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Reduziert Evolutionsforschung Religion?

von Michael Blume, 03. Mai 2009, 00:55

Immer wieder treffe ich auf die Angst, wissenschaftliche Forschung werde das Phänomen der Religiosität und Religionen auf naturwissenschaftliche Prozesse reduzieren und damit in gewisser Weise "entzaubern". Sowohl erkenntnistheoretisch wie persönlich kann ich diese Befürchtung nicht nachvollziehen. Verschwindet die Liebe, wenn wir mehr über die überaus komplexe Biologie der Liebe erfahren - oder steigert das Wissen unser Staunen und Erleben nicht eher? Endet die Wirkung der Musik, wenn wir die Evolutionsgeschichte der Musikalität entschlüsseln - oder fügt dies unserem Hören und Tun nicht eher weitere Dimensionen der Erfahrung hinzu? Auch unsere Augen sind doch eindeutig Produkte der Evolution - würden wir daraus schließen, dass wir nicht mehr sehen? Und religionsphilosophisch gefragt: Wenn Gott sich der von Ihm erschaffenen Welt offenbaren wollte, warum sollte Er dies dann nicht (auch) auf Basis der doch von ihm ausgehenden Naturgesetze tun? Ich kann wirklich nicht erkennen, wie Evolutionsforschung reflektierte Theologien bedrohen sollte...

 

In einem Beitrag von dpa und Frankfurter Rundschau-Online zum Gehirn & Geist Heft 04/2009 "Zum Glauben geboren?" über Evolution und Religion wird der Theologe Prof. Gerd Theißen (Heidelberg) zum Thema mit dem Argument zitiert, dass auch die erotische Verliebtheit einen biologischen Nutzwert habe, auch Eros zur Erhaltung unsrer Art beitrage. In Bezug auf die Religion formuliere er, sie sei "ein Eros zum Sein, in der uns etwas von der Tiefe der Wirklichkeit aufgeht, die wir sonst nicht wahrnehmen".

Prof. Theißens Wortmeldung finde ich ebenso poetisch wie interessant und würde mir wünschen, dass der Dialog zwischen Evolutionsforschung und Theologie(n) auf solchem Niveau weiter an Schwung gewinnen würde. Allenfalls extreme Vertreter sowohl der Religionen wie der Religionskritik dürften mit der Forschung rund um den "Homo religiosus" Probleme haben. Für erkenntnisoffene Menschen dürfte m.E. die Wissenschaft stets mehr Chance für Erkenntnis, Erfahrung und Verantwortung als Bedrohung darstellen. Was meinen Sie?





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