eher das Problem in der zu großen Attraktivität solcher Frauen für Männer, die sich mal wieder in Geld und sonstigen Zuwendungen ausdrücken könnte. Das müsste man in den Griff bekommen.
    Wenn man liest, dass es sogar bei den Mosuo Sextourismus gibt, dann kann man erahnen, was los sein wird, wenn sich in der männlichen Welt herumspricht, dass man von einer Familienmanagerin ein Kind ohne jegliche Folgen haben könnte. Also ich sehe eher ein staatliches Steuerungsproblem, welches in genau die andere Richtung geht...“

    Au weia! Si tacuisses, philosophus mansisses!

    Zur Individualisierung der Gesellschaft (20.03.2010 | 02:51):

    „Es ist allgemein bekannt, dass Individualisierung und Arbeitsteilung Hand in Hand gehen. Der Trend geht seit Jahrzehnten dahin, alle Gemeinschaftsaufgaben vom Individuum zu trennen und zu institutionalisieren, damit das Individuum immer freier wird und sich auf "sein Ding" konzentrieren kann (z. B. Konzerntpianist zu werden). Wenn er z. B. Müll produziert, dann muss er den nur vor seinem Haus in eine Tonne werfen und wenige Tage später hat den jemand abgeholt. Er muss sich nicht selbst darum kümmern. Hierdurch kann er den ganzen Tag Klavier üben. Das nennt man Individualisierung.“

    Bingo! Wie werden nach und nach entmündigt und können uns kaum mehr selber versorgen, da wir so spezialisiert sind. Früher kochte Mutter noch selbst, heute gibt es industriell vorgefertigte Nahrung, wo keiner mehr weiß aus was sie besteht.

    „Wieso ist man auf die Idee gekommen, man könne diese Arbeitsteilung aufheben? Die heutige Devise lautet doch: Frauen und Männer gehen beide arbeiten und teilen sich eine eventuelle Familienarbeit paritätisch. Das ist die ineffizienteste Lösung, die man sich überhaupt vorstellen kann. Das ist so, als wenn in einem Restaurant nicht sie die Kellnerin und er der Koch ist, sondern beide machen beide Jobs 50-50. So etwas ist von der Effizienz her bescheuert, das kann dir jeder Organisationsexperte bestätigen.“

    Nein, denn ein Kind hat Vater UND Mutter und ich finde es für ein Kind ganz wichtig, dass es eine männliche und eine weibliche Bezugsperson hat. Vielleicht vergisst man bei der ganzen Debatte eines, Kinder sind lebendige Wesen, sie haben Gefühle und brauchen Vorbilder, die ihnen helfen ihren eigenen Weg im Leben zu finden. Man kann Kinder doch nicht einfach als „Produkte“ sehen, die möglichst effektiv in einer Aufzuchtstation aufgezogen werden, da produziert man letztendlich doch nur einen Haufen seelische Krüppel.

  99. Lena Waider Ichling/Traditionen
    20.03.2010, 11:39

    "Traditionen gehören in der Tat von mal zu Mal hinterfragt."

    Dennoch stellt sich die Frage, ob es nicht grundsätzliche Prinzipien gibt, die es zu bewahren gibt.

    Gemäß der Systemischen Evolutionstheorie geht es bei der Evolution um den Erhalt von Kompetenzen. Da die Systemische Evolutionstheorie Leben und Evolution mehr oder weniger gleichsetzt, könnte man sagen: Beim Leben geht es um den Erhalt von Lebensraumkompetenzen. Viele Tiere/Pflanzen geben an ihre Nachkommen lediglich ihre genetischen Kompetenzen weiter. Bei vielen höheren Tierarten kann man aber bereits so etwas wie eine kulturelle Tradierung feststellen. Ganz besonders stark ist das beim Menschen der Fall. Wenn irgendwo ein Mensch etwas Besonderes herausgefunden hat, wird er versuchen, sich anderen mitzuteilen. Man könnte fragen: Warum tut er das? Warum nutzt er seine Erkenntnisse nicht zu seinem Vorteil, und nimmt sie später mit ins Grab?

    In menschlichen Gesellschaften scheint man dafür einen Deal gemacht zu haben: "Du erzählst den anderen, was du herausgefunden hast, und wenn das von denen angenommen wird, erhältst du von ihnen Prestige." Gerade für Männer war das wohl sehr interessant, denn Prestige bedeutete gleichzeitig den erleichterten Zugang zu Frauen, wie man in der Biologie sagt. Hierdurch gaben sie gleichzeitig auch noch ihre genetischen Kompetenzen (ihre Gene) besonders häufig weiter, die ja u. U. der entscheidende Grund für die neue Erkenntnis waren.

    Ein Ichling ist für mich jemand, der sich an diese Lebensprinzipien nicht mehr hält, der also gewissermaßen aus dem eigentlichen Sinn des Lebens (Kompetenzen erwerben und sie weitergeben) ausgestiegen ist. Der der Auffassung ist, es komme einzig auf die persönliche Selbstverwirklichung an.

    Das hat für mich auch nichts direkt mit einer Abgrenzung gegenüber einem Teamverhalten zu tun. Es hat in der Geschichte der Menschheit immer ausgesprochene Eigenbrötler gegeben, denen es wichtig war, ihr "Ding" zu machen, und die sich von niemandem dabei stören ließen ("störe meine Kreise nicht"). Die haben die Menschheit oftmals ganz besonders stark nach vorne gebracht, aber auch nur dann, wenn sie bereit waren, ihre Kompetenzen an andere weiterzugeben.

  100. Lena Waider @Mona
    20.03.2010, 12:01

    "Nein, denn ein Kind hat Vater UND Mutter und ich finde es für ein Kind ganz wichtig, dass es eine männliche und eine weibliche Bezugsperson hat. Vielleicht vergisst man bei der ganzen Debatte eines, Kinder sind lebendige Wesen, sie haben Gefühle und brauchen Vorbilder, die ihnen helfen ihren eigenen Weg im Leben zu finden. Man kann Kinder doch nicht einfach als 'Produkte' sehen, die möglichst effektiv in einer Aufzuchtstation aufgezogen werden, da produziert man letztendlich doch nur einen Haufen seelische Krüppel."

    Damit behauptest du nichts weniger als, dass Alleinerziehende seelische Krüppel produzieren. Das ist definitiv nicht der Fall. Auch kann ich nicht erkennen, was eine Familienmanagerin, die immerhin die leibliche Mutter eines Kindes ist, zu einer Aufzuchtanstalt macht.

    Schließlich: Die permanente Anwesenheit ihrer leiblichen Väter war für Kinder in der gesamten Geschichte der Menschheit noch nie von großer Bedeutung. Kinder haben es immer verkraftet, wenn z. B. der Vater monatelang außer Haus war, um etwa Amerika zu entdecken oder neue Jagdquellen zu erschließen (solange man in der Abwesenheit nicht über ihn ablästerte). Die ständige und paritätische Anwesenheit des Vaters in der Erziehung von Kindern ist Ausfluss des feministischen Egoismus (einige sagen: des egoistischen Fehlschlusses, nämlich vom Wollen auf das Sollen zu schließen). Es gehört zu den ersten Dingen, die man als Frau im Leben akzeptieren sollte, weil dies in der gesamten Biologie so ist, und zwar völlig egal, ob es sich um Enten oder Menschen handelt: Nachkommen sind für den weiblichen Elternteil mit höheren Kosten verbunden als für den männlichen. Aus diesem Unterschied speist sich fast alles, was auf der Erde schön und erhaltenswert ist. Hebt man diesen Unterschied auf, tritt ein hässlicher Egoismus zu Tage.

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