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Up in the Air - Die Krise unserer Ichling-Kultur

von Michael Blume, 14. März 2010, 21:35

Eine harmlose Komödie mit George Clooney, schöne Bilder, schlichte Lacher, wenig zum Nachdenken. So war der Kinoabend geplant - und mehr werden viele auch gar nicht wahrgenommen haben. Aber ich war baff - baff über einen Film, der unter der lustigen Oberfläche eindringliche Beobachtungen anbietet.

Da ist Ryan, der Hauptheld. Ein typischer, feiner Ichling unserer Zeit - smart, modern, gutaussehend, reich, immer unterwegs. Sein Job: Im Auftrag feiger Chefs Mitarbeiter zu entlassen. Sie sind, so scheint es, die Verlierer: Menschen, die eine Bindung zu ihrer Arbeit, ihrer Firma aufbauten. Die zitternd danach fragen, wie sie die Arbeitslosigkeit ihren Ehepartnern erklären sollen. Die nach den Hypothekenraten fragen. Und vor allem nach ihren Kindern, deren Schicksal, deren Krankenversicherung. Ryan versteht: Bindungen sind Ballast. Der moderne Mensch lässt Ballast zurück.

Am Anfang gilt unsere Empörung dem System, das solche Gewinnertypen wie Ryan hervorbringt. Doch zunehmend merken wir, dass er gar kein Gewinner ist. Da ist seine Schülerin Nathalie, eine Psychologin, die am Anfang seinen Zynismus noch zu übertreffen scheint - und dann doch erkennt, dass der Ichling-Mann ein armer Irrender (im Wortsinn) ist. Die aber auch dem modernen Feminismus eine deutliche Absage erteilt: Danke für die Freiheiten, die Ihr erkämpft habt - aber Beziehungen mit verläßlichen Partnern hättet Ihr uns lassen können. (Dieser Teil dürfte Ferdinand Knauss gefallen!) Und während wir noch denken, Ryan benutze die weibliche Reisebekanntschaft Alex - tut sie es schon. Ichling frißt Ichling, keine Errettung durch die weniger brutale Weiblichkeit mehr, kein Happy End.

Lustig - und heftig

Kirche und Religion kommen "nur" an einer einzigen Stelle vor: Als es um die Hochzeit von Ryans Schwester geht. Und ausgerechnet der coole Schwätzer plötzlich einen zögernden Bräutigam von Ehe und Familie überzeugen soll. Das ist einerseits lustig. Und andererseits eine der brutalsten "Beichten", die ich je im Kino gesehen habe. Hier demontiert ein moderner Mann seine Lebenslügen. Die Zuschauer lachen - einige nachdenklich...

Fazit

Unser modernes Gesellschaftssystem mit all seinen Versprechen und Verführungen, seinen Schmeicheleien und seiner Schönheit füttert unser Ego - und lässt immer mehr von uns einsam zurück. Noch während sich viele von uns für die Spitze menschlichen Fortschrittes halten zerbröseln Gemeinschaften, Familien, ganze Populationen. Wir glauben, fast gottgleich von ganz weit oben (von "Up in the air") auf die Welt hinab zu sehen. Und bemerken nicht, wie viele um uns dabei ins Nimmerwiedersehen verwehen.

Dieser Film beobachtet: Wer sich bindet, kann verlieren. Wer aber nur noch um das eigene Ego kreist, hat schon verloren. Männer und Frauen haben sich verloren und wir schauen den Scheinhelden der Ichling-Kultur beim bindungs-, familien- und kinderlosen Scheitern zu. Komisch und tragisch. Romantisch und brutal. So überraschend kann Kino sein.





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Kommentare

  1. Ute @ Ralph Würfel
    20.03.2010, 12:19

    "Zustände, die mir nicht in den Kram passen, kann ich nach Gutdünken auf die "gefühlte Skala" einordnen und geißeln."

    Vermutlich ist auch das ein mehr oder weniger normaler Wesenszug. Er hat indirekt mit dem Versuch zu tun, die Welt im Kopf zu ordnen. Muster und Zusammenhänge zu finden, die die nächsten Entscheidungen vereinfachen sollen.

    Auf der einen Seite brauchen wir diese Fähigkeit, sonst würden wir niemals Wenn-Dann-Beziehungen erkennen. Aber es wird halt in der Tat zum Problem, wenn sich daraus bei Einzelnen eine halbe Neurose entwickelt, in deren Verlauf "die Gesellschaft" als der Feind schlechthin identifiziert wird. Nur: Das ist eben das Problem dieser Einzelpersonen. Nicht das der Gesellschaft. ;-)

  2. Ralph Würfel @Lena: Sinn des Lebens
    20.03.2010, 12:30

    Lena: "In menschlichen Gesellschaften scheint man dafür einen Deal gemacht zu haben: 'Du erzählst den anderen, was du herausgefunden hast, und wenn das von denen angenommen wird, erhältst du von ihnen Prestige.'"

    In der Gesellschaft, in der ich lebe, erhalte ich für Informationen und Kompetenzen, die ich an andere weitergebe, andere Informationen und Kompetenzen zurück. In welcher Gesellschaft leben Sie?
    Schön, dass Sie das gleich selbst beantworten:

    Lena: "Prestige bedeutete gleichzeitig den erleichterten Zugang zu Frauen, wie man in der Biologie sagt."

    Sagt man in der Biologie so? Ich meine, erleichterten Zugang zu Frauen erhält man eher im Rotlichtviertel ...

    Lena: "Ein Ichling ist für mich jemand, der sich an diese Lebensprinzipien nicht mehr hält, der also gewissermaßen aus dem eigentlichen Sinn des Lebens (Kompetenzen erwerben und sie weitergeben) ausgestiegen ist. Der der Auffassung ist, es komme einzig auf die persönliche Selbstverwirklichung an."

    Das würde ja bedeuten, dass alle, die es als persönliche Selbstverwirklichung betrachten, eine Familie zu gründen und zu versorgen oder vielleicht auch keine Familie zu gründen, aber einen Ausbilderberuf zu ergreifen und diese Kompetenzen zu weiter geben, Ichlinge wären und dem "eigentlichen Sinn des Lebens" entgegenarbeiten. Ist dem so?

  3. Lena Waider @Mona Flexible Arbeitszeiten
    20.03.2010, 12:49

    "Flexible Arbeitszeitmodelle haben für Unternehmen jedoch keineswegs nur Nachteile. Es gibt Untersuchungen, dass Halbtagskräfte ein Drittel mehr an Arbeit erledigen, als Ganztagskräfte. Auch könnten Arbeitsplätze länger besetzt werden, wenn sich zwei Leute einen teilen. In Dienstleistungsbetrieben, wie Handel, Banken und Versicherungen kann auch über Mittag gearbeitet werden, d.h. es entsteht keine Lücke durch Mitarbeiter die zu Tisch gehen. Der Staat könnte flexible Arbeitszeitmodelle ja auch protegieren, da würden eine Menge neuer Stellen geschaffen werden."

    Mal abgesehen davon, dass man das mal wieder als eine rein weibliche Sicht bezeichnen könnte (warme Büroarbeitsplätze), denn der Möbelpacker, der an einem Umzug von Hamburg nach München beteiligt ist, käme nicht in den Genuss solcher Privilegien, würdest du damit das Ende unserer Kultur einläuten: Große Kulturleistungen sind alle über eine enorme Fokussierung, verbunden mit ganz viel Arbeit, entstanden. Einen nur halbtags arbeitenden Charles Darwin oder auch Johann Sebastian Bach, der sich die restliche Zeit um seine 10 Kinder kümmert, hätte es unter diesen Umständen nicht geben können.

  4. Kunar "Das war schon immer so, dann muss es gut sein."
    20.03.2010, 12:51

    @Lena Waider

    "Die permanente Anwesenheit ihrer leiblichen Väter war für Kinder in der gesamten Geschichte der Menschheit noch nie von großer Bedeutung."

    Die permanente Abwesenheit von Hygiene oder Frieden auch nicht - dennoch würde ich heute auf beides nicht verzichten wollen. Kriege und Seuchen hat die Menschheit immer verkraftet - aber ob sie das groß gemacht hat?

  5. Lena Waider @Ralph Würfel Sinn des Lebens
    20.03.2010, 13:18

    "Das würde ja bedeuten, dass alle, die es als persönliche Selbstverwirklichung betrachten, eine Familie zu gründen und zu versorgen oder vielleicht auch keine Familie zu gründen, aber einen Ausbilderberuf zu ergreifen und diese Kompetenzen zu weiter geben, Ichlinge wären und dem "eigentlichen Sinn des Lebens" entgegenarbeiten."

    Meine Ausführungen nicht gelesen oder nicht verstanden?

  6. Lena Waider @Kunar Ideologien belegen!
    20.03.2010, 13:40

    "Die permanente Abwesenheit von Hygiene oder Frieden auch nicht - dennoch würde ich heute auf beides nicht verzichten wollen. Kriege und Seuchen hat die Menschheit immer verkraftet - aber ob sie das groß gemacht hat?"

    Sie propagieren aber umgekehrt etwas, was angeblich ein Gewinn sein soll, was ich jedoch bislang nicht sehen kann.

    Wenn Frauen und Männer in der Regel 50% der "Elterninvestments" (so heißt es in der Soziobiologie) erbringen, fällt der Vorteil der Geschlechtertrennung weg. Dann wäre die getrenntgeschlechtliche Spezies Mensch sogar Hermaphroditenpopulationen unterlegen, denn dort können beide Seiten Nachkommen in die Welt setzen.

    Alice Schwarzer visioniert in "Die Antwort" einen neuen Menschen (S. 168):

    "Ja, es stimmt, die schlimmsten Albträume der Fundamentalisten und Biologisten müssten wahr werden: Das werden nicht mehr die gewohnten 'Frauen und Männer' sein [...], sondern herauskommen wird ein 'neuer Mensch'. Ein Mensch, bei dem die individuellen Unterschiede größer sein werden als der Geschlechtsunterschied."

    Das ist der sog. egoistische Fehlschluss: "Ich will, dass es so ist, also soll es auch so sein."

    Sie strebt hier an, den Menschen gewissermaßen zum Hermaphroditen zu mutieren, da (S. 41) "die vorherrschende Heterosexualität ein Resultat der kulturellen Priorität ist."

    Die Sache hat allerdings einen Haken: Die höchstentwickelste hermaphroditische biologische Art in der Natur ist nach meiner Kenntnis der Regenwurm. Und der hat noch den Vorteil, dass beide Elternteile Nachkommen produzieren können. Will sie uns zum Wurm machen?

    Ne ne, so wird das mit uns leider nichts mehr. Erst müssen wir mal von unserem hohen Ross herunterkommen, das da heißt: "Voraussetzungen akzeptieren wir nicht. Wir können alles in dieser Welt so verändern, wie wir das wollen, weil wir es wollen."

    Wenn also jemand meint, es müsse in dieser Gesellschaft unbedingt angestrebt werden, dass sich Frauen und Männer die Familienarbeit für ihre Kinder paritätisch teilen, dann soll der bitte den Nachweis führen, dass das
    a) langfristig machbar ist,
    b) keine gravierenden Nachteile hat,
    c) tatsächlich Sinn macht.

  7. Mona Äh...?
    20.03.2010, 13:40

    @Michel

    „Sprüche wie "Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment." mögen bei den 68ern cool geklungen haben, würden aber bei den meisten heutigen jungen Leuten als arrogant, herzlos und hohl erkannt.“

    Diese Sprüche wurden damals von Männern der Studentenrevolte geklopft, die noch ganz im Patriachat verhaftet waren. Die Frauen haben als Konsequenz darauf ihr eigenes Ding durchgezogen, die Emanzipation.

    @Ute
    „LOL! Den kannte ich noch nicht!“

    Wirklich! Ich frage mich die ganze Zeit schon, auch im Hinblick auf die gute Kindergartenversorgung von der Sie sprachen, sind Sie im Osten der Republik beheimatet

  8. Ralph Würfel @Lena: Selbstverwirklichung
    20.03.2010, 13:42

    Ich weiß nicht, auf welche Ausführungen Sie sich beziehen.
    Mir war es nur wichtig darauf zu verweisen, dass persönliche Selbstverwirklichung sehr unterschiedlich sein kann und also mitnichten Ihrem "Sinn des Lebens" entgegen wirken muss. Oder anders gesagt: Ihre Argumentation hinkt, und Sie schütten das Kind mit dem Bade aus.

    Ob ich Ihre Ausführungen auch verstanden habe, liegt mir fern zu beurteilen.

  9. Lena Waider Emanzipation
    20.03.2010, 13:56

    "Diese Sprüche wurden damals von Männern der Studentenrevolte geklopft, die noch ganz im Patriachat verhaftet waren. Die Frauen haben als Konsequenz darauf ihr eigenes Ding durchgezogen, die Emanzipation."

    Die dann als Uschi Obermaier in die Welt hinaustrat.

  10. Ute @Mona
    20.03.2010, 14:01

    Nein. Ich wohne in Dortmund, bin auch hier geboren und aufgewachsen und nur zwischendrin mal jeweils ein paar Jahre in London, Rennes, Brüssel und Essen gewesen.

    Ursachen und Konsequenzen von Mai '68 waren sogar Thema einer meiner Abschlußprüfungen im Fach Politik an der Uni - aber da das Studium nicht in Deutschland stattfand, kamen mir solch ulkige Sprüche nie unter. *g*

  11. Ralph Würfel @Lena: "Sex" und "Gender"
    20.03.2010, 14:02

    "Wenn Frauen und Männer in der Regel 50% der 'Elterninvestments' (so heißt es in der Soziobiologie) erbringen, fällt der Vorteil der Geschlechtertrennung weg. Dann wäre die getrenntgeschlechtliche Spezies Mensch sogar Hermaphroditenpopulationen unterlegen, denn dort können beide Seiten Nachkommen in die Welt setzen."

    Bedeutet das, dass Sie keinen Unterschied zwischen "sex" und "gender" anerkennen?

  12. Mona Nein @Lena Waider
    20.03.2010, 14:11

    Flexible Arbeitszeitmodelle habe ich nicht als diktatorisches Modell für jedermann gemeint, sondern als Möglichkeit für Menschen, die ihre Kinder in einer Familie aufziehen möchten. Falls jemand ein solches Modell annehmen möchte, da er Zeit braucht ein Buch zu schreiben ist das auch in Ordnung. Von einem Diktat habe ich NIE gesprochen.

    „Damit behauptest du nichts weniger als, dass Alleinerziehende seelische Krüppel produzieren.“

    Verehrte Lena, jetzt aber Moment mal! Ich sprach von Ihren Aufzuchtstationen und nicht von Alleinerziehenden. Die Kinder von Alleinerziehenden haben ja auch einen Vater, den sie (in der Regel) kennen. Außerdem gibt es ja auch männliche Verwandte, Sporttrainer, Lehrer usw. an denen sich Kinder orientieren können.

    „Schließlich: Die permanente Anwesenheit ihrer leiblichen Väter war für Kinder in der gesamten Geschichte der Menschheit noch nie von großer Bedeutung. Kinder haben es immer verkraftet, wenn z. B. der Vater monatelang außer Haus war, um etwa Amerika zu entdecken oder neue Jagdquellen zu erschließen (solange man in der Abwesenheit nicht über ihn ablästerte). Die ständige und paritätische Anwesenheit des Vaters in der Erziehung von Kindern ist Ausfluss des feministischen Egoismus (einige sagen: des egoistischen Fehlschlusses, nämlich vom Wollen auf das Sollen zu schließen). Es gehört zu den ersten Dingen, die man als Frau im Leben akzeptieren sollte, weil dies in der gesamten Biologie so ist, und zwar völlig egal, ob es sich um Enten oder Menschen handelt: Nachkommen sind für den weiblichen Elternteil mit höheren Kosten verbunden als für den männlichen. Aus diesem Unterschied speist sich fast alles, was auf der Erde schön und erhaltenswert ist. Hebt man diesen Unterschied auf, tritt ein hässlicher Egoismus zu Tage.“

    Da verschlägt es mir jetzt aber glatt die Sprache, Sie schmeißen hier ja alles zusammen. Wir sind eine menschliche Gesellschaft und kein Ameisenstaat und auch keine Enten. Jeder der sich mit Kindererziehung befasst weiß, dass der Vater wichtig ist. Auch in matrilinearen Gesellschaften gab es für Kinder eine männliche Bezugsperson, dass war der Bruder der Mutter.
    Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Oheim

  13. Kunar Welche Ideologie?
    20.03.2010, 14:22

    @Lena Waider

    "Sie propagieren aber umgekehrt etwas, was angeblich ein Gewinn sein soll, was ich jedoch bislang nicht sehen kann."

    Verschiede Möglichkeiten, sein Leben zu führen (als Alternative zu "alle müssen es so machen") sind kein Gewinn für Sie? Schade.

    "Wenn also jemand meint, es müsse in dieser Gesellschaft unbedingt angestrebt werden, dass sich Frauen und Männer die Familienarbeit für ihre Kinder paritätisch teilen, dann soll der bitte den Nachweis führen, dass das
    a) langfristig machbar ist,
    b) keine gravierenden Nachteile hat,
    c) tatsächlich Sinn macht."

    Ich habe nie behauptet, dass es alle so machen sollen. Und wer hat von "die ganze Zeit über 50%" geredet? Ich nicht. Das ist doch ein Extrem, das für viele Menschen nicht passen wird und das man mit Gratismut leicht als falsch identifizieren kann. Aber daraus zu schließen, dass das umgekehrte Extrem richtig sei... naja, nicht mein Ding.

  14. Lena Waider @Mona Nein, und nochmals nein!
    20.03.2010, 18:17

    "Flexible Arbeitszeitmodelle habe ich nicht als diktatorisches Modell für jedermann gemeint, sondern als Möglichkeit für Menschen, die ihre Kinder in einer Familie aufziehen möchten. Falls jemand ein solches Modell annehmen möchte, da er Zeit braucht ein Buch zu schreiben ist das auch in Ordnung. Von einem Diktat habe ich NIE gesprochen."

    Nur würden Sie dann alle Menschen mit anstrengenden und zeitaufwendigen Jobs in die Kinderlosigkeit verdammen.

    "Verehrte Lena, jetzt aber Moment mal! Ich sprach von Ihren Aufzuchtstationen und nicht von Alleinerziehenden. Die Kinder von Alleinerziehenden haben ja auch einen Vater, den sie (in der Regel) kennen. Außerdem gibt es ja auch männliche Verwandte, Sporttrainer, Lehrer usw. an denen sich Kinder orientieren können."

    Ja wie kamen Sie denn auf die Aufzuchtstationen? Ich wies darauf hin, dass es in unserer Gesellschaft immer mehr in Richtung Individualisierung, Spezialisierung und einer damit verbundenen Zunahme der Arbeitsteilung geht, während der Gleichheitsfeminismus aus ideologischen Gründen gleichzeitig die älteste vorhandene menschliche Arbeitsteilung (einige Biologen behaupten, der Neandertaler sei in der Hinsicht weniger strikt gewesen und habe deshalb gegenüber dem Menschen verloren), die wesentlicher Grund für den Erfolg des Menschen war, wieder aufheben möchte. Ich bin deshalb der Meinung, dass gerade Mehrkindfamilien Mütter haben sollten, die sich ganz auf diesen Job konzentrieren können und nicht gleichzeitig noch einer anderen Erwerbsarbeit nachgehen müssen. Wieso versuchten Sie diese Mütter in einen Zusammenhang mit Aufzuchtstationen zu bringen? Man muss sich manchmal schon wundern.

    "Wir sind eine menschliche Gesellschaft und kein Ameisenstaat und auch keine Enten."

    Wir sind Lebewesen und keine Laborratten durchgeknallter Forscher (siehe Reimer-Experiment). Wer ist denn auf das kranke Genderkonzept gekommen? Wir sind biologische Lebewesen!

    "Jeder der sich mit Kindererziehung befasst weiß, dass der Vater wichtig ist. Auch in matrilinearen Gesellschaften gab es für Kinder eine männliche Bezugsperson, dass war der Bruder der Mutter."

    Natürlich sind Männer für die Erziehung wichtig. Aber es muss nicht zwingend der leibliche Vater sein. Bei den Mosuo gilt es sogar als unziemlich, nach dem leiblichen Vater zu fragen.

    Ich persönlich halte es für ein Menschenrecht, sich für Kinderlosigkeit zu entscheiden. In Deutschland bleiben recht viele Menschen kinderlos. Es muss dann aber andere geben, die für einen Ausgleich sorgen, sonst wird die Generationengerechtigkeit verletzt. Auf die nächste Generation kämen dann Lasten zu, die für die nur schwer zu schultern sind. Demografen weisen seit vielen Jahren darauf hin, dass der Geburtenrückgang in Deutschland in erster Linie auf das Verschwinden der Mehrkindfamilien zurückzuführen ist. Die sind nämlich heute kaum mehr finanzierbar, höchstens unter Hartz IV (na toll!). Bei einer Familie mit 3 oder mehr Kindern muss ein Elternteil in aller Regel zu Hause bleiben, meist ist es die Frau. Man hat dann maximal 1 Gehalt, aber eine Menge Kosten für die Familie. Entweder ist der Mann wirklich wohlhabend, oder die Familie ist dann arm. Die meisten Menschen wollen das heute so nicht mehr. Das ist aber nicht Gott gegeben, sondern ein Resultat der gleichheitsfeministischen Ideologie!

    Für eine Frau mit mehreren Kindern sieht die Situation normalerweise so aus:
    1. Sie muss das Kind im Bauch entstehen lassen und zur Welt bringen.
    2. Danach sollte es nach Möglichkeit gestillt werden. Kinder sind dann gesünder und offenbar auch intelligenter (Stillen soll 7 IQ-Punkte bringen: http://www.welt.de/...igenzquotienten_erhoeht.html).

    Macht sie das für 4 Kinder, fällt sie für mindestens 12 Jahre aus! Danach hat sie weiterhin so viel Familienarbeit (wie oft ist mal ein Kind krank?), dass an einen normalen Job kaum zu denken ist. Die Familie wächst dann in Armut auf. Das ist skandalös! Es gibt bis heute kein Konzept dagegen!

    All das hat uns der Gleichheitsfeminismus gebracht. Immer mehr Kinder sind arm und krank und alle Welt schaut zu. Doch kaum wird vorgeschlagen, diesen Zustand endlich zu ändern, und einen Beruf für Familienarbeit zu schaffen, wird so getan, als würde dabei etwas Unsoziales vorgeschlagen. Dabei hat der Gleichheitsfeminismus eine abartige, nicht dem Leben entsprechende, egoistische und kranke Welt geschaffen. Er argumentiert mit Konzepten (z. B. Gender) für die es außer kranken Experimenten von durchgeknallten Wissenschaftlern keine Basis gibt. Die entscheidenden Konzepte basieren ausschließlich auf Wunschvorstellungen und nicht auf gesichertem Wissen.

    Wir Frauen sind erst dann gleichberechtigt, wenn wir die Möglichkeit eröffnet bekommen, auch dann gleichberechtigt zu sein, wenn wir uns für das entscheiden, wofür uns die Natur geschaffen hat, nämlich Kinder entstehen zu lassen. Mit dieser absurden paritätischen Aufteilung von Familienarbeit unter den Geschlechtern, einer Ideologie, die an den Reißbrettern irgendwelcher TheoretikerInnen entstanden ist, geht das leider nicht.

  15. Lena Waider @Kunar: Ideologie!
    20.03.2010, 18:25

    "Verschiede Möglichkeiten, sein Leben zu führen (als Alternative zu "alle müssen es so machen") sind kein Gewinn für Sie? Schade."

    Wo sehen Sie die Möglichkeit, für eine Frau ein gleichberechtigtes Leben mit 4 eigenen Kindern als Alternative zur "alle Frauen müssen einer Erwerbstätigkeit nachgehen"? Eine zusätzliche Option (Familienmanagerin) für solche Frauen wäre also kein Gewinn für Sie? Schade! Muss es also doch die totalitäre gleichheitsfeministische Ideologie sein? Ich wiederhole es gerne noch einmal für Sie. Simone de Beauvoir:

    "No woman should be authorized to stay at home to raise her children. Society should be totally different. Women should not have that choice, precisely because if there is such a choice, too many women will make that one."

    Soll ich es für Sie übersetzen? Wie konnte es gelingen, dies als neue Freiheiten zu verkaufen, während ein bezahlter Beruf für Familienarbeit als Unfreiheit bzw. als Zwang deklariert wird? An welcher Stelle im Gehirn liegt das Problem?

    "Aber daraus zu schließen, dass das umgekehrte Extrem richtig sei... naja, nicht mein Ding."

    Das umgekehrte Extrem wäre eine zusätzliche Option: Der Staat schreibt Stellen aus, und man kann sich darauf bewerben, muss es aber nicht. Sie können mir folgen? Sie kennen den Unterschied zwischen können und müssen?

  16. Ralph Würfel kein Betreff
    20.03.2010, 19:02

    "Wer ist denn auf das kranke Genderkonzept gekommen? Wir sind biologische Lebewesen!"

    Mit dieser Aussage haben Sie sich nun endgültig diskreditiert. Der Mensch als rein biologisches Wesen? Ich meine, man nennt das Biologismus. Da wissen wir ja nun sicher, woher (oder wohin?) der Wind weht ...

    Danke für diesen "erleuchtenden" Beitrag.

  17. Mona Gleichberechtigung und Biologismus @Lena Waider
    20.03.2010, 19:16

    „Nur würden Sie dann alle Menschen mit anstrengenden und zeitaufwendigen Jobs in die Kinderlosigkeit verdammen.“

    Meinem Wissen nach habe ich keinen Menschen in die Kinderlosigkeit verdammt. Ich habe lediglich Anregungen gegeben, wie man Kinder und Beruf unter einen Hut bekommen könnte.

    „Natürlich sind Männer für die Erziehung wichtig. Aber es muss nicht zwingend der leibliche Vater sein. Bei den Mosuo gilt es sogar als unziemlich, nach dem leiblichen Vater zu fragen.“

    Ich bin schon der Meinung, dass Kinder wissen sollten wer ihr leiblicher Vater ist.
    „Ich persönlich halte es für ein Menschenrecht, sich für Kinderlosigkeit zu entscheiden. In Deutschland bleiben recht viele Menschen kinderlos. Es muss dann aber andere geben, die für einen Ausgleich sorgen, sonst wird die Generationengerechtigkeit verletzt. Auf die nächste Generation kämen dann Lasten zu, die für die nur schwer zu schultern sind. Demografen weisen seit vielen Jahren darauf hin, dass der Geburtenrückgang in Deutschland in erster Linie auf das Verschwinden der Mehrkindfamilien zurückzuführen ist. Die sind nämlich heute kaum mehr finanzierbar, höchstens unter Hartz IV (na toll!). Bei einer Familie mit 3 oder mehr Kindern muss ein Elternteil in aller Regel zu Hause bleiben, meist ist es die Frau. Man hat dann maximal 1 Gehalt, aber eine Menge Kosten für die Familie. Entweder ist der Mann wirklich wohlhabend, oder die Familie ist dann arm. Die meisten Menschen wollen das heute so nicht mehr. Das ist aber nicht Gott gegeben, sondern ein Resultat der gleichheitsfeministischen Ideologie!“

    Ja, warum auch nicht! Keiner muss Kinder haben, wenn er nicht will. In Bezug auf die Schwierigkeit Mehrkindfamilien zu finanzieren gebe ich Ihnen recht. Sicherlich ist auch eine verfehlte Politik daran schuld, aber ihr Modell, der FM, halte ich für nicht gut (um es einmal gelinde auszudrücken).

    „All das hat uns der Gleichheitsfeminismus gebracht. Immer mehr Kinder sind arm und krank und alle Welt schaut zu. Doch kaum wird vorgeschlagen, diesen Zustand endlich zu ändern, und einen Beruf für Familienarbeit zu schaffen, wird so getan, als würde dabei etwas Unsoziales vorgeschlagen.“
    Ach, da gibt es noch eine Menge andere Gründe, die würde der Familienberuf auch nicht ändern.

    „Wir Frauen sind erst dann gleichberechtigt, wenn wir die Möglichkeit eröffnet bekommen, auch dann gleichberechtigt zu sein, wenn wir uns für das entscheiden, wofür uns die Natur geschaffen hat, nämlich Kinder entstehen zu lassen. Mit dieser absurden paritätischen Aufteilung von Familienarbeit unter den Geschlechtern, einer Ideologie, die an den Reißbrettern irgendwelcher TheoretikerInnen entstanden ist, geht das leider nicht.“

    Für mich bedeutet Gleichberechtigung auch, dass ich mich frei für ein Lebensmodell entscheiden kann.

    Den Satz „wofür uns die Natur geschaffen hat“, müsste man erst einmal hinterfragen. Kann die Natur Schöpfer sein? Wir sind hier auf einem Religionsblogger, deshalb gibt es dazu sicher unterschiedliche Meinungen.

    Oder um es mit Herrn Würfels Worten zu sagen: „…Der Mensch als rein biologisches Wesen? Ich meine, man nennt das Biologismus. Da wissen wir ja nun sicher, woher (oder wohin?) der Wind weht ...

  18. Michael Blume @ Ralph Würfel
    20.03.2010, 19:40

    Danke für Ihre Sorge(n)! Da bin ich doch gerne optimischer! :-)

    Ich wünsche mir da etwas mehr Schärfe in der Bestimmung des Typus. Im Moment kann ich auch den Egoisten darunter packen (muss es aber nicht) bzw. kann die Ausbildung des Ego (die ja eine wichtige notwendige Stufe in der Entwicklung der Menschheit ist) verwerfen und mich wieder zurück in die gute alte Zeit sehnen - alles, weil die die ganze Gesellschaft "gefühlt" in die falsche Richtung fährt.

    Ja, das dürfen Sie - denn die Gedanken sind frei. Denken Sie, prüfen Sie, diskutieren Sie, verwerfen oder behalten Sie - aber lassen Sie sich das Denken von niemandem "vorab" verbieten! Und wenn mein Blog tatsächlich dazu beitragen sollte, dass Leute zu Gedanken und Ideen kämen, die ihnen sonst nicht gekommen wären, hat er seinen Zweck erfüllt! *Freut sich*

    Man muss da "höllisch" aufpassen, welche Geister man heraufbeschwört.

    Ja, in Deutschland hatten wir vor der Freiheit schon immer besonders viel Angst. Wir wollen es ge- und verordnet haben, von oben herab. Wie auch viele Diskussionen um Familienpolitik zeigen. Meines Erachtens geht es bei Wissenschaft und Kunst dagegen um das Noch-nicht-gedachte und Noch-nicht-probierte.

    Meine persönlichen Leitplanken sind die Menschenrechte und unser Grundgesetz als Rahmen für ein Leben in Freiheit und Vielfalt. Davor brauchen Sie sich m.E. wirklich nicht zu fürchten! :-)

  19. Michael Blume @ Lena Waider: Väter
    20.03.2010, 19:50

    Wow, das waren nun aber deutliche An- bzw. Absagen an Väter. Sie schrieben:

    Die permanente Anwesenheit ihrer leiblichen Väter war für Kinder in der gesamten Geschichte der Menschheit noch nie von großer Bedeutung. Kinder haben es immer verkraftet, wenn z. B. der Vater monatelang außer Haus war, um etwa Amerika zu entdecken oder neue Jagdquellen zu erschließen (solange man in der Abwesenheit nicht über ihn ablästerte). Die ständige und paritätische Anwesenheit des Vaters in der Erziehung von Kindern ist Ausfluss des feministischen Egoismus (einige sagen: des egoistischen Fehlschlusses, nämlich vom Wollen auf das Sollen zu schließen).

    Aus der Perspektive der Evolutionsforschung erlaube ich mir zu widersprechen. Gerade in diesen Tagen ist die deutsche Fassung von Sarah Hrdys "Mothers and Others" erschienen, die präzise auf die einzigartig "gemeinschaftliche" Kinderbetreuung bei unseren Vorfahren verweist.
    http://www.chronologs.de/...sforscherin-sarah-hrdy

    Schließlich möchte ich als Vater auch darauf verweisen, dass ich meine Kinder intensiv erleben und mit-erziehen möchte. So habe ich (noch vor der Einführung des Erziehungsgeldes) nach der Geburt meiner Tochter wie auch meine Frau Teilzeit gearbeitet und mich also mit gekümmert. Diese Monate gehören zu den schönsten Zeiten meines Lebens, auch wenn es damals noch gerümpfte Nasen über einen Papa mit Kinderwagen gab.

    Verstehen Sie mich nicht falsch: Wenn Sie ein anderes Modell bevorzugen, leben Sie es. Aber ich lasse mich persönlich als Mann nicht mehr auf die Rolle des Verdieners beschränken, ich will auch Zeit mit meinen Kindern (für die ich nicht bezahlt werden will, weil es meine Kinder sind), ebenso wie meine Frau den Wunsch und das Recht hat, ihre Ausbildung auch im Berufsleben umzusetzen. M.E. sind in der Regel die Menschen selbst die besten Experten ihres eigenen Lebens.

  20. Michael Blume @ Mona: Emanzipation
    20.03.2010, 19:59

    Du schriebst sehr zutreffend: Diese Sprüche wurden damals von Männern der Studentenrevolte geklopft, die noch ganz im Patriachat verhaftet waren. Die Frauen haben als Konsequenz darauf ihr eigenes Ding durchgezogen, die Emanzipation.

    Ja, und später setzten sich dann auf der Linken Bundeskanzler und Außenminister mit Mehrfachehen und Machosprüchen ("Frauen und Gedöns" etc.) durch, während sich bei den Bürgerlichen je die ersten Frauen als Bundestagspräsidentin und schließlich Bundeskanzlerin durchsetzten... Da ich die 68er als Lehrergeneration (mit Vor- und Nachteilen) erwischt hatte, möge man mir eine gewisse Skepsis gegenüber selbsternannten Fortschrittsmachern und "neuen Menschen" verzeihen... ;-)

  21. Ralph Würfel Interpretationsspielräume
    20.03.2010, 20:00

    Lieber Michael Blume,
    bitte missverstehen Sie mich nicht – ich will doch niemanden in seiner Meinungsfreiheit einschränken. Ich mahne nur zur Vorsicht, denn solch unscharfe Begriffe laden förmlich dazu ein, jeden und jede als „Ichling“ zu verunglimpfen. Ich bin zwar nicht der Ansicht, dass wir in einer solchen „Ichling-Kultur“ leben, akzeptiere aber selbstverständlich, dass andere das (und auch mich vielleicht) so sehen. Nur will ich mich dagegen auch zur Wehr setzen können. Und das kann ich nur, wenn ich genau weiß, was gemeint ist. Sonst redet man ja aneinander vorbei.

  22. Michael Blume @ Lena Waider: Natürlich
    20.03.2010, 20:06

    Liebe Frau Waider,

    auch ich halte es für schwierig, aus der gewachsenen Natur normative Ansprüche ("So soll es sein!") abzuleiten. Warum dann nicht auch z.B. aus der Kultur ("Das war schon immer so!")? Oder der Wissenschaft?

    Schauen Sie, mein Forschungsgebiet ist ja die Evolution der Religiosität als ein natürliches und, wie wir sehen, evolutionär erfolgreiches Merkmal menschlichen Verhaltens. Aber ich würde entschieden widersprechen, wenn jemand daraus schließen würde, dass nun Menschen religiös (oder musikalisch, oder sprachbegabt etc,.) sein "müssten". Evolutionsforschung hat m.E. Freiheitsräume (auch zur Reflektion) zu erweitern, aus ihr allein lassen sich keine normativen Vorschriften ableiten. Wie sehen Sie das?

  23. Michael Blume @ Ralph Würfel
    20.03.2010, 20:15

    Okay, kein Problem! Ich mahne nur zur Vorsicht, denn solch unscharfe Begriffe laden förmlich dazu ein, jeden und jede als „Ichling“ zu verunglimpfen.

    Genau so ist die Debatte damals ja auch entstanden - der Ichling-Begriff wurde webweit diskutiert und ich schlug eine launige Definition vor. Die mir sogar bis heute ganz gut gefällt, aber natürlich keinen wissenschaftlichen Anspruch erhebt.

    Ich bin zwar nicht der Ansicht, dass wir in einer solchen „Ichling-Kultur“ leben, akzeptiere aber selbstverständlich, dass andere das (und auch mich vielleicht) so sehen.

    Darum geht es ja! Mir hat an dem hier vorgestellten Film gefallen, dass er eingefahrene Muster von "Siegern" und "Verlierern" bittersüß hinterfragt. Ich finde, lebendige Kultur "soll" auch verunsichern, weil sich so neue (Denk-)Wege eröffnen.

    Nur will ich mich dagegen auch zur Wehr setzen können. Und das kann ich nur, wenn ich genau weiß, was gemeint ist. Sonst redet man ja aneinander vorbei.

    Naja, vor mir müssen Sie sich "nicht zur Wehr setzen" - ich hatte Ihnen ja gar nicht unterstellt, ein (reiner) Ichling zu sein. Sie scheinen sich ja auch zu interessieren, zu engagieren, auch zu reflektieren etc. Nehmen Sie diese Filmrezension (!) doch einfach als muntere Anregung, eine persönliche (Ab-)Wertung ist nicht gemeint. Wenn Sie wollen, können wir sogar gemeinsam schmunzeln: Hätten alle Konfessionslosen Kinder, würden meine schönen Statistiken nicht mehr stimmen! *Schock* Also muss ich Ihnen doch sogar persönlich dankbar sein!!! ;-)

  24. Lena Waider @Michael Blume Wissenschaft?
    20.03.2010, 20:31

    "auch ich halte es für schwierig, aus der gewachsenen Natur normative Ansprüche ("So soll es sein!") abzuleiten. Warum dann nicht auch z.B. aus der Kultur ("Das war schon immer so!")? Oder der Wissenschaft?"

    Aus der Wissenschaft folgt in der Hinsicht nichts. Die normativen Ansprüche folgen aus dem Wollen (ich erwähnte den egoistischen Fehlschluss bereits): "Ich will, dass etwas so ist, also soll etwas so sein."

    In diesem Sinne wurde von De Beauvoir in "Das andere Geschlecht" behauptet, dass
    a) die Wissenschaft nicht wisse, was der Vorteil der Geschlechtertrennung sei und
    b) Frauen sich vielfach eine Fortpflanzung ohne männliche Beteiligung wünschten.

    Dies war keine wissenschaftliche Erkenntnis, sondern Wunschdenken.

    Entsprechend wurde dann gefolgert, dass der Geschlechterunterschied kein wirklich biologischer sei, sondern ein sozialer ("man wird nicht als Frau geboren ...").

    Auf dieser Basis wurde das Genderkonzept aus der Taufe gehoben. Nun war die Behauptung, Frauen und Männer sollten sich die Familienarbeit paritätisch teilen, nur das wäre gerecht.

    Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich finde es schön, wenn Paare das machen. Nur dann bitte als private Entscheidung. Darauf kann man kein gesellschaftsweites Nachwuchskonzept gründen.

    Die Folgen bekommen wir längst zu spüren: Fertilitätsraten von 1,3 - 1,4 seit 40 Jahren, zunehmend verarmende und in Bildungsferne aufwachsende Kinder, Kinder denen bereits die Milchzähne wegfaulen. Das sind alles Kollateralschäden des gleichheitsfeministischen Experiments.

    Ich finde, dieses gescheiterte Experiment sollte nun ein Ende haben. Dass es einige privilegierte Menschen - zu denen ich Sie auch zähle - noch immer nicht mitzubekommen scheinen, was draußen wirklich los ist, wie die Familiensituation in unserem Lande wirklich aussieht, sollte kein Grund dafür sein, diesen Horror weiter zu betreiben.

    Ich bin für eine Beendigung des gleichheitsfeministischen Experiments, da es aus dem Land der Dichter und Denker binnen weniger Jahrzehnte ein Land der armen Kinder gemacht hat.

  25. Lena Waider @Michael Blume Emanzipation
    20.03.2010, 20:39

    "Ja, und später setzten sich dann auf der Linken Bundeskanzler und Außenminister mit Mehrfachehen und Machosprüchen ("Frauen und Gedöns" etc.) durch, während sich bei den Bürgerlichen je die ersten Frauen als Bundestagspräsidentin und schließlich Bundeskanzlerin durchsetzten..."

    Nun kamen mir die Männer noch immer vergleichsweise höflich vor. Eine Valerie Solanas ist mir darunter nicht bekannt. Und Sprüche wie, wir brauchen keine Erziehung zu mehr Männlichkeit, sondern zu mehr Menschlichkeit (Schwarzer), hat auch kein Mann abgelassen.

    Mir fällt unter Männern der zunehmende Frust über den ihnen begegnenden Sexismus (speziell in den Medien, in der Werbung etc.) auf.

    Und Sprüche wie "wer 2x mit der gleichen pennt ...". Ja du liebe Güte, wissen Sie was unter meinen "Schwestern" so alles gesprochen wird?

  26. Michael Blume @ Lena Waider
    20.03.2010, 20:57

    Danke für das engagierte Plädoyer.

    Nun, einen Teil der Kritik an einseitig kulturalistischen Genderkonzepten kann ich durchaus teilen. Denn aus meiner Sicht sind Menschen immer SOWOHL durch Natur wie Kultur bestimmt, weswegen sowohl Biologismus wie auch Kulturalismus zu kurz springen.

    Zu Ihrer Kritik:

    Ich finde es schön, wenn Paare das machen. Nur dann bitte als private Entscheidung. Darauf kann man kein gesellschaftsweites Nachwuchskonzept gründen.

    Nun, ich halte auch nichts von "gesellschaftsweiten Nachwuchskonzepten". Wir sind schließlich keine Ameisen, sondern Menschen und haben also sowohl individuelle wie soziale Aspekte. Auch hier gilt m.E.: Sowohl übersteigerter Egoismus wie Kollektivismus gehen daneben. Vor allem aber sehe ich keinen Bedarf: Zwar sind die Geburtenraten in Deutschland zu niedrig, aber in den USA, Frankreich, Schweden, Irland etc. liegen sie recht nahe bei 2,1 - ganz ohne den Menschen aufgezwungene Modelle. Sehr viele Religionsgemeinschaften (Amische, Hutterer, Mormonen, orthodoxes Judentum etc.) erreichen schon heute sogar reales, demografisches Wachstum ohne "bezahltes Familienmanagement" & Co. Aussterben wird die Menschheit schon nicht, sondern sich weiter verändern - evolvieren.

    Wenn Sie ein bestimmtes Familien- und Gemeinschaftsmodell propagieren wollen, dann leben Sie es doch einfach. Schließen Sie sich mit Gleichgesinnten zusammen und beweisen Sie dem Rest der Welt, dass es großartig und nachahmenswert ist. Aber ich will in keinem Staat leben, der mir vorschreibt, ob und wie meine Frau und ich unser Familienleben gestalten.

    Die Folgen bekommen wir längst zu spüren: Fertilitätsraten von 1,3 - 1,4 seit 40 Jahren, zunehmend verarmende und in Bildungsferne aufwachsende Kinder, Kinder denen bereits die Milchzähne wegfaulen. Das sind alles Kollateralschäden des gleichheitsfeministischen Experiments.

    Na, aber hallo - geht es nicht auch etwas differenzierter!? Auch in Japan, Polen, Russland (!) und vielen anderen Ländern sind die Geburtenraten in der gleichen Tiefe, ohne dass sich dort eine Dominanz des Feminismus behaupten ließe. Umgekehrt haben Schweden und Franzosen nahezu ausreichend Kinder, obwohl (oder besser: weil?) es sich um sehr progressive Gesellschaften handelt.

    Und dass heute Kindesvernachlässigung oder Mißhandlung verbreiteter wären als früher, wage ich doch sehr zu bezweifeln. Heute kümmert es uns eben, wir begehren dagegen auf.

    Ich finde, dieses gescheiterte Experiment sollte nun ein Ende haben.

    Dann leben Sie doch ein anderes! Aber versuchen Sie nicht, es anderen Menschen via Politik aufzuzwingen. Lassen Sie uns die Freiheit, unsere eigenen Wege zu suchen.

    Dass es einige privilegierte Menschen - zu denen ich Sie auch zähle - noch immer nicht mitzubekommen scheinen, was draußen wirklich los ist, wie die Familiensituation in unserem Lande wirklich aussieht, sollte kein Grund dafür sein, diesen Horror weiter zu betreiben.

    Tja, was soll ich dazu sagen? Nein, weder meine Frau noch ich stammen aus "privilegierten Verhältnissen", wir sind z.B. je die ersten in unseren Familien mit höherer Schulbildung. Und haben uns praktisch alles selbst erarbeitet und derzeit zwei kleine Kinder, mithin also ausreichend Kontakt mit der Realität (Sie auch?).

    Gerade übrigens auch aus der Perspektive der Evolution des Menschen - die ja zu 99,9% außerhalb staatlicher Organisation stattfand - wundern mich z.B. Forderungen nach "bezahlter Familienarbeit" & Co. Wenn unsere Vorfahren nicht auch Familien durch Not und Entbehrungen getragen hätten, sondern auf staatliche Vollkasko gewartet hätten, gäbe es uns nicht.

    Ich bin für eine Beendigung des gleichheitsfeministischen Experiments, da es aus dem Land der Dichter und Denker binnen weniger Jahrzehnte ein Land der armen Kinder gemacht hat.

    Dann begründen Sie mit Gleichgesinnten eine Gemeinschaft, die uns zeigt, wie man es besser macht! Haben, erziehen oder finanzieren Sie in dieser Gemeinschaft viele glückliche Kinder! Und verzeihen Sie bis dahin einfach jenen von uns Skeptikern, die nicht bereit sind, ihre persönliche und gemeinschaftliche Freiheit schon vorab zugunsten einer (weiteren) staatlichen Zwangsbeglückungsutopie abzugeben! :-)

  27. Ralph Würfel Fehleranalysen
    20.03.2010, 21:37

    "Entsprechend wurde dann gefolgert, dass der Geschlechterunterschied kein wirklich biologischer sei, sondern ein sozialer."

    Das ist falsch. Es wurde gefolgert, dass es einen biologischen (sex) UND einen sozialen (gender) Unterschied gibt.

    "Nun war die Behauptung, Frauen und Männer sollten sich die Familienarbeit paritätisch teilen, nur das wäre gerecht."

    Auch das ist falsch. Aus keinem Gender-Konzept geht so eine Aussage hervor. "Gender" meint zunächst ein Rollen-Verhalten, nicht Hausarbeitsteilung. Der Begriff "Gender" ist von der feministischen Literatur aufgegriffen worden - sie hat ihn nicht erfunden.
    Und natürlich ist die Aufteilung der Hausarbeit und Kindererziehung Privatsache. Auch jetzt, auch "da draußen" - verschwörungstheoretische Mutmaßungen der Sorte " gleichheitsfeministisches Experiment" sind so konstruiert wie deren Verbindung zu Hygienemaßnahmen oder Bildungsproblemen.

  28. Lena Waider @Ralph Würfel
    20.03.2010, 22:30

    "Das ist falsch. Es wurde gefolgert, dass es einen biologischen (sex) UND einen sozialen (gender) Unterschied gibt."

    Ist nur eine Auffassung. Populär ist Judith Butler, die hat eine andere. Wikipedia: "Butler vertritt die Auffassung, dass Geschlecht ausschließlich eine soziale Kategorie darstellt, die dem Körper ein biologisches Geschlecht einschreibt."

    "verschwörungstheoretische Mutmaßungen ..."

    Ist offizielle Politik der Bundesregierung. Nix Mutmaßungen.

  29. Lena Waider @Michael Blume Klingt fast wie Hohn
    20.03.2010, 22:54

    "Vor allem aber sehe ich keinen Bedarf: Zwar sind die Geburtenraten in Deutschland zu niedrig, aber in den USA, Frankreich, Schweden, Irland etc. liegen sie recht nahe bei 2,1 - ganz ohne den Menschen aufgezwungene Modelle."

    Vielleicht besteht überhaupt kein Bedarf, nicht einmal angesichts des Ichlings. Vielleicht ist auch die Bankenkrise etwas ganz Normales, denn immerhin konnten die Menschen noch Geld abheben. Freuen wir uns also: Alles ist schön, auch die Fertilitätsrate von 1,66 (!) in dem von Ihnen hoch gelobten Schweden. Auch die Tatsache, dass es in den genannten Ländern vor allem Menschen mit niedriger Bildung und geringerem Einkommen sind, die für die hohen Geburtenraten sorgen, stimmt uns nicht nachdenklich. Denn für unsere Kinder nur das Beste!

    "Wenn Sie ein bestimmtes Familien- und Gemeinschaftsmodell propagieren wollen, dann leben Sie es doch einfach. Schließen Sie sich mit Gleichgesinnten zusammen und beweisen Sie dem Rest der Welt, dass es großartig und nachahmenswert ist."

    Das klingt fast wie Hohn. Wie lebt es sich denn z. B. mit 5 Kindern (wenn man so etwas vorhätte)? Einfache Antwort: H4.

    "Aber ich will in keinem Staat leben, der mir vorschreibt, ob und wie meine Frau und ich unser Familienleben gestalten."

    Das tut er aber die ganze Zeit. Die gesellschaftliche Norm ist die Doppelverdiener-Ehe. An der richtet sich die Familienpolitik aus. Haben Sie mal etwas von einem staatlichen Familienmanager-Modell als Zusatz gehört? Ich nicht. Warum? Weil dies gegen die gesellschaftliche Norm der Doppelverdiener-Ehe verstößt. Frauen sollen nicht mehrere Kinder in Vollzeit aufziehen, sondern den Unternehmen zur Verfügung stehen. Alles was von dieser Norm abweicht, wird erst gar nicht diskutiert.

    Sie meinen der Staat würde nicht normativ eingreifen? Nun, das tut er doch die ganze Zeit, indem er bestimmte Dinge begünstigt und andere Optionen austrocknen lässt.

    "Franzosen nahezu ausreichend Kinder, obwohl (oder besser: weil?) es sich um sehr progressive Gesellschaften handelt."

    Frankreich ist im Vergleich zu Deutschland eine zutiefst patriarchalische Gesellschaft. Im Global Gender Gap Report landete Frankreich stets weit hinter D.

    "Lassen Sie uns die Freiheit, unsere eigenen Wege zu suchen."

    Unter Freiheit verstehe ich unterschiedliche Optionen. Sie scheinen unter Freiheit fehlende Optionen zu verstehen. Eine interessante Sichtweise. Vielleicht verstehen einige sogar unter Freiheit das, was Simone de Beauvoir einst von sich gab.

    "Wenn unsere Vorfahren nicht auch Familien durch Not und Entbehrungen getragen hätten, sondern auf staatliche Vollkasko gewartet hätten, gäbe es uns nicht."

    Das ist eine Kernaussage der Arbeiten Merschs: Patriarchalische Gesellschaften benötigen keine bezahlten Familienarbeiterinnen. Unter der Gleichberechtigung der Geschlechter werden sie dagegen zwingend erforderlich (selbst in tierischen Sozialstaaten). Etwas Entsprechendes orakelten übrigens schon vor Jahren Schirrmacher und Bolz. Sie wiesen darauf hin, dass das Aufziehen von Kindern immer mehr Sache des Staates würde (nennt man heute Hartz IV). Schirrmacher prognostizierte, dass es wohl zu einer verstärkten Arbeitsteilung unter Frauen kommen müsse. Das war ziemlich visionär. In einigen Städten werden bereits heute fast 50% aller Kinder direkt in H4 hineingeboren. Persönliche Freiheiten? Familien ohne Staatseingriff?

    " ihre persönliche und gemeinschaftliche Freiheit schon vorab zugunsten einer (weiteren) staatlichen Zwangsbeglückungsutopie abzugeben!"

    Sie meinen die Freiheit der Kinderlosen: Keine Kinder großziehen und sich die Rente von den Kindern der anderen zahlen zu lassen.

    Dann lasst uns den Ichling feiern. Er hat alles richtig gemacht.

  30. Ralph Würfel Unterscheidungen
    20.03.2010, 22:56

    Richtig, Judith Butler hat eine andere Theorie. Dann stellen Sie es bitte auch so dar und nicht verfälschender Weise als "Es wurde gefolgert". "Es" ist nämlich nur EIN Konzept, und nicht DAS Konzept.

    Was genau meinen Sie mit "Ist offizielle Politik der Bundesregierung"? Und welche Bundesregierung meinen Sie - die von vor 40 Jahren? Die vorletzte? Die gerade regierende?

  31. Michael Blume @ Lena Waider: Verstehe ich nicht
    20.03.2010, 23:46

    Liebe Frau Waider,

    ich verstehe hier einiges einfach logisch nicht. Sie beschuldigen Staat und "Ideologen", die Familien zu ruinieren. Gleichzeitig fordern Sie vom Staat, eine neue Ideologie umzusetzen, die sich angeblich aus der Evolutionstheorie ableite. Aber in der Evolution des Menschen hat es keine staatlich verordnete Familienpolitik gegeben, keine Ihrer Vorfahrinnen war "bezahlte Familienmanagerin".

    Zu meinem Vorschlag, Ihre Ideale doch einfach in Gemeinschaft mit anderen zu leben, schrieben Sie: Das klingt fast wie Hohn. Wie lebt es sich denn z. B. mit 5 Kindern (wenn man so etwas vorhätte)? Einfache Antwort: H4.

    Meine Gegenfrage: Wie war es denn in vorstaatlichen Zeiten? Woher nehmen Sie denn überhaupt den Anspruch, dass Menschen für den Kinderaufzug staatlich zu bezahlen wären? Über Jahrhunderttausende haben (Vor-)Menschen sich in Gemeinschaften in großer Vielfalt selbst organisiert, aber Sie bestehen darauf, dass der Staat Ihren Lebens- und Familienentwurf finanzieren soll. Das können Sie doch nicht ernsthaft aus der Evolutionsgeschichte des Menschen begründen, oder!?

    Und dann Sätze wie dieser: Auch die Tatsache, dass es in den genannten Ländern vor allem Menschen mit niedriger Bildung und geringerem Einkommen sind, die für die hohen Geburtenraten sorgen, stimmt uns nicht nachdenklich. Denn für unsere Kinder nur das Beste!

    Also sind Menschen mit niedriger Bildung und niedrigem Einkommen schlechtere Menschen, die sich nicht fortpflanzen sollten? Was, wenn der Evolutionsprozess eben nicht nach Gier oder IQ selektiert, sondern nach Merkmalen wie z.B. Familiensinn oder Religiosität? Wäre das schlimm? Woher nehmen Sie denn die Berechtigung, jene Menschen, die unter den heutigen Bedingungen Kinder bekommen, abzuwerten? Entweder, Sie unterstellen uns Eltern "privilegiert" zu leben, oder beschimpfen uns als Hartz 4er. Nur selber erwarten Sie Staatsknete, um anders zu leben. Naja...

    Und wenn ich auf die hohen Geburtenraten etwa in Frankreich oder unter Amischen, orthodoxen Juden etc. verweise, disqualifizieren Sie diese demografisch erfolgreichen Optionen als "patriarchal". Ja, was denn nun? Vorhin fanden Sie doch noch den "Gleichheitsfeminismus" ganz furchtbar. Aber "patriarchal" darfs auch nicht sein. Geben Sie es doch zu: Sie finden jeden böse, der nicht kritiklos mit-merscht? ;-)

  32. Lena Waider @Michael Blume Evolution
    21.03.2010, 03:36

    Das Thema ist sehr komplex, auf der anderen Seite aber auch wieder nicht.

    Zunächst einmal: Bei der Evolution geht es um den Erhalt von Lebensraumkompetenzen. Wer seine Kompetenzen nicht bewahren kann, scheidet aus dem Rennen aus.

    Darwin hat dafür ein ganz einfaches Konzept gefunden: Jedes Lebewesen unterliegt den Widrigkeiten seines Lebensraums. Diejenigen, die damit besser klarkommen (= höhere Lebensraumkompetenzen besitzen), hinterlassen mehr Nachkommen (übersetzt - und das ist ganz wichtig: diejenigen, die die höheren Lebensraumkompetenzen besitzen, bewahren ihre Kompetenzen besser). Das hat auch für menschliche Gesellschaften bis ca. 1800 gegolten, ist bei Wikipedia sehr eindrucksvoll hier nachzulesen: http://de.wikipedia.org/...B6konomisches_Paradoxon

    Ich will das mal ganz bewusst an einem Extrembeispiel verdeutlichen (damit sollen keine Menschen abgewertet werden):

    Irgendwann beschließen die Menschen, dass Bonobos irgendwie auch Menschen sind und nehmen sie in menschliche Gesellschaften auf. Doch leider bekommen sie dort keine Arbeit. Die Folge: Die Menschen gehen arbeiten und finanzieren über den Sozialstaat die Bonobos mit. Unglücklicherweise haben sie jetzt keine Zeit mehr für eigene Kinder (sie müssen ja arbeiten). Dies erledigen nun die Bonobos. Was wäre die Folge: Der Sozialstaat ruinierte sich selbst. Nach etlichen Generationen gäbe es im Grunde nur noch Bonobos.

    Wir haben aktuell das Problem, dass die eigentlichen Kulturträger (hohe Bildung, hohe sprachliche Kompetenzen, hohe berufliche Verantwortung, künstlerische Fähigkeiten, musische Kompetenzen, hohes Einkommen = gute Ressourcenbeschaffung gemäß Darwin) deutlich weniger Kinder bekommen als diejenigen, die über solche kulturellen Eigenschaften nicht verfügen. Und da liegt einfach der Verdacht nahe, dass dies langfristig nicht in Richtung mehr Kultur, sondern weniger Kultur führt. Es gibt einige Indikatoren, die in diese Richtung weisen: 1981 betrug der IQ der deutschen 15-Jährigen ca. 107, heute liegt er bei 98. Auch die PISA-Resultate zeigen bgzl. der fluiden Intelligenz fallende Werte.

    Ich leite aus der Evolutionstheorie keine gesellschaftlichen Maßnahmen ab, sondern aus der jeweiligen Organisation einer Gesellschaft unter Zuhilfenahme evolutionstheoretischer Gesichtspunkte dann die zu ergreifenden Maßnahmen. Das hat die Menschheit letztlich schon immer so gemacht. Beispielsweise gilt schon sehr lange das Prinzip: Eltern (konkret: der Vater) ernähren die Kinder. Das hatte den Effekt, dass sich Männer mit mehr Einkommen (= mehr Ressourcen) mehr Kinder leisten konnten. Das ist letztlich Darwin. Man hätte es auch anders lösen können, z. B.: Die Gemeinschaft ernährt alle Kinder gleichermaßen. Das wäre evolutionär nicht stabil gewesen. Vor wenigen Jahrhunderten musste ein Mann ein Handwerk nachweisen können, um überhaupt heiraten zu können. Das war einerseits eine soziale Maßnahme (um zu verhindern, dass Kinder einfach verhungern), andererseits eine Maßnahme im Sinne der Evolutionstheorie.

    Oftmals wird heute gefordert, das Kindergeld drastisch zu erhöhen oder gar an jedes Kind ein Grundeinkommen zu zahlen. Es gibt viele Politiker und Familienexperten, die komplett dagegen sind. Aber nicht, weil sie geizig sind, sondern weil sie unbewusst aus evolutionären Gründen argumentieren. Darunter befinden sich auch Familienexperten mit einer bekannt sozialen Einstellung. Doch diese Leute befürchten, dass dann ein Babyboom in den bildungsfernen und armen Schichten losginge, und das kann definitiv niemand wollen, weil diese Eltern eben kaum kulturelle (und ggf. genetische) Kompetenzen an ihre Kinder weitergeben.

    Es gibt evolutionär betrachtet keine absoluten Maßnahmen, die für alle Gesellschaftsformen aus der Evolutionstheorie folgen. Irgendwie scheinen Sie da etwas zu verwechseln. Ich rate Ihnen dringend, sich einmal Merschs Familienmanager-Artikel auf Knol durchzulesen (http://knol.google.com/...echtigten/6u2bxygsjec7/2), um ein Gefühl dafür zu bekommen, was evolutionstheoretisch überhaupt alles zu beachten ist, und was z. B. die Männer in diesem Zusammenhang für eine Rolle spielen. Deren Bedeutung für die Fortpflanzung wird nämlich üblicherweise sträflich unterschätzt. Mittlerweile liegt der durchschnittliche Kinderwunsch der Männer unter dem der Frauen: das ist etwas, was evolutionstheoretisch überhaupt nicht sein dürfte. Allein das stellt eine Katastrophe dar. Mersch schließt daraus: Dies ist so, weil deren Fortpflanzungsinteressen seitens der offiziellen Familienpolitik restlos ignoriert werden.

    Betrachten wir einmal eine patriarchalische Gesellschaft. Männer mit gutem Einkommen und hohem sozialen Status sind für die Frauen besonders attraktiv, auch wenn sie schon etwas älter sind. Sie können sich die Frauen aussuchen. Männer konnten also erst in Ruhe ihren Weg (z. B. auf Entdeckungsreise wie Darwin) gehen, um sich dann eine möglichst junge Frau zu suchen (jung = kann noch viele Nachkommen gebären). Aus diesem Grund sind Männer bis ins hohe Alter fortpflanzungsfähig. Diese Art der Partnerwahl war ein evolutionärer Vorteil. Auch fand man die Kombination reiferer Mann mit sehr junger Frau in früheren Gesellschaften als ausgesprochen akzeptabel bis wünschenswert: sie war ein Garant für viele kompetente Kinder.

    Männer haben sich natürlich vor allem Frauen gesucht, die ihnen entsprachen. Konkret: Intelligente Männer paarten sich mit intelligenten Frauen und bekamen dann besonders viele Kinder. Auf diese Weise fand eine schleichende Kompetenzerhöhung der gesamten Gesellschaft statt. So entstand unsere europäische Kultur.

    Bis dann der demografische Übergang einsetzte und die Gleichberechtigung der Geschlechter kam.

    Nun ist die Devise: Alle Männer und Frauen sollen möglichst arbeiten gehen. Auch jetzt paaren sich gleiche Bildungsschichten miteinander, wie die Soziologen nachgewiesen haben. Intelligente Männer sind weiterhin mit intelligenten Frauen zusammen, bekommen jetzt aber besonders wenige Kinder, da das Paar (beide sind beruflich engagiert) nur wenig Zeit für Kinder hat. Es hat auch die höchsten Opportunitätskosten für Kinder. Sozialhilfeempfänger haben dagegen niedrige Opportunitätskosten für Kinder. Und so lässt sich nachweisen, dass mit der Kinderzahl der Anteil der Eltern steigt, bei denen beide Elternteile arbeitslos sind: eine im Grunde katastrophale Entwicklung. Wir haben die sexuelle Arbeitsteilung (Männer gehen arbeiten, Frauen ziehen die Kinder groß) im Grunde gegen eine soziale Arbeitsteilung getauscht: qualifizierte Frauen und Männer gehen arbeiten, weniger qualifizierte ziehen die Kinder groß. Das mag sehr gut für die Unternehmen sein, ist aber schlecht für die Kinder. Und es ist schlecht für die nächste Generation. Im Grunde handelt es sich hierbei um eine Verletztung der Generationengerechtigkeit.

    So, und auf der Basis kommt nun die Evolutionstheorie zur Anwendung. Es wird einfach davon ausgegangen: Aktuell sind Frauen und Männer gleichberechtigt und können jeden Beruf der Welt ergreifen. Und: Sie müssen ihre Kinder weiterhin selbst ernähren. Mersch untersucht in dem genannten Artikel, ob das eine evolutionär stabile Strategie (= kompetenzbewahrend) ist, oder ob etwas anderes getan werden muss. Und das Ergebnis lautet: Eine solche gleichberechtigte Gesellschaft wird auf lange Sicht nur überlebensfähig bleiben, wenn sie einen Beruf für Familienarbeit einführt. Im anderen Fall dequalifiziert und verarmt sie.

    Wie gesagt: Man hat einen solchen Beruf vorher nie gebraucht. Unter den aktuellen aktuellen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wird er jedoch zwingend erforderlich, ansonsten geht der Sozialstaat kaputt. Und: In der Natur ist es nicht anders. Selbst die Honigbienen haben aus genau den gleichen Gründen etwas sehr ähnliches tun müssen. Würde es bei den Honigbienen keine Königinnen, sondern nur Arbeiterin geben, die so viele Eier legen dürften, wie sie lustig sind, dann würde der Honigbienensozialstaat (Sozialstaat = die Bienen beschaffen die Nahrung gemeinschaftlich und nicht nur für sich selbst) daran zugrunde gehen.

    Ich persönlich halte Merschs Systemische Evolutionstheorie für einen absoluten Durchbruch. Mir ist seitdem erst so richtig klar geworden, was das hier auf der Erde eigentlich für ein Spiel ist und was dessen Regeln sind. Es gibt bestimmte Grundregeln, die sind wie Naturgesetze einzuhalten, sonst sind die Langzeitfolgen verheerend. Man merkt das anfangs gar nicht und wundert sich, warum die Arbeitslosigkeit zunimmt und die Armut, warum es Bildungsdefizite gibt, die Kinder kränker werden etc. Dahinter steckt ein zentraler Mechanismus, den man verstehen muss.

  33. Michael Blume @ Lena Waider
    21.03.2010, 09:38

    Vor Ihrem quasi-religiösen Erweckungserlebnis (seitdem Sie Mersch gelesen haben, macht plötzlich alles Sinn) habe ich selbstverständlich Respekt. Aber wenn er oder Sie als wissenschaftlich Argumentierende ernst genommen werden wollen, gehören kritische Selbstreflektion und die Bereitschaften zum Dazulernen dazu.

    so schreiben Sie: Zunächst einmal: Bei der Evolution geht es um den Erhalt von Lebensraumkompetenzen. Wer seine Kompetenzen nicht bewahren kann, scheidet aus dem Rennen aus.

    Schon das ist ein enormer Kategorienfehler. Evolution ist ein Prozess der Selbstorganisation - ob es "um etwas geht", Ziele etc. sind metaphysische Zusatzannahmen, die sich nicht einfach aus der Naturbeobachtung schließen lassen. Freiheit heißt eben auch Freiheit zum Aussterben - aus der Evolution "Forderungen" abzuleiten ist ersatzreligiös.

    Wir haben aktuell das Problem, dass die eigentlichen Kulturträger (hohe Bildung, hohe sprachliche Kompetenzen, hohe berufliche Verantwortung, künstlerische Fähigkeiten, musische Kompetenzen, hohes Einkommen = gute Ressourcenbeschaffung gemäß Darwin) deutlich weniger Kinder bekommen als diejenigen, die über solche kulturellen Eigenschaften nicht verfügen. Und da liegt einfach der Verdacht nahe, dass dies langfristig nicht in Richtung mehr Kultur, sondern weniger Kultur führt.

    Entschuldigung, aber da muss ich doch gerade als Religionswissenschaftler entschieden widersprechen! Sie führen hier einen "Mehr-"Begriff von Kultur ein und nehmen ihn als Ausgangspunkt, um andere Menschen abzuwerten.

    Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Amischen haben seit Jahrhunderten eine eigene Kultur entwickelt und sie verdoppeln ihre Zahl ganz ohne Staatsgeld aufgrund ihres hohen Kinderreichtums alle 15 bis 20 Jahre.
    http://www.chronologs.de/...n-16-jahren-verdoppelt

    Ebenso gibt es z.B. jüdische und christliche Gemeinschaften, die hohe Bildung mit hohen Geburtenraten verbinden. Und Jäger und Sammler wie die !Kung San oder Hadza mögen andere Kulturkenntnisse und -fähigkeiten erworben haben, "weniger" sind es aber sicher nicht.

    Es steht Ihnen frei, persönlich jene "Kulturleistung" höher zu schätzen als die andere. Aber bitte nehmen Sie dann nicht an, das wäre ein objektiver, wissenschaftlicher Maßstab. Eine lineare "Höherentwicklung" von "Kultur" lässt sich aus der Evolutionstheorie gerade nicht ableiten. Wenn überhaupt, dann werden durch Vielfalt neue Möglichkeiten eröffnet.

    Ich persönlich halte Merschs Systemische Evolutionstheorie für einen absoluten Durchbruch. Mir ist seitdem erst so richtig klar geworden, was das hier auf der Erde eigentlich für ein Spiel ist und was dessen Regeln sind. Es gibt bestimmte Grundregeln, die sind wie Naturgesetze einzuhalten, sonst sind die Langzeitfolgen verheerend. Man merkt das anfangs gar nicht und wundert sich, warum die Arbeitslosigkeit zunimmt und die Armut, warum es Bildungsdefizite gibt, die Kinder kränker werden etc. Dahinter steckt ein zentraler Mechanismus, den man verstehen muss.

    Schöner könnte das ein Konvertit in eine neue, religiöse Überzeugung auch nicht schreiben. Plötzlich wird alles klar, macht alles Sinn, wird die Lösung aller Probleme offenbar...

    Ich bin ein riesiger Fan von Meinungs-, Weltanschauungs- und Religionsfreiheit und kann Ihre Überzeugungen und Ihren "Missionsauftrag" respektieren. Was mich jedoch stört ist Ihr Versuch, Ihre (bzw. Merschs) persönliche Überzeugungen über staatliche Politik einführen zu wollen und Andersdenkende dabei zu beschimpfen. Wenn Mersch und Sie "die Wahrheit" gefunden haben, dann leben Sie sie uns Skeptikern doch vor, überzeugen Sie uns. Gründen Sie eine erleuchtete Gemeinschaft, wie es in den USA ja z.B. auch Hutterer (kinderreich, Gemeineigentum) und viele andere getan haben. Aber hören Sie bitte auf, mit Berufung auf die Evolutionstheorie unbelegbare "Naturgesetze" für das Familienleben anderer Menschen und zur Begründung staatlichen Zwangs herleiten zu wollen. Damit tun Sie den doch ggf. auch interessanten Ansätzen im Werk Ihres systemischen Lehrers keinen Gefallen. Wissenschaft taugt nicht als Ersatzreligion. Was sich für Sie wahr und unbezweifelbar anfühlt, muss es noch lange nicht für Andersglaubende sein.

  34. Ralph Würfel Eine Evolution irrt sich gewaltig
    21.03.2010, 09:42

    Ich zitiere hier mal aus dem Mersch'schen Gedankenuniversium:

    "Der lebende Teil der Welt besteht aus lauter Evolutionsakteuren, die alle mehr oder weniger stark bestrebt sind, ihre Kompetenzen gegenüber ihrem Lebensraum zu bewahren, und zwar während ihres eigenen Lebens und ggf. über ihr Leben hinaus. Dazu benötigen sie fortwährend Ressourcen aus ihrer Umgebung, die mittels unterschiedlicher Wettbewerbskommunikationen unter den Evolutionsakteuren verteilt werden. Aufgrund des Wettbewerbs um die Ressourcen werden die Akteure zu Feinden, Konkurrenten oder Partnern. Eventuell weiten sie ihre aktuelle Nische aus oder besetzen neue Nischen. Ist die Kooperation einiger Akteure besonders intensiv, kann sich eine neue Systemebene an Evolutionsakteuren bilden, für die nun wieder das Gleiche gilt. Der unterschiedliche Erfolg der Evolutionsakteure bei der Reproduktion ihrer Kompetenzen bewirkt schließlich Evolution."

    Dass diese sozialdarwinistische Annahme nicht stimmen kann, beweist ja eben das demografisch-ökonomische Paradoxon. Es geht in der Evolution eben nicht um die „Sicherung von Lebensraum durch Weitergabe biologischer Kompetenzen“ (hatten wir das nicht 1945 auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen?), sondern um die Weitergabe von biologischen UND kulturellen Merkmalen (wobei die Kultur eben das ist, was den Menschen vom Tierreich unterscheidet). Verstehen Sie? Der Mensch und seine Gesellschaft haben sich verändert und werden es auch weiter hin tun – DAS ist die Kernthese der Evolution: die einzige Konstante ist der Wandel.

    Aber das passt Ihnen nicht – deshalb müssen Maßnahmen ergriffen werden, um der Evolution wieder auf die Sprünge zu helfen, also weil „etwas, das so sein soll, auch so sein muss“.

    Zitat: "Mittlerweile liegt der durchschnittliche Kinderwunsch der Männer unter dem der Frauen: das ist etwas, was evolutionstheoretisch überhaupt nicht sein dürfte." Und warum ist es dann so? Irrt sich die Evolution oder irrt sich Mersch?

    An dieser Stelle machen Sie das, was Sie den Feministinnen vorwerfen, übrigens selbst.

    "Intelligente Männer paarten sich mit intelligenten Frauen und bekamen dann besonders viele Kinder. Auf diese Weise fand eine schleichende Kompetenzerhöhung der gesamten Gesellschaft statt. So entstand unsere europäische Kultur."

    An dieser Stelle hab ich mich dann doch vor Lachen auf dem Boden gewälzt – wer hat Ihnen denn diesen Bären „Über die Entstehung der europäische Kultur“ aufgebunden? Oder haben Sie einfach nur das Wort „arisch“ durch „intelligent“ ersetzt?

  35. Ute Wenn ich fies wäre....
    21.03.2010, 10:47

    ... würde ich jetzt noch in die Diskussion einwerfen, daß der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages erst vor kurzem das Adoptionsverbot für Homosexuelle für verfassungswidrig erklärt hat.

    Nun warte ich auf Frau Waiders Vorschlag, die Männer ganz aus der Fortpflanzung zu verbannen und Kinder nur noch durch Klonen zu erzeugen und dann durch Frauenpaare aufziehen zu lassen. Vom Staat bezahlt, versteht sich. ^^

    Die ganze Diskussion ist so doch zum Scheitern verurteilt. Wer Google anschmeißt und sich mal nach dieser Dame erkundigt, wird auch schnell feststellen, warum.

  36. Lena Waider @Michael Blume Soziales Bewusstsein?
    21.03.2010, 14:34

    "Schon das ist ein enormer Kategorienfehler. Evolution ist ein Prozess der Selbstorganisation - ob es "um etwas geht", Ziele etc. sind metaphysische Zusatzannahmen, die sich nicht einfach aus der Naturbeobachtung schließen."

    Sorry, aber das ist nur Gerede. Ich halte mich an das, was unter Evolutionstheoretikern üblich ist. Und da fallen Ausdrücke wie "Bei der Evolution geht es um Anpassung" oder "Evolution ist ein informationserzeugender Prozess" (Manfred Eigen). Soll ich zur Abwechlsung aus "Die Theorie der egoistischen Gene" (Dawkins) zitieren? Da geht die anschauliche Sprache der Evolutionstheoreitiker doch erst richtig los.

    "Freiheit heißt eben auch Freiheit zum Aussterben - aus der Evolution 'Forderungen' abzuleiten ist ersatzreligiös."

    Richtig. Freiheit ist auch die Freiheit, den gesamten Planeten jetzt zu vermüllen, das Klima zu verändern, andere Arten auszurotten, den ganzen Planeten in die Luft zu sprengen etc. Wenn man die Freiheit zum Aussterben hat, dann aber bitte richtig: mit allen anderen Arten auch. Gemeinsam stirbt es sich besser. Das meinten Sie doch sicherlich, oder?

    "Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Amischen haben seit Jahrhunderten eine eigene Kultur entwickelt und sie verdoppeln ihre Zahl ganz ohne Staatsgeld aufgrund ihres hohen Kinderreichtums alle 15 bis 20 Jahre."

    Ich weiß nicht, ob es Ihnen zwischendurch aufgefallen ist, aber ich spreche von Deutschland, vom deutschen Wohlfahrtsstaat und von einer Gesellschaft, in der Frauen die gleichen Rechte besitzen. Ich spreche nicht von exotischen Religionsgemeinschaften.

    "Es steht Ihnen frei, persönlich jene 'Kulturleistung' höher zu schätzen als die andere. Aber bitte nehmen Sie dann nicht an, das wäre ein objektiver, wissenschaftlicher Maßstab."

    Hinter dem Evolutionsprinzip steckt - heimlich still und leise - verborgen das Prinzip der Generationengerechtigkeit. Wenn eine Gesellschaft aus 1.000 Menschen nur 10 Nachkommen in die Welt setzt, weil sie lieber Urlaub macht, dann verletzt sie die Generationengerechtigkeit: Den Nachkommen wird es deutlich schlechter gehen. Es geht nicht um Höherentwicklung, sondern um den Erhalt von vorhandenen Lebensraumkompetenzen und damit verbunden ist das Prinzip der Generationengerechtigkeit: Unseren Kindern soll es mal nicht schlechter gehen, als uns. Wie oft darf ich das hier eigentlich noch wiederholen, bis es halbwegs verstanden wird?

    "Wenn Mersch und Sie 'die Wahrheit' gefunden haben, dann leben Sie sie uns Skeptikern doch vor, überzeugen Sie uns."

    Das ist albernste Polemik. Ich bemühte mich die ganze Zeit darauf hinzuweisen, dass in dieser Gesellschaft ein systematischer Organisationsfehler besteht, und diesen Fehler kann ich durch die Aussage "dann gehen Sie doch bitte nach drüben" leider nicht beheben. Dieser Organisationsfehler sorgt für zunehmende Arbeitslosigkeit, Verarmung von Familien und Kindern etc. Ich finde das nicht schön. Solche Situationen mobilisieren mein soziales Bewusstsein, das ich mir noch ein wenig bewahrt habe. Natürlich könnte ich genauso darüber hinwegsehen und auf die wunderschöne Lebensform von irgendwelchen exotischen religiösen Lebensformen in der Ferne hinweisen, hilft aber leider nicht darüber hinweg, dass unsere Gesellschaft aktuell in einem rasanten Tempo dequalifiziert. Und zwar aus evolutiven Gründen.

  37. Lena Waider @Ralph Würfel Sozialdarwinismus
    21.03.2010, 14:49

    "Dass diese sozialdarwinistische Annahme nicht stimmen kann, ..."

    Das ist grober Unfug. Mersch hat in seinen Arbeiten dargelegt, dass es sich beim Sozialdarwinismus um keine Missinterpretation der Darwinschen Theorie handelt, sondern dass diese vom Kern her sozialdarwinistisch ist. Er hat für mich die bislang einzige wirklich überzeugende Darstellung geliefert, was das Problem des Sozialdarwinismus eigentlich ist:

    1. In Sozialstaaten (auch in tierischen) ist die natürliche Selektion praktisch ohne Bedeutung. Also kann man auch gesellschaftliche Entwicklungen auf dieser Basis nicht erklären. Der Sozialdarwinismus hat das jedoch versucht.
    2. In der Natur erfolgt die Verteilung von Ressourcen gemäß dem Recht des Stärkeren, d.h. aus der Sicht derjenigen, die an der Ressource interessiert sind. Der Löwe fragt das Zebra vorher nicht, ob es ihm erlaubt, gefressen zu werden. In menschlichen Sozialstaaten gilt dagegen das Recht des Besitzenden. Derjenige, der eine Ressource besitzt, entscheidet, was damit geschieht. Man kann deshalb z. B. auch keine Krüppel zwangssterilisieren, weil das eine Maßnahme gemäß dem Recht des Stärkeren ist.

    Sie gehören meiner Meinung nach zu den gesellschaftswissenschaftlich verdorbenen Wortewerfern. Sie wissen nicht, was Sozialdarwinismus ist, benutzen es aber als Schimpfwort, um Ihre eigenen Ideologien durchzudrücken, z. B. kinderlos zu bleiben und nichts für andere Kinder zu tun. Genau das könnte man aber als Sozialdarwinismus bezeichnen, denn Kinder sind die Schwächsten in unserer Gesellschaft. Denen geht es aktuell am Schlechstesten (höchste Armutsquote).

    Aber das ist ja längst bekannt: Diejenigen, die am häufigsten Sozialdarwinismus schreien, sind meist selbst die schlimmsten.

  38. Michael Blume @ Lena Waider
    21.03.2010, 15:02

    Freiheit ist auch die Freiheit, den gesamten Planeten jetzt zu vermüllen, das Klima zu verändern, andere Arten auszurotten, den ganzen Planeten in die Luft zu sprengen etc. Wenn man die Freiheit zum Aussterben hat, dann aber bitte richtig: mit allen anderen Arten auch. Gemeinsam stirbt es sich besser. Das meinten Sie doch sicherlich, oder?

    Ganz genau das meine. Wenn Sie - wie ich - der Auffassung sind, das die von Ihnen genannten Verhaltensweisen abzulehnen sind, dann müssen Sie dies weltanschaulich oder religiös begründen. "Evolution!" zu rufen hilft da gar nichts, immerhin sind 99,9% aller je existierenden Arten ausgestorben.

    Ich weiß nicht, ob es Ihnen zwischendurch aufgefallen ist, aber ich spreche von Deutschland, vom deutschen Wohlfahrtsstaat und von einer Gesellschaft, in der Frauen die gleichen Rechte besitzen. Ich spreche nicht von exotischen Religionsgemeinschaften.

    Ja, und deswegen widersprechen Sie sich. Einerseits halten Sie Ihre Lehre für universell, dann aber soll sie nur noch für Deutschland gelten. Einerseits bestehen sie auf den "Naturgesetzen" der Evolution und wettern gegen den "Gleichheitsfeminismus" - dann aber finden Sie Kulturen ganz furchtbar, die unterschiedliche Geschlechterrollen kulturell evolviert (!) und damit ganz ohne Staatsgeld seit Generationen hohe Geburtenraten erreicht haben.

    Es war und ist einfach nie gut, wenn man wissenschaftliche Evolutionstheorie, quasi-religiöse Weltanschauung und politische Forderungen miteinander vermischt hat. Es funktioniert einfach nicht.

  39. Lena Waider @Ute Klonen
    21.03.2010, 15:06

    "Nun warte ich auf Frau Waiders Vorschlag, die Männer ganz aus der Fortpflanzung zu verbannen und Kinder nur noch durch Klonen zu erzeugen und dann durch Frauenpaare aufziehen zu lassen."

    Dazu las ich auch eine Äußerung von Mersch: In dem Moment, in dem das Klonen von Menschen auf sichere Weise gelingt, werden sich die globalen Konzerne von den Humankapitallieferanten "Gesellschaft" abkoppeln und in ihre eigene Menschenrproduktion einsteigen. Die werden dann nicht nur eigene Kindergärten haben, sondern Menschenfarmen. Dort wird es heißen: "Wir verdanken Prof. Dr. Heribert Müller einen Teil unserer aktuellen marktführenden Produkte. Ihn wollen wir in Zukunft öfter in unserem Unternehmen sehen."

    Das, was wir aktuell erleben: "Alle Frauen und Männer mit Qualifikationen gehören in die Wirtschaft, der Rest in die Sozialhilfe", ist doch nur der Vorbote von dem, was da erst noch kommen dürfte.

    Die Unternehmen sind viel ressourcenreicher als Menschen. Sie haben auf dieser Welt längst das Sagen. Wenn die erkennen, dass sie für die Beschaffung ihrer Humanressourcen, deren Qualität einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz darstellt, weswegen sie längst schon die besten Kräfte weltweit zusammensuchen, gar nicht mehr auf die Gesellschaften angewiesen sind, werden sie in die Eigenproduktion von Menschen einsteigen. Und die, die dann immer noch Mensch sein wollen, werden das Treiben irritiert und verständnislos betrachten.

    Ich werde das hoffentlich nicht mehr erleben. Aber bestimmt werden dann einige später einmal nachvollziehen können, wie es dazu kommen konnte, was die einzelnen Schritte (z. B. der Gleichheitsfeminismus) dahin waren.

  40. Lena Waider @Michael Blume: Evolution
    21.03.2010, 15:28

    "Ganz genau das meine. Wenn Sie - wie ich - der Auffassung sind, das die von Ihnen genannten Verhaltensweisen abzulehnen sind, dann müssen Sie dies weltanschaulich oder religiös begründen. 'Evolution!' zu rufen hilft da gar nichts, immerhin sind 99,9% aller je existierenden Arten ausgestorben."

    Dem widerspreche ich. Evolution heißt fortlaufende Anpassung, oder anders ausgedrückt: Erhalt von Lebensraumkompetenzen. Auch ein Unternehmenslenker muss keinerlei weltanschauliche Begründungen für seine Investitionsentscheidungen vorlegen. Es reicht, dass er sagt: "Wir können damit unseren Marktanteil in der Zukunft erhalten und vielleicht sogar noch ausbauen." (= wir können damit unsere Marktkompetenzen erhalten).

    Mehr brauche ich nicht. Auf die Gesellschaft übertragen heißt das: Generationengerechtigkeit. Oder: "Unseren Kindern soll mal besser (nicht schlechter) gehen."

    Wenn ich dieses Prinzip anerkenne, verbietet es sich sofort von selbst, alle Meere zu verseuchen. Ich muss dann mit darauf achten, dass diese Welt auch für die nächsten Generationen noch lebenswert ist.

    "Ja, und deswegen widersprechen Sie sich. Einerseits halten Sie Ihre Lehre für universell, dann aber soll sie nur noch für Deutschland gelten. Einerseits bestehen sie auf den 'Naturgesetzen' der Evolution und wettern gegen den 'Gleichheitsfeminismus' - dann aber finden Sie Kulturen ganz furchtbar, die unterschiedliche Geschlechterrollen kulturell evolviert (!) und damit ganz ohne Staatsgeld seit Generationen hohe Geburtenraten erreicht haben."

    Ich habe es eigentlich jetzt schon x-mal gesagt: Für universell halte ich nur das obige Prinzip: Fortlaufende Anpassung bzw. "Erhalt von Kompetenzen". Das ist das universelle Evolutionsprinzip. Andere nennen das: Evolutionär stabile Strategie.

    Wenn dann eine Gesellschaft beschließt, die Gleichberechtigung der Geschlechter einzuführen (der Grund dafür waren übrigens medizinische Verbesserungen - denn nun kamen von 4 geborenen Kindern tatsächlich 4 durch und nicht nur 2 wie zuvor), dann muss sie gleichzeitig für die Maßnahmen sorgen, die eine fortlaufende Kompetenzbewahrung ermöglichen. Diese Maßnahmen können in einer strikt patriarchalischen Gesellschaft (siehe Merschs Arbeiten) ganz anders aussehen, als in einer Gesellschaft, in der Frauen gleichberechtigt sind. Tut man das nicht, verliert die Gesellschaft u. U. Kompetenzen und verarmt. Das erleben wir aktuell. Ich finde das nicht schön.

    "Es war und ist einfach nie gut, wenn man wissenschaftliche Evolutionstheorie, quasi-religiöse Weltanschauung und politische Forderungen miteinander vermischt hat. Es funktioniert einfach nicht."

    Die einzige politische Aussage, die aus der Systemischen Evolutionstheorie folgt, ist die: In Sozialstaaten gibt es keine natürliche Selektion mehr, sondern nur noch eine soziale. Ein Sozialstaat muss sich folglich entsprechend organisieren, wenn er langfristig vorhandene Kompetenzen bewahren und ausbauen möchte. Er kann sich auf verschiedene Weisen organisieren. Nicht jede Organisationsweise ist jedoch eine evolutionär stabile Strategie (= kompetenzbewahrend).

    Das ist eine vergleichsweise sehr wissenschaftliche Vorgehensweise. Die Alternativen erleben wir heute: den sog. egoistischen Fehlschluss. Da kommen Leute her und verlangen bestimmte politische Maßnahmen, weil sie für sie jetzt von Vorteil sind. Die interessieren sich nicht für die nächsten Generationen, für die Zukunft. Die interessieren sich nur für sich.

    Und das meine ich, macht unsere Gesellschaft kaputt, wie wir es gerade erleben.

  41. Michael Blume @ Lena Waider
    21.03.2010, 16:22

    Sie schrieben: Da kommen Leute her und verlangen bestimmte politische Maßnahmen, weil sie für sie jetzt von Vorteil sind.

    Ja, sie verlangen zum Beispiel staatlich organisierte Bezahlung für das gemeinschaftliche Aufziehen von Kindern. Also etwas, was es so noch nie in der Natur- und Kulturgeschichte des Menschen gab. Und das meinen sie ernsthaft aus den "Naturgesetzen" ableiten zu können, liebe Frau Waider!

    Die interessieren sich nicht für die nächsten Generationen, für die Zukunft. Die interessieren sich nur für sich.

    Genau. Die Überbevölkerung in anderen Teilen der Welt ist ihnen ebenso egal wie der Einspruch von Menschen, die anders leben wollen oder der beobachtbare Reproduktionserfolg diverser (religiöser) Kulturen, die ganz ohne solche "Eingriffe von oben" auskamen. Denn solche Leute finden, dass sie und ihre Kultur irgendwie höher stehen und deswegen staatlich verordnet und finanziert werden sollten... Sie sind zudem der Auffassung, dass sie ihre vermeintliche Überlegenheit nicht ohne staatliche Finanzierung (vor-)leben können. Und behaupten, auch diese Ansprüche evolutionstheoretisch herleiten zu können...

    Schon erstaunlich, diese Leute, nicht wahr, liebe Frau Waider!? ;-)

  42. Ralph Würfel Eine letzte Bemerkung
    21.03.2010, 17:27

    "Evolution heißt fortlaufende Anpassung, oder anders ausgedrückt: Erhalt von Lebensraumkompetenzen. (...) Mehr brauche ich nicht."

    Das haben wir bemerkt. Wir dagegen schon.

    "Ich habe es eigentlich jetzt schon x-mal gesagt: Für universell halte ich nur das obige Prinzip: Fortlaufende Anpassung bzw. 'Erhalt von Kompetenzen'. Das ist das universelle Evolutionsprinzip."

    Und wenn Sie es noch so oft wiederholen - es wird dadurch nicht richtiger. Leider gehen Sie auf Argumente nicht ein, sondern machen das, was alle machen, wenn ihre Ideologie widerlegt wird - sie beschimpfen diejenigen, die das tun, oder versuchen, diejenigen zu verunglimpfen.

    Das macht das ganze dann so unappetitlich wie es gerade ist. Ich kann nur hoffen, dass andere darauf nicht herein fallen. Denn Argunmente helfen hier nicht.

  43. Lena Waider @Ralph Würfel
    21.03.2010, 19:02

    "Und wenn Sie es noch so oft wiederholen - es wird dadurch nicht richtiger. Leider gehen Sie auf Argumente nicht ein, sondern machen das, was alle machen, wenn ihre Ideologie widerlegt wird - sie beschimpfen diejenigen, die das tun, oder versuchen, diejenigen zu verunglimpfen."

    Sie waren es, der sofort mit dem Sozialdarwinismusargument kam. Sie haben verunglimpft.

    Im nächsten Augenblick wendeten sie sich dann dagegen, dass Kinderlose irgendetwas mit den Kindern anderer (von denen sie später Rente haben wollen) zu tun haben. Nennt man das nicht Recht des Stärkeren oder so, Herr Würfel?

  44. Lena Waider @Michael Blume
    21.03.2010, 19:07

    "Denn solche Leute finden, dass sie und ihre Kultur irgendwie höher stehen und deswegen staatlich verordnet und finanziert werden sollten... Sie sind zudem der Auffassung, dass sie ihre vermeintliche Überlegenheit nicht ohne staatliche Finanzierung (vor-)leben können. Und behaupten, auch diese Ansprüche evolutionstheoretisch herleiten zu können..."

    Sie sind wirklich in der Evolutionsforschung tätig? Nanu?

  45. Nior aon Duine @Lena Waider
    21.03.2010, 20:11

    Ich möchte Ihnen zu Ihrer schier unglaublichen Geduld insbesondere mit Ralph Würfel gratulieren.

    Ich finde die Analyse des Herrn Mersch brilliant, sehe das Lösungskonzept Familienmanagerin allerdings im Moment noch eher kritisch. Es könnte sich tatsächlich eine Arbeitsteilung Königinnen/Arbeiterinnen entwickeln mit dem hässlichen Effekt "Wer selber Kinder will, muss FM werden". Heute dauert aber die Erziehung eigener Kinder kein ganzes Leben mehr.

    Es gibt jedoch eine recht einfache Lösung, die Herr Mersch zwar begründet, aber nicht ausführt:
    Kinderlose zahlen keine Kinderlosensteuer sondern die Rente wird zusätzlich nach der Zahl der Kinder berechnet:
    0 Kinder - 0% Rente
    1 Kinder - 50% Rente
    2 Kinder - 100% Rente
    3 und mehr Kinder - 150% Rente.

    Die Rentenbeiträge die gezahlt werden, sind nämlich das Entgeld der jeweiligen Elterngeneration dafür, Kinder aufgezogen, für ihre Ausbildung gesorgt usw. zu haben.
    Wer keine Kinder hat, musste auch früher zusehen wie er im Alter anders versorgt war.

    Damit würden Kinder für praktisch jedermann wieder eine Notwendigkeit statt eines Luxus und damit wäre der entsprechende gesellschaftliche Druck auf Politik und Wirtschaft geschaffen, Beruf und Kinder vereinbar zu machen.
    Wir haben nämlich kein Gender Wage Gap sondern ein Eltern/Kinderlose Wage Gap.

    @Ralph Würfel: Das Gender-Konzept ist neurologisch und evolutionsbiologisch widerlegt. Es war schon bei seiner Erfindung derart absurd, das Butler mit "Gender" auf einen Begriff zurückgreifen musste, der nur noch in der Elektrotechnik (Stecker - male, Buchse - female) gebräuchlich war.
    Frauen und Männer sind sicher gleichwertig aber ebenso sicher nicht gleich.

  46. Balanus Gender-Konzept /@Nior aon Duine
    22.03.2010, 12:34

    » Das Gender-Konzept ist neurologisch und evolutionsbiologisch widerlegt.«

    Tatsächlich? Inwiefern?

  47. Lena Waider @Nior aon Duine
    22.03.2010, 17:19

    " sehe das Lösungskonzept Familienmanagerin allerdings im Moment noch eher kritisch. Es könnte sich tatsächlich eine Arbeitsteilung Königinnen/Arbeiterinnen entwickeln mit dem hässlichen Effekt 'Wer selber Kinder will, muss FM werden'."

    Dies sieht Mersch gleichfalls als mögliches Problem an. Deshalb hält er es für wichtig, die Lebensform Beruf+wenige Kinder als möglichst wenig nachteilig gegenüber Beruf+kinderlos zu halten (der Unterhalt der Kinderlosen wäre ein Ansatz, die gute Vereinbarkeit eine notwendige Ergänzung).

    "Heute dauert aber die Erziehung eigener Kinder kein ganzes Leben mehr."

    Bei 5 Kindern (jedes gestillt), kommt man aber auf 30 Jahre und mehr, und das ist praktisch ein volles Erwerbsleben.

    "... sondern die Rente wird zusätzlich nach der Zahl der Kinder berechnet:"

    Das sehe ich als kritisch an. Es gibt auch unverschuldete/unbeabsichtigte Kinderlosigkeit. Mit Ihrer Maßnahme wäre die Rentenversicherung abgeschafft. Man hat sie aber doch aus genau den Gründen mal eingeführt: Kinderlosigkeit sollte nicht zwingend zu Altersarmut führen. Außerdem halte ich eine Ausrichtung auf die Rente auch nicht für wirklich wirksam: Wer z. B. eine Familie mit 4 Kindern hat, braucht Geld, und zwar jetzt. Die Aussicht, damit später einmal eine dicke Rente zu kassieren, dürfte kaum ausreichen, sich und den Kindern jahrzehntelange Armut zuzumuten.

    Mehrkindfamilien feht es heute in aller Regel an einem Einkommen (nur einer kann arbeiten gehen), während sie gleichzeitig die höchsten Kosten haben. Dieses Problem sollte meines Erachtens vorrangig angegangen werden.

    "Wir haben nämlich kein Gender Wage Gap sondern ein Eltern/Kinderlose Wage Gap."

    Das ist richtig, und ich halte das für einen Skandal. Öffentlich diskutiert wird das aber kaum, da in den Schaltstellen der Medien keine Interessentinnen für Mehrkindfamilien sitzen, sondern mehrheitlich kinderlose/arme Frauen, die an einer Erhöhung ihrer Einkünfte interessiert sind.

    Aber an der gerade geführten Diskussion sieht man, wie Evolution läuft: Irgendjemand macht einen Vorschlag, andere sind dagegen oder haben Verbesserungsvorschläge.

    So dürfte sich auch manche religiöse Regel durchgesetzt haben, z. B.: "Die Frau ist dem Manne untertan, gehorcht ihm und gebiert ihm viele Kinder, um die sie sich den ganzen Tag kümmert." Das sorgte für einen ständigen Fluss an Nachkommen und eine starke Reproduktion der eigenen Glaubensrichtung. Staatliche Hilfen benötigte man dafür nicht.

    Leider geht es dabei immer ein wenig gemäß der Methode Versuch und Irrtum zu: am Ende setzten sich die erfolgreichsten Versuche durch ("werden selektiert"). Darwinisten behaupten stets, die Evolution agiere fortschrittsblind. Das mag bei den Genen noch so sein (obwohl das mittlerweile stellenweise auch bestritten wird). Das Neue an Mersch ist nun (und deshalb ritt ich ein wenig auf seinen Aussagen herum): Er behauptet, dass man bestimmte Vorschläge und Optionen von vornherein als nicht evolutionsfähig ausschließen kann, weil sie nicht kompetenzerhaltend sind. Dazu zählt für ihn unser aktuelles gesellschaftliches Paradigma: "Frauen und Männer gehen beide arbeiten. Wenn sie Kinder haben, teilen sie sich die Familienarbeit paritätisch."

    Da kann er zeigen, dass es sich hierbei um keine evolutionär stabile Strategie handelt. Und wenn man das quasi schon allein durch Überlegung herausfinden kann (da damit praktisch Naturgesetze verletzt würden), muss man den Versuch erst gar nicht weiterverfolgen, denn die Langzeitfolgen würden sein: Arbeitslosigkeit, Armut, Kulturverluste usw., also ziemlich genau das, was wir aktuell beobachten können.

  48. Lena Waider @Balanus Gender
    22.03.2010, 18:45

    "'Das Gender-Konzept ist neurologisch und evolutionsbiologisch widerlegt.'

    Tatsächlich? Inwiefern?"

    Vielleicht hilft
    Volker Zastrow: "Der kleine Unterschied", FAZ, 07.09.2006, schon weiter.

  49. Ralph Würfel @Balanus: So einfach
    22.03.2010, 19:21

    Sehen Sie, lieber Balanaus, so einfach ist das - ein Autor schreibt eine Artikel in der FAZ und schon ist die ganze Theorie widerlegt - "evolutionsbiologisch und neurologisch" selbstverständlich (auch wenn das gar nicht Anliegen des Verfassers ist). So schön einfach kann die Welt sein ... *seufz*
    Und was machen wir jetzt mit dem Phänomen, das man uns gerade widerlegt hat?

  50. Balanus Gender-Konzept /@Lena Waider
    22.03.2010, 19:26

    » Vielleicht hilft
    Volker Zastrow: "Der kleine Unterschied", FAZ, 07.09.2006, schon weiter.
    «

    Leider nein, aber danke für den Link.

    Ich fragte, inwiefern das Gender-Konzept, also dass es neben dem biologischen Geschlecht noch eine soziale Geschlechterrolle gibt, obsolet ist. Wie kann diese sozial definierte Komponente des Geschlechts neurologisch und evolutionsbiologisch widerlegt sein?

  51. Nior aon Duine @Balanus/Ralph Würfel
    22.03.2010, 21:49

    Die Gender-Theorien gehen nicht von einer "sozial definierte Komponente des Geschlechts" aus sondern davon das Geschlecht vollständig sozial induziert wird. Siehe bereits in diesem Kommentarbereich genannte Zitate von de Beauvoir und Schwarzer.

    Seit Mitte der Neunziger ist diese Behauptung z.B. durch die Ergebnisse bildgebender Verfahren und die dadurch nachgewiesenen geschlechtsspezisich unterschiedlichen Hirnaktivitätsmuster widerlegt.

    Mitte der Neunziger ist 15 Jahre her. Und Sie haben noch nichts davon gehört?

    Und "diese sozial definierte Komponente des Geschlechts" erinnert mich frappant an die Schutzbehautung in folgenden Satz:
    "Religiös geglaubtes kollidiert ja gerne mal mit der normativen Kraft des Faktischen weil die zu glaubende Behauptung in Unkenntnis der Sachlage formuliert wurde. Und wird der Widerspruch offenbar offenkundig und auch belegbar, dann wird das Geglaubte nicht revidiert, sondern durch eine Schutzbehauptung in der sich Sachargumente totlaufen sollen, von der harschen Wirklichkeit abgeschirmt, wie das beim Intelligent Design zum Beispiel sehr eindrucksvoll belegt worden ist."
    (Gunkl alias Günther Paal)

    Im übrigen bin ich zu arrogant, um auf das Spiel "Wie beschäftige ich einen " einzusteigen. Lesen bildet und der Spektrum-Verlag hat sicher auch noch Exemplare älterer Ausgaben auf Lager.

  52. Ralph Würfel Behauptungen
    22.03.2010, 22:55

    Zitat: "Die Gender-Theorien gehen nicht von einer "sozial definierte Komponente des Geschlechts" aus sondern davon das Geschlecht vollständig sozial induziert wird."

    Diese Behauptung ist Ihre individelle Ansicht. Nicht jedoch die allgemein akzeptierte. Ich präsentiere eine Auswahl verschiedener Quellen.

    Goethe-Institut:

    „Sex“ sollte das biologische Geschlecht bezeichnen, „Gender“ dagegen das „soziale Geschlecht“, die Rollenzuschreibungen.

    Niedersächsische Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung:

    Der Begriff sex steht für die biologischen Aspekte von Geschlecht. Der Begriff gender steht für die sozialen und kulturellen Aspekte von Geschlecht. Gender richtet den Blick auf die gesellschaftlich so geprägten Rollen, aus denen unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse, Kompetenzen und Lebenserfahrungen von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen resultieren.

    Wikipedia:

    Der Begriff Gender bezeichnet das „soziale“ oder „psychologische“ Geschlecht einer Person im Unterschied zum biologischen Geschlecht (engl. sex).

    Das menschliche Geschlecht ist also biologisch UND sozial/kulturell determiniert – nicht nur eines von beiden. DAS ist die (allgemein anerkannte) Bedeutung des Gender-Konzeptes.

    Es macht natürlich Spaß, sich auf die Ansichten von Kommentarorinnen zu stürzen, diese als allgemein gültig zu setzen und die Auseinandersetzung damit als die Widerlegung des gesamten Konzeptes zu behaupten. Damit wird Ihre Behauptung aber noch lange nicht wahr. Tut mir leid.

  53. Balanus Gender /@Nior aon Duine
    23.03.2010, 01:12

    » Die Gender-Theorien gehen nicht von einer "sozial definierte Komponente des Geschlechts" aus sondern davon das Geschlecht vollständig sozial induziert wird.

    Seit Mitte der Neunziger ist diese Behauptung z.B. durch die Ergebnisse bildgebender Verfahren und die dadurch nachgewiesenen geschlechtsspezisich unterschiedlichen Hirnaktivitätsmuster widerlegt. «

    Ich glaube, es ging immer nur um die Geschlechterrolle oder -identität, die nach Meinung einiger vollständig sozial induziert sein sollte. Das biologische Geschlecht kann ja wohl schlecht sozial induziert werden.

    Apropos Hirnaktivitätsmuster: Wie wollen Sie entscheiden, welche Muster das Resultat sozialen Lernens sind und welche nicht.

    Ergänzend zu dem, was Ralph Würfel gepostet hat, noch folgende aktuelle Gender-Definition“, die mir ganz gut gefällt:
    Gender ist ein sozioökonomisches und kulturelles Konstrukt, welches Frauen und Männern in bestimmten Zusammenhängen unterschiedliche und ungleiche Rollen, Verantwortlichkeiten, Grenzen, Erwartungen, Möglichkeiten und Bedürfnisse zuschreibt. Gender ist insofern anders als das Geschlecht, welches sich auf die biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen bezieht.“

    Quelle: http://www.eubuero.de/...ndermainstreaming/gm_allg

    » Im übrigen bin ich zu arrogant, um auf das Spiel "Wie beschäftige ich einen " einzusteigen. «

    :-)

  54. Lena Waider @Ralph Würfel
    23.03.2010, 01:44

    In Wikipedia steht aber eben auch:

    "Gender bezeichnet zum einen die soziale Geschlechtsrolle (gender role) beziehungsweise die sozialen Geschlechtsmerkmale. Es bezeichnet also alles, was in einer Kultur als typisch für ein bestimmtes Geschlecht angesehen wird (zum Beispiel Kleidung, Beruf und so weiter); es verweist nicht unmittelbar auf die körperlichen Geschlechtsmerkmale (sex).

    Der Begriff gender wurde in dieser Bedeutung 1955 von dem US-amerikanischen Forscher John Money eingeführt, ..."

    Es war genau dieser John Money, der für einen der größten Wissenschaftsskandale überhaupt sorgte. Mit dem Fall Reimer wollte er seine These untermauern, dass die sozialen Geschlechterrollen ausschließlich anerzogen seien. Die Geschichte endete bekanntlich mit einem doppelten Selbstmord.

    Alice Schwarzer hat nach meiner Kenntnis ihr Buch "Der kleine Unterschied", welches sich u. a. auf den Fall Reimer stützt, bis heute nicht korrigiert.

    Wenn Sie zitieren: "Gender richtet den Blick auf die gesellschaftlich so geprägten Rollen, aus denen unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse, Kompetenzen und Lebenserfahrungen von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen resultieren."

    dann kann man dazu leider nur sagen: Wir wissen doch gar nicht, welche Rolle eines Jungen oder Mädchens tatsächlich nur gesellschaftlich geprägt sind und was davon bei vielen eben doch auch einen starken biologischen Hintergrund hat. Hier wird mit Annahmen hantiert, die sich im Fall Reimer als regelrecht desaströs erwiesen haben. Auch finde ich, dass sich der Staat hier tunlichst heraushalten sollte, zumal das Thema offenkundig sehr einseitig angegangen wird. Junge Männer reklamieren mir gegenüber beispielsweise immer wieder, dass nur sie zum Wehr- und Ersatzdienst eingezogen werden könnten. Wie lässt sich das heute gemäß Gender noch rechtfertigen?

    Zu wenig wird im Rahmen des Genderkonzeptes auch auf andere biologische Unterschiede eingegangen, die für viele soziale Unterschiede zwischen Männern und Frauen maßgeblich verantwortlich zu sein scheinen, z. B. die viel größere Intelligenzvarianz bei den Männern.

    Der Umgang damit erreicht in der Öffentlichkeit mitunter groteske Züge. Beispielsweise versuchte der SPIEGEL bei dem unlängst durchgeführten Studenten-PISA-Test geradezu verzweifelt zu kaschieren, dass sich unter den nur 26 von ingesamt 600.000 Teilnehmern, die alle Fragen richtig beantwortet hatten, keine einzige Frau befand. Für KennerInnen der Materie war aber genau dieses Ergebnis alles andere als überraschend. Im Gegenteil: Mich persönlich hätte es (z. B. nach der Lektüre von Susan Pinker) überrascht, wenn es anders gewesen wäre.

  55. Nior aon Duine @Balanus/Ralph Würfel
    23.03.2010, 07:09

    Die Reinform Ihres Glaubens ist, ich zitiere:
    "Und die Gebärfähigkeit ist auch der einzige Unterschied, der zwischen Mann und Frau bleibt. Alles andere ist künstlich aufgesetzt, ist eine Frage der geformten seelischen Identität."
    Alice Schwarzer in Der kleine Unterschied und seine großen Folgen.

    Die von Ihnen zitierten diversen Stufen des Zurückruderns sind nichts anderes als genau das.

    Und die "Niedersächsische Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung"? Dreimal kurz gelacht - Sie fragen wohl auch einen Orgonsammelpyramidenverkäufer ob es Orgonstrahlung gibt.

  56. Ralph Würfel kein Betreff
    23.03.2010, 07:15

    Der Reimer-Fall diskreditiert den Wissenschaftler Money (und vielleicht auch Frau Schwarzer). Daraus lässt sich aber keineswegs der Schluss ziehen, dass die Gender-Begriffsfindung falsch ist.

    Auch tauschen Sie beliebig die Begrifflichkeiten, setzen "Gender" mal mit Gender-Mainstreaming, mal mit der Familienpolitik, mal mit dem Feminismus, mal Gleichberechtigung gleich.

    Das Gender-Konzept deswegen geht so wenig auf Biologie ein, weil es eben Rollenverhalten und soziale Identität untersucht. Biologische Fakten untersucht – die Biologie.

    Zitat: "Wir wissen doch gar nicht, welche Rolle eines Jungen oder Mädchens tatsächlich nur gesellschaftlich geprägt sind und was davon bei vielen eben doch auch einen starken biologischen Hintergrund hat."

    Deswegen untersuchen wir es ja auch – denn wir wollen es wissen.

    Zitat: "Auch finde ich, dass sich der Staat hier tunlichst heraushalten sollte."

    Sagen Sie einerseits, um gleich im Nebensatz zu beklagen, dass nur Jungs zum Bund eingezogen werden – und wer legt das fest? Der Staat? Oder soll er sich da besser raushalten?

    Was wollen Sie eigentlich mit dem Verweis auf die Pisa-Studie andeuten?

  57. Ralph Würfel Fixierungen
    23.03.2010, 07:30

    Ich weiß nicht, warum hier immer Alice Schwarzer und Simone de Beauvoir zitiert werden, wenn es um Gender geht. Glauben Sie etwa, das wären die Grundlagenforscherinnen auf diesem Gebiet? Niemand von uns beruft sich auf diese. Das tun nur Sie. Und zwar so penetrant, dass man von einer Fixierung sprechen könnte.

    Wir dagegen sprechen von der allgemein anerkannten Unterscheidung von biologischen und sozial/kulturell geprägtem Geschlecht. Dies hat mich Feminismus an sich erst einmal gar nichts zu tun. Dass dieser sich das Gender-Mainstreaming auf die Fahnen geschrieben hat, steht auf einem anderen Blatt und ist überhaupt nicht Gegenstand der Debatte.

  58. Nior aon Duine @Lena Waider
    23.03.2010, 08:15

    "Deshalb hält er es für wichtig, die Lebensform Beruf+wenige Kinder als möglichst wenig nachteilig gegenüber Beruf+kinderlos zu halten (der Unterhalt der Kinderlosen wäre ein Ansatz, die gute Vereinbarkeit eine notwendige Ergänzung)."

    Systeme tendieren immer zu Extremen. Schon heute wird in der Schweiz und in Groß-Britannien von jedem der regelmäßig mit fremden Kindern zu tun hat, ein Befähigungsnachweis verlangt. Ein logisches Extrem des FM-Konzeptes ist, dass auch zur Betreuung eigener Kinder ein Befähigungsnachweis, also die Ausbildung zur FM verlangt wird.

    "Bei 5 Kindern ..."

    Wer fünf Kinder haben will, wird FM. Ich habe ja kein grundsätzliches Problem mit qualifizierter und bezahlter Betreuung, solange sie nicht Pflicht wird.

    "Es gibt auch unverschuldete/unbeabsichtigte Kinderlosigkeit."

    Auch unverschuldete Kinderlosigkeit führt dazu, dass man über 20 Jahre ca. 200.000 Euro nicht ausgeben muss und das man sich vollständig seinem Beruf widmen kann.

    "Mit Ihrer Maßnahme wäre die Rentenversicherung abgeschafft."

    Nein, sie wäre vom Kopf wieder auf die Füße gestellt.

    "Kinderlosigkeit sollte nicht zwingend zu Altersarmut führen."

    Heute ist es, wie Mersch brilliant analysiert, genau anders herum: Kinder zu haben führt zu Altersarmut und keine Kinder zu haben zur dicken Rente, die die Kinder der Altersarmen erarbeiten müssen.

    "Wer z. B. eine Familie mit 4 Kindern hat, braucht Geld, und zwar jetzt."

    Wer eine Familie mit Kindern hat, hat auch deswegen ein finanzielles Problem, weil er oder sie im Beruf mit Kinderlosen konkurieren muss, die ihre gesamte Kraft in den Beruf investieren können.

    "Die Aussicht, damit später einmal eine dicke Rente zu kassieren, dürfte kaum ausreichen, sich und den Kindern jahrzehntelange Armut zuzumuten."

    Stimmt wohl. Aber die Aussicht später mal gar keine Rente zu kassieren, dürfte ausreichen um Kinderlose-aus-Berechnung davon zu überzeugen, das fair zu spielen auf Dauer gesehen (Zwei-Generationenrechnung) mehr einträgt.

    "Öffentlich diskutiert wird das aber kaum, da in den Schaltstellen der Medien keine Interessentinnen für Mehrkindfamilien sitzen, sondern mehrheitlich kinderlose/arme Frauen, die an einer Erhöhung ihrer Einkünfte interessiert sind."

    Eben jene, die ich Kinderlose-aus-Berechnung nenne.

    »"Die Frau ist dem Manne untertan, gehorcht ihm ...«

    Ich bin zwar ganz ausdrücklich kein Gleichheitsfeminist aber zwischen den Gleichheitsfeministen und den Ultrareligiösen gibt es eine Grauzone :-)

    "Er behauptet, dass man bestimmte Vorschläge und Optionen von vornherein als nicht evolutionsfähig ausschließen kann, weil sie nicht kompetenzerhaltend sind. Dazu zählt für ihn unser aktuelles gesellschaftliches Paradigma: "Frauen und Männer gehen beide arbeiten. Wenn sie Kinder haben, teilen sie sich die Familienarbeit paritätisch.""

    So habe ich Mersch ebenfalls verstanden und soweit stimme ich ihm auch zu. Ich behaupte nur:
    1. Sein Lösungskonzept kann ebenfalls zu einer Extremform tendieren.
    2. Sein Lösungskonzept setzt den Anreiz an der falsche Stelle. Mersch verringert die Nachteile des erwünschten Verhaltens aber es vergrößert die Nachteile des unerwünschten Verhaltens nicht ausreichend. Seine Kinderlosensteurer kann man doch gar nicht so hoch machen, das sich Kinderlosigkeit nicht trotzdem rechnet.

    Viele Frauen hätten gerne zwei Kinder (Ergebnis einer hochgradig nicht-repräsentativen Umfrage in meinem sozialen Umfeld). Sie sind auch gerne bereit dafür ca. sechs Jahre beruflich deutlich kürzer treten. Aber sie nicht bereit, dafür einen lebenslangen Preis zu zahlen weil Kinderlose beiderlei Geschlechts und Männer mit Kindern und Vollzeit-Familienmanagerin an Ihnen vorbeigezogen sind und für sie nur die Dödeljobs übrigbleiben.
    Um eine evolutionär stabile Strategie zu erhalten, muss also sowohl der unfaire Vorteil der Kinderlosen wie auch der ebenso unfaire Vorteil der Männer in klassischen Einverdiener-Beziehungen ausgeglichen werden.
    Denn das die Einverdiener-Beziehungen (aka das Patriarchat :-) das evolutionär erfolgreichste Konzept ist, ist offensichtlich. Aber wollen wir als Gesellschaft wirklich dorthin zurück? Oder wollen wir die unbestreitbaren Vorteile der Frauen-Indivualisierung ohne deswegen als Gesellschaft gleich auszusterben?

  59. Nior aon Duine @Ralph Würfel
    23.03.2010, 08:41

    "Wir dagegen sprechen von der allgemein anerkannten Unterscheidung von biologischen und sozial/kulturell geprägtem Geschlecht."

    Dieses Konzept ist _nicht_ allgemein anerkannt, sondern es ist das Glaubensbekenntnis der Gleichheitsfeministen.

    Und es ist, wie heute eigentlich jedes Glaubensbekenntnis, naturwissenschaftlich widerlegt.

    Obwohl es keinen Sinn hat, mit Gläubigen zu diskutieren:
    1. Ich versuche nicht, aus der nachgewiesenen Ungleichheit der Geschlechter eine Hierarchie der Geschlechter zu konstruieren.

    2. Ich versuche, mit der Ungleichheit der Geschlechter konstruktiv umzugehen statt sie zu leugnen.

    3. Die nachgewiesene statistische Ungleichheit der Geschlecht ist so groß, dass es offenkundig falsch ist, Männer und Frauen als nicht-unterschiedlich zu behandeln.

    3. Die nachgewiesene statistische Ungleichheit der Geschlecht ist so klein, dass in jeder beliebigen Spitzengruppe beide Geschlechter vertreten sind. Eine aufgeklärte Gesellschaft, die diesem Anspruch gerecht werden will, darf also nicht aus dem biologischen Geschlecht verbindliche Rollenzuweisungen ableiten.

  60. Ralph Würfel Gemeinsamkeiten
    23.03.2010, 15:16

    „Und es (das Gender-Konzept) ist ... naturwissenschaftlich widerlegt."

    Den Beweis sind Sie uns immer noch schuldig geblieben. Statt dessen versteigen Sie sich in feschen Behauptungen wie

    „... es ist das Glaubensbekenntnis der Gleichheitsfeministen.“

    Mag sein, mag auch nicht sein, das ist nur leider nicht das Thema.

    Dass Sie anscheinend nur bis Drei zählen können, zeigen Sie uns dann wunderbar in der sich anschließenden Aufzählung (1-2-3-3) … Was Sie damit sagen wollen, weiß ich allerdings nicht.

    „1. Ich versuche nicht, aus der nachgewiesenen Ungleichheit der Geschlechter eine Hierarchie der Geschlechter zu konstruieren.“

    Das mag sein: Niemand hat das hier behauptet. Ich versuche das übrigens auch nicht.

    „2. Ich versuche, mit der Ungleichheit der Geschlechter konstruktiv umzugehen statt sie zu leugnen.“

    Sehr schön, das tue ich auch. Auch ich sage: kein Mensch ist gleich (wie der andere). Aber ich sage auch: jeder Mensch ist gleich berechtigt (hat die gleichen Rechte).

    „3. Die nachgewiesene statistische Ungleichheit der Geschlecht ist so groß, dass es offenkundig falsch ist, Männer und Frauen als nicht-unterschiedlich zu behandeln.“

    Das verstehe ich leider nicht. „Statistische Ungleichheit der Geschlecht“?

    „3. Die nachgewiesene statistische Ungleichheit der Geschlecht ist so klein, dass in jeder beliebigen Spitzengruppe beide Geschlechter vertreten sind. Eine aufgeklärte Gesellschaft, die diesem Anspruch gerecht werden will, darf also nicht aus dem biologischen Geschlecht verbindliche Rollenzuweisungen ableiten.“

    Ja was denn nun? Ist sie groß oder klein? In Ihrem letzten Satz gehen wir übrigens völlig konform – das ist nämlich das Gender-Konzept.

  61. Nior aon Duine Gemeinsamkeiten?
    23.03.2010, 18:19

    »Den Beweis sind Sie uns immer noch schuldig geblieben.«
    Ja, das werde ich auch weiterhin so halten. Ich beweise auch niemanden, dass die Erde keine Scheide ist. Weil ich keinen Sinn darin sehe, 15 Jahre alte Erkenntnisse zu referieren.
    Wenn dieser jemand an einer objektiven Auseinandersetzung mit diesem Thema interessiert wäre, dann wäre das nicht nötig.
    Daraus folgt: Ist es nötig, ist es sinnlos.

    »Mag sein, mag auch nicht sein, das ist nur leider nicht das Thema.«
    Stimmt. Fragt sich nur, wer Gender-Thesen hier eingebracht hat.

    »Dass Sie anscheinend nur bis Drei zählen können, ...«
    plus
    »Ja was denn nun? Ist sie groß oder klein?«
    Wer meint, andere wegen eines Tippfehlers disqualifizieren zu müssen, sollte wenigstens soviel lesen können, dass er mit "ist so klein" und "ist so groß" nicht überfordert ist. Sagen wir mal so: Eine durchschnittliche Hauskatze ist so klein, dass sie in mein Auto passt und gleichzeitig so groß, dass sie nicht in meine Hosentasche passt. Wie intelligent ist nun die Frage: "Ist durchschnittliche Hauskatze groß oder klein?"?

    »In Ihrem letzten Satz gehen wir übrigens völlig konform  das ist nämlich das Gender-Konzept.«
    Nein, wir gehen nicht konform und es ist nicht das Gender-Konzept. Die Gender-Konzepte behaupten nämlich das alles anerzogen sei, außer der Gebärfähigkeit der Frau.

    Abschließend:
    »Aber ich sage auch: jeder Mensch ist gleich berechtigt (hat die gleichen Rechte).«
    Ich habe meine Worte (z.B. "nicht-unterschiedlich" statt "gleich") mit großem Bedacht gewählt um mich nicht der Unterstellung aussetzen zu müssen, ich wolle die Gleichberechtigung zurückdrehen. Das Sie trotzdem meinen, mit dieser Keule zuschlagen zu müssen und zu können, zeigt einfach nur dass Sie kein Partner für eine sachliche Diskussion sind. Als ob es dieses Beweises noch bedurft hätte.

  62. Ingo Bading @ Lena Waider: Bravo! Familienpolitische "cheater detection"
    23.03.2010, 18:34

    Liebe Frau Waider,

    geradezu "fassungslos" erlebe ich, wie Sie sich hier ganz und gar "bravourös" schlagen. Gegen ein Meer von Widerspruch: Einfach Klasse. Man möchte Ihnen so gern mit ähnlicher Bravour beistehen, weil man ja SIEHT, wie sehr Sie in ALLEM, ALLEM, ALLEM recht haben (bis vielleicht auf Nebensächlichkeiten), wie SEHR es eben vor allem darum gehen muß, soziale Gerechtigkeit für Familien herzustellen, wie sehr also einfach auch schlicht auf das Gerechtigkeitsprinzip abzustellen ist.

    Die Soziobiologen erforschen gerade auch in Deutschland derzeit weltweit führend und mit viel Akribie "tit-for-tat"-Zusammenhänge, "cheater detection" gegen "Trittbrett-Fahren" und ähnliches, scheinen aber den großen Elefanten im Raum unserer Familien- und Sozialpolitik gänzlich zu übersehen, wenn sie mit ihren Probanden Computerspiele spielen ...

    Gerade auch deshalb kann Mersch so viel Anregung für die empirische Forschung geben. (Und ebenso Sie hier mit Ihren Beiträgen.)

    Würde Gerhard Mackenroth heute noch leben, der bedeutendste deutsche Bevölkerungswissenschaftler des 20. Jahrhunderts, dessen Reformvorschläge Adenauer in den Wind geschlagen hat, der Grundlagenforschung mit angewandter Forschung zu verbinden wußte - er würde Ihnen (und Peter Mersch) sicherlich in fast allem zustimmen.

    Sie sollten die maßgebliche Politikberaterin für Angela Merkel werden!

    In meinen Blogbeiträgen zum Thema "Warum Erziehungsgehalt"

    http://studgendeutsch.blogspot.com/...ehungsgehalt

    bin ich vor drei Jahren zu ähnlichen Ergebnissen gekommen wie Mersch und Sie. Sie drängen sich ja doch auf, schon wenn man nur herausbekommen will, WIE gerecht heute eigentlich Kinderaufzuchtkosten zwischen Menschen mit viel und weniger Kindern in unserer Gesellschaft tatsächlich aufgeteilt SIND.

    Die Wissenschaft KANN es nicht, da die Verteilungsprinzipien viel zu kompliziert und undurchschaubar geworden selbst, sogar für die Wissenschaft selbst - wie dann erst für den einfachen Bürger, der sich ein Urteil darüber bilden soll?

    Schon der 5. Familienbericht der Bundesrepublik Deutschland unter der Federführung von Rosemarie von Schweitzer kam zu ähnlichen Ergebnissen wie Sie - OHNE daß es damals breit in den Medien diskutiert worden wäre.

    Die Rolle der Medien muß auch einmal evolutionspsychologisch und gruppenpsychologisch durchleuchtet werden und alle Vorgänge, die dort eine Rolle spielen bei Information und Desinformation.

    Wie kann eigentlich in modernen Großgesellschaften "cheater detection" wirksam durchgesetzt werden? Soweit ich sehe nur dadurch, daß Menschen ähnlich engagiert und intelligent die Dinge zu durchdenken lernen wie Sie, Mersch und immer mehr Menschen (etwa auch in der Familienpartei Deutschlands).

  63. Ralph Würfel Biologismen
    23.03.2010, 18:44

    Zitat N. a. D.: "Ich beweise auch niemanden, dass die Erde keine Scheide ist."

    Tut mir leid, aber das ist einfach zum Brüllen komisch - ich musste es einfach noch mal posten ... tschuldigung ...

  64. Lena Waider @Ingo Bading
    25.03.2010, 12:27

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Es ist leider ein riesengroßes Trauerspiel, was sich seit Jahrzehnten im Familienbereich abspielt. Mersch selbst hat sich mir gegenüber ein paar Mal völlig resigniert geäußert. Der glaubt nicht mehr daran, dass man das Thema - seiner Bedeutung entsprechend - in absehbarer Zeit ernst nehmen und offen diskutieren wird.

  65. Lena Waider @Ralph Würfel: Biologismen
    25.03.2010, 12:51

    Das wirklich Schlimme (und Komische) an Leuten wie Ihnen ist, dass Sie über sich den Eindruck vermitteln möchten, Sie gehörten zu den aufgeschlossenen Menschen, die die moderne Sicht verträten, während ihre Kontrahenten reaktionäre Biologismen verwendeten, Sozialdarwinisten seien oder gar zurück zum Heimchen am Herd wollten.

    Die schlimme Folgewirkung Ihrer Auffassung ist nämlich, dass Sie genau das bewirken, wogegen Sie sich angeblich wenden.

    Für eine moderne und aufgeschlossene Frau ist es heute ganz selbstverständlich, eine hohe Bildung und eine Verwirklichung im Beruf anzustreben. Dort kann sie selbst Geld verdienen. Sie ist dann ökonomisch unabhängig, kann selbst entscheiden, wann, wohin und mit wem sie in Urlaub fährt, und ihre Arbeit wird anerkannt. Das ist nicht so, wenn sie sich für Familie entscheidet. Eine solche Frau wird deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit wenige oder gar keine Kinder haben. Da aufgeschlossene und moderne Männer heute eine ganz ähnliche Einstellung haben, und meist ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass man die Familienarbeit nicht der Frau allein überlassen kann - man ist ja ein moderner Mann, der die Frauen gleich behandelt -, überträgt sich das Dilemma auch auf die Männer. Bei denen bekommen die aufgeschlossenen, gebildeten, gleichheitsbewussten Männer auch die wenigsten Kinder.

    Mehr Kinder bekommen dann die, die z. B. sehr religiös sind, Familienplanung für unzulässig und Abtreibung für ein Verbrechen gegen Gott halten. Und wo die Frauen bereitwillig akzeptieren, dass sie dem Manne untertan sind. Über bestimmte muslimische Einstellungen, die sich gleichfalls positiv in der Geburtenrate niederschlagen, will ich hier gar nicht reden.

    Das wird zur Folge haben, dass sich gerade die Einstellungen, die Sie angeblich als wünschenswert und modern betrachten, von selbst eliminieren werden. Wenn wir wollen, dass es auch in Zukunft ganz selbstverständlich ist, dass eine Frau gleichberechtigt ist, und sie jeden Beruf der Welt ergreifen kann, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass sich solche Frauen in ausreichendem Maße reproduzieren können, sodass sie ihre Lebenseinstellung an ihre Kinder weitergeben können. Und das werden sie nur tun, wenn wir ihnen ausreichende Alternativen zur rein beruflichen Verwirklichung in der Wirtschaft, wo sie tatsächlich heute Anerkennung via Bezahlung finden, bieten.

    Da Sie aber zu den Leuten gehören, die diese zwingend notwendige Diskussion nicht führen wollen, sondern sie frühzeitig durch Füllwörter wie Biologismen, Sozialdarwinismus etc. abzuwürgen versuchen, gehören Sie für mich zu denen, die dieses Land in genau die Richtung bringen wird, die Ihnen angeblich eigentlich zuwider ist, nämlich ins Konservative und Reaktionäre. Sie tragen mit dazu bei, dass wir eine Gesellschaft bekommen, in der Frauen nicht gleichberechtigt sind. Vielleicht wollen Sie das ja heimlich ...

  66. Lena Waider @Ralph Würfel
    25.03.2010, 15:02

    Und was mich an Ihrer Einstellung auch noch stört, ist die Arroganz, mit der Sie über andere herziehen, obwohl Sie selbst im Glashaus sitzen.

    Der Genderbegriff wurde von Money eingeführt, der durch den Fall Reimer berühmt werden wollte.

    Noch im Jahr 2007 schrieb Alice Schwarzer in "Die Antwort" (S. 168):

    "Ja, es stimmt, die schlimmsten Albträume der Fundamentalisten und Biologisten müssten wahr werden: Das werden nicht mehr die gewohnten 'Frauen und Männer' sein (...), sondern herauskommen wird ein 'neuer Mensch'. Ein Mensch, bei dem die individuellen Unterschiede größer sein werden als der Geschlechtsunterschied."

    Und dass, obwohl sich David Reimer und sein Bruder längst umgebracht hatten. Und wo berichtet wird, dass David Reimer im Erwachsenenalter beim Betrachten eines Films über CIA-Foltermethoden einen Weinkrampf bekam, weil ihn das an die Zeit mit Money erinnerte?

    Im Namen des Antibiologismus sind schlimmste Menschenrechtsverletzungen begangen worden. Man hat auf Menschen unmittelbaren Zwang ausgeübt, im Dienste einer Idee, die obwohl absurd, noch immer nicht vom Tisch ist.

    Immer mehr Menschen wollen das nicht mehr. Sie wollen auch keinen Sozialdarwinismus-, Lebensborn- und Biologismus-Vorwurf von Leuten um die Ohren geknallt bekommen, deren zum Teil extreme Auffassungen wissenschaftlich nicht belegt sind. Sie wollen sich auch nicht mehr anhören müssen, das Erziehungsgehalt-Verbot des Feminismus habe etwas mit Freiheit, ein zusätzlicher Beruf für Familienarbeit dagegen etwas mit Zwang zu tun. Sie wollen diese Müll-Argumentationen nicht mehr!

  67. 25.03.2010, 17:47

    Ich hätte es ja nicht für möglich gehalten, dass eine Kino-Rezension eine solch erbitterte Debatte auslösen würde...

    Und ganz offen gesagt: So offen und neugierig ich neuen Ansätzen auch gegenüber stehe, so wild gehen hier m.E. doch noch die Positionen und Emotionen hoch. Es mag ja sein, dass Peter Mersch eine interessante "systemische" Variante der evolutionären Begrifflichkeit entwickelt hat, dass er das Supermodell künftiger Familienpolitik in der Schublade hat, erleuchtet ist o.ä. Ich hatte ja auch schon selbst Kontakt mit ihm und finde den Austausch durchaus interessant.

    Nur muss klar sein, dass sich neue Hypothesen und Ideen erst einmal diskursiv und empirisch bewähren müssen. Und es hilft da vielleicht auch einfach nicht, wissenschaftliche, philosophisch-gesellschaftliche und politische Ansprüche allzu schnell miteinander zu verquicken und kritisch Nachfragende allzu scharf und persönlich anzugehen. Wo Herr Mersch Recht haben könnte und wo nicht, wird sich in einem sehr langen Prozess entscheiden - emotionalisierter Eifer hilft da sicher nicht.

    Gerne biete ich an, Einzelaspekte der Thematik auch hier im Blog immer mal wieder aufzugreifen und damit einen Raum für jeweils sachliche (!) Diskussionen zur Verfügung zu stellen. Inwiefern Ferztilität Schicksals- und Wertefrage ist, ob die Rückkehr ins Patriarchat das einzig denkbare Modell ist u.v.m. thematisiert zum Beispiel gerade ein neues Diskussionspapier des Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung:
    http://www.chronologs.de/...emografie-und-religion

    Allen Leserinnen und Lesern, Kommentatorinnen und Kommentatoren der Kino-Rezension wünsche ich auf diesem Wege alles Gute!

  68. Ingo Bading Der größte Streik in der Geschichte - und keine Gewerkschaften
    25.03.2010, 22:48

    So weit ich sehe, hat Lena Waider - durchaus mit Verve, viel Engagement, und, ja - schlimm, schlimm, schlimm! - sogar mit viel "Emotion" - einen in sich stimmigen, durch und durch logischen Standpunkt verteidigt.

    Daß dieser Standpunkt schon deshalb verdächtig sein soll, weil er sehr vieles auf einmal beansprucht, erklären und durchschauen zu können - warum soll gerade DAS gegen ihn sprechen?

    Wie oft wird das Theoriedefizit in den modernen anthropologischen und Sozial-Wissenschaften beklagt. Kommt einmal jemand, der den Anspruch erhebt, auch theoretisch eine ganze Menge voranzubringen, um eine Fülle von empirischen Phänomenen auf den Punkt zu bringen, KANN das gar nicht sein, denn man möchte ja - offenbar - noch viele Jahrzehnte weiter dieses Theoriedefizit zu beklagen und zu bejammern in der Lage sein. Oder wie?

    Der Hauptvorwurf gegen Lena Waider (/ Mersch) war hier der des Totalitarismus, der schlicht lächerlich ist, wenn man nur einen Lebensbereich ebenso "beruflich" fassen will, der hohe gesamtwirtschaftliche Bedeutung hat, dessen In-Rechnung-Stellung schon der 5. Familienbericht der BRD von 1994 gefordert hat, und um dessentwillen der langandauerndste und nachhaltigste Streik in der Geschichte moderner Industriegesellschaften geführt wird, nämlich: der Geburtenstreik.

    Daß man - mit Mersch und Waider - nach Jahrzehnten des Streiks endlich auch mal Tarifverhandlungen fordert - wer kann das wem denn eigentlich verübeln? Bei jedem anderen Streik setzen sich die "Tarifpartner" früher gemeinsam an den Tisch, als bei diesem. Oh, WIE "sensibel" wird da alles gehandhabt.

    Die Piloten, die Zugführer, alle, alle, alle streiken, fordern Lohnerhöhung und bekommen sie.

    Aber bei Eltern, da geht es ja "nur" um "ideelle" Werte, nicht "materielle" Werte. Natürlich!

    - Liebe Lena Waider,

    ich sehe zwar auch besorgt in die Zukunft. Sehe aber die Situation nicht aussichtslos an. Was ich für einen Fehler halte, ist, wenn man Single's und Kinderlose aus ihrer Lebenssituation Vorwürfe macht, explizit oder auch nur implizit.

    Die Menschen in Deutschland wünschen sich Millionen mehr Kinder, als dann tatsächlich auch geboren werden, wie gerade auch das "Berlin-Institut" in Zusammenarbeit mit Noelle-Neumann's Allensbach vor einigen Jahren ganz hervorragend herausgearbeitet hat.

    Der fehlende Lebenspartner ist ein Hauptgrund, weshalb Kinderwünsche nicht erfüllt werden. Aber materielle Dinge stehen gleich an zweiter und dritter Stelle.

    VIEL Ansatzmöglichkeiten für Reformen. Da der familiäre Bereich der ZENTRALE JEDER Gesellschaft ist, da schlichtweg die Gestaltung der "Kinderstube" einer Gesellschaft im Tiefsten den Charakter einer solchen Gesellschaft insgesamt kennzeichnet, ist es klar, daß es "große Würfe" sein müssen, die hier zu einschneidenden Veränderungen führen können, daß mit isolierten Einzelmaßnahmen gar nichts erreicht werden kann.

    Auch in der Evolution selbst kennen wir Mikroevolution und Makroevolution. Und manchmal wird eben auch ein Schritt in der Makroevolution "not-wendig".

    Wer hätte sich jemals schon mit der Frage befaßt, warum Kinderwünsche nicht erfüllt werden, weil der geeignete Lebenspartner nicht vorhanden ist? Was für ein Zeugnis stellt sich unsere Gesellschaft gerade auch mit diesem Umfrageergebnis aus?

    Meiner Meinung nach jedenfalls müßte eine "Gewerkschaft der Kinderlosen und Eltern" gegründet werden, die die berechtigen Ansprüche dieser Tarifpartei gegenüber Staat und Familienministerium mit aller Vehemenz und Verve durchsetzt, so wie alle Ansprüche in unserer Gesellschaft durchgesetzt werden.

    Statt der US-, Israel-, Rußland- und sonstigen Lobby in unserem Land einfach auch mal nur die Deutschland-Lobby ins Spiel bringen und stärken.

    Leider hat unsere "Familienpartei" hier in Berlin bislang nur drei, bis sechs Mitglieder, soweit ich übersehe. Und leider hat auch die Partei die "Linke" noch lange nicht begriffen, was die Uhr geschlagen hat. Da bleibt überall noch viel Handlungsspielraum.

    Von der CDU ist überhaupt nichts zu erwarten, die steckt seit Adenauer im tiefsten Sumpf der monotheistischen Interessenwirtschaft, wie man auch in einem der letzten "Spiegel"-Hefte wieder nachlesen kann. Welches Interesse kann der Papst an dem Kinderreichtum derartiger papst-kritischer Bevölkerungen wie der deutschen haben? GAR keines.

    Die CDU ist für eine ganze Fülle von Mißbrauchsfällen fast ebenso verantwortlich wie der Papst, weil sie das Treibhausklima für die Kungelei von Staat und Kirche aufrechterhalten hat, und deshalb eine kritische Schulaufsicht - und auch Medienaufsicht - nie zustande kam.

    Einge der namhaftesten Volksverblöder und Witzbolde: Harald Schmidt, Stefan Raab, Johannes B. Kerner, Thomas Gottschalk etc. pp. sind überzeugte Katholiken, ja, gar nicht so wenige sogar Jesuitenschüler - und niemand wundert sich, daß diese Einpeitscher des zynischsten, atheistischsten (oder monoetheistischsten?) Zeitgeistes, den es jemals gegeben hat, von ihren "Seelensorgern" öffentlich oder im vertrauten Gespräch zur Ordnung gerufen wurde.

    Warum wirft die katholische Kirche einen Harald Schmidt nicht einfach aus der Kirche? An welchem Sumpf ist diese Kirche eigentlich nicht beteiligt?

    Nein, man muß ganz weiten Abstand von allem Christlichen nehmen, um echte Reformen voran zu bringen.

  69. Michael Blume @ Ingo
    27.03.2010, 20:56

    Sorry, aber Dein Kommentar hat meine Skepsis gegen solche "Totalerklärungen" nur weiter verstärkt... Mir ging es ja darum, Frau Waider und anderen die Möglichkeit zu geben, Aspekte der sog. "systemischen Evolutionstheorie" sachlich zu diskutieren. Aber wenn Du selbst bei Fragen der Evolution immer wieder nur bei Deutschland, Adenauer und katholischer Kirche landest... (Ganz abgesehen davon, dass z.B. Japan, Bosnien oder Russland auch extrem niedrige Geburtenraten haben - jeweils ganz ohne Adenauer, CDU und kath. Kirche... Widerlegt das nicht Deine "Thesen"?)

  70. Ralph Würfel @Ingo Bading
    28.03.2010, 01:07

    Zitat: "Wer hätte sich jemals schon mit der Frage befaßt, warum Kinderwünsche nicht erfüllt werden, weil der geeignete Lebenspartner nicht vorhanden ist?"

    Ich vermute, Sie haben sich damit auseinander gesetzt. Und Ihr Reformvorschlag ist welcher?

    " ... ist es klar, daß es "große Würfe" sein müssen, die hier zu einschneidenden Veränderungen führen können, daß mit isolierten Einzelmaßnahmen gar nichts erreicht werden kann."

    Welche "großen Würfe" haben wir denn da zu erwarten?

  71. Ingo Bading Fehlender geeigneter Ehepartner
    04.04.2010, 20:12

    Hallo Herr Würfel,

    bevor man Lösungsvorschläge hat, muß man sich erst einmal mit dem Problem auseinandersetzen. Das habe ich hier

    http://studgendeutsch.blogspot.com/...lin-Institut

    getan.

    Lösungsvorschläge? Bei einer SO elementaren Frage? Ich werde mich zunächst einmal hüten. Bzw. kann ich aus eigener positiver Erfahrung Elitepartner.de oder Parship.de vorschlagen.

    Das kann aber nicht schon insgesamt die Lösung sein.

    Liebe und dauerhaftes Zusammenbleiben hat auch etwas mit Gemütskräften zu tun. Hat auch damit etwas zu tun, die SEELISCHEN Gemeinsamkeiten zwischen Menschen verstärkt werden, nicht immer blasser werden. Hat etwas damit zu tun, daß Liebe WEIT in die Metaphysik hineinreichen KÖNNTE.

    Wie kann man von einer säkularen, atheistischen Gesellschaft erwarten, daß sie die Liebe, das innige Verständnis, auch auf der Ebene des Gemütes vergrößert zwischen allen Menschen, so daß Eheanbahnung und Ehestabilität erleichtert werden?

    Das ist ein irrsinnig langes Thema. Es ist zu zentral, als daß man schnelle Antworten geben könnte.

    - Ansonsten ist der "große Wurf" was die rein materielle Seite und Gerechtigkeit betrifft, schlicht der Vorschlag von Mersch und Waider: Erziehungsgehalt. Den Beruf der Familienmanagerin.

    Transparente Tarifverhandlungen wie zwischen allen anderen Tarifparteien in unserer Gesellschaft auch. Das heißt: Eine mitgliederstarke Gewerkschaft der Kinderlosen und Eltern muß her.

  72. Ingo Bading @ Michael: Monokausale Erklärungen
    04.04.2010, 20:20

    Lieber Michael,

    sollten wir nicht einfach mal mit monokausalen Erklärungen aufhören? Ich hoffe nicht, daß Du derartige bei mir herausgehört hast. Die Geburtenarmut hat VIELE Ursachen.

    Allerdings hat MEINER Meinung nach die starre Haltung der CDU Jahrzehnte lang VIEL dazu beigetragen, daß Reformvorschläge, die seit der Adenauerzeit schlicht vorliegen, niemals breit in der Gesellschaft diskutiert worden sind.

    Kannst Du mir da nicht einfach einmal zustimmen, statt zu sagen, daß ich mit dieser "These" Dein Mißtrauen in große Würfe bekräftigen würde?

    Soziale Gerechtigkeit ist eine banale Selbstverständlichkeit. Sie ist nur deshalb ein "großer Wurf", weil seit Jahrzehnten darauf so gut wie niemand mehr geachtet hat. Ich würde sagen in ähnlich nachlässiger Weise, wie die staatliche Schulaufsicht nicht genügend die Kinder und Jugendlichen in christlichen Institutionen geschützt hat. Da sehe ich Parallelen. In beiden Fällen die gleiche Gleichgültigkeit und der naive Glaube, dort wo christliche Priester tätig sind und Rat geben, wird schon "im Großen und Ganzen" alles richtig sein, wenn nicht sogar überdurchschnittlich richtig.

    Nein. Das Gegenteil ist der Fall. Heuchelei, Bigotterie, Vertuschung, unsägliche Zustände. Und DAS sollen unsere (religiösen) Hauptberater in Sachen Familienpolitik gewesen sein, insofern es sich zumindest um EINE der beiden großen Volksparteien gehandelt hat?

    Und eine solche Behauptung soll WIEDERUM "unwissenschaftlich" sein?

  73. Michael Blume @ Ingo
    04.04.2010, 21:02

    Ich verstehe einfach nicht, wie Du von einer Diskussion von Evolutionsprozessen jedesmal zu CDU-Familienpolitik und katholischer Kirche kommst... Das wirkt dann auf mich schon sehr fixiert und hat mit dem Thema dieses Blogs schon deswegen nichts mehr zu tun, weil z.B. völlig vergleichbare Entwicklungen in anderen Ländern (wie Japan, Bosnien, Russland etc.) unmöglich durch diese Faktoren erklärt werden können.

    Und nach den schockierenden Fällen aus der Odenwaldschulde melden sich derzeit auch immer mehr Missbrauchsopfer aus den humanistischen Einrichtungen der sozialistischen DDR:
    http://www.welt.de/...Weitere-Opfer-klagen-an.html

    Wie passt denn das zu Deinen Thesen? Du kannst doch nicht ernsthaft auch dafür Adenauer und katholische Priester verantwortlich machen?

    Es wäre also nett, wenn wir hier auf Natur des Glaubens ernsthaft über Evolutionsforschung diskutieren könnten. Niemand verlangt von Dir, Christdemokraten oder die katholische Kirche gut zu finden. Aber sie taugen eben auch nicht, um alle Probleme der Menschheit (die auch außerhalb Deutschlands von Interesse ist!) herzuleiten...

    Ich fände es schön, mit Dir wieder über die Breite der Themen debattieren zu können, wie Du es früher so gerne und gekonnt getan hast!!!

  74. Ralph Würfel @ Ingo Bading: Fragen über Fragen
    04.04.2010, 22:02

    Werter Herr Bading,
    leider bin ich nach Ihrer Antwort nicht recht zufrieden gestellt, ja sie wirft nur noch mehr Fragen auf.

    1. In Ihrem usrpünglichen Beitrag, aus dem ich eingangs zitierte, sprachen ja gerade Sie von „VIEL Ansatzmöglichkeiten für Reformen“. Nur nennen wollen Sie diese nicht. Warum nicht? Niemand verlangt eine "schnelle" Antwort, aber eine vollständige schon. In der folgenden Antwort (an M. Blume) aber dann wieder doch: „Reformvorschläge, die seit der Adenauerzeit schlicht vorliegen.“ Welche meinen Sie denn?

    2. Meine Frage nach dem „großen Wurf“ beantworten Sie dann mit dem Verweis auf das „Erziehungsgeld“. Das ist für Sie ein großer Wurf ? Mir scheint es doch nur eine „isolierte Einzelmaßnahme“ zu sein wie Elterngeld, Kindergeld und andere auch.

    3. Nun zum Thema Gewerkschaft. Eine Gewerkschaft ist eine Verbund zur Vertretung von Arbeitsnehmer/innen-Interessen. In einer Gewerkschaft kann also nur Mitglied sein, wer einer bestimmten Berufsgruppe angehört, also in diesem Falle die vom Staat angestellte Familienmanagerin (FM), vorausgesetzt es gäbe diesen Beruf. Niemand anders, denn die „normale Mutter“ wäre ja nicht beim Staat angestellt, sondern freiberuflich, wenn man so will. Auch der Vater (oder die Väter?) der Kinder der FM nicht, denn der ist ja bei seinem eigenen Arbeitgeber angestellt. Wie wollten denn eigentlich die Gewerkschaftlerinnen ihre Interessen durchsetzen? Streiken durch Abtreibung? Im neunten Monat mit der Schwangerschaft pausieren ("jetzt bloß keine Wehen, ich streike")? Ihre Kinder nicht füttern?

    4. Aber es sollen ja Ihrer Meinung nach auch die Kinderlosen in die Gewerkschaft. Welche Kinderlosen denn? Die ungewollt Kinderlosen oder auch die bewusst kinderlos Gebliebenen? Und wie sollten die ihre Interessen durchsetzen?

    5. Aber jetzt kommt es ganz dicke, gar metaphysisch.

    „Wie kann man von einer säkularen, atheistischen Gesellschaft erwarten, daß sie die Liebe, das innige Verständnis, auch auf der Ebene des Gemütes vergrößert zwischen allen Menschen, so daß Eheanbahnung und Ehestabilität erleichtert werden?“

    Wahre Liebe gäbe es also nur in einer Theokratie? Und in welcher? Gibt es dafür auch Statistiken oder ist das nicht viel mehr eine „gefühlte“ oder Wunsch-Realität? Und die stabile Ehe wäre die Voraussetzung für was? Viele Kinder?

    Wie Sie sehen, Fragen über Fragen ...

  75. I.B. @ Herr Würfel
    07.04.2010, 09:45

    Wenn ich die Zeit hätte, mich auf eine Debatte einzulassen, würde ich es gerne tun. Ich habe nur leider keine. (Geht auch an Michael ...)

    Sie stellen sehr wohl wichtige Fragen. Und ich gebe Ihnen recht, daß man die ausführlicher beantworten müßte.

    Der STREIK findet statt: in Form des Geburtenstreiks. Nur werden Streikbrecher, "Billiglohnkräfte" ins Land geholt, bzw. die eigentlich zu bezahlende "Arbeit" wird ins Ausland verlagert (ungünstigstenfalls auf die Müllhalden von Bangladesh etc.).

    Und es wird nicht ausreichend Aufklärung betrieben über die langfristigen FOLGEN dieses Geburtenstreiks in den Industrieländern der Nordhalbkugel).

    Wenn ich mir Kinder wünsche, sie aber nicht bekomme, weil der geeignete Ehepartner fehlt, bzw. ich fürchte, in Armut zu geraten WEGEN Kindern (siehe meine angegebenen Artikel zu "Berlin Institut"), dann habe ich die gleichen Interessen wie Eltern, die dadurch streiken, daß sie keine WEITEREN Kinder bekommen.

    Ein dickes Erziehungsgehalt, was erst die volle Gleichberechtigung der Frau in unserem Land bedeuten würde, wäre schon längst eingeführt, wenn es nicht einen so grundlegenden Umbau unseres Sozialstaates erfordern würde. Er würde eine Änderung im Denken mit sich bringen, bzw. erfordern, ebenso wie in den Mentalitäten. Ja, in der Lebensweise:

    Die Mütter wären die Königinnen, mit denen verheiratet zu sein auch für Männer rein wirtschaftlich attraktiv sein könnte, auch wenn sie selbst nichts "auf die Reihe bringen" (sollten). Da gibt es wie gesagt - für den, der gesellschaftspolitische Phantasie hat und sie nutzen will - viel Spielraum, die Dinge zu durchdenken.

    In der Agrarwirtschaft ist ALLES Arbeiten um die Tatsache herum gruppiert, daß Menschen Kinder haben. Deshalb erscheint uns ein traditionelles Bauerndorf so "kinderfreundlich". In unserer Gesellschaft begleiten Kinder nicht unseren Arbeitsalltag, haben wir sie an den Rand unserer Lebenswelt geschoben, in Teilzeit-Waisenhäuser, genannt Kinderkrippen, ebenso die Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen.

    Ich bin nicht Atheist und nicht Theist, weil ich beides für veraltete Einstellungen halte. Ich bin religiös im Sinne Albert Einsteins. Nimmt man aber diese Religiosität ernst, dann könnte sie sich auch auf die Liebesbeziehungen in unserer Gesellschaft auswirken, sie wieder tiefer mit Liebe erfüllen, als das in unserer heutigen atheistisch oder monotheistisch gefühlsmäßig abgestumpften Gesellschaft üblich geworden ist.

    (Leider auch das wieder nur in "Kurzfassung".)

  76. Ralph Würfel @ I. B.
    07.04.2010, 18:06

    Auch wenn Sie wo möglich keine Zeit für eine Antwort finden, möchte ich Ihre Antwort, für die ich Ihnen übrigens danke, nicht unkommentiert stehen lassen.

    Zitat: "Der STREIK findet statt: in Form des Geburtenstreiks."

    Bitte bleiben Sie seriös - es findet überhaupt kein solcher Streik statt. Selbst wenn Sie es bildlich meinen (und davon will ich jetzt mal ausgehen), unterstellen Sie damit kinderarmen oder -losen Menschen Absichten, wo keine sind.

    Zitat: "Und es wird nicht ausreichend Aufklärung betrieben über die langfristigen FOLGEN dieses Geburtenstreiks in den Industrieländern der Nordhalbkugel."
    Warum klären Sie uns nicht auf?

    Zitat: "Wenn ich mir Kinder wünsche, sie aber nicht bekomme, weil der geeignete Ehepartner fehlt, bzw. ich fürchte, in Armut zu geraten WEGEN Kindern (siehe meine angegebenen Artikel zu "Berlin Institut"), dann habe ich die gleichen Interessen wie Eltern, die dadurch streiken, daß sie keine WEITEREN Kinder bekommen."

    Den Kinderwunsch? Das reicht Ihnen aus? Mir nicht. Und was ist mit den bewusst kinderlos Gebliebenen? Was ist mit Menschen, die keine Kinder haben dürfen oder können (Zeugungsunfähige, Nonnen oder schwule Paare)?

    Zitat: "Ein dickes Erziehungsgehalt, was erst die volle Gleichberechtigung der Frau in unserem Land bedeuten würde, wäre schon längst eingeführt, wenn es nicht einen so grundlegenden Umbau unseres Sozialstaates erfordern würde."

    Die Diskussion hier ist ja überhaupt erst aufgekommen, als ich das bedingungslose Grundeinkommen ins Gespräch brachte (woraufhin Lena Waider einen Tobsuchtsanfall kriegte). DAS würde den Sozialstaat umbauen. Aber doch nicht ein Erziehungsgehalt, das letzendlich doch nur das Elterngeld ersetzt.

    Zitat: "Die Mütter wären die Königinnen, mit denen verheiratet zu sein auch für Männer rein wirtschaftlich attraktiv sein könnte, auch wenn sie selbst nichts "auf die Reihe bringen" (sollten)."
    Mal ganz abgesehen davon, dass das eine absolut durchgeknallte Idee ist: Alle Mütter? Oder doch nur einige wenige vom Staat ausgebildete? Warum sollten eigentlich so gut ausgebildete, kluge, wirtschaftlich erfolgreiche Frauen einen "Loser" heiraten? Oder überhaupt heiraten? Welche Folgen könnten denn diese "Königinnen" hevorrufen? Würden sie nicht werden wie die Amazonen?

    Zitat: "In der Agrarwirtschaft ist ALLES Arbeiten um die Tatsache herum gruppiert, daß Menschen Kinder haben. Deshalb erscheint uns ein traditionelles Bauerndorf so "kinderfreundlich"."

    Wollen Sie uns auf den Arm nehmen? Oder die Landwirte verhöhnen? Ein Bauerndorf kinderfreundlich? Vielleicht für den Großstädter auf Landurlaub. Für die dort Lebenden steht nämlich die harte Arbeit im Mittelpunkt (und nicht die Kinder)und auch für die ist das Landleben alles andere als ein Zuckerschlecken - warum, meinen Sie gibt es wohl die Landflucht? Gerade unter jungen Menschen? Weil das Landleben so aufregend und kinderfreundlich ist?

    Zitat: "Ich bin religiös im Sinne Albert Einsteins. Nimmt man aber diese Religiosität ernst, dann könnte sie sich auch auf die Liebesbeziehungen in unserer Gesellschaft auswirken, sie wieder tiefer mit Liebe erfüllen, als das in unserer heutigen atheistisch oder monotheistisch gefühlsmäßig abgestumpften Gesellschaft üblich geworden ist."

    Ich kenne seit den 90er Jahren viele Menschen, die man als religiös im Sinne Einsteins bezeichnen könnte(sogar Dawkins nimmt das für sich in Anspruch, ich übrigens auch). Die Welt ist aber keinen Deut anders (oder gar besser) geworden. Das wird wohl Ihr Wunschtraum bleiben.

  77. I.B. @ Herr Würfel
    20.04.2010, 16:17

    Herr Würfel,

    ich hatte mich auf die Berlin-Institut-Studie bezogen, in der genau aufgeführt wird, warum Millionen von GEWÜNSCHTEN Kindern in Deutschland nicht geboren werden. Vielleicht lesen Sie mal erst etwas über diese Studie, dann kann das Gespräch fruchtbarer werden.

    Dann schreiben Sie

    "Wollen Sie uns auf den Arm nehmen? Oder die Landwirte verhöhnen?"

    Das ist keine Gesprächsatmosphäre, die ich mir für diesen Gegenstand wünsche. Schauen sie sich mal Kinderfotos auf dem Land aus den 1950er Jahren an. Wir empfinden das als "Idylle". Wir haben das Gefühl, daß diese Kinder glücklich sind. Gemischtaltrige Spielgruppen, bei denen man nicht ständig Angst haben muß, daß sie von rasenden Autos irgendwo überfahren werden. Gelassen.

    Ich möchte sogar noch meine eigene Kindheit in den 1970er Jahren da einordnen.

    Wenn ich damit eine Kindheit in Berlin-Kreuzberg vergleiche, die ich täglich besichtigen kann, dann graust es mir.

    - - - Aber Herr Wüfel, wenn wir uns schon über so schlichte Tatbestände nicht mit einem Wort einig werden, mag es sowieso schwierig werden, uns auf anderen Gebieten einig zu werden, auch noch mit tausend Worten nicht.

    So ganz sehe ich auch nicht, warum Sie so gereizt sind. Sie vertreten auch ein Erziehungsgehalt? Dann müßten wir uns doch weitgehend einig sein. Ich habe wohl Ihre Kommentar nicht gründlich genug gelesen.

  78. I.B. übrigens ...:
    20.04.2010, 16:21

    an der Verbesserung der Welt arbeiten wir Religiösen noch, Herr Würfel!

    Es gibt von uns noch viel zu wenig.

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