SciLogs International .eu.be.es.de
scilogs Natur des Glaubens spektrum.de

aktuelle Artikel RSS

Darwinisten gegen Darwin? Gegen die religionsfeindliche Umdeutung von Charles Darwin

25. Dezember 2011, 14:28

Wenn "Darwinisten" über Charles Darwin diskutieren, so fühle ich mich oft an Dostojewskis "Großinquisitor" erinnert. In diesem berühmten Gedankenspiel lässt der Autor Jesus ins spätmittelalterliche Spanien zurückkehren. Doch die Lehren und Institutionen der Kirche haben sich längst weit von den Lehren des Nazareners entfernt. Entsprechend begrüßt der Großinquisitor Jesus nicht etwa, sondern lässt ihn verhaften und beschimpft ihn:

Warum also bist Du gekommen, uns zu stören? Denn Du bist uns stören gekommen! Das weißt Du selbst. Aber weißt Du auch, was morgen geschehen wird? Ich weiß nicht, wer Du bist und will es auch nicht wissen: bist Du's wirklich, oder bist Du nur Sein Ebenbild? Aber morgen noch werde ich Dich richten und Dich als den ärgsten aller Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrennen, und dasselbe Volk, das heute noch Deine Füße geküsst hat, wird morgen auf einen einzigen Wink meiner Hand zu Deinem Scheiterhaufen hinstürzen, um eifrig die glühenden Kohlen zu schüren, weißt Du das?

Dass die Ideen und Lehren bedeutender Persönlichkeiten unweigerlich gedeutet, tradiert und institutionalisiert werden, bis sie kaum noch zu erkennen sind, ist in der Geschichte von Religionen und Weltanschauungen keine Seltenheit. Man sollte jedoch meinen, in den Wissenschaften gälte ein besonders reflektierter und vorsichtiger Umgang mit großen Stichwortgebern. Doch weit gefehlt - erst neulich hatten wir hier ja über die rationalistische Verkürzung des evolutionären Ökonomen Friedrich August von Hayek diskutiert. Und auch für den populären Darwinismus - bzw. den Neodarwinismus - gilt: Hier berufen sich regelmäßig Menschen auf den studierten Theologen Charles Darwin, die ihn entweder nicht wirklich gelesen haben oder gezielt ignorieren.

Darwinistische Inquisitoren

Einen kleinen Geschmack auf die atheistischen Vorwürfe, die einem vorbei spazierenden Darwin heute drohen würden, gab es auf "Natur des Glaubens", als ich es gewagt hatte, die Schlusssätze von Darwins Hauptwerk "Die Entstehung der Arten" (ab der 2. Auflage) zu zitieren:

Es ist wahrlich eine großartige Ansicht, daß der Schöpfer den Keim alles Lebens, das uns umgibt, nur wenigen oder nur einer einzigen Form eingehaucht hat, und daß, während unser Planet den strengsten Gesetzen der Schwerkraft folgend sich im Kreise schwingt, aus so einfachem Anfange sich eine endlose Reihe der schönsten und wundervollsten Formen entwickelt hat und noch immer entwickelt.

Gleich der erste Kommentator ließ wissen, dass Charles Darwin nicht gemeint haben könnte, was er schrieb - entsprechende Sätze "waren nichts weiter als beruhigende Zugeständnisse an seine erbosten Zeitgenossen." Darwin - ein unaufrichtiger Taktierer?

Der zweite Kommentator behauptete, dass Darwin den Schöpfer "unter dem Druck der Religionslobby hinzugefügt" habe, und zwar "zu seinem eigenen Missfallen". Und zitieren solle man ihn also auch nicht mehr, denn: "Dass für seine eigene naive Argumentation für Gott zu vereinnahmen kann natürlich nur passieren, wenn man ganz stark an Religiosität erkrankt ist, jedem anderen Menschen mit einem Funken Anstand wäre derartiger Betrug einfach zu peinlich." Darwin - zu Betrug erpresst?

Darwinismus ohne oder gar gegen Darwin?

Und so geht es weiter - religionskritische Darwinisten haben sich längst ein Darwin-Bild zurecht gebogen, das mit dem studierten Theologen ("unnütze Esser" laut einem weiteren Kommentator...) nichts mehr zu tun hat. Aber auch prominente Darwinisten wie Richard Dawkins veröffentlichen ganze Bücher "darwinistischer" Religionskritik - ohne auch nur zu erwähnen, wie ihr Namensgeber selbst die Vereinbarkeit von Evolution und Gottesglauben (evolutionärer Theismus) beurteilte und welche Begriffe und Hypothesen Darwin selbst zur Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen vortrug.

Ob (nicht nur) Dawkins die religionsbezogenen Aussagen von Charles Darwin gar nicht kennt - oder bewusst entscheidet, sie zu verschweigen?

Charles Darwin und der evolutionäre Theismus

Schauen wir uns die o.g. Aussage Darwins doch noch einmal genau an, so werden wir feststellen, dass sie sehr viel differenzierter ist, als manche(r) vor lauter Erregung wahrnimmt. Charles Darwin behauptet gar nicht, an einen Schöpfergott und einen Fortschritt des Lebens zu glauben. Er erkennt jedoch an, dass dies eine "grossartige Ansicht" sei. (Im englischen Original geradezu poetisch: There is grandeur in this view of life...")

Wenige Absätze zuvor hatte Darwin diesen Gedanken bereits in der Ursprungsfassung der "Entstehung der Arten" ausgeführt:

Ich sehe keinen triftigen Grund, warum die in diesem Bande aufgestellten Ansichten gegen irgend Jemandes religiöse Gefühle verstoßen sollten. Es dürfte wohl beruhigen, (da es zeigt, wie vorübergehend derartige Eindrücke sind), wenn wir daran erinnern, daß die größte Entdeckung, welche der Mensch jemals gemacht, nämlich das Gesetz der Attraction oder Gravitation, von Leibnitz auch angegriffen worden ist, „weil es die natürliche Religion untergrabe und die offenbarte verläugne.“ Ein berühmter Schriftsteller und Geistlicher hat mir geschrieben, „er habe allmählich einsehen gelernt, daß es eine ebenso erhabene Vorstellung von der Gottheit sei, zu glauben, daß sie nur einige wenige der Selbstentwickelung in andere und nothwendige Formen fähige Urtypen geschaffen, wie daß sie immer wieder neue Schöpfungsacte nöthig gehabt habe, um die Lücken auszufüllen, welche durch die Wirkung ihrer eigenen Gesetze entstanden seien.“

Auch in seinem späteren Hauptwerk "Die Abstammung des Menschen" formulierte Darwin nicht nur Definitionen und Hypothesen zur Evolution der Religion, sondern stellte auch klar:

Natürlich ist diese Frage von der anderen höheren völlig verschieden, ob ein Schöpfer und Regierer des Weltalls existirt; und diese ist von den grössten Geistern, welche je gelebt haben, bejahend beantwortet worden.

Erneut erkennt Darwin an, dass man die Evolutionstheorie mit dem Gottesglauben verbinden kann, ohne sich jedoch selbst dazu zu bekennen. Vollends fallen alle Erpressungs-, Betrugs- oder Verschwörungstheorien aber mit dem Brief Darwins an John Fordyce vom 7. Mai 1879 (drei Jahre vor seinem Tod) in sich zusammen. In eigener Übersetzung:

Es scheint mir absurd zu bezweifeln, dass ein Mensch ein entschiedener Theist und ein Evolutionär sein kann. - Sie haben Recht mit Kingsley. Asa Grey, der berühmte Botaniker, ist ein weiterer, überzeugender Fall. - Was meine eigene Ansichten sein mögen ist eine Frage, die niemanden außer mich betreffen muss. - Aber da Sie fragen, möchte ich erklären, dass mein Urteil oft schwankt. Ob ein Mensch es verdient, ein Theist genannt zu werden, hängt von der Definition des Begriffes ab; was viel zu groß für eine Notiz ist. In meinen extremsten Schwankungen bin ich nie ein Atheist in dem Sinne gewesen, dass ich die Existenz Gottes geleugnet hätte. - Ich denke, dass generell (& mehr und mehr als ich älter werde) aber nicht immer,  die Bezeichnung "Agnostiker" die korrekteste Beschreibung meiner diesbezüglichen Auffassung sein würde. (vgl. Original im Darwin Correspondence Project)

Fazit: Laut Darwin sind sowohl Atheismus, Agnostizismus wie auch Theismus (Gottesglauben) mit der Evolutionstheorie grundsätzlich vereinbar

Charles Darwin war nicht nur als junger Mann selbst sehr fromm gewesen, sondern lebte und arbeitete auch Zeit seines Lebens mit Menschen zusammen, die Evolution und Gottesglauben zu verbinden verstanden. Auch die Religion erschien ihm als erfolgreiches Merkmal der menschlichen Evolutionsgeschichte erforschbar. Seine eigenen, wachsenden Glaubenszweifel hingen mit der Theodizee-Frage (der Frage nach dem Leid in der Welt) zusammen. Er war ein brillanter, empirischer Wissenschaftler und zugleich geisteswissenschaftlich gebildet genug, um zwischen seinen persönlichen Glaubensauffassungen einerseits und den empirischen Befunden andererseits zu unterscheiden.

Es ist ärgerlich und falsch, dass selbsternannte "Darwinisten" wie auch religiöse Fundamentalisten den Theologen Darwin nachträglich zu einem Atheisten und Religionsverächter umdeuten wollen, ihm dazu auch Täuschung und Unaufrichtigkeit unterstellen. Jesus, Darwin und auch alle anderen, bedeutenden Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte haben einen historisch besser informierten, differenzierten Blick verdient - gerade auch dann, wenn sie und ihre Aussagen im Namen der Wissenschaft diskutiert werden.



Geschrieben in Willkommen , Vorurteile , Religionskritik - Kritik , Charles Darwin | 65 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Wie Verschwörungstheorien funktionieren - Das Buch von Thomas Grüter

23. Oktober 2011, 06:00

Als Religionswissenschaftler trifft man ständig auf Verschwörungstheorien, die zu jeder (ja, jeder!) lebendigen religiösen Tradition entstehen. Sogar zu den pazifistischen, kinderlosen und (deswegen) derzeit aussterbenden Shakern gab es einen eigenen Anti-Shakerismus... Stellt man sich solchen Verschwörungstheorien entgegen, so wird man ihnen schnell selber zugerechnet - wie ich auch persönlich immer wieder erfahren "durfte". So wurde ich schon mehrfach als "heimlicher Jude" vermutet, da ich mich für den Dialog und gegen Antisemitismus (u.a. in einer KZ-Gedenkstiftung) engagiere - und dann auch noch "Blume" (Aha!) heiße. Und seit dem 11. September 2001 bin ich aufgrund des Engagements im christlich-islamischen Dialoges und der Ehe mit einer Deutschtürkin immer mal wieder zum "heimlichen Muslim" geworden - und habe es auch schon zu einem "Steckbrief" auf der islamophoben Verschwörungsseite "Nürnberg 2.0" gebracht. Nur zum Außerirdischen wurde ich bislang, trotz Artikeln über UFO-Religionen, meines Wissens leider noch nicht ernannt... ;-)

 » weiter

Geschrieben in Vorurteile | 62 Kommentare | 3 Trackbacks | Permalink


Biologen sind gar nicht so! - Zu verbreiteten Vorurteilen zwischen den Wissenschaften

29. August 2011, 21:28

Als der weltberühmte Ameisenforscher Edward O. Wilson 1975 seinen immer noch lesenswerten Klassiker "Soziobiologie" veröffentlichte, löste er einen Aufschrei auf, da er in einem Kapitel auch auf den Menschen einschließlich dessen Sozialverhalten und Religiosität eingegangen war. Seine erbitterten Gegner, die auch vor der Störung von Vorlesungen und einem tätlichen Angriff nicht zurück schreckten, waren jedoch keine religiösen Fundamentalisten, sondern linksorientierte Studierende sowie Vertreterinnen und Vertreter der Kultur- und Geisteswissenschaften, die sich vom "Biologismus" Wilsons provoziert und bedroht fühlten. Dieser dachte jedoch gar nicht daran, sich das Forschen und Denken verbieten zu lassen und setzte mit einem eigenen Buch zur Evolution des Menschen "On Human Nature" (1978) nach - das prompt einen Pulitzerpreis gewann. Auch darin gab es wieder ein eigenes Kapitel zur Evolutionsbiologie der Religion, das jedoch von Kollegen der eigenen wie auch anderer Disziplinen seinerzeit noch tapfer ignoriert wurde.

 » weiter

Geschrieben in Vorurteile | 61 Kommentare | 1 Trackbacks | Permalink


Göttliche Geistesblitze - Ein grandioses Buch zur Wissenschaftsgeschichte von Eckart Roloff

16. Mai 2011, 06:26

Das Miteinander von Religion(en) und Wissenschaft können sich viele Menschen noch immer nur als Gegensatz vorstellen: Das Eine werde durch das Andere verdrängt. Die Geschichte zeichnet dagegen ein anderes Bild: In und um religiöse Traditionen wurden die Grundlagen von Schrift, Musik, Wissenschaft, Kunst und Staatlichkeit entwickelt, bevor sich diese über Jahrhunderte hinweg - zu Recht! - aus der "elterlichen" Klammer lösten und zunehmend Selbständigkeit und Freiheit erwarben. Dank dieser Entwicklung können wir heute an all diesen und vielen weiteren Lebens- und Erkenntnisbereichen teilhaben und einseitige Engführungen vermeiden. In seinem neuen, wunderbaren Buch "Göttliche Geistesblitze. Pfarrer und Priester als Erfinder und Entdecker" ist es Eckart Roloff gelungen, dies auf ebenso informative wie unterhaltsame Weise darzustellen: Indem er Menschen vorstellt, die zugleich Geistliche (Priester, Pfarrer, Mönche) und Erfinder bzw. Entdecker waren.

 » weiter

Geschrieben in Vorurteile | 23 Kommentare | 2 Trackbacks | Permalink


Das Spektakel der königlichen Hochzeit - Ein lehrreicher Anachronismus

28. April 2011, 20:48

Morgen ist es also soweit: Kate Middleton und Prinz William geben sich das königliche Jawort! Während sich Fernsehstationen weltweit auf Hunderte von Millionen Zuschauern einstellen, gehört es unter deutschen Gebildeten in diesen Tagen zum guten Ton, über das Spektakel und die begeisterten Massen die Nase zu rümpfen. T-Mobil hat sogar eine Werbekampagne aufgezogen, die den rituellen Gang zum Alter vorab verulkt.

 » weiter

Geschrieben in Vorurteile | 12 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Evolutionstheorie und die Religionen

16. April 2011, 20:02

Noch immer ist das Vorurteil zu hören, "die Religionen" oder gar "die Religion" hätte ein Problem mit der Evolutionstheorie bzw. den Ergebnissen der Evolutionsforschung. Das ist in zweifacher Hinsicht schlicht falsch:

1. Nur einige - mithin eher wenige! - religiöse Traditionen lehnen die Evolutionstheorie und -forschung ab, andere erkennen sie an oder begrüßen sie sogar.

2. Religiosität (als biologische Veranlagung) und Religionen (als biokulturelle Traditionen) werden längst selbst als Ergebnisse des Evolutionsprozesses erforscht (vgl. kostenloser Übersichtsartikel "Homo religiosus" aus Gehirn & Geist hier), u.a. auch in der (kognitiven) Archäologie.

 » weiter

Geschrieben in Vorurteile | 46 Kommentare | 1 Trackbacks | Permalink


Religiöse Deutungen der Evolution - Von Kreationismus bis evolutionärer Theismus

14. April 2011, 23:09

Dieses Wochenende startet (m)ein neues Seminar in der Religionswissenschaft der Universität Jena: Religiöse Deutungen der Evolution - Von Kreationismus bis evolutionärer Theismus. Denn als Menschen können wir uns Geschichte(n) nur als Erzählungen vorstellen - in die wir stets (ggf. auch völlig unbewusst) unsere jeweiligen weltanschaulichen und religiösen Weltanschauungen einweben. Und welche Geschichte könnte größer sein als die Evolutionsgeschichte - die Erzählung der Entstehung von Allem?

 » weiter

Geschrieben in Vorurteile | 6 Kommentare | 1 Trackbacks | Permalink


Der Alevismus in Deutschland

21. März 2011, 21:56

Vor Kurzem hatte ich auf diesem Blog über die Anthroposophie berichtet, die in meiner Heimatstadt Filderstadt schon lange etabliert ist, christliche und nichtchristliche Traditionen verbunden hat und u.a. ein eigenständiges Gottesbild und den Glauben an Reinkarnationen (Wiedergeburt) vertritt. Wussten Sie, dass sich auch aus dem Islam heraus Traditionen entwickelt haben, die vergleichbare Lehren vertreten? Da just heute - zum (auch) alevitischen Nouruz-(Neujahr)-Fest - in Filderstadt die Einführung von alevitischem Religionsunterricht an zwei Grundschulen gefeiert wurde, ist das eine gute Gelegenheit, auf eine religiöse Minderheit in unserer Mitte hinzuweisen.

 » weiter

Geschrieben in Vorurteile | 0 Kommentare | 1 Trackbacks | Permalink


Richard Dawkins zu Religion und Demographie

12. Januar 2011, 15:54

In den letzten Wochen sind eine Vielzahl von Artikeln zur Evolution von Religiosität und Religionen und auch zu Religion-Demografie in der englischen Welt erschienen. Den Anfang machte ein Artikel von Jesse Bering auf Scientific American, gefolgt von einem Artikel in den Sunday Times ("Atheists a dying breed"), einer ganzen Gott-Instinkt-Debatte auf Guardian CIF u.v.m. Immer wieder wurde dabei auch auf meine Forschungen verwiesen.

 » weiter

Geschrieben in Vorurteile | 52 Kommentare | 3 Trackbacks | Permalink


Gesichter des Islam - von Reinhard Baumgarten (ARD)

27. November 2010, 17:30

In einem aktuellen Interview bei der Frankfurter Rundschau bemerkte der Ministerpräsident von Hessen, Volker Bouffier:

Wenn von Islam die Rede ist, erfahren unsere Bürger aus den Medien das in den letzten Jahren in der Regel mit Blut, mit Terror und Tod. Die friedliche Religion des Islam ist nicht das, was unsere Bürger wahrnehmen."

Das ist sicher wahr - und man braucht zur Erklärung auch keine Verschwörungstheorien. Gerade aus der Perspektive der Evolutionspsychologie ist doch klar: Unsere Wahrnehmung wird sehr viel stärker von spektakulären und bedrohlichen Bildern angesprochen als von alltäglichen und ruhigen. Jene unserer Vorfahren, die Berichten von Gefahren höhere Aufmerksamkeit schenkten, steigerten damit ihre Überlebens- und Fortpflanzungschancen. Zu den negativen Effekten dieser Veranlagung gehört heute ein Medien-Wettlauf um Grausamkeiten, der immer mehr Menschen bedrückt. "Blut und Tote steigern die Quote.", lautet so ein bitterer Merksatz, den mir ein Journalist einmal bedrückt anvertraute. Auch Klischees über andere Völker - und besonders deren Männer - werden so verstärkt: Jeder Italiener ein Mafioso, jeder Japaner ein Samurai, jeder Deutsche ein Nazi, jeder Muslim ein Terrorist. Täter (etwa Nazigrößen oder Terrorführer) werden so schnell prominent, ihre Opfer (etwa ermordete Kinder oder die überwiegend muslimischen Opfer islamistischer Extremisten) bleiben dagegen unbekannt. Und es stellt sich die bange Frage...

 » weiter

Geschrieben in Vorurteile | 0 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


szmtag